Skip to main content

Full text of "Lexikon für Theologie und Kirchenwesen : Lehre, Geschichte und Kultus, Verfassung, Feste, Sekten und Orden der christlichen Kirche : das Wichtigste bezüglich der übrigen Religionsgemeinschaften"

See other formats


Lexikon für 



Theologie und 
Kirchen wesen 




Heinrich Julius 
Holtzmann, 
Richard Zoepffel 




/ r 



i • 




UNION 
THE0LU««0AL SEMi.NAKY, 
. » ♦ < ■» — 



fe\V YO 




>y Google 




Digitized by Google 



für 

Ipeofogie mtb <&ix$mwfm 

Dr. g. Sol^mmtn unb Dr. lt. «Böpfri, 

orbentl. $rofefforen an bcr Unt^crf i tfit ©trajjfcnrg. 



SBerfaffung, Seftc, ©eften unb Orben ber d>riftttdjen Ätrdje; 
fco« JCßi^tigfte bejügtic^ ber übrigen föeUflton«äeraeinf<$aften. 



— 



9tattttf$tt>etg. 

6. $1. ,® ^ id e 1 1 $ f e unb © o f) n. 

1895. 

■ 

Digitized by Google 



LL_PI A:' Y ... F THE 

Unicn Seminapy 

NEY/ YC/UI CITY 

PKESEN I tD BY 

Samuel Macauley Jackson 

Sltle SRedjte vorbehalten. 



Hl 



Vorwort $ur §wdteu JlitfCage. 



i 

, Der Snhalt beS borltegenben #anbe« bertheilt ftch jwifc^en beiben 
Herausgebern fo, bajj'atle biographifchen, firchenrechtlichen, firchenpoli* 
tilgen unb firct>engefchichttichen Slrtifel, teuere menigftenS oom ßnbe 
be« apoftolifchen Zeitalters an, bem fetten (baher gezeichnet z), bie 
bibltfchen, bogmatifchen, ethifdjen, futtijdjen, religionSbtulofophiWen unb 
^rattifd?*t^ectegifc^en Slrtifel bem erften (baher gejeic^net h) guf allen. 
27?tt ben beiberfeitigen Beiträgen tt?ar co feineSroeg« ettva auf ®eltenb» 
machung irgenb eine« fircbttd^tfyeologifcfyen StanbpunftS, toohl aber auf 
mögltcfyft fnat<p unb übersichtlich gehaltene Darlegung beS ^iftortf^en 
Sajhberhatts abgefehen. Sttehr noch als X^eologen finb als 8efer 
ßaien gebaebt, welche bem ©egenftanb aujjer bem perftfnlichen, bielleicht 
auch ein burd? anbertoeitige Stubien ober burdj berufliche ^Beziehungen 
ZU bem firchlichen Xfjvin unb Xreiben ber ©egenmart motiviertes 3nter- 
effe entgegenbringen, JöefonberS ausgiebig »ermatten ftch baher bie 
Mitteilungen beS Serifonä be^üglid? ber perfbnlichen Verhältniffe, ber 
rircfyenpolitifcfyen Sitte unb ber gefdndjtlic^en Hergänge, toelche jum Ver« 
ftänbnis ber gegenwärtigen ©abläge bienen, n>aS Staat unb Kirche, 
toaS Geologie unb Söiffenfchaf t , tt>a« et^tfe^e unb religiöfe Söeltan* 
föauung betrifft. (Sogar eine geunffe Vollftänbigfeit fonnte erhielt 
toerben in ®ejug auf einzelne Kategorien, n>ie z- bie JBefefcung ber 
theologifchen vehvi'tublc in ben beutfcfy'proteftantifcfyen Öänbern. feen ber» 
ehrten Kollegen, bie ihm baS hierfür erforberlic^e Material bereitwilligft» 
gur Verfügung ftellten, ift ber an zweiter Stelle genannte Herausgeber 
31t bejonberem £)an! verpflichtet. £)ajj nur bie bebeutenbern unb felb* 
ftänbig erfct)ienenen Veröffentlichungen in bie ©iograbtnen aufnähme 
finben tonnten, wirb man begreiflich finben. ^rebigten unb ^rebigt» 
fammlungen finb mit wenigen angezeigten Ausnahmen ber föaumerfparnis 
wegen nur bei braftifchen ©eiftlichen angeführt worben. 

VorUegenbe jtoeite Auflage ftellt fetneswegs bto§ einen 9teubrucf 
ber bor fiebert Oaijren erfchienenen erften bar. (Die an biefer bon be* 
rufener wie unberufener Seite geübte Kritif $at nicht blojj ju genauer 
föebifton beS borhanbenen Stoffes, fonbern auch 3 U Einfügung zahlreicher 
neuer Slrtifel Slnlafj geboten. SnbererfeitS legte ber populäre 3»ecf beS 
SextfonS bem Streben nach (Erweiterung gewiffe Schranfen auf. 

Viele tarnen, beren bie Kirchengefchichte nicht entTaten fann, mußten 
fchon beshalb hier wegfallen, »eil fie mehr noch unb borher f(hon ber 



Digitized by Google 



IV 



23 o r n> o r t. 



allgemeinen SBelt*, Kultur* unb ßiteraturgefchichte angehören, ©ämtliche 
Sßäpftc aufzunehmen, fchien bagegen bem 3n>ecf entfpredt)enb, rafdje unb 
letzte Orientierung über ftnfyengefdjidjtttdje £aten ju ermöglichen, ©onft 
finb außer ben gegentoärttgen Stampfen jroifchen Äircfce unb Regierungen 
befonberä Reformation unb Gegenreformation auf ber einen, bie Aufgaben 
unb Probleme be$ urc^rifilic^cn ©chaffenS unb Kenten« in ber $ur ®rün* 
bung ber fatholifchen flirche führenben ^eriobe auf ber anbern ©ette mit 
oerhältniSmäfeiger Stuefü^rlic^fctt behanbelt roorben. 

(Strasburg, im Oftober 1888. 

4). JjoltyRami. Ä. Mpfttl. 



Vorwort $ur brüten Jluffafle. 



^i>orliegenbe Auflage ift in ihrem §auptbeftanbtheil bie un&eränberte 
jttjeite. Der neu hi n 3"ö c fommene Nachtrag ift nach ben in jener be* 
folgten ©runbfäfeen gearbeitet unb bringt außer Biographien hauptfächlich 
tfiteraturangaben, wobei auch bie ^rebigtltteratur größere Berücffichtigung 
erfahren l)at, bie roichtigften (Sveigniffe auf bem ©ebiete ber Äirchen* 
gefchichte unb Sbeologte, neuere ftatiftifche Angaben unb roae fonft ben 
3roecfen be« Pepton« bienlich f«^ien. $)ie „Berichtigungen unb Gnrgän* 
jungen" jur jroeiten Sluftage (<5. 1073 — 86) finb meift herübergenommen, 
boch finb 3. B. Berbefferungen oon £)rucffehlern, bie fich oon felbft er* 
geben, roeggefaüen. 3Äit Crrgänjungen finb naturgemäß bie fchon Dor 
längerer 3eit erfchienenen unb tiirger behanbelten erften Lieferungen ber 
groeiten Auflage reichlicher bebaut toorben al« bie fpäteren. 

(Schließlich erfüllt ber Unterzeichnete bie angenehme Pflicht, benjenigen, 
bie burch freunbliche Ueberraittelung ihrer Biographie beren Aufnahme 
ermöglicht haben, foroie $errn "i|3rof. D. £> o l m a n n für oielfeitige $ör* 
berung burch Rat unb St^at feinen Danf aussprechen. 

Strasburg, im 3anuar 1895. 

JUdjael Limmer. 



Digitized by Google 



ttatott, ber ©ruber unb nach 2. 9Wof. 
4, 14 f; 7, 1 f. „SWunb" ober „^rotbet", 
b. b- ©J>red)er be« SWofe«, ber jtcb freiließ, 
bcr ßrjä'hlung oom golbnen Äalb jufolge, 
nicht immer bewährte. ©leicb>obl ftebt 
bie frätere Ueberlieferung in ihm ba« Ur* 
bilb unb $auj>t ber iflraelirifchen ^riefter 
ff. b.), unb feitbem e« im Untertrieb oon 
ben gemeinen ?eoiten (f. b.) eine eigent- 
liche Priefterfafte gab, führten bie 9n< 

? ^hörigen berfelben ihren Stammbaum auf 
einen älteren ©otjn, ßleafar, jurücf. h. 

flbabbon, im Alten Xeflament buhte* 
rifdjer 9?ame für Unterwelt unb lotenrcich, 
in ber Offenbarung be« 3ot)anne« (9, 11) 
9?ame be« bßaifc^en ©erwüfler«. h. 

»baltttb, $ e t e r , geb. 1079 im ftlecfen 
Calais (©retagne), oertrirt al« weltbe- 
rühmter 2et)rer ber Ideologie unb ^t)ilo« 
fephie (1102—36 mit einigen Unterbre- 
chungen in $ari« unb Umgebung) fowie 
al« »ielfeitiger ©chriftfteller ($auttwerfe: 
,Scito te ipsum", „Introdactio ad theo- 
logiam", »Sic et non" k.) eine bem 9to- 
minali«mu« toerwanbte 9tic$tung innerhalb 
ber ©cholafht 3>a« ©erhältui« \u ber 
fronen, reichbegabten §eloife machte ihn 
frtibjeitig (ber Ob<im feiner ©eliebten ließ 
it)n entmannen) utr Rührung be« geift- 
lid)en Ämte« untüchtig : er trat in« Älojier. 
©eine ber bamaliaen Orthoborie anpjjigc 
ffreijinnigfeit, in«befenbere feine fpefulattoe 
2rinitat«let)re , brachte it)n in einen Äen* 
fltft mit ber Äirdje, bie feine ?e$ren auf 
jWet ©ijnoben, 1121 $u ©oiffon« unb 
1141 gu @en«, oerbammte. SWit ber 
Äirche aufcgef i5^nt , ftarb er 1142 im ^rt* 
orat be« heil. 9Karceüu« bei 5t)alon«. 
3n ber £t)colegie ging er oon bem ©runb» 
fatj au«: erft muß man erfennen, bann 
fann man glauben. ©gl. ©ittcher in ber 
„3<itförift für bifwrifche Xbeologie" (1869 
u. 1870); tteuter, ©efebiebte ber reli- 
giösen «ufflärung im Mittelalter, 53b. 1 
(1875); 2>eutfcb, 25ie ©tmobe tjen <2en« 
nnb bie ©erurteilung «bälarb« (1880). 
Vacandard. Ab. et sa lutte avec St. 



Bernard (1881); Eeutfch, % *b.(1883); 
Xenifle im „«rd;. für ?itt. unb Ä.©. b. 
SN.*." (1885). i. 

?lbba (bebr.-cbalb., „©ater"), in jübi- 
feben unb altchriftlicben ©ebeten Bnrebe 
an ©ort (f 3tfu# (ftpina*), bann in mor- 
genlä'nbifcben Äirchen Xitel ber ©ifeböfe 
unb Patriarchen, h. 

9bbe (franj.)/ urfprünglicb f. t>. w. 
9lbt. 9luf ©runb eine«, iwifcben pafrft 
Seo X. unb bem ftttuig $ranj I. toon 
granfreid? abgeflogenen Äontraft« ftanb 
ben ü'dnigen oon ^ranfreich ba« 9ted)t 
ju, 225 Abbes commendataires für faft 
alle franjöfifd)en Hbteien \n ernennen, 
©eit iWitte be« 16. 3ab,rl). führten ben 
Xitel %. überl)aufct junge ©eidliche mit 
ober ohne geiftlühe SBeiben. tyxt Älei« 
bung befianb in einem fc^toarjen ober 
bunreloioletten ©emanb mit fleinem fra- 
gen, unb ibr ^paar war in eine runbe 
Vocfc georbnet. 35a ton biefen nur Wenige 
«im mirflicben ©eftt} einer Tlbtei gelangen 
tonnten , fo fungierten einige al« Haus- 
lehrer, @ett?iffen«räte ic. in angef ebenen 
Familien, anbre wibmeten fich ber Schrift- 
ftellerei. Srft mit ber Äeoolution Oer» 
fchmanben fit au« ber ©efeüfchaft. z. 

flbbreoiatoten (lat), bie totehtigften 
Beamten ber ^Sp^(itf)en Äanjlei, welche 
bie entwürfe ju ben täpftltchen Fullen 
macben; fie werben fchon unter 3ot)ann 
XXII. (1316— 1334) erwäbnt, Würben »on 
paul II. aufgehoben, febech ton ©irtuö IV. 
wieberhergejteHt. z. 

Slbbütta (arab., „unfer S?ater' y )/ ba« 
Oberhaupt ber abefftnifchen Äirche (f. b.). z. 

?lbbtQ*, angeblich erfter, oon ben 
31to^eln eingefefeter ©ifchof oon ©abhlon; 
ihm würbe eine im 6. 3abrt)- entftanbene 
Sammlung oon ?eben«befchreibungen ber 
91|?oftel ( w De historia apostolici certa- 
minis libri X") oon ihrem Herausgeber 
fa*,iu« (1551) jugefebrid»». — »- 

«bei (bebr.^^w^YadOf^^-. 
4, 1 f. jweite^r ber ©tammeltern// - 

be« 3Wenfchen/eWecbt«. iPsJL f tfrr\iitg Gr« <^ 



THEOLOilCAL SEMINAftY, 



2 



lätylung gibt ein ©üb ber Sultur« unb 
9celtgion«toerbaltniffc ber Urjeit unb »er« 
leibt ber ©orliebe ber Hebräer für ben 
$>irtenftanb 9lu«brucf. h. 

fcbenbmabl (9i a t m a b l, ©afra« 
ment bc« «Itar«, (Sucbariftie), bie 
allen «briftlicben Stirnen unb Äonfefftonen, 
mit ?lu«naljme weniger ©eften, gemein« 
fame, ober in gorm unb Äuffaffung febr 
toerfcbiebene , mit bem ©enufj toon ©rot 
unb fßein üerbunbene fteier be« lobe« 
(Jbrifti unb ber SBirfungcn beSfelbcn für 
bie ©emeinbe. 9iacb bem erflen Äorintber* 
brief unb ben fton Optiken Gtoangelien 
reitet fte bi« in bie Uranfänge ber ©e* 
meinbe inrücf unb ift ba« 8. toon 3efu« 
felbft bei bem lefeten 2Habl mit feinen 
3üngern (bem ^affabmabl) in ber Wacbt 
toor feinem Xob eingefefct toorben. G« 
feilte urfprünglub eine ®ebäcbtni«feicr 
3efu unb feine« Xobe« fein; bie ©tymbo» 
Ii! ber §anblung, bie man treffenb al« 
„3efu lefcte« ©leiern«" be3ci<bnet b,at, 
fcbliefjt reiche unb tiefe ©ejicbungen auf 
bie ©ebetttung biefe« iobe« in ftcb, wä> 
renb fte an ftcb einem rituellen ©ebraueb, 
bei ber ^affalnnabljeit ber 3ubcn entfpriebt, 
nämtidj ber bem $au«toater obliegeiiben 
«u«tcüung be« ©rot« unb be« $ecber« 
mit SBein unter beftimmten ©cbeten unb 
?obprcifungen. ©o ift ber urfprünglube 
©inn ber geier nur babin ju toerfleben, 
baß 3efu« bie neue $eier in btefclbe ©e* 
iiebung ju bem religtbfen ?eben ber toon 
tbm au«geb/nben ©emeinfebaft fefeen wollte, 
welcb« ba« ^affab. ju bem be« ©olt« 3«* 
rael gehabt blatte. 9iun feierte biefe« im 
s 4$affab feine ©efrehing au« ber ägtyptifcben 
Änedjtf^aft, feine örwablung jum ©unbe«« 
toolf. ftolglüb Ai^t ftcb ba« % einerfeite 
als eine bie ©tiftung eine« neuen ©unbe« 
inaugurierenbe ^eicr, bureb, welcbc ber 
2Dob be« ©tifter« al« bie gef($i$t(ic$e unb 
fortwirfenbc Urfacbe eine« neuen ©erba'lt« 
niffe« ber ©emeinbe ju ©Ott erfctyeint, 
anbererfeit« jugleicb. als freier ber ©erneut« 



fdjaft biefer 3ünger untereinanber, al« fpe- 
3tftfcb ctyriftlid^e« ?tebc«mabl (Äommunion); 
bafjer fein urfprünglubcr Sufammcnbang 
mit ben Slgapen (f. b). Senn im fc&roffen 
©egenfatj ju biefem überall fcftgebaltenen 
©runbgebanfen bie 2eb,re toom 31. im 
Mittelalter unb im $Reformation«jeitalter 
ber ©egenftanb ber erbitttertfien ?eb.rftrei« 
tigfeiten geworben ift, fo erflä'rt ftcb bie« 
barau«, bafj e« fty in ben toerfebiebenen 
?eb,rtropen um ein tiefgreifenbe« 3Iu«cin* 
anbergeben ber Sluffaffungen be« öon 
3efu« ausgebenben §cil« unb feiner ©er« 
mittelung banbelt. 



21u« bem betriebenen • Stab, men be« 
jübifäen ©übe« gelöft unb bafür in ©er« 
binbung mit ©räumen unb ^nfdjauungen 
gebraut, welcbe bem b^eibnif^en OpfermabI 
unb ben SDrtofterienfulten angeboren, beginnt 
ba« % fofort eine 9tei&> toon (Sntwicfelung«* * 
pbafen burcbjumacbcn , beren ßnbjief bie 
ÜDieffc (f. b.) ift. @cb,t mtyfterienmäfjig er» 
feb, eint e« in ben apoftolifc&.en Äonftitutionen 
al« eine efoterifttye geier, t>on ber aüe Unge= 
tauften unb unter Äir^enjud^t ©teb,enben 
au«gefcb,loffen blieben (f. eafroment). 2)ie 
Slmoenbung be« Opferbegriffe« auf ba« 
hjurbe begrünbet mit bem Dpfertob Cb^rifti. 
2)ie« gefeb^ab, juerft atlerbing« in burt^au« 
fd^TOanfenber, meift attegorifterenber JBeife. 
Urfprünglid? bezeichnete ba« Sort Opfer 
(oblatio) fogar bloß bie Xarreidmng ber 
©ebürfniffe ber freier, b. b- ber (SIemente 
(©rot unb SBein), bureb bie ©emeinbe; 
fofort aber njurben biefe SIemente toom 
©ifd)of burd) ein 2)anfgebet abcrmal« bar* 
gebraebt ober gen>cibt, unb fo b'«6 beim 
balb ba« ganjc %. ebenfo 2)anfgebct (oucha- 
ri8tia) mie Opfer (thysia, sacriticiom). 
©tbon im 4. 3abrb- bejeiebnete man al« 
biefe« Opfer fpejiefl ben euebarifitfeben 
2eib (Ebrifit. 

3e b^b er m ber ftolge bie ©orftetlun» 
gen t>on bem ©emiebt unb @rfolg be« 
priefterlicben ^anbeln« im ^ultu« fliegen, 
befto unnjißfürlicber unb untermeiblicber 
festen ftcb bie mebr ober toeniger Emboli« 
feben 91nfcbauungen um in ben ©tauben 
an gebeimni«t»olle , aber reale SBirfunaen, 
bie toon bem im Sl. gegenwärtigen Ceib 
unb ©lut (Sbrifti ausgeben. Xu- beiben 
?lbenbmabl«ftreitia(eiten be« Mittelalter«, 
bie im 9. (gegen 9iatramnu«) unb im 11. 
3abrb- (gegen ©erengar toon lEour«) 
fpiclten, batten 1215 bie feierliche ^rofla« 
mierung be« 3)ogma« toon ber ©erroanb* 
lung ber (Elemente (©rot unb ©ein) in 
reib unb ©lut SbrifH (IranSfubftantia« 
tion) jum 9tefultat. ©leubjeitig trat bie 
falramentlicbe ©cbeutung bc« «benbmabl« 
(f. ^rotbrrtticn, Ü)i0tTtbution9fortncl, Culogie, Su« 
t^oriftic, Äommunion, Äonfffrotion) ^intcv ber fa* 
friftjietlen 3urü(f. 2)ie Saien lommuni« 
jierten meift nur noeb ju Oftern, unb in 
ben fpä'tern 3abrbunberten be« aWittel- 
alter« n>urbe ibnen autb ber Äclcb entjogen. 
Xiefen forberten bie C>uffiten unb bie vtt* 
formatoren mit Srfolg jurütf, unb bie 
(entern toertoarfen auqi bie 2:ran«fubfian« 
tiation, obne e« inbeffen utr Ucbereinftim» 
mung in ben pofttitoen nnfebauungen ju 
bringen. 9<ur B^infl*» 9in9 bewußt unb 
fonfequent bi« ju bem @cbäcbtni«mabt 
äurüct unb geftattete bie Äommunion trofc 



Digitized by Google 



Aberglaube — $lb(aß. 



Beibehaltung einiger an bie HReffe er» 
innernber rttutgifcber (Stüde $u einer ©e- 
meinfehaftsf eier um ; überall, wo ber refor- 
mierte jppus jum unr-erfümmerten Aus- 
brud gelangte, nahmen auch bie Teilhaber 
an ber acut bie (Slemente felbft in bie 
£anb. % dagegen charafteriftert fteb. JutberS 
A., baS er als ein wefentlicbeS ©lieb eine« 
fcollftänbigen ©ottesbienftes betrachtete, als 
geheimnisvolle Austeilung überirbifeber 
©nabengüter febon baburd), baß ber ©eift« 
liebe bie (Slemente jebem einzelnen \nm 
Altar binjutretenben ©aft unter fteter 
Söieberbolung einer ©penbeformel bar- 
reicht. 2 chon t>on feiner mtfncbifcben Ser» 
gangenheit f)tt haftete tief in ibm baS 
&ebürfnis nacb einem münblicben ©enttß 
bes wabren jeibeS unb SlutS (Sbrifti, 
meiere htm mimten Dinge, ber Äonforbien- 
formel gemäß, traft ber (SinfcfcungSworte 
in, mit unb unter ben (Elementen jum 
©enuß borbanben ftnb unb ©ottlofen wie 
frommen gefpenbet werben. Caloin nahm 
eine 2JcittelftelIung ein, inbem er bie t>er- 
Härte ?eiblicbfeit toom Gimmel ^erab in 
gebtintni«ooüer SEBeife auf bie gläubigen 
AbenbmablSgenoffen einwtrfen unb t>on 
ihnen geifilicp genoffen werben lieg (f. Ubi- 
quität). SBä'hrenb feit ben Reiten ber Huf« 
tlärung felbft fupernaturalifttfcbe Luthera- 
ner mehr in ber Söeife (JalmnS lehrten, 
hat ber Nationalismus bie Setrachtungs« 
weife ßwincjlis wieber aufgenommen, unb 
wo btc Union (f. t>.) unb mit ihr Abenb* 
mahl^gemeinfchaft uvifdjen gebornen Luthe- 
ranern unb Sieformierten eingeführt warb, 
ba ging man von ben ©runbfäfeen aus, 
baß einmal bie im A. ftattbabenbe Ber- 
einigung mit (ShriftuS unb bie Aneignung 
ber in ihr befcblofjenen §etl«güter eine 
Xbarfat^e feien, welche con ben befiehenben 
Unterfchicben ber SJorftettung über ben 
Hergang babei nicht berührt werbe, unb 
baß zweitens eine $auptbebeutung ber 
geier in ihrem fojialen Sbarafter beruhe. 
„SBaS bie gamilic ohne bas gemeinfame 
gamilienmapl ift, baS ift bie ©emeinbe 
ohne bas gemeinfame A." SgL 3). ©djul}, 
Eie Sebre t>om A. (2. Aufl. 1831) ; föüdert, 
25aS A. (1856); ©chult}, 3ur ?ebre 
»om b. Abenbmabl (1886). h. 

Aberglaube ^eißt innerhalb einer be- 
ftebenben religiösen Sorftetlungswelt unb ber 
entfprechenben religiösen s J3rari« ber Äom« 
plcr berjenigen ßlemente, welche einerfeits 
»on ber offiziellen Äirchenlehre nicht gebedt 
unb »ertreten, anbererfeits hinter bem je- 
weilig erreichten 3)urchfchnitt6niöeau ber 
©ilbung unb Sittlichfeit erfennbar jurücf- 
gebliebcu ftnb. 6. «staube, h. 



«beffimfehe ober dtbtooifdic Strebe 

, würbe toon ftrumentiu« unb Aebeftus jur 
, %tit ÄonftantinS begrünbet. Daburcb, baß 
I ftrumentiuS bie Sifcbofsweibe öem ^Jatri- 
I archen ton Aleranbria empfing, geriet bie 
j a. St. in eine fclcbe Abhängigfeit oon ber 
i ägbptifcben , baß fie, als lefetere fich bem 
STOonophPfitiSmuS juwanbte, berfelben $ä- 
refte »erfiel. 3brer monopböfttiieben Auf- 
faffung ftnb bie abefftnifchen (Jbriften bis 
auf ben beutigen Xag unter ihrem geift- 
lichen Oberhaupt, bem Abbuna, treu ge- 
blieben, obwohl fatbolifcbe s JWifftonore, ins- 
befonbere bie 3efuiten, fowie prottftantifebe 
©laubenSboten ('ißeter £epting aus vübeef 
1634, bie anglifanifrfie iDcifftonSgefetlfchaft 
feit 1830 unb bie (Jhrifchona ju Safel feit 
1855) es fUh angelegen fein ließen, fte 
| für ihre Sircbengemeinfcbaften \\\ gewinnen. 

Sgl. ©erner in ber „Stitfävtft für bie 
! gefamte fatbolifcbe Ideologie" (1852); 
Sichler, ©efchichte ber fireblicben Tren- 
nung, ©b. 2 (1865). 

mbfaS, baS Aufgeben be« bisherigen 
religiösen, refp. fonfefftoncüen ©tanbpunftS; 
»gl. Hpoftflfle. h. 

«bfjot, gürft toon (gbeffa, foll an 
dbriftam fchriftlich bie Sitte gerichtet 
haben, ihn »on einer febweren .tianfheit 
ju 1)t\lm. 2)iefe 3ufd)rift beS A. nebft 
einer Antwort 3efu Witt ber ftirchenhiüo- 
rifer (SufebiuS im Archiö »on (Sbeffa ge« 
funben haben ; beibe Aftenftüefe ftnb burch 
aus apofrbPhifch- Woa) nichts weiß <Su- 
febius bon einer Ueberfenbung beS Silbes 
(Sbrifti an A. 2)iefe @age ift melmehr 
entftanben, um bie Sriflenj eines wunber- 
thätigen SilbeS in Sbeffa ;u erflären 
(f. öi»rifhi«wit». Sgl. ? i p f i u s, bie ebeffe- 
nifche Abgarfaae, fritifch unterfucht (1880). 
2Ra Üb es, bte ebeffenifchc Abgarfaae auf 
ihre gortbilbung unterfucht (1882); Xire- 
ron, Les origines de l'^gliso d'Edcsso 
et la lägende d'Abgar (1888). i. 
"2lbfl Ottetet, f. ©B^nbienft. 
abtmele* (bebr.), ißame ber 
fterfönige ju ©erar, aber auch beS unebe« 
liehen 6ohnS ©ibeons, welcher nach Nicht. 
8 unb 9 brei 3ahre lana, Tyrann öon 
©ichem war unb burch bte auf ihn a,e- 
münjte %abti 3otbamS oom 2>ornbufch etne 
befannte fögur geworben ift. h. 

Slblajji (3nbulgcn',), urfprünglich 
Nachlaß einer öon ber Äirche auferlegten 
Sußletftung. 2>er A. ift hervorgegangen 
aus ber SußbiSjiplin ber alten Kirche unb 
begebt ftch auf bie jeitlichen, eon ber Äirche 
als ©enugtbuungen »erhängten ©trafen 
ber @ünbe. Als an beren ©teile auch 
anbre gute ©erfe, Almofen, ftaften, ©e- 

1* 



Digitized by Google 



4 



— Slbfofote 



bete, 28aflfa$rten jc, al« ©enugtbuung I 
in Slnfchlag gebraut »urben, tarn es unter 
bem ©inftufj ber germanifcben Recbt«ge- 
ttcbnbett ber fcombcnfarion be« «erbre- 
eben« burch ©elb (SBeraelb) bahin, baß 
alle Äircbenfrrafen burch ©elb abaefauft 
»erben fonnten. @o »urbe ber 9t. jura 
^rei«furant für bie ©trafen beftimmter 
©Ünben. ©efonbern 8ufjcb»ung nahm 
ba« 91blaß»cfen bureb bie Äreuj^üge. 2>ie 
^teilnähme an ibnen al« ein bie Aircbe 
befonber« förberabe« SBcrf »urbe al« @r» 
fai aller ©enugthuungen angesehen. S« 
enttvicfelte fid) bie Xtyeorie von ber ©e- 
fugnt« be« ^abfte«, einen allgemeinen 91. 
an bie Verrichtung eine« befttmmteu re- 
ligiöfcn 2öer!« ju fnübfen. $ie au« ber 
"^raris hervorgegangene ©ett?ob.nb,eit »urbe 
bann bogmatifcb begrtinbet burd) 9lleranber 
von $ale« (f. b.) unb bie Sebre von ben 
Opera supererogationis (f. b.). §ierarchi* 
febe« 3ntercffe hatte febon ben $abft 
3nnocenj III. 1215 be»ogen, ben voll- 
fommenen 91. (indulgentiae plenariae) 
bem ^Jabft vorjubehaltcn. Unter biefen 
^lenarabläffen nimmt feit 1300 bie erfte 
©teüe ein ber von ©onifajiu« VUL ein- 
geführte 3ubiläum«abla§ (f. aubeijabt). ©e» 
fanntlicb gab ber burch £ejel «. b.) unb 
anbre fcbamlo« geübte 9lblaßfram ben 
äußern 9lnlaß jur Reformation. 2)en 
Angriffen ber Reformatoren gegenüber be- 
legt ba« Xribentinum mit bem 9lnathema 
jeben, toelcber leugnet, baß ber Äirdje mit 
ber ©cblüffelgetoalt ba« ©criebt über bie 
©ünben unb bamit bie ©e»alt verliehen 
fei, biefelben ju erlaffen. 2)a bie Reinigung 
tm gegfeuer ju ben jeitlichen ©trafen ber 
©ünbe gerechnet toirb, fo hat bie Äircbe, 
nicht ohne ben SßiberfVrucb auch neuerer 
Kirchenlehrer, ihren 91. auep auf ba« ^eg« 
feuer au«gebehnt. 9lber 91. ift feither nicht I 
mehr jum ©erfauf auegeboten »orben. 
dagegen ift ber 91. hergebracht geblieben 
für beftimmte fachliche $anblungen, be- 
fonber« al« Privilegium für beftimmte 
Drbcn, Äirdjen, 9Utäre unb geftjeiten. 
©ehr leicht wirb e« benen, »eiche Rom 
befudjen, jB«»ad>t, überflüfrigen 91. ju ver- 
bienen. 3) er 9t. ift voflfommen ober un- 
voflfommen, auf 3*it ober bauernb. ©eine 
SBirrUng ift, »enigften« in ber Ztyoxie, 
auch ^efnübft an bie 2)i«bofitien, b. b- bie 
glaubtge unb bußfertige ©efinnung, in ber 
^rari« vor allem an bie Seiftung ber 
vorgetriebenen SBerfe (f. Uottinnruio=»biaS). 
8gL bie Schrift be« Sefuiten 2)caurel: 
Sie »bläffe, ihr SBefen unb ihr ©ebraueb 
(beutfeh von ©ebneiber, 8. 9lufl. 1884); 
fcirfcher, 2)ie fatbolifcbe Schre vom 91. 



(6. Bttft 1855); ©röne, $er *. (Re- 
gen«b. 1863), Decreta authontica Sacrao 
congregationia indolgentiis sacrisqne re- 
liquüs praepositae ab anno 1668 ad annran 
1882, edita jussu et auetoritate Leonis 
PP. XIII (1883). z. 

»bro^am (hebr., „»ater ber SDccnge"), 
©tammvater be« h^^räifchen ©olt«, beffen 
in ber ©eneft« enthaltene Oefchichte unter 
anberm eine (Srinnerung an bie nomaben- 
hafte Sorgefchichte unb bie (Sintr-anberung 
ber Hebräer von Often h«r, au« Ur Äa«- 
bim (f. b.), abriegelt ; er f efbft ftettt in 
feinem untvanbetbaren ©lauben«gehcrfam 
ba« ibeale S3itb einer ^r'ömmigleit bar, 
tvie in ber f Vätern ÄBnigSjeit bie Trebbe* 
ten fie befchrieben unb geforbert haben, h. 

^Ibrabam a Gkmta Clara, iDiöurfic- 
name be« 3oh- Ulr. SWegerle; geb. 
1644 bei 2Wi$«firch in ©chtvaben, trat er 1662 
}u Söicn in ben ?luguftinerorben, »arb 
1677 $>ofbrebiger be« Äaifer« Ccobclb I. 
unb Verfchaffte ftcb burch feine freimütig 
ftrafenben, berb » humoriffifchen, jeboch oft 
in« triviale faflenben ^rebigten einen 
offenen B u 9 an 9 i unt *>tQ fatholifeben 

©olf«; er ftarb 1709 in ©ien. $<\l. 
Äarajan, *. (1867); ©chauerte, 91. 
(1886). z. 

9lbrara0 ober ftbtafar, ein ^noftifche« 
©ehetmroort, bebeutet rcahrfcheinlict» bie 
3ufammenfafTung ber 365 ©etfterreicbe, 
bie nach ber ?ehre be« ©noftifer« ©afili- 
be« (f. b.) au« bem verborgenen ©Ott ema- 
nieren, ©on ben mancherlei noch vor- 
banbenen ©emmen mit Hbrara«bilbern 
»urben bie meiften erft im Mittelalter 
al« ^ali«mane gefertigt ; bie älteften gehen 
auf bie ©noftifer felbft jurücf. 

Abrenuntiatio (at), bie ,,?o«fa» 
gung" be« läufling« vom leufel, beniht 
auf ber Sorftetlung ber alten Äirche, baß 
bie ©elt unter ber $errfcbaft ber Dä- 
monen ftebc, unb fanb in ber lutherifchen 
Äirche Cingang, inbem ?uther ba« bi«- 
herige Xaufformular in fein laufbücblein 
aufnahm. Obgleich bie lutr)erifdt)e Äirchc 
bie A. fallen ließ, ift in neueifter ^eit 
tvieber ein große« ©eteicht auf fie gelegt 
»orben. Sforji«mue. %. 

flbfatom (hebr.), ©ohn 2?avib« unb 
ber üKaacba, befannt bureb bie mit bema» 
gogifchen fünften eingeleitete, fchließltcb 
aber verunglüefte (Smb^rung gegen feinen 
©ater; gilt al« Xbbu« aüer ©^hne, »eiche 
bie ©ehmerjen ihrer (Sltern »erben („3)cein 
©ohn 91.", 2. ©am. 18,33 bc,ro. 19, 1). h. 

^Ibfolute, ba«, bbüc-febb- Äunftau«- 
bruef für bie ©ottheit, »ie biefclbc burch 
Verneinung aüer au« ber ßnblichfeit 



Digitized by Google 



«bfolution — Acta Pilati. 



fließenben ißebingungen unb $efd)r8n« 
Tungen be« rbrujrfiou, geizigen , fittlic^cn 
Seben« al« ein äußerfter ®renjbegriff 
metafchbftfäKr ©ebanfengänae fieb ergibt. 
3n ber Sßibet fpielt berfelbe taum eine 
3t olle, wohl aber in ber d)riftlid)en 3)og« 
matif, Wo e« fid) »er allem barunt hanbelt, 
ob ba« blenbenbe SB etg be« begriff« al« 
reine Negation afler färben, aus wenig« 
fien« religio*« werthlofe Slbüraftion, ober 
aber al« »iefultat ihre« h«rmonifd)en 3u* 
fammenwirlen«, ba« 91. a(fo »ielmebr al« 
j?oftti»fter unb inhaltreidjfter aller ©egriffe 
ju betrauten fei. S. ©ott h. 

•Ebfelutton (tat.), f- »«tdjtt. 

Slbtrinenj (tat.), Enthaltung »on an 
fid) ertaubten finnlid)en ©enüffen unb int 
9ieuen Xeflament al« Littel fortfd)reiten» 
ber Heiligung empfohlen (1. Äor. 7, 5; 
9,24—27; L $etr. 4, 7; «poftelg. 13, 3); 
bod) totrb in ber fatbolifd)en Äirc^e unter 
Vi. lebiglid) bie (Snthaltung oon beftiram- 
ten ©peifen, refp. bie ©erminberung be« 
Cuantum« ber täglichen Wahrung »er» 
Kauten. 9§t Soften. %. 

&bt (o. för. Slbba, „öater"), au* einem 
allgemeinen firilitten Shrennamen ent* 
ftanbener Xitel eine« Älofleroorfteher«, 
ber bei bem nad) bem 11. 3abrbunbert 
geftifteten Orben ©uarbian, %<rior, ItReftor 
SC. Reifet. Xtx VI. bat ba« 9ied)t ber 
£i«}iplin unb ber «ennögen«berwaltung. 
(gewählt wirb er , wo nid)t befonberc 
9ied)te entgegenfiebert, ton ben <ßrofeffen 
fce« betreffenden ^loftcrd auf 2eben«$eit 
ober, wie bei ben ©cttclorben, auf befrimmte 
3ahre. 3)ie ©eihe, weld)e in ber Siegel 
nur ben auf ?eben«jett gewählten bebten 
er: b eilt wirb, gefd)ieht mit lleberreid)ung 
fcer 3nftgnien, be« @tabe«, 8tinge«, ber 
SÖiüfce unb ber $anbfd)uh«- (Einige siebte, 
3. ©. bie )u Äortei unb ftulba, Ratten 
»olle bifd)b"ftid)e ©ewalt unb eigne 
jefen, anbre, (bie infulierten Siebte) nur 
bifd)öflicbe Xitel unb 3nfignicn. ©on 
biefen wirflid)en (tRegularäbten) ftnb 
\u unterfd)eiben bie (Säfufarabtc, 
weld)e nur bie Bbtet unb ib)r öinfommen 
al« SJeneftjium erhalten garten unb fid) 
burd) einen SJifar »errreten (äffen mußten. 
2)ie 3 a W berfefben War befonber« in 
granfreich groß. 3n ber frühem Seit gab 
e« aud) Saienäbte, »itter unb prfien, 
benen bie ©infttnfte eine* Älofter« »om 
8anbe«berrn jugewiefen waren. Äom» 
ntenbatarfibte »erben biejenigen Bebte 
genannt, weld)e bie Xemporalien (f. b.) ge» 
nießen, jebod) feine geifilid)e 9lmt«gewalt 
autüben. 2)en Siebten entfpred)en tn ben 
Sionnenflöftern «ebtiffinnen, »eld?e 



bie 9ted)te, bie fte al« grauen nid)t felbfi 
au«Uben (b*nnen, burd) einen $itar »er* 
»alten laffen. — 3n ber ereteftantiftben 
ÄtrdVe ifi ber Xitel beibehaltet! für bie 
Öcrfteher einiger ©nfter unb b»« unb ba 
al« (S^rentitel. t. 

Slbtet, iebe« unter einem »bt «. t.) 
ftehenbe nb-fterlid)e ©rift mit feinem @e- 
biet. t. 

Slcceptanten, f. aa«ff«i#mu#. 

"31c erotilatton, bie nad) bem Vorgang 
ber @(otiften oon ben Urminianern au«« 
gebilbete vebve, »onad) bie oon (Shnftu« 
geleiftete @enugtbuung ;»ar nid)t an fid) 
au«reid)enb ge»efen, oon Oott aber al« ge* 
nügenb tariert »orben fei. 6. ttirrifiotoflU. u. 

Hccibenaien, »gl. stotgfbSbxni. 

•31cheli&, @rnR Shriftian, reform. 
Xbeolog, geb. 13. 3an. 1838 in »remen, 
flubierte 1857—60 Ideologie ju ^eibelberg 
unb $atte, »urbe f aftor 1862 in §aftebt 
bei ©remen, 1875 tn Unterbarmen, folgte 
1882 einem »ufe al« orbentlid)er ^rofeffor 
ber brattifd)en Rheologie nad) Harburg. 
<&x fd)rieb außer ^rebigten „Xie biblifd)en 
Ibatfacbm unb bie religicfe Sebeutung 
ihrer ©efchithtlidifeit" (1869); w ®ie «c« 
beutung be« alten Xeftament« für un« 
<Sbnften"(1870); „Xa9 Beitalter ber $a- 
triard)en w (1871); w 5)er «rieg im ?id)te 
ber d)riftlid)en a>ioral" (1871); „$aoib 
unb feine ©teüung in ber $eil«gejchid)te" 
(1873); w 5)ie ©ergbrebigt nad) 2)?atthäu« 
unb Suta« eregetifd) unb tritifA unterfud)t M 
(1875); „^arteiwefen unb (Soangelium" 
(1878); „Vit Aufgaben be« Gbriftentum« 
unter ben ©ebilbeten" (1880); „Xit (5nt- 
ftehung«jeit oon Luther'« geiftlid)en Bie- 
bern" (1884). %. 

Sldjterfflb, ». ^frme«. 

Scofta. Uriet, berühmter VIpcftat, ein 
bortugieftfdjer ßbelmann jübifd)en ©lut«, 
geb. 1594, trat oom Äatholiji«mu« jum 
3ubentum Uber, »urbe in %mfterbam 
wegen 2eugnung ber Unfterblid)feit au« 
ber ©onagoge au«geftoßen, ftarb (wahr* 
fd)einlid) al« ©etbfimb'rber) 1647. »gl. 
3elltnef, U. Jlcofta'« ?eben unb Sehre 
(1847). %. 

Acta (aud) Actus) Apostolorum (lat.), 
f. o. w. »boftelgefdiidjte. 

Acta Pilati (lat.), ein abofrbph'fd)« 
©erid)t über bie Verurteilung 3efn, ben 
Pilatus abgefaßt haben foll. 3n ferner 
je^igen ©efialt, wie er lange im erften 
2:eilbe«(5oangelium« be« ««itobemu« (f. b.) 
oertam, gehört berfelbe erft bem 4. 3ahrh- 
an. 2)od} werben angeblid) offtjielle 91ftcn 
be« ^ilatu« fd)on oon 3ufKn unb Xer- 
tuttian erwähnt «od) fpätere Anhänge 



Digitized by Google 



6 



Acta Sanctorum ober Martyruni — 2(fcopticmi$mu$. 



ju ben A. P. bilben terföiebene Briefe 
be« ^ilatu« (Epistolae Pilati) an £tbe- 
riu« ober Slaubiu« nebft anberweitigen 
?egenben über Pilatus (f. b). Sgl. Zip- 
fiu«, 2>ie $ilatu«atten, fritifch untcrfucbl 
(2. Infi. 1886). h. 

Acta Sanctorum ober Martyruni 
(tat), f. »oHonbiftcn unb 4>cilifle. 

Slbalbert ber $ ciliar, ©ifcb>f ton 
$rag feit 983, greunb be« Äaifer« Otto III , 
ging, al« bie Söhnten fteb. feiner ftrengen 
3ucbJ nichl fügen wollten, fchließlicb. al« 
SKifftonar ju ben fceibniföen Greußen, bie 
ihn 997 ermorbeten. 2)ic Söhnten brauten 
feine ©ebeine 1039 nach <J3rag unb ber- 
eiten ihn feither al« ihren ^eiligen, z. 

Slbam, bebr. 9camc be« aWcnfcben (eigent- 
lich „ber Rötliche"), ftcjiefl Gigenname 
be« erften SWenfchen, ber nacb biblifcher 
Anfcbauung (Apoftelgefch. 17, 26) ©tainm- 
tater be« ganjen ©efcfjlecbt« war. 2>er 
Umftanb, baß über bie (Srf^affung Abam« 
ein bereiter, übrigen« im wefentltchen mit 
ber 3fnbfage übereinftimmenber, Sericbl 
»erließt (ber elohiftifie 1. SDiof. 1, ber 
jehotiftifche 1. 2Wof. 2), ift ©elegenheit«- 
urfache für mancherlei theologifche ©ebanfen- 
gange, j. S. bie ^anlinif^e ?eb,re tom 
erften unb jmeiten 8. ((Shriftu«) gewor- 
ben. h. 

Sbamtten, 9Jame ber antinomiftifdjen 
©noftifer be« 2. 3ahrh- in SJcorbafrifa, 
welche bie urjbrünglic$e Unfchulb burch 
töllige 9?acft^ett wieberberfteflen wollten, 
©leiten tarnen führt eine mit ben $i< 
carben (f. t>.) in Serbinbung ftehenbe ©efte 
ber Xabortten, nach, ihrem ©rünber, bem 
Sauern 9fifla«, audb Mitolaiten genannt. 
3>iefc terwarfen ba« Cbjiftentum unb aflen 
äußern ©otteebienft, fteigerten ben Äcm* 
munismu« bi« jur ©emeinfehaft ber 2Bci- 
ber, unb ttcle gingen ganj unbefleibet. 
2>ie SDcehrjabl berfelben würbe 1421 ton 
ßi«fa umgebraebt (Sunbt, Hist. dupan- 
theismo populaire au moyen äge, 1875). 
(Sine biefen »erwanbte fommuniftifebe ©efte 
ift 1849 im fibjubimer Äret« hervorgetreten, 
©otiel ton ihrer Jchre, bie ftreng geheim 
gehalten wirb, befannt geworben, glauben 
fte nur an eine 2)?acbt, bie ba« 2öeltall 
gefebaffen böbe, ba« nun felbftänbig befiele. 
3h" nächtlichen 3ufammen(Unfte foflen fte 
in töUiger ^aeft^ett feiern, im übrigen 
untereinanber auf bürgerliche t>\ c d t lul' feit 
galten. 3)ie ©efte ga'njltch ju unterbrüefen, 
tft noeb, nicht gelungen, z. 

Slbrlbcib, §eiltge, Tochter Äönig 9iu- 
bolfell. tonSurgunb, geb. 931, geft.999; 
war juerft mit ?otb,ar, bem ©ohn tfönia 
$ugo« ton Italien, termab.lt, foütc nach 



beffen 2ob (950) ben ©obn Berengar« II. 
ton 3trca, Abalbert, eb.elicb.en, warb, al« 
fte ftdj beffen weigerte, eingeferfert, floh 
unb rief ben beutf^en Äönig Otto I. um 
©cbut< an. SWit biefem termab.lt, übte fte 
bebeutenben (Einfluß auf bie öffentlichen 
Angelegenheiten in SDeutfcblaub unb Stalten 
au«, auch unter Otto II. unb Otto III. 
»gl. ©iefc brecht, @efö. b. beutfeben 
^aiferjeit (5. Stuft. 1881). z. 

flbeobütue, «Patft (672—676), ent- 
fcb.iebener ©egner be« 3Wonotbeleti«mu«. z. 

eicbtftU», f. »befftnifttje Äirdjc. 
3lbiayt)ova (grieeb.., „©leic^gültige«")- 
25er fogen. abiapboriftif$e ©treit 
entfpann ftcb, über „bie SRittelbinge, bie 
man ofme Serle^ung göttlicher ©cb^rift 
halten mag", infolge be« Sety jiger Interim« 
1548, in welcbem Welanchthon unb feine 
^reunbe in bte Beibehaltung ber bifchöf» 
ltchen 3uri«biftion unb tieler fatholifeber 
Äulru«gebräuche eingewilligt hatten, worin 
glaciu« u. a. eine Verleugnung be« etan- 
gelifchen ©lauben« fahen. 2>er mit .'peftig- 
feit geführte ©treit fehieb juerft bie ftrcngeu 
Jutheraner ton ben ÜWelanchthonianeru 
unb würbe bi« jur ^eftfteßung ber Äon- 
torbienformel fortgefei^t. 3n einem ^weiten 
abiabhoriftifchen ©treit jwifchen ben Ortho« 
boren unb ben ^icttften au« ©bener« 
©chule hantelte es fieb um bie 3u(äfftgfeit 
ton ©^tcl, Üanj, Sheaterbefuch ic, wa« 
jene al« SWittelbinge terteibigten , biefc 
aber, inbem fte ben ©egriff 91. überhäuft 
terwarfen, für be« $hrif* fn unwürbig er- 
flärten. z. 

3lbminifrratot (lat.), ber Serwalter 
be« Äirchentermögen«. z. 

3lbonät (hebr., „$err"), Anrebe unb 
Bejeitihnung ©otte« im Alten ^eftament, 
wirb ton ben 3uben anftatt be« für un» 
au«fbrechlich geltenben ©otte«namen« ge- 
ht au dt. e. Ooijoc. H. 

»boötiamemuS, bie Üehre be« Gli- 
fanbu«, Srjbifchof« ton lolebo, unb be« 
gelir, »ifchof« ton UrgeUc« (geft. 818), 
wonach <£hnfta« }War feiner göttlichen 
9?atur nadh ber wirflicf;e ©ohn ©otte«, 
aber feiner menfcf/lichen 9iatur nac^> nur 
al« ©ohn ton ©ott angenommen (abob* 
tiert) fein foU. 3)ie Urheber biefer Sehrc 
hatten ben 3wecf im Auge, maurifeben 
@inwenbungen gegen bie ©ottheit Shrifti 
ju begegnen, erregten aber nur Aergerni« 
mit ihrer Sehre, bie fofort ton ber frän- 
fifchen Äircbe unter Äarl b. ©r. auf ber 
©tynobe ju granffurt 794 terbammt würbe, 
^elir Würbe auf einer ©tnobe ju Aa« 
en 798 (799) ton Alfuin feine« 3rr- 
thum« überführt. Sergl. ©am«, Äir- 



I 



Digitized by Google 



Slboration — Slgente. 



7 



cbengefd». ». Spanien, II. $b., 2. «btblg. 
(1874). ©rtfßler, bie «n«rettiing be« 
2tbobtian. im 9ieid»e Äarf« b. ©r. 
(1879). x. 

HbOttttioil (tat.), f. «nberunfl. 

5lbt>cnr (lau, „»nfunft"), bic »erbe- 
rcitunßöüeit auf bie ©etynad»t«feier, ur- 
"Lu-iinaiut, gletdi ber auf Dflern , eine 
faftenjeit ; baber nod? jefct ba« Verbot ber 
Trauungen unb lauten Sufibarfeiten in ber 
fatbelifd>en Äircbe. 2)ie erfie @bur ber 
fteier ber $bt>ent«jeit fintct ftcb im 6. 3abjb- 
-Die gried»ifd?e &ir$e tebnt bie ^eier auf 
40 Jage au«, roäbrenb bie lateintfdjc nur 
toter Slbtoentfonntage ^at, eon benen ber 
crfte al« Anfang be« Ätrdienjabre« gilt. n. 

Advocätus diaboli (lat.), ber Warne 
beffen, ber beim Äanonifatien«cerfabren 
im Warnen be« £eufel« (Sinfbradie gegen 
bie tom fogen. Slboofaten be* Gimmel« be- 
fürmortete Hufnabme eine* Verdorbenen 
in ba« ^erjetd^ni« ber Seligen ergebt. 
3. ftanonifation. z. 

Advocätus (ober defensor) ecclesiac 
(lat.), Äir^entogt. ©eine Hufgabe mar 
e« feit 2Witte be« 8. 3abrb., ein Älefter 
ober ein »i«tum tor ©eri#t in »ertreten 
(baber causidicus genannt), biefelben mit 
bemaffneter SJiadjt gegen alle Angriffe ju j 
fdiüfcen (baber aud? tutor, defensor, pa- | 
tronus genannt). 2)a aber bie »cgte, ju 
melden bie abiigen ftuntatoren te« Äle- 
fier«, oft aud? ©rafen, $er,b"ge beftellt 
mürben, bie ihnen anvertrauten firdplidpen 
«Stiftungen öfter« bart bebrücften, fo 
roebrten ftd» tiefe feit bem 11. 3al>r&. 
t ii Vit- genaue ^eftfiellung ber Bleute be« 
»ogt« ober fugten roomöglid» bie »ogtei 
ganj ju befeitigen. Hl« ©diirmeogt ber 
gefamten M trete galt ber Äaifer. »gl. i 
S3 a i t} , 2)eutfd»e »erfaffung«gefd?idtte, 
m. 7 (1876). z. 

Vertue, ^reebttter ju Scbafte in $on- 
tu« (355), teranlajjte eine Äirdjenfbaltung, 
weil er, cbmobt felbft 9tefet, gegen feinen 
bieberigen greunb, ben »iftbof Suftatbiu«, 
ba« gebotene ftaften, bie Ueberfcbä'tuing ber 
(Stieloftgieit, bie prbitte für bie »er* 
fiorbenen, aber and» bie geiftlid?en »or- 
reebtf ber »ifd?b*fe al« ber freien c^rift« 
lid>en ©ittlid?leit miberfbred?enb befämbfte. 
SBeil bie ^roteftanten dbnlidje »ormürfe 
gegen bie l atbelifebe Äird>e erhoben, gab man 
temen ben Äefcernamen Vertaner, z. 
SlertUÄ, f- Hriaitifäet streit. 
Affectiones (tat.) ber ^eiligen 
©djrift, Äunftau«brud ber alten lutbe- 
rifeben SDogmati! jur »ejeidmung ber Sigen* 
fd»aften, burd? melde bie «ibel al« gört» 
lid?e« »ud> Don aüer fonfiigen ?ittnratur 



$u unterf(beiben fein fofl (auetoritas, 
perspieuitaa , perfectio sive sufficientia). 
2 «utbfntit, «naloflir be« («laubcn», ^rmrnrutif. 
Iot«grit*s unb Testimonium Spiritus, n. 

Slaöpfit (». gried>. agape, „riebe", 
?iebe«mable), bie gemetnfamen i'iabi- 
feiten ber erften dbriften, melde \ux Xar- 
fteQung unb ißetbätigung ber bie ©emeinbe 
terbinbenben i'iebe gebalten u mten unb 
in ber fteier be« Hbenbmabl« gibfeiten. 
311« abenblid?e unb geftfcloffene 3<erfamm« 
lungen erregten ftc ben 3lrgmo()n ber Rei- 
ben, teerloren aber aud> in ber Äird>e an 
Hnfeben, feitbem ftd) ba« Hbenbmabl von 
ibnen abgeliJfl batte, um mit bem SDiorgen« 
gotte«bienft terbunben ju roerben. lie all« 
mäbli^ }u Firmen- unb Uranfenfpeifungen 
^erabgefunfenen ober ju Oafimäblern ent- 
arteten mürben feit bem 4. 3abrb- ton 
Äird>en»ätern unb Spnoben immer ener^ 
gifeber angegriffen unb enblid) gan', abge- 
fd>afft. 3n ber neuern 3<U baben bie 
4>errnbuter bie l'tebe#mab.lc mieber er- 
neuert; fte balten biefelben befonber« an 
ben b<>M ^efttagen unb genießen tabei 
unter ©ebet unb ©efang Sljee unb S?ad- 
merf. h. 

• Sgapet, 9iame ^meier ^ä'bfte; H. I. 
(535—536) benubte, >?om üftgotenttfnig 
Xb,eobabab nacb Mcnftantinopel gefanbt, 
um ben ^rieben mit Maifer 3ufttnian I. \\\ 
fmließen, bie (Gelegenheit, ben mcnovbVf^ 
tifd> geftnnten ^atriareben ton .Uonftanti- 
nopel, ^Int^imu«, beim Äaifer an*,uflagen 
unb frbließltdi beffett Slbfefcung ^u ermirfen. 
0at ^>efele, Monjiliengefcbicbte, i^b. 2 
(2. «ufl. 1875). — 91. II. (946 — 955) 
rief Äaifer Ctto I. nad> 3talien, um ^e- 
rengar II. ju bemütiaen; ba bamal« %U 
beridj al« ^rinceb« «cm beb.errftbte, mar 
bie iWacbt be« ^ab?le« in bem Mircbenftaat 
febr gering, »gl. Mb' pte unb Tümm- 
ler, äaifer Ctto b. ©r. (1876). z. 

»flät^o, Wt (678—^)81), beteiligte 
fta) eifrig au bem monotbeletifd>en Streit; 

f liiouottjrlctfu. z. 

^laenbe (k ircbenage übe, b. (at. 
agenda), in ber alten Mircbe ^ejeidmung 
für fämtlicbe gotte«bienftlid;e $anblunaen, 
im Mittelalter in*befonbere für bie ©ceffe 
(missas agere), biente al« Warne eine« 
bie fircbltcben ©ebete unb §anblungen ju- 
fammenfaffenben »uebe« t?or ber 9tefor« 
matten ä'ufjerft feiten (ein foldte« luef; im 
Mittelalter sacerdotale, manuale, ritu- 
ale), bäuf»9«r in ben 9Jeformation«fird)en, 
meldje jebodt tytt »orfdtriften für ben 
®otte«bienft meifi unter bem Warnen ber 
Äircbenorbnungen gegeben haben. Unter 
ben lutberifdjen Slgenben unb Äird?enorb« 



Digitized by Google 



8 



Sigenbenftreit — Slflricota 



nungen be« 16. 3al)rh- fcbliefien fi<h einige 
eng an tie faibci tid>cn ©ebrauche an, bte 
Söranbenburger Äirchenorbnung toon 1540, 
bie öfterreicbijche toon 1571 ; anbre, wie 
bie herzoglich f>reu^ifcbe Äirchenorbnuna 
toon 1525, bie braunfchmeigifchc toon 1528 
jc., ftellen ftch aanj auf bcn toon ?utber 
in bcr „Formula missae" (1523) einge* 
nommenen ©tanbtounft, mahrenb bte mürt* 
tcmbergifche Äirchenorbnungen toon 1536 
nnb 1555 fomie bie ^ßfäljer toon 1554 jc. 
burch rabifalcrc Umgeftaltung bc« ©orte«* 
bienftc« ein reformierte« ©eprage erhalten. 
3n ber reformierten Äirche untertreiben 
ftch bie Äirchenorbnungen be« 16. 3abrh-, 
je naebbem ftc einen mehr 3minglifd>en 
£totou« (fo bie 3Un^«r nnb bie Wafcler, 
beibe toon 1529) ober einen mehr <SaI» 
bintffteti (mie bie »ergebenen ©enfer ton 
1536 unb 1541 ic.) tragen; in ben beutfdj* 
reformierten Äirchcnorbnungen jeigt fiep, 
n>te in ber Äir^enorbnung be« ^ßfaljgrafen 
^riebrieb 1563 unb ben b, efftfe^en toon 1566 
unb 1573, eine lutb, cranifterenbe , refto. 
unierenbe $enbcnj. Gbenfall« au« einer 
SJermittelung jmifchen ber reformierten unb 
lutberifchen @otte«bienfterbnung h't ba« 
toiclfacb, auf altfircbliche ©ebrauche jurücf* 
greifenbe ..Common Prayer Book", . bte 
anglifanifche hervorgegangen >n\. Mngii 
tonifdje ftudK). ©egen ©chlufjbe« 18. 3abrb- 
tauten in ben toroteflantifchen Äirchcn 
Slgenben auf, bie einen toon ben ber Refor» 
mation«jeit abmeichenben , bem ©eifte ber 
Hufflärung unb be« Rationalismus ftch, 
antoaffenben (Jharafter tragen; bie Riicffebr 
ju ben ©otte«bicnftorbnungcn be« 16. 3ab, rb. 
beginnt mit ber toreufjifchcn 31. toon 1822 
a>gi. «genbenftwit), unb nad) bem SJorbilb 
Greußen« erfolgte auch, in ben anbern etoan« 
gelifeben ?anbc«firchen 2>cutfc$lanb« eine 
Rücfbilbung ju ben alten agenbarif$en 
gormein, fo j. ©. in SÖUrttemberg burch 
ba« Kirchenbuch toon 1843, in ©abern 
bureb ben Gnttmtrf einer X. toon 1857, in 
Saufen burc^ ben (Sntwurf einer 31. für 
bie etoangelifcHut&erifäe 2anbe«fir<hc toon 
1878 ic. ©gl. Richter, Gtoangelif^e 
Äirchenorbnuttgen be« 16. 3ab,rb,unbert« 
(1846 , 2 »be":); 3acobto, 2)ie Siturgif 
ber Reformatoren (1871 — 76, 2 ©be.); 
X\f. $arnact, ^raftifebe Geologie, 
©b. 1 (1877). z. 

Slaenbenftteit, ein ©treit, bcr ftch an 
bie Einführung bcr toreu6ifcb.cn §ofagenbc 
1822 fnütofte. ö« beteiligten ftch an bem« 
felbett nicht bloß bie bebeutenbftcn i£fyeo« 
logen, mie toon entgegengefebten ©tanb- 
tounften au« ©cbleiermacher (f. b.) unb 
Slugufti (f. t».), fonbern aud) bcr Äönig 



ftriebrich SBtlhclm HL fclbft. 6« mürben in 
bemfelben toon ©chlciermacher namentlich ba« 
etoiffotoale Recbt be« Stönig«, liturgtfcbe Sin* 
orbnungen ju treffen, angegriffen. 2)er %. 
gab ben nachften Hnlaß jur ©ilbung bcr 
altlutbcrifcben &ir$e. ®8>- Union. z. 

Bflneä, ^eilige, nach, ber Se^enbc eine 
f^öne römifc^c (Sb.rifHn jur Bett 2)ioflc* 
rian«, »urbc, toeil ftc bic Sbc mit bem 
©ob.n be« rBmiföen ©tabttorafehen au«' 
fcblitg, in ein öffentliche« $>au« gebracht, 
blieb aber auch ba, mit einem heiligen« 
fchein umgeben, untoerfehrt unb tourbe al« 
^auberin enthautotet 3h^ ©tnnbilb ifl 
ein famm. 3n bcr toor ber ^Jorta ^ia 
gelegenen 3!gne«Iirche toerben 21. 3an., 
bem ©ebä'chrni«tag ber ^eiligen, bie Lämmer 
gettoeiht, au« beren ffioüc bic Kattien 
jur 3ntoeftitur neuer »ifchöfc toerfertigt 
merben. z. 

Agnas Dei (lat v „?amm ©otte«")/ 
Benennung 3cfu Chrifti nach 3oh. 1, 29; 
in ber fatbelif eien Liturgie ein ©ebet, tvcu 
che« nach ©regor« b. ©r Snorbnung toom 
^ßriefter mä'hrenb bcr 9J?cffe furj toor ber 
Kommunion geftorochen wirb, befleht in 
Dreimaliger Sieberhotung ber Sßorte: 
I ,. A. D., ijui tollis poccata mundi, raise- 
; rcre nobis" („O Vamm ©otte«, melche« 
I bu bie ©ünben ber Seit hinmegnimmH/ 
erbarme bich unfer!")/ ba« lebtemal mit 
bcn ©chlnfjroorten : „da nobis pacem" 
(„gib un« ^rieben")- <£« bilbet in ber 
muftfalifcben äNeffe bcn legten (6.) ©ab. 
«ußerbem heißen A. D. auch au« ben 
Uebcrbleibfcln bcr Oflcrfcrjen in Rom toer« 
fertigte Sammbilber, raelche ber $atoft im 
1. unb 7. 3ahr feiner Regierung um 
Oftern meiht unb toertcilt. Ueberhautot ifl 
A. D. ba« al« ©bmbof CE^rifH gewöhnlich 
mit ber ©iege«fahne toerfehene @ilb bc« 
Samme« auf Jahnen, iDIebatllcn sc n. 
3lßobatb, Srjbifchof toon ty<m (814 
' bi« 840), mar ein ©egner ber Slbototianer 
' unb bcr ©ilbcrtoerchrung unb brach mit 
1 ben Vorurteilen feiner ^t\t, tnbem er in 
i feinen ©Triften bte @ottc«urteile, in«be« 
] fonberc ba« bc« 3wcifamtof«, fowic ben 
SBahn befämtofte, baß ©emitter unb ^>agel 
! burch 3 a "berer hertoorgerufen roerben fön« 
> ncn. Jßgl. görfter, 2)rct Srjbifcböfe toor 
! taufenb 3ahren (1874) ; Reuter, ©e- 
I fliehte bcr «ufflärung im Mittelalter, 
; ©b. 1 (1875). z. 

Ägticota , 3 o h o n n , eigentlich 
' ©chneiber, auch nach feinem ©eburt«« 
ort bcr Sttagifler toon @i«lebcn (Magister 
Islebius) genannt, geb. 1494, fiubiertc unb 
lehrte ju Sittenberg, mo er ftcb en^ an 
1 Cuther anfdilofj, ben er 1519 nach Cettojig 



Digitized by Google 



mjab — SlfÜamaticn. 



9 



begleitete. 1525 richtete er feie Äirche ju 
granffurt a. SDL ein, unb 1526—36 war 
er ^rebiger unb Sebrer ju (Sieleben. 1540 
ging er al« §ofprebiaer 3oacbim« II. nach 
Berlin unb würbe 1543 ©eneralfuperinten» 
bent ber iWarf. &r ftarb nach einer 
langen, ausgebreiteten SÖirffamfeit22. ©ept. 
1566. 3n einen heftigen ©treit mit V uttu-r 
unb 9Welancbtbon toerwicfelte ihn feine Be- 
hauptung, baß im Neuen Bunbe ba« ©e« 
fe& nidt mein- aeprebigt werben bürfe, 
weil bie redte Buße au« bem ©lauben 
fommen müffe. (Sr baue biejelbe itfcen 
1527 gegen SWelancbtbon« Bifttatton«artifel 
au«gefpro<ben, jeboeb auf ?utbero Snreten 
ju Xergau fallen Linen, erneuerte fie aber 
1537 unb würbe, na$bem er fu$ breimal 
mit i'u tt er au«geföbnt, aber immer wieber 
ben Äampf ton Beuern aufgenommen 
hatte, 1540 öon 3oachim II. ;um Siber> 
ruf genötigt. Wocb größern «nftoß gab 
er bureb ba« 2lug«burger 3nterim (f. b.). 
«nberfeit« war «. ein au«gejeichneter ^re> 
biger, trefflicher 2ieberbid)ter, tüchtiger 
afabemifeber SJebrer unb fltißiger Schrift- 
fteller. 6r »erfaßte einen Kommentar 
jum ?ufa«, ba« jum größten Seile noch 
ungebruefte 2Ronoteffaron (eine t)armeni- 
ftifebe Auslegung ber fcier Göangelien) u. a. 
©eine ©ammlung »on beutfe^en ©pric^- 
w'drtern mit Srffärung fidert ibm aueb 
in ber beutfdjen ?itteraturgefchicbte einen 
Wat}. Bgl. fiatenborf, «griccla« 
Sprichwörter (1862); Äawerau, 3o» 
bann «. (1881). %. 

Ä6ab, au« ber ©efcbidjte (Sita* be- 
fannter Siönig be« i«ra«litifcben ^orbreieb«. 
©eine öon 919—897, wabrfcbeinlicber »on 
875(878) — 853(857) wäbrenbe »egie- 
rung war eine 3eit be« regen Berfebr« 
mit ben Wachbartoölfern, be« Äunfifinn« 
unb b eitern 2eben«genuffe« , fpäter aurb I 
meift glücflicber Kriege. «ber ber burch 
[eine ©emablin, bie tm-iidc Ailntin 3febcl, 
importierte ©aal» unb «ftartebienft unb 
ber babureb hervorgerufene religiöfe Äampf 
warfen büftere ©Ratten in bie Erinne- 
rungen be« ^e&räifc^cn Bell« an biefen 
Äömg, barunter mobl auch fein ©Üb in 
ben &önig«büchern etwa« gelitten bat. h. 

iHnaeoeruö, SWame be« reu. Äönig« 
Jerre« in ben bebräifeben ®efcbicbt«bücbern, 
bann be« „ewigen 3uben" in ber c^rift» 
[tden 2egenbe (feit bem 13. 3abrb)- h. 

fcblfelb, 3obann ^^iebric^, ber 
befanntefte Üanjelrebner ber ßreng lutbe« 
rtfeben Dichtung, geb. 1. Woto. 1810 ju 
3Wet)ringen im «nbaltifchen , warb 1834 
©ömnaftallebrer in Serbft, 1837 Leiter 
in Sörlifc, 1838 ^aftor in ftft-«Metf«, 



1847 ju $alle, 1851 an ber 9li!olaifircbe 
ju ?eip$ig, trat 1881 in ben »ubeftanb 
unb würbe ©ebeimer Ätrcbenratb- ör 
ftarb 4. 2Rärj 1884. %. gab unter anberm 
berau« : „^rebigten über bie efcangeltfcben 
«ßerifopen" (10. «ufl. 1880); w %<rebigten 
über bie epiftolifcben ^erifopen" (3. Sufl. 
1877); ,,$a« Sieben im i'icbte be« Sort« 
©otte«" (6.«ufl. 1879); „Äonfirmation«- 
reben"(l. ©ammluna, 4. «nfl.; 2. ©amm« 
lung 1880); „Sin 5ttrcbenjabr in ^rebig» 
ten" (2. «afl. 1883). Srgl. eia 
?eben«bilb (1885). e. 

«iün (fcr. oio, ^ßeter (Pierre 
b'ÄiUi), geb. 1350 in SWorbfranlrei*, 
feit 1389 $ei$tt>ater Sönig ftarl« VI. unb 
Äanjler ber Untbcrfttät ^ßari«, warb 1397 
©ifebof »on Cambrai, 1411 Äarbinal, be« 
teiligte fti an bem Jtonftanjer jfonjif, galt 
hier juerft al« $auj?t ber ftr#licben Opbo- 
fttion unb Vertreter ber Ueberorbnung ber 
Sircbentoerfammlung über ben ^apft, warb 
fbäter immer mebr ber Befürworter einer 
nur oberflächlichen Hirchentoerbefferung; 
nach «bfetüing ber brei ©egenpäpfte hatte 
er einige Hu«ficht, »om ^onjil jum ^apft 
gewählt ju werben. 3n ber Xbeologie 
fuebte er vermöge ber üDJpftif örfa^ ju 
finben für ba«, wa« er al« Jiominalip an 
©laubenefeftigfeit eingebüßt, ©eine Bw^ifd 
an ber Xran«fubftanttatton«(ebre ftnb nicht 
ohne (Sinfluß auf Vntber geblieben. (Sr 
ftarb 1420. »gl. Sfchatfert, y. ton 
». (1877); ©alembier, % be «Uiaco 
(1886). z. 

at&oli! en (griech-, „9fichtratholifen'a 
bie befonber« in Oefterreich fti: ber übliche 
Bezeichnung ber nichtfatholifchen Shriften, 
namentlich ber ^Jroteftanten ; feit ber toon 
Äaifer B ran J 3ofeph »erfUnbigten ©leich« 
berechtigung aller ftonfefftonen offijiell 
nicht mehr gebräuchlich, z. 

fiffab, iKante eine« auf ber Böller* 
tafel 1. 2ttof. 10, 10 ju ben Ausgang«- 
punften ber ^»errfchaft 9?imrobS (f. t.) gerech- 
neten ?anbe«, für bie neuern ©pracb/ 
unb ®efchicht«wiffenfchaften toon Bebeutung 
geworben, weil auf ben affbrifebea 3tt- 
fchriften ba« ?anb ©umir unb %. toor- 
fommt. SDIan ftnbet barin bie Bejetchnung 
für ein uralte«, urfprünglich nichtfemitifche«, 
bann burch femitifche (Sinmanberung au0 
bem ©üben mobiftjierte« Äulturuolf, wel- 
che« ol« Babblonier unb Hftyrer in bie 
belannten Legionen ber ©efchichte hinein« 
reicht, uubn'deiniid aber auch mancherlei 
religiöfe Borau«fe^nngen für bie <Snt> 
wicfelung be« he^o'ftven Bolf« barbietet. 
S. flffqrien. h. 

Slfflaraatton (lat.), f. $at>fu»at,i. 



Digitized by Google 



10 



Siffpmmobatton — ?Ubtgenfer. 



atfoinmobotten (lar., „Slnbeque-- 
mung/'), im allgemeinen ba« ©efrreben, 
ba« etgne «erbalten benSBÜnfcben, ©eroobn* 
Reiten unb ©cbma<$beitfn onbrer gemäß ein» 
Juristen; insbefonbere in ber 2)ibatttf bie 
§crablaffungbe« ?ebrer« $u bem ©tanb- 
bunft be« ©dbiller«. £ ie IheckM;: bat 
bie 31. bei ber Auslegung ber ©tbel ju 
£ilfe genommen, um anßbfjige SuSfagen 
berfelben *,u toerteibigen ober ibren Biber» 
ftorueb gegen Dogmatil ober Vernunft ere- 
getifcb überwinben ju fönnen. h. 

»folutben (grteu)., „Begleiter"), in ber 
alten Äirdje jüngere Älerifer, weld&e ben 
©ifebof begleiteten unb bie ©eföäftc ber 
beutigen Äirc&enbiener unb Gborfnaben 
ju toerfeben fyatttn. Xatjtx bie ©tombole 
ber Sfolutbenweibe, ?eu<bter unb SBein» 
fännebeu. 2)a« »mt befielt nur nodj no- 
minell in ber Stufenleiter ber 2Bcit>en 
al« 2)urc$gangetounft jum <pricfter unb 
bejeiifcnet bie ^c^fte ber toier niebern 
SSeiben. n. 

Alacoque (for. „toct"), Margarete, 
mürbe 1647 bei Güttin geboren unb mib- 
mete ftcb früb ftrenger 9l«fefe unb bem 
geifMidjen Seben als ©aleftanertn. 2)ie 
©enefung toon einer l'äbmung fcfyrieb fte 
ber 3ungfrau ÜDfarta ju unb gab ftdb bar» 
auf ben Vornamen SDfaria, unter welkem 
fte meift genannt wirb. 3n ibreu «er» 
iürfungen toerfebrte fte mit 3efu« als ibrem 
«erlebten, ber fte mit ?iebfofungen über» 
fdjüttete unb ibt ben Auftrag erteilte, mit 
#tlfe ibre« geiftlidben Leiter«, be« 3ffuiten 
2a (Solombiere, bie Slnbacbt jum aller» 
beiligflen §erjen ju fitften. ©ie ftarb 1690 
unb mürbe toon <ßiu« IX. 1864 feiig ge» 
ftoroeben. 3b« gefammelten ©Triften ftnb 
beutfa) toon @ t r o m (2. 3lufl. 1875) berau«* 

gegeben. ®. $>eilige« $crj Offu unb ©efellfdiaft 
bc« ^eingen ^erjenfl 3cfu. «gl. «ougaub, 
Histoire de la bienheureuse Marguerite- 
Marie (1874) ; © t r o m , Tl. to. «. (1875). z. 

3Uönu8 ab 3nfult6 (fo nacb fetner 
«aterflabt l'iüc in ftlanbern benannt), um 
1203 toerftorbencr ©cbolaftifer. Unter fei- 
nen tbeologiföen ©Triften ragt befonber« 

ror bie unter bem Xitel: „Regulao 
sacra theologia". Ob er aud? ber 
SJerfaffer ber „Summa quadripartita 
contra haereticos u fowie be« SBerf« „De 
arte sive de articulis catholicae fidei", 
ift ftreitig. (Sr fübrt ben Tanten Doctor 
universalis. «gl. ©djulte in ben 
„©itjung«frertcbten ber SBiener Sltabemic 
ber' SBiffenföaftcn" (1870); $aur<Sau, 
Histoire de la Philosophie scolastique 
(1872). z. 

51 Ibtt, f. Ätcibmtg, gtifllidje. 



tltber, 9ft a 1 1 b a* u « , Reformator fetner 
SSaterftabt Reutlingen trotj ßinf»racbe be« 
«ifctyof« toon Äonftanj unb be« Reicty«- 
Fammergeri<§t«. infolge be« 3nterimö 
(1548) ging er nacb ©tuttgart als Pastor 
Primarius an ber ©tiftSiircye, warb 1563 
Sbt toon «laubeuren unb ftarb, 75 3abre 
alt, 1570. «gl. 3- Hertmann, Tl. ». 
(1863). z. 

Ulbert ber ©tofle (aueb toon 
«ollftäbt), @<$olaftirer, geb. 1193 ju 
£auingen tu ©cbmaben, fintierte jn ^a- 
bua, wofelbfl er in ben 2)ominifancrorben 
eintrat, lehrte ju ^ari« unb tiJln, war 
1260—62 ©ifebof toon Regensburg, ftarb 
in Äöln 1280. 2>er (Sntwtcfelung ber 
©c^olaftif gab er burdj bie 9?erwenbung 
ber (jefamten 31riftoteliftben ^3^ilcf o^^te 
für bte 2b*»logie «inen gewaltigen 3m- 
bul«. ©eine bogmalifeben ^aubtwerfe 
ftnb bie .Summa theologiae" unb bie 
„Summa de creaturis". 2)en gewaltigen 
Umfang feiner Äenntniffe (er bel;errfcbte 
aufjer s i?bilcfc^bic unb Xfjeologic oueb noeb 
bie 9faturmifjenfcbaften) fonnten ftc^ bie 
3ettgenoffen nur burty- einen ©unb mit 
bem Teufel erllä'ren. «gl. b'Slffailto, 
A. le Grand (1870); Bertling, Ulbert. 
ÜJiagnu« (1880); 3- »ac^, £e8 «Ibert. 
aJiagnu« «erbältni« ju ber ßrfenntniglebre 
ber ©rieben, 2ateiner jc. (1881). /. 

5Hbigenfet, urfbrünglicb bie (Stnwobner 
ber ©tobt Sllbi unb ibre« ©ebtete aibi- 
geoi«, wo ftdj fc^on gegen (gnbe be« 12. 
3abrb- bie Sebren ber unter bem Kamen 
ber Äatbarer, «ßatarener ober '•publifaner 
befannten Jpciretifer toerbreiteteu ; bann 
©efamtname ber fübfraniöftfcben ba'retifcben 
©emeinben, aueb ber Söalbenfer. 1208 
gab bie Srmorbung be£ toäbftlicben Legaten 
S|Seter toon (Saftelnau 51nlaß ju ben toon 
^atojl 3nnocenj III. betriebenen, toon Si- 
mon toon 9Hontfort geleiteten, entfefclicben 
91lbtgenferfrtegcn, in welcben ©üb- 
franfreieb grauenhaft toerwü^et würbe, 
befonber« ba« ©ebiet be« ben Äefcern ge* 
neigten Raimttnb VI. toon £ouloufe. ©6- 
jier« würbe erftürmt unb bie gegen 20000 
©eelen fwrfe ©ctoiJlferung mit fanatifeber 
©raufamfeit ennorbet. „©dalagt fte alle 
tot, ber $err erfennt bie ©einen!" fo rief 
ber (Siftercienferabt Slrnolb. ©raf Rat-- 
munb unterwarf ftcy, warb feine« Sanbe« 
für toerluftig erflärt unb ba« &reu}beer 
mit «olljiebung be« Urteil« (1211) beauf- 
tragt, ytadfo ©efteguna Raimunb« unb 
feine« «etter« %<eter« 11. toon ?lragonien 
mürbe ber ©raf toon SDtontfort jur S3e- 
lobnung für bie ber tirebe geleiteten 
25tenfte 1215 mit ?angueboc belebnt. (5r 



Digitized by Google 



Mbrect>t*leute — Slleranter 



11 



fiel 1218 tor Douloufc. Wacb bem Dobe 
be« ©rafen »aimunb VI. (1222) fefcte 
beffen @obn 9?aimunb VII. ben tom 
Sater ererbten Dobe«fambf mehrere 3ab" 
fort. (Snblidj, al« audj bet Sönig ton 
granfreicb be« Raffte« Partei ergriff, 
fdjloß er unter bemütigenben 8ebingungen 
^rieben (1229); fbäter ergriff er bie Par- 
tei be« mit ber Äirdje jerfaüenen Äaiferö 
ftriebrid) II. Die 1229 ju Douloufe er- 
richtete 3nquifition v dienbete bie gemalt« 
fame 8efebruna be« fianbe«. Der@eften- 
geift aber mutierte in«gebeim fort, fo in 
^iemont, mob^n tiefe 21. au* ber ^ro- 
tence gehoben, bie als SBalbenfer im 13. 
unb 14. 3abrb- Vorläufer be« f roteftan« 
ti«mu« mürben. 8gl. Ä. S (6 m i b t, His- 
toire et doctrine de la secte des Ca- 
thares ou Albigeois (1849); %*ebrat, 
Histoire des Albigeois (1870—72, 3 8be.), 
D u 1 au ri er, Les Albigeois im „Cabinet 
Mstorique" (1880). z. 

■Sllbrcditelcutc, eine ton bem au« 
^ennfoltanien gebürtigen Hcferbauer 911« 
brecht (geft. 1808) geftiftete metbobiftifebe 
©emeinfd&aft, bie fieb, über Deutfcb> 
lanb (befonber« SBürttemberg) unb bie 
ed)weti au«breitete. «gl. tyUtt, Die 31. 
(1877). z. 

»Icontärtt=Erben, geftiftet in beruhte 
be« 12. 3abrb- SUeranber III. betätigte 
ben Drben, beffen «ufgabe ber Sambf 
gegen bie Mauren mar. Der Orten 
mürbe 1873 aufgeboten, z 

31 1 canbe r , ^ieronpmu«, fatt). 
log unb b«>^licber Wuntiu« be« 16. 3abr» 
bunbert«, ift am 13. ftebruar 1480 \u 
iaMotta in ber SWarf Dretifo geboren, flu« 
bierte juerft äffebijtn, manbte fidj fpaler 
ben ^umaniftifdjen SBiffenfdjaften unb ber 
a^eolegie i«- «Seit 1508 lebrte %. ba« 
©riedjifdje mit (Srfolg in ^Jari«, mnrbe 
1515 Äanjler be« prftbifdjof« ton Süttid) 
unb 1517 ton 2eo X- jum 8ibltot&efar 
im 8atifan ernannt; 1520 ging er al« 
&abfilid?er ?egat nadj Deutfeblanb, um bie 
gegen 2utber gefdjlenberte 8annbutle $u 
tottjiec)en. Demgemäß forberte er in 
©orm« (13. gebr. 1521) in breifiünbiger 
9tcbe bie ©eftrafung be« Äefcer« unb bie 
Verbrennung feiner 8üdjer ; ibn beauftragte 
Sari V. mit ber »bfaffung be« ßbitt«, 
meldjc« bie SReid?«ad)t über Sutber terbängte. 
92acb Schluß be« Sormfer 9*cid}«tage« 
»erfolgte er bie (Stangelifcb en in ben lieber» 
lanben auf ba« 8lutigfle. Siemen« VII. 
terlieb. ibm 1524 ba« <Srjbi«tum 8rinbifi, 
unb fanbte it)n jum jmeiten äWale (1531) 
al« Legaten nad? Deutfeblanb. 8on <ßaulin. 
mürbe VI. 1536 jum ÜKitgliebe ber rb- 



mifeben 9feformtommiff*ton ermäblt unb 
I 1538 jum Äarbinal creiert. 3m Auftrage 
biefe« ^abfte« ging er 1538 jum britten 
2Nale al« Wuntiu« nad? Deutfcblanb; 
*. jlarb 1542. «gl. ftriebrieb, Der 
5Äcid;«tag ju SBorm« im 3abre 1521 nacb 
ben 8erid?ten be« ^ä^ftl. Wuntiu« K. 
(1871); 8alan, MonumenU reforma- 
tionis Lutheranae (fasc. 1, 1883) ; Ä o l b e , 
Durber u. b. 9teid>«tag ju Sorm« (1883); 
3anfen, ». am 9teidj«tage ju föorm« 
(1883); «rieger, «. u. ?utb- in ben 
„CueBen unb gorfebungeu jur (Sefdj. b. 
Reform", («b. 1, 1884); «alfoff, Die 
Debefcben be« 9?untiu« H. tem SBormfer 
9leidi«tage(1886); SB au mgarten, ©efeb. 
Äarl« V. (1.8b. 1885); (Slter, Üutber 
u. b. Sßormfcr 9tcüb>tag (1886). z. 
^llcranbcr, v J?ame ton ^äpften. H. L 
I bentifTjierte im Slnfang be« 2. 3abrb., 
ftarb mabrfdjeinlicb: al« 3Wärtbrer. — 91. II. 
(1061—73), ton $ilbebranb obne fönig« 
lidjc ^uftimmung erboben, erbielt an bem 
* auf ber <Sb"obe ju *afel auf Sunfdj 
1 ^einrieb« IV. gemäblten ^»onoriu« II. 
einen (»egenbabfl. Cbmofjl ba« Äoujil 
ton 2)?antua 1064 bie Äirdjenfraltung bei- 
legte, blieb megen ber tom Äbnig offen 
geübten Simonie ba« ^erbältni« jroifdjen 
^einrieb IV. unb X. IL ein gekannte«, 
sßgl. ^iefebredjt, ©efebiebte ber beut« 
fdjen Äaifer,eit, 8b. 3, Deil 1 (4. %nfL 
1876); D elarc, Le pontificat d'Alex. II. 
in ber r Rev. des questions hist. a (1888). — 
%. III. (1159—81), ein Sdjüler fltälarb« 
unb bertorragenber Manonift, fanb, al« 
eine f$i«ntatifd}e ©abl ibn »nb Victor IV. 
auf ben Stubl ^etri geboten, an Äaifer 
griebridjl. einen beftigen Siberfad)er, ber 
ben ©egenbabft begünftigte, nad? beffen 
Dob jmei meitere fd?i«matifcbe *päbfte er« 
bob unb erft nad) ber ©cbladjt bei ?egnano 
im ^rieben ton 8enebig 1177 fid? jur 
Snerfennuug 31(eranber« III. terflanb. 
$einridt) II. ton (Snglanb mürbe megen ber 
ntebr obne fein Corwtffen erfolgten Gr« 
morbung be« örjbifdjof« ton fianterburt, 
Dboma« 8edet (f. b.), ton 21. ^ur fdjimbf* 
lid)Pen 8uße gejmungeu. 1179 eröffnete 
ber $abft ba« britte ?ateranfoir,il. Cflt 
Deuter, @efd)id) te KtcyanbcN IH. (2. Stuf!. 
1860 ff., 3 8be.), ©iefebreebt, ®efd?. 
b. beutfdjen Äaiferjeit (5. 8b., 1885); 
Denifle, Die Sentenjen 91bälarb« unb 
bie 8earbeitungen feiner Xf)tolo^it tor 
5Diitte be« 12. 3abrb- im^lrjb^ fjeitt. u. 
Ä. ©. b. 3«. &*Ul&feY- ©jwT^SM 
bi« 1261) trfi^iibrt Vergebltd/ aMfifa 

THEOLOiK'AL SEMINARY, 



12 Hfejanber ^atati« — Stteyanbriniföe ©djule. 



(1409—10) würbe auf bem Äonjit ton I 
^ifa nach Abfefeung ber ftcb betämpfenben I 
^ä>fte ©regor XII. unb «enebift XIII. 
ermä'hlt, fanb aber nicht allgemeine An- 
erfennung. — A. VI. (1492-1503) warb 
an 9ftcht«würbiafeit nur ton feinem teuf« 
lifchen ©obn Cfcä'far ©orgia übertreffen. 
2ttag bie Wachrieft, bie tbn ber ©lutfcbanbe 
mit fetner leiblichen Softer Sucrejia be- 
richtigt, au* unlauterer Duelle flammen, 
mit feiner 2 thwiegertoebter unterhielt er 
boeb, b'dcbft wabjfcheinlicb ein unerlaubte« 
©crhaltni«; nur ein Streben faunte er, 
feine ftinber, ton benen, al« er ben 2 uibi 
^etrt beftteg, noch ticr am Sieben roaren, 
auf Meficn be« 8 irrten (taat o ju bereichern ; 
Äriea., Dolch unb ©ift waren bie Littel 
jur Erreichung biefe« 3^«^*- © cm ©ob.« 
(Jäfar beberrfchte tbn fo toböig, bafj er 
bemfetben nicht bieg bie (Srmorbung be« 
©ruber« unb ©chwager« nachfab, fonbern 
in ©emeinfehaft mit biefem ftch an bie 
entfefelidbe ©lutarbeit ber Ausrottung be« 
$>aufe« Orfini machte; balb barauf ftarb 
er, inbem ba« ©ift, welche« er einem 
Äarbinal befiimmt hatte, ihm torgefebj 
mürbe, ©gl. ©regorotiu«, ?ucrejia 
©orgia (3. Aufl. 2 ©be. 1875); bie 
neuern Apologien Aleranber« VI. ton 
Wemec (1879), ton 2eonetti (1880) unb 
ton Clement, Les Borgias (1882) ftnb 
töüig unhiftorifch ; \n 1 1 c n b e t m e r in ber 
„3eitfchr. f. Ä. ©." (1882) unb § a g e n in ber 
„Beitfchr. f. tatb. Dbeol." (1886). — 31. VII. 
(1655—1667) mar moblmcinenb, gelehrt 
unb dichter, erfuhr ton ? ubroig XIV. eine 
fchmere Demütigung, al« ber ©efanbte 
be«felben, ber ^erjog ton (Jrdqui, ton 
ba'bftlichen Dienern in SRora beleibigt wor» 
ben mar ; al« greunb ber 3efuitcn mar 
er ein (Gegner ber 3anfeniflen. ©gl. 9t e u - 
m o u t , Fabio Chigi (<ßabft 31. VII.) in 
Deutfchl. (1885). — A. VIII. (1689-91) 
führte ben Äambf feine« Vorgänger« 3n- 
nocenj XI. gegen bie, bie gaüifanifchen 
Ätrcbenfreibeitcn betonenbe, Deklaration be« 
Subwig XIV. ergebenen Äleru« ton 1682 
weiter fort, erreichte tom Äönig bie 
©erjicbtleiftung auf ba« Aftlrecbt feine« 
©efanbten unb terbammte bie anftbfjige 
?ebre ber 3efuiten ton ber bbitofa£h»f<h<n 
©iinbe. ©gl. ©6rtn, Pape A. VIII. et 
Louis XIV. (1878). z. 

5lle):onber ^totalis, franj. Äirchen- 
biftorifer, geb. 1639 ju 9touen, geft. 1724 
in ^Jari«, trat 1655 tn ben Dominifaner« 
orben, terfafjte auf SÖunfch be« SWiniftcr« j 
(Jolbcrt feine allgemeine Ätrchengefchicbte 
bt« jum ©djluß be« Dribentrnifcben Äon- 
jil« in 24 ©änben (1677-86), bie 3nno- I 



cenj XI. 1684 auf ben 3nbe$ fefcte, au« 
beut fte erfl ©enebift XIII. wieber ent- 
fernte, z. 

"Jllcranbcr 9teto&Hi, ber heilige, 
Aiirft ton 92owgorob unb Äiem lur 3cit 
ber $errfcbaft ber Dataren Über wufjlanb, 
geft. 1263 ; bie Au«ficht, welche ihm 3uno» 
cenj IV. auf bie §»lf* be« Abenblanb« 
gegen bie Dataren machte, war nicht im 
ftanbe, ihn jur Unterwerfung unter 9tom 
ju bewegen; burch grojjc Klugheit gelaug 
e« ihm, bem (Ehriftentum bei ben Mon- 
golen Singang ju terfchaffen. z. 

SllejrQnbet *on #alc$, ©cholafiifcr, 
geboren in ber ©raffdjaft ©loucefter, er- 
hielt feinen Zunamen ton bem in biefer 
©raffebaft gelegenen Älofter £>ale«, in bem 
er ben erften Unterricht empfangen hatte; 
er ftubierte unb lehrte fpäter tn ^ari«, 
trat in ben ^ranu«fanerorben unb ftarb 
1245 in *part«. Gr hat juerft bie ^b'lß- 
fojphie bc« Ariftotele« für ba« ton ihm in 
feiner „Summa universae theologiac u 
bargeftellte ftreng tirchlicbe 3 uftem benu^t 
3n ber «Scbolaftif führt er ben tarnen 
Doctor irrefragabüis. z. 

9Ueranbrinif$e @d>ule, 9?ame für 
bie eigentümlicbe Dichtung, welche bie 
Dh^^fl'« in Alcranbria einfehlug. ^>ier 
machte ba« (Shtiflentum ähnliche (Srfah* 
rungen wie fchon in ben unmittelbar tor- 
chrtftlichen 3ahrhunberten ba« 3ubentum, 
welche«, in bie Atmofbhäre griechifcher ©il* 
bung, SDiffenfchaft unb ^bilofob'bie einge- 
treten, feine theologifde ©orftellung«welt 
nach ben tom ^Jlatoni«mu« unb ber ©toa 
entlehnten Magftäben umgebilbet unb zu- 
rechtgelegt hatte. 3n tieler ©ejiehung ift 

bie chriftliche 9ieligion«bbiI°foJ>h'</ 
feit etwa 190 in Aleranbria entftanb, nur 
bie gortfefeung jener befonber« ton ty\)'\\o 
(f b.) tertretenen jübifchen ; infenberbeit ift 
bie fogen. aüegcrifcbe Auslegung (f. b) 
bireft ton ber jübifeben ©orgängerfchaft 
bejogen worben. 3ebenfaU« würbe ba« 
(Shrtflentum juerft in Aleranbria al« Ibeo- 
logie auegebilbet. ©ei ^antänu« (geft. 202) 
jroar, ber al« erftc gefchichtlich fiebere @rb"6e 
an ber theologifchen ©ilbung«anftalt („Mate- 
chetenfchule") auftaucht, liegt bie ebriftliche 
©eltanfchauung noch in unflarer SRtfchung 
mit ber griecbifcb-bbilofothifchcn tor, wa> 
renb bei feinem ©chüler (Siemen« mehr 
ton ebriftlicher, bei beffen ©chüler Drigene« 
fogar ton lircblicber ©noft« (f. b.) gerebet 
werben tann. (S^egetifche ^orfchung«luft 
mit tühner ©belulation terbinbenb, hat 
bie a. ©. ben ©cbwerpunft be« cbjiftlichen 
©lauben« einerfeit« tn fpetulattten ©e» 
ftimmungen unb in ber 2Retabbbfit bet 



Digitized by Google 



Wcyiatter — ^lüeinfcligmac^ente Äircfye. 



13 



©orte«« unb ?ogo«lebre gefugt, anberfeit« 
aber babei ftet« bie ftttliche greibeit be« 
SDfenfdjen betont unb barin eine rdjt grie- 
dnfebe (Srbfdjaft bewahrt. Drigene« unb 
feine Nachfolger galten baber Aber ein 
3aprhnnbert lang al« *Borbilber amf für 
ba« wiffenfdjaftuch *unäd)ft unfruchtbare 
Slbenblanb. 6rft allmählich entfernte ftd) 
biefe« ton ber fo gewiefenen Sinte, unb 
in bemfelben SRaß würbe aud) im Orient 
bie ältere a. ©. tpeil« burd) bie jüngere, 
ccii 2ttbanaftu« unb dpriü repräsentierte, 
wefentlidj ertpobej e, tb. eil« burch bie feg. anti« 
od)enif<he ©cbnle (f. b.) jnrücfgebrängt, welch 
(entere ibr namentlich" in bejug auf ftreng 
wiffenfcbaftlidje« ©erfahren überlegen mar. 
S*gl. SJacperot, Histoire critiqne de 
l'ecole d'Alexandrio (1846—51, 3 «be.); 
Ä i n g « l e p , Alexandria and her sebools 
(1854). z. 

aierionct, fromme ©efeüfcp" oft , im 
14. 3ah*h- jur 3"t ©tb>arjen Xebe« 
entftanben, welche ftd) ber Äranfenpftege 
unb ber ©eftattung ber £oten unterjeg 
(bat)er auch jolltjarben aenannt, f. b.). 
©ie nannten ftcb H. nad) ihrem ©djutj- 
Patron, bem b,eit. SUerm«, einem oor« 
nehmen, burd) wunberbare Teilungen be- 
rühmten SRiJmer, ber 417 ftarb. 2)ie 
Ulerianer befielen nod) feurigen läge« in 
Belgien, J)eutfd)lanb, granfreidj unb $ol- 
lanb. z. 

SUfuin fAlchuine, latintfiert Al- 
binos), fränr. T^eolog unb ©taat«mamt, 
geboren um 735 \n ?)erf, feit 766 Leiter 
ber er$bifcbo"flichen ©djule bafelbft, warb 
»on Äarl b. @r. bei einer Begegnung in 
$arma al« Organifator be« gefamten 
©cbulwefen« in« granfenreid? berufen, S*on 
782—789 unb oon 793 bi« ju feinem 2ob 
804 war er juerft an ber $effchnle, fpäter 
al« fcbt be« 9D?artin«flefter« in Xour« 
thätig unb in ber $olitit wie in ttrcblicben 
Hngelegenpeiten ber beftänbige JBerater be« 
Äaifer«. (Sr befämpfte ben tfboptianiBmn« 
(f. ») in ©ebriften unb auf ©pnoben; ob 
er an ber Slbfaffung ber „Carolini libri" 
(f. b.) beteiligt gewefen, ift zweifelhaft, 
©eine reiche fd)riftfteüerifd)e Ibätigfett er- 
ftredte ftd? über 2^eologie, ^bilofopbie unb 
©rammatif. ©ein §auptwerr ftnb bie brei 
SBücter „De fide sanetao et individuao 
trinitatis". Slltuin« »riefe, eine ber 
wicbttgften Duellen ber 3eitgefd?idite, ftnb 
ton S a 1 1 e tt b a dj unb Tümmler in 
3 äffe*« „Bibliotheca rernm Germani- 
carum 4 ' (t. VI. 1873) herausgegeben. #gl. 
©idel, Hrtuinftubien (1875); Serner, 
«. nnb fein 3abrbunbert (2. SCuf t. 1 881.) z. 

Httab, (f. SHofjommeb.) 



flflfflDrtfdif «uMeguna , biejenige 
9lu«legung«metbobe, welche ben geheimen 
©tnn einer ©djrift ju ermitteln fud)t. 9lQe 
Religionen, meldte auf ^eilige ©d)riften 
jurüdgeben (93u$religionen), fab^en ftd; mit 
ber 3ett in bie Jage gebraut, bie (Srget* 
niffe be« fortfdjrettenben »iffenfd?aftlidjen 
unb fittlidjen ^re^effefl mit bem «ud- 
ftaben jener <S<briften, ber barauf nidjt 
eingerichtet mar, burd> a. %. au«ju$leidjen. 
Daber jene« mebr ober minber geiftreic^e, 
immer aber wiflfürlid)e Spielen mit Sor- 
ten unb ©eg^riffen, meldiem ba« ©treben 
ju ®runbe Itegt, ben (Febalt einer 8cf)rift 
al« bloße $crm für einen anbern, oen 
ibr gan) unabhängigen ©ebalt ;:i faffen. 
3n biefem ©inn ift bie a. 9. fd)on oon 
fpätem griedjifdjen ^^iTofo)?^en iur Gr« 
tiärung Horner« unb anbrec Diqter ber 
©oneit, gan) befenber« aber cen ben 
aleranbrinifdjen 3nben jur Srflärung ib.rer 
^eiligen ©djrift angewanbt roorben. 3n 
ber djriftlicben Ideologie ift fie burdj Ori« 
aene« ^errfdienb geworben, fo baß fie felbft 
peuligentag« nod* nid)t oüflig übermunben 
ift, obgleich bie Reformatoren grunbfätjlid) 
nur bie grammatifdj«b,jftotifdje Sluelegung 
für juläfftg erflärten, nac^bem föon in ber 
alten ftirepe bie anticef niifcte ©d)ule an 
bie ©teile ber aÜegorifd)en 9(u«feguna bie 
Bnwenbung be« grammatifeben ©ebrift- 
ftnn« für erbanlid?e ©etradjtung gefetjt 
parte, n. 

«DctnfeltQmQdjfnbc Ätrdje, 9iame, 
n>etd)en ftw bte fatholtfche Äirche beilegt, 
inbem fte erflärt, baß außerhalb ihre« 
Serbanb« niemanb feiig werben f'dnne. 
©djon lertuttian (f. b ) oerglicb bte Äircbe 
mit ber aüein rettenben 9lrd;e 9?oah«; 
Origene« nnb (Spprian frrachen ben ©atj 
j au«: „Außerhalb ber (fatt)oltfd)en) Äirche 
wirb niemanb feiig", welcher bann, nach« 
bem ba« ^terarepifdt)« SWoment Singang 
gefunben hatte, im (?ectenfatj ju ber ^>e» 
teroborie, burd? 9tugufttn unb bie ^äpfte 
?eo b. ®r. unb ©regor b. ©r. auf ben 
äußerlichen, organifterten i^erbanb ber 
fatholifcheu Äircbe unb bte Unterwerfung 
unter ben römifeben SPifdbcf al« legitimen 
Oberhirten ber äirche bejoaen Warb unb 
noch jetjt al« 2)cgma feftgepatten wirb, fo 
baß aue Wicbtfatpelifen nach fatbclifd^em 
2)ogma oerbammt ftnb unb SWilberungen 
biefer 2ehre, wie fte neuerbing« felbft oou 
Äatholifen aufgefteßt würben, ber ortho» 
boren ?eljre ber Äircbe wiberftreiten. ?luc6 
ber orthober 'lutherifche Ehrbegriff nahm 
für feine Äircbe alleinfeligmachenbc Äraft 
in Slnfprucb, wiewohl man ftch febeute, bie 



legten Äonfequen',en barau« ju Rieben, n. 



Digitized by Google 



14 



Sifler^riftUc^er flönifl — Mtar. 



9Hetd)tiiUidjer Zottig, fett vr.r 
n>ig XI. ton btit ^ßK^ftcn »crlie^ener ©b« 
rentitel bcr franjb'ftfcben Sbnigc, ber feit 
ber SHeoolution ton 1830 ni#t mebr ge* 
brauet worbcn ift. z. 

SUlcrliriliacn , geft ber fatholifctyen 
Äircbe jum ©ebäcbtni« aller ^eiligen unb 
9Märtbrer, in ber griednf<hcn Äinbe feit 
bem 4. 3abrb- am Sonntag nacb ^fingfien 
gefeiert; e« warb begriinbet in töom, al« 
Jöonifaciu« IV. um 610 ba« ^Jant^eon 
al« ^anagion aßen SWa'rtbrern weibte, 
unb burcb Tregor IV. (835) auf 1. Moo. 
»erlegt, h. 

SUlerfcelen, fteft bcr fatb. oliftfcen Stirpe 
jum ©ebä<htni« ber SJerftorbcnen, für bte 
an biefem lag ein feierliche« iotcnamt 
gehalten wirb, warb juerft 993 im Älofter 
Clugnb burd> 9lbt Cbilo eingeführt, burdj 
$apft Silocftcr II. 998 augemein em» 
pfoblen. ß« wirb gefeiert am Xag nach 
9lllcrbeiligen (2. 92o».), an oielen Orten 
burcb eine Skllfabrt 3um ©otte«acfer, wo 
bte mit ©lumen unb i'ampen gefcbmücften 
©räber mit geweihtem Söaffer befprengt 
Werben. <S. fttflfeuer. h. 

"Jl Hielt, 3ofcpb ftranj, namhafter 
fatbol. Sbeoleg, geb. 1793 Ut Suljbacb, 
Würbe 1816 $ricfter unb ftubierte feit 
1818 in SBien, SRom unb ^ari« orien» 
talifebe Sprachen. (Seit 1823 <profcffor 
be« ©ibelftubium« ju ?anb«but, folgte er 
1826 einem 9tuf nach SWündben, warb 
1835 ©omrapitular in 9?egen«burg, 1838 
2)ompropft ju 9tug«burg unb iütitglieb 
ber Slfabemie bcr SBiffcnfchaften in 2)fün» 
chen. er ftarb 1873 ju 9lug«burg. 91. 
War £>erau«gebcr ber etnjigen öom $apft 

Sebittigten beutfeben ©ibelüberfefeting mit 
Inmerfungen (1830—34, 6©be.; 5. 9lufl. 
»cgen«b. 1875—76, 3 $be.). Unter feinen 
übrigen ©Triften ftnb ermä'h nen«wert : 
„$anbbuch ber biblifeben 9lltertum«funbe" 
(1841—44, 2 Sbc.) unb „2>ie »ronjetbiir 
be« 3)om« ju 9lug«burg" (1853). z. 

Bttofutionen (lat.), 9lnreben be« 
Zapfte« an bie ftarbinäle. z. 
SUooft* (grieefr.), f. «briftologie. 
Ulmofen (o. griech- eleemosyne, „SNit« 
leiben")/ eine au« aWitletben bargereiebte 
©abc. 2Bic nach richtigem SBcgriff nicht 
ber (Sinjelnc, fonbern bie ©emeinbe ben 
2)Urftigeu toerforgte, fo gab man f$on in 
ben erfiett 3<» te " bcr chriftlicben tinbe 
folche ©aben ber ©emeinbe. 2)aber ftnb 
91. ©aben an bie £ir<hc, bte tetl« jum 
Unterbalt bcr ©eiftlichen, teil« jur Ar- 
menpflege oerwenbet würben. Unter ben 
guten Herten, betten, abgefeben oon bcr 
©eftnnung, an ftcb ein b"?(>er SBert bei- 



I gelegt wirb, fleb.cn bei Äatbdifen, 3ubcn 
unb SNobammebanern bte 9t. obenan, n. 

fUmofeniet (fran$. Aumönier, engl. 
Almoner), bcr DrbenSgeiftliche, Welcher 
bie \u 9tlmofen beftimmten ^onb« ju »er- 
watten bat. Steift ftnb bte ^ei^toätcr 
fat^olifcfyer gürflcn juglei^ beren %\mo* 

I fernere. 3)er ©r o^almof enier (Grand- 

i aumönier) oon g*anfrci($ war feit j^ranj I. 

; einer ber erften Beamten be« Stcid?« unb 
^>of«, gewöbnlm) Äarbinal, faß beim ©ot« 
tc«bienft ^ur 9ietbten be« Äönig« unb betete 

, an ber tBnigluben Xafel. SDie 9ecoolution 
b»b biefc SBürbe auf, unb nur toorüber» 
gebenb riefen Napoleon I. unb Wapo« 
leon III. fte wieber in« £eben. 3n (£ng- 
lanb bat gewBbnlm) ein Sötfc^of al« ?orb 
^tigb 9llmoner bte 2luffi<bt über ben 

; au« Straf« unb ©ußgelbern gebitbeten 
'fllmofenfonb«. z. 

flöget (grieo)if^: ?ogo«lofe, Unöcr» 
nünfti^c) werben fpottweife *>on (Sbi : 
bbantu« (f. b.) bte 9lnbanger einer „rabi» 
falen, antimontaniftifc^en Obbofttion" in 
Sleinaften genannt, welche (in ben 3abrcn 
170—180) fowobl ba« üiertc <5t>angelium 

i al« au6f bie 9tyotalbbie bem 9lpoftel 
3o(>anne« abfpratben unb ben 9lu«brucf 

i ,,?ogo«" für ben <3obn ©otte« bean= 
ftattbeten. ©gl. 9lb. 4>arnacf, 3)ogmen- 
gefä. (1. «b., 2. KttfL 1888). z. 

fllottfiue öott Wpnjaaa, ein 3efuit, 
berübmt wegen feiner aufopfernben öru= 
berliebe, bte ibn t>on einer entfe^licben 
©euebe befallene Äranfe fo lange in 9Jom 
pflegen liefe, bi« er 1591 angefteeft Warb 
unb ftarb; 1621 würbe er feiig, 1726 
betlig gcfprod?cn. z. 

3lUat (». lat. alta ara), jebe fünftii^e 
evtictuma, jur !2)arbringung oon Opfern 
unb ©ebeten, im 9lltertum urfprüngli^> 
au« 9tafen, Srbc unb «Steinen rob auf» 
gebaut, fpater fvmmetrtf<b gebilbet, fünft* 
lerifc$ au«geftattct, mit Äranjen unb 
$inbcn gefd(>mü(ft, aueb wobl tbronartig 
auf Stufen gefteüt. 3)ie Hebräer erri^ 
teten 9lltä're auf ben §8&en, wo fte an^ 
beteten, bi« feit Salomo, richtiger feit 
3ofta, ber Xempel (f. b.) mit feinem 9lau(b' 
opferaltar im Heiligtum unb feinem ©ranb* 
opferaltar im SBortyof jur einjtgen Äult- 
ftätte erhoben würbe. 2)ie fatbolifebe 
Murfic bat, fobalb fte ibre Opfertbeorie 
auSgebilbet hatte, aua) ben 9lbenbmabt«« 
tifrt) in einen 91. umgemanbelt, ber oom 
©if(hof geweibt fein unb Reliquien bergen 
muß. SÖäbrenb in ben grieebiftben Äirtben 
in ber Siegel nur ein 91. ftebt, unter» 
febeibet man im 9lbenblanb febon feit bem 
6. 3abrb- ben ^o^alter am $jwr ton 



Digitized by Google 



9{ttarfev$en — $ü$og 



15 



ben Seitenaltären. 35er erficre bat ftcb 
nacb gorm unb Huefcbmücfung tfilireifc 
auc$ m ber lutberifcbcn Äircbe erbalten, 
wäbrenb bie reformierte jum Äbenbrnabt*- 
tifcbjurücfgefetyrt iji. h. 

tUtarfenen (?Utarli<&ter), bie auf 
bem fatbolifcben »Itar brennenben Äerjen, 
welche wäbrenb ber iDfeffe an bie Nacbt* 
jeit be« Slbenbmabl« erinnern. 3b"r 
jwei t»aben fieb nelfacfc aueb in ber inthc 
rifeben Äircbe erhalten, h. 

fUltefte (@ e f e n i m) , Name ber ©e* 
meinbetorfteber bei 3uben unb Sbriften. 
3m 3Hi«mmenbang mit ber (Sb«rbietung, 
welcbe bie morgenldnbifcben Hölter bem 
Älter wibmen, ftanb bie Ginricbtung, ba§ 
bie Leitung ber öffentlicbeu Slngclegenbei- 
ten tor$ug«weife in bie $änbe ber Gilten 
gelegt war. ©ei ben 3«raeltten reieben 
Stamme«« unb Crt«ältcfte in \)o\}ti %U 
tertum &inauf, unb feit bem Cril finben 
wir einen tolf«tümlicb/en «Senat in £b«** 
rigfeit, au« bem ba« Sbnebrium (f. b.) \)tx* 
borging, h. 

&ltfatbolt;tämu<s bie ton ber natto- I 
nalen 3bee getragene, ber SBiffenföaftlicb- 
feit unb ©ewiffenbaftigfeit be« beutfdjen | 
Äatbolijtömu« entflammte ©emegung be« j 
SSiberftanb« gegen ba« tatifanifete Äonjil 
<f. b ) unb ben in ber 3nfaüibilita"t (f. m 
gifcfelnben römifdten Satbolijismu«. Kit" ' 
Mg baju gaben bie 3uf«mro«itonft toon 
elf beutföen unb öfterreiebifeben ©elebrten 
gu Nürnberg im Slugufi 1870, weldje 
unter ber giibrung 3)bllinger« (f. b.) btc 
barifaniföen ©efcblüffe für nic&>erbinbli<$ 
erflarten, fowie ba« Schreiben be« i'efet« 
genannten rem 28. Wdx] 1871 an ben 
ßrjbifcbof ton 3Ji iiiut ien, worin er erflärte, 
ai« Sbrifl unb al« 1 t>eolog, a(« ®t Lehrter 
unb al« ©üra,er ba« 3>ogma berwerfen 
ju müffen. Gnn enter Äongrefc bon ©e« 
ftnnungsgenoffen, im September ju 2Jiün» 
eben gebalten, erftärte bie 3nfattibiliften 
bom 3efutti«mu« »erführt unb ton 
alten tatbeliföen tttvebe abgefallen. 
35amit mar ba« Scbi«ma auSgefprocben, j 
unb bie bon ben ©ifdtjöfen erfommuni- 
lierten gübrer (2:beelogen wie Steinten«, 
2)tic6eli«, griebrieb, Steufcb, Sangen, 3u' 
rifren wie Spulte unb ^bilofopben wie 
$uber) wtrften feitber unermübli($ in 
Schrift unb SEBort für bie Äonftituierung 
unb Crbaltung ber neuen fmtlieten ©e- 
meinf<$aft. (!« folgten bem 3Wün<bener 
no^ a#t Äongreffe, 1872 in «bin, 1873 
in Äonflan*, 1874 in gretburg, 1876 in 
©re«lau, 1877 in SDtainj, 1880 in ©aben, 
1884 inÄrefelb, 1888 in $eibelberg. Seit I 
1874 würben infolge ber Äirc^enberfaffung 1 



ton 1873 regelmäßige Sbnoben gebalten in 
©onn, ber Steftbeit; be« gleichzeitig er« 
wablten unb bon ber preußijcben unb 
babiföen Regierung botierten ©ifebof« 
9ieinfen«. 35ie Sbnobc wirb gebilbet »on 
fämtlic^en Oeifilicben unb t>on Jaienbebu- 
tierten, toon welcben jeber eine ©emeinbe, 
bejiebentlicb 200 felbftänbige iD^änner öer* 
tritt. $en 3wang«cölibat ber ©eiftlicben 
febaffte bie <2bnobe öon 1878 mit 75 gegen 
22 Stimmen ab; infolgebeffen fagten ftcb 
Sanken, griebrieb, Steinet u. a., obne jur 
r'dmtfrben Äircbe jnrücf jufebren , ton ber 
©tnobe lo«. 91ucb bat bie tierte Sbnobe 
(1877) bie (Sinfübrung ber Sanbe«fbracbe 
in bie äRefjliturgie gemattet. Niebit obne 
Srfolg finb bie »erfuebe ber «Itfatbolifen 
gewefen, ftcb ter anglifanifeben unb grie> 
($if($en Äircbe ju nähern (f. Union). 2Säb» 
renb ber %ltfatboli}i«mu« in Greußen, 
©aben unb Reffen ^titflc&ttid^ ber @eelen- 
jabl — fte belief ftet) 1886 in biefen bret 
Staaten jufammen auf 30,700 — im 
#crgleicb ;um 3abre 1874 eber gortfe^ritte 
al« 9tUcffcbritte maebt, fo ifl bie Bewegung 
in ©aiern febr bebeutenb jurütfgegangen. 
(Sine fogen. ebriftfatbolifebe Bewegung enf- 
ftanb aueb 1871 in ber @c$ weij. 2)te Xe« 
legiertenterfammlung ber (St^rififat^oliren 
in Clten 1873 befebränfte ba« SBaUfabrten, 
fübrte bie Sanbe«fbracbe in ben ©ette«- 
bienft ein, unb bie 2)elegiertenterfammlung 
ton 1874 nabm einen ftarf bemofratifcb 
gebaltenen jitrebenterfaffungflentwurf an; 
bie jweite cbriflfatbolifcbc @b"ot« ^on 1876 
wäblte ben Pfarrer J&erjog jum ©ifebof 
ber ©cb^wetjer (Sb"ftfatbolifen unb \)cb ben 
(Seilibatf^wang auf. '.'lud? in Deflerreieb 
erlangten bie Sltfatbolifen 1877 ftaatlirbe 
anerfennung, unb in granfreieb bot lft 79 
^ater £tyacintb ?obfon (f. b.) eine gaüifa« 
nifebe Äircbe begrünbet. *<gl. SBübJer, 
3)er «. (1880); ©ebfcb^lag, 35er 
(«>aae 1882); gr. t. ulte, 35er 9llt- 
fatboli*i«mu« (1887). %. 

^lltlutbcrQUCr, f- 8iitfj*tifdj« ffird)c. 

»Ij0(». 3ob,ann »abtift, fatbol. Äir« 
c^enbiftonfer, geb. 1808 \u Oblau in 
Scbleften, würbe 1834 $um ^riefter ge- 
weibt, warb 1836 ^rofeffor am Älerifal- 
feminar ju ^3ofen, 1845 ^ßrofeffor unb 
Stegen« be« Seminar« ;u $ilbeefyeim, 
1853 ^Jrofeffor an ber Uniterfität grei* 
bura, wo er 1878 ftarb. «Ijog« ^aupt- 
werf ift ba« „Sebrbucb ber Uniterfalge» 
febiebte ber cbriftlicb.en Äircbe" (1840), 
welche« in ade europaifc^en v inptfpracben 
überfe^t würbe unb 1882 in 10. «uflage 
al« „^anbbueb" in 2 Sünben erfdbien. 
ferner terfafjte er ein „^anbbueb ber 



Digitized by Google 




16 



SImalefiter — Stmen. 



^arrologie" (4. «ufl. 1888). Vgl. tie 0* 
bächtni«rebe t>on gr .1. .n rauf (1879). z. 

Slmalefitcr , ftame bcr im ©üben 
paläftina« , namentlich in ber ^cutigtn 
©Ufte (St £ih, beimifefcen Vebuincnftämme, 
in treiben ba« Vclf 3«racl feit SKofe«' 
£agcn einen ßrbfeinb i\i befamtofen ge- 
wohnt war. Wachbem ibnen ©aul unb 
35a»ib toernichtenbe (Belage beigebracht, 
»erfebwanben fie allmählich gans au« ber 
©efehiebte. n. 

3tmalric$ toon ©ena, berühmter $ä- 
retifer, geboren ju Vena, (3)ib"jefe <5ba*trc«), 
würbe Jebrer ju $an«, erneuerte bte 
»antheifiifchen anflehten bc« ©cotu« (Sri- 
gena, würbe »on 3nnocenj III. 1204 ;um 
SSMberruf gejwungen unb ftarb balb borauf. 
9?acb feiner Jebre finb ©cbötfer unb 
©chb^fung ein«, unb aud) ber SWenfcb, ift 
ein £ eil ©otte«. ör Unterlieg bei feinem 
leb »ielc BnljSnger, 21 tu a In cianer ge« 
nannt, bie feine Slnficbten Weitcrbtlbcten; 
fie »erWarfen atte ©aframente unb ba« 
prieftertum, erblitften im $aȟe ben 
Slntichrift, behaupteten, ber im ©eiftc 
©tehenbe Ibnne ungültige $anblungcn 
begeben, ohne ju fünbigen, weil ber ©ort 
in ihnen alle« ttyut. ©• Eaoib »on S)i»ant. 
2)ie 2e^rc ber Slmalricianer mürbe 1215 
auf bem Üateranlonjil eerbammt. Vgl. 
3unbt, Histoire du pantb&sme po- 
pulaire au moyen age (1875), SReuter, . 
©efd?. ber religiöfen «ufflärung im 2Jc.2l. 
(2. »b. 1877). «. 

Embo (flmbon, griech-, „erhabener 
Vobcn"), in ben altd)riftlid)en $?ira)en er» 
hinter yiatj für Vorlefer unb 9tebner. 
<S« befanben fid) beren jwei in bem »on 
Gebrauten umgebenen langlid)en 93icrccf, 
welche«, »om (5b<>r au« m« ©d)iff ber 
kivaft ftd> erftreefenb, für ben niebern 
Äleru« benimmt mar, ber eine an ber 
Storbfeite jum Vorlefen ber Gttangelien, 
ber anbre an ber ©übfeite jum Vorlefen 
ber (Sbifteln. ©bäter mürben beibe in ber 
Äansel (f. b.) vereinigt. Von ben Slmboncn 
herab ertönten auch Äircb,engefänge, baber 
ber 9lu«brucf ambonoflaften („2lb= 
breeber be« Slmbon«") für bie (Siferer ge* 
gen äinhenmufif. h. 

Smfcofiamfdje JJitutgte (lat. Am- 
brosianum officium, Ambrosianus ritus, 
Ambrosiana missa), ba« firdjlicbe Rituale, 
welche» in ber mailänbifeben Äircbc bei 
bcr 2)Jeffe unb anbern gotte«bienftlid)en 
Verriebrungen gebräuchlich War unb in 
»ielen fünften ton ber r'dmifcben ober 
©regorianifeben 9Jccf}orbnung abweicht. 
Sabrfcb.einlicb au« bem 4. 3abrb- her« 



rübrenb, erinnert bie %. 2. nod) an mor- 
gcnlänbifchc Liturgien, h. 

Umbroftamfdjer gobgefang wirb ber 
fatholifchc £bmnu« „TeDeum laudamus" 
(„©roßer ®ott, bieb, loben toir") genannt, 
weil er »on Umbrofiu« t>on STOatlanb in 
©emeinfebaft mit «uguftin 387 »erfaßt fein 
fott; ftammte er aud) nic^t »on Ämbrofm«, 
fo ^at biefer boeb öiel jur Verbreitung 
be« trobl febon »on ib.m »orgefunbenen 
Sobgefang« getban. h. 

5lmbro^uß, ber ^eilige, berühmter 
^ircbenle^rer, geboren um 340 ju Irier al* 
@ol>n eine« ri5mif(hen Praefectus prae- 
torio, roar in 8fom @acb,toalter, bi« ibm 
bie ©tartbatterfebaft »on Dberitalien über- 
tragen würbe. Obgleich er no<b nie^t ge- 
tauft war, mußte er 374 ber SBabl 3um 
«ifchof »on ffltailanb golge leiften. Sr 
»erfaufte fofort feine ©üter, »erteilte fie 
unter bie ärmen unb ergab ficb tbeolo- 
gifeben ©tubien. Äraft»ott »erteibigte er 
feine Äircbe gegen bie Hrianer; fein Äuf« 
treten »erhinberte aueb bie SBieberaufricb.» 
tung ber heibnifebw SBilber, al« ber Siebner 
©»mmacb.u« biefelbe beim ftaifer betrieb, 
unb gleite geftigfeit seigte er gegen Xh*&* 
bofiu« b. @r., al« er ihm nach bem ©lut« 
bab »on Ih^olonich ben Eintritt in bie 
Äirche »erwetgerte, bi« er ©ufee gethan 
hatte. «. ftarb 4. %px\\ 397. 3n feinen 
bogmatifchen ©Triften h^lt er fich meifi an 
bie griedufeben Kirchenlehrer ; in ber Sitten- 
lehre („De offieiis clericorum", he*au«» 
geg. »on Ärabinger, 1857) folgte er Cice- 
ro« ©ueb »on ben Pflichten; »on Ein- 
fluß ift feine Untcrfcbcibung jwifchen ben 
allgemeinen unb ben »odtommenen Pflich- 
ten, wohin er g. & bie (S^etoftgtett rech- 
nete, geworben. Nachhaltiger benn al« 
©chriftfteüer wirfte er burc» feine ©orge 
um Jiturgie unb Äultu« ; bureb feine ?icber- 
bichtungen würbe er ber Vater ber latei- 
nifchen ^bntnologic. Unter feinen ©chriften 
(herau«geg. »on ben ©enebifrinern, 1686 — 
90, 2 »bc. ; neu »on ben ©ebrübern $3aHc- 
rini 1875—86, 6 SBbe. ; in KnMoaty beutfeh 
»on ©chulte, 1871 ff.) werben nicht wenige 
ihm mit Unrecht jugefchrieben. Vgl. V a u - 
narb, Histoire de St. Ambroise (beutfeh 
1873). ft'drfter, »ifebof »on 9Diai- 
lanb (1884). 

Srnen (h«br.), urfbrünglich eine ©e- 
fräftigung«formel, f. ». W. Wahrlich, fo ifit 
e«. yiach bem ©ebranch be« Sitten lefta- 
ment« würbe ba« K. ftehenbe ftormel ber 
Aneignung unb Vefräftigung »orgefbro* 
ebener ßibe, Verfluchungen, C^elübbe, auch • 
ber Jol^reifungen unb ©ebete (»gl. %Malm 
41, 14). 3m liturgifchen ©ebraud? ber 



Digitized by Google 



temon — Slmpuüe. 



17 



cjhrifilictKit Mivd'o würbe ba« ©ort na- 
mentlich nach bem ©ebet be« $crrn unb 
nach ben Ginfetyuug«morten be« 2lbenb« 
mahl« bon ber jjanjen ©emeinbe gefbro« 
eben. 9ttmä't)lt(6 tft bat \u einer feier« 
lieben ©chlufjformel nicht nur ber ©ebete, 
fonbern fogar alterer beutjeber Notariat«» 
urfunben geworben. Much bie Gebaut* 
mebaner baben ba« 31 al« Schlußformel 
angenommen, h. 

31mm Ott , fibriftobt?8 ricbri( $ 
bon, broteft. ^Beoloa, geb. 1<66 ju »at- 
rcuth, frubierte in Csrlangen unb würbe 

1789 bafelbft ^rofeffor ber ^bjlofebbie, 

1790 $rofeffor ber Geologie. 1794 ging 
er in gleicher Sigcnfcbaft nach Böttingen, 
fcLu-tf aber 1804 nacb Erlangen mrücf. 
1813 al« Oberhofbrebiger unb Oberlonfi« 
florialratb nacb, 2)rc«ben berufen, warb er 
bier 1831 SWitglieb be« 2Rinifterium« be« 
Äultu« unb öffentlichen Unterriebt« fowie 
©ebetmer Äirdbenrat unb »ijebräftbent 
be« Oberfonfiftorium«. Cr Harb 1850 in 
2)re«ben. 3n feinem „(Entwurf einer 
biblifcben fcbeologie" (2. tbtfL 1801— 
1802, 4 »be.) bulbigt er beut bjftorifcfc- 
fritifeben 9tationali«mu» , unb aueb in 
feinem bogmatifehen ?ehrbueb. («Summa 
theologiae christianae", 4. «ufl. 1830) 
Wie in bem „ftanbbucb ber ebriftlicben 
©ittentebre" (2. Hufl. 1838, 3 »be.) ftebt 
er auf bem ©tanbbunft ber Äantfcbnt 
^bilofobbic. 9iacb feiner Ueberftebelung 
nach 2)re«ben aber toanbte er fui> ber ent« 
gegengefe^ten 9iicbtung }u unb berteibigte 
tn ber «bbanbluna „»ittere Slrjnei für 
bie @lauben«fcbwacbc unfrer $eir (1817) 
bie §arm«fchen irbefen, wc «balb ihn ©cbleier» 
mach« bart angriff, ©eit 1830 (in ber 
4. Auflage ber „Summa'*) feiner frühem 
Dichtung wieber h"lb«8«nb/ fchrieb er in 
biefem ©inn : „2>ie Rortbilbung be« Ch"* 
ftentum« jur ©eltreltgion" (2. «ufl. 1836 
—40, 4 »be.); „©efebiebte be« ?eben« 
3efu" (1842 —47, 3 »be.) unb „2)ie 
wahre unb bie falfcbe Drtboborie" (1849). 
Bat „<£t>r. fc. nach ?<*en, »nftchten 
unb ©irfen" (1850). z. 

31 mm erntet, ein arabifcher ©ramm, 
im 9corbofren be« $eten SWeer« wohnhaft 
»on ben Reiten ber Seichter bt« in bie ber 
SWaffabäer erfcheinen bie %. al« ftet« gleich 
unberf ähnliche geinbe ber 3*raeltten, bie 
fich in ben »eftfc eine« t^tiU ber ur* 
fbrünglid) bon Ämmonitern bewohnten 
üanber gefegt hatten. Crft feit Crigene«, 
ber fte noch ermähnt, berfchwinben bie 3t. 
atttnä'hticb. unter ben Arabern, h. 

»motitet (Smoriter), neben ben 
Hethitern (f. b.) ber bebeutenbfte fanaa» 

Holtmann ti. 3ö*ffet, 8eji!on. 



nitifche ©ramm, welcher, im ©Üben ^alä> 
ftina« in feften ©täbten haufenb, ben er- 
ften «nbratt ber *en Slegöpten anrilcfen« 
ben Hebräer erfolgreich abfeblug. ©pater 
würben fie bom ©tamm 3uba beftegt 
unb famt ben übrigen Äanaanitern fron« 
pflicbtig gemacht, h. 

•Jim ort, Sufebiu«, fatbolifcMheolog. 
©djriftpeOer, geb. 1692 in ber Wabe ton 
$öl j in »apern, trat 1709 in ba« <£bor« 
herrenftift ^oüing ein, warb bafelbft fetjrer 
unb ftarb 1775. (5r »erfaßte etwa 70 
©chriften, unter benen al« bie b^ucr« 
raaenbfien )u nennen ftnb: „Philosophia 
Polinfdana* (1730), eine 8cf ebbung be« 
©olfffchen ©pfiem«; bie r Demonstratio 
critica religionis catholicae., (1744), ein 
»erfuch, ^roteftanteu unb Matbolifen au«> 
jufbhnen, unb bie „Theologia moralis" 
(1757), eine gegen miJnchifche ««fefe unb 
Skrfbeiligteit polemifterenbe Öthif. »gl. 
Söerner, ©efehiebte ber fatholifchen Xheo« 
logie (1866); Äriebricb, »eiträge jur 
^irchengefebiebte be« 18. '^abrbunbert«, au« 
bem hanbfebriftlichen Nachlaß oon Ö. % 
jufammengefteUt (1876). %. 

»morrtfotiDn (lat.) Äunftau«brucf für 
bie »era'ufjerung bon »ermifgen an bie 
Xote $>anb (manus mortua), b. h- an eine 
$anb, bie ba« @ut bem öffentlichen »er« 
tehr entjieht, abwerben läßt, inbem fie c« 
bei ftch fefthält. 3n biefem ©inn wirb 
ber Äircbe, ben Älbftern, aßen firchlicben 
3nftituten eine lote $anb mgefebrieben ; 
ihre @Uter heilen bona amortizata. Um 
eine ben Wationalwehlfianb fchäbigenbe «n« 
häufung be« »ermögen« ;ur Xoten $«anb 
ju berhinbem, ifi im Äbenblanb feit bem 
13. 3ahrh- bie örwerb«fähigfeit ber Äircbe 
befchränft worben burd) fogen. Slmortifa« 
tion«^efet}e ; ein folebe« tft 1870 in Greußen 
unb tn »aben, 1876 in ©achfen erlaffen 
worben. %. 

3lmoö, einer ber fogen. fleinen i ; t'e 
ph^ten, War ein $irt au« Z\)ttca, einer 
jubäifchen Crtfchaft, wei«fagte ju ber 3eit 
ber Äönige Ufia bon 3uba unb Aerobe« 
am II. bon 3«rael (im 8. 3ahrb. b. (Jhr.) ju 
»ethel, wo bie ^ßriefter burch eine Annage 
bei 3erobeam feine »ertretbung au« bem 
SReich 3«rael gu bewirfen fuebten. ©eine 
^eben bejiehen fich vornehmlich auf ba« 
9ieich 3«rael, beffen »erberben er mit er» 
fchUtternber SWacht fchilbert. h. 

HmjnuTe CÄmpel), frugartige« @e> 
fa'tj mit »wei ^enfeln, »on ©la« ober. 
£hon, auep wohl bon ©itber unb anberm 
9ÄetalL Ampulla chrismatis btiftt ba« 
©efäg, worin in ber römifeben Sirche feit 
fcem 4. 3ahrh- geweihte« Del jur ©albung 

2 



Digitized by Google 



18 



Kmlberf — «nottet 



ber Äatcdmmenen unb ber Sterbenben fo« 
»Die aud) ©ein unb 2Baffcr jum 9lbenb» 
mahl aufbewahrt werben. 2>te Ampiüla 
Romensis (la sainte ampoule), ber Sage 
nad) bei ber Salbung be« ftranfenfö'nig« 
(Sbiobwig 4% ju 9teim« burd; eine Xaube 
»om Gimmel b cr abgebrad)t, enthielt ba« 
un&crftegbare Del, womit feit 1179 bic äiJ* 
nige gefalbt würben, ging aber wäprenb 
ber Siefcotution 1794 in 2rümmer. $lut* 
ampuüen (ampullae sanguinolentae) follen 
nad) fatpclifd)er, fon $iu« IX. fanftio« 
nicrter, ton ben 9lrd)äologen fepr angc* 
focptencr 9luffaffung Schalter fein, in 
weldben ba« 991ut ber Märrprer gefatnmelt 
unb bei ben ©ebcinen berfelben in ben Äata- 
fomben aufbewahrt würbe, ©gl. Stau 6, 
Roma 80tterranea (2. 91ufl. 1879). n. 

SlmSborf, 9Hfolau« toon, Refor- 
mator, geb. 1483 ju Xorgau, fhtbierte in 
Wittenberg unb würbe hier 1511 ^ro» 
feffor ber Übeologie. ?utper begleitete er 
nad) Seidig unb SBorm« unb .War fein 
Mitarbeiter an ber ©ibelüberfefeung. 911« 
Superintenbent in Magbeburg (1524) 
führte er in @o«lar unb .Kalenberg bic 
Reformation ein, warb 1542 ©ifdjof »en 
Naumburg, aber 1547 »on ben Äaifer« 
lieben vertrieben unb an feiner (Stelle ber 
*on bem 2)omfapitel gewählte 3uliu« *>• 
^flugf eingefetjt. 1552 al« ©eneralfupcr' 
intenbent nad) (Sifenad) berufen, ftarb er 
1565 bafelbft. Willem !att)olifd)en SSefen 
feinblid), befämpfte er rüdfid)telo« ba« 3n= 
terim unb ftanb in ben abiaphorijtifd)en, 
fpnergiftifd)en unb 9lbenbmahl«ftreitigfciten 
ftet« auf Seiten ber ftrengen ?utperaner. 
Seinem 9lnfehen fd)abete er burd) ben im 
Streit mit Major (f. bt) aufgehellten unb 
bann jap uertetbigteu Satj: gute SBerfe 
feien fd)äblid) jttr Seligteit. ßr war bei 
ber ©rünbung ber Uniterfttät 3ena betbei* 
ligt unb beforgte bie Jenaer 9lu«gabe oon 
?utper« Sd)riften. Seine SBiegrappie febrie* 
ben ^reffcl (1862) unb 3. Meier (1863). z. 

«mt GhttfH, Cprifti 3Berf b. p. bie 
Stiftung be« bleuen ©unbe«, betradbtet 
unter bem ®eftd)t«punft eine« ihm gewor* 
benen Sertif«. £a« 91. wirb in ber pro- 
teftantifthen Xogmatif al« ein breifaepe« 
befdjriebeu, ba« be« ^ropbeten, $ohe- 
priefter« unb Äünig«, weil and) im Gilten 
Quitte bie Organe ber göttlichen Offenba 
rung, bie im Meffta« fid) fonjentrierten, al« 
^riefter, Prophet unb Äönig erfd)einen. n. 

' Hütt bet ®djlüffel, f- scfiiüffeiacwait. 

?hunrault (für. rot», 9lmpralbu«), 
M o f e «, reformierter Xbcolog, in Saumur 
äuerft Pfarrer, feit 1633 ^rofeffor ber 



] Urologie, fud)te in feinem „Ti-aite* de la 
Prädestination" (1634) bic ftrenge 3)orb* 
red)ter Xpeoric »on ber ©nabenwabl burd) 
9hifftcllung eine« „Univerealismus hypo- 
theticus" ju milbern, b. b. burd) bie 
Sehrc toon einem ©nabenwillen ©orte«, 
alle Menfd)en unter ber ©ebingung be« 
©lauben« $u befeligcn. 9(itf &erfd)iebenen 
franjöfifd)en Wationalfpnoben angeflagt, 
würbe er immer wieber freigefproepen. 
©egen bie ? ehre be« 1664 »erworbenen 
91mpralbu« Wanbtc ftd) aber ber Consen- 
su8 helveticus (f. b). 3Jgl. Sd)weijer 
in ben „2heologifd>en 3ahrbüd;ern" 
(1852). z. 

31 naba* ritten, f. 2Dici»«ttäufct 
fcnQdjowen (grien)., „bie ftd) mrfld- 
gewgen haben")/ 'tßerfonen, weld)e in ber 
(Sinfamfeit ungeftört frommen ©etrad)» 
tuiujen unb Uebungen leben. ?ll« ihre 
biblifd)en Vorgänger fb'nnen Qüai unb 
(Slifa, aud) 3ohanne« ber lä'ufer betrad)tet 
Werben. 3)a« d)rifilid)e 91nad)oretentum 
nahm feinen 9(uffd)wung, al« bie fird)lid)eu 
<Ph«l»fobhen 9Ileranbrta«, in«befonbere 
Origene«, ihre Sd)üler jene SBeltflud)t 
gelcprt hatten, weld)e bie gried)ifd)en Mo* 
ralifkn feit Solrate« forberten, bamit bie 
Seele ftd) nid)t mit fremben SDingen be= 
faffe. 3n ben Stiften 5legpbten«, Spricn«, 
s J3alä*frina« lebten .?>unberte t>ou 3. unter 
Selbftpeinigungen ber feltfamften Ärt, 
beren önb$iel bie gänjlicbe Grtötung^ be« 
§leifd)e« unb bie mpftifd)e SJereintgung 
mit ©ott war. ^efonber« war im Mor« 
! genlanb ber Ginfhtfj ber 9t. bei ber Menge, 
bie fte für ^eilige btelt, febr bebeutenb. 
©ei ber junehmenben Bahl ber 91. bilbeten 
ftd) unter ihnen fleinc ©emeinfd)aften, bie 
ihre Kütten um eine gemeinfame Capelle 
bauten (f. ?oura). Baratt« entftanben in 
ber £pcbatfd)cn Stifte bie erfien Älöfter, 
mit beren $unepmenbem 9lnfchcn ba« 
91nad)oretentum an ©ebeutung »erlor. 
©ewb'hnlid) btetjen fbäter biejenigen 91., 
weld>e nad) einem 30jährigen Aufenthalt 
im Jülofter bie (Srlaubni« befamen, in 
einer abgefonberten fyüt wohnen ju bür« 
fen. e. örrmit. 9Jgl. 91b. Jparnacf, 2)a» 
M«Jnd)tum, feine 3beale unb feine ©c» 
febiebte (2. 9lufl. 1882); 93ornemann, 
In investiganda monachatus origine, qui- 
btis de causis ratio habenda sit Origeni 
(1885). /. 

xMimHcr ^iamc zweier Zapfte: 91.1. 
foU am Stbluß be« 1. 3aprp. al« Mär« 
tprer geftorben fein. — 91. H,. ©egenpabft 
(1130 — 38), flammte au« einer reid)en 
jübifchen gamilie, behauptete fid> bem »>on 
Gnglanb, grantreidj unb 2)eutfd)lanb an« 



Digitized by Google 



Analogie — Slntacfrt. 



19 



erfannten Snnocenj II. (f.fc) gegenüber in 
dtem. z. 

Unalogie be« (Glauben 0 (Tat. Ana- 
logia fidei) beißt na* 9üfm. 12,6 in ber 
esangelifcben £egmatif ber 37raßftab, »ri- 
eben bie flaren unb unj»eibeutigen Stellen 
ber heiligen Schrift bebuf« be« SJerftänb' 
niffe« ber übrigen ergeben. S8orau«fefcung 
babei Kl, baß innerhalb ber $Mbel felbft 
feinerlei SMberfprucb ob»alten fönne; »e 
bennoeb ein foufjer tortjanben \u fein 
febeine, werbe er fteb löfen, fobalb man 
bie Steüe im Siebte be« ©efamtintjalt« 
betraebte. b. 

SlnafraftuS, Warne ton «ßäpften : 21.1. 
(398—401) fcerbammte bie Sebriften be« 
Crigene« nnb fünbigte bem 9iuftnu« al« 
Ueberfefcer Origeniftifcber Schriften bie 
£ireben<jemetnfcbaft auf. — IL II. (496— 
498) jeigte ftd? bereit, bie im monopbbft' 
rifeben Streit 484 aufgehobene SJerbinbung 
mit Senftantinopel »ieber anknüpfen, 
ftieß aber auf SSiberftaub bei feinem 
Sleru«. — 21. III. (911-913) foü trofc 
ber ibn umgebenben fttttieben ftäulni« ein 
beilige« £eben in bem unter iDtarojia unb 
Ibeobora terfommenen ftom gefübrt 
baben. — 21. IV. (1153 — 54) legte ben 
,»ifeben feinem Vorgänger (Jugenlll. unb 
griebrieb I. »egen Söefefcung be« <Srjbi«tum« 
'-Dcagbeburg febwebenben Sircbenftreit bei. x. 

«naftaüu*, ©egenpapft ©enebift« III. 
(f. b.). z. 

SlnaftttfiuÖ, Äbt unb ©ibliotbefar ju 
■ K: m, f oll naeb v e r g e n r ö t b e r (^^otiu« / 
©b. 2) mit «nafiaftu«, bem ©egenpapfl 
Senebift« III. (f. b.) ibentifch fein. (Sr 
»urbe 869 t>om Äatfer Üubmig II. naeb 
Äenflantinopel gefanbt, um bie ©erma'b» 
hing ber Softer l'ubmig« mit bem älteften 
Sohn be« ©aftliu« SDJacebo ju »ermitteln, 
unb mobntc bort ber gerabe »erfammelten 
Sönobe bei, beren Äanone« er Uberfefete; 
er ftarb 886. 21. fcbjieb bie „Historia 
ecclesiastica s. Chronographia tripartita", 
größtenteils au« bpjanttnifeben Duellen 
entlebnt (berau«geg. *>on gabroti, 1649 
unb 1729). 9lueb galt er lange al« $er- 
faffer ber „Historia de vitis romanonun 

pontificum" (f Liber pontiflcf.Hn). z. 

31ncif betntt, (griceb.) bejeidjnet im leiten 
Seftament (®al. 1, 8, 9; 1. ftot. 16,22; 
9tbm. 9, 3 :c.) et»a«, roa« bem lintergang 
geroeibt/ »ertilgt fein foü. 3n ber biemit 
jufammenbängenben ©ejiebung auf einen 
bem göttlichen 3«>rngeriebt anbeim$ugeben- 
ben, ber Äird)engememfdjaft oerlufiigenben 
ÜWenfeben fommt ba« Söort 91. feit bem 
4. 3abrb- al« «erwünfebung«-, $lucb> unb 



©annformel toor, »e«balb aueb ber größere 
©ann (f. b.) felbft häufig biefen Warnen 
fübrte. — fcnatbematif teren, er»a« 
mit bem ©annflueb belegen. 11. 

Anbetung (« b 0 r a 1 1 0 n) , eine bei ben 
9Rorqenla'nbem geroöbnlicfce Crhrenb<;eigung 
unb ©egrüßung«art ber prflen unb hoben 
^erfenen, bie barin beftanb, baß ber 
©rüßenbe fleh auf bie Äniee roarf unb 
mit ber (Stirn ben ©oben berührte, aueb 
ben Saum be« Oeroanb« ober bie $üße 
be« ©erreffenben fößte. »leranber b. @r. 
bebielt ba« .V.i'üuMtu'ü naeb ber ßrobe« 
rung be« ^erferreieb« bei; banacb abop- 
Herten e« bie rbmifeben ftaifer unb naeb] 
ibnen bie ^ßa'bße in bem feit bem 9. 
3abrb\ toon ibnen geforberten ftufjfufj. 
9lu« bem bürgerlichen Meben ging jene 
(Sbrenbejeigung früb^eitig in ben eb>ifi« 
lieben Äultu« über; man übte folebe $tvf 
monien befonber« *or ben ©ilbern (Sbnfti 
unb ber ^eiligen, inbem man bie Qfyxt, 
bie ibnen erroiefen mürbe, auf bie Urbilber 
be*og. 3)ie tymn begrünbete feine Unter- 
febeibung jwifeben (Sbrifli unb ©er- 
ebrung ber ©über b.at bie Äirefce 
tbeoretifeb immer feflgebalten, aber ba« 
^olf«berou§tfein um fo »eniger, al« jene 
Gbrenbejeigungen fafl au« ber Sitte unb 
bem ©erfebr ber 3)eenf(ben nntereinanber 
terfebmanben (f. »itbabirnft). 3)ie 21. ber 
§oftie, b. t;. bie Äniebeugung »or ber- 
felben, ifl bureb] ^onortu« III. (gefl. 1227) 
eingeführt morben, feitbem gemäß ber 
SBrott>er»anblung«lebre in ber .^oftie ber 
»abrbaft unb leiblicb gegenma'rtige Cbri^u« 
angefebaut »urbe. Smtge 21. beigt bie 
maneberort« beflebtnbe einriebtung, baß 
Du jeber £tit naeb beflimmter Orbnung 
eine betenbe ^Jerfon in ber Äire^e fei. h. 

5lnbad)t, bie Stiftung ber ©ebanfen 
auf trgenb einen (9egenflanb, befonber« 
bie 9ticbtung ber ©ebanfen auf ©Ott unb 
gbttlicbe 2)inge in ber 2lbrtebt^ fteb] über 
ba« Cnbliebe, Gemeine, «Selbftifebe *u er- 
beben. 21nbaeht«übungen finb in bie- 
fem Sinn Oebet, (äefang unb öffentliefee 
©otte«berebrung überbauet, 2(nbacbt«- 
büeber (©ebetbüeber) aber folebe 
©ebriften, »ele^ie bie ©efbrberung unb 
Leitung religibfer 21. be)»ecfen unb bei 
2lnbacbt«tibungen al« $>ilf«mittel \u ge- 
brauchen ftnb (f. tfTbauung«bü(b;ct). 5 r ^bcr 
»urbe ba« ©ort „2lnbäcbtig" al« (Sbrenbe- 
nennung foleben v Verfonen beigelegt, bei 
benen man »egen ibre« 21mte« einen be« 
fonbern ©eruf jur 21. t>orau«fetjte, »ie 
ben geiftlicben Äurfürfleu unb 2)oftoren 
ber Geologie, »elcb leßtere mit ber ?ln* 
rebe „Sbrroürbige, in ®ott anbäebtige 

2* 



Digitized by Google 



20 



2tnber(ebr> — Angelus. 



Herren" beebrt würben, 31 n bastelet 
ift bie franfbafte 

3lnbfrlcbn, Äntoniu«, 3efuiten- 
general, ift am 3. 3uni 1819 ju iBrteg 
im Äanton ©aüi« geboren, trat 1838 in 
ben 3c|uitenorben, ging, nacbbem er 1847 
au« greiburg, 1848 au« «ßiemont »er» 
trieben mar, nadj ftorbamerif a , roo er 
Pfarrer ju ©reen SBai rourbe. 9ßacb 
©uroba jurilrf gefebrt, roarb er 1853 Sieftor 
ber 3efuitenanflalt in ÄSln, 1856 Äeftor 
be« tbeol. Äoflegium« in "ißaberbora, 1859 
Crbena^rotinyal , 1865 ^rofeffor ber 
aKoraitbeologie unb 1869 9te!tor in 
9Jiaria»2aa<b, meldte« ibm feinen 9htf als 
Haubtergiebungsinftitut ber 3efuiten in 
SDeutfAlanb »crbanft. ©eit 1870 Slfftftent 
be« 3efuitengeneral« 83edx (f. t».) rüdte er 
1883 in bie ©tellung eine« SJifar« be«« 
felben, unb, al« ©erfr 1884 gurüdrrat, in 
bie be« Orbenfigeneral« auf. 3n feinem 
erften Hirtenbrief betonte er ben ftrengften 
©eborfam atter Drben«glieber gegen fcen 
<Pa»ft. z. 

31nbetfon , ? o r e n j (Laurentius 
Andreae), fcbroeb. Reformator, um 1480 
in ©trengnä« geboren, leitete feit 1523 
al« Äangler be« Äönig« ©ußaöl. bie SRe« 
formation in ©dm>eben, überfefcte guerft 
ba« \K eue Xeftament 1526, fpäter aud) ba« 
Sllte in bie $olt«fpra$e. ©eit etwa 1538 
trübte futi infolge ton 2J?einung«t>erfcbie« 
beizeiten über bie tbniglid/e ©eroalt in 
Äir<benangelegenbciten ba« SBcrbaltni« 
jmifdben ©ufta» I. unb feinem erften Stat* | 
geber; lefcterer rourbe fogar 1540 al« Sftit» 
roiffer um ein ba« fieben be« Äönig« be» 
brobenbe« Äomblott jum lob »erurteilt, 
jeberi» begnabigt; er ftarb 1552. 83a,l. 
SBeibltng, ©cbroebifdje ©efd;. im 3eit- 
alter ber Deformation (1882). z. 

31nbreä, 3afob, lutber. Z^toloa,^. 
1528 al« ©obn eine« ©einrieb« gu SBaib« 
lingen im Söürttembergifdjcn, fhtbierte in 
Bübingen, Warb 1546 Eiafonu« gu ©tutt« 
gart, 1549 in Bübingen, 1553 ©über« 
mtenbent gu ©b^cingen, 1562 *($robft unb 
Äanjlcr ber Unitoerfttät Bübingen, ftarb 
1590. 2>urcb ©elebrfamfeit unb bifclo« 
matifebe ©eroanbtbeit au«gegeidmet, toar 
er bri Orbnung be« eöangelifcben Stirnen» 
totfen« in 2)eutfcblanb rnelfad; tbätig unb 
in ben bamaligen bogmatifeben Streitig» 
feiten eifriger Verbreiter Iutberifd>er 9iecb> 
gläubigfeit. 2)ureb ibn befonber« fam 1577 
bie 8 cn f erbten formet (f. b.) gnftanbe. Sgl. 
ittbogen, 3afob 31. (1881); treffe! 
ben „3abrbü(bern für 25eutfd;e %t)tc 
logie" (1877). z. 



Snbreac, 3obann Valentin, 
eöangelifcber Xbeolog, Snfel be« Vorigen, 
1586 in ^errenberg im ©ürttembergifdjen 
geboren, tourbe 1614 Xiafonu« in Vai- 
hingen, 1620 ©uberintenbent in (Jalro, 
1639 ^ofbrebiger unb Äonfiftorialratb in 
Stuttgart, 1650 3tbt »on Vebenbaufen. 
©eine in tateinifeber ©bradje »erfaßten 
©ebriften roaren meift auf bte SCbftetlung 
ber ftttlidjen ©d;äben unb ber fd;oIaftifd;en 
©treitigfeiten in ber lutberifdben Äircbe, 
forste auf Verbreitung eine« roerftbätigen 
SBibel » Cbnftentum« gerietet unb rebeten 
einer ftrengen &ircbengud;t ba« SBort. Vgl. 
bie ©elbftbiograbbie 3üibreae'«, herau«« 
gegeben »on ^b«nroalb (1849). €. »oftn* 
fteujet. z. 

3lnbr?tt6 („ber aWännlicbe"), einer ber 
3tt>btf 3ünger 3efu, ©ruber be« ©imon 
<Petru«, tritt in ber eöan^elifcben ©efdueb. te 
roenig bwöof/ mä'brenb tyn bie ©age in 
Äabb«bofien , ©alatien, Sitbbnten unb 
©fi^tbien bi« an bie SBolga (baber ©djutj* 
barron Sfufelanb«) ba« Ö»angelium pxf 
bigen, auf ber wücfreife bie .Htvdjo »on 
©bjanj grünben unb bann ju ^Jatra" in 
«cbaia ben ÜKärtbrertob erleiben laßt unb 

Slmv an einem .uven; »on ber ^orm be« 
nbrea«freuje«. ©ebäd;rni«taa ift ber 
30. i»o». 25ie torberg^ebenbe 9iad;t (31 n» 
brea«nadbt) gebort im S?olf«glauben ju 
ben gefegneten 3"t*n be« 3abr«, m 
reellen unter anberm junge Surften unb 
SWäbcben ben jufünftigen ©atten erbliden 
fönnen. 2)cn tarnen be« Styoftel« 31. 
tragen bie nrfbrünglicb gnofHfcben „Acta 
Andreae", bie ftdb in mand;erlei formen 
erbalten baben (berau«gcg. »on üfdpenborf 
in ben „Acta apostolorum apoerypha", 
1851). h. 

angelolartie (gried;., w 31nbetung ber 
Sngel'O fam in ber ebriftlicben Äircbe 
febon in ben erften 3aprbunberten auf. 
2)a« groeite 9}icä'nifcbe ^ongit unb ihm fol' 
genb ba« £ribentinum ftatuierten nur eine 
werebrung ber (Sngel roegen ibrer 9Äacbt 
unb ©oflfommenbett, im Unterfcbieb »on 
ibrer 3lnbetung. 2)er ^roteftantt«mu« 
»ertt)irft beibe«. a. 

XHnpcl el oflic (grieeb-), in ber 35ogmatif 
bie w ?ebre »on ben Sngeln", bi«roei(en, 
aueb bloß bie ?ebre »on ben guten öngeln, 
ber Dämonologie entgegengefe^t. h. 

tUgelopbanie (gried;.), (Sngel«erfd;ei» 
nung. 

Anjr^lus (lat), (Sngel, ©ote, ©efanb- 
ter. A. Dei s. Doraini, in ber fatbolifeben 
Äircbe ba« ©ebet, mcld;e« mit ben Störten : 
„A. domini nunciavit Mariae" ( w 3)er 
iSngel be« Herrn braute ber 2Raria bie 



Digitized by Google 



SlngetuS StfeftuS — Slnglifamfcfre Sirene. 



21 



8otfc$afr") beginnt. *ngelu«läuten, 
ta« Slbenbläuten, weil e« tum ©ebet 
be« A. Dei auff orbern foll. Ängelu«« 
ab laß, ber mit jenem ©ebet bureb 
$apfl 3ohann XXII. 1326 »erbunbene 
«blaß, h, 

«ittjeluS CtleflitB (3op. ©d)effler), 
2Kttftifer, geb. 1624 $n ©re«lau, fhtbierte 
SWebnin, würbe burd) ©efchäftiguna, mit 
3afob ©ityme« ©ebriften jur 9ttpfhf ge- 
führt; öielfad) öon ben lutperifcpen ©eift« 
lieben angefeinbet, trat er 1653 $ur fatpo- 
lifeben £trd)e Uber, nahm ben tarnen 
91. an unb trat fpäter in ben SWinoriten- 
erben ein; feitbem befehbete er in ber 
unwürbigften ©brache bie lutperifd)e £ird)e; 
feine »aplreid)en ©treitfd)riften gegen bie- 
felbe faßte er »ufammen unter bem Xitel: 
„Ecclesiologia". (Jinen tarnen al« geift« 
lieber Dieter hat er fid) erworben burd) 
feinen „<J perubinifd)en ©anber«mann" unb 
„^eilige ^ eelenluft, ober an bliebe Birten» 
lieber ber in ibren 3efum berliebten ©eele". 
(Sr ftarb 1677. Stal. ©d)ufter in ber 
„3«tfd)rift für piftorifebe Ideologie" (1857); 
Xreblin, % ©. (1877). i 

«nglifttnifdje £irt$e (§od>- ober 
Gpif f o pallirche), bie infolge ber 9tc« 
fermation entflanbene ©taat«fircbe in ©roß« 
tritannien unb 3rlanb. Heinrich VIII., 
ber ba« S?anb mit 9tem »erriß, War feiner 
ganjen Sentweife nad) ber römifd)en 
«brauffaffung, üöttig juget^an, wie er benn 
niebt allein bte preteftantifeh ©efinnten in 
feinem ?anb oerfolgt, fonbern audj burd) 
eine ©tretrjehrift gegen Juther ftdj ben 
(Sbrentitel etne« 33efcbüfcer« be« ©lauben« 
erworben parte, Crft al« ber $apft feine 
Sbe mit Mattunna bon Siragonien niebt 
auflegen Woüte, ließ ber äifnig »>om ^ar» 
lament bie bisherigen fechte be« ^apfte« 
terntebten unb fcbleß 1532 opne bä'bfHid)e 
$i«penfation feine <£pe mit Hnna ©olepn. 
«1« ber ^apft 1534 ben $ann über ihn 
au«fprad), 3. 9toto. 1534 bie ©upremat«- 
atte ben Äänig »um Raubte ber englifeben 
Jtircbe machte unb 1536—40 bie fä'mtlid)en 
Älöfter unb Abteien unter (Sin»tet)ung ihre« 
Vermögen« aufgehoben würben, Warb ber 
Jörud) mit SÄom unheilbar. 2>od) blieb 
bie neufonftituterte Äircbe iprem SBefen 
nad) in &ultu« unb £ehre fatholifd), ba 
ben Honig fein religiiJfer ©emeggrunb 
beftimmte, unb nur in wenigen fünften 
fonnten ber etoangelifd) geftnnte (Jrjbifcbof 
Sranmer (f. b.) unb ber ©taat«fefretKr 
Srormretl für eine r-ermittelnbe Äuffaffung 
Raum gewinnen. 1539 bebrofcten bie 
fetb« Elutartifel jeben Angriff auf bie 
Sepren »on ber £ran«fu6ftantiation unb 



ber Äel(bent$iebung, ton bem (Jötibat unb 
ber Unaufle*«li$feit be« ^eufcbbeit^gelübbee, 
öon ber Ohrenbeio>te unb ben Beelen» 
meffen mit bem 2ob. 3»ar mürben fort- 
mäbrenb bur6 Sranmer einjelne i'-'ü'V 
bräune abgeftpafit, aber ne<$ 1547 er« 
neuerte ber Äbnig ba« »erbot ber ©ibel. 
Srf) unter (Sbuaro V J , ber von (Sranmer 
erlogen war, unb unter bem ber dtefor« 
mation günftigen ^er^og oon ©omerfet 
burften bie unter {»einrieb, Verbannten 
utviiitfcbren. ?lutb würben au0lä'nbif(he 
©elefcrte, wie SWarrin «Bucer ic, berufen, 
unter beren Beihilfe bie ?iturgie geänbert 
warb. 1549 warb ba« 9benbmab.l unter 
beiberiet ©eflalt eingeführt unb bie Sßrie- 
fterehe geftattet; ein »on (Jranmer »er- 
faßte« ^»omilienbud? trug ^ur Äeform be« 
©otteöbienfte« im ecangelifc^en ©inn toiel 
bei. 35a« t>on (Sranmer entworfene att« 
gemeine ©ebetbud) erhielt 1549 burch bie 
erfte Uniformität«atte ftrcblicbc ©anltion. 

1) urth ben öinfluß be« ?(u«lanb« empfing 
bie a. Ä. ben reformierten Charafter, ^ tt 
febon in ber »weiten Uniformitat«afte 
(1552), in ber Äeeifton be« allgemeinen 
©ebetbuth« unb in bem ©lauben«bctennt* 
ni« ber 42 9trti(e( t>on bemfelben 3at)r 
fith beutlnl) au«fpritht. 3)ie ^errf<i)aft ber 
fatholifthen 3Haria (1553—58) braute 
eine furje blutige 9teattien be« Aatholi* 
)i«mu«. $alb na* (Slifabeth« Xbronbe* 
fteigung aber würbe 1. ftebr. 1559 bie 
Suprematie ber Ärone wieberhergeftettt 
Sie nene llniformita'teafte bon 1559 fttt)rte 
ba« rebibierte ©ebetbud) ein, unb mit ber 
fteftfleüung ber 39 «rtifel (1571), ber 
(StnfUhrung^ be« neuen Äated)i«muc unb 
einer reöibterten SBibelüberfetjung war ber 
^au ber englifd)en ©taat«fird)e toollenbet. 

2) iefelbe rupt auf ber Voraudfe^ung, 
baß Äirdje unb (Staat fid) betfen. 
(S« erfd>ien baper jeber fird)lia)e Ungebor« 
fam al« 3nfuborbination unb $oä)berrat, 
unb bie ©efetjgebung ber legten 3al)re 
Slifabetp« wanbte ftd) nid)t bloß gegen bie 
Äatpolifen, fonbern aud) gc^en bie ^ßre«* 
bbterianer (f. b.) unb Puritaner (f. &.), 
weld)e an bem Ritual unb ber Hierarchie 
einfloß nahmen, wie gegen anbre unter 
ben Warnen fltontonformiflen ober Riffen« 
ter« (f. b.), 3nbepenbenten (f. b.) k. jufam« 
mengefaßte ©eften. 3afob L gab alle« 
»Vtirchengut in bem unterworfenen 3rlanb 

I bem aufgezwungenen anglifanifd)en Äleru«, 
obwohl ba« 2anb fatholifd) blieb. 35ie 
«ebrürfung ber Äatholilen hatte 1641 ba« 
entf efelid)e irifd)e ©lutbab jur ftolge, in 
welchem bie SWehrjahl ber ^roteftanten er- 
morbet würbe, bie Ueberlebenben bie 3nfel 



Digitized by Google 



22 



Slnglifanifcfye ßtvdje. 



terlaffen mußten. 211« aber unter Äarl I. 
bureb CnMwef Jaub ba« mit bem politi« 
fdjen ?lbfoluti«mu« terbunbenc Prälaten« 
tum in ©iüfür unb SefpotiSmu« ausartete 
unb burd) ein au«gebi(bete« Zeremonien 
mefen Slnfioß gab, rief ber Serfucb, bie 
bifcböfltcbe Äircbe in ©cbottlanb einzuführen, 
bort 1637 eine (Empörung bertor. 211« 
bann bie 17 Äanone« ton jebem ©eift- 
lieben bie eiblicbe Snerfennung ber fönig- 
lichen ^Suprematie unb ber Saubfdjen 
§ierard>ic al« göttlicher 3nfritution for« 
berten, terbanb fid) aud) in (Snglanb bie 
fircbtiÄe unb politifcbe Dppofition ju ber 
großen Stetolutieu. 2>er ©unb mit ben 
©ebotten unb bie SBeftminifter 21ffcmblti 
1643 febafften bie bifcböfliche Äircbe unb 
ihre SBorredjte ab unb machten ben *ßre«bt* 
tertaniflmu« jur b«rrfchenbcn Äircbe. 2)te 
SReftauration ber (Stuart« unter Sari II. 
brachte fobann bie SBieberperftellung ber 
<Staat«fircbe bureb bie neue Uniformttät«« 
afte ton 1662. ®ic Äontentifelaften ton 
1664 unb 1670 »erboten felbft ^ritat* 
anbauten ber 9ionf onf ormiften , unb bie 
Üefiafte ton 1673 fcbloß ton jebem @taat«« 
amt alle au«, freute nicht ben ©ubremat«* 
eib leiflen unb ba« Slbenbmabl nach angli« 
fanifchem 9titu« feiern tooüten. Sine 
SWilberung trat nur für bie troteftanti» 
frfjen 3>iffenter« bur(b bie loleranjafte 
(1682) ein. (Srft in unferm Sabrbunbert 
ift biefe enge 33erbinbung be« ©taat« mit 
ber Äird?e infomeit geledert ttorben, al« 
bureb eine 9?eibe ton ©efefcen bie politi» 
feben unb bürgerlichen Siebte ton ber 3u« 
gebörigfeit utr anglifanifeben Äircbe un» 
abhängig gemaebt morben finb. Sehen 
1828 mürben bie Uniformität«« unb bie 
Seftafte aufgebeben, 1829 ben Äatpelifen 
ber Eintritt in« Parlament geöffnet, unb 
meitere ©efefee teüenbeteu feitbem bie 
©leichftetlung ber Äenfefftonen in bür* 
gerlicper ©esiepung. Sic irifepe Äircpett« 
tili ton 1869 nabm ber anglifanifeben 
Äircbe in 3rlanb ben Sbarafter einer 
<Staat«fird)e, terringerte bie Qaty ber 
5Bi«rümcr unb entjog ber anglifanifeben 
Äircbe in 3rlanb ba« 9tecbt, Äatbolifen 
unb 2)iffentcr« 31t befieuern. 2>ic $3e»pe* 
gung nad) biefer Stiftung ift jeboch bamit 
nocp niebt nim «Stillfianb gefommen. 

2)ie innere 3*erfaffung ber angli« 
fanifd)en Äircb* ift eine rein bjerarebifebe. 
Unter ben beiben ßrjbifcböfen ton (San« 
terburb (^rimafi unb erfter ^Jeer be« 
Äetdj«) unb ton ?Jorf fteben bie engli« 
feben unb bie Äolonialbifchöfe, unter ben 
(SrjbifcpBfen ton Dublin unb «rmagp bie 
irifeben. 3)en «ifeböfen liegt bie gefamte 



innere 4*ertoaltung ber Äircbe ob, auch 
fteben ilmen bie 2>i«$ir-lin unb bie ©criebt«« 
barfeit ju. 3cbcm $?if(bef ftebt ein Äa- 
pitel (chapter) jur (Seite, unb bie ®i«* 
tümer finb in tlrdnbiafenate (archdea- 
conries) eingeteilt. 2)ie ^?ifd^i5fe merben 
ton ber Ärone ernannt, melcbe ben Äapi= 
teln a(« eigentHcben SBabltörpern ben $u 
SBäblenben bejeiebnet. 25er niebere Äleru« 
jerfäüt in bie Äamtel- unb ^farrö«^!»^^ 
teit. 3?ie erftere, an bereit @|MtJ* ber 
3?efan (dean) ftebt, beforgt ben Äatbebral-- 
bienft. Sine (Sigentümlicbteit ber angli« 
fanifeben Äircbe ift e«, baß bie Pfarrer ibre 
Stellen bureb SWarc unb Zuraten ter« 
malten laffen fönneu unb eine £>äufuug 
ton ^Jfrünben in einer ^anb ftattbaft ift. 
2)aber fmb bie reiebbotierten Pfarreien 
ium guten Xeil al« 21u«ftattung im ^efi^ 
ber jüngern ©tfbue reieber ^antilien. 3^er 
©otte«bienfi ift bureb ba« allgemeine ©e* 

betblicb^ (f. Common prayer-book) genau 

geregelt unb jeiebnet ficb buvcb liturgi« 
fd)en ^eiebtum unter allen etangelifebeu 
Äulten au«. Xie ^rebigt tritt binter ber 
Liturgie jurücf. 2^em Äatboli5i«mu« 
nabefieljenb in Süerfaffung unb 9?itu«, ift 
bie a. Ä. in ber ?ebre burebauö proteftan« 
tiftb; beim bie 39 Sfrtifel, ba« eigentliche 
©lauben«fpmbol, auf meld)e« aüe ©eift» 
lieben bureb mehrfache (Site terpfliduet 
merben, ftimmen jum Tfytil wörtlich mit 
ben beutfeben etangelifd)en, in«befontere 
reformierten, 5Befenntni«fchriften übereilt. 
Äatholifierenb ift bagegen ba« fteftbal* 
ten an ber göttlichen (Sinfefcung ter 
bifehöflid)en Stürbe, an bem mefentlicben 
Unterfchieb jttifeben $ifd)öfen unb nie» 
bern 'iprieftem, an bem Slnfehen ber Äir« 
cbentäter ic. 2)ie rein juriftifebe formeUe 
Slnwenbung ber 39 9frtifel bei ber $*e« 
meffung ber Jehrfreiheit ber ©eiftlicbeu, 
bie fo meit gebt, baß gegen ben Sortlaut 
ber 39 Slrtifel felbft ein ©ettei« au« ter 
^eiligen ©ebrift für unannehmbar erflärt 
njorben ift, ^inbert aber niebt, baß auch in 
ber anglifanifd)en Äircbe bie terfdneben« 
ftcii Äicbtungcn ftch geltenb macben unb 
ber ©treit 3mifd)en biefen fo meit gebt, 
baß fic fid) gegenfeitig bie %nerfeunuug 
termeigern. iDian ^fleat brei Parteien ju 
unterfcheiben: 3)ie hochtirch liehe Partei 
(High Church party) ^äft tor allem 
an ber ©erfaffung unb bem atigemeinen 
©ebetbud) feft. 51u« ihr finb pertorge» 
gangen bie ^Jufebiten ober Üraftariancr, 
auch 3na,lefatbolifen ober 9ütualiften ge« 
nannt, bte, bem Dr. ^ufep (f folgenb, 
im iXitu« unb im £egma fid) fehr bem 
Äatbeli}i«mu« nähern unb ihren Unhanjj 



Digitized by Google 



Sbtgtttcmif^e Äivdje — Knmtnjiaten. 23 



»crnebmlidj in ben b ot k ar iftefratifd>en 
Greifen baten. Sit nieberfircblidje 
Partei (Low Choren ober evangelical 
party) legt »eiliger Söert auf 9iitu« unb 
»erfaffung al« auf tbätige« Sbriftentum 
in innerer unb äußerer iDciffton unb tritt 
bei biefen »eftrebungen aua) mit 3)iffen= 
ter« in »erbinbung. Slu« biefer Partei 
ging bie 1846 gegiftete <5o au gel ifd>e 
Sllianj (f. t.) ijer&or, trelcbe eine »er* 
einigung ber efcangelifcbett ®lauben«geneffcn 
aüer Sänber anftrebt. 3n ber Partei ber 
fegen. »reitfircblidjen (Broad Church 
party) ringt eine freiere, eon beutfdjer 
2öiffenfd>aft angeregte XbcolopJ* nacb firdj* 
lieber Slnerfennung; \u ibr gehören SMänner 
»ie 9hrnelb, Colenfe, @tantep. £ie 
jablreidjen unb bebeutenben Mängel ber 
i>cd>rird>c baten im rauf ber ^eit bie 
ifabl ber I>iffenter« ungemein fcermebrt. 
Riefelten werten bei ber unter bem Sdmfe 
te« 8taat« beftebenten ©ewiffeneifreibeit 
gebulbet, miiffen aber jur (Srbaltung ber 
berrfd>enben Jtirdje gleidj ben s JJtitglictern 
berfelben beitragen unb jerfatten in eiele 
heften, bie jumeilen ebne allen tireblicben 
»erbanb bloß in ber ©emeinfdjaft ibrer 
Slnfidjten leben unb alle »Stufen be« reli* 
giäfen ?eben« fcen fd)»rännerifcber lieber- 
ftannung an bi« $um fcernünftelnten Un» 
glauben in fd)arfcr Sinfeitigfeit oertreten. 
2)ie nM<btigften unter ibnen finb biedre«» 
bijterianer, »abtiften, 3nbeteu- 
benten,Ouäter,9)ietbobiften, 3 r - 
fcingianer, 2)arbi?ften unb in gemiffer 
»ejiebung bie ©ejialiften, fon Gebert 
Omen mit ^aint-Simoniflifdjer Xenben} 
geftiftet. Sin öifer für bie Hu«breitung 
ibre« ©lauben« baben biefe ©eften toon 
jeber bie bifdjöflidje Äirdje übertroffen, 
obtvobl biefelbe fid) hierin gegenwärtig 
tbätiger jeigt al« früher unb j. ». in Cft- 
inbien für bie »efebrung ber §inbu bit 
fogen. £irdjenmiffion«gefeUfcbaft begrünbet 
bat. Bbgefeben »on ben englifeben Jta 
tonten, ftnben ftdj jablreidje Slnbänger ber 
§o<btir(be in ben norbamerifauiieben grei« 
Maaten, ebne jebodi bafclbft bic$fed)te unb 
SReicbtiimer, bie 2Jtad;t unb ^>errfd>aft ber 
europäifeben SJfutterfirdje in befifcen. 

»gl. »aiteb, Jurisdiction and mis- 
sion of the Anglican episcopate (1871); 
in ImmlhucKu- »cjiebung auger ben be* 
fannten refomation«gefcbicbtli<ben SBerfen 
namentlich @. SB e ber, ©efdjicbte ber 
Ärrdjenrefermation in ©rofjbntannien 
(neue Hu«g. 1856, 2»be.); Hanfe, (Sng- 
lifebe ©efebiebte im 16. unb 17. 3abrbunbert 
4. SufL 1877 ff., 9 »be.); SKauren« 
redjer, ßnglanb im 9teformation«5eit» 



alter (1866); fö ein garten, Xit Äer-e- 
lutien«fird>en ßnglant« ( 1*68 ) ; © t e u g b * 
ton, Ecclesiastical history of England 
(1867—74, 5 »te.),; ©latftene, Ritu- 
alisme and the church of England 
(1875); i'ee, The church under Queen 
Elizabeth (1880, 2 »te.) ; 3) i r o n , Iii- 
story of the church of England from 
the abolition of the Roman jurisdiction 
(1878—85, 3 »te). ©tenoer ©al- 
polt, History of the 19 <»» Century (1878 
bi« 1882, 3 »be.) ; « m b e r ft , The history 
of catholic emaneipation (1886, 2 »be); 
2)eftembe6, La perseVution religieu9c 
en Angleterre et les premiers Stuarts 
(2. «ufl. 1885, 3 »be.). i. 

%nitit, »ifebof t>on 9tom um bie iWtte 
be« 2. 3abrb-, bewie« feine milte Xen^ 
fung«art, inbem er ben »if(bof ^olbtarp 
oon £ntbrna tro(j ter 3lbn?eid)ung te«> 
feiten in ber Ofterfeier Ut Uiem ta« 'Äbenb' 
mabl au«teileu ließ. z. 

^Inimiemue (lat.), vSeelenbienft, 0*e= 
fpenfterglaube, Öeifteroerebrung, nennt man 
neuerbing« eine b«nter allen >JJaturreli> 
gionen febtiefuieb \um »orfebein tommenbe, 
aber mit ibren 9iadmnrfuiigen unb Heber» 
lebfein in bie entiricfeltften Religionen 
bineinragenbe, unterfte 8d?i(bt ber reli* 
giöfen »erfielluiigen?elt. »gl. 2: V 1 o r , 
Urgefcbtcbte ber 2)fenfd)beit (au« bem Gngl. 
1866); Xerfelbe, 2)ie Anfänge ter 
Äultur (teutfdj 1873). h. 

9nna, ^eilige, nad; ber Irabition Sb« s 
frau be« ^cU. 3oad)im, fett naa) 20jäb= 
riger Unfrucbtbatfeit iDJaria, bie H^utter 
3efu, geboren baben. 6ie g,ilt al« 3cbu^= 
batremn ber »ergleute, fomie aua) ber (*e= 
tärenben. 3br ®ebäd)tni«tag ift ter 26. 3uli, 
bei. ten ©riechen ter 9. Xejember. z. 

Snttatett (lat. Annalia, Annatae), 
eine rtrdüicbe Abgabe, weltbe bie »ifeböfe 
tfou tafant geh?orbenen ^frünben in ber 
©efklt ber §rüd;te be« erften 3abre« be* 
jegen. 2)ie 3l©ignoner ^äpfte beanfi?rucbten 
tiefe (Sinnabmen in tringenten gäüen für 
ftcb felbft ; ferner üerorbnete »onifatiu« IX., 
baß tem Stubl ^etri fiel« i>en allen, tureb 
ten ^a^jft t?erltebenen, nietern ^ßfrünten 
eine ©teuer im Serte ter Hälfte te« erften 
3abre«einfommen« entrichtet »erben feile 
(Annatae Bonifacianae). z. 

ftnnenbtübetf (haften, im f bätern 
Mittelalter über 9J?tttelteutfd)(ant öer» 
breitete geiftlicbc »erbinbungen jur »effr* 
berung be« Äatboliji«mu«, nntrten turdj 
bie 3efuiten neu organifiert. z. 

ännunjiaten, 1) ein Wonnenorben, 
geftiftet 1501 ton 3obanna ton »alei«, 
ber gefd;iebenen ©emablin ?ubn?ig« XII. 



Digitized by Google 



24 



2lnomi)er — Stnttdjrift. 



von ftranlreid). — 2) (Sine italienifcbe 
Konnenfongregation in ©enua, 1604 von 
9Jtaria Sictorta ftornari begrünbet; bie 
italientfctyen %. t»eißen audj im Untertrieb 
von ben franjtffifcben bie Coelestes. z. 
SlltCjnöcr, f- ÄrianifdKt Streit. 

Slnfelm bon CTanterburo, edjola- 
ftifer unb Äircbcnfürfi, geb. 1033 ju Slofia, 
ftubierte in ©ec unter 2anfranc, würbe 
1078 Bbt bicfcS Älofler«, 1093 (Srjbifcbof 
von Santerburty; 502 t^b eUtf^teiten mtt bem 
Ä'dnig 2Siu)elm IL von (Snglanb fübrtcn 
jur <5rilieruug Slufelm« (1097), ber erfi 
beim Wegierung«antritt §etnricfyfl I. jurücf 
teuren burfte (1100), boefy nur, um von 
neuem (unb jwar wegen Verweigerung be« 
?ebn«eib«) Vom Äcmig feiner cr;bifcböf Heben 
vötettung beraubt ju »erben (1103). Grfl 
1106 fam e« jwifdjen ^einrieb. I. unb & 
ju einem 91u«glcicb. 93i* ju feinem £ob 
1109 blieb er ber fyervorragenbfte Ver- 
treter ber ©regottanifeben Äirdjcnreform 
in Snglanb. ©rbfjern &ubm t)abcn ibm 
feine wiffenfdtiaftlidjen Ccifhtngen einge- 
tragen. Vabnbrecfcnb für bie ©otte«* unb 
$nnität«lebre waren fein iDconologuim unb 
*pro«legium, unb mit feiner in ber <Scbrift 
„Cur Dens homo?" ntebergelegten Ver- 
fitynung«tbeorie beberrfc&t er bie auf ben 
beutigen £ag bie tatbolifebe unb broteftan- 
tifcöe Ortboborie. e. ©jriftoioflie. Vgl. $ äffe, 
% v. £ (1843-52, 2 Vbe.); «Scbmiti, 
35er engtiföe Snveftiturfircit (1884); ftule, 
Life and times of A. (1882, 2 Vbe.) ; 
0 c je n b i , De theologia S. A. (1884). z. 

ÄnSaat. ber Slboftcl be« Horben«, ge- 
boren um 801 in ber 9fät)e be« Älofter« 
Corbie, trat in ba« genannte >ü öfter ein; 
al« von bier au« fteueorbie gegrünbet 
warb, fiebelte er 823 babin Uber. 3)er 
826 ju SDlainj getaufte 3ütentbnig$aralb 
nabm auf feiner fcetmreife % al« SKifftonar 
naa) I imemarf mit, ber bamal« in 2 djle«wig 
eine 2Miffton«fcbule anlegte. 830 ging C 
auf ba« ©efuety be« Königs 4M cht. nadj 
©d&weben; in Vjörfb" am SJcä'larfee er» 
richtete ein von ibm getaufter §auvtting 
eine Äavelle für ben SRifftonar. 2>em 831 
nad) Xeutfcblanb Burücfgefebrten Ubertrug 
Subwig ber fromme ba« jur (Sicherung 
ber ftanbinavifaen 2>ciffion gegrünbete Vi«- 
tum Hamburg; al« aber biefe <3tabt mit 
ber von %. gebauten Äircfye von ben Kor- 
mannen jerftört würbe, verlier) ?ubwig ber 
Eeutfcpc 846 «. ba« bamal« erlebigte Bis- 
tum Vremen, worauf bann fpäter (864) 
Wifolau« I. bie ViStümcr Hamburg ünb 
Vremen ju einem norbifeben Srjbi«tum 
vereinigte; unterbefj batte %. bie 2Jiiffton 
im ffanbinavifeben Korben mit erneuter 



Äraft aufgenommen, ja iut felbfl 850 nodb 
einmal na* 2 ibweben begeben. % ftaro 
865. Vgl. 2)ebio, ©ef^idjte be« (Srj- 
bi«tum« $amburg-Vremen (33b. 1, 1877); 
goß, 35ie Anfange ber norbifd^cn SWiffion 
mit befonberer »erürffi(btigung «.'« (1 Xbl. 
1882). %. 

Antelapsärii, Supralapsarü (tat.), 
©egner ber Infralapsarii (f. b ). 

flntfcologion (gried?.), in ber grieebi- 
fd?en Äird^e ba« ©ueb,, »orin bie an g<ft" 
unb ^peiligentagen abjuftngenben Cffioia 
($btnn«i/ ©cbetc unb Jettionen) für ba« 
ganje 3abr, nadj ben iWonaten »erteilt, 
enthalten ftnb. h. 

3lnthropolatrtf (grie*., „9Renfd>en- 
anbetung")/ göttliche «erebrung menfdb/ 
licber SBefen, »urbe »on ben Sbriften ben 
Reiben vorgeworfen, »eil biefe tbre Heroen, 
namentlicb, au(b, bie rb'mifcb.en Äaifer, ver- 
götterten ; berfelbe Vorwurf würbe von ben 
Reiben ben (Sänften wegen ibrer g'dttlicben 
Verebrung be« „ajtenfajien" 3efu« jurüd- 
gegeben, h. 

Änt^ropologie (gried?.), bie Sebre vom 
SWenfcben, fb<iicß in ber 3)ogmatit bie 
Sebre von ber urffcrünglidjcn (ibealen) ©e» 
fdfaffcnfycit unb von bem jeftigen (erfab- 
rung«mäfeigen) Bu^anb be« 9Kenfd?en. 
Die S. würbe im ©egenfa^ ju ber jebre 
von ©ott unb (Sb,riflu« befonber« in ber 
abenblänbifctyen Äircbe jüm ©egenftanb be« 
bogmatif(b,en s J{ad?benten« gemacht h. 

Änt^topomorpötßmu^ (griecb ) , bic- 
jenige 3JorfteÜung«weife von ©Ott, welche 
benfelben vermenfcblicb, t , in foloffaler 
3ßenf(b,enform barfteüt. <S. @ott. u. 

Sntbtopopatptömu^ (griecb.), biejenige 
Vorfteüung«weife von ©ott, weltbe ibm 
menfcbUcbe ©efüble unb Äffelte beilegt, 
Born, 9teue k. R ©ott. h. 

■Jlntidjrift (griecb,., „fßiberct) rift") , bei 
2utt)er Snbed>rifl, ber vom ©atan ge- 
fenbete gewaltige ©egner be« Cbrifientum«, 
welcbcr turj vor ber SSiebererföeinung 
(Sb^ifti bie gefamte äßatbt be« $9bfen in 
ber SBelt jum legten Äambf gegen bie 
(briftlicbe Ätrd?e vereinigen, aber f^ließlicb. 
von (Jbriftu« überwunben werben wirb. 
35ie ßrwartung einer folgen ^crfiJnlicb» 
feit, eine« „URenfcben ber i^ünbe", in 
welchem ba« ganje, bem <£f>rifientuut feinb- 
lieb entgegengefctjte ©treben feinen 91b- 
febluß errcidpen werbe, finbet fU befon- 
ber« 2. !£b<fy 2, 3 f. unb Offenb. 13 u. 17, 
befttjt aber tbre Slnfnübfun^bunfte febon 
im Subentum. SBie nämlub biefe« vor 
bem (Srfcbeinen be« SWeffta« eine furcht- 
bare Bcrrüttung atter ftttlicben Vcrba'lt- 
niffe (©eburt«web^en be« SWeffta«) erwar- 



Digitized by Google 



3tntilegomena — HntoneÜi 



25 



tete, fo ba« UrAriftentum ter ber gehoff- 
tcn SSiebcrcrfAeinung (Sbrifti, unb wie 
ba« $ua Daniel tat .'lutioAu« Gbibbane« 
al« ben ©ottesfemr fAilbert, um burA 
bie $u«ftAt auf feinen gcwiffen Untergang 
über bie Trangfale ber ©egenwart bin- 
rocgmbeben, fo erfc^etnt in ber Offenbarung 
be« 3obanne« 9ccro in gleiAer Stellung. 
(Seither erbliche jebe« ©efAlcAt, wdAe« 
ben cbriftlic^en ©tauben burA eine mäA« 
tige 3eitri(btung bebrobt fab, in bem jebe«- 
maligen Öiebra'fentanten berfelben ben X., 
fo j. V. Sßiclif, bie Öufftten unb 9?efor. 
matoren im ^atfi. 3a ber ©ebanfe, baß 
ber ^ar-ft ber 21. fei, ging burtb bie Schmal- 
falbifAen «rtifel felbft in ben Vebrbegriff 
ber Sutberaner über. 3n ber grieAtfA* 
morgenlänbifAen .HirAe n>urbe befonber« 
feit bem 16. 3ab. rb. bie türfif^e $errfAaft 
ober au* s J)icb,ammeb nach bem Hergang 
be« ^abfte« 3nnocenj III. al« «. belieb- 
net. fleeuerbing« meinte eine erfArecfte 
©laubigfeit 1805 mit 9iaboleon L unb 
1848 mit ben 9fetolution«mannern bie 
Bcit be« SlntiArift« anbrechen ju feben. 
Vgl. $ ft i t i * * i , bie tirAliAe unb biblif Ae 
Sebre tom H. (1877). h. 

Slntilcqomerta (grieA.), f. t. w. beftrit« 
tene, ton tielen für unecht erflärte Dinge. 

3 »ibel unb -.'ip erringen, h. 

Slnrtnomi&muo (grieeb.), im attgemei« 
nen f. b. to. Veftrcitung unb Verwerfung 
be« ©efefcc«, in ber Theologie befonber« 
bie ©eringfAä'tuing be« mofatfAen Sitten- 
gefefce«. SlntinomiftifAe SRiAtungen ftnb 
m ber ÄirAe febr b«uftg hervorgetreten; 
fie baben ibren ©runb batb in einer bua« 
lifHfAen Spannung be« ©egenfafee« jmi* 
fAen ©ei|t unb Üttaterie, batb tn einer 
fAwürmenfA übertriebenen VorftcUung 
ton ber AriftliAen Freiheit; uigleiA woUte 
man bie allmächtige Sirffamleit be« ©lau« 
ben« bamit braftifdj bewähren. SolAc 
anttnomifttf Ae SliAtunflen finben mir fAon 
bei ben alten ©nofhfern, bei mannen 
mttftifcben Seftcn be« SWittelalter« unb ber 
reformatorifAcn Äircbe. 3n ber lutberi» 
feber ÄirAe fnütft fic^ ein antinomi» 
ftifAer Streit an ben Warnen be« 
«gricola (f. b.). n. 

SlnftoAenifAe Scfiule, eine theolo* 
gifäe SAulc, bie im ©egenfafc gegen bie 
tbealifrifAe unb fpefulatitc, oft in« ^an* 
taftifAe abfebroeifenbe SRidjtung ber aleran* 
brinifAen SAule (f. b.) ftc^ bie nücbterne 
(SrforfAung be« einfaAen SAriftftnn«, mit 
Verwerfung ber aüegorifAen Stu«tegung, 
)ur Aufgabe fcfcte, unb au« bereu SRciben 
baber bie grünbtiebfien unb gelehrteren 
öregeten hervorgegangen finb. «I« Stifter 



ber SAule werben Torctbeu« unb ?u« 
cianu« (gefh 311), «tei $rc«bt>ter }u «n« 
ttoAia in Strien, genannt, unb }u ibren 
bebeutenbften Vertretern geborten Xiobcr 
ton Xarfu« unb beffen rCbüler Ib«bor 
»on iDiobfueftia, fomie ber Vifcbof 3obanne« 
ttbnjfofiomu« ton Äonftantinobet. Xit 
testen nambaften Vertreter ber Scbule 
waren 3ba« ton Sbeffa unb ber Äinben« 
biftorifer Ibeoboret, Vifd&of ton jr>ru«, 
aber aueb bie gteiA^eitigen 3fagogifer 
Slbrianu« unb 3uniliu«. ^ler ©egenfa^ 
ber antio(benif(ben Schule \u ber aleran» 
brinifwen war anfang« jwar ein bloß 
wiffenfebaf tlitber , würbe aber unter ben 
OrigeniftifAen unb s Jieftorianif*en Strei» 
tigfeiten ;u einem au«gebragten finblicb* 
bogmatifdjen , inbem bie aleranbrinifcbe 
Sdmle f\df in Vejug auf ba« Verbältni« 
ber beiben Naturen in (Jbriftu« ',u einer 
monobböfttifeben Sluffaffung binneigte, wab« 
renb bie a. B. an ber Trennung berfelben 
feftbielt. Vgl. Äibn, Xie Vebeutung ber 
antiocfanifdKn 3Aule auf eregetifAem Öc- 
biet (1866); ^ergenrb tber, Xie a. 
S. ic. (1866). z. 

Slnrqj&onie (QrieA), SBeAfelgefang ; 
berfelbe war fttyon tm jübifeb^en, bann auch 
im attcbriftlid)en Äultu«? gebräuchlich. 3n 
ber etangeliftben SirAe fommt bie 9. ent* 
weber in ©eftalt ton ganzen Biebern tor, 
wie in ber Litanei, ober bloß al« 3ntoua» 
tion burA ben ^rebiger. 2. Wtfponfomn. b. 

»ntiftee(grieA,.), Vorfteber, befonber« 
Vorfieb<r eine« lempel«, "JJriefter; in ber 
ÄriftliAcn ÄirAe feit alter« ber Gbrentitel 
ber VifAöfe, «ebte, frieren jc. ; in einigen 
I Äantonen ber SAwei^ Titel be« erften 
©ciftliAen an reformierten StabtfirAen 
unb Vorfteher« be« ÄirAen» unb S^ul- 
wefen«. m. 

«tntttrinitotiet (grieA. u. tat), ©cg» 
ner ber ?ehre ton ber Irinität ober X rci= 
\ cinigteit ©otte«, f. t. w. Unitarier (f. b.). h. 

fluten, ^Jaul, einer ber Stifter ber 
»ietiftifAtn CoUegia philobiblica in Seit» 
}ig, 1689 Snberintenbent )u 9loAlitJ, fett 
1695 bi« ju feinem Tob 1730 ^rofeffor 
ber Theologie in ^>atle, tertrat unter feinen 
bieriftifAen ÄoÜeg,en an ber ^afultät eine 
ber Crthoboric ntA^ t gerabe feinbliA gegen» 
überfkhenbe iRiAtung. B. ^irti#mu«. z. 

»ntonettt, 3a tob, Staat«fefretar 
«ßiu« IX., ifl 1806 al« Sohn armer f cute, 
bie ton ^iu« IX. fpSter in ben erblichen 
©rafenflanb erhoben würben, im 9tä'uber* 
nefte Sonnino (im JtirAenftaate) geboren, 
ßr fhtbierte in 3lom 3uri«prubenj, würbe 
ton ©regor XVI. tn ben terfAtebenfkn 
1 Stellungen terwanbt, fogar 1845 jum 



Digitized by Google 



26 



Slntonierfjerrcn — Sleon. 



ftinamminifter gemacbt; ^3tu« IX. erhob 
ihn 1847 jum Äarbtnal; 91. fiel? 1848 
mit ^iu« IX. nach ©aeta unb feierte mit 
ihm 1850 nach 9tom jurücf, um fcon ba 
ab al« <Staat«fefretär ben Stirchcnftaat bi« 
?u feinem Untergang (1870) — ben aufju* 
halten er fich bie größte 9MUhe gab — fo* 
wie ben ^abft ju beberrfchen. $ür beffen 
fird?enbelitii$e gehlgriffe muß in erfter i'mie 
91. oerantwortlich gemacht »erben. ßr 
ftarb 1876 unb hinterließ ein Vermögen 
öon 100 ÜHillionen £ire, fcon benen auf 
bem SBege be« <Projeffe« bie natürliche 
Üodjtcr 91.'«, bie Gräfin Sambertini, ihren 
Anteil — jebodj »ergeblicb. — forberte. 

C $iu« IX. z. 

antonier&emn, f *ntoniu«orben. 
3tntöntu8, Warne jn?eier ^eiligen: 
1) 91. ber @ r o ß e mar um 251 $u Sorna 
bei £eraflea in Dberägtopten geboren, au« 
tternebmer gamilie. $rüb einem a«fe= 
tifchen 3«fl folßenb, »erteilte er, 20 3at»re 
alt, fein Vermögen unter bie Ernten unb 
lebte banach über 30 3ahre in ftrengjier 
9trmut erft in einer ©rotte, bann in einer 
9iuine. 91. fanb balb Nachfolger unb en* 
tbufiaftifchc Verehrer, beren i'eiter unb 
brer er würbe, „tinberlo«, ber Siater 
es unermeßlichen ©efchlecbt«". Sr gilt 
in ber Äircbengefdttidjte als "Stifter eine« 
gefelligen Älofterleben« ; aber bie Crben«* 
regel, bie man ihm jugefrtrteben, ift ba« 
2Jracbwcrf fpatercr 3al?rbunberte. Swci* 
mal trat 9t. au« feiner Verborgenheit %tx* 
sor unb maebte ju 9tlcranbria ba« (Gewicht 
feine« 9tnfebcn« geltenb : juerfi 311 in ber 
Sh"ften»>erfolgung Sttarunin«, bann im 
Äambf roiber ben 9triani«mu«. ©bäter 
begab er fuh mit jwei ftreunben in eine 
noch entlegenere (Sin'dbe, wo er 17. San. 
356 ftarb. 9t.' Heben befehrieb Sthanafiu« 
b. @r. (£ertau«g. 1858), unb e« ift fo« 
wohl an ber 9techthcit biefer Schrift, al« 
auch an ber (Sriftcnj bc* 31. feftjuhalten. 
93gl. Ä. #afe in ben „Sahrbücbcrn für 
broteftanrtfehe Rheologie" (1880); «Ib. 
Ii: i di b c r tt , Athanasii de vita ascetica 
testimonia (1886) unb 9K ah er im „Sa* 
tholif" (1886). 

2) 91. von «Pabua, geb. 15. «ug. 1195 
ju i'iffabon, trat 1210 in ben 9tuguftiner*, 
1220 in ben ftranjistanerorben , unter* 
nahm eine SDtifftonSreife nach Slfrifa, burcb> 
;og bann al« gewaltiger 93ußbrebiger ©üb* 
franfreich unb Dbcritalien. 2Bic er felbfi 
ber ftrengften 9l«fefc fich befliß, fo be» 

fümbfte w «1$ #aubt ber ©b» r i tua ^ n W< 
SDGilberung ber Orben«regel burch (Slia« 
*on Sortona. ör ftarb 1231 in $abua 
unb würbe 1232 öon ©regor IX. heilig 



gefbrochen. Wach ber ?egenbe fott er ben 
gifchen geprebigt baben, al« bie ättenfehen 
ihn nicht boren wollten; baher gilt er al« 
Patron ber Xiere, bem $u ©h*en in 9tom 
ba« fteft ber lierweihe 17.-25. 3an. ge* 
feiert wirb, ©eine mpftifeben unb a«feti« 
feben (Schriften würben mit benen be« heil, 
^ranj herausgegeben, ©ein @ebächtni«tag 
ift ber 13. 3uni. 93gl. ©eebtfcf, £er 
beil. 91. (1878); 91 1, Histoire de St. A. 
de Padoue (1878); ©alöagnini, S. A. 
di Padoua (1887) ; Scrinji, A. di Pa- 
doua (1888). z. 

21 n toniuö orten (91 n tonier, 91nto» 
nierherren, .^»ofpitalbrUber be« 
h e i l. 91 n t o n i u «) , ein 2)ttnd>«orben, ge« 
ftiftet urfbrünglich al« freie Vaienfccrbm« 
bung jur Pflege ber Äranfen burch ©afton, 
einen reichen SHitter ber SJaubhiue', 1095 
jum 2)an! für bie @enefuug feine« ©ohn« 
r?om 9tntoniu«feuer (sacer morbus), über* 
nabm 1218 bie äftimcbSgelübbe unb würbe 
vom $abft «onifatiu« VIII. 1297 ju einer 
SBrüberfchaft geregelter Sborherren nach 
; 9luguftin« Siegel erhoben. 35er Orben ge* 
wann ©iiter, fant aber balb in tiefen 93er* 
fall. 1777 warb ber Orben mit bem ber 
SHaltefer bereinigt. Orbenstracht war ein 
I febwarje« (Äewanb mit aufgeheftetem blau 
emaiüterten T (9lntoniu«freuj). z. 

anwortf chaften (5rf pe f tanjen, 
lat. Exspectantiae, Exspectativae). ©eit 
bem 12. 3ahrb. fam bie alte firchliche ©e* 
ftimmuug, baß bie erfte Sorbcbingung 
ber 93erlethung eine« Äirchenamt« bie (Sr* 
lebiguncj be«felben fei, immer mehr in $cr« 
geffenbeit, unb bie Sabitel, fbäter auch bie 
$a>fte, übertrugen ben Bewerbern bie un* 
erlebigten ^Jrä'benben. eine »iel fchlimmere 
9trt »on 91. entftanb feit bem 12. Sabrb. 
burch bie »on ben fjtyften für öerbienfteoüe 
Älerifer an 93ifchöfe unb Äabitel au«ge- 
ftettten @mbfehlung«briefe, bie mit ber 3eit 
(in ber Rcxm ber Mandata de providendo 
unb ber Literae praeeeptoriae) pöpfilicf^cn 
93efehleu glcichfamen; biefe 91. waren eine 
reiche (Sinnahmequette ber päpftlichen Saffe, 
aber ben mit benfelben toerfehenen ^ßrotoifio« 
nären würbe in ©ahern unb Württemberg 
im 15. o üb vi', ber (Eintritt in« Sanb unmög« 
lieh gemacht. 2>a« Äonftanjer unb ba« SBa* 
feler Sonul fuchten fxe oergeblich abjufteüen, 
erft bem iribentiner Äonjil gelang bie Auf- 
hebung afler päpftlic^en 9Cnwartfchaften z. 

3leon (griech.), eigentlich Beitraum ober 
Zeitalter, bann auch, befonber« im ^(ura( 
(9leonen), Swigfeit bebeutenb, fo in ber 
altchrifthchen ^ormel : ,,S9i« in bie 9(eonen 
ber 9leonen" („In saecula saeculornm"). 
@. auch @nofi«. h. 




V 



Digitized by Google 



tfepinii* — Slbofrtotfyen 



27 



HeutnuS, 3 o bann, unb £e*infcher 
Ztxtit. 3lcPinu« (eigentlich $oecf), 
geb. 1499 in ber 2Karf ©ranbenburg, wanbte 
ftcb ber Reformation ju, ftutierte in 
Wittenberg, würbe 1529 }kebiger ju St. 
^etcr in Hamburg, 1532 Superintenbent 
bafclbfl, geriet mit feinem Äollegen ©ar- 
cäit« barüber in ■Streit, ob bie ^öUenfabrt 
<5b"fti ium Stanbe ber (Srnicbrigung (fo 
Slcpinu«) ober jum Stanbc ber örbtfbung 
ju rechnen fei ; ber üDlagiftrat ton Hamburg 
perwiee ©arcäu« unb feinen ?lnbang au« 
ber Stabt. Slcpinu« flarb 1553. z. 

8*ofaIWfe (grieeb. , „(SrnbüUung, 
Offenbarung"), f- »poionprtl 

«pofalWtt? (grieeb.), »eieiebnung 
eine* befonbern S^eig« Cfr fpätern jilbi- 
feben Jiteratur, einer ftbriftfteUerifcben 
^roppetic, welche bie beoerftebenbe *<oܫ 
enbung be« SBeltlauf« in tiinftlicber $Ml« 
berfpraebe fd^ilbcrt. 3n ben 23ibelfanon 
aufgenommene v J$robufte biefer Literatur 
ftnb ba« ®ucb Daniel unb bie Cffenba« 
rung be« Sobanne«; boeb gibt c« foleber 
au« ben beiben por« wie nacpcbriftlicben 
3abrbunbcrten eine große 3ln$abl, pon 
ebnftlicben wie von jübifeben ^erfaffern 
berrübrenb, bie ftc^ aber in ber Siegel 
hinter angesehenen altern Warnen Pcrber* 
gen, ibre eignen ^eitPerbältniffe nur ge« 
beimni«POÜ, aber bem mit ben ^u^änben 
SJefannten btnreicbenb Pcrftänblicb fcbil- 
bem. Steigerung ber Reiben unb irüb* 
fale bie ju einem gewiffen ^hepunft, 
enblid) aber Crlefung be« @otte«Polf« 
bureb ein unmittelbare« eingreifen Oftotte« 
ober S^rifti bilben ba« ftebenbe Schluß* 
tableau. Sie altere biefer Slbofalppfen 
unb jugleicb ba« Sorbilb ber fbätern ift 
ba« ©ueb Daniel (f. b.). Unter ben jii< 
bifeben ftnb ba« Smcb §enocb au« ber 
fpätern SWaffabäcneit unb bie 3lpo!alppfc 
be« S«ra au« ber £eit ber ftlapifcben 
Äaifer, unter ben christlichen ber $irt be« 
§erma« (f. b.), unter ben teil« jübifebeu, 
teil« cbriftlicben bie fibpllinifchen Grafel 
berpor^ubeben. $gl. §tlgcnfclb, Sie 
jübifebe «. (1857). 3lpotalbptif er 
beigen biejenigen, »elfte göttliche, auf ba« 
SSeltenbe unb bie Sieberfunft <5brifh be» 
jüglicbe Offenbarungen haben, ^nlonäre, 
(Schwärmer ic. ; bann bie ©erfaffer ober 
21u«leger Pon Sd)riften apofalbPrifcben 
Snbalt«. 3tpof albbtifcbe Babl beißt 
bie mbfieritffe 3abl 666 in ber Offenbarung 
be« 3obanne« (13, 18), worin man inbeffen 
beute nad) ber Bablenbebeutung ber bebräi» 
feben ©uebftaben gewöhnlich ben Äaifer 
9tero al« «nticbnft angebeutet finbet, 



währenb fieb frübere Reiten in taufenberlei 
abenteuerlicben 31u«beutungen aeftelen. h. 

3poFaiafräfe (grieeb ), tte SiMcberbrin. 
gung aller Singe, b. b- bie ÖiePerberfiel- 
lung ber Seit in ben urfprtinglicbcn An« 
ftanb, fewie bie entlitbe ^efebrung aller 
perfönlicben Äreaturen unb Pa« Aufboren 
aller Sünbenftrafen unb Uebel, wo*u Stel- 
len wie SNattb. 19,28 ; Spoftelgefch. 3, 21 ; 
2. $ftr. 3, 7— 18 niebt minber 3lnbalt*- 
puntte boten al« ber (»ebanfe, baß eine 
ewige Unfeligteit von C^ott gefebaffener 
föefen fi<b mit Öotte« <Mte niebt oertrage. 
(Snblitbe ©efebrung unb ©egnabigung felbft 
be« Xeufel« unb feine« &npang« lehrte 
?uerft in ber Äircbe Origene«, nacb ibm 
(Tregor ton 9?bffa, Sibpmu« eon hieran« 
bria, Xiobor pon larfu«, Xbeobor ton 
iD^opfueftia, ferner pantpeiftifrbe iDipfiifer 
im Mittelalter unb ^ur £t\t ber proteftan* 
tifeben Ortboborie. Wacbbem Scbleiermacber 
t ic %. für eine berechtigte i'ebrart erflärt 
batte, nabm ftcb ibrer befonber« Ä. 3. 
Mi^fcb an. 2. Jpöflf. h. 

4li>orrtftartu£ (grieeb), ber ftebenbe 
@efanbte aller ^atriareben unb unter 
ihnen aueb be« riJmifcbeu Zapfte« beim 
gricebifeben Äaifer. z. 

9lpo?tnpben (grieeb.), bem Urfbrung 
ober ^nbalt naa) „Perborgene" , aueb im 
Unterfrbieb \u ben b'ffentlicb Por^ulefen» 
ben geheim gehaltene Bücher. ?U« fieb 
ein cbrijtlicber Äanon bilbete, perftanb man 
unter 31. tt)eil« folebe Bücher, welche, Pon 
^»äretifern berporgebraebt , bei biefeu al« 
fanonifcb galten ober in ben Äanon ber 
Äircbe eingefebwärjt werben follten, tbeil« 
aber auch folebe, welche, Pon ber Äircbe 
früher günftiger beurteilt, fcbließlich, weil 
ihnen wefentlicbe iDierfmale ber .Hanont« 
utät abzugehen fchienen, hoch noch au«* 
gefebieben würben. Sie 31. be« 3llten 
Xeftament« haben, tbcil« urfprünglich grie» 
chifch gefebrieben, tbeil« au« bem ^ebräi« 
feben iiberfefet, in ber Septuaghtta Auf- 
nahme gefunben, währenb fte im bebrai» 
fchen Äanon fehlen, baher fte auch in ber 
alten Mivebe junä^u nur al« tirchliche 
SJorlefefchrifteu g,alten unb in ber griechi* 
fchen Äird)e wenigflen« nie P'dtlig gleichen 
SRang mit ben fanonifchen ©ücbern er» 
hielten, währenb bie latcinifct)e Äirche feit 
3luguftin jeben Unterfcbieb Perwifchte. 
Streng haben biejen Unterfcbieb wieber 
betont bie Reformierten, unb bie ©riti» 
febe unb au«länbifche ©ibelgefeüfchaft ließ 
feit 1827 bie 91. fogar ganj au« ben 9lu«= 
gaben ber ^eiligen Schrift Weg, währenb 
i'uther fte al« «ücher beibehielt, „bie ber 
^eiligen Schrift nid)t gleich ju acl)ten, bod) 



Digitized by Google 



28 



gut unb nüfclich m lefen feien". ß* fmb | 
bie«: bie brei ©lieber ber äJtattabiicr (»on | 
welchen Suther nur bte jwei erften über» 
fefct bat; ein toterte« finbet ftch nur in 
einigen $anbfd?riften ber ^ a tuaginta), 
ba« ©ucb. 3ubtth, ba« ©uet) fcobit ($o» 
bia$), ba« ©uch 3efu« @irach (mit einer 
ton £utt>er nicht überfefcten ©orrebe), ba« 
©uch ber ffiei«heit Salomoe , ba* ©uet) 
©arudj, ber ©rief bc« 3ercmia« (bei Sutbcr 
©aruch, Äab- 6), ba« fogen. britte ©uch 
ß«ra (nicht bei Rüther, auch bom Xriben» 
rinum au«gefchloffcn) unb einige fbä'terc 
Bufäfce m ben ©üchern Daniel, (Sfthcr 
unb ber (Shronit. 3u unterfebeiben »on 
biefen ©üchern fmb bie fogen. ^feubebi» 
grabbln (f. b.), Wachbilbungen bibltfcher 
©ücher unb Umbilbungen biblifchcr ®c» 
fliehten, wie ba« ©uch ber Jubiläen (f. b.); 
ebenbabm geboren auch faft alle 2lbota« 
Ibbfen (f. «potoinptir). 2Öie bie famtlicben 
genannten ©ücher »on unfehlbarer Sieb» 
tigteit fmb für bie Äenntni« bc« unmittel» 
bar oor» unb nacbArifUichcn 3ubcntum«, fo 
bie tteutefiamentltcgen 21. für bie Senntnt« 
theif« ber Degeneration ber ct)riftlichcn 
Literatur, theil« ber entwicfelung altfird»- 
lidjer Drabitionen unb Dogmen, (line 9Waffe 
ton neuteftamentlichen 21., roie v ©. ba« 

tebräerebangelium, ift »crloren gegangen, 
ie erhaltenen abofr)jbb,ifcbeu ©»angehen, 
2(b oftelaef deichten , ©riefe unb 2lbofalbbt'en 
b.aben Dbtlo (1832), Difcbenborf (1851, 
1853, 1866), SBright (1871) u. a. herau«» 
gegeben, bie 2lboftclgcfcbicbtcn infonberheit 
Vibftu« eingebenb behanbclt (1883 — 87, 
2 ©be.). (Sine SWittelftettung ?wifchen fano» 
nifchen unb abofrbbhifch<n ©üchern nehmen 
bie fogen. 2(ntilegomena be« SJteucn Defta» 
ment« ein, welche bie ältere lutberiföe 
Äirdje eine 3«itlang al« 21. bebanbelt unb 
in ihren ©ibelau«gaben ut>ar abgebrueft, 
aber nicht gewählt hat. S« fmb bte«: ber 
jweitc ©rief be« ^etru«, ber jweite unb 
britte be« Johanne«, bie ©riefe be« 3a« 
fobu« unb be« 3uba«, ber §ebrä'erbrief 
unb bie Offenbarung be« 3ohanne« : «Schrif- 
ten, n?elche fchon in ber alten Ätrcfye nur 
langfam unb mühfam ut tanonifchem 9?ang 
gebeiheu fonnten. Die altteftamentlichen 
21. unb %tfeubebigrabh<« finb fritifch unb 
cjrcgetifch behanbelt werben bon ftrifefchc 
unb (Srimm (1851 — 60) unb ©olfmar 
(1860—63). h. 

StpettinattS, ©ifchof bon ?aobicea 
(f 390), ftanb im 2lrianifchen ©treit (f. b.) 
juerft auf feiten be« 3ttbanaftu« , glaubte 
aber bem 2lriu« am (Srfolgreichften mit 
ber ©ebaubtung entgegentreten m fönnen, 
baß in Ghrtftu« ber göttliche ?cgo« bie Stelle 



ber menfehtichen , bemünftigen «Seele ber» 
treten habe. Diefe ©erlürjung ber menfeh» 
liehen Watur (Jhrifri würbe bereit« auf ber 
©bnobe fcon 2llcranbria (362) beanftanbet. 
Um 375 fchieb 21. au« ber Kirche au« ; feine 
?ehre würbe auf bem 2. allgemeinen Äonjil 
ju Äonftantinopel (381) berbammt Steuer» 
bing« hat man in mehreren «Schriften, 
welche ben Warnen be« 2lthanafm« (f. b.), 
bc« ©regoriu« I baiima turgut (f. b.) , be« 
r'dmifchen ©ifchof« 3uliu« (f. b.) unb be« 
3uftinu« (f. b.) tragen, verloren geglaubte 
2(bhanb(ungen be« 21. wieberertannt, welche 
bie ©chüler be«felbcn unter bem Warnen 
orthoborer Äirchenlehrer ju verbreiten wuß- 
ten, ©gl. 21 b. ^arnaef, Lehrbuch b. 
Dogmengefch. (2 ©b., 2. «nfL 1888); 
<$ a f b a r i , 2llte u. neue Duellen j. <®efch- 
be« Sauffbmbol« (1879); Dra'fete in 
ben „3abrbU4ern für brot. ZW (1883, 
1884, 1887), m ber „3eitfct)rift für wtffenfch- 
Xheol." (1883, 1886, 1888) unb in ber 
„3eitfchr. für Ä. ®." (1884). %. 

apotttncrri^inu«, in ber (Shriflologie 
bte auf bem jweiten öfumenifchen Äonjil 
381 al« feljerifch »erworfene 2lnftcht be« 
©ifebof« ?lboüinart« bon Saobicea (f. b ). %. 

&poDoniu£ Don Xoana war nach 
©cbilberung feine« im 2lnfang be« 3. 3at)rh. 
fchreibenben ©iograbhen ^piloftratu« ein 
Beitgenoffe Chnfti, ber auf feinen Weiten 
Reifen überall für ben Weubbtbagorei«» 
mu« warb unb im ©eftfc ber ®abe ber 
2Bei«fagung unb be« SBunberthun« m fein 
»orgab. (Sr ftarb nach 96, faft 1003ahre 
alt, in @bh*fu«- ®ic ^bpothefe ©aur«, 
baß ^hiloftratu« in 21. ein mit allen Xw 
genben unb Gräften au«geftattete« ©egen» 
ftilcf (Shrifti ieichuen wollte, hat an iprer 
SBahrfcheinlichfeit burch bie neuern ©c» 
ftreitungen nicht« »erloren. ©gl. SW B n et e » 
berg, 21. b. X. (1877); 3effcn, 21. b. 
2:. unb fein ©tografcb ^hiloftratu« (1885) ; 
Tredwell, A sketch of the life of Ap. 
of Tyana (1886). z. 

apotto«, Mitarbeiter be« 2(bcftel« 
^3aulu« in Sbh^fu« unb Aorinth/ ein 
fchriftgelehrter 3ubenchrift au« 2lleranbria, 
wirb &on bielen für ben ©erfaffer be« 
^ebra'crbrief« gehalten, ber im ®eifl 
aleranbrinifcher 9teligion«bhil»fobhit ba« 
(Jhriftentum ju begrünben fucht. h. 

äpolOßJHf, f- «bötoflie. 

Slpologie (griech.), „SÄebe ober Schrift 
utr ©erteibigung" eine« 2lngeflaa,tcn ober 
fonfrwie ©efchutbigten. Da^er i)t\§tn 2lbo- 
logeten in ber d)rtfMichen ?tteraturgefchichte 
bie Scanner, welche ftch bie ©erteibigung 
be« (Jhriftentum« unb bie ©Verlegung 
ber bon 3uben unb Reiben gegen ba«felbc 



Digitized by Google 



Slpeftct. 



29 



Serichteten Anflagen jur Aufgabe machten. 
' to alteflen btefer SSerfe fteüte u gerabe;u 
©dmbfchriften an bie rtfmifchen Äaifer bar; 
erhalten &aben ftcb folcbe erft con 3uftin 
bem SWärttirer (f. b.) an, an welchen ftcb 
Jatian, Athenagora« , theophtlu« von 
Sfatiochia, $ermia«, äWinuciufl ftelir, Xer« 
tuüian, Arnebiu« unb Sactantiu« au* 
fchliefjen. ©iffenfchaftlicher gehalten finb bie 
abologetifchen «Schriften be« Drigene« (gegen 
Gelfu«) unb be« öufebiu« toon Säfarea. 
Aber gerabe bei ben gebilbetften unter ben 
benannten tritt eine erhebliche Irübung 
ber religiiJfen unb ethifcbtn ©runbgebanfen 
be« (Ehrtftentum« ;u läge infeige be« vi- tu 
fluffe« ber griethifchen SDtfetaphtoftf unb 
Gtbif, bie ben neutralen ©oben jwifcpen 
ihnen unb ihren Gegnern abgeben muß. 
SRachbem ba« (Sb.riftentum <2taat«religion 
geworben War, Icnnten Apologeten wie 
Augufrin ben Verfall be* §eibentum« al« 
göttliche« ©ericht barfteüen. ©egen bie 
3uben, benen fcpon 3ufrin eine apologe« 
tifc&e Schrift eutgegengefe&t hatte, fcbrteb 
noch 822 Agobarb cott Siion, gegen Guben 
unb Araber SRaitnunb SWartiui in <Spa« 
nien 1278 feinen „£ouh be« Glauben«", 
h>ä^renb bie ganje Arbeit ber Scbolaftif 
barauf angelegt War, ba« fircpliche Toama 
ber ber Vernunft ju rechtfertigen. 3ur 
3«t be« §umani«mu« fuchte SDtarfiliu« 
fticinu« Wie in Srinnerung an bie frühflen 
3iele ber Apologetif wieber einmal bie 
Ucbereinfttmmung be« <Jt)riftentum« mit 
bem $latoni«mu« ju betreffen (1475). 
Seitbem tooflenb« in neuerer 3ett 2>ei«» 
mu«, Aufflärung unb ^bilofobbte in ibea* 
lifHfcher wie materialtftifcher ftorm ba« 
(Ebriflentum im ©runbfafc an juf eckten be« 
gönnen haben, ift bie apologetifcbe Lite- 
ratur in bemfelben l'fafj in« Äraut ge» 
fchoffen, al« faft ber gefamte Scbutbetrteb 
ber t)errf(benben Xfyeolegie bon, oft fet)r 
einfeitig unb unbotlftanbig befolgten, apo» 
4ogetifcben 3nterefjen beherrfcbt unb ge» 
leitet erscheint, h. 

Apologie ber fcugßburfltfdjett .Hon 
feffion, ftombolifcpe« ©udj ber fatherifcben 
tfircpe, eine Rechtfertigung ber Ang«burgi» 
fcöen Äonfefjton unb eine SBiberlegung ber 
auf fatferlic^en ©efehl angefertigten Äon» 
futation berfelben. «erfaßt würbe fte toon 
iDfe landaben nad) ben münblid^en unb 
febViftluten Relationen Uber bie Äonfuta» 
tion, bie ben ebangelifcfyen Stänbcn nicht 
eingehänbigt würbe. 3)ie A. b. A. St. 
warb 22. Sept. 1530 bem Äaifer Sari V. 
überreizt, aber bon ibm nicbt angenommen. 
25a bie Äatbolifen wieberholt behaupteten, 
bafj bie Augftburgifcbe itonfeffton wiberlegt 



I fei, fo unternahm SKelanchtbon auf ©runb 
einer jetjt erfi erlangten Abfcbrift ber Äon- 
futation eine grünblicbe Umarbeitung ber 
A. b. % £., bie er „Apologie ber Äon« 
feffion" nannte. Xiefelbe erfdpien im April 
1531 lateinifcb, im Dftober b. 3. beutjcb 
toon 3uftu« 3ona«. ©gl. ^Jlitt, 3)ie 
Apologie ber Auguftaua gefcbicbtlicb erflärt 
(1873). t. 

flpo^afte (griecb.), öffentlicbe So«* 
faßung bon ber cbriftlicben Äircbe. Xit 
Äircbe ftraft bie A. mit (Srfommunifation. 
3m fpätern rc'mifAen Staat unb im 
ÜHittelalter würbe A. au* al« bürgerliche« 
©erbrechen beflraft unb feit ^Bonifatius VIII. 
ber Äefterei gleicbgefieUt. Xie A. War 
bSufjg wa>renb ber (ihrifintoerfolgung im 
rSmifcben Steich, bann unter ber ^errfcpaft 
be« 3«lam. Xa« fatholifcpe jcircpenrecpt 
fennt ferner eine A. t>om Drben«gelübbe 
fapostasia ab religione) nämlicp tn bem 
ftaU, bafj ein Orben«geifilicher ohne (Sr- 
laubni« ber Obern in bie fßelt jurücftritt, 
unb eine A. bom ©tanb (apostasia ab 
ordine) in bem ftatl, bafj ein Älerifer ben 
geifttüben @tanb aufgiebt. Auch biefe A. 
wirb mit Srfommunifation unb 3rregula* 
rität beftraf t. A p o ft a t ( $ viert), apost ata ), 
ein Abtrünniger. Cfll. «bfoa, «onmtit, »ene. 

got, ^tOftlJjt t. 

Apoftel (griecb., „©efanbte, ©enb« 
boten"), im SReueu Jeftament gewöhnlich 
(im engern ©inn) Bezeichnung ber jwölf 
jünger, welche bon 3efu« al« fiänbige ©e 
gleitung erwählt worben waren unb ben 
Äeim ber neuen ©emeinbe bilben foüten, 
baher ihre Hahl nach Analogie be« jwölf- 
ftammigen 3*rael beftimmt war. 3h" 
Warnen werben 2Wattb. 10, 2—4; 2Nar!. 
3, 1G-19; Suf. 6, 14—16; Apoftelgefcfa. 
1, 13 nicht gan) Ubereinftimmenb ange> 
geben, unb fcon ihren ©efchicfen wiffen wir 
aufjerft wenig Bw^w^fftge« , am meiften 
noch toon ^etru«, welcher in 3efu« guerft 
ben SWeffta« erfannt hat unb in ber aller- 
erften %tit ©ortführcr ber ©emeinbe war, 
unb bem ©rüberpaar 3afobu« unb 3o« 
hanne«. 3efu« felbft fanbte fte noch mäb- 
renb feiner galiläifchen Xhätigfeit toorüber> 
gehenb auf eine SWifftonewanberung au« 
(SDcarf. 6, 7 f.), beren ©renken übrigen« 
noch in ftreng jübifchem ©eift beftimmt 
waren (2Watth. 10, 5. 6). ©o betrachteten 
fte ftch bann auch fpäter noch al« ben 
„Apoftolat ber ©efchneibung" (@al. 2, 8) 
im ©egenfatj ;u ^aulu«, bem nacpbe* 
rufenen A. ber Reiben. (Sin unitoerfaler 
SWiffton«befehl ftnbet ftcb erft im äKunbe 
be« erhöhten (Sbriftu« (2)iatth. 28, 18—20; 
2ttar!. 16, 15; 2uf. 24, 47; Apoftelgefd). 



Digitized by Google 



30 



1, 8), unb in bcr altfinhlichen »Sage ifi 
unter t^eitroetfen» ©orflang bcr Apofiel» 
geicbicbte bie £>eibenmiffton bereit« gleich* 
mäßig (Sache aüer A. geworben, welcbe 
bafjer auch m/dlf 3abre nach 3efu £obe 
bie Sänber bcr (Srbe unter ftch vertbeilen 
(geft ber Apoftcltheilung 15. 3uli), aüent- 
falben ba« (Evangelium prebigen unb auch 
faft alle bie ÜRärtörerfrone erlangen. $gl. 
Si|>f tu« , 2>ic apofrvpben Apoftelgefcbichten 
unb Apoftellegenben (1883— 87, 2 Bbe.); 
<S e u f e r t , 2)er Urfprung unb bie Sc* 
beutung be« Apoftolat« in ber djriftl. Äirc^e 
ber erften $wei 3abrbunberte (1887). h. 

SIpOftelbtÜbet, f. «pofklorben. 

«poftelfefre (Apo fiel tage), fircb> 
liebe %t$t, Welche jum Anbenfcn ber Apo» 
ftel infolge be« fteigenbcn §eiligenfulru« ! 
eingeführt n>urben. 2)a« ^eft auer Apo* | 
ftel jwar ging im Aüerhetligenfeft unter 
unb fotttc fpäter im Anbrea«tag (30. Wo*.) 
wieber aufleben. 25a« geft ber Apoftel» > 
theilung (f «poftfi) veränberte theilweife feine [ 
S3ebeutung. Sinige Apoftel, wie *ßetru« unb | 
^aulu«, "^ilibbu« unb 3afobu«, «Simon 
unb 3uba«, erhielten paarwcifc gemeinfame 
ftcfttage, einer aber bodj auch wieber ihrer 
mebrere (^etri Äettenfeier unb Stuhlfeier). 
So wenigfteu« in ber römifcben Kirche. 
£ie evangeliicbe b>t biefe ftcfttage meift 
ganj abgefchafft ober auf einen benaet)* 
barten «Sonntag »erlegt, h. 

Bpoftelgef drehte, litel berjenigen 
unter ben vielen „Ibaten" (praxeis, acta, 
actus) ober „SÖanberungen" (periodoi, 
migrationes) betitelten Säuberungen apo* 
ftolifcber Übätigfeit, barüber bie altfircblicbe 
Literatur verfügt, welche in ben Kanon 
aufgenommen würbe unb bem ©erfaffcr 
be* britten (Svangclium* angehört. 35er 
Xrabition ?ufolge wäre bie« Lufa« (f. b.) 
gewefen, von welchem aber wabrfcbetnlich 
nur ber Üteifeberidjt herrührt, beffen Spuren 
16,10—17; 20, 5— 15; 21, 11— 18; 27, 
1—28, 16 ju läge treten. 35er wobl ju 
Anfang be« 2. 3abrh. fdbreibenbe Serfaffer 
will ben Bau ber dnriftlicben Kirche, vor- 
nehmlich bie Lebensarbeit be« Apoftel« 
^aulu«, fcbilbern nach ber Auffaffung be« 
fpätern, fatbelifch wcrbcnbcn $>eibencbriflen= 
tum«, ba« für eine unmittelbare Stiftung 
ber in brüberlicbem herein banbelnben 
unb in unferm Buch in ftcbtlicbcn ^aral« 
lcli«mu« \u einanber geftellten §auptapoftel j 
^etru« unb s J*aulu« gelten wollte, von j 
einer banvifcbenliegenben fampfreicben Gnt» 
wicfetung aber fein Bcwufjtfein mebr batte. ' 
Kommentare fcbrieben u. a. 2)c Söctte 
(4. Ruft von Dverbcct (1870), öwalb 1 



| (1871), ?etfler u. @erof (in Sange« 
1 Bibelwcrf, 4. Aufl. 1881), 9teufe (1876), 
SWeber (5. Aufl. von Söenbt 1880), 
Wiegen (1882), ßBcfler (1886). n. 
flpojlf ÜC^te, f. itftxt brr 12 fibofttl. 

9pcfrelFott>ent, Bezeichnung ber in 
ber fatbotifcben @efd&idjtfdjreibung al« er« 
i fte« Ken$il geltenben Kenferenj, welche 
bie Urapoftel ^petru«, 3atobu« unb 3o» 
banne« mit ben «tjeibenmiffionarcn ^aulu« 
unb SParnaba« etwa um 52 $u 3erufalem 
pflogen. Da« 9tefultat berfelben war wad) 
(»al. 2, 1—10 gegenfeitige Snerfennuu^, 
9lbgrenjung bcr äHiffionSgebicte unb %xc\* 
gebung ber gebornen Reiben gegenüber 
ben 9lnfprücben be« mofaifeben @efe^c«, 
nacb ?lpoftelgcf(b. 15 überbie« noeb^ ein 
förmlicbe« Äonforbat, bureb^ welcbe« bie 
^eibenebriften im 2öiberfprudj mit <®al. 2, 
10 $ur Beobachtung ber jübifeben Sitte bin- 
ftcbtlicb! vier befonber« wichtiger fünfte ver* 
Pflicbtct würben, h. 

Slpoftelotben («poflelbrübcr,91po. 
ftotifer), eine ber verweltlichten Dichtung 
bcr Äirche entgegentretenbe Scfte gegen 
ßnbc be« 13. 3abrh- , war gegiftet von 
(»erbarb Segarelli, einem @ewerb«mann 
au« Marina, bcr al« 23ufeprcbiger in bcr 
Äleibung eine« Apoftel« Italien burebwg 
unb bie einfache 5 crm ^ er apoftolifchen 
Scben«gemeinfcbaft wiebcrberjuftcüen fuchte. 
Segarcüi würbe mehrmal« verhaftet unb 
mußte 1300 ben Scbciterbaufcn befteigen. 
Xrofc;bem breitete ftep unter bcr Rührung 
I)olcino« au* SWailanb bie Seftc weiter 
au«. 3n febwärmerifeber SBeifc verülnbigte 
fte ben Umftur, ber ipterarebie nnb forberte 
allgemeine 9tücffebr jur apoftolifchen Armut, 
©egen ba« Äreu^cer be« ©ifchof« von 
Stfercelli verteibigten ftch bie Äpoftelbrüber 
',wci 3abre lang tapfer; enblicb würbe 
3)olcino 1307 bei Sercelli gefchlagen unb 
verbrannt, feine Anbänger aber verloren ftch 
unter ben ftraticellen unb Begbarben. z. 
«pofteltafie, l «»ofteifcftc. 

flpoftoltPct, f «»oftelorbcn. 
^ücftoltfdic ©eincinbc, eine chriftliche 
©emeinbe, beren ©rünber unb Lehrer ein 
Apoftcl war, j. Sö. bie ju 3erufalem, Ätt» 
tiochia, ßpbeftt«, Äom; im weitern (Sinn 
f. v. w. apoftolifche Äircbc. tu 

Ȁpoiloltfdje .Httche, bie Sbriftenbeit 
im 3ft ta I tcr un ^ unter ber Leitung ber 
Apoftel unb ibrer näcbften Scbüler. AI« 
(Sbrentitel unb nach ber ihnen na* Ur* 
fprung unb Alter gebübrenben Sürbe 
nehmen bie Bezeichnung in Anfprucb bie 
Äircben von 3crufalem, Antiocbia, Alepan« 
bria unb Wem. h. 



Digitized by Google 



3fyofteftf<$e Honftitutionert — Hppettanten. 



31 



&poftolifd)e onftt tu ti Ditctt unb Jto 
n Dnc«. 2>ie apoftolifctyen ftonftitutionen ftnb 
angebliche Änweifungen ber Slpoftel in 8 
©ücbern, in benen um bic ÜWitte be« 4. 
3af?rb. minbeften« 3 üerfcbiebcne Scrte 
vereinigt würben: 1) ba« $auptftiicf wirb 
au« ben 6 erftcn ©ücbern, ber „$iba«talia 
ber Spoftel", gebilbet; 2) ba« 7. ©ucp; 
3) ba« 8. ©ucb. 9fa« bem 5. 3ab>b- ba* 
ßegen flammt ba« üierte Scrl, welche« 
unter bem Site! ber apoftolifcben Äanone« 
einen SJnbang be« 8. ©uebe« bilbet unb 
50, in einer fpä'tern 9?e}cnfton 85 ©or» 
fünften über $iircpenbi«5iplin entbält. 3m 
Occibcnt t)abcn bie apoftolifcben Äonftitu» 
tienen gar feine, Pon ben apoftolifcben 
Äanone« nur bie 50 erflen Snerfennung 
aefunben. 3m Orient würben fowobl bie 
Sonftiturionen a(« bie Äanone« (unb jwar 
alle 85) rezipiert bi« $ur Xrutlanifcben 
Sonobe ton 692, welcpe bie Äonftiruttoncn 
»ertearf, jeboeb bie äanone« beftätigte. 3)ic 
neueften Äu«gaben ftnb üon Uelsen (1853) 
unb % be Sagarbe (1862). h. 

«pefroltfc&e SWaieftät, ein um 1000 
bem ungarifepen Äifnig 8tepban Pom %*apft 
(Siltefter n. ertbeilter, 1758 auf ben öfter» 
Tcicbifcp-ungarifcben Äaifer unb Äönig über- 
tragener Gbrentitel. z. 

2lpojloltfdjf Sdtet (Patres aposto- 
lici), bte apoftolifcben SJianner, welcpe 
©epriften binterlaffen baben, bie aber im 
92euen Xeftament (eine Hufnabmc gefunben 
paben. 2>iefe ©Triften fteben an Origi- 
nalität ertennbar pinter ben apoftolifcben 
jurücf ; aud) ^errfc^t binfupt(i$ be« 3)og* 
matifeben barin noep große Unbeftimmtbeit. 
Xefto mebr moralifepen ©ebalt paben fte 
nacb ibvau Porbcrrfcpenb prattifeben i5ba 
ralter. 3u biefen ©ätern $äblt man ©ar- 
naba« (f. b), (Siemen« 9tomanu« (f. b.), 
3gnatiu« (f. b), ^olpcarpu« (f. b.), $crma« 
(f. b.) unb "JJapia« (f. b.). 25 ie weitau« 
befie 9Xu«gabc ber Serie ber apoftolifcpen 
Später beforgten ©ebbarbt, 3abn unb 
§arnad (1875—78, 3 ©be., beren erfter 
1876—78 in 2. Aufl.). %. 

Slpcjlcltfchcr in ber alten Strebe 
f. p. w. ©ifcbof«ft&, befonber« ber $u 9lom 
al« ber erfte unb geraume 3cit ber einzige 
im Slbenblanb ; fpater Stefiben} be« Zapfte« 
al« be« ittacbfolger« üon s JJetru«. e. %t>o- 

ftolifä« Sirdje. n. 

&poftoltfcM %mt (Apostolatus), in 
ber alten Sircpe bie Sürbe ber ©ifeböfe 
al« Nachfolger ber Slpoftel; fpäter inebc= 
fonbere ba« 3lmt ber Sßäpfte. b. 

appftolifdjce ©laubettfcbeFenntntfi 
(«poftolifcpe« 8pmbolum, Symbo- 



[ lum apostolicum), gew'dbnlicb bloß ba« 
j „Credo" ober ber „©laube" genannt, ba« 
erfte ber brei b'tumcnifcpcn , b. b- »n ber 
ganjen (Sbriftenbcit geltenben ©lauben«- 
belenntniffe, welche« in brei, nötiger ^n>i5lf 
9trtileln ben ©tauben an ©Ott ben ©atcr, 
ben ©obn unb ben ^eiligen ©eift au«» 
fpriebt. ß« bat feinen tarnen üon ber 
juerft bei bem Äircbenfcbriftfteller Ambro« 
fiu« unb in erweiterter ©eftalt bei 9tufi* 
nu« (4. 3abrb.) ft<b finbenben 8age, wo- 
nacb bie Äpoftel ]\i 3erufalem turj vor 
ibrer Trennung ba*felbe al« gemeinfame 
?ebrnorm unb Xaufformel »erfaßt baben 
foüen. "i'uin ift jetjt einPerftanben, baß ba« 
Slpoftolifcbe ©laubenöbefenntni« au« ber 
attmäblicben Gnreiterung ber £aufformel 
entftanben ift, baß e« feinem n?efentlicpen 
©ebalt nacb ba« ©elenntni« ber römifepen 
©emeinbe febon in ber jweiten Hälfte be« 
2. 3abrb. geroefen ift, bagegen erft im 5. 
3abrb. feine gegenwärtige ©eftalt in ©al» 
lien erbalten bat. Jögl. Ca« pari, Unge- 
bruefte, unbeachtete unb wenig beamtete 
Oueüen »ur ©efebiebte be« Xauffpmbol« 
unb ber ©lauben«regel (1865 ff., 3 öbe.); 
2)erfelbe, «Ite unb neue Duetten jur 
©efebiebte be« lauffpmbol« (1879). z. 

^lpoftoltfdjc& Jntalter. 911« folcpe« 

§ilt naeb btrlömmlic^er 9Iuffaffung ba« erfte 
tabrbunbert, wa'brenb beffen bie ebriftlicben 
©emeinben noeb. Pon ben ?lpofteln felbft, 
julept üon bem ber Xrabitiou naep in 
Gpbefu« Uberlebenben 3obanne«, geleitet 
worben feien. 9ticptiger würbe ba« apofto* 
lifebe 3^*taltcr mit bem 3abr 70 abge» 
febloffen, ba fcp>n bic lur; jutor gefebriebene 
«potalppfc (18, 20) bte «poftel al« im 
Gimmel befinblicbe SWärtprer Porau«fe^t. 
©gl. Sei'>fäcler, 3)a« apoftolifebe ,$cit= 
alter ber cbriftl. Äircbe (1886). u. 

Ulpoftoli jitat, ein M^erlmal ber eprift» 
lieben Äirc^e, bann beftebenb, baß fie ben 
©eift unb bie Sebrauffaffung ber s Äpoftel 
in ftcf> bewabrt. 2)ie rbmifebe Äircpe fuebt 
it»re %. bureb bie ©ebauptung )u erweifen, 
baß fte Pon bem 31poftcl s 4Jetru« geftiftet 
worben fei. h. 

»Äpotbccfc (grieep. , „Vergötterung"), 
bie ^eierlicb^teit, wobureb, ein 3Jienfcb, }. ©. 
ein römifeber Äaifer, in ben SRang ber 
©ötter aufgenommen wirb. 91nftatt biefe» 
febon früb anrüebig geworbenen grieepifcb^ 
römifepen ©egriff« bebiente ftd^ ba« Cbriften« 
tum jur ßrllärung ber ©ottbeit Gbnfti 
ber mebr orientalifepen (umgeteprten) ©or« 
ftcllungsweife ber 3ntarnation ober iDeenfcp» 
Werbung (i b.). h. 

Äppetttttttett (lat.), f. 3anfentPcn. 



Digitized by Google 



32 



Slppellation — SIrdjüoloflte. 



Appellation (tat.) anben<Patoftift 
juerft burd) ba« Äonjil toon ©arbica 343 
tn bebingter SBeife geftattet morben. Stuf 
biefe 33ergünftigung grünbete 3nnocenjI. 404 
bie gorberung, bafj in allen „caasae ma- 
jores" an ben römifcben ©tubl atotoel* 
liert werbe, nnb bie fcfeuboifiborifcben 
£>efretalen beritten bieö aurf? auf bie un* 
wichtigen ©adben au«. 3nnocenj III. er* 
Härte fogar bie 2t. toon weltlid>en ©ericb» 
ten an ben «pafcft für juläffig. ©egen biefe 
5lu«fd>reitungen erhoben fid? bie refor* 
mierenben Äonjilien be« 15. 3abrty. un fc 
ba« Iribentinum toerorbnete, baß bei %p* 
Reflationen nur „causae majores" in Mom, 
aüe übrigen an Ort unb 2 tolle entfärben 
werben foüen. t. 

Approbation (tat.), bie ©iüiguna. ber 
in einer 2)ib*jefe erfdjeinenben tbeologtfcben 
SBüdjer burcb ben «ifcbef toor tyrer »er» 
öffentlicbung burd? ben Srucf ifl toon «Hier« 
anberVI. (1501) für Eeutfdjlanb, für bie 
gefamte fatfyoliföe £trd;e toon ?eo X. auf 
ber 5. Sateranftonobe (f. b.) 1515 unb ftäter 
toom Xribentinum unter Stnbrobuna fcbwerer 
©trafen angeorbnet. ©. Index librorum 
prohibitorum. z. 

9lpft§ (griedj., audj 91 b f i «), bie b,alb* 
runbe 9?ifd>e an ber römifdjen ©afilifa, 
au« ber ftdj im romanifcben SBauftil bie 
<£bornifd>e unter befonberer SBebatbung ent» 
wictelte, barin ba« ?angbau« ber Äircbe 
ausläuft, h. 

Aquaötba, &" 1 a n b i o , f. Ocfuiten. 

Aqutta, ßafbar, geb. 7. 2lug. 1488 
ut 9Iug«burg, warb 1515 gelbtorebtger bei 
ftranj toon ©icfingen, 1516 Pfarrer ju 
Oenga bei Augsburg, ©eil er Sutber« 
£ebrfäfce toerfünbigte, Warb er gefangen 

Sefefct, aber auf Jüerwenbung ber Königin 
Ifabella toon 2>änemarf, ©cbwefter Äarl« V., 
freigelaffen , Worauf eT fid; 1520 nad; 
SSJittcnberg unb toon ba auf ©cblofj öbem* 
bürg nt grang toon ©icfingen al« ?eb,rer 
ber ttnber befifelben beaab. 1524 — 27 
lebte er al« «Prebifjer unb Seb, rer in SBitten* 
berg nnb »rar &ter tbätiger SWitarbeiter 
Sutber« an ber ©ibclüberfebung. 1528 
warb er ©utoerintenbent in ©aalfelb unb 
führte tyier bie Deformation burdj. ©Ott 
Äarl V. geästet, entging er bem £ob nur 
mit §ilfe ber ^ürftin Satbarina toon 
©djwarjburg, bie ibn in ©idjerb,eit bringen 
liefe, ©eit 1552 wieber in ©aalfelb, ftarb 
er bafelbft 1560. »on feinen ©djriften 
finb am befannteften : „S^riftlid? e (Srflärung 
be« «einen ÄatednSmu« ic." (1538) unb 
„ftraaftüde ber ganjen cbriftlicben Sebre" 
(1547, b'fterö aufgelegt), z. 



9tam, im vi neu £eftament «Warne 
teil« im weitern ©inn für ba« heutige 
©ttrien unb «Diefotootamien, teil« im engern 
, nur für ©torien. $tc «öewobner waren 
©emiten, unb bie aramätfd>e ©torad?e 
würbe nacb, bem <5ril «öolf«fprad?e in «ßa« 
läftina. n. 

&t&ae£, «Peter, be (Stotla, ftan. 
Snquifitor, geboren um 1442 ju Spila in 
I Siragonien, trat in ba« ÄoÜegtum ber 
regulären Äanenilor be« Suguftinerorben« 
in ©aragoffa, Warb 4. SWai 1484 toon 
bem @encralinquifttor lorquemaba jum 
erften 3nquifttor bafelbft berufen unb er* 
Warb jirt) al« fo(d;er ben 9tuf eine« un* 
ermüblicben Verfolger« ber Äetjer. Sie 
gratnbe unb «enranbten feiner 3ab.lrcid;en 
Dtfer toerfdjworen fid; gegen ibn, unb er 
ftarb 17. ©etot. 1485 infolge eine« Sitten« 
tat«, weld)e« Sobann be 8ababia unb 3o» 
bann ©beranbeo in ber &ird;e toor bem 
Slltar auf ibn gemadit Ratten. X. würbe 
balb nad; feinem Job ein ^oc^gefeierter 
©unbermann. 9?a(b,bem er fd;on toon "ißar-fi 
«leranber VII. 1661 feiig geftoroeben wor* 
ben, erb.ob ibn $iu« IX. 1867 unter bie 
3aljl ber ^eiligen. H.' Slnbenfcn Warb 
burtb, SB. to. Äaufbacb/8 toielbefprod;ene« 
SBitb : „^peter 51. toon Grjnla toerurteilt eine 
Äetjerfamilie jum Job", auf welcbem ber 
Äetjerrid;ter aber nadb. bem £to$m« t> 0 n 
©djiller« ©rofeinquifitor bargejtettt ift, 
wieber aufgefrifd;t. ?Jergl. 3^nßic^l/ 
^eter «. (2. Aufl. 1872). $on ibm wagt 
©am« („Äircbengefcbid)te toon ©toanien", 
3 «b., 2.«bteil. 1879, ©. 35) ju fagen: 
„911« ein ^eiliger b,atte er gelebt, er färb 
wie ein ^eiliger", z- 

Arcäni discipllna (lat., „©ebeim» 
leb^re'O, erfi feit bem 17. 3abr^. in ©e- 
braud; {jefommene 58ejeid)nimg ber in ber 
alten Ätrdje toon ben b| eibnifd;en 9J?bfterien 
bergenommenen ^rari«, laufe unb Slbenb« 
mapl, ©afbung, ©lauben«bcfennrni« unb 
SJaterunfer toor ben niebt ©etauften ge» 
beim ju balten. 35ie (Sntfietyung ber ©itte, 
bie in bie Bett £ertuttian'« (f. b.) fällt, 
b,ängt jufammen mit ber (£infüb.ruug be« 
Äatecb,umenat« al« einer Bett ber «Prüfung 
unb Vorbereitung ber SWeubefebrten. SWit 
Unretbt fucb,ten fatbolifdje 2b,eologen im 
bolemif(b»abologetifd;cn Sntereffe bie A. al« 
eine ©ebeimlebre $u beuten, burd; welche 
bie unbiblifebe irabttion bi« auf ber 2ltooftcl 
3eit 3urücfgefüb,rt werben Wnne. *ßgl. 
»onwetfdy in ber w 3citfd;rift für bifto* 
rifd;e Xbeologie" (1873). z. 

Slrdjäoloöte, 1) biblif(be, (f. »ibiif^cÄ.) 
2) firdjlictye, eine ba« äußere Seben 
ber Äira)e unb beffen gönnen in feiner 



Digitized by Google 



2(rcfytbiafonu« — 



ftrianifcfyer ©treit. 



33 



Mftcrt'rfu'ii Sntwidelung auf bem ©ebiet 
ber »erfaffung, be« Äultu« unb ber firdj 
liehen »Sitte behanbelnbe 2>i«jiplin. Ueber 
bic 3ettgrenjen biefer SBiffenfchaft ift »Streit; 
wätirenb Aeltere fte nur bt« auf Sonftantin 
b. @r. führten, fie al« fircblicbe Altertum«« 
wiffenfd)aft im ftrengfien einn be« SBort« 
bet)anbeln wollten, fmb teuere geneigt, ihr 
erft an ber ©egenwart eine ©renje ju 
fe^en; bie meinen fragen ben SWittelweg 
»tngham« (f. b.) ein, ber fte mit bem Job 
©regor« b. @r. abfliegt. $on ber fireb* 
liehen %. trennt ftd) tn lefcter 3ctt immer 
mehr al« gefonberter 9iebenpeig bie d) r i ft ■ 
liebe Äunflarchäotogtc ab, eine un« 
an«bleiblid>e ftotge be« für biefelbe au* 
ben aufgebedten Äatafomben binjuftrb"« 
menben reichen Stoff«. ®on neuern Be- 
arbeitungen ftnb ju nennen: Augufti, 
2)enf»ürbigfeiten ber cb>iftlicb«t A. (1816 ff., 
12 «be.); ©ueriefe, Sehrbuch bereift« 
licb>!trChlichen «. (2. Aufl. 1859); Otte, 
$anbbuCb) ber rf/rifU. Äunftarcbäelogie 
(5. Aufl. 1883— «4, 2 »be.). Unter ben 
ton fatb)elifdjen »erfaffern b^errü^renben 
Sßerf en ragen bef onber« berter ® i n t e r i m , 
Sie 3)enrwürbigfeiten ber dmftli(b>tatbo* 
lifeben äirtfe (1825 ff., 17 »be.). fc. 3L 
Srau«, SRealenctyflopäbte ber chriftl. 
Altertümer (1882—86, 2 »be.). z. 

*t$fbfttttnu* (grie*.). 35ie Arebi« 
biatonen waren febon feit bem 5. 3ahrh- 
bie »ergefefcten ber 35tafonen unb ©e« 
Hilfen ber »tfeböfe bei Verwaltung be« 
Äirchengut« unb $anbt)abung ber 3uri«» 
biftion. An Äathebralhrchen war in ber 
»egel ber Arcbibiaron unb ber $repft (f. b.) 
biefelbe ^erfon. AI« bie grbjere Au«« 
bebnung ber »t«tümer eine (Sintheilung 
berfelben in Sprenget (Arcbibiafonate) nb*tig 
maebte, würbe einem jeben berfelben ein 
A. mit weitgehenber Amtsgewalt r cradotM. 
3n ftolge ihrer Uebergriffe in bie bifdräf« 
lieben fechte, würbe bereit« im 12. unb 
13. 3abvb. iM'c SRachtfompetenj Wefenttiä) 
emgeföräntt , an ihre <Steüe traten jefet 
bie ©eneralmfare (f. b.). 3)a« Iribentiner 
Äenjil gab ben »ifeböfen bie ben Archi« 
biafonen überlaffenen »erred)te wieber JU« 
rüd. 3n ber luthmfcben Äira)e ift ber 
Xitel St. flettenweife für ben erften Pfarrer 
an «Stabtftrctyen beibebatten. z. 

«rAfmttnbttt (grien?.), in ber grie« 
(bifrfjen Ätrcb/ f. t. w. »orftet)er be« Älofter«, 

5lr(ierni6 (griceb. Skandalon), jeg» 
liehe« Anftoß ober »erfuchung bereitenbe 
Verhalten. 3n Jber Äirchenfpracbe gelten 
al» „öffentliche« Ä." ©orte ober #anb« 

$oll>mann unb üö»Pel, ferifon. 



(ungen, bnrn) weiche ba« ftttlidje ober 
religio io ©emeingefübl terlefct wirb. h. 

Ärfamfdjer Ätwit, ber erfte große 
Üebrftreit, welker ba« ganje römifche »leid; 
über ein halbe« 3abrbunbert lang erregte. 
$a« 3. 3abrb. hatte bem 4. bie Aufgabe 
binterlaffen, bie bereit« eielfaö) feftftebenbe 
SBefen«gleia>beit be« »ater« unb be« Sohn« 
mit ber biblifch bezeugten Unterfdnebenbeit 
ber beiben ^erfi<nlid;reiten \\\ *ereinia,en. 
2)er in 9tntiod?ia gebilbete aleranbrintfdje 
i ; te(*btitcv Ariu«, welcber ben Anlaß www 
ganzen Streit gab, lebrte feit 313 im 
©egenfa|j ju feinem »ifc^of Aleranber, ber 
ben Sobn al« ben ton ©ott ton (Swigfeit 
her ©ejeugten, ber bem »ater in allem 
gleia) ift, faßte, einen in ber £eit »om 
»ater gefebaffenen, ihm jwar ähnlichen, aber 
boa) ber »eränberung fähigen Sohn, alfo 
ein ©efd)b>f ©otte«, eine Art ton 2ttittet- 
wefen )Wtfa;en ©ottheit unb 3Renfä)hcit- 
35aher ber ©egenfalj jwifdjen ben ^jartei- 
fO)laawbrtern «3efen«glei<hheit ($omoufte) 
unb xBefen«ähnlia)feit (t)omoiufte ober $o- 
möufte ^aa)bem ber SBiüe be« Äaifer« 
Äonftantin unb bie »erebfamteit be« Atha« 
nafiu« (f. b ) ju Wicäa 325, trob ber »er- 
mittelung«terfua)e be« tut mit Ariu« tiel> 
faCh berührenben (Sufebiu« ton s J2itomebia 
(f. b.), fowie be« ftd) bem aleranbrinifthen 
Stanbjmntt nribernben (Sufebiu« ton Sä* 
farea («. b.), jener formet ben Sieg ter* 
fn)afft hatten, erfolgte boch unter bcmfelben 
äaifer ein Umfd)lag ju gunften ber anbern, 
unb bie fogen. £>omcuftaner behaupteten 
auch nach bem 336 i-icuiuti, am »orabenb 
tor feiner burd) ben Äaifer angeorbneten 
Aufnahme in bie Äir<fcngemeinfd)aft , er« 
folgten lobe be« Ariu« bie Cberhanb im 
Crtent, währenb bie $>errf^cr be« fBeft« 
reich« bie nieänifche Crthoborie beförberten. 
Sahireiche (Spnoben, bie ftch gegenfeitig 
terfluchten, würben gehalten; namentlich 
offenbarte fid) ba« @Chi«ma ber Chtiftttt« 
hett in ben 343 ftch gegenüberftehenben 
iltirchenterfammlungen ton Sarbica unb 
ton ^bilibbopcli«. »alb aber halteten ftd> 
aueb bie Arianer in Semiariauer (^ombu- 
ftaner) unb ftrengere Arianer, welche nicht« 
über ba« SSefen (Ufta) be« Sohn«, fonbern 
nur im allgemeinen feine Aebnlictyreit mit 
bem »ater betennen wollten (^omöer), ja 
firengfle Arianer, welche bie Unäbnlichteit be« 
Sohne« mit bem $ater behaupteten (Ano* 
möer). An ber Spi^e ber lefctern ftanben 
ber antiochenifche 3)iafon Aetiu« unb ber 
»ifebof Cunomiu« ton Äpjicu«. Aber eben 
bieburd) würben bie «Semiarianer jum 
Anfctylufi an bie 9iicäner gebränat unb ber 
htreb; bie ^olittf be« Äaifer« Xb>boftu» 

3 



Digitized by Google 



34 9lriftctefiföe Wlofopljte — Knneniföe SUrdje. 



auf bem feiten aUgemeinen &en}M ju 
Jtenftantinepel (381), wcld>c« ta* fticänifrbe 
©efenntni« wieberbelte, f ct?l i cf?I icts bewerf» 
fteüigte 'Sieg be« ytica'num« aueb innerlicb 
vorbereitet. 9tur bie germanifebeu Helfer, 
weldbe ta« (ibrifientnm mittlerweile von 
bem ttriauifdjen Ofrreidj angenommen Ratten 
(©eten, Kantaten, i'angcbarben), hielten 
e£ ned> jabrbunbcrtelang in ber arianifeben 
gorm feft. ©gl. Bölling, ©efdjicbte ber 
arianifeben $ärefie (1875-83, 2 ©be.); 
©Watlin, Stadies of Arianism (1882); 
91 b. §arnacf, Jebrb. ber ^egmengefeb. 
(2. 53b., 2. Slufl. 1888). z. 

&rtuö, Stifter ber ftrianer, l Hrtamfäcr 

2. titit 

31 rm cn bi bei (Biblia pauperura), 9iame 
für Sammlungen von ^arftetlungen bibli* 
fdjer ©efrfnebten (au« bem Weuen Xeframent, 
umgeben von t>orbilblid)en altteftamentlidjen 
©ilbern) mit fuqen lateinifeben ober beut» 
[eben (Srläuterungen für Ungelebrte. ©i« 
tu ba« 13. 3a&rpunbert jurücfrcidjenb er- 
freute ftcb biefe ©attung bobulärer Sebr» 
mittel befonber« fett ßrfinbiing be« £ol$* 
febnitt« großer Ö^unft unb Verbreitung, 
bi« fte Ijnnter ben gebrueften vottftänbigen 
©ibeln n>ieber jurüeftrat. h. 

3ttmcntfe$e Mitfa. 3>ic Srabirion 
ISßt ftbon ben «bojlel fcpabbä'u« ba« (Scan* 
gelium in Armenien verfünbigen; fixerer 
tft, baß ©regor ber (Srlcucbter (f. b.), ju 
(jä'farea in ÄaVbabofien 302 jum ©ifdjof 
geweibt, einen großen Üljeil be« ©olf« unb 
ben Äbnig Xiribate« befe&rte. 3n bem« 
felben 3<>9^unbert nodj liefen armenifdje 
(Sbriften in fttben ben ©tubten ob. ftefter 
beg,rünbet mürbe bie a. St. bann burtb 
9ttie«rob, ber, juerft föniglidjcr ©efretär, 
ftdj balb ganjlidj bem ÜJfifftonsberuf wib* 
mete. Hudj foier mürbe bie ©ibclüber« 
fe^ung ber Anfang unb bie ©runblage 
ber Stteratur. 2Jiie8rob erfanb 440 eine 
armenifdje ©ndjftabenfdjrift unb gab bem 
©olf anftatt ber uneerftanblicben altfvri« 
fdjen eine armeniftbe Söifecl. 3Me ftnljän« 
ger be« alten fteuerbienfte« fugten ibre 
©tübc bei ben Werfern, welche nun bureb 
alle SKittel ber ©üte unb ber ©ewalt ba« 
dfjrtfientttm au«jurotten verfugten unb 
erft 485 nacb barten unb langwierigen 
Äämbfen unb blutiger ©erfolgung 8teli« 

!ion«frei$eit gewahrten. 35iefelben begün« 
igten aueb ben 2JcenoVbbrtti«mu«, für ben 
;d> 527 bie ©bnobe ju Rettin au«fbracb, 
fo baß feiger bie a.Ä. in ^äretifdje ©onber» 
Rettung geriet. 3)ie bolitifebe Hba,ef<$lof« 
feubeit trat bin^u. ©leicbroob.1 erbtelt fidj 
bie literarifdje ©etriebfamteit, unb ein an« 



Te&nlidjer Sbeil ber altfircfclicbcn Siterahtr 
ift nur in armenifdjer ©bradje auf uu« 
gefommen. Uebrigcn« würbe an ber Sfuf« 
bebung be« ©<$i«ma« au« firc$lid;en unb 
bolitifc^en ©rünben feit bem 7. Sa^rb,. 
gearbeitet, aber erft ju glorenj (1439) 
tarn c« ju einer Bereinigung mit ber fa- 
t^olif^en Ärrcfo nadb; welker bie a. Ä. jwar 
bie 2e^rc von ben jwei 9?aturen annefe» 
men, aber fonft t^re nationalen unb rt* 
tucllen Gigentümli^feiten bebalten fotttc. 
3)a biefer Union aber nur bie außerhalb 
Armenien« jerflreutcn ©lieber ber arme» 
nifdjen flirre beitraten, fo entftanb eine 
©Valtung ber letjtern tu eine fat^olifc^e 
ober unierte unb eine f<6i«matif$e. ©eibe 
Parteien fteben auf« feinblicb^fte einan- 
ber gegenüber, fo baß bie fcbi«matif(ben 
Armenier mehrmals (1815, 1827—28) 
©erfolgungen ifrrer tat^oliftben ?anb«leute 
von ©citen ber Pforte veranlaßten. 3" 
ben unierten Armeniern gebart ber reieffte 
unb gebilbetfte Xeil ber Warion, aud? bie 
SOcerfjitariften (f b.), in beren ^änben 
ftrfj fafl bie ganje armenifrfje Citeratur 
beftnbet. Seit bem neneften vatifani- 
fdjen Äonjil fmb aber aurfj jwiftfien i^nen 
unb bem )?H)>ftIii^ert ©tu^l neue 3rrun« 
gen eingetreten; namentlidj bie im türfi- 
feben 9teicb lebenben Unierten verwarfen 
ben vom ^abft eingefe^ten «ßrima« $af« 
| fun. <5rft im SKärj 1879 unterwarf ft* 
i ber ©ifdjof Äubeltan, ber nat^ bem vati» 
fanifd)en Aon^it von ben anti*tnfaüibi> 
liftifdjen 9)cttgliebern ber armenif<5«fatb)o« 
lifcben Äirrf^e jum ^Jatriarcben gewSblt 
unb vom @ultan al« folcber anerfannt 
worben war, bem ^3abft. vaffun würbe 
von ber Pforte al« alleinige« Öberfcaubt ber 
armenif(b'fat^olifrf?en (unierten) Äirdje fm 
türfiftben 9tt\$ anerfannt. 3m ©eb« 
tember 1879 unterwarfen ftf$ au^ bie 
Übrigen «ntibaffuniften (norf) 13,000 mit 
16 ©ifeböfen) bem )»q)fi(irf«t @tubl. 
^>affun würbe 1880 Äarbinal unb nabm, 
nadjbem er bie ^ßatriarebenwürbe nteber« 
jgcjt, feinen ©i^ in Äom. @r ftarb 

3)a« 2)ogma unb ber Mttu« ber fc^i«* 
matifdjen Armenier nähern ftd? bem ber 
alten grie<$ifd?en Äirdje. 3?en Jpaupt* 
uuterftfneb von biefer in erfterer ©ejielmng 
bilbet bie i'ebre von ber ©ermifdmng 
ber gbttlidpen unb menfcbltcben 92atur in 
(Sbriftu« jn einer einjigen. Sigeutüm« 
lid? ift ib>en bei ber geter ber (7) ©afra« 
mente, baß fte mit ber Xaufe, bei wel- 
djer ber laufling brcimal befprengt unb 
untergctaudjt wirb, jugleidj bie ^irme« 
lung verbinben, beim 9lbcnbmabl unver* 



Digitized by Google 



?lrmenj>flege — Slrtnintancr. 



35 



mifcbten 2Betn unb gefauerte« ©rot ge- I 
brausen, roel$e« in «Bein getan dpt , ber 
umgereicbt wirb, unb bie le&te Oelung nur 
an geifUicben ^Jcrfonen gleich na* bem 
leb toornepmen. £a« DI abaupt (Äatbc« 
lifo«) ber ganjen föi«matif<ben armeni« 
feben .Hudu' ift Per $atriar$ t>on Stftb« i 
miabfin, beut ein :K at eon Grjbifcpbfen 
unb ©ifebefen jur @eite ftel>t, unb bem bie 
armeniföcn s $atriar$en ton 3erufaletn 
unb Äcnfiantinopel untcr^eorbnet ftnb. 
Xcx ©ilbung«fianb ber ©etfili<$en ift ge» ! 
ring, ipre ©erbercituna eine mebr außer« 
Ud>e unb a«fetif$e. Ueberbaupt ifi bic 
arateniföe ®eifilic$leit ärmer al« jebe 
anbere. Die Pfarrer jiel?en ibren Unter- 
Palt bloß au« ben SÜmofen, bie bei 
Saufen, ©egräbniffen uub für bie ©egen«« 
gebete gefpenbet »erben, roeldje jwcimal 
be« 3abr« für jebe« wm,' ftattfinben. 
©eit 1839 paben proteftantiföe 5Dtifftonare j 
befonber« ber Sonboner ©cfeUfäaft begon- 
nen , auf ben fepr gefunfenen oi: ftanb 
ber armenifajeu Äiräc cinjuroirfen. ©ie 
begegneten babei juerft einem plumpen 
ganatiömu«, bo<§ bübeten ft$ preteftan« 
ttfepe ©emeinben w Grjerum unb ÜCrebi- 
fonbe. ©ebeutenber nodp" ifi bie e&ange- 
liube ©ewegung unter ben Armeniern in 
Äonftantinopel. ©gl. £>ama(fiob, Chro- 
nologic.il succession of^nnenian patri- 
arch8 (1865); üNalan, Divine liturgy 
of the Arracnian church (1870) ; £ r o i p - j 
fo, Der 9?itu« ber armenif<p>n Äirrtye (in 
ruff. ©pra$c 1875). z. 

Armenpflege, eine bem Subentum unb 
<Sbriftentum in nk&t au«f(blicßlicper, aber | 
fcoep (fyaraftcriftifeber ©eifc eigne übe Heußc 
ntng ber prattif(b>n Äeligiofttät. 2)ie 
Xbarfa<p>, baß immerbar Slrme fein werben 
(5. 2Wof. 15, 11; 3ob. 12, 8), mürbe im 
Gilten wie im Stetten Seftament Slnlaß $u 
einbringlm)er unb »eitgepenber öntmitfe- 
lung ber ftorberungen ber ©rubcrliebe 
naep biefer Seite, unb taum battc ft«b eine 
d>riftlt<P> ©erneinfebaft fenfrituiert, fo n>urbe 
auep bie tl. organtftert. 3n ber Hpeftel- 
gcfcbid&tc (Äap. 6) erfäeint ba« gleicbfam 
al« bie erfte Xpat ber jcrufalemifcpen ©c* 
tneinbe, unb ©al. 2, 10 binbet biefelbe 
bem <ßaulini«mu« niebt« al« biefe ©er- 
pflitptuna auf» §erj. 3n biefer ftorm [ 
warb fiai ba« (J^riftentum erftmalig eine« j 
fojialen ©eruf« bewußt unb jwar at« ©e* 
meinbe. 2>ic milben ©aben ber ßinjelnen 
(f. atmofen) erfdj ienen al« ein Opfer , ba« 
ber ©emeinbe unb in tyr @ott bärge- | 
bra^t, »on ber ©emeinbe angenommen 
unb auf ben Opferaltar ber Hrmut nieber- 
geie^t würbe. $a« »ermbgen ber itirt^e 



aebbrt im ©runbfafe ben «rmen, wirb für 
fte »on bem ©tfcpof »erwaltet, an Tie bur(p 
bie 2>taicnen (f. b.) au«getbeilt. Starben 
biefe in ber X^eovic immer feftgebaltenen 
©runbfä(fe aueb in ber $rari« balb genug 
r<eräufjcrti(bt, t>erna$läjfigt unb »erböpnt, 
fo überfam boa> oou ber kivdtx ber 6taat 
ein ©ewugtfein feiner ©erpfli(ptung jur 31. 
Xaton legen römif(p> ©efe$e fepon au« 
bcm 4. Saprp., baieou toieber bie franfif^e 
©efetjgebung Äarl« b. ©r. BfUß"»« «b mit 
ihrem feitper fiepen gebliebenen ©runbfaQ, 
bafe jebe ©emeinbe ib)cr Slrmen ju er« 
näbren pabe (suos pauperes quaeque civitas 
alito). (Sine fpenftfip fir<pli(pe ;'i bot oor- 
übergebenb bie Deformation, nad> um« 
faffenfcern 3)iaBftäben bie reftaurierte Äircp- 
li^feit unfer« 3aprbunbert« in« l'eben 
gerufen; aber nur ba pat fie ihr innere« 
weept unb tpre Unentbeprli(pfeit }ur öoüen 
©eltung ju bringen termoept, wo bie Äon* 
feffionen iut' autp innerbalb be« bürger* 
li(pen ©emeinwefen« uoep fo febroff gegen« 
überfteben, baß bie Ärmen ber Minorität 
feine billige ©erüdftcP^tiaung erfabren unb 
fomit ber erfimal« wirijam gewefene 9ln« 
trieb («poftelgefcb;. 6, 1) wieber in Äraft 
tritt. €. annerc ««iffton. 8at UMborn, 
3)ie (p^ri|tli(pe ?iebe«tbä'tigfett in ber alten 
Äirdje (1882); 2)ie (priftlicp/ £iebe«tt>ätig- 
feit im Mittelalter (18S4); Na^inger, 
©efeb. ber firtbl. »rmeupflcge (2. fcufl. 
1884). r. 

Htminianet ( 9tem onfiranten), 
Partei in ber reformierten Äirtbe ber lieber» 
(anbe, benannt nad> iprem tb.eologifcben 
©rünber 3afob «rminiu« (f. b.i. 9?acp; 
feinem Xobe trat fein ^reunb, ber ^rebiger 
3op. Uptenboaaert , an bie Spipe feiner 
«npänger. ©egen bic «nftpulbigungen 
ber ©omariften, bie eine ftaatlicbe Unter- 
brüdung ber Ä. forberten, legten biefe 
1610 bei ben ©tanben ber ^rot>in$ .^>ol- 
(anb eine 9{emouftran) (Remonstrantia, 
bab^er Wemonftranten genannt) ein, 
weld)e in fünf «rtifeln unter anbertn er- 
llärte, baß ©ott m>ar ton (Swigfeit einen 
©ef(p;iu6 wegen ber ©eligfeit unb «er» 
bammtti« ber 3)ienfa>eu gefaßt pabe, aber 
mit ber «Bebingung, baß alle biejenigen, 
bie an Cpriftu« glauben, felia, bie Un« 
gläubigen hingegen »erbamtnt fein foüten, 
jowie baß (tyriftu« für alle 3Dfenfcpen ge- 
storben fei, aber nur ber ©laubige bun$ 
feinen lob wirflupe Serfbpnuug unb Ver- 
gebung ber ©ünben erlange. 

2)ie ©egner aber fteüten im folgenben 
3abr eine töontraremouftran} auf (ba(>er 
Äontraremonftranten genannt), unb 
bie gegenfeitige örbitterung wiup> noep; 

3* 



Digitized by Google 



36 



Slrmtmaner — 2lrmut. 



unter ben fof^enben Verhanblungen. ®a« 
her erließen bte 2 taute von §ouanb auf 
ben föatb, be« 9latb«penftonär« Olbenbarne- 
Velb unb be« §ugo ©rottu« (f. b.) 1614 
ein £oferanjebift, worin aller »eitere 
(Streit verboten tt>arb. SDagegen appellier- 
ten aber bie ©omariften an eine ©eneral- 
fonobe. 3b" Stüfce war ber Statthalter 
SWorit} von Oranien, ber nach 9to«bcbnung 
[einer ©ewalt ftrebte, wäbrenb bie %. auf 
feiten feiner politifchen ©ea^ner, Dlben- 
barnefcelb unb §ugo ©rottu«, Rauben. 
3)ie ©eneralfönobe trat ju Dorbrecht 
(13. 9?ov. 1618 bi« 9. 2Kai 1619) unter 
beut VerfttJ 3oh- Vegermann«, eine« ent» 

g[>iebenen Äontraremonftranten, sufammen. 
m berfelben ba« Infeben ju geben, al« 
repräsentiere fie bie ganje reformierte Äircbe, 
^arte man nicht nur au« ben 9cieberlanbcn, 
fonbern auch au« (Englanb, Schottlanb, ber 
Schweis unb Eeutfcblanb eine Schar eifri- 
ger Anhänger ber unbebingten ^räbefti- 
natien berbeigejogen. 2>ie 91. würben 
nicht al« ftimmbereebtigte SWitglieber, fon- 
bern nur jum Vehuf ihrer Verantwortung 
jugclaffen. Vergeben« war benn auch ihre 
Verteibigung burch ben gelehrten (Spifco- 
piu«; bie fünf 9Irtifcl ber 31. würben ver» 
werfen, bie arminianifchen Vrebiger (über 
200) abgefetjt. «1« ortbobore ?ebre aber 
würbe feftgefefct: baß ber feligmachenbe 
©taube olme allen 9Intbeil ber ganj un- 
fähigen Matur ein ©efebent ber abfolut 
freien ©nabe, bie partifalare Srwäblung 
iur Seligteit alfo in feiner SSeife bie Sir- 
fang, fonbern nur bie Urfadbe be«fe!ben 
ei, fotvie baß bie erltffenbe Sirfung be« 
obe« 3efu ftc^> auf bie 91u«erwäblten be» 
fcbra'nfe. 3>te ©eneralftaatcn betätigten 
biefe Vefchlüffe, unb man febritt fefort jur 
91u«fübrung berfelben. 2>er 9catb«pcnftenär 
Dlbenbarnevelb war fd?on 29. 9lug. 1618 
verhaftet worben, er würbe 3um lob ver- 
urteilt unb 13. 9Rai 1619 hingerichtet; 
©rotiu« würbe mit lebenslänglichem ©c» 
fängni« betraft, flüchtete jeboeh- $ie ver- 
triebenen 91. fanben aufnähme beim §erjog 
jjriebrich IV. von Scble«wig-$olftetn, auch 
in (Snglanb unb ftranfreich. Selbft in 
$otlanb warb feit 1620, al« bie politifcbe 
Aufregung fich gelegt hatte unb nicht nur 
bie Elften ber ^orbredbter Stinobe, fon« 
bern auch bie Confessio be« Gpifcopiu« 
in 25 «rtifeln (1621) nebft ihrer «pologie 
(1630) unb ber Äatecpi«mu« Uvtenbogaert« 
er[chienen waren, bie «Stimmung eine 
milbere. 1630 erhielten bie 91. überhaupt 
freie 9teligton«übung jugeftanben. 91n 
ihrer 1634 geftifteten theologifchen Schule 
}U 91mfterbam lehrten herverragenbe Sjtfr 



logen, unter ihnen Spifcepiu« (f. b.), ?im- 
borch (f. b.), (Slericu« (f. b.), ©ettftetn (f. b.). 

Von (Snglanb au« Verbreiteten bie 91. 
jtch auch nach 9torbamerifa, wo fie aber 
m vertriebene graftionen jerftelcn unb 
mm 2 heil bem Vapti«mu« fut juwanbten. 
9lucb in §cüanb fctbfl ift bie anfang« 
blflhenbe arminianifche Äirchengemeinfchaft 
in ihrem äußern Veflanb jurüdfgeganaen; 
e« baben ßch (Slemente vertriebener nrt, 
3. V. ©ocinianifche, mit ihnen vermifcht, 
unb fo entfknben auch unter ihnen oer-- 
fchiebene Spaltungen, 3. V. bie anritrini« 
tarifchen X. 3)ie bebeutenbfte graftton 
aber waren bie rein inbepenbentiftifchen 
Äoll egianten. 3n neuefter £t\t jtnb 
bie fl. Coüanb« mit ben bort ftch bilben* 
ben freien ©emeinben in eine gewiffe 
j$übtung getreten. 3)ie Verfaffuna ber a. 
tft nach ber Äirchenorbnung Ubtenbogaert« 
eine fehr einfache. SDic Jeitung ber ©e= 
meinfehaft fleht bei ber r miete, welche au« 
ben 91bgeorbneten fämtltcher ©emeinben 
mit ben ^rebigern unb einem ^rofeffor 
be« Seminar« befteht; bie laufenben ®e- 
fchäfte in ber 3*vifchen3eit beforgt ein &u«- 
fchuß von fünf aKttgltebern. Vgl. Regen- 
bö og, ©efchichte ber 9?emonfiranten (au« 
bem $oUanbifchen 1781—84, 2 Vbe.). z. 

Stntiniu&, 3a tob (eigentlich $>ar- 
menfen), Stifter ber Slrminianer, geb. 
1560 3U Oubewater in Sübhoflanb, ftu- 
bierte 311 Heiben, hörte 1582 in ©enf Veja 
unb befuchte 3talien unb 9iom. 1587 nach 
9(mfterbam 3urütfge!ehrt, Warb er im 
I folgenben 3ahr al« ^rebiger bafelbft an- 
geftettt. Xa bie hottänbtfche Äircbe ba- 
j mal« burch eine Streitfrage über bie ^3rä- 
beftination erregt War, ob fte nämlich 
nach Calvin al« eine abfolute ober nur 
1 al« eine bebingte auf^ufaffen fei, fo be- 
auftragte ber Äirchenvorftanb Ä. mit ber 
! SEBiberlegung ber Schriften eine« Saicn, 
tarnen« Äoornhaert, be« §auptvertre* 
ter« ber letjtem fcnftcht. Unter ber Arbeit 
würbe aber 91. für bie milbere 31uf- 
faffung gewonnen unb gerieth, 1603 al« 
'ißrofeffor nach ?eiben berufen, 1604 mit 
I feinem Äoüegen ©omaru« in Streit burch 
bie Behauptung: ©ott habe von Cwigfeit 
| ba« Scbicffal eine« jeben beftimmt, weil 
er ben ©lauben be« einen unb ben Un« 
! glauben be« anbern vorhergefehen habe. 
Sin 3Wifcben ben beiben (."egnern 1608 
veranftaltete« ©efpräch legte ben Streit 
nicht bei. 91. aber ftarb vor beffen Cnit* 
fcheibung 1609. %. 

ftrinut, ein relativer Vegriff (Sprüche 
13, 7), ber im gewöhnlichen Spracbge- 



Digitized by Google 



Hntautb — Entölt ton JÖreScia. 



37 



brauch einen fanget an Eigentum, im 
ftrengern ©inn ben Langel an ten nötig« 
ften ?eben«bebürfniffen unb ben 3Ritteln, 
fte ju erwerben, bezeichnet, a r eiwillige 
A. galt bereits in frühen Seiten ber 
Ariüiicbcn .Kirtbe für tocrbienftlicp unb not« 
wenbig ju höherer »ollfommenbeit , mit 
Berufung auf SWattb- 19, 21. Später 
übemabmen e« bie 9Kb"nche, biefe Uber 
baS $ur<bfchnittSmafj ber geforberten ©itt« 
liebfeit binaudgebenbe 2 cito am ebriftlicben 
JebenSibeal bar}ufteUen ; jebeS in einen 
geifllid)en Orben eintretenbe 3ttitglteb mußte 
rem nach burdj ein ftfrmlicbeS Armut«» 
gelübbe für feine ^erfon bem »efty 
aller jettlicben ®üter entfagen, unb bie 
fogen. ©ettelmbncbe (f. b.) tc bitten biefe 
©erjichtleifhing felbfl auf bie Älofler&ereine 
aus. h. 

• Arnaulb, Antoine, f. 3anf«m#mu#. 

Slrnb (Arnbt), 3obann, e&ang. 
Sbeolog, geb. 1555 \u ©aüenftebt im An» 
balttfchen, warb 1581 2)iafonu« in »allen» 
ftebt, 1583 Pfarrer ju »abeborn. $ier 
wegen feine« ©iberflanb« gegen bie Ab» 
febaffung be« ßroniSmuS abgefegt, ging 
er als ^aftor 1590 na* Oueblinburg, 
1599 nach »raunfebweig , 1608 nach Cis» 
leben, bi« ibm 1611 bie ®eneralfuper« 
intenbentur w (Jefle übertragen würbe. Ä, 
ftarb bier 1621. Abgeflogen fcon bem un< 
etoangelifeben (Seifle ber meiflen Xbeolcgen 
feiner %tit, führte er bie 9teligion im 
©inn ber alten »clfstümlichen ÜTOpfrif auf 
ba« $erj unb ba« l'eben jurücf unb warb 
ein ?ebrer „t>om inwenbigen SHeich ©otte«". 
©eine asfetifeben ©Triften ftnb baber noch 
ietst beliebte (SrbauungsbUcber. »efonberS 
gilt bie« toen feinen ,,»ier Büchern üom 
wabren (Sbriftentum" (?uerfl 1605, feitbem 
febr oft in Xrutf erfebienen unb fafl in 
alle europäifchen ©brauen überfcöt). $afl 
gleichen 9tuf erlangten fein ,,$arabtes» 
gärtlein »oller cbrifllicben lugenben" (juerfl 
1612) u. a. (Sine @efamtau«gabe feiner 
©ebriften erfäien 1734—36, 3 «be. »gl. 
R. Arnbt, 3obannA. (1838); $erfe, 
De Job.. Arndtio (1852); Slitfchl, @efcb. 
be« Jieti«mu« (2. »b., 1884). i. 

ArnobtuS (ber ältere), SRbetor 
m ©icca in 92umibien um 300 n. (Ehr. 
befämpfte ba« fibriftentum ; in gotae eine« 
Xraumgefuht« (Jbrifl geworben, febrieb er 
balb nacb ber 2)ioflettanifchen Verfolgung 
feine noch erhaltene Apologie „Disputa- 
tiones adversus gentea" (herauSgeg. »on 
9feifferf(beib, 1875). »on ü)m }u unter« 
fäeiben ift A. ber iüngere, ein femi- 
pelagianifcber Sircbenfcbriftfteller unb »ifajof 
in ©allien um 450. «. 



I mb- 
; fein 
r Äir» 



Btnolb, 1) © o 1 1 f r i c b , (utber. J luv 
log, geb. 1666 \n Annaberg, warb 1697 
Jrefeffor ber ©efäufye in ©ießen. 3 U 
Bresben fdjon früher t>on ©pener ptetiftifch 
angeregt, al«bann in Dueblinburg einem 
mbflifcben ©eparatiSmu« jugefübrt, legte 
er 1698 feine ^refeffur nieber. DeQ an- 
berte er feine Änfttbt wieber, warb §of- 
prebiger ber »erwitweten ^enogin »on 
©atbfen • öifenau) in «Uftebt, 1705 ^Jre- 
biger ;u ©erben, 1707 in Berleberg, wo 
er 1714 fiarb. 11. oerfafjte mehrere 
ftifdje ©tbriften, autb geiflli(be Vieber; 
^auptwerf aber ift bie „Unparteiifcbe 
eben« unb Äe^erbifloric" (befte Ausgabe 
1740 — 42, 3 8be.), worin er ben 
Äefcern ein ©treben nadj wabrem dbriflen» 
tum uifcbrieb unb ibre Sere^tigung bureb 
bie Mängel unb Ausartung ber Stirpe 
naebwie«. »gl. Dibeliu«, ©ottfrieb A. 
(1873); 5 1 6 x i n g , &. Arnolb al« Äira>en- 
biftorifer (1883); RitfAt, ®ef4 beS 
Pietismus (2. »b., 1884). 

2) Xbomas, ein für baS fir^ltcbe 
8eben unb baS (Srjieb.ung«wefen Snglanb« 
b^o^wiebtiger SPlann , geb. 13. 3uni 1795 
ui <Sowe« auf ber 3nfel föigbt, flubierte 
tn SDiancb^efter unb Offorb Ideologie, um 
)unäa)fl al« Sftentor ton ^ribatjb'glingen, 
bann al« »orfteber ber öffentlichen ©<bule 
in 9tugbb )u Wirten. Ausflüge auf ba« 
^eftlanb näbrten in ibm ben ©inn für 
beutfa>e ?iteratur, ben er als Bearbeiter 
oon 9tiebubrs römifeber ©efeb^ic^te (»»History 
ofRome", untjoüenbet, 1846—49,3 ©be.) 
betbätigte. Gr würbe einer ber älteflen 
unb tlarßen Vertreter ber breitfircblicbeu 
Partei unb entfebiebener Oegncr be« ^Ju- 
febismus. 1841 übernabm er bie $ro- 
feffur ber ©efebitbte ju Orforb, ftarb aber 

Kon 12. 3um 1842. »gl A. ©tanleb, 
fe and correspoodence of Thomas A. 
(8. Aufl. 1858, 2öbe.; beutftb" bearbeitet 
toon fceinfe, 1846); 3injow, Ü^omaS A. 
(1869). z. 

arnolfc »Ott »tfödtt, ©c^Uler Abä- 
larbs, fuebte in »reScia bie Ätrcbe, ins« 
befonbere ben äteru« burd) feine gewal- 
tigen ^rebigten jur apoflolifcben (Sinfac^^eit 
wild^iTübven. ©eine Sebre, bap bie 
©eifllicb^teit befi^lo« fein, t>on freiwtttigen 
©efebenfen leben foüe, Warb auf bem 
Sateranfonjil 1139 »erbammt. @r ging 
nacb^ $rannreicb, ton ba in bie ©$mei), 
tebrte um 1145 nacb 3talien mrUd unb 
begann nun in 9tom fefbfl auf 2o«löfung 
9(om« oom $apfl unb auf SieberberfleUung 
ber alten repub(itanifd)en Freiheiten hin* 
juwirfen. 2)a« toon ^abrian IV. 1155 
üb« Horn »erhängte 3nterbift bewog bic 



Digitized by Google 



38 



«rnotoiften — Slffemani 



Wanfelmtttigen 9f Unter, ben »om ^Jat-ft 
gekannten % au« ibren 9Kauern »er* 
jagen. Ör fiel in bie $8nbe be« Äaifer« 
ftriebridj ©arbaroffa, ber ibn btn Äarbi- 
nalen ausliefert«. 1155 würbe er aufge- 
hängt, fein ?etcb/nam toerbrannt. 3n Ober» 
itattett bintertieß er einen jabtreic^en ftn« 
bang (Ärnotbiften). Sgl. ©iefebrecbt, 
%. t>. ©. (1873); »onet-#£auri?, A.deB. 
(1881); «ongbi, A. de B. (1885). z. 

9tno(biften, f Hniolb »on »reflcta. 

Slrtemon (aua) Hrtema«) lohne im 
Anfang be« 3. 3abrb. nad) bem ©organg 
be« von ©tyjanj imcb Stent gefommenen 
Xbeobettt« einen blofj menfAlkpen &"brifru« 
nnb bebauptete, biefe Slnficbt fei vor bem 
©ifdjof £epbvrinu« con SRom (199—217) 
in ber ihr die bie allgemeine gen>efen. Sie 
Krtemcniten ober Shrtemonianer tocr- 
fcb>anben nod) im Sauf be« 3. 3abrb- i 
Smeuert würbe ibr 9tnbenfen, al« @a* , 
muet Crett 1726 unter bem Warnen «. 
bie ©ottbeit (Sbrifti angriff, »gl. «b. 
$ a r n a rf , Sebjb. ber 2)ogmengefd^. (1. ©b., 
2. Stuft. 1888). z. 

ffrtifet, bie 3 ober 12 apofloli- 
fdjen, f. Vpoflolifc^r« ©laubrn«bertnntni«; bie , 
loraauer 9t. , f. «ug«butflifdK Äonftfflon ; 
bie 39 f. *n 8 ütantftf)t Äit^e; bie galt t- 
t a n i f <ty e n 91., f. ©oaitaniemu«. 

SlfttrjO, f. Etd Wannet im gtuetofen. 

«fttff l, f. Serfö$m»n ß «fe1t 

Bfdjera unb SlftQrte (3tfd)toret), 
jwei im Eliten Xeftament nebeneinander 
bergebenbe Warnen für bie weibliche ffir» 
gä'njung be« ©aal. ©äbrenb bie flaffifcfcn 
Duetten nur bie jungfräuliche, ber Beugung 
feinblicb>, Ärieg«gßtttn Stftarte temten, über« 
wiegt im ältern Z1)t\l ber jübifeben ©etyiebte 
ber Warne %\tyxa, jugleta) ba« in etnem 
©aumr-fabt beftebenbe ©tjmbot ber ©ottin 
ber ftrucbtbarteit bejetebnenb. 3b.r Äult 
Mühte unter ben füblicbeu Äanaanttern, 
war mit wilben finnlicben 9lnefcb>eifungen 
»erbunben unb ift ooüftänbig erft burd) 
Sofia« unterbrüeft worben. n. 

&fdjermirtt»of$ («f Vertag), ber 
SRittttjcdb) nad) bem ©onntag CftomtbJ, ber 
erfte Xag ber großen haften, fo genannt 
bon bem in ber fatbolijcpen Mircbe an tiefem 
2ag üblichen ©ebrauty be« ©eftreuen« be« 
Raupte« mit «febe jum 8«cb>n ber ©ufje. 
(5« wirb bie Stfdje t>on ^almen unter ©e» 
bet mit Setywajfer unb 9Jäuü)erung ge- 
treibt nnb t>em $rtefter unter ben ©orten : 
„Memento quia pulvis es et in pulverem 
reverteris" („©ebenfe, baß bu 3tfa)e btft 
nnb wieber ju 9tf<^e »erben wirft") ben 
einjeln niebertnieenbe« ©ISubtgcn auf ba« 
$aupt geftreut. «. 



StSfefe (grieeb.), eigentlich Hebung in«- 
befonbere bte ent^altfame Seben«wetfe ber 
arietb;ifcben «tbleten jur ßrb.a(tuug ber 
Kraft nnb ©ewanbtb^eit, bereutet, auf ba« 
ftttlicbe ©ebiet übertragen, fo»iel wie Snt- 
baltung t>on finuiidien ©enüffen, (Snütung 
be« gleite« jum $mtd ber geiftlie^en 
©ottfommenbeit. ©al. 3 «5 c! ler, Äritif^e 
©cfcb;icb,te ber 31. (1863). z. 

SUKt (griccb;.), ein ber *«!efe (f. b.) fi$ 
©ibmenber, ©üßer. ?t « ! e t e n (conünentes, 
agonistici) werben feit SKitte be« 2. 3abrb- 
biejenmen Sbnften genannt, welcbe ficb be« 
©enuffe« oon ©peifen bur^ bäufige« gaften 
entbalten, nü$t ebelieb^en ober ben ebelidben 
Umgang aufgeben, ibr ©ermögen ben Fir- 
men »erfebettfen. Sie waren jebodj no<$ 
nid)t bureb; ein tmwiberrufliä)e« ©elübbe 
jur leben«längli(ben ßntbattfamleit t-er- 
pflitbtet. ©alb tbaten fte fub; mit ben ?l«» 
lerinnen, ben fogen. virgiiies, jujammen, 
um mit tynen al« sorores ben fleifcblicben 
©erfuebungen ju wiberfieben. ©egen ibre 
fittlitben 'fluöfc^reitungen traten ftbon 
©ifebbfc unb €t?noben be« 3. 3abrb- auf. 
Siner ber bewunbertften 2l«teten war 
^ierafa«, ber um 300 ju Seontopeli« 

in Äeg^btcn lebte. 6. «na^oteten, eremit, 
Älofter. z. 

Mtltit. Üebre »on ber ?l«fefe (f. b.). 

Ä«mobt, ber im ©ueb Xobia« »er» 
tommenbe (Sbeteufet, im Xalmub mit bem 
@atan ibentifijiert. ir. 

51 fTctnaiti, eine ^amitie linierter 3)ia- 
ronitett, au« ber bte fotgenben bier be* 
rühmen ©etebrtett b«r*ßfg«gangen finb: 

1) 3ofef Simon, geboren 1687 $u 
Iripoti« tn ©prien, flubterte im SWaro» 
niten«Äottegium ju Wom, ftarb bafelbfi al« 
Äufio« ber öatitanifeben ©ibtiotbet 1768. 
©etne ^auptf^riften finb: „Bibliotheca 
OrientaUs Clementino - Vaticana- (1719 
bi« 1728, 4 ©be.); „Kaiendaria eedesiae 
universae" (1755, 6 ©be.)j „ Script < »res 
historiae Italicae (1751—1753, 4 ©be.). 

2) Sofef «tobfiu«, ©ruber be« ©ori- 
gen, geboren 1710 $u Ztxpeüi, geftorben 
at« «ßrefeffor ter fbrtftb^en ©toracbe ju Äom 
1782. 2)a« berübmtefte SBerf be«fetben 
ifl : .Codex liturgicus universae ecclesiao u 
(1749 — 1766, 13 ©be.). 3) @ t e } b a n 
Stoobiu«, geboren 1707 )u Xripcti«^ 
flarb 1782 al« Grjbif^of öon «pamea (in 
partibas) unb at« Äufte« ber öatifanifcb,en 
Öibtiotb.ef. ®r ift ber ©erfaffer ber «Acta 
Sanctorum Martyrum orientalium et 
occidentalium - (1 < 48, 2 ©be.). 4) © t m o n t 
geboren 1749 ju Iriboli«, geworben at« 
tJrofeffor ber erientalifeben ©prägen am 
©eminar jn ^abua 1821. «. 



Digitized by Google 



Assistentia passiva — Slt^anafiuö. 



39 



Assistentin passiva te« ^ricfter«, 
b. 1). bic ©cgenroart be« ^rieftere bei ber 
Shcfdjliefjung bie« »ur Zunahme ber (Sr> 
flfirung ber Brautleute ohne irgenbroeld»e 
fcgenfpentente SKitroirfung tefifelben, warb 
teil ber fathelifdjeu £ird)c in folgen ftäüeu 
für bie Irauung (f. b. i jugelaffen, in rocld)em 
bei 2tbfd)lufj ton gemifd)ten eben ba« iflcr 
fpredjen ber (Srjiehung ber Stinter im fatbo- 
lifdjen Glauben nid)t geleiftet roirb. z. 

Äffarien, gried)if<b>ri>m. Manie für ba« 
Äffur ber «Bibel. 80 b. ie§ ber bem heu- 
tigen Äurbißan entfpredjcnbc obere Z\)tH 
ÜÄefopotamien«, beffen uralte Äultur eng 
mit berjenigeu ©abplonien« >ufammenb.ing / . 
iic biblifche Sage ton Mimrcb, ber mit 
bem 9Jinu« ber flafftfcben SchriftfteUer 
ibentifcfc ifi, lägt ta« aftyriföe Weltreich 
urfprilnglidj ton Babel ausgeben, um e« 
fpäter aiut roieber in ein babpleuifcte« 
neb auflöfte, nad)bem e« juber bem alten 
9?ei$ 3«rael fd)on feit %i;abe Briten (ebene* 
gefährlich geroorben mar. ?efetere« enbete 
722 mit einer affprifefen ©efangenfebaft, 
nrie 130 3ahrc fpäter ba« jübifdje 9teid> 
mit einer babtylenifcften. Vgl. Rommel, 
%bri§ ber babi)lonifch«affvrifcf>en ($efd>id)te 
(1880). h. 

äftttttf, f. «fdiero. 

SWtruc <»'ur. 'Mit), 3ean, 2)eftor unb 
fyrofeffor ber ÜKebijin in $ari«, geb. 1684, 
g/ft. 1766, lief} 1753 ju »rüffel bie „Con- 
jectures sur les memunvs originaux, 
dont il paroit que Moyse s'est servi pour 
composer le livre de la Genöse" erfd)ei* 
nen, rooburd) er, ben Unterfd?ieb einer elo-- 
hiftifeten unb einer jehetifHfdjen Cueüe 
erifennenb, jum Vegrünber ber neuem 
Äritit be« ^entateud)« geroorben ift. z. 

Äf^l (griedj.), ein uuterletjlid)er, beiliger 
Ort, ber ben Verbrecher tor ber fofortigen 
Statte fd)üfct. 3m alten Xeftament roarb 
ba« %. in fed)« Slfolftätten nur benjenigen 
SPWrtern gcroährt, btc au« Vcrfehcn getötet 
hatten (4. SWof. 35, 13 ff.). $en d)rift' 
iid)en Äird)en rourben ton ben Äaifern 
and) umfaffenbe%f^(red)te erteilt; au6' 
gefd)loffen roaren ton biefem Vorrecht, fid) 
tn bie Äirdjen fliid)ten \n fönnen, burcp 
3uftinian bie 2Wi$rber, (Shebrcd)er unb 
3ungfraucnräuber. Tie Äircbe l-at bann 
ferfrft feit tem 13. 3ahrb\ Strafjcnräufcer 
jc. tom 31. au«gefdjloffen; ba« Hfalredjt 
ift icut faft überall aufgehoben, z. 

Sltbalja, Stenigin von 3uba, Xod)> 
ter be« ft'dnig« 91b. ab ton 3«rael, ergriff 
nad) bem Xeb ihre« Sehn«, be« Äenig« 
HhaSja ton 3uba, bie 3ügel ber Siegle- 
rung, intern fie uigleid) ba« gauje (dniglid)e 



| ®efd)led)t certilgte. Jim ber einjährige 

| Sehn Slha«ia«, 3oa« , mürbe gerettet unb 
in Verborgenheit ton bem Cberpriefter 
3ojaba auferjogen. 92ad)bem 91. fed)« 

j 3ahre (ang bie verrfd)aft behauptet hatte 
(ba« einjige ©eifpiel einer roeiblicben 9?e« 
gterung bei ben Hebräern), rourbe fie burd) 
eine Berfchrob'mng ber ^rie^er unb 3ahte- 
biener, bie ben Heinen 3oa« auf ben Xhron 
beb, geftürit unb getbtet, frübeften« 878, 
roahrjd>einlid)er erft H37 t. Öhr. ». 

^Itlinnaüanifdico Wlauben^befenut 
nii (Sjrmbolum Athanasianum ober, 
nad) bem 9lnfang«roort , Symbolum Qui- 
cunque). S« enthält in frbarf unb be« 
ftimmt auegefprorbeuen Xhefeu unb Äntt- 
thefen bie orthobore Jebre ton ber £rei* 
einigfeit unb ber aWenfdjroerbung Öotte«, 
wie biefelbe auf (S*ninb be« Ston^il« ^u 

1 (Jhal'ebon (451) im $benblanb au«gebiltet 
rourbe. 6« rührt alfo teine«faU« ton 

I SUhanafiu« \)tx , gibt aud> beffen ?ehre 
teine«roeg« genau roieber unb ift Übertie« 
in lateinifdjer €pratbe abgefaßt, l'iit 
\2irberheit jum erftenmal genannt finben 

| mir e« bei Cäfariu« ton 3lrle« f. b.) im 
6. 3ahrh. fteüt bie Xrinitätdlebre im 
(?luguftinifchen) @inn ber abeubläubifcben 
xirche feft. Xit gried^ifebe Äird>e terroarf 
e« in ihren (Streitigfeiten mit ber latem; 
(eben, lüon ben proteftantifchen Äird)en 
mad;t nur bie anglifanifd)e einen litur* 
gifd)en (Gebrauch ton bem Symbol, z. 

% & tbnnaftufc, Aircbentater mit tem i*ei 
nameu te« „Großen" ober te« „Katers 
ber Orthotorie", roar al« Xtafon be« 
aleranbrinifd>en ©ifrbof« ?lleranter fdjon 
auf ter Sljnote ju Wicäa 325 tie Seele 
ter tort fiegreichen Partei geroefen. Seit 
328 bi« ju feinem 2. v JNai 373 erfolgten 
lob ftanb er al« Nachfolger Hleranber« 
auf tem S8ifd)efftuhl an ber Spifte tiefer 
Partei, fünfmal tertrieben, brachte er 
gegen 20 3al)re in ter Verbannung ju, um 
aber ftet« roieter jurüduifebren unb entlid) 
(feit 366) fiegreid) ba« Jelb ju behaupten, 
©eine jahlreid)en Schriften finb roie fein 
Ceben ter SJerteitigung ter $>omoufie ge» 
roitmet, ohne roeld)e er fid> feine Grlbfung 
tenfen fonnte. €. «nanif^ct Cttett Seine 
fßerte, unter tenen befonber« tie „Apo- 
logia contra Arianos" unt tie „Oratio- 
nes IV advereus Arianos" ;u nennen 
finb, gaben 2Kontfaucon (1698, 3 Sßbe.) unb 
TOigne (Patr. gr. T. XXV— XXVIII) her« 
au«; fein Veten hat iulefct S?b*hringer be» 
fchrieben : „% unb »rut«* (2. ftttfl. 1874). 
Vgl. atjb erger, Xie Sogoeiehre be« 
heil. % (1880) ; U e 1 1 , tie t'ebre be« flthan. 
t. t. Sünte unb Srliffung (1888). z. 



40 



Satjeismu« — Slufcrftc^ung. 



Ätbeißmug , tobe ba« Dafein einer 
©ottbeit leugnenbe ober ignorierenbe Seit* 
anfd»auung. ©ebon bie alten «pologeten 
battcn fiel) gegen ben 93orrourf be« 31. ju 
öerteibigen, meil ben Reiben ein unftd»t« 
barer, btlblofer ©Ott fo gut mic fein ©Ott 
ju fein febien. h. 

21 tbenagorae, altcbriftl. 3lpologet, über- 
gab um 177 beut Äaifer SDiart 3(urel eine 
,,©cbutjfd>rift für bie Cbriften", bie ft<b 
gleich feinem SBerf „lieber bie Sluferftebung 
ber loten" erbatten bat (julefct berau«geg. 
toon jOtto, 1857). z. 

Ätbioptfcbe .Hircfie, ögl.abeffimfdKÄtrd>e. 

Stthee, ein Vorgebirge auf ber ma* 
febonifeben §albinfel (Sbalfibife, ifl ber 
©ifc einer großen ©emeinfebaft toon 20 
Älöftern, beren ältefte« im 9., beren jüng* 
fie« im 16. 3ab^b- gegrünbet ift. ©te 
ftanben unter etnem Oberbaupt, Protos 
(grtetb.) genannt ©ä'brenb ber Äreuj» 
jüge mußten fie fid> bem römifeben $apft 
aeittpeifig unterwerfen. 3n ben 3ltbo«« 
Heftern mürbe bie areopagitifebe 0)lm\t 
eifrig gepflegt, bie im 14. yabrb- ju ber 
SBilbung ber ©efte ber §efo(baflcn (f. b.) 
fübrte. Unter türfifdber fcerrfebaft bilben 
fie jefet eine Slrt 9Kön^«republir, bie einen 
jabrlicben Tribut jablt unb öon einer 
Delegation aUer Sil efter, bie ftcb jäbrltcb 
erneuert, geleitet mirb. et. 

Attribut (lat.), eine aus roefentlicben 
SDierfmalen eine« ©cgenftanb« folgenbe 
begriff «befiimmung; in ben SBerfen über 
grietbifd>e SWptbologie unb Äunftgefdncbte 
beißt 31. ba« flebenbe ©innbilb einer ©ott- 
beit, 3. S3. bie Cule ber ^ßalla«; in ber 
cbriftlit^en Dogmatil ftnb Attribute me* 
fentlicbe (Sigenfcbaften ©otte«, mie 301= 
maebt, Groigfeit jc. @. ©ort. h. 

Zutritten (lat., ,,ba« Slneinanberreiben 
jroeier Äörper, Betreibung, 3erfnirf<bung") 
bejeidmet im römifc^^atbolifcben Jebrfbftem, 
im ©egenfafe jur Äontrition (contritio 
cordis), bie mangelbafte Bleue , roeldje bie 
©ünbe nur baßt unt ber tb v angebrobten 
©träfe mitten, alfo au« gunbt t>or ber 
©träfe, aber ju Slbfolution binreid»enb ift, 
meil fte bie oottfommene dient erfefct, 
menn fie ben Sorfafe ber Sefferung niebt 
au«f(bließt. r. 

Sluberlen, Äarl 3luguft, proteft. 
Xb«oI<>9/ Qefc- 1824 ju gettbad) bei ©tutt« 
gart, ftubierte feit 1841 in Bübingen, 
mürbe 1849 Repetent am tbeologifdjen 
©tifte bafelbft, 1851 «ßrofeff or ber Xbeologie 
ju ©afel, roo er 1864 fiarb. ©eine 
©tbriften : „Die 3:^eofo»>^te Oetinaer« nacb 
ibren ©runbjUgen" (2. 3lu«g. 1859), „Der 
^ropbet Daniel unb bie Offenbarung 3o« 



banni«" (2. Raff. 1857), „Die g'dttlicbe 
Offenbarung" (1861—64, 2 «be.) vertreten 
ben unbebingten 3nfpiration«glauben im 
©inn ber Dpcofopbie. z. 

Äubitttiet ( 31 u b e a n c r) , bie Hnbä'n» 
ger be« 3lubiu« ober Ubo au* iWefopo» 
tamien, ber, megen feiner 3lnjjriffc auf 
ba« roettlicbe Dretben ber ©eiftluben au« 
ber Äircbengemeinfcbaft au«gefa)loffen unb 
nacb ©fbtbien »erbannt, ftd> um 350 
einer febmarmerifdj • a«letifcben SRiffton«* 
tbSrigfeit beigegeben \u baben febeint. 
©einer balb erlof(benen ©ette mürben 

rober 2tntbrobomorbbi*ntu« unb fluarto« 
bejimanifebe <prari« »orgemorfen. 1 

Audientes (lat., 㤚renbe"), bie erfle 
Älaffe ber Äatecbumenen (f. b.), meldte 
beim öffentlichen ©otte«bienft flebenb bte 
^rebigt unb biblifeben ©orlefungeu an« 
boren , aber ni(bt bem barauf folgenden 
Äbenbmabl betmobnen burfte. Sluä) 
bießen fo bie im jmeiten ©rabe ber Äir= 
cbenbuße ©tebenben, meil fte mit bem 
toorigen gleicb befebranft maren. ©. 8b|« 

flationen. z. 

21 u f er fte b u n fl (31. b e r % 0 1 e n , %. b e « 
Seibe« ober gleifdje«, lat. Resur- 
rectio mortuorum), bie bereinftige SBie« 
berberftellung be« im £ob aufgelöflen 
SWenfcbentörper« unb feine ©icber&er» 
einigung mit ber ©eele )u neuem, un- 
ftcrblicbem Ceben. Die ?ebre öon einer 
folgen 31. ftnbet ftd) meber im abenblä'n* 
bifc^en $)eibenrum noeb im ä'Itern 2Ho* 
fai«mu«, mobl aber im s ^arft«mu«. Ibotl^ 
unter ben (Sinflüffen biefer Vorftcttung, 
tbeil« al« &onfequenj be« ©lauben« an ein 
jutünftige« mefftanifebe« ^eic^ bilbete ftd) 
bie Sebre be« fpätern Subentum« ton ber 
31. au«, beren erfle ©puren fuf bei ben 
^Jropbetcn (3ef. 26, 19; ^>efef. 37, 1 ff.) 
finben, unb meiere befonber« r>on ben 
^ßbarifäern gepflegt mürbe, bie fid) ein fünf« 
tige« Seben nur al« Sieberberftellung unb 
31. be« Seibe«, ja be« gleifcbe« toorfieüeu 
fonntem 9lu« bem ©d>eol (^>abe«, Unter« 
weit, Dotenrcicb) mirb ber SWeffta« ju* 
nädjft bie 5^°ntmen ju neuem feben b<r* 
üorrufen; bann f ollen, einer meiter ent« 
micfelten, aud» Offcnb. 20, 5. 12 f. öer« 
tretenen ?cbrmeifc jufolge, nadi bem mef« 
ftanifdien SRcidt) eine }meite allgemeine 31. 
unb ba« ©eri$t folgen. Da« ©robfiun* 
litbe an biefer Sorftettung«meifc tfl ge- 
weigert in ben 9»obammebani«mu« über- 
gegangen. (Sine anbre unb neue $ebeu« 
tung erbalt bie Sebre toon ber Ä. im <&"bri« 
ftentum (»gl. 1. Äor. 15), mo fte mit 
ben ©ebanfen be« emigen Seben« unb 
be« Heid?« ©otte« öerfnüpft unb burd) 



Digitized by Google 



ftuferfter/ung — ^ufttärung. 



41 



bie 91 (Sbriftt eingeleitet unb »orgebil« 
bet wirb. Sefetere anlangenb ge^>en jwar 
bie neutcftqmentlidjen ©ericb> ntc^t blo« 
in ©ejug auf bie einjelnen Momente be« 
änderen Hergang« (erft grauen ober ^Je« 
tru«? in 3erufalem ober in ®aliläa? 
ein ober jmet Cfrtgel?), fonbem au$ in 
©ejug auf bie ganje 9Ut unb ©eife, in wel- 
ker ber betreffenbe ©organg ft<$ in ber 
©orfieflnng ber ©c^rififteHer wteberffcte« 
gelt (einfache gcrtfefeung be« frübern 
üetbe«leben« ober »erfla'rte« 2>afein? be« 
faßbare ©irflicbfeit ober momentane« 
§ereinf Sweben auf böbercr 2)afein«fbbäre ? 
finnlicbe Äb^ercebtion ober »iftonä're« 
3nneroerben ?) [o weit unb fo wiber» 
f*rucb«i>olI au«etnanber, baß man in bie« 
fer Scicbtung bie 91. ba« bunfelfte partum 
im ganjcn ©eftcbt«felbe ber neuteflament« 
liefen 8$riftfteüer nennen fonnte. 91n« 
bererfeit« ailt toon tbm 1. Äor. 15, 11, 
unb ift gefcbi^tlic^ nickte gemiffer, al« baß 
bie Styoftel unb bie altefte Gbrifienb/it bie 
91. 3efu niebt bloß geglaubt, fonbem au$ 
ibre <ßrebigt unb bie neue SReligien«ge< 
meinföaft auf ba« fefte gunbament biefe« 
©tauben« geftettt baben. 2)ie ©erföieben« 
beit ber ©über aber, welche fcb>n ba« 9?eue 
5teftament »om l'eben be« Kuferftanbenen 
entwirft, ent(öric$t ber ©erföiebenbeit ber 
©orfteöung, tn weiter ber ©laube an bie 
91. überbaubt im ©ewußtfein ber ^t\U 
genoffen begegnet. 3m Sur$fq>mtt 
nämltt$ fcbltefjt ftcb bie cbrifUi$e ?ebrmeife 
an bie bbarifa'tfcb * iübiftbe an, wä&renb 
bagegen $au(u« von einem l?immlif<ben 
9luferftebung«leib fprt$t, $u bem ber gegen« 
wartige in bem ©erbaltnt« be« ©aatlorn« 
jur *Pffan|e ftebe. 3n ber Sebrentwtcfelung 
ber $riftfid)cn Äir^e treten mit ber 3*" 
brei »erf<$iebene ©runbriebtungen auf, 
auf welche neefc jefet alle bie jablreic$en 
bbilofotobtfäen unb tbeologifdjen ©erfuebe, 
ben 3nbalt biefer Sebre näher ju begrün« 
ben, jurüdgefübrt werben fonnen. 2>te 
einen, an ibrer ®pit}t bie ©noftifer, 
laffen jebe Kberlidje 91. fallen unb balten 
nur bie Unauf(ä«fi$feit alle« wabrbaft 
geifitigen ?eben« feft. <5« fallt bafcer bte 
91. jufammen mit ber ffiiebergeburt ober 
fonfhuie mit bem Eintritt be« fytytxn 
©elbfibemußtfeine im SWenfdjen. 3&nen 
gegenüber fteben Diejenigen, welche eine 
wirfliebe 91. be« ?eibe« annebmen, fo baß 
ber 9Tuferftebung«leib ibentifö mit bem 
jetjigen, aber eine »erbefferte gorm be«« 
felben fein [»II. 2)iefe urfbrüngli<$ juben» 
cbriftlicbe SReinung ift bureb lertutlian, 
§ieronümu« unb «uguflinu« in bie Äir« 
$entefcre Übergegangen unb fcat in ben 



©orten „91. be« ^leiföe«" im aboftolifcben 
©lauben«befenntnt« eine jömbolifcbe Äfft 
ftcüung erbalten. 3)ic bntte, im ©runb 
feben bon Origene«, neuerbing« »on ein* 
jelnen Ibeologen, wie 9tetbe, vertretene 
3nf$auung gebt bafcon au«, baß ber wir!« 
fame (Seift niemals eine« fbrberlitben 
Organ« entbebren fenne, läßt baber bie 
toouenbete ^ßerftfnlicbfeit eine neue, ber» 
aeiüigte Vciblict-feit wiebergewinnen. Sie 
Äonfequenj biefer Sluffaffung ift bie ©e« 
ftbränfung ber 91. unb be« jfcortleben« 
übertäubt auf bie geiftig gereifte SCRenfc^beit; 
bie neuerbing« fo genannte „bebingte Un- 
fterblit^feit". h. 

Aufgebot (^rotlamation). 3m 
9. 3abrb »erlangten bie fräntifcben ©efetje 
jur ßrforftbung ber (Sbebinberntffe ein %. 
be« ©rautöaar«; biefe ©efttmmung erbob 
ba« Jaterantonjil »on 1215 ju etner für 
bie getarnte Äircbe gültigen, unb fie warb 
Dom konjil ju Xribent erneuert. 3)a« 91. 
foü nacb ben ©eftimmungen ber latbo* 
lifeben Äir<be an brei aufeinanber folgenben 
gefttagen gegeben, wäbrenb man ftcb in 
ber et»angelif<ben Stixty mit einmaligem 
fL begnügt. 3nfolgc ber 3* ö »^fl" un 9 
bat ba« 91. tebigli$ ben <£bata!ter einer 
9lufforberung ber ©emeinbe jur gürbitte 
für ba« ©rautpaar erbalten. z. 

ftuffldrung, ©tübwort für ba« lei- 
tenbe $rinitj>, welche«, na^bem e« feinen 
@ang burcp Önglanb aema<bt unb ftcb be« 
reit« ber franjöftfäen Literatur mitgetbeilt 
batte, ber geiftigen (Sntwicfefung be« beut« 
feb^en ©olf« in ber erften Hälfte be« »öli- 
gen 3abrbunbert« »u ©runbe lag unb in 
ber ^weiten ftegreiep nacb atten ©eiten jum 
25urc$brucb gefangen follte (baber „%t\t* 
alter ber ■*> 2)a« angeftrebte 3iel läßt 
ftcb bfjeicbnen al« »orwiegenbe ©erftanbe«« 
bilbung unb ©efreiung be« Serital »on 
ben ba«felbc beengenben ©c^ranten ber 
Ueberlieferung , (Sman)i»ation ber allge- 
meinen Äulturintereffen au« bem ©ann 
ber Xbcologie, wobei ieboeb im Unterfc^ieb 
»on gleichen ©eftrebungen be« folgenben 
3abrbunbert« ju beaebten ift, baß biefer ganje 
©rojeß nodf metft auf bem ©oben ber 
tbcoloaie fclbft ftcb; »oüjie^t. ©olff, 
©incfelmann, Cefftng unb »tele ber ein« 
flufjreicbften «Sbagogen, «pb.il ofobb«n, tri« 
tifer unb Stüter biefer ftiebtung waren 
»on $>au« au« Geologen; aue Regungen 
ber ©iffenfebaft , Äunft unb Literatur 
biefer ^eriobe fe^en ftc^ »or allem erft 
mit ber Xbeologie au«einanber, unb au$ 
ber Religion ganj frembe Probleme werben 
anfä'nglicb für t^eologifcb> gehalten, fo baß 
bie ganje ©ewegung, welche mit ber bau« 



Digitized by Google 



42 Sfafteauttä bcv $ottbe — 2lug«burgif(^ Äonfeffion. 



ernten Bernid)tung ber Hegemonie ber 
Xi)tote%it enbet, fpäter öielfadj unter bem 
©efid)t«punft eine« ©elbftmorb« ber Übel 
beratenen ©otteögelebrfamfeit beurteilt 
würbe. 3n Sabrpeit bat fie ba« auf* 
bammernbe Bemußtfein öon ber Bcrfdjie- 
bcnt)cit religiöfer unb tt)eologifd)er 3nter* 
effen jum örträgni« gehabt. Ueber A. 
febrieben übrigen« 2Kofe« 2Renbel«fobn 
unb Maut eigne Abbanbluugen, mäbrenb 
3ofepb II. unb ftriebrid)« II. SKinifier 

9tiri)tung befonber« öerbiente SWänner, öon 
„Aufheiterung", anbre öon „Aufbettung" 
fprad)en. Bgl. ?edö, @efd)id)te be« Ur« 
fprunge« unb (Sinfluffe« ber A. in Suropa 
(au« bem öngl. öon 3otomiq, 2. Aufl. 
1873, 2 Bbe.). h. 

Stufteflung ber «$änbe, ein bei ©rie* 

ton unb Wörnern mie bei 3ubcn übliche« 
»ömbcl ber ©egnuug, ffieibung, lieber» 
lieferung, befonber« gebra'ucblicb beim 
Opfer unb bei Uebertragung öon Aemtern. 
3n bie djriftlidje Äird)c ift bie A. aufg,e* 
Bommen al« Symbol ber erbetenen 2Hit* 
tb. eilung be« ^eiligen ©eifle«, baber üblid) 
bei Saufe, Abfolution, Orbination unb 
befonber« bei ber girmelung (f. b). h. 

Slugöburaifc&e Äonfcffton (Confessio 
Augustana), ba« öorncfjinfte fombolifd)e 
Bud) ber ?utberaner, meld)e« auf bem 
SReicb«tag ju Augsburg 1530 bem Äaifer 
al« Befcuntni« be« eöangelifd)en ©lauben« 
überreizt mürbe. Veranlaßt mürbe bie 
A. Ä. bura) ba« taiferltd)e Austreiben ! 
jum Äeic^Stag, meldte« unter anberm 
eine möglkbft bünbtge 3ufammenfaffung 
be« eöangelifd)en ©lauben« al« ©runblage j 
ber beöorftetyenben Bertjanblungen forberte. > 
©leid) 3i ad) Smpfang ber faiferlid)en Auf* 
forberung (4. Wäri), fclbfl auf bem 9feid)«* 
tag $u erfd)einen, hattt Äurfürfi 3o&ann ( 
öon Sacbfcn feine Süittenberger Geologen 
2utb,er, SDielandjttjon, 3ona«, Bugenfcagen 
beauftragt, it)m bie mid)tigften ©lauben«* 
artitel aufjufefeen; biefelben Ratten it)m ju 
lorgau bie 15 Xorgauer Artifcl, im 1 
mcfemlidjen mit ben 15 ju Harburg 1529 
öereinbarten ©lauben«* unb Uuion«artifeln 1 
ibentifd), übergeben. Bgl. Brteger, 25ie 
Jorgauer Artifel, in ben „firdjcngefd) . ©tu* 
bien Deuter gewibmet" (1887)- btefe mit 
ben öon Sut&er aufgehellten 17 ©d)ma* 
bad)er Artifeln (f. b.) erbielt bann beb,uf« 
weiterer Bearbeitung ÜWeland)tt)on, ber mit 
©palatin unb 3ona« ben Äurfürften gum 
9teids>tac\ begleitete, mä'brenb ?utl)er in 
Äoburg jurütfblieb, um ju SRatt) unb Bei* 
ftanb nabe genug ju fein, ba er, unter 
Ad)t unb Bann fieb^eub, am Orte be« 1 



9teid)«tag« nid)t erfd)einen burfte. 3n ber 
furjen ftrifi öom 2. — 10. SWai fdjrieb nun 
yjiclancb'tbon ba« ©lauben«belenntni« unter 
bem tarnen einer „Apologie" ju Aug«* 
bürg nieber, nad)bem bie Borrebe an bat 
fatfer fdbon ju Äoburg in ©emcinfdjaft 
mit Cutbci berfagt morben mar. Am 
11. 5Dlai mürbe bie <3d)rift an Sutb^er jur 
Begutachtung gefanbt unb toon it)m mit 
beifälliger Aeuferung, aber aud) mit ber 
Bemcrrung, ba§ er nid)t fo leife treten 
fb'nne, 15. 2ttai jurüefgeg^eben. AI« ber 
äaijer 15. 3uni feinen (Smgug in Aug«* 
bürg gehalten unb tag« barauf ben 9teid)«> 
tag eröffnet unb ben eöangelifd)en dürften 
unb «Stänben ben SBefeb.1 ertb.eilt b.atte, in 
ber jmeiten «Si^ung am 24. ibr ©lauben«* 
befenntni« einjureid)en, legte 23. 3uni ber 
Äurfiirfi 3ob,ann feinen ©lauben«genoffen 
bie „Apologie" tor, bie öon 3obann, Äur» 
fürfien öon ©ad)fen, ©eorg, aftartgrafen 
öon SBranbenburg, Srnfi, ^ergog öon ?üne» 
bürg, Philipp, Janbgrafen öon Reffen, 
3ob.ann griebrid), ^»erjog ju ©ad;fen, 
granj, $»erjog öon Lüneburg, ©olfaang, 
Aiivfic ii öon Anbalt, unb ben r t ät :cn Jiürn* 
berg unb Reutlingen unterfd)rieben mürbe. 
2)ie öier obcrbeutfd)en ©tobte ©traßburg. 
Äofinitj, SDZemmingen unb Sinbau, bie fim 
öergeblid) Lern üb; bauen, öon bem lebiglicp 
auf eine Au«fb*bnung mit ben Satl)olifcn 
bebauten 2Wcland)tb. on eine milbere gaffuug 
ber Abenbmab]l«lehrc ju erlangen unb 
beren Antrag, fie unter Ausnahme be« 
Artitel« öom Abenbmabl -,ur llnterjeid)nung 
ju^ulaffen, abgemiefen morben mar, öer* 
meigerten bie Unterfd)rift unb öerfudjten 
eine eigene, öon <£apito unb Bucer in 
Augdburg öerfagte, in 23 Artiteln be> 
ftebenbc unb ba« (Sd)riftprinjip an bie 
©pifee fteßenbe «ctcnntni«fd)rift, bie Con- 
fessio tetrapolitana, bem Äaifer ju Uber* 
geben, bie aber nid)t öon ihm, fonbern 
öon feinem Bmfangler empfangen mürbe. 
3n ber ad)ten weid)«tag«rttjung im großen 
9?atbbau«faal, 24. 3unt, fam e« trofc be« 
Begepren« ber ^reteftanteu nid)t jur an* 
beraumten Beriefung ber Aua«burgifd)en 
Äonfeffion, mob.1 meil man bie größere 
Ceffentlid)fett fürd)tete, unb e« mürbe bie« 
fefbe auf 25. 3uni in ber Äapelle be« 
bi)d)Öflid)en ^palafte«, ber Verberge be« 
Äaifer«, anberaumt. $>ier traten bann 
ber fä'd)ftfd>e Äanjler ©eorg Brüd unb 
Dr. Cbriftian Beier, jener mit bem latei* 
nifdjen, tiefer mit bem beutfd)en %t%t in 
ber ^>anb, öor, unb e« mußte ber tfaifer 
bie Beriefung be« le^tern geftatten. ©leid) 
nad) beenbigter Berlefuu^ nabin ber tfatfer 
felbft beibe ßremplare tn Smpfang, öon 



Digitized by Google 



?(uö«burgtfc^e Äonfeffion — Sluguftt. 



43 



benen er ba« latetnifc^e bebielt, ba« bcutfdje 
aber bem Äurfürften bon SWaim übergab. 

35ie Äonfeffion »erfüllt in jweiXb«il<- 
3nerft wirb in 21 «rtiteln, bie fid) an bie 
Scbttabadxr anfliegen , bic ebangelifdje 
Sefrre in einer ©eife erörtert, welche ba« 
«eftreben möglidjfter Slnna&erung an ben 
fatbelifeben rlebrbegriff burdjweg erlernten 
lägt; überall wirb bte Uebereinftimmung 
ber Äonfeffion mit ber 2e&re ber Äird?en- 
bater nacbjuweifen gefugt, 9iid)t minber 
berfitynlidj ift ber jroette tf)tH gehalten, 
ber im Slnfcblug an bie Jeraauer fcrtifel 
in 7 Slbfdwitten bie abjufteUenben äWig« 
bräune befpridjt nnb bon beiberlei ©eftalt 
be« Äbenbmabl«, bom öbeftanb ber ^riefter, 
ben ber SJteffe, bon ber ©eidjte, bom 
Untertrieb ber ötänbe, bon ben Älofter» 
aelübbcn, bon ber ©ifdpefe bemalt ^anbelt. 
$)ie an ben Äaifer gertdrtete »orrebe fdjleg 
mit ber ©erufung auf ein allgemeine« 
Äeniil. 

3>ie Ä. würbe bem Äaifer al«balb 
ben fatbolifeben Ideologen Ca, gaber, 
fiotbläu« unb Simrina übergeben mit 
bem Auftrag, eine ©iber legung anfer- 
tigen; biefelbe fiel aber fo plump unb un» 
gefdneft au«, bag ber Äaifer ba« ib. m Uber' 
gebene (Srcmblar übel „geraufet unb ge- 
rollet" haben foll. (Sine Umarbeitung ben 
nuiit oiel be'berm SBert mürbe bi« 3. Äug. 
fertig unb burdj ben faiferlidjen Sefretär 
Ii. ©dyroeig ben flkoteftanten borgelefen 
unb jugleidj tynen befohlen, ftdj banad) ut 
rieten, eine %bfd)rift aber biefer Confutatio 
confessionü» ifcnen bertoeigert. ©gl. Cam- 
mer in ber „3ettfd>rift für btftorifdje Ib«* 
logie" (1858). 2>a jebed) mäbrenb ber 
©erlefuitg einige broteftantifdje Ib'ol^gen 
nii Äufjeidjnungen gemalt Ratten, fo ber* 
fagte äftelancbtpon banad) al«balb eine 
au«fübrlid?e ©iberlegung, bie unter bem 
Hauten „fcbologie ber Hug«bur« 
gifd?en Äonfeffion" (f.*.) betannt ift. 
5)ie %. St. erlangte audj ned) eine botje 
ßaat«rerbtlidje ©ebeutung, infofern fte allen 
firdjiid) * bclitifdjen ©erb. anbiungen ber 
fbätern JJett ;n ®runbe gelegt unb fowobl 
ber ^affauer ©ertragal« ber Hugeburger 
unb ber SBeftfälifdje triebe nur mit benen 
gcftbloffen werben finb, melcbe ücü au«« 
brücf i uf $ur Äug«burgifdjen Äonfeffion be* 
fannt bauen. Snfofem felbft Calbin unb 
bie c t utfeben Reformierten bie 91. Ä. unter* 
febriebeu, würbe fte au« einem ©efenntni« 
be« ^utljertuni« ju einem ©efenntni« be« 
IJreteftanriomu« überhaupt. 2) od; gilt bie« 
nur bon ber beränberten Äug«burgifd?en 
Äonfeffion. 

SWelancWon fcVrte nämlid) mett auf, 



bie ben tbm »erfaßte SC. St. al« fein geifti- 
e« Eigentum anjufeben, unb trug be*« 
alb fein ©ebenten, naebbem er nedj 1530 
mäbrenb be« tKei(b«tage« eine beutfebe unb 
eine lateinifebe %u«gabe t^eranßaltet unb 
biefen 1531 eine neue fatte folgen (äffen, 
in ben f batern «udgaben feit 1540 tti 



berungen namentli(b7 in ber Üebre tom 
ftbenbmabt t>or)unebmen in (9emä'§beit 
feiner eigenen r-erä'nberten Je^rauffaffung. 
ö« wirb baber bie St. ten 1530 al« 
bie „ungeänberte", invariata (9u«gabe ben 
1531), untertrieben »on ber „geanberten". 
variata (%u«gabe oon 1540). 9nfängli(b 

| blieb ber Uuterfcbieb )Wi{(ben betben unbe« 
aebtet. äRit ber $tit beftntten bie ftrengen 
Vittbeunev (^lacianer) bie (Geltung ber 
Qariata; fte beforgten 1561 einen uutoer* 
änberten äbbrud ber Huegabe »on 1531, 
unb ber ¥id)tenberger Äonwnt toon 1576 
befeblog bann au«brücflicb , an ber unge* 

I änberten Äu«burgif(ben Äonfefrton al« bem 
©efenntni« ber lutberifcben £ira)e feftju- 

| galten. Xemgemäg würbe biefe in ba« 
Äonforbienbuq aufgenommen, c^ne bag 
aber baburd) bie ftaat«recbtli(be (Geltung 
ber ©ariata erfebüttert werben Wäre. 3a 
an mandjen Orten, j. ©. in ©ranben- 
burg, ift fpäter au«brücfli(b wieber bie 
©ariata al« bie gültige SBefenutui«norm 
brodamiert werben, vgl. SRubelb adj, 
^iftorifd) ' fritifebe Einleitung in bie % Ä. 
(1841); @. flitt, ginleitung in bie 
«uguftana (1867—68, 2 SBbc); äbcfler, 
Xit 31. Ä. ^ifiorifcb unb eregetifdj unter» 
fudjt (1870); Sircf, 2»elaud;tbcn« poli* 
ttfebe Stellung auf bem 9ieicb«taae ju 
«ug«bura in ber „3tf<örft. f. (1887). 

2>ie Repetitio confessionis augusta- 
nae saxonica ift eine neue 9efenntni«> 
fdjrift, weld)e l^elancbtben 1551 anar- 
beitete, bamit fte bem Xribentiner Äon^il 
borgelegt würbe, unb weldje faß in aUen 
beutfa>en rauben abtrobiert unb unter- 
jeidpnet worben ift. t. 

«ugöburgifeie Äonfeffton* ■ »er- 
wanbte werben bie ©efenner ber S(ug«bur' 

Sifdjen Äonfeffion genannt; infonber&eit 
i^ren biefen tarnen feit bem SJeftfälifcben 
^rieben bie Vitthcranei unb (Salbiniften, 
infofern leötere ib.re Uebereinftimmung 
mit iener Äonfeffion erflärt Ratten. B. 

Corpus Evangelicornm. z. 

Augustana confeasio, f. b. w. 3lug«* 
burgifebe Äonfeffion. 

ftugufli, 3obann «b; riftian Söil- 
b;elm, breteft. Geolog, geb. 1772 \n 
<gfd)enberga im @otbaifd)en, ftubierte tu 
3ena, warb 1803 orbentlidjer s J3rofeffor 
ber Orientalen ebrad^en bafelbft, 1812 



Digitized by Google 



44 



Sluguftiner — s 2luguftinu$. 



^ßrofeffor ber Rheologie ju Bre«lau, 1819 | 
in Bonn, 1828 jugleich Oberfonftftorial* 
xatff unb 1835 Äonftjkrialbircftor in Äo- 
blenj mit Beibehaltung feiner theolog. ; 
«Profeffur in Bonn. <Sr ftarb 1841. 3u- 
erft Siationalift, trat er fpäter al« Ber- 
treter ber Orthoborie unb im fcreußifchen j 
2lgenbenftreit al« Bertheibiger be« litur- | 
giften Stecht« be* ?anbe«berrn auf. Bon 
feinen Schriften finb hervorzuheben : „?eb> ! 
buch ber christlichen 2)ogmengefchichte w 
(4. Hufl. 1835); „$enfwürbigfetten au« ' 
ber c$riftlichen Archäologie" (1817—31, 
12 »be.); „$anbbucb ber <$riftlic$en %x* 
chäologie" (1836 — 37 , 3 Bbe.); „Äriti! 
ber breußifchen Äircbenagenbe" (1824). z. i 
Sluauftinet Cfluguftiner-ßremi- I 
ten, (Sinfiebler be« ^ e i 1. SlugufH» 
nu«), ber öierte unb lefete große Bettel- 
orben ber fat&oliföen £ircb>, ifi t?crroor- 
gegangen au« ber Bereinigung mehrerer | 
Stnftebfera.efeÜ'föaften in Statten, bcn 3o» ) 
bann-Bomten (3amboniten), Brittinianern 
(Brictinern), ©acfbrübern, öinfieblern ton 
£e«cana u. a., melden 3nnocenj IV. 16. 2)cc. 
1243 unb 17. 3an. 1244 bie ftegel be« beil. 
Siiguftinu« gab. -Tic weitere Organifation 
be« Orben« warb 1256 auf einem Äapitel 
ju föom befcbloffen, ton »leranber IV. 
(13. April 1256) betätigt unb auf mehreren 1 
©eneralfapiteln weiter au«gcbilbet. Sie j 
Siegel be« heil. Auguftinu«, bie übrigen« in 
feinem %aü ton biefem herrührt, fonbern, ] 
ungewiß wann, unter BerUcfftchtigung ber ' 
Sieben unb Briefe be« ftugufiinu« aufgeteilt 
würbe, ift weit milber al« bie ber jjran« . 
ji«faner, 2)ominifaner unb ber fpätern 
Orben. Obgleich biefelbe bem Orben ben 
Beftt} liegenber ©rünbe geftattet, terfefcte | 
ihn $iu« V. 1567 boc$ unter bie Bettel- 
orben ; anbre ^ä>ftc geftanben ihm anbre \ 
Berrechte ju, fo Äleranbcr IV. 1257 bie 
(Sremtion ton ber bifeböflirt teu ©emalt. i 
2)er Berfatt ber 3u#t rief auch h»« 9te- 
formen unb bie Bilbung neuer Äongre- 
gationen f)tx*ox. 3m 16. 3ahrb. jaulte 
ber Orben 28 «pretinjen, im 17. fogar 
40, neben welken 13 Äongregationen be* 
fianben. 3" lefctern jäbTte bie fegen. 
fa<$ftfcb>, welker ©taubifc unb Suther an- 
gehörten, unb bie infolge ber Deformation 
fieb aufliJfte. SHit ber franjbTtfcben 9teto- 
lution würbe ber Orben, ber ßinfluß unb j 
Bebeutung terloren hatte, in ftranfreieb, 
@b«nien, Portugal unb ieutfdblanb auf- 
gehoben. 

2)ie AugufHnerinnen ftnb alter al« 
ber SWännerorben unb leiten ftch h« ton 
ber 9tonnengefettfcb>ft ju $itj>o, ber Au- 
guftinu«' @c|wefier torßanb. Cin Älofter 



ber %. mit befonbern Borrechten beftanb 
feit 1177 ju Benebig. 81« weiblicher 
3»eig be« Orben« ber 31. aber ftnb ju 
betrachten bie bar f üßi gen AugufHnc- 
rinnen, ton benen e« in ganten vier 
Äongregationen gibt, bie ton Gnbe be« 
16. bi« gegen @<bluß be« 17. 3ahrh- ße« 

Srünbet ftnb. Sie tragen einen weißen 
coef mit lebernem ©ürtel unb ©fabulier, 
an ben fteften ein fcb>aqe« Äleib unb 
einen fchwarjen ©chleier Uber bem roeigen. 
äueb einen lertiarierorben be« \ftil Äu- 
guftinu« gibt c«. 2)iefe Ä.-Iertiarier tra- 
gen einen 3tabulier ton fchroarier @erge 
unb einen lebernen ©ürtel. Äu§erbem 
folgen ber Siegel Sluguftin« noch einige 
metbltche Orben, fo bie 3lunun)iaten, €5a» 
lefianerinnen, Urfulincrinnen, ^ofpitalite» 
rinnen u. a. Bgl. ftclbe, 2>te beutfehe 
H.-Äengregation (1879). z. 

ÄuguflTnu^, 1) «ureliu« ber 
hertorragenbfte Äircbentater be« Slbenb» 
lanb«, geb. 13. 9ioo. 353 ju !£agafle in 
9itumibien. Bon feiner frommen i'tutter 
SPionica in chrifilicher Rrömmigtcit er« 
jogen, terfant ber 17jährige Süngling, 
ber in ftartbago Ä Inno vif f)ubierte, in 
XBoUuft , bi« fiieere« „Hortensias" bie 
©ehnfucht nach «twa* Oberem in ihm 
wieber anfachte. 3n ber 8«fefe ber 9Ka« 
niebäer Reffte er ^elbftiiberwinbung, in 
ihrer ©ebeimlehre belle Srtenntnt« jn 
finben (374); ber auf bie (Snttäufchung 
folgenben Berjweiflnng an aller ^abvbeit 
entriß ihn bie Befanntfchaft mit plato- 
nifcher unb neuplatonifdjer ^ß^ifofo^^ie. 
Seit 383 in 9tom, feit 384 in ^ailanb 
Berebfamfeit lehrenb, erfuhr er an lefcterm 
Ort ju feinem $>ei( ben (Stnfluß be« Vlm- 
broftu« (f. b.), betehrte fieb unb warb in 
ber Oflernacht 387 mit feinem natürlichen 
©ohn «beobatu« ton Bmbroftu« getauft. 
3m folgenben 3ahr fehrte er über Dorn 
in feine Baterftabt jurüd, wo er al« 
$aupt eine« a«fetifcben Berein« in ftrenger 
«bgefebiebenheit lebte, bi« ihn 391 bie 
©emeinbe ton Jö i o 9tegiu« (Bona) wt« 
ber feinen Sitten jutn $re«bvter wählte, 
©ofort erregte fem Talent allgemeine 
Sufmerffamfeit, unb Baleriu«, Bifcbof 
ton §ibpo, ließ ihn 395 ju feinem 9)ttt« 
bifcbof weihen, ©eitbern würbe bie afri- 
faitifcbe Ätrcbe burch bie Wacht feine« 
©eifie« unb BJort« regiert. (5r befämtfte 
mit großem Srfolg aüe bereit« beftehenben 
ober neu auftauebenben §a'reften, fo bie 
3)onatiften (f. b.), SWanichJier (f. b), «rianer 
({. «rianif^tr stwit) , ^Jelagianer (f. b.) unb 
©emipelagianer (f. b.), beren 9iiebertage ju- 
gleich ben @ieg be« afrifanifchen ©eipe« 



Digitized by Google 



Staguftinu« — 9(u$tritt au« ber Ätrdje. 



45 



über ba« übrige «benblanb entfcbUb. 
9inbin baue rat über bie ganje .Hinte Oer« 
breitet, al« er 28. «ug. 430 ju $>iböc, 
wabrenb ber Belagerung biefer Stabt bureb 
bie Banbalen, ftarb. ©eine ©ebeine, erft 
in ber ^eter«firche ju ^aoia aufbewahrt, 
würben im Cftober 1842 mit ©enehmi- 
gung be« ^apfie« nach SUgier gebraut, wo 
fte neben bem oon franjöfifchen ©ifdjiJfen 
auf ben Stuinen oon $irpc errichteten 
2)enfmal be« Ä. niebergelegt tourben. 
$ie vemiietc .H trete Oerthvt ihn al« ^ei- 
ligen. Unftrcitig ift 2t. ber für ba« Bbenb« 
lanb einflußreiche unter ben Äirchenoatern 
geworben, tb. eil« bureb, bie Äonfequen*, 
womit er begriff unb 3ntereffen ber 
fatbelifchen Äircbe wie in ber Xheelogie, 
fo in ber $rarto burcfcfübrte, theil« burdj 
bie Xiefe feine« fbefulatioe unb mtifHfche 
demente eigentümlich Oerarbeitenben 
©eifte«. Xarum gilt er nicht bloß al« 
Sater ber mittelalterlichen fatholifcben 
Schelafrif, fonbern auc^ 2uther unb bie 
{Reformatoren haben ftch, jum Üheil an 
ihm, jebenfall« an ihm am meiften unter 
allen Äircbenoä'teru, gebilbet. 3n feinem 
Äampf gegen bie Grtreme be« 2Wanichäi«« 
mu«, be« $elagiani«mu« unb $onati«mu« 
fuchte er bie iwitte fefiju^alten, inbem er 
ftch lebiglich auf bie betben ©runbibeen 
ber Mroirffamfeit göttlicher ©nabe unb 
ber Äirche al« bem ßrbe unb Gimmel 
oerbinbenben 9feich ©otte« ftüfcte. ©eine 
Verleitung be« Staat« au« ber Wacht ber 
Sünbe unb bie barauf begrünbete gorbe« 
rang ber Unterwerfung be«felben unter 
bie Äirche mar mafjgebenb für bie Suf* 
faffung be« Berbältniffe« beiber 3nftitu- 
tionen im ^ßapfttum. Sgl. SDfirbt, Xie 
Stettung Sluguftin« in ber ^ßublijiftif be« 
©regorianifeben Äirchenftreit« (1888). 
(Sine Xarfteuung be« eigenen ?eben« mit 
Strenge unb Selbfloerleugnung gab «. 
in feinen oft herausgegebenen „Confessio- 
nnm libri XIII", woran bie „Retractatio- 
num libri II" al« eine milbembe Äritif 
ber eignen ©erfe fich anfchltefjen. «Solcher 
jahlt er ^ter 93 in 232 Büchern auf, 
unter welchen ,,De doctrina christiana 
libri IV", „De trinitate libri XV" unb 
„De civitate dei libri XXII" bie wich» 
tigften fein mögen. Brauchbare ©efamt» 
ausgaben feiner ©erfe erfebjenen $u ^ßari« 
1679—1700, 11 Zfc'itt in 8 Bbn. unb 
1836—40, 22 »be. lieber «. febrieben 
im Altertum: ^öffibiu«, Vita Augu- 
stini (in ben meiften Ausgaben ber ©erfe), 
neuerbing« unter anbern: ©igger«, 
Serfuch einer pragtnatifchen Xarftellung 
be« ftugufliniemu« unb <ßelagiani«mu« 



(1831—33, 2Bbe.): Binbemann, 2>er 
heil. «. (1844—69, 3 ©be.) ; £ e r n e r , «. 
(1873); Böhringer, *. (1877 — 78, 
2 Bbe.); Heut er, «uguflinifche ©tubien 
(1887). 

2) %, Äpofiel ber Hngelfacbfen, erhielt, 
oon ©regor 1. 596 mit 39 Benebiftinern 
abgefanbt, am $ef be« Äönig« Gthelbert 
oon Äent burdj beffen cbriftlicbe ©emablin 
Bertha 3utritt fowie bie Srlaubni«, im 
?anbe ba« (Soangelium ju prebigen. 
Schon 597 empfing Ctbelbert mit bem 
größten Ih<Ü feine« Boll« bie laufe. 

im folgenben 3ahr in granfreia) üum 
örjbifchef ber 3tngelfa<hfen geweiht, nahm 
feinen ©i(j in (Janterburp. ©ehemmt 
würbe fein (Srfolg bureb, bie Beföranftheit 
unb Schroffheit, womit er ben Bifchöfen 
ber altbritifchen Äircbe bie römifchen 
Äultu«fermen aufjubrtngen fuebte. ör 
ftarb um 605. «. 

Anreola (lat. , „golben"), f fcnHgtn. 
fd)ein. 

*l »tri fa ber, 1) 3 eh an«/ 9«b. 1BW 
ju Breelau, warb 1550, oon SWelandjthon 
empfohlen, Pfarrer unb ^Jrofcffor ber 
Iheologie ju Sioftocf, 1554 ^räfibent be« 
famlänbifa)en Äenfiftorium« ; ffin für Bei* 
legung ber Ofianberfcben ©treitigfeiten 
wtrffam, Berfaffer ber mecflenburgifd)en 
Äirchenorbnung oon 1557, bann SKitarbei» 
ter an ber preufjifdjen oon 1558, ftarb er 
1568 al« ^rebiger unb Sirc&eninfpefter ju 
Bre«lau. — 2) 3ohann (eigentlich 
©olbfohmibt) geboren um 1519 in 
ber ©raffebaft 2Ran«felb, Warb 1545 Ju- 
ther« tjamulu«, 1551 $>oforebiger in ©ei« 
mar, 1561 infolge ber bogmatifeben Streitig« 
feiten feiner Stelle entfetjt, 1566 ^ßrebiger 
in Srfurt, wo er al« Senior be« eoange« 
Üfcben SRinifterium« 1575 ftarb. Sr gab 
jwei Bänbe oon i'uther« Briefen unb beffen 
„Xifcbreben" (1569 u. öfter) herau«. z. 

%uUtaum ber ^eiligen ®djtift, 

f. orcicfc unb ^exntrnrutit. 

SudfteSuno be^ ®a!rament#, bie 

in ber fatholifeben Äircbe namentlich bei 
wichtigen ©ebet«aften Übliche feierliche 3lu«* 
fteüung ber §oftie auf bem Hochaltar. 2)ie« 
felbe ift erfx feit bem (Snbe be« 13. 3ahrb. 

Sleichjeitig mit bem ftronlcicbnam«feft in 
en fircbltchen Äultu« eingeführt, h. 

»uötteibung be« fceufel*, f. <s r ot. 

»u^ftitt au$ bet Ätrdjc ifl nach 
(anonifdbem stecht oöKig un^uläfftg unb 
wirb mit ben idjwerftcn Äircbenftrafen be» 
broht, worauf inbe« ber moberne Staat 
in feiner 9iea)t«orbnung feine föücfftcht 



Digitized by Google 



46 



2lutf>entic ber «Schrift — Emiren. 



nimmt; oiefmehr faitn in Seutfchlanb jeber, I 
ber ba« Hilter bcr SWcife (nach ben »er* j 
febiebenen Vergebungen meinen« ba« 14., 
nacb einigen ba« 16., nach onbern ba« 18., 
fogar ba« 21. 3ahr) erreicht , frei feine 
Äonfcffton a'nbern, felbft bom (Sbriftentum 
jiim oiioentum uoertreten. z. 

Eut^entic ber ®<$rtft, ein Äunft« 
au«bni(f, welchen bic broteftantifebe Ortho» 
boric jur (Sntwicfelung be« ©egriff« bcr 
fegen. Autorität, bcr erften unter ben Af- 
fectiones (f. b.) ber (Schrift, gebrauste. 
9?eucre Sogmatifer verfielen unter 3(. ber 
biblifcben ©ücher bic«, baf? biefetben ju bcr 
3fit, unter ben Umftanben, son ben ©er» 
faffern getrieben worben finb, wie ibr 
3nhalt ober ibre Ueberfcbrift betäubten, 
atfe wefentlicb. bie Scbtbcit biefer ©Triften. 
25a (entere aber oon ber neuem Ärttif 
mehr ober weniger in grage gejogen wirb, 
ift mit bem Sort SC. ber $unft bejeic^net, 
auf welchem bic Snfbrüttye »on ©lauben 
unb Söiffenfcbaft im tbeologifchen ©ewufjt- 
fein ber ©cgenwart ftdj in ber töegel febarf 
ftofjen unb burebfreujen. h. 

Slurobafee (fban., bortug. Huto ba 
%6, bom tat. actus fidtM, „©lauben«- 
banblung, ©laubenSgeTidjt")/ bie feierliche 
©oflftreefung ber »on ber joanifeben 3n« 
quifttion (f. b.) wegen Äefccrei erlaffenen 
©traferfenntniffc. 3" nii chft beieidmet Ä. 
nur bie Öffentliche, feierliche ©orlefung be« 
Urteil«, beffen unmittelbare ftolge jebo<h 
immer bie ©oflftreefung mar. Oft berfdjob 
mau nach beenbigter Unterfuchung jene 
feierliche Urteil«t>erfünbicmng, um an einem 
hoben ftefttaa ben Sriumbb ber Äirdie 
bureb gleichjeitige« §Ibthun einer gröfjeru 
Bahl toon Obfern ju toerberrlicben. 2>a« 
»off ftrömte ba3u in SWaffe herbei. Stucb. 
ber Äönig ^ftegte jur ßrböfmnß ber fteicr- 
lichfeit mit bem ganjen §of beijumohnen. 
©eit 1481 waren biefe 5D?affenbinrichtungen 
im ©djwange, unb ein« ber glänjenbften 
«utobafee« war ba«, welche« noch 1680 



unter Äarl II. ju STOabrib ftattfanb. 2Bh> 
renb be« 18. 3abrh- famen bie Äutobafee« 
in Äbnabme. 3n ©banien atiein würben 
1481—1808, ben 1834 oeröffentlicbtcn ©c- 
richten jufolge, 84,658 SWenfchen öffentlich 
ober im ©ebeimen hingerichtet, 288,214 ju 
lebenslänglichem ©efängni« ober ju ben 
©aleeren öerurteilt. t. 

Ave Maria (Angel ica salutatio, 
(SngelSgruJ, b. h- ber ©ruß be« Gngel« 
©abriet an SOTaria, nach 2uf. 1, 28), bt« 
liebte« ©ebet bcr Äatbolifen an bie 3ung« 
au Üftaria, benannt nach ben lateintfchen 
nfang«worten unb beutfeh affo lautenb: 
„©egrüfjt feifi 2)u SWaria, öoU ber ©nabe, 
ber §erv ift mit SDir; 2)u bijt gebenebeit 
unter ben SBcibern ; unb gebenebeit ift bie 
grucht 2)eine« ?ei6e«, 3efu« ((Shrijtuß). 
^eilige SWaria, SWutter ©otte«, bitt' für 
un« ©itnber, jefet unb in ber <Stunbe 
I unferß 2:obefi. ^Imenl" Äl« bem ©ater« 
unfer gleichgepeflte« ?aiengebet fommt ba« 
A. M. mit bem erweiterten SKarienbienfl 
feit bem 11. 3ahrt). oor unb jwar in ber 
$orm be« @ngel«grufje« (?uf. 1, 28), womit 
bann bie Sföortc ber (älifabeth (Sur 1, 42) 
toerbunben würben, ©on Urban IV. (1261) 
rühren bie SBorte ,,3efu« (Shriftu«, Smen" 
her. Sebann XXII. befahl 1326, ba« A. 
M. täglich breimal, morgen«, mittag« nnb 
abenb«, ju beten unb jebe«mal ba« 3 c i^, cn 
baju mit ber ©lode ju geben (?loe 2Jiaria- 
ober 2lngelu«läuten). 25ie Sorte „^eilige 
SWaria jc." famen erft 1551 hinju. Sa« 
©eten be« A. M. geflieht nach ben fleinen 
Äugeln be« 9?ofenfrante«, welche be«halb 
auchfchlechthtnA.M. h«Bcn. S. Wofentranj. n. 

Sunniten (Infermentarii) , bei ben 
orthoboren ©riechen ©bottnarae feit bem 
11. 3ahrhunbert für fateiner, Armenier 
unb iWaroniten, weil fte fich (feit bem 9. 
3abrh0 beim heiligen &benbmab( be« un« 
aefauerteu ©rot«, ber 9h& mfl / bebienen. 
©gl. © i e f e , (Srörterung über ben ©ebraueb 
ber Slsbntcn (1852). ©. Cäruioriu«. z. 



Digitized by Google 



©od — S&atfxtt. 



47 



»aal („§crr"), aflgemeinper ©etteB« 
name bei ben ^iJmfcrn, bcffen XienP 
nicht bloß in ben jahlreichen ^tfmfiföfii 
äelonieen, fonbern auch in Äanaan weit 
verbreitet war unb bcfonber« bon Abab | 
in 3«rael, ben Aha« im Bleiche 3uba ein- 
geführt würbe. $on $au« au« ift 53. 
Sonnengott unb repräsentiert bie fegen- 
fr enteilten, al« SDtolech auch bie berberb- 
lieben SBirfungen ber Sonne; in fetner 
lefctern (Sigenfcbaft forberte er befonber* j 
Äinberebfer jur ©erfb'hnung. AI« befonbere 
gormen be« ö. werben ermahnt : 53. »erit, 1 
SB. $cor ic, auch ©. 3«bub ober ©celjebub 

(f. leufel). h. 

»ofcel, bie berühmte §aubtftabt be* 
babtolemfchen SBeltreich«, auf beiben Seiten 
be« (fubhrat gelegen, jebcnfatl« einer ber 
älteflen Sutütrfttje ber 2Nenf<hhett. Aiicb 
bie ©ibel (1. 2Rcf. H) fü^rt ihren Urfbrung 
in bie Urjeit jurttcf, unb ben Xurm j. 
ton bem bie biblifcbe Sage fpriebt, b,at 
man in ben Stuinen be« großen ©eltembcl« 
wiebererfannt. 3n ben 2Sci«fagungen ber 
Propheten erfcheint bie $aubtpatt be* alt- 
unb neubabtoloniföen SRcich« gleidjfam als 

Sentratfiatte aüer bracht unb $errlichreit, 
ebbigfeit unb ©ottloftgfeit, fo baß ber 
Warne ©. in ber Offenbarung be« 3<>banne« 
auf bie neue Seitpatt 9?om übertrafen 
werben fonnte unb feitbem übertäubt etne 
tbbifche ©ebeutung in ber angegebenen 
Stiftung beibehalten hat. Uebrtgen« be- 
ftanb ba« alte 33. noch in ben erften 3ab,r- 
bunberten unfrer 3<to*<$ n un0 0- Vttx. 
5, 13), bann trat raf$er SBerfaÜ ein. n. 

»abtttoniett, altertümliche ©ejeichnung 
be« fruchtbaren Xtcflanb« am untern Sauf 
be« (Subbrat, im Otiten XePamcnt Si- 
near, bei ftaffifchen SctriftpeUern ju- 
weilen auch <£ halb Sa genannt. C. fittat 

unb Slffarten. u. 

»abtfontfcjc (9efart0ettfe^aft (Sa- 
bbtonifctye« Syil) wirb in ber jübifeben 
©efebiebte bie 3«»t bon ber SBegführung 
ber Ginmohner 3ubäa« unter 3oja<$in 
597 unb 3cbefia 586 burch Webutabnejar 
bi« ju ber burch Äbru« gematteten SRücf- 
fehr 538 b. Chr., bagegen tn ber ^abp- 
gefliehte bie Gboche genannt, in ber ba« 
^ßabptum fich in Abignon unter ber S^ing» 
herrfchaft ber franjöpfchen Äönige (bon 
1305—77, b. h- bon (Siemen« V. bi« ©re- 
ger XI.) befanb 



H. 



Sad), 3 o f e f , fathol. £h<oloa, geboren 
ju Ai«ltngcn bei Augsburg 4. 2Jcat' 1833, 



Putterte Xbeologie unb $biloWbbie in 
äNüncben, würbe bafelbp 1865 ^ribatbejent, 
1867 außerorbentlicber , 1872 orbentlicher 
^refeffor ber 9feligion«philofebbic unb 
^Jäbagogif. Unter feinen Schriften ftnb 
herbonuheben : „Xie Siebenmal?! ber Safra- 
mente" (1864); „SKeiper Gcfbart" (1864); 
„^ropp ©erhoch b. 9tcicher«bcra/' (1Mb); 
„$)ie Xegmcngef Richte be« 2Wtttelalter«" 
(1873—75, 2 33be.); „3of. b. ©tfrre«" 
(1876); „Xe« Albertu« SWagnu« ©erhalt- 
ni« jur Srfenntnislehre ber ©riechen, La- 
teiner ic." (1881); „»orlefungen über 
Xante" (1881); „Ueber ba« »erhaltni« 
be« Systeme de la nature jur Siffenfchaft 
ber ©egenmart" (1884). /. 

S3ad>mann. 3ohanne« $ranj 3u- 
liu«, luth- Xhfetcg, gfb. 24. gebr. 1832 
ju ©erlitt, würbe bafelbp 1856 ^rtbat- 
bojent; 1858 al« orbentlicher ^rofeffor ber 
Ih'cl^gi« na * 9Joftod berufen, fungierte 
er feit 1875 jugleich bafefbp al« Uniberft« 
tat«brcbiger, mürbe 1882 Äonpporialrath 
unb parb 12. Slbril 1888. Unter feinen 
Schriften pnb außer *|Jrebigten ju nennen : 
„2>ie geftgefetje be« i?cntateucb<<" (1858); 
w Xa« SBu* ber Stichler" (1867, «b. L 
1870, ©b. 2); „(S. ©. ^engPenberg" (1876 
bi« 1880, 2 53be.); „SBiber bie 3rbin- 
gianer" (3. Bufl. 1881); „Xic innere 
iutifpon bor 40 3ab>en unb je^t" (1885); 
„©efchichte be« ebang. Äirchengefange« tn 
SOTecflenburg" (1881). t 

»tt^tM, Äarl ftriebriety, berilch» 
ttgter brotep. Xheolog unb gretgeip, geb. 
1741 ju Sötfchof«merba, Sohn be« ^ro- 
feff or* ber Xhcologie unb Suberintenbenten 
ju Seibjig, 3ohann grtebrich S , Pubierte 
ju ?eij?jtg, mofclbp er 1766 aufjerorbent« 
ücher «profeffor ber biblifchen WUologie 
murte. Sr Warb 1768 in (Erfurt al« 
^Profeffor ber biblifchen Altertümer ange« 
ftcUt, erregte aber burch feine hfteroboren 
Sehren halb großen flnpofj, infolge bejfen 
er 1771 einem Stuf al« ^rebtger unb ^ßro» 
fcffor nach ©ießen folgte. SBegen ber 
hämifchen <Polemil feiner Schriften gegen 
ben h«*rf<h*nbfn theologifchen Cehrbegriff 
erhielt er 1775 feinen Äbfchieb. 9iacp 
einem furjen Aufenthalt in ©raubünben 
ging er 1776 al« ©eneralfubertntenbcnt 
nachXürrheim a. b. §aarbt. 3nfotge einer 
Schrift gegen ben 2Beihbifcb>f b. Scbeben 
würbe er burch einen oft angefochtenen 
SBefchluß be« 9leich«hofrath« für unfähig 
erfla'rt, irgenb ein geiftliche« Amt ju ber- 



Digitized by Google 



48 



toalten, erhielt jeboch 1779 toom breufji 
fchen SDftnifterium bte ßrlaubni«, in §afle 
ju leben, mofelbft er eifrig fcbriftftetterte 
unb in ber ^(Hlofopbjjtyen garultät 93or» 
lejungen tytlt. 93alb jeboch legte er mit 
femer Dienfhnagb auf einem bei $atte 
gefauften SBeinberg eine ©afimirtfchaft an, 
bte toiel ?lergerni« erregte. 1789 geriet^ 
93. al« 93erfaffcr be« ,,8leligion«ebirt«", 
eine« bie J>reußift^e Regierung toerftootten* 
ben ^ßa«q uiü«, in Unterjochung unb ttmrbe 
ju einjährigem geflungsarreft in SRaabe« 
bürg üerurteilt. Wach einer b;a(bja^rtgen 
§aft begnabigt, teerte er narii vatle jurüct 
unb ftarb bafelbft 23. Htoril 1792. (Seine 
SEBerte („©riefe über bie toftematifche 
X^eobgic", 1770-72, 2 »bc; „«riefe 
über bie 93ibel im 93ott«ton" u. a., im 
ganjen 102 (Schriften, barunter mehrere 
Romane) jeicbnen ftcb burd) föeinbeit unb 
©efättigteit ber ©brache au«, fdjabeten 
aber burdj ben in ihnen herrfcbenben leidet« 
fertigen £ou. Sine „©efcbichtc feine« 
?eben«" toon i&m felbft erfcbicn 1790, 4 93be. 
Sgl. <ßrufe in 9taumer« „§iftorifcöem 
Safchenbuch" (1850); Sebfer, Äarl fcr. 
93. f2. «ufl. 1870). z. 

»aiet, 3ohann SBilbelm, lutherifdper 
£b>otog, geboren 1647 »u Dürnberg, ttmrbe 
^Jrofeffor ber tytoUw 1674 in 3ena, 
1694 in $alle, ftarb 1695 al« Dberhof* 
brebiger in SBeimar. ©ein „Compen- 
dium theologiae positivae" (juerft 1686 
crfduenen, neu herausgegeben toon fireufj 
1864) ttmrbe ba« Beliebtere ?ebrbuch ber 
Doamatif auf lutherifcben Unttoerfitäten. 
Stußei-bem toerfafjte er „Compendium 
theologiae homileticae" (1677), in »eifern 
werft ber Warne „§omiletir" für bie 
^rebigt«©iffenfcbaft gebraust ttnrb, foroie 
mehrere in bie ©bmbolif unb ^olemit 
einfcblagenbe ©djriften. z. 

©QjuS, '.Viutuici (eigentlich 9Jcid)aeI 
be ©ab), einer ber bebeutenbften Ztyo* 
logen ber fatbolifcben Äircbe im 16. 3ahrbv 
geb. 1513 ju SWelin im $enncgau, ttmrbe 
1551 ^rofeffor ber %1)tclo%it ju Pitoen. 
SD?it feinem Äoüegen §effel« trug er bie 
Sluguftinifcben Schreit toon ber göttlichen 
©nabc tior unb ttmrbe bc«halb toon ben 
toelagianifierenbcn granjififanern heftig 
angegriffen, aber gleicb>obl mit jenem 
1563 al« Slbgcorbneter jum £ribcntiner 
Äonjil gefanbt. Dann toermarf 1567 
fitt« V. 76 ©äfee au« neuem ©Triften 
be« 93. Die 5mfle tvarb inbe« erft bann 
bublijiert, al« 93., ber fid) geb. orfam unter« 
teorfen hatte, bebaubtete, jene ©übe feien 
niefct feine Sebre. Der Streit entbrannte 
heftiger, al« 33. 1587 mit feinen Kollegen 



34 ©äfee ber 3efuiten al« toelagianifcb 
unb unmoralifd) toertoorfen batte. (fr ftarb 
1589. ©eine Sebre (93a jani«mu«) 
toon ber ©ünbe, bem freien SBiflen unb 
ber ©nabe, mit ber er aueb bie 93efrreitung 
ber toapftttchen Unfeblbarfeit unb ber um- 
bewerten ömtofä'ngni« ber 9Raria fotoie 
bie 93ebauptung toerbanb, baft bie bifdjöf« 
licbe ©ettoalt unmittelbar toon ©ott fei, 
fud^te ftoäter im 3anfeni«mu« ju Iircb= 
lieber ©eltung unb Slnerfennung ju ge« 
langen. 3)ie sfecrle be« 93. mürben fcerau«; 
aegeben toon ©erberon (1696). 93gL ?in« 
fenmann, SRitfyael 93. unb bie ©runb> 
legung be« 3anfeni«mu« (1867). z. 

»alfret, 3obann 93aptift, fatbolifeber 
fbäter attfat&olifc&er I^eolog, geb. 1803 
ju Slnbernadj, feit 1830 ^3rofeffor ber 
Ideologie 3u 93re«lau, fcb^loß ftdb juerfl 
ben anfieb, ten feine« Se^rer« $erme« (f. b.) 
eng an, fagte ftd§ ober toon biefem in feiner 
©d^rift „beitrage jur 95ermittelung eine« 
richtigen Urteil« über Äatb>tiji«mu« unb 
^roteftantiSmu«" (1839) lo«, um fu&; nun 
mit ben ftoefulatitoen ybcen ©üntber« 
(f. b.) ju befreunben. 211« beffen ©Triften 
1857 auf ben 3nber gefefct tourben, fügte 
fidj 9?al|jer biefer bäbfllid^en @ntfcb,eibung 
nur äußerlich unb für furje 3eit. 3n 
Jolgc feiner Sehrabtoeichungen fott>ic eine« 
«ötreite« mit bem 93re«lauer S)omfabitel, 
bem er feit 1846 anaebörte, mürbe 93. 1862 
fuetoenbiert; 1870 f($loß er fieb ben ©egnern 
be« 93atitanum« an (f. fHttatdoiijicinue) unb 
mirlte eifrig für bie alttatbolif($e ©acbe in 
©c&Iefien; 93. ftarb am L Ott. 1871 in 
93onn. Unter feinen ©Triften finb noch 
u ermähnen: „93iblifche ©dh'dbfungSge- 
ebiebte" (1867-72, 2 93be.); „lieber bie 
Anfänge ber Organismen" (4. Slufl. 1873). 
«ergl. griebberg, 3.93. 93alfeer ( 1873) ; 
granj, 3. 8. 93alfcer (1873); SWeljer, 
«alfeer« Seben, SBirfen unb miffcnfcbaftliche 
93ebeutung (1877). z. 

S3aUer, SBtlb,elm ßbuarb, ©torec^er 
ber freien ©emeinbe, ift 1814 in Jpoben- 
leine in ber *Protoinj ©ac^fen geboren, 
mürbe 1841 3)iafonu« in Deli^fdb; ba er, 
1846 jum Obcrbfarrcr in Worbbaufen gc» 
tt?äb.lt, bie 93eftatigung be« Äonfiftorium« 
niebt crbtelt, grünbete er 1847 in 9*orb* 
baufen eine greie ©emeinbe. 3m ftranf» 
furter Parlament ftanb er auf ber äußerflen 
Sinfen; 1881 legte er fein 91mt al« ©toreefcr 
ber freien ©emeinbe in 9forb&aufen nieber 
unb lebte in ©rbfcingen bei Durlach, tt>o 
er am 24. 3uni 1887 ftarb. ©eine fc^rift« 
fteüerifcbe Xbätiafeit tbeilte er jteifeben 
Ibeologie unb Se^etartaniSmu« , beften 
eifrigfter Slbcftel er m feinem fpütern ?eoen 



Digitized by Google 



#aluje — Jöaptiften. 



49 



mar. Unter feinen religiBfen ©«giften 
ftnb jn ertoä'bnen: „Xai ?eben 3efu" 
(2. Hufl. 1861); „Ungemeine 9?eligion«- 
gcfcbtcbte" (1854); „@ott, ©elt unb 2Renfd), 
©runblinien bcr 9?eligion«ttnffenfd>afr" 
(2. «ufl. 1879); „»eltgtonfllcbrbutb für 
£d)ule unb $au« freier ©emetnben" 
(3 «btbtg. 1870): „*lte unb neue SSelt- 
anfebauung" (2. «a£ 1859—81, 3 »be.) «. 

©aluje (»alujiu«), ©tebban, fat&o- 
lifdjcr Sbcolog, ifk 1630 jn XuUe geboren, 
ftubierte in louloufc 3uri«brubcnj, mürbe 
1667 »ibliotberar be« SWinifier« (Sclbert, 
1707 ©ireftor be« Wniglidjen Äoßeajum«, 
unb 1710 in golge feine« fßerfc« „Histoire 
genealogique de la maison d'Auvergne" 
(1709, 2 »be.) au« $ari« perbannt; 1713 
nad) ^art« jurücfgefebrt, ftarb er bafelbft 
1718. Unter feinen 45 ©erfen flnb für 
ba« etubium ber Äird)engefd?id)te, bie er 
mit Vorliebe betrieb, befonber« wertvoll: 
„Vitae paparum Avenionensium" (1693, 
2 ©be.); „Conciliorum nova collectio" 
(1685); „Epistolarum Innocentii III. li- 
briXI w (1682, 2»be.); „Miscellaneorum 
libriVII« (1677—1715). z. 

ätann (£ird)enbann, örfommu« 
nif ation), ein auf ©runb alt- unb neu- 
teftamentlidjer »orfommniffe (f. finatbfma) 
au«gebilbete ftorm be« «u«fd)luffe« au« 
ber Stirnen-, refb- ©a!rament«a,enteinf<$aft. 
2)erfclbe erfolgte fd)on gur 3ett Buguftin« 
in bobbelter Seife, inbem bie fcobfünber 
ganj tom 2eibe ber £ird)e abgefdjnitten 
unb erft, nadjbem fte bte tcrfdjiebenen 
Stagflationen (f. b.) burd)fd)ritten , roieber 
aufgenommen, biejenigen aber, bie letztere 

Sohlt nttc getrau, nur ton ber missa 
deliom au«gefdjloffen mürben. $ud) ba« 
fanonifdje SRedjt unterfdjeibet jmifd)en ex- 
communicatio major (großer SB.) unb 
exeommunicatio minor (Heiner ».). ffiä'b- 
renb ber fteine ». nur ton ber XfytiU 
na^me an ben €>atramentcn au«fd>ließt, 
beraubt ber große ». ben tym Verfallenen 
jebe« «ertebr« mit fatbolifd)en (Sbriften 
fomie aller fird)Iidjen ©egnungen unb 
3tcd)te (ber «nbörung ber SWeffe, be« 
ctrtuiirfccn ©egräbniffe« ic), marb be«balb 
aud) a(« töHige flu«ftoßung % n a t b t m a 
(f. b.) bejeidmet. 3m Mittelalter lieb ber 
©taat burcp feine ©efefcgebung ber Stirbt 
bei ber Surdjfityrung be« ©anne« feinen 
fcrm, inbem er bie 31d)t Über ben @e« 
bannten terbängte. 2)nrd) ba« neuere 
©taat«red)t ftnb ber (Srfommunifation ibre 
btirgerlidjen SBirfungen genommen, aud) 
ttirb burd) ba«felbe (tgl. in ^ranfreid) 
bie organifdjen tlrrifel, in Greußen ba« 
©efefc tom 13. 2Wat 1873, in ©adjfen 
$o($mcmn u. 3öpff«I, ?erilon. 



ba« ©efefc bom 23. 9(ug. 1876) bie »er* 
ftinbigung einer (Srtommunitation, meld)e 
tom ©taat gebotene $anblungcn betraft, 
unterfagt. Dbgleid) bie ©d>mairalbtfd)en 
Hrtitel ben großen ». al« Äirdjenftrafe 
für bie lutbertfd^e Äird)e aufhoben unb 
nur ben fleinen ». gelten ließen, ift iener 
bod) in bcr %oxm be« Äusfdjluffc« ton 
ber Äird)engemetnfd)aft unb ber Sprung 
be« »erfebr« mit ber ©emeinbe ton ben 
Äonfißorien, xt\p. ton ben Sanbe«berren 
unter Begleitung roeltlidjer Strafen ter> 
bängt morben. ^iut in ber auf bie 
Äirdjenjudjt nod) mebr bebaditen refor' 
mierten Äirdje blieb neben bem tleinen 
ber große ©. befteben, nur mit bem Unter« 
fdjieb, baß bie »erbängung be«fe(ben al« 
eine ^unftion ber $re«bbterien betrautet 
mürbe. SBä'brenb ber große ©. feit bem 
17. 3abrb- immer mebr au« ber gesamten 
etangelifdjen &ird)e terfd^minbet , ift ber 
fleine 9., melcber am 8d}luß be« torigen 
unb im Anfang biefe« 3abrbunbert« eben* 
fallt in ?tbnabme getommen mar, in ber 
gorm ber Verfügung be« Ubenbrnabl«, 
ber %<atenfd)aft, be« firdjlitben S3egräb- 
niffe« :c. ton ber etangelifdjen Äird)e 
tielf ad) it ri anuert morben. ©gl. Äober, 
3)er Äirdjenbann (1857); @öf(ben, Doc- 
trina de discipl. eccl. ex ordinat eccl. 
evang. saec. XVI adumbrata (^1859); 
©ie«ner, 2)er ©. unb feine gefdnd)tlid}e 
(Sntmidelung auf bem ©oben be« 3uben- 
tum« (Wyi). z. 

»optienttt (»abti«mu«, gried?.), 
eintau<ben in« ©affer, Eaufe (f. b.); 
«a)Jti«mu«, ?ebre ber »abtiftenj ®ab- 
ti«mu«(Jb^ifti/ 6- 3 an v weil bte Äird)e 
an biefem £ag aud) ber laufe (£t;riflt ge» 
benft, in einigen XiiJjefen jebedb erft 13. 
3an., ber Ottate ton öbibban«««/ befonber« 
gefeiert. «. 

23aptiftcn (gried).), gemeinfamer <Rame 
für alle biejenigen d?riftlidjen @eften, meld)e 
bie Äinbertaufe terroerfen unb nur (Sr- 
matbfene burd) Untertauchen taufen. 3br 
©aterlanb ift (Sngtanb, mo juerft 1618 
©. al« befonbere Äird)ettfjemeinfd)aft er« 
»äbnt merben, 2)er engltfd)e ®abti«mu« 
bangt mit ber 8tid)tung ber 3nbebenbenten 
Cf. b.) jufammen. 1689 erlangten bie 33. 
in (Snglanb unter SSilbelm III. burd) bie 
Xoleranjafte gleid)e 35ulbung mie bie 
übrigen ©iffenter«. 3ebod) fd)on 1691 
erfolgte eine ©paltung in bie ©eneral« 
unb bie «ßartitular- (caltiniftifd)en) 
$3. 3ene folgen binftcbtlid? ber Sebre ton 
ber ©nabenmabl ber arminianif(bcn febr* 
»eife, mä'brenb biefe an ben Sjefcblüffen 
ber SDorbrecbter ©bnobe feßbalten. 1639 



Digitized by Google 



50 



#apttften — Barbara. 



toerpflanzte Stöger SEBilliam«, ber ©e« 
grünber be« <Staat« Schöbe - 3«lanb , ben 
©apti«mu« nach ftorbamertfa. ftu$ ^tcr 
Zerfielen fte in ftreng calmniftifche 9tegu« 
lar-öa^tift« unb in arminianifch ben* 
fenbe $ree«2Bill«©aptifi«. 21t er auch 
tiefe beiben norbamerifanifchen §aupt« 
parteien z«rfplitterten fich im 18. Jabrb. 
in mehrere Heinere Denominationen , al« 
ba finb bie 53. ber ©ech« ©runbfäfce 
(®ir ■ <prinäple« ■ ©aptift«) , welche jebe« 
©lauben«betenntni« außer ben $ebr. 6, 12 
angeführten gunbamentalfäfeen »erwerfen; 
bie (Sampbelliten, and; „Dünger 
<5brifti" genannt, welche nur ba* al« 
®lauben«toorfchrift anerfennen, wofür fich 
ein au«briicflicbe« „@o fpricht ber §err" 
an n ihren laßt; bie au« ©. unb ^reäbty* 
terianern beroorgegangenen <S h * i ft e n 
(Christian Connexion), welche bie Sebren 
t>on ber Dreieinigteit, üon £>öüe unb 
Seufel »erwerfen, ber Saufe unb <5fye bie 
göttliche Snorbnung abfprechen; bie 1708 
tn Deutfchlanb entftanbenen, 1719 na et 
Sßorbamerifa überftebelnben 2; u n f e r , 
welche nur ba« Untertauchen ber Säuf« 
linge in einen ober Seich für fchrift« 
gemäß halten unb oon ben „©ottfomme« 
nen" (Enthaltung won allen „weltförmigen" 
©enüfien unb ©efchäftigungen forbern, 
auc^ außer Saufe unb Wbenbmaht bie 
ftußwafebung, bie feiste Defung unb ben 
©ruberfuß al« ©aframente haben ; bie 
$ a r t - 85 b« 1 1 ©. , welch« alle firrblicben 
Vereine, 2Wifftonen ic. öerwerfen, u. a. 
©emeinfam ifi allen ©., baß ihre inbepen« 
bentiftifche ©emeinbetoerfaffung auf bem 
©runbfafc freiwilliger ©eretnigung beruht ; 
atte haben baber auch mehr ober minber 
ftrenae Äirchciuurbt mit 9lu«fcbließung au« 
ber ©emeinbe. ©ebeutenb ift bie Shätig» 
feit ber meiften ©. in atten Dichtungen 
ber äußern unb ber innem SDtiffion fowie 
auch für bie ^egeremanjibation. Steuer« 
bing« haben bie ©. auch auf bem euro» 
päijcben kontinent (Singang gefuebt unb 

Sefunben. Die erfle ©aptifiengemeinbe in 
)eutfchlanb mürbe 1834 ton bem Äauf« 
mann Oncfen in Hamburg (ftarb 2. 3an. 
1884) gegrilnbet. Die beutfeben ©. nannten 
ftdj im ©egenfafc gegen bie „Merwelt«- 
fircbV, in ber ©tebergeborne unb 9cicb> 
wiebergeborne unterfchiebelo« burcheinanber 
gewürfelt feien, unb gegen bie polizeilich 
primlegierte ©taat«firche , melcbe fte al« 
„©aber bezeichneten, tie ©emeinbe ber 
getauften (£ ^ r i fl e n. Anfang« in 
3Jcecflenburg, Greußen, Äurbeffen, Maffau 
hart fcerfolgj, erfuhren fte auf gürfpracb> 
ber eöangeltfchen «üianj feit 1854 milbere 



©ebanblung, namentlich in Greußen; wirf* 
liehe Dulbung mürbe ihnen hier abtr erf» 
feit 1858 ju theil, unb auf ©runb be« 
©efefce« toom 5. 3uli 1875 tonnten fogar 
einzelne ©emeinben £orporation«rethte er« 
werben (©armen unb ©erlin), ©rößere 
©emeinben befielen in Hamburg, Stuttgart 
unb ©remen, im ©anjen gab e« 1886 in 
Deutfcblanb 101 ©emeinben. ©efannte 
Warnen »on ©. fmb ber Schotte §albane, 
ber (Snglanber ©purgeon (f. b.), unb ber 
Hamburger Oncfen. ©tehenbe 3üge be« 
©abtiftentum« ftnb nach wie »or geblieben 
eine rein fupernaturaliftifche ^(uffaffung be« 
©ebriftbuchftaben«, unfircblicher ©ubjef« 
timfimu« unb praftifeber Irieb. 3)ie ©e« 
famtjahl ber regulären ©. Warb 1879 ju 
etwa 2500,000 angegeben, baoon famen 
auf Worbamerifa etwa 2200,000, (Suropa 
etwa 290,000; fpejieü tu 35eutfchlanb jählte 
man 1886 ihrer 33,451, bie übrigen faüen 
meift auf Gnglanb. ©gl. Sramp, Bap- 
tist history (beutfeh 1873, 3 ©be.): ©arc« 
lab/ ^ ^° inner lifo of the Roligions 
Societies of the Commonwealth (2. SnfL 
1877, 2 ©be). z. 

©ttpttftettum (griech- Baptisterion, 
„Xaufhau«", auch ^hotifterium, 31« 
luminatorium), ber Z1)ai ber ©äber, 
wo man warm babete, bann ein an eine 
Äirche angefügte«, jur ©o(l}iehung be« 
Xaufaft« beftimmte« ©ebä'ube. ^ie ©ap« 
tifterien waren runb, fech«« ober achteefig, 
ober in treuzform gebaut unb meift groß 
unb geräumig. 3>a« 3nnere ober ^eilige 
berfelben, wo bie Saufe felbft erfolgte, 
enthielt ein große« ©afftn (colymbethra, 
Piscina, fons). Da bie Saufe urfprünglich 
nur in ber ^auptfireb^e »oüzogen würbe, 
hatte nur biefe ein ©. ; fpäter würben 
biefe einbauten auch bei anbern Äirchen 
eingeführt. s )io<h fpäter würbe nach gänz- 
lichem Sufbören be« Untertauchen« ber 
Saufart in bie xivdjc felbft »erlegt unb 
am Saufftein, ber an bie ©teile jene« 
©affin« trat, öorgenemmen. Dagegen 
haben bie griechifche unb rufftfehe Kirche 
mit ber 2 int be« Untertauchen« ba« ©. 
beibehalten, ©erühmte ©aptifterien ftnb 
in ^Jarma, «pifa, Stabenna, glorenz IC 
erhalten, h. 

»tttWta („bie ^rembe"), ^eilige, 
Warb, nach ber ?egenbe au« Witomebia in 
Äleinaften gebürtig, al« Sh^ifiin »om £anb« 
Pfleger iDcartianu« fcheußlich mißhanbelt, 
flüchtete in einen @touen, befebrte biet bie 
©ergfnappen. Warb enblich »on ihrem 
eigenen h«ibnifchen ©ater um 240 ober 306 
enthauptet. 2)crfelbe Warb gleich nach ber 
Enthauptung ber Softer »om ©lifc er« 



Digitized by Google 



51 



fcblagen. ©. wirb baher bei ©ewittern 
angerufen, auch al« «efchütjerin ber bem 
«hfc gewiffermaßen »erwanbten Hrtiüerie 
fotoic al« ©chufctoatronin ber Bergleute 
»erehrt. 3h* ©ebächtnistag ift ber 4. 2)e» 
jember. 9uf franjbTtfchen £rteg«fcbiffen 
hieß früher bie $ul»erfammer Sainte- 
ßarbe. z. 

©otclatj <fi»r. »rie), SRobert, ber be- 
beutenbfte Dogmatifer ber Duafer, geb. 
1048 }u öbinburg, trat wät)renb feiner 
©tubien in *ßari« jum Satt>oltji«mu'8 
Über, fcbloß fich bann ben Ouäfern an, 
beren ?e^re »on ber unmittelbaren Cr« 
leuchtung burth ben ^eiligen ©eift al« ein- 
ige Duelle religiöfer ©rfenntni« er in 
fernem 4?aubtwerf: „Apologia theologiae 
verae christianae" (1676, neue englifcbe 
9lu«g. 1878), \u begriinben unb auf meh- 
reren Sieifen bureb/ ßnglanb, ©chottlanb, 
Xeutfchlanb, trofe mehrmaliger §aft, ju 
»erbreiten fua)te. (Sr förieb noa>: „Cate- 
chism and confeasion of faith- (1673) 
unb ftarb 1690. z. 

23arbcfänc$ (eigentlich «ar-2)eif an, 
„©ol)n be« 25eifan"), fbr. ©noftifer, am 
$ofe »on (Sbeffa lebenb unb um 224 ge- 
worben, ftanb in ber gönn feiner ©noft« 
ber Äirdjenlehre näher unb verbreitete, 
gleich feinem ©ohn $armoniu«, feine 
©runbfäfce ^auptfSrtyty burö) §»mnen. 
«gl. $ i l g e n f e l b , «., ber lefete ©noftifer 
(1864). z. 

»arfüftr (tat Discalceati, „Unbe- 
fchubte"), SWbnche unb Tonnen (»ar« 
füßerinnen), welche entweber ganj ot)nc 
rtußbefleibung gehen, ober bloß ©anbalen 
ober mit SRtemen befeftigte ©ohlen flatt 
ber Schuhe tragen. Tie «. bilben (einen 
befonbern Orben, fonbern finben ftch al« 
3l«feten bÖh«n ©rabe« bei mehreren ber* 
[erben. Namentlich fam ba« «arfußget)en 
in Hufnahme, feitbem bie ^eif. Jtjerefe 
1560 e« ben Äarmeliterinnen »orfchrieb. 
ferner b.aben biefe« 3«$™ b « Brmut 
unb ber öntfagung auch bie ftrengern 
Cbfenoanjen ber «ettelmönche, juerft ber 
^ran* ) i«faner / angenommen, «eußere «er- 
anlaffung baju mag aWatth- 10, 10 (»gl. 
2uf. 10, 4) gegeben tyaben. z. 

23ar.Kot$ba („©ternenfohn"), eigent- 
lich (Simon, nach 4. 2Wof. 24, 17 SB. ae- 
nannt, trat mit großem (Srf ola (3oh- 5, 43) 
al* SReffia« auf, al« §abrtan bie «c- 
febnetbung »erbot unb auf ber ©tätte 
3erufalem« Äelia Sabitolina erbauen lieg. | 
2)er Ser}weiflung«!ambf ber balaftinift^en j 
3uben bauerte »on 132 bi« jum goß 
«ett)cr« 135, wobei «. umfam. «gl. 1 



3. ©c&Warj, 35er «ar » Äocbbaifche 
«ufftanb (1885). h. 

^arlaam, ein grie$. 9Wönch t>om 
Orben be« freil. Safttiu«, geb. ju (Snbe 
be« 13. 3abrfc. in (Salabrien, tarn 1328 
nacb ©riec^enlanb, n?o er 1331 3bt be« 
©t. ©al&atorflofter« in Äonftantinobel 
würbe. 3)er Äaifer Snbronicu« ^3aläologu« 
fanbte tbn 1339 nat^ ^loignon, um eine 
Bereinigung ber grie(^if(b^n unb römifc^en 
&ir$e anjubabnen. ?U<ti Itonftantiuopel 
jurürfgefebrt, begann gegen bie §ef&= 
d>aften <f i.) ju eifern. 911« er aber »or 
etner ©önobe ju Äonftantinopel 1341 
unterlag, ging er nac$ 3talien unb trat 
1342 jur römifdjen xirdu' Uber, \u beren 
©unften er no(^ mehrere ©d)riften »erfaßte, 
^apft Siemen« VI. »erlieb, ib^m ba« ©i«- 
tum ©eraci im s J?ea»olitanif(^en , mo er 
1348 ftarb. 8. war «ftronom, SDiatb_e- 
matifer unb Äenner ber alten ^bilofotbie, 
unb buxö) ibn warb ber erfte ©ame 
grie^itoer ffiiffenfc^aft wieber na^ 3talicn 
gebraut z. 

»atm^erjtQe »rüber (in $rantreidj 
Fr {-res de la charite, in 3talien Fatc 
ben fratelli, in ©banien ^©rüber ber 
©aftfreibeit"), urfbrünglitf ein freier «er- 
eilt »on ?aien jur Äran?enbftege unb 
«efferung gefallener 2Wäb($en unb grauen, 
gefliftet 1540 »on bem ^Jortugiefen 3uan 
bi 2)io („3o^ann »on ©Ott") ober 3obann 
Ciubab (geb. 1495, geft. 1550), ber in 
einem gemieteten $au« in ©ranaba 1540 
feine SBirlfamteit begann, diubab warb 
1630 beatifijiert, 1690 fanoniftert. 3)ie 
«erbrüberung würbe 1572 in einen Orben 
nach ber Siegel ftuguftin« »erwanbelt unb 
ci-biclt »on Urban VIII. ade $ri»i(egien 
ber ©ettelorben. 3>a ber 3wecf be« Orben« 
bie Pflege ber Äranfen etine 9türffic$t auf 
bie Äonfeffion ift, fo finb bie gotte«bienfl- 
licfcen Obfer»an$en möglic^ft befi^ranft, bie 
mebijinif(it)en ©tubien walten »or. $ie 
Älöfter ftnb trefflitb; eingerichtete ^ofbitäler, 
unb nur einzelne trüber erhalten bie 
Seibe jur Verrichtung ber geiftlichen 
unltionen. Xy Orbenetracht ftnb fchwarje 
utten unb ©fabuliere, ohi e «erbienfte 
um bie notleibenbe SWenfchheit ftnb fo all- 
gemein anerfannt, baß fie allen Orben«- 
ftürmen, abgefec)n »on ©banien, wo 1856 
unb 1868 bie Orben«häufer aufgehoben 
würben, getrotjt haben, z. 

»armherjiqc ®<fi»efietn (Soeurs 
ober Filles de la chante' ober de la mi- 
säricorde, »ormal« wegen ihrer grauen 
Sleibung „graue ©cbweftern", Sceurs gmes, 
genannt). ®er ©tifter biefer «ereine war 

4* 



Digitized by Google 



52 



Barnabas — ®artfyotomäu$nadjt. 



©incenj ton $ant (f. b.), unterflüfet 
öon einer gotteefürchtigen SSttwe, grau 
2 c g r a *. dincn früher gefHfteten grauen* 
verein jur UuterfiÜfcunQ ter Hrmen er- 
weiterte er 1625 ju etnem herein für 
Ärantentfleae ber 2lrmen, ber 1633 »on 
bem erjbifd&of &on $ari« ju einer fett« 
ftänbigen ©enoffenfdjaft ergeben würbe. 
3)ie toon ©incen$ gegebene »egel betätigte 
(Jlemen« IX. 1668. Wach berfelben, welche 
©elwrfam gegen bie Obern unb Pflege 
ber 9(rmen unb Äranfen t&orfchreibt , fofl 
ba« @elübbe fein leben«längltche« fein, 
fonbern jährlich erneuert werben. fBährenb 
ber Äetoolution aufgehoben, würbe ber 
Drben burdj Wapoiton L 1807 wieberber* 
ck [teilt. yciirt? JT ciitfd-lanb tarnen bie 
©armb<rjigen ©chwefiern 1811 unb iwar 
juerft nach Irier. 3efet wirb ibre 3<*&1 «uf 
28,000 angegeben. 6. DiakBiffinntn. z. 

^arnäbae (eigentlich 3of e«), ein ?ebit 
au« (Eltern, warb toon ben ttyoßdn nach 
s ?lnticctia gefanbt, um bie bertige junge 
©emeinbe ju befefligen, unb braute eben* 
babin auch ben ©aulu« Oßaulu«), ben er 
al« 9ieube!ebrten früher fdtten in 3«rufalem 
bei ^etru« nnb 3afobu« eingeführt hatte. 
2Rit $aulu« machte er beffen erfte äJtiffion«» 
reife fowie bie &eife jum fogen. Sbopel« 
fonjil; eine 3Weite SDitfftouSreifc nach. 
S^ent unternahm er, oon *paulu« getrennt, 
mit 9Harfu« (f. b). 2)ie ©age macht ihn 
entweber jum erften ©ifdjof ton SWailanb 
ober läßt ihn gu 9tom ober Bleranbria 
al« SWartbrer flerben. (Sin ©rief be« 
©. galt toielfadb, tn ber alten tfinte für 
fanouifefi, wie er itefc and im Codex Si- 
naiticus finbet. 2)erfelbe flammt inbeffen 
au« bem Anfang be« 2. 3abrb. JDie beflen 
Ausgaben ftnb toon §ilgenfelb (2. ÄnfT. 
1877) unb @ebbarbt * §arnac! (2. Huf*. 
1876); einen ftommentar lieferte 3. ©. 
aflüller (1869). ©gl. ©raun «berger, 
®er «toftel ©. (1876); »öfter in ben 
„3ab.rb. f. brot. Xbeot." (1888); 3. SBeifj, 
2)er ©arnaba«brief (1888). h. 

SBatnabiten, Kongregation regulierter 
(£b,or^erren be« beil. ^aulu« (^aulaner), 
gefliftet oon brei Slerifern : Zaccaria, %tv° 
rari unb SWorigia, 1530 juSWailanb, toom 
<|3abft (Siemen« VII. 1532 betätigt, deinen 
tarnen erhielt ber Drben oom $aufe 8t. 
©arnaba«, welche« feinen SDtitgltebern in 
SKailanb angewiefen würbe. 3b,r 3^cf 
War ©eelforge, 3ugenbunterricbt, SWiffton 
unter ben Äefcern, tt)r befonbere« ©elübbe, 
ficö nicht um fötftTt firchtiebe SBUrben ju 
bewerben. (Gegenwärtig beft&t ber Drben 
no<^ etwa 20 Käufer in 3talien, ©banien 
unb Defterreicb mit bem #aufctt;au« ju 



| SRem. 3tu« granfreieb, würben fie 1880 
au«gewiefen. z. 

83orontuö, (Safar, röm. Äirchenhifto» 
rifer, geb. 1538 ju ©ora im 9?eaboIitaut* 
fc^en, war einer ber erften @cb,üler be« 
beil. ^tjilifrb tton 9?cri unb SWitglieb ber 
»on biefem gefttfteten Äongregation be« 
Oratorium«, beren ©ufcerior er 1593 
Warb. 9?adt) Jangen Oueüenfmbien begann 
I er bie Verausgabe feine« großen firmen» 
gefchicb,tlicb,en SBerfc« .Annales ecclesiastici 
a Christo nato ad annnm 1198" (1588— 
1607, 12 8bc.). e. JKrdKitflefdiiant. Iro^ 
i jab,Ireid;er 3rrtümer ift ba« 3Ber! burch 
j bie Spenge ber mitgetbetlten Urfunben noep 
i immer eine gunbgrube firctenbjftorifcben 
I ©iffen«. «u§er ber «ntwerbener «u«gabe 
1 (1597—1609, 10 «be.) ift bie befie bie 
eon SWanfi (1738—1759, 38 ©be.), welAe 
^ac^i« (f. b.) „Critica" entbSIt; ber Ora* 
torianer Oboricu« 9fatonalbu« (f. b.) f<$rieb 
| eine ^ortfe^ung, bie bi« 1565 reicht (1646 
! —76, 9 «be.), be ?aberc^i eine weitere bi« 
1571 (1728 — 37, 3 «be.) unb Sbeiner 
fügte noch brei «anbe (1856) tnnju, weldje 
bie 3ab,re 1572 — 1585 umfaffen. (Sine 
neue «uegabe be« Serfe« mit ben $ort* 
fe^ungen &on Stattnalbu« u. a. beforgte 
51. Xfeiner (1864—82, «b. 1—36). 3)er 
9?ubm biefer Seifhing toerfebaffte «. bie 
SSürben eine« )>ä)>^Itc^en «eietyroater«, 
aboftolifchen ^rotonotariu« , Äarbinal« 
(15%) unb «ibliothetar« ber batifanifeben 
; «ibliott)ef. «or ber SBabt jum ^jabft 
1605 bewahrte ihn ber (ginfbruch be« burch 
■ feinen .Tractatus de monarchia Sicnla" 
(„Annal. eceles.", «b. 11) erbitterten fpa- 
nifchen $of«. «. fiarb 30. 3uni 1607 unb 
würbe 1745 t>on ©enebift XIV. für ebr» 
würbig erflart. »on ben „Slnnalen" gibt 
e« beutfehe, franji?fifche, italienifche, pol* 
ntfebe, arabifche Uebcrfe^ungen, aüe mehr 
ober weniger uutootlftä'nbig. 33on übri» 
gen SEBerfen ift noch anjuführen bie Hu«gabc 
( be« „Martyrologium romanum" (1586 u. 
öfter), ©gl. Sarra, Vita del venera- 
bile cardihale Ces. Baronio (1862). z. 

©atrowiflen, f. »ro»nifitn. 
SöartbDlomcier, f «on^oiomitcn. 

23tttt5olomciufi, @obn be« Ibotmai, 
j einer ber gwölf Stboftel 3efu, fott ba« 
I (Ehriftentum in 3nbien, b. p. im @(üct* 
, liehen Arabien, getrebigt h^"/ Ott" 
: bem «Sage nach tn Armenien gefdjunben 
I worben fein, ©ein ©eba*chtni«tag ift ber 
24., bei ben Oriecben ber 25. 9luguft. h. 

Bartholomaeus de las Casas, f. 

Cuu. 

»tttt^Olomdu^nttdjt, f. «macnotltn. 



Digitized by Google 



«artrjotomiten — «afeter ÄonjU. 



63 



Startftolomtien (©arthelomäer), 
Drben ber fegen, reformierten Armenier 
in 3talien. flüchtige Armenier erhielten 
in ©enna 1307 ein $au« unb bauten 1306 
eine Sinbe, welche bem heiligen «artbclo» 
maus geweiht würbe. 2)tefe Äircbe gab 
ihnen ben tarnen ber ©. Sternen« V. 
gemattete ihnen ben ®otte«bienft nach ar» 
mentfcbem Situ«, ©ie fd)loffen ftch bann 
enger an bic rtfmifche Äirche an unb wur- 
ben 1356 bon 3nnocenj VI beflätigt, 1650 
aber bon 3nnocenj X. wieber aufgehoben. 
Ten Warnen ©. führt auch bie von bem 
Äanonifit« ju ©aljburg, ^artbolomäu« 
.Jpoljbaufer (geft. 1658 al« Xe^ant bon 
fingen) 1640 geqrünbete, bom $abft 1680 
betätigte (?efeUfd>aft fatholifcher Söeltgeift« 
liefen, bie ftch bie «Übung guter ^rebiger 
unb ©eelforger 3um B^etf fefcte. SBegün« 
ftigt ben ben Sifchöfcn, fogar »on bem 
fcäbfllicben Wunjiu«, breitete ftc^ ba« 3n- 
fHtut nicht nur in 2)eutfcblanb au«, fon» 
bem auch nach Ungarn, ©hanien, ^olen. 
2?ie ©efeÜft^aft gerietb aber feben ßnbe be« 
17. 3a&r&. in »erfall. z. 

»atuch (»ber ©efegnete"), ®obn We- 
vija«, greunb unb ©efäbrte be« IJro&beten 
3eremia«, beffen Orafel er nieberfebrieb. 
Wach, ber Berftörung 3erufalem« burch 
9cebutabnejar blieb er junäcbft in $alä« 
ftina , manberte jeboc^ fbäter mit bem 
Unor-beten naä Segbbten au a. $ a « nach 
ihm benannte abofrbbhiföe Buch ©. lägt 
ihn, im ©iberfbruch mit ber beglaubigten 
<5rjät)lung be« 3eremia« unb 3ofebbu«, 
in Babylon berweilen unb ifi jebenfaü« 
erfl nach bem Buch JDaniel entflanben ; ob 
e« iirjorinKiitcii bebräife^ ober griechifcb 
getrieben, tfl ftreitig; ber erfle £heil ge» 
bort feinem ©eift nach ^ßaläfiina an, ber 
babon unabhängige jwette (3,9—5,9) ifi 
eher aleranbrinifch- 3n ben je^tgen 
Bibelau«gaben ifi bem Buch 8. (Äab. 6) 
noch ein angeblicher ©rief be« 3eremia« 
an bie babblonifchen Srulanten beigefügt, 
ber eine Seflamation gegen bie Unge- 
reimtheit be« ©öfeenbienfle« enthält, «gl. 
H neu der, 25a« Euch 8. (1879). h. 

»ttfclct .«©mjWftaten, f.8afeler*onjil. 

©afelet .«onfeffton, unter biefem 
tarnen gieht e« jwet 8efenntnt«fchriften 
ber reformierten Schweiber, bie erfle ifi 
mahrfcheinlich bon 0«walb 2Jc"bconiu* (f.D.) 
(1532—34) auf ©runblage einer Äonfef jton 
be« Decolambabiu« (f. b.) ausgearbeitet, 
warb 21. 3 an. 1534 bublijtert unb 1537 
auch < n Siülbaufen angenommen, bat)er 
fte öfter« ben tarnen Confessio Muelhu- 
führt. 2)ie jwette Bafeler Äonfefftou 



ifi tbenttfeh mit ber erfren ber betten 
helbctifcben Äonfef fiouen (f. b ) z. 

»ttfelet .fronjil, bie lefcte ber großen 
jtirchenverfammlungen be« 15. oabrb., 
auf welcher reformatorifche Xenbemen mit 
Äraft unb Wacbbrucf geltenb gemacht wur» 
ben. Bora $apfi SRartin Y. jufammen- 
berufen, warb fte nach beffen halb barauf 
erfolgtem $ob im ftamen feine« Wach* 
folger« Sugen IV. 23. 3uli 1431 eröffnet. 
3)er »om $abfi ernannte ^räftbent 3ulia- 
nu« Gefartni berief 15. Ott. auch tIC 
Bobinen }ur I hciiiiahnic an ben 8er« 
hanblungen, um fte t>ermittelfi f riet lieber 
«ef^rechung in ben @chofj ber Hircbc ju- 
rücljuführen. 6rfi 14. Xt\. fanb bie erfte 
©effton ftati «her fcb>n 18. 2>ej. erlieg 
ber $ttt eine »utte, burch welche er 
unter nichtigen ©orwänben ba« Monjil 
auflöfle unb nach anberthalb 3abren nach 
©ologna berief. »Hein ton dürften unb 
©ifchbfen ermutigt, erflärten bie sBäter in 
ber weiten ©ttyung (15. Rehr. 1432) 
au«brü<ftich, baß eine rechtmäßige &irchen- 
toerfammlung bon niemanb, auch 1 
^Jabfi, aufgelöft werben bllrfe. 3n ber 
britten ©effion (29. Hpril 1432) erging 
eine Sabung an ben $abß, bie «uflbfung 
gurilcfjuttebmen unb binnen brei Monaten 
»or bem Äonjil ftch ju fiellen. Sergeblich 
broteflierten bie bö>Pl«^<n ©efanbten, al« 
ba« Äonjil bie Siechte ber ^erfammlung 
immer mehr erweiterte, fogar in ber achten 
©ejfion (18. 2>ej. 1432) eine lefcte grifl 
Heilte, nach welcher ber ftbfefeung«t>ro)e& 
eröffnet werben fodte. Gugen, zugleich 
toon ben Äömern bebrängt, mufjte nach- 
geben; am 14. gtbr. 1433 geflattete er, 
bafj ba« Äonjil in ©afel weiter tage. 
3nftwifchen hatte ftch ba« Äonjil eine neue, 
jwecfmSfiige ©efchäftöorbnung gegeben. <2« 
fottte nicht wieber, wie in tfonfian), nach 
Wationen abgeflimmt werben, fonbern au« 
allen «Rationen unb »angftufen würben 
ner S)ebutationen (für ©lauben«ange(egen* 
heiten, griebcn«angelegenheiten , Äirchen- 
reform, Äonjilkngefcbäfte) gebilbet, welche 
bie SBefchlüffe ber (Seneralöerfammlung 
tcruibereiten Lutten. Tic VhiM'cbnnnq 
mit ben Böhmen betrieb ba« Äon^il mit 
großem unb erfolgreichem (Eifer. Huf eine 
iweite milbe (Sinfabung erfc^ienen enbltch 
«nfang 3anuar 1433 bitymtfehe ?lbgeorb« 
nete, burch einen ®eleit«brief be« Äonjil« 
geftchert, ju ©a|el. Äber tro^j monate» 
langer 2)i«butartonen lam eine Bereini- 
gung noch «i$t iufianbe; bie ©bhJnen 
toer ließen SBafel wteber, unb erfl 30. Wob. 
1433 würben burch Slbgcfanbte be« Äon« 
jil« bie f rag er Äombaf taten (auo> 



Digitized by Google 



54 



Jöafeler Äonjtf — Jöafilicmer unb 53a[i(iancrinnen. 



Vafeler Äombaftaten genannt) mit ben 
Äalirtinern, ber gemäßigtften nnb ja^I- 
reicbften «Partei ber $uf fiten (f. b.) abge- 
fc^loffen. 

2)ur<h bie bi«berigen örfelge ermutigt, 
f et ritt bie Verfammlung \n ber feit langer 
Reit febnlicbft begehrten bnrebgreifenben 
Äirchenreformaticn. 3n ber 20. ©effion 
(22. 3an. 1435) würbe ba« eigentliche 9le- 
f ormation«wer! bamit begonnen, baß ftrenge 
Verfügungen gegen ba« Äonfubinat ber 
Äleriter, gegen borfdjnelfe Vert)ängung be« 
3nterbift« unb gegen leicbtfmnige 9lp^el(a- 
ttonen erlaffen mürben. 3n ber 21. ©effion 
(9. 3uni) mürben bie Hnnaten (f. b.) unter 
Slnbrobung ber auf bie Simonie gefegten 
©trafen »erboten. 3n ber 23. ©effion 
(25. SWärj 1436) f<$ritt bie Verfammlung 
jur Deformation be« bäbfHicben ©tubl«, 
be« ÄarbinalfoBegtum« unb i Eu er ©erecht* 
fame. IDiefe« rücfftcht«lofe Vorgeben rief 
aber im Äonjil felbft eine römifebe Partei 
berbor, inbem bie Prälaten burch ba« 
Uebergewicht ber bemofratifeben (franjö- 
fifr^en) Partei unter bem Äarbinal Soui« 
b'?löemanb ihre eigne ©teüung gefäbrbet 
laben. 3)er 3miefbalt jwifeben <pabft unb 
£onjil«bätern brach au«, al« bie ©rieben 
bte Vereinigung mit ber römifden Mirdc 
jur ©brache brauten unb ber ^3abß ger- 
rara, bie £onjil«fcartei aber Vafel ober 
Höignon jum VerbanbIung«ort forberte. 
2)a« Äonjil beföieb in ber 26. ©effion 
(31. 3uli 1437) (Sugen IV. jur Verant- 
mortung bor, unb in ber 28. ©effton 
(1. Oft.) nahm ber *ßrojeß gegen ben» 
felben feinen Anfang. 2)er $abfl aber 
hatte unterbe« ba« Äonjilinm bon Vafel 
nach gerrara »erlegt unb ließ feine ©bnobe 
8. 3an. 1438 hier eröffnen. 2)ie ftola,e 
biefe« ©dritte« mar, baß ba« V. St. in 
ber 31. ©effion (24. 3an ) ben $a*ß bon 
feinem Simt fufbenbierte. 2)ie« mar jua,lei<h 
bie lefcte ©ibung, in melier noch einige 
reformatorifebe Vefcblüffe gefaßt mürben. 
Von jefet an mürbe bie X^a'ttgfeit ber 
Verfammlung au«fchließlicb bon ben 
©treitigfeiten mit bem ^abft in Slnfbruch 
genommen. 3m 3ntereffe ber weltlichen 
dürften lag e«, ihren ?anbe«fir<$en bie 
Vafeler SReformation«befcblUffe ju fiebern, 
juglekt) aber ba« brobenbe ©dji«ma abju*- 
wenben. Mcnig Äavi VII. bon granfreith 
ließ bemnad turefc bie ^ragmatif^e 
©anftion bon Vourge« (f. @aaifoniemu«) 
1438 bie reformatorifcben Vefcblüfje be« 
Äonjil« bon ber franjöftfcben Äirdtje an- 
nehmen. 3n 25eutf41anb famen trob. ber 
bom SReich jwifeben yapft unb Äonjil be- 
obachteten Neutralität burch. eine 26. Süiärj 



1439 bon Äaifer unb Äeicb ju SKainj 
bolljogene 9lccebtation«urtunbe bie bon 
ben Vafelern erfämbften Vorteile mit 
wenigen öinfebränfungen ebenfall« jur 
©eltung. 35a« Äonjil aber febritt auf ber 
betretenen Vabn entfcbloffen bor, fpracb 
in ber 34. ©effion (25. 3uni 1439) noch 
heftigen Debatten Uber (Sugen IV. ba« 
9tbfe^ung«urteil au« unb ließ burch ein 
bon ihm jufammengefetjte« Äonflabe einen 
neuen $abft, §erjog «mabeu« bon ©a- 
boben, al« gelir V. (f. b.) mahlen (5. Wob. 
1439). 2)iefer fanb nur bon feiten ber 
©cbmeij unb ©aboben« Änerfennung. 
©elbfl ba« Äonjil gerieth mit bem neuen 
$abft in heftigen ©trett, ba beibe ZtyHt 
ftcb in ihren geaenfeitigen (Erwartungen 
getä'ufcht fahen. Tie fc^nett jur Ohnmacht 
herabgelommeue Verfammlung hielt 16. ÜRat 
1443 ihre 45. unb lefcte ©effion, worin 
?hon jum Verfammlung«ort eine« neuen, 
binnen brei fahren ju berufenben Äonjil« 
beflimmt, für je^t aber bie Verfammlung 
ju ihrer größern ©icherheit nach Saufanne 
berleat mürbe, fibtv nur wenige bon ben 
ju Vafel berfammelt gewefeneu Vätern 
hielten no<h eine Zeitlang ju Saufanne 
au«. Xxt ©baltun<j enbete 1449 mit ber 
Annahme ber bon 92t(olau« V. bargebotenen 
foiebenftbutte unb ber freiwilligen Sluf- 
löfung ber Verfammlung. gelir V. legte 
feine ffiürbe (1449) nieber unb würbe 
Äarbinal. 2>en Äonjil«bätern ließ ber 
heilige Vater Verjeihung angebeihen. @o 
enbigte auch ber lejjte Verfuch, bie alte 
Äirche auf ihren bi«herigen ©runblagen 
ju reformieren. 2)a« SBenige, wa« ge- 
wonnen war, wußte ein fein angelegte« 
SRänfefbiel burch ba« SBiencr Äonforbat 
1448 bet beutfehen Nation bon neuem 
ju entstehen. Vgl. b. SBeffenberg, 3)ie 
großen Äirchenberfammlungen be« 15. unb 
I 16. 3abrt)unbert« (2. ®b. 1845); $efele, 
Äenjiliengefchichte (7. «b. 1869). Hbert, 
^atft öugenIV. (1885). «ßafjor, ©efch- 
ber ^äbfte feit bem «u«gang be« Mittel- 
alter« (1. Vb. 1886). r. 

93aftlianer unb Stafilianetinnen, 
SKönche unb Nonnen nach wt Äegel Va- 
filiu«' b. ©r. (f. b.). 2)iefe Siegel (Regu- 
lac fusius disputatae LV unb Kogulao 
breviores CCCXIII, griechifch abgefaßt um 
362 n. Cht) tb« ber erfle erfolgreiche 
Verfuch, ba« 3}»ncb«leben nach gefetjlichen 
Veftimmungen ju orbnen unb förmlich 
u organifieren. ©ie fanb im SWorgen» 
anb große Verbreitung, würbe aber im 
910enblanb bon bem mächtig aufftrebenben 
Venebiftinerorben berfchlungen , unb nur 
wenige Sflöfter fonnten hi« al* befonberet 



} 



Digitized by Google 



55 



Orben i T re ©elbfiänbigfeit bewahren. (Sin 
X&eil ber fbanifdien «aftlianer na T m unter 
2Ratteo be la guente 1557 ju Xarbon 
flrengere ©afcungen an, baljer bie Tanten 
reformierte ©afilianer unb Xar» 
boniten; au« ©ganten würben fte 1834, 
aus granfreid) 1880 öerwiefen. ©ewitynlid}, 
aber mißbräudjlid) wirb ber Warne Söafi- 
lianer öon allen gried)ifd)en 3Wend)en ge» 
brauet. Xie ©aftlianerinnen foflen ton 
SWacrina, ber ©cbwefter be« «afiliu« ge- 
triftet fein. z. 

»aftlibe*, um 120—130 in Aleranbria 
lebrenber ©nofrifer, öon welkem bei 3re* 
nau« ein emana tifiifd) • bualifrifd)e« , bei 
$iöbolöt aber ein eöoIuttoniftifrt>moniftifd)ee 
©öftem überliefert wirb. ©eld)e« öon ben 
beiben ©bftemen ba« urfbrünglid)e , ift 
frreitig. ®on feinen unb ton ben ©(triften 
feine« ©o^ne« 3ftboru« T aben ftd; nur 
geringe Fragmente erhalten, ©einen fpätern 
Anbangern ben^feubobafilibianern, 
wirb ftttltd)e (Entartung, aud) öb<»ntafHfd)er 
Aberglaube unb 3<wberei nad)gefagt, womit 
ba« ©ort Abrara« (f. b.) in ©erbinbung 
fiebt. «gl. 3 a c o b i in ber „Btfd>rf t für Ä.@." 
(1877); A. $ilqenfelb, Xie Äetjergefd). 
be« Urcbriftentum« (1884). r. 

©ttfUtftt, f. »autunfl (d)ripli(fte). 

»ttftltuS, ber ©roße unb ^eilige, 
geb. 329 n. tibr. *u (Jäfarea in Äabbabo« 
nett, öon feiner Butter (Smmelia d)rifUid) 
erjogen, ftubiertc 9tbetorif, ©rammatit 
unb ^Lulc'ephic -,n CSäfarea, Äonflanti* 
neöel unb fitzen, wo er einen innigen 
$reunbfd?aft«bunb mit ©regor öon Wajianj 
fdjloß. Um 355 nad) Äleinafien jurücf ge- 
lehrt, begab er ftd) »ur genauem Äenntni«- 
na T me öom SWöndfaleben auf eine Steife 
burd) Sürien, ^ßaläftina unb Aegbpten 
unb lebte feitbem al« lUönd) in ber 9lä' T e 
be« Äfefter« feiner ©cbwefter in ^ontu«, 
bi« er 364 öom »ifc^of ßufebiu« öon 
Cäfarea jutn ^ßre9b T ter geweift warb. ©. 
War öon jefct an bie Seele ber bifdjifflicben 
Xbatigfeit unb warb, al« öufebiu« 370 
larb, ;u beffen 9tad)f olger erwäblt. @o« 
ort ging er an bie ©ieber T erftettung ber 
n ben arianifdjen Streitigkeiten berfauenen 
Äirdjenorbnung unb Äirc&enjud)t. Xer 
große ©ebanfe feine« Seben« aber war 
bie ©ieber&erftellung be« £ird)enfrieben« 
unb ber $3erbinbung mit ber abenbtä'nbi* 
fd)en $fcird)e }ur Cefämbfung be« ArianiS» 
mn«. 911« bie $>auötfUifce ber nicä'nifdjen 
Xreieinigfeit«lebre würbe ©. ba« $aubt« 
jiel aller gegnertfdjen Angriffe. Uner« 
fcbütterlicb wiberftanb er allen Xrobjwgen 
unb SBer&eißungen, weld)e ber Äaifer 
«alen« an i T n richtete, um Äabbabotien 



I für ben ftriani«mu« ,u gewinnen. 9cur 
bie ric'ylidje örfranfung be« faiferlid)en 
©obn« bewahrte i T n bor einer fd)en an- 
georbneten gewaltfamen ©egfübrung; balb 
nad)ber ftarb er 379 (römifd)er ©ebenftag : 
14. 3uni). ©eine reiben (Sinfünfte T atte 
| er, felbft in Xürftiafeit lebenb, meift an 
i ba« öon ibm in (Jä'farea geftiftete groge 
Jpofbital gewanbt. %m widjtigften würbe 
©. für bte Äir$e burtb! feine ©eförberung 
be« Äloftcrleben«. SJiit Wedjt {?ei§t er ber 
SJater unb SWeifler ni<b"t bloß ber ©afi- 
lianer (f. b.), fonbem aüer 2Köno5«orben 
be« Orient« unb Occibent«. ©Triften 
geboren binft^tlic^ be« ©til« unb ber 
Sfaffijität m ben bef)en Grjeugniffen ber 
cfiriftltc^en Literatur. Außer bogmatifdjen 
©Triften (roiber (Sunomiu«, über ben $ei(i* 
gen @eift) ftnb befonber« bie (iturgi[(b|en bon 
SBic^tigfeit, bie er na<$ ber Xrabttton ber 
»on bem Abcftel 3afobu« bi« bab. in münb- 
litt) fortgeöflanjten Liturgien aufgejeiebnet 
b.aben foü. Unter ben ©efamtausgaben 
feiner ed)ten unb uned)ten SBerfe ift bie 
befte bie ber SWauriner (1721—30, 3 »be., 
neue Au«g. öon ©inner 1839 , 3 5Bbe.) 
unb öon SKigne (P. gr., T. 29—32). 
33gl. »b'^ringer, Äirdjengefdjidjte in 
»lograbbjen (2. Au«g. 7. «b., 1875); 
©dioll, Xie Sebre be« beil. «. öon ber 
©nabe (1881). z. 

©aönoge (u»t. banam), 1) © a m u e 1 , 
geb. 1638 ju »aöeur, ^rebiger bafelbfi, 
fieb nad) Aufbebung be« Sbitt« öon 
9iantc« nad) §ollanb unb ftarb al« ^ßre- 
biger ju 3ütb T en 1721. ©eine ©erfe: 
n Exercitatione8 historico - criticae de 
rebus sacris et ecclesiasticis" (juerft 
1692) unb „Annales politico - ecclesia- 
stici" (1706, 3 8be.) ftnb gegen «aroniu« 
(f. b.) gerietet unb burd) Äraft unb ©d)ön« 
T eit be« ©til« au«gejeid)net. 

2) 3acque«, Detter be« »origen, 
geb. 1653 ju 9touen, würbe Urebiger in 
feiner Saterfiabt. Xurd) Aufhebung be« 
Sbitt« öon Wante« 1685 öertrieben, wirtte 
er al« ^rebiger erft ju 9Jotterbam unb 
feit 1709 im $aag. Xie ©eneralftaaten 
ernannten t^n ju i^rem v^ifioriograbben, 
unb er genoß fo "große« Anfeb>n, baß felbft 
bie franjbfifdje wegierung unfer ber 8te« 
gentfdjaft feinen föatb; einholte. (5r ftarb 
1723. AI« ©d)riftneüer, befonber« in ber 
jHra)engefä)id)te, )eid)nete er ftd) burd) 
grünblidje« Ouellenfiubium unb felbflän- 
bige« Urteil au«, ©eine gegen SBcffuet« 
(f. b.) Auffaffung ber Äird)engefd)itt)te ge» 
richteten ^»aubtwerfe finb: „Histoire de 
lYglise depuis Jesus-Christ jusqu'a prä- 
sent" (1699, 2 «be., u. öfter), worin aud) 



Digitized by Google 



56 



^affermcmn — JÖcmfunft. 



bie fcten früher gefebriebene „Histoire de I 
la rcligion dos eglises r&brmees" (1690, 
2 ©be.) aufgenommen ift. ©gl. äKailhet, I 
Jacques B. (1881). z. 

»afTermamt, § einrieb, broteftant. 
X^eolcg, geb. 12. 3uli 1849 ju ftrant* 
furt a. ftubierte 1868—71 in 3ena, 
ürieb unb $eibelberg unb würbe 1873 
ilf«*rebiger in «rolfen. 3m ©egriff, 
f\6) 1876 in 3ena ju habilitieren, mürbe 
er als anßerorbentlicher ^rofeffor ber trat« 
tifdjen Ideologie nach §cibclberg berufen I 
unb bafelbft 1880 orbentluber ^rofeffor, 
fotoic 1884 2)ireftor be« tbeologifchen (Se- 
minar« unb Uniöerfität«brcbiger. Sr 
febrieb: „De loco Matthaei cap. V, 17—20 
conimentatio exegetica etc.* (1876); 
£>anbbuch ber geiftlichen ©erebfamteit" 
(1885): „(Sntmurf eine» ©öftem« e»ange« 
lifcber VÜturgif" (1888). ©. giebt feit 1879 
mit Gbler« in ^ranffurt a. 3Ä. bie ba* 
felbft erfebeinenbe „3eitfchrift für »rartifebe 
Ibcologie" berau«. z. 

33aet&gen, griebrieb SBilheltn 
&bolf, etoangelifiher Übeolog, geboren in 
l'adjem in £anno»er 1849, mürbe, nachbem 
er in (Böttingen unb Miel Xb.ec(ogte {tu* ; 
biert unb barauf ftcb in 9Jußlanb, ©erlin 
unb Üonbon aufgebalten batte, 1878 "tßrieat* ! 
bojent in Äiel unb 1884 bafelbft außer« 
orbentlidjer ^rofeffer in ber tbeologifchen 
gafultät; 1888 ftebelte er in gleicher (Sigen* 
febaft nacb $»alle über. Unter feinen 
größeren ©Triften bejiehen ftd? auf bie ! 
ibeologie: „Unterfucbungen über bie Hal- 
men nacb ber <pefcbita" (1. Hbtblg. 1878); 
„<5*angelien • Fragmente" (1886); „©ei* 
träge jur femirifeben 9feligion«gefcbicbte" 
(1888). Hußerbem »erfaßte er eine 9teibe 
auf ba« 21. X. bejüglicber, »oertoetter 9lb« 
banblungen in »erfch iebenen »)ettfchriften. z. 

»ttt=Äo( (b. ebr., „Xochter ber Stimme") 
beißt in ber talmubifchen Ideologie ber 
niebrigfte, burch ba« gutfterben ber ^ro« 
Abelen feit SWaleacbi bebingte @rab ber 
Offenbarung, erfolgenb burch »on $eit $u 
3eit unvermittelt eintretenbe ©ttmmen 
toom Gimmel. 9Kan bat bie« auf 9Rattb. 
3, 17; 3ob. 12, 28 angetoenbet. h. 

»aubifftn, ©elf, ©ilbelm ftrieb« 
r id>, ® raf , e»ang. Xbeolog, geb. 26. ©ebt. 
1847 ju ©obbienbof bei Äiel, habilitierte 
ftcb 1874 an ber tbeologifchen ^afultät in 
Setbjtg unb folgte 1876 einem Stuf nacb. 
©traßburg, mo er 1880 orbentlm)er $ro« 
feffor murbc. 3n gleicher Sigenfcbaft ging 
er 1881 nacb 9Jfarburg. Unter feinen Ver- 
öffentlichungen beben mir fytxtox: »Trans- 
lationis antiquae libri Jobi quae super- 
sunt« (1870); „öulogiu« unb ?ll»ar" 



(1872); „©tubien jur femitifeben SÄeligion«« 
gewichte" (1876—1878, 2 ©be.): „2)er heu« 
tige ©tanb ber altteftamentl. ©iffenfebaft" 
(1884); außerbem »erfaßte er eine große 
3abl »on altteftamentl. Sirtiteln in $eqog« 
„9eealencbflotoabief.!£beologie u. Äirchc". z. 

Sauet, ©runo, ber »ermegenfte 
biblifebe Äritifer ber 9feujeit, geb. 9. ©ept. 
1809 ju Öifenberg im ^erjogtum ©aebfen« 
Slltenburg, befuebte bie ©erltner Untöerfttät 
unb habilitierte ftcb, an berfelben 1834 al« 
?ijentiat ber Geologie; 1839 »eröffent» 
liebte er, nadjbem er al« ^Jritatbojent an 
bie Uniöerfität ©onn toerfc^t mar, feine 
„Äritit ber etangelifc^en ®efcbicbte be« 
3obanne«" (1840) unb bie „Äritit ber 
c&angelifcben @efcbicbte ber ©bnoptiter" 
(1841-42, 3 ©be. ; 2. Bufl. 1846). 9iach» 
bem ibm 1842 bie örlaubni«, tbeologifdbe 
©orlefungen )u hatten, entzogen mar, 
febrieb er in ©erlin ju feiner ©ertetbigung : 
„I)ie gute ©adt}e ber Freiheit unb meine 
eigene ängeleaenbcit" (1843), begrünbete 
barauf eine „»Ugemeine titeraturjeirung" 
(1843—44) unb lieferte mehrere fritifche 
unb biftorifche Söerfe über ba« 18. unb 
19. 3ahrh- 3n meitern tbcologifeben 
©ebriften: „Äritit ber (göangelien" (1850 
bi« 1852, 4 ©be.), „Äritit ber baulinifcben 
©riefe" (1850 — 52, 3 ©be.) unb „Sie 
»boflelgefchichtc" (1850), fefcte er jugleich 
feine negatiöc Äritit fort, ©üäter ent» 
riefelte er bi« \u feinem am 15. %pvH 
1882 in »irborf bei ©erlin erfolgten lob 
eine eifrige journattfHfche $bätigteit unb 
veröffentlichte noch „IJbtto, ©trauß, 9tenan 
unb ba« Urehriflentum" (1874); ,,<5hrifiu« 
unb bie Gäfaren. Ser Urfbrung be« 
kiluiftcntuinc au« bem römifchen ©riechen« 
tum" (1877) ; „(Sinfluß be« englifchen Dualer« 
tum« auf bie beutfehe Äultur unb auf ba« 
englifch«ruff»fche ^rejett einer ©eltfirche" 
(1878): „3ur Orientierung über bie ©i«= 
mareffche Hera" (1880); ,,2)i«raeli« roman« 
tifeber unb ©i«marcf« fo^ialiftifcber 3m|>e' 
riali«mu«" (1881). 35er Tübinger ©chule, 
beren 9lefultate ©. namentlich burch bie 
*Prei«gcbung fämtlicher *ßaulu«briefc über« 
bot, pat ©. »on ieber fremb gegenüber» 
geftanben. 3m ®egenfa<} \n ©trauß, bem 
©erfaffer be« „Sebcn« 3efu", aber »erlegte 
©. bie ©enefi« be« Shriftentum« rein unb 
allein in ba« mit ftoifct)er unb aleranbri« 
nifcher *pI>iIefop^ie gefättigte ©emußtfein 
ber römifchen Äaiferjeit unb macht nament* 
lieh ©eneca bafür »erantmortlich- z. 

©oufunft bie religiöfefte aller Äünfte, 
{ofern ihre Crntmictelung toon »ornherein 
m nSchfter ©ejiehung ju ben 3»»ecten ber 
©otte«t-erehrung ftanb. 25ie Xem»el ber 



Digitized by Google 



Öauhmft — «aulaft, fir^ftc^c. 



57 



alten «ölfer waren jwar fo »erfcbieben I 
wie i^re ©otter, batton aber ade ba« mit* 
einanbev gemein , baß fte tyilafte ber 
Söttet waren, meiere bat «oll auf biefe 
SBrifc m tbrer SWitte feft jubalten gebaute, j 
9u$ ber lempel ©alomo«, ber Übrigen* 
in ägbptifdjen unb Pbönififchen bauten 
feine «orbilber bat, will trofc be« 1. Äön. 
8, 27 bezeugten, Übergreifenben ©otte«» 
begriff« bod> bie Stätte fein, barüber 
3ebooa« Äugen offen neben &ag unb »Jtacbt, 
unb ba fein ÜRame wohnen foU (1. Ätfn. 
8, 29). ftaebbem nun bie «orftellung 
»on einer letalen ©cgenwart ber ©ottbeit 
kuxäf ba« öbriflentum (3 0 ^. 4, 21 f.) 
entwurjelt werben, ftnb bie Üempel im 
©runbfafc babingef allen, unb bie djrift» 
lieben äireben ftnb fireng genommen nicht j 
fowobl ©otte«bäufer, al« «erfammluna,«* 
ftätten für bie ©emeinbe, wa« fwb fofert 
in einer gän$Ud> »eränberten arebitefto- 
nifeben Anlage berfelben aeltenb maebt. 
25a« «orbtlb für ben feit xenflantin auf* 
bliibenben Äircbenbau bot nad? Heiteren bie 
«aftlifa, b. b- bie öffentliche JJiarft unb 
©erichrthalle, ober oielmebr (neuere 2Jto- 
bifttatien), bem $er»organg ber cbriftlicbcn 
©emeinbeoerfaffung au« ber $au«gemeinbe 
entfprecbenb, ber jener «aftlifa nadjgebilbete 
unb ebenfe benannte ©aal in gröfeern | 
^rioattoobnungen, welker, ebe öffentliche 
©emeinbebäufer ober &ircben erbaut werben 
fonnten, ju ben gemeinsamen «erfamm- 
lungen benufct worben war. "Meuefle 
gorfebung (Xebie) erblicft fogar gerabeju 
im bürgerten $aufe felbft ba« «orbilb 
be« altern Äirdjenbau« : ba« Atrium würbe 
erweitert, ba« überbaute Xablinum \nv 
2lpft« umgeftaltet; au« Htrium unb ^erifrol 
wirb ba« breifdnffige Sangbau«, au« ben 
f. g. alae ba« Ouerfcbiff, an @teUe be« 
fteinernen Xifd^e« tritt ber Hltar. lieber- 
einfHmmenb bagegen Weiß bie Äunftge- 
fcbtdjte narb, wie ficb au« ber betriebenen 
©runbferm eine«tbeil« ber bbjantinifche 
Äuppelbau, anberntbeil« im Slbenblanb ber 
remanifrf>c unb ber getifäe «auftil ent- 
wicfelt b^aben, bi« berfelbe Äatbolhismu«, 
welcher ftd? nadbeinanber fo »erfebtebener 
«auf ernten bebient Kitte, im «egtnn ber 
neuern j$tit an ber entfcheibenbften 2 teile 
unb in ber glänjenbftcn ©eife bie &te 
naiffance ut feinem arebiteftonifchen 9lu«- 
bru<f«mittcl erhob. 3)ie alten «aftlifen 
in 9tom, ÜRailanb unb Siaöenna, bie 
.Hurrel Kutten in SRatlanb, 9caoenna unb 
Äenftantinopel, bie Xomt eon SWainj unb 
Söorm«, bie SJtünfter in ©trafjburg unt 
SReim«, enblid? bie Jeter«fir^e in SRom 
mögen glektjam al« Diufterbilber erwähnt 



fein, an Welmen biefe Slufeinanberfolge 
§u fhtbieren ift. Uebrigen« ut ber Äatbc 
li)i«mu« babei nicht fte ben geblieben, 
fonbern bat nacb feiner ©ieberberfleUung 
eine faft Überreife «(Ute be« Äircbenbau« 
in ber §erm be« fpätern «arod, im 
fog. 3efuttenfli(, entfaltet, ja felbft SKetofo 
unb 3»Pf, auch bie gormen be« nabele» 
enifeben Älafftji«mu« iticbi oerfdnnäbt. 
2Bie er aber auf bem ©ebiet ber «. feine 
ganje (Slaftijität entfaltet bat, fo bezeugt 
ber i3roteftanti«mu« , wenn er jeitweife 
mit Corliebe ficb berfelben formen bebiente 
unb namentlicb mit ber ©etif befreunbete, 
barin »ieÜeicbt nur ben feine Vertreter (^a* 
rafterifterenben Langel an «ewugtfein 
um ben eignen prinzipiell oerfebiebenen 
Stanbpunft. 2>ie fatbolifcbe .Hirwe ift 
iUeßfitcbe, ba« Sber ift ber eigentliwe 
Xempel, unb ber ältar, wo (Sbnfm« im 
»erwanbclten «rot erfebeint, oertritt bie 
©teile ber CeÜa mit bem ©ötterbilb. 
w Gine »roteftantiftbe Äiube mit einem 
Sbor ift ber tytlaft einer republiranifcben 
Regierung mit einem Mönig«- unb Xbron- 
faal". 3n ber fatbelifeben Äircb.e tommt 
e« barauf an, bajj alle öligen ben Hltar 
errei(ben, in ber proteftantifeben barauf, 
bag bie 'Jkebigt alle Obren erreiebt; fte 
ift ^rebigt» unb ©emeinbefirtbe unb »er- 
langt al« foUfce einen einheitlichen , nidn 
in 2dnri unb Sber ber ^anlifa getbeilten 
9iaum, barin bie ©itje ber ©emeinbe im 
§albfrei« ober in Jpufeifenform um "IJre« 
bigrftub.1 unb ftbenbmabl«tif$ ft(b grup- 
pieren. SBa« barüber i^, fann ben 3wecf 
nur ftbren. ©ie aber ber ridjrige j^wed 
mit einer tUnfHerif$ ;u retbtfertigenben 
unb ben vergangenen Ztfptn ebenbürtigen 
jjerm ju »ereinigen fei, bilbet no(ty ein 
Jroblem ber Butwnft. «gl. ©totfbauer, 
Xev cbriftltcbe ^irc^enbau in ben erften 
feA« 3a^rbunberten (1874); 3)ebio, 2)ie 
©eneft« ber (^riftl. »aftlifa (1883) ; ? ü b l e, 
©efebiebte ber «r^itettur (6. «ufl. 1884); 
2)ebio unb e. «ejolb, 3)ie firtbl. «au- 
fünft te« «benblaube« (feit 1884). h. 

S3aulaft, ftrdiltdic, ift bie «e^eidmung 
für bie «erpflid;tung be« Unterhalt« ber 
Äircbengebaube ; biefelbe fiel junädjfl ber 
abrit ber £ir<be (f. Äird)fnfobrif) ^u, im 
ranfenreid; aud; benjenigen, weld^e bie 
ird^engüter al« «enefi}ien empfingen, 
nad; fanonifd>em 9te«bt ferner bem ©eift- 
liefen, weld;er ber 3nhaber ber v 4?frünbe 
War. 2)a« Xribentinum befHmmt, bafj bie 
f. «. in erfter fiinie eon ber Äirchenfabrif, 
in jweitcr oon ben Äird;enpatronen, bem 
Pfarrer unb fonftigen «enefhiaten , in 
britter »on ben fämtltchen $arod;ianen 



Digitized by Google 



58 



39aum — 33aumgarten*(SrufiiiS. 



ju trafen ift. 3n ber cfcangelifchen Äirche 
rupt bic f. ». auf ber Äirchenfabrif, unb 
wo bicfe ohne SWittel, auf ber ©cmeinbe. 
»gl. «ßer man« ber, 3)ie nrcbliche »aulaf! 
(2. «ufl. 1856). z. 

©Quin, 3ot)ann SBilhclm, proteft. 
X^eotoa, geb. 7. 2)ej. 1809 ju ftlonbeim 
in ftbem&effen, fiebelte 1822 nach ©träfe- 
bürg über, wo er ftubierte unb 1835 — 44 
al« TircTtcv be« theologifdjen ^tubien« 
ftift«, fett 1847 al« Pfarrer ju @t. $hcma«, 
feit 1839 al« aufjerorbentHct)er unb feit 
1860 al« orbentlicher ^ßrofcffor am £rote« 
ftantif^en Seminar, feit 1872 auch an ber 
neuen Uniserfttät tbätig mar. Sr mirfte 
in ebenfo au«gcfbrocben beutfepem mie 
freiem ©inn; unter feinen ©Triften finb 
bie »io|>rabhien : „gran3 fambert bon 
Sltoignon" (1840), „3:peobor ©eja" (1843, 
2 »be.), „Carito unb »ufeer" (1860) per» 
fcorjuheben. 92ad) fünfjähriger äranfbeit 
Port er 29. Oft. 1878. ©ein «eben be- 
feprieb feine ffiitwe (1880). z. 

Söaumaartcn, 1) ©icgmunb 3afob, 
einflußreicher Übeoleg be« vorigen 3ab,r» 
bunbert«, geb. 14. SJcärj 1706 ju SBol* 
mirftebt, ftubierte feit 1724 in $alle, warb 
1734 orbentlicher ^rofeffor bafetbfh <£r 
flort 1757. Bl« ©cbülcr unb «nbänaer 
SSolff« wanbte er beffen bemonftrarwe 
iWetpobe mit »erficht auf bie 2)ogmarif 
(„Söangelifcbe ©lauben«lebrc", 1759, 3 »be.) 
unb auf bie (Stbit („Äuefübrlirfjer »ortrag 
ber tbeolog. SWoral", 1767) an. 3)a« 
©tubium ber flirchengcfcbicpte hat er burd) 
feine „©efdjictytc ber 9teligion«barteien" 
(1766) geförbert. ©eine »iograbbie fd)rieb 
©emier (1758). »gl. »titfehl, ©efeb. be« 
$ieti«mu« (2. »b., 1884). 

2) aWicbael, etoangelifeper £hcolog, 
geb. 25. SWa'rj 1812 ju $>afelborf in ber pol- 
fteinifepen Slbmarfd?, ftubierte feit 1832 
auf ber Untocrfität ju Äiel, habilitierte fieb 
1839 als ^ritoatbojent bafelbft, würbe 1846 
tyifior 3U ©d)le«wig, 1850 orbentlicher 
^ßrofeffor ber Itpeologie in SRoftocf. ©treng 
bibelgläubig, aber femb allem pierardbiftben 
2Befcn, gerietp ». halb mit bem Ober- 
firä^enratp in 3 n>,c fJ >a ^*- er auf einer 
<ßfarr!onferenj ju $arcbim gegen Sinfüh« 
rung jeremonialgefetjli^er ©runbfäfee in 
bie @onntag«fcier eiferte unb arglo« eine 
^rüfungefrage ftettte, ob fich eine 9let>o» 
lution au« ber ^eiligen ©ebrift rechtfertigen 
laffe, warb er 5. SRo». 1856 au« ber theo« 
logifdpeu ^ritfung«fommiffton entlaffcn unb 
6. San. 1858 unter Nichtachtung be« für 
fold)e Kalle fcorgefchriebenen »erfahren« 
feiner f rofeffur enthoben. Die in »ejug I 
hierauf *on ihm perauegegebenen ©ebrif- 1 



ten: „Sine firdjlicbc Ärift« in 9Reeflen« 
bürg" (1858), „35er fachliche «Rotftanb in 
SWedlenburg" (1861), „Bn bic ftrcunbe 
au« bem ©efängnt«" (1862) ic. joaen ibm 
wegen ^ßreßbergeben gweimalige »erurtet« 
lung \a §aft unb ©clbbufje ju. 3n 9io« 
ftoef lebenb, wirfte ». unermüblid) burd) 
©d)riften unb öffentliche »orträge für eine 
9?eugefÜaltung ber beutfd)en eöangelifcben 
ÄirdTe unb war bi« 1877 im ^roteftanten- 
t>eretn ^aubtt»ertreter ber bibelglanbigen 
J?id)tung. »gl. feine ©d)nften: „3)er 
v ^roteftantentoerein, ein panier im 2)eurfd)en 
JReid)'' (1871); „Sine Ärift« innerhalb be« 
3)eutfd)en ^roteftantenöeretn«" (1876). »ei 
©elegenpeit be« ?utherjubilSum« (1883) 
richtete er an föeftor unb ©enat ber 
UnoerfitSt bie »itte, ihr 9lnfepn aufju« 
bieten, bamit er reflituiert Werbe; ein 
ähnliche« @efud> richtete er 1884 an ben 
©rofjberjog, jeboeb toergeblid). »on »aum« 
garten« größeren ©erfen fmb ju nennen: 
„Jheolegtfcber Äommentar jum Älten %t* 
ftament" (1. »b. 1843—44); „«befiel« 
gefliehte ober Sntwidelung«gang ber Äirche 
toon 3erufalem bie »om" (2. ftofr 1859, 
2 »be.); „3>ie ^aebtgeftebte ©acharia«" 
(neue »u«g. 1858); „2)ie ®ef Richte 3efu" 
(1859); „©chleiermacher al« XfyoUtf' 
(1862); „3wb"lf firchengefcbichtliche »or« 
träge jur »eleudt)fung ber fircblupen ©egen- 
wart" (1869); „kirchliche 3eitfragen in 
»orträgen" (1873); „Lutherus reaivivus, 
ober bic firchliche 9?eaftion" (1878): „Doftot 
3)?artin i'uthcr, »ol!«budb" (1883); „35er 
bunflc glec! in ber ?uthcrfeier ju Äoftocf 
(1883); „2)ae ?ntherfefl unb bie mecflen- 
burgifch - fchwerinifche ?anbe«firche" (1883). 
*fil- 3*egler, „35er Äambf um« Hecht 
in ber etoang. Äirche 25cutfchlanb«", in ben 
„35eutfch=e»?ang. »lätteni" (1885). z. 

»aumöotten ■ €rufiu« , 8 u b w i g 
griebrieb Otto, etangelifcber $pei>li>g, 
geb. 31. 3ult 1788 ju SRcrfcburg, Würbe 1810 
UnitjerfitätSbrebiger in ?ety)ig, fiebdtc 
1812 nach 3«na al« außcrorbentlicher 
^ßrofcffor ber Xpwlogie über, wo er, feit 
1817 orbentlid)er ^ßrofeffor, 31. 2??ai 1843 
fiarb. 81« ein »ertreter be« rationalen 
@uj>ranaturali«mu« fämbfte er gegen ben 
bulgären 9?ationali«mu« in feinen \ab\-- 
reichen ®dt)riften. Unter biefen ftnb noch 
heute ba« „Lehrbuch ber chriftlichen ©it« 
tenlehre" (1827), „Scbrtuch ber ebrift» 
liehen Eogmengefcbichte'' (1831—32, 2 »be.), 
„Äombenbium ber chriftlichen 3>ogmen* 
gefebichte" (1840—46, 2 »be.) unb feine 
„ipeologifche 2lu«legung ber 3ohanneifchen 
©chriften" (1843-45, 2 »be.) ju neu- 
ncn. z. 



Digitized by Google 



#aur. 



59 



Säur, 1) fterbinanb (SbrifHan, 
|>rcteflantif<^er Dheolog ber 9?enjcit unb ©e- 
grünber einer na* ihm benannten ©cfcule, 
geb. 21. 3uni 1792 $u ©chmibcn bei @tutt- 
aart, warb 1817 ^ßrofeffor am theologifd)en 
©eminar ju ©laubeuren unb 1826 orbcnt« 
lieber "^rofefjer ber eoangelifchen D&cologie 
an ber Unttoerfttät ;u Bübingen, wo er 
2. De}. 1860 ftarb. 9cad) $>erau«gabe 
fetner „©bmbolif unb SRptljologie ober 
bie SRaturreligion be« «Itertum«" (1824— 
1825, 3 ©be.) bebaute er in eb«beiuacben' 
ber Seife bie ©ebiete ber Dogmenge« 
fcbidjte, ber tir$Ii($en ©butbolif unb ber 
bibttföen Äritif. Buerft auf beni ©tanb- 
puntt ©cblciermacher« ftebenb, fcblofj er 
ftct) fchon in feinen ©cbriftcn über „Da« 
maniebäifcbe 9lcligion«foficm" (1831) unb 
„Die chrifllicbe ©nofi« cber bie chriftliche 
SRcfigion«bbilofobbi« in i&rer gefcbichtlicben 
Sntwicfelung" (1836) ber Segelten ©cbule 
an, welcher er bann in feiner bbjlofebbifchen 
©ehanblung ber gefamten Äirchengefchicbte 
treu geblieben ift. Den eigentlichen ©ianj* 
bunft feiner tüfiorifcben ftorfd)ungen bilbete 
fbejieü ba« bogmengefchidbtliche gelb, tbetl* 
in ben beiben umfaffcnbcn SWoncgratbicn 
„Die chriftliche ?eljre toon ber ©erfttynung 
in it)rer gefdbicbtlichen (Sntwicfelung ton ber 
älteften Seit bi« auf bie neuefte" (1838), 
„Die c^rtftlicfce ?ehrc *on ber Dreicinig- 
feit unb SWenfcbwcrbung ©otte«" (1841 
—1843, 3©be.), tbril« in feinem ,,?ebr« 
buc^ ber cbnftlichen Dogmengefchicbte" 
(3. Hufl. 1867) unb in feinen „©or> 
lefungen über bie chriftliche Dogmcnge- 
fliehte" (1865—67, 3 ©beA Cin jweite« 
fceraanbte« ©ebiet, auf welchem ©. wirrte, 
ift bie ©bmbolif im fircbltchcn ©inn ; 
er toerteibigtt ben ?el)rbegriff ber etoan» 
gelifct)en £trcbe gegen SWctyler« „©bm- 
bolif" in ber ©tbrift „Der ©egenfafc be« 
Äatboliji«mu« unb ^rotcftanti«mu«" (2. 
Hufl. 1836). 9Wit©orltebe enblicb wanbte 
er ftch ber Urgefehicbte be« (Sfjriftentum« 
gu. ©o man früher im ar-oftolifcben 3«t- 
alter nur grieben unb Öinhett gefeb>u 
b.atte, ba fucfye er ben äampf entgegen« 
gefegter Stiftungen nacbjuwcifen , eine« 
jübifch • gefefclichen 9Reffia«glauben« unb 
be« »on *ßaulu« eingeführten ^rtnjib« ber 
gefefce«freicn ©eltreltgion. Hu« ber '.'lue« 
etnanberfefcung, in welcher beibc Stiftungen 
anberthalb 3ahrhunberte lang miteinanber 
begriffen waren, ging bann bie fatholtfcbe 
Äirche fytvoox ; al« Dcnfmäler biefe« firmen« 
bilbenben «ßrojeffe« feien unfre neutefta- 
tnentliehen Schriften entftanben, meift im 
2. 3atjrh- * or fc"" 3<>&* ? 0 Meiben al« 
echte Schriften nur beftehen bie tier grtffjern 



©riefe be« "^aulu« unb bie Offenbarung 
be« Oogamie«. »Jufammengefafjt finb bie 
auf bie Sboftetgefchichte unb bie s J*auli= 
nifchen ©riefe fich bejiebenben Untcrfucbun- 
gen in bem fficrf „^ßaulu«, ber «poflel 
3efu Gbrifti" (2. «ufl. 1867), feine bie 
e»angelif<he Ueberlieferung hetreffenben ©tu- 
bien bagegen in ben „Äritifcben Unter- 
fucbungen Uber bie fancnifcben Qvangelien, 
ibr ©erbältni« ju einanber, ihren Urfbrung 
unb Öbarafter" (1847), woui al« Nachtrag 
fommt bie ©chrift w Xa« SWartu« • (Stan- 
gelium nach feinem Urfbrung unb Öba< 
rafter" (1851). lie rcn ©. unb feinen 
©thülern, wie Seiler, ©cbwegler, Äcftlin, 
^ilgenfelb (f. b.), »erfolgte fritifthe 9iicb- 
tung, al« beren Organ bie „Xbeologifchcu 
Jahrbücher" t>on 1842^57 erfchienen, be» 
jeidmct man mit bem tarnen ber tti* 
hing er Schule, ©gl. ©aur* Schrift 
„Xie Tübinger Schule unb ihre Steüung 
jur ©egenwart" (2. «uft 1860) unb 
kelfer, ©orträ'ge unb ?lbbanblungen 
(1865, ©. 267 ff., 354 ff.). Xiefelbe brach 
einer burchau« neuen Hnfcbauung be« Ur- 
chriftentum« ©ahn, welche gewifj auf fielen 
fünften anfechtbar, aber fcbon barum 
ebochemachenb ift, weil fte juerft bie aU- 
gemein gültigen ©efe^e ber ©efchicht«* 
wiffenfd)aft auf biefem @ebiet jur ?ln« 
wenbung gebracht hat. 3)ie befte ©efamt= 
barfteüung gibt ©. felbft in bem Serf 
,,3)a« (S^riftentum unb bie chriftlicbe Äirche 
ber brei erften Jahrhunberte" (3. VnfL 
1863). Daran fcbliefjen fich: „Die chrift- 
liche Äirche toom nnfang be« 4. bi« jum 
(Snbe be« 6. 3abrhunbert«" (2. Slufl. 
1863); „Die chriftliche Sirct)e be« SWittel^ 
alter«" (2. «ufl. 1869); „Die Äird)en= 
gefcbicbte ber neuern Seit" (1863); „Äircben« 
gefcbichte be« 19. 3ahrbunbert«" (2. Iiift 
1877). ©gl. aucb ©aur« ©erf „Die 
(Sb»<vfu ber hrchlichen ©efcbicbtfcbreibung" 
(1^52). 

2) ©uftat> «bolf ?ubwig, etjangcl. 
Xbeolog, geb. 14. 3uni 1816 ju Hammel» 
bach im Obenwalb, habilitierte fich 1841 
an ber tbeoloaifchen ^ahiltät ju (Siegen, 
wo er 1847 auferorbentlicher, 1849 orbent« 
licher ^rofeffor würbe. 3m ftrübiafc-r 1861 
ging er al« v-auptpaftor ber 3afobigemeinbe 
naep Hamburg, 1870 al« orbentlicher ^ro« 
feffor nach feibjig, wofelbft er 1886 ©e« 
heimer Äirthenratl; würbe. Unter feinen 
©chriften finb außer mehreren ^rebigt« 
fammlungeu ju nennen: „©runbjüge ber 
^omiletif" (1848); „@runb}üge ber Gr« 
jieb.ung«lehre" (3. «uflage. 1876); bie 
unöoüenbete ,,©ef<f>icbte ber altteftament* 
liehen ffiei«fagung" (1861); „©oötiu« unb 



Digitized by Google 



GO 



#autam — Beaten. 



©ante" (1874); „Sempfer« ©elbftbtogra» 
fcbie" (1882); „@efd>. ber ßrjie^ung" (ge* 
meinfam mit Ä. 31. ©djmib, 1. ©b. 
1884). 

3) SB tl beim, ebangeltfdjer £&eo» 
log, «ruber be« Vorigen, geb. 16. aRarj 
1826 ju Sinbenfel« im Dbenroalb, fiubiertc 
1844 — 47 in ©ießen X&eologie, rourbe 
Pfarrer 1855 in ßtttng«&aufen (Ober* 
fceffen), 1862 in 9tn^ert«burg bei ?aubad>, 
1865 <ßaftor in Hamburg, 1872 §of« unb 
3>omj>rebiger in ©erlin, 1879 Dberfonfi« 
ftorialraty unb SJtitglieb be« eoang. Ober« 
firdjenratfc« bafelbft unb 1883 ©cneral» 
fuberintenbent ber Stfcetnbrotoinj. <2hr 
fdjrieb: „ftriebr. ^ertbe«" (2. Knfl. 1878); 
„(Srnft 3Bor. Brnbt" f5.3tufl. 1882); „@e- 
fdnctyt«» unb 2eben«bilbcr aus ber ör» 
neuerung be« religiöfen Jebcn« in ben 
beutfajen ©efreiung«friegen" (4. Knfl. 1884, 
2 ©be.); ,,$a« beutle eoangel. $farr» 
bau«" (3. Kuft. 1884); „3)0« ?eben be« 
greiberrn ton ©tein" (5. Bufl. 1885); 
„Unfere roeibliäe 3ugenb" (1886); ,,©et(6> 
unb Äommuntonbud)" (5. Slufl. 1886); 
„©on ber Siebe" (3. ftnfl. 1887); ,,$rin» 
jeß Sil&elm to. Greußen" (1886); ,,?eben«« 
bilber au« ber @efcbid>te ber ftirdje unb 
be« ©aterlanbe«" (1887). z. 

©outofn, Subroig (Sugen SWaria, 
fatbolijdn Ablief eH? unb 'ibeolea,, geb. 
1796 in $ari«, würbe 1816 <prcfeffor am 
(Sollege ju ©traßburg, 1819 bafelbft $ro» 
feffor ber 9tyiIofobbic an ber Slfabemic. 
Xa er ftd) in ©Triften unb ©orlefungen 
an bie *ßl?ilofo)>l>ie gierte« anließ, rourbe 
er al« Streift feiner Stemter entfefet (1822). 
9Jad)bem er feine bb^lofobbjfdjen Sin» 
fdjauungen gegen frreng fatfyolifdje einge» 
taufd&t, erhielt er 1824 feinen ?ebrftutyl 
juriief unb rourbe fattyolifdjer ^riefter 
(1828), barauf ©uberior be« Keinen ©c» 
minar«. ©eine ©e&aubtung, baß bie 
fatb>Iifdjen 2>ogmen ftd? ni^t burd; bie 
Vernunft beroeifen, fenbem nur glauben 
ließen, trug ibm eine ftiige feine« ©if<$ofs 
ein (1834). Dbroobl fid> ©regor XVI. 
in einem ©rette Dom 20. 2)ec. 1834 auf 
bie ©cite be« ©traßburger ©ifdjof« ge« 
fä)lagen, wiberrief ©. erfi 1840, nadjbem 
er ftd) perfönlidj in 9tom eine« ©effern 
batte belehren laffen. 1848 rourbe er 
©eneralöifar ber ^atifer Sibcefe unb 
1853 ^Jrofeffor ber SDforal an ber tbeolog. 
ftafultät ju «ari«. ©. fiarb in «Pari« 
1867. 6r fdjrieb: „De l'enseignement 
de la Philosophie au 19 ra « siecle" (1833); 
„Philosophie morale" (1842, 2 ©be.); 
„Philosophie du christianisme" (1835, 
2 ©be.); „La religion et la liberte' con- 



1 aider6es dans leurs rapports" (1848); 
„La morale de l'Evangile comparäe aux 
divers systemes de morale' 4 (1855) ; „La 
conscience tt (2. BufL 1861). z. 

»ttrntann, (Srnft ©alentiu 9lu« 
bolf, eoangel. $beolog, geb. 22. gebr. 
1832 ju ©tenbal, fhibierte in ©crlin, 
roar 1861 ftettoertretenber breußifdjer ©e» 
fanbtf<b>ft«brebiger in Siffabon, habilitierte 
ftdj 1862 ju ©onn, roofelbft er 1869 
fiarb, nadjbem er auf feinem Äranfen« 
(ager ben Xitel eine« Dr. theol. ton 
Güttingen empfangen. Unter feinen ©Trif- 
ten ftnb ju nennen: „Ueber bie ©renjen 
broteftantifd)er Sebrfreibeit auf Äanjel 
unb 5?at&cber" (1865) unb feine mufier« 
^afte Ouettenforftbung „2)ie ^ßolitif ber 
^äfcfte öon ©regor L bi« ©regor VII." 
(1868—69, 2 ©bc). z. 

©ortet, 9iid)arb, nonfonformiftifd)er 
engl. Sbeolog, geb. 12. 3?oo. 1615 ju 
SRoroton in ©bropfb.ire, befleibete ein geift» 
lia)e« ämt ju Äibberminfter in ©orcefter« 
fbire unb roar eine 3*itlang (fett 1642) 
pelbbrebiger im ^}arlament«beer ; 1649 

I febrte er nad) Äibberminfier jurücf. 9?ad) 

! ber 9teftaurorion »erlor er burd) bie Uni» 
formität«atte 1662 fein Bmt, lebte nad) 
(Srlaß ber 35nlbung«afte 1672 al« ^rebi- 
ger in ?onbon. 911« angefeljener nonfon» 

j fonniftifeber ©eiftlidjer ^atte ©. 1685 eine 
längere ©cfängni«baft ju erleiben unb ftorb 
1691. 25 a« in feiner ©ebrift ^55 er eoan* 

| gelifa>e ©eifllidje" aufgefteütc 3bcal fott er 
felbfl nabeju erreio)t baben. ©erbreiteter 
nodj ifl feine „(Sroige 9lube ber ^eiligen". 
3n ber grage be« ©nabenratbjebluffe« be» 
fanntc er ftä) jur gemilberten Buffaffung be« 
SImbrault (f. b.). ©eine gcfammelten ©Trif- 
ten erfebienen 1847 ju Jonbon (4 ©be.), 
in 91u«roab^l beutfa? öon O. t. ©erlacb u. 
a. (1837—38 , 5 ©be.). ©eine ©elbfl» 
biograbbie rourbe unter bem Xitel „Reli- 
quiae Baxterianae" ton ©öloefler (1696) 
berau«gcgcbcn. ©gl. Söeingorten, ©. 
unb ©umjan (1864); ©oble, 5». ©. 
(1883). z. 

83oTtettttnt$mu$ beißt nad; ©arter (f. b.) 
in önglanb ber milbere <£aloini«mu«, roeld;er 
jroar bie (Srroäblung einer beftimmten «n« 
jabl jur ©eligfeit, aber feine borber be» 
ftimmte ©erroerfung annimmt, z. 

Beäta (tat., Femininum ton beatus, 
„gliicffelig"). B. virgo, feligc Jungfrau, 
bäufige ©ejeitbnung ber 3ungfrau äHorio. 
Beatae memoriae, feiigen Bnbenfen«. h. 

©töten (lat. Beatae ober Oblatae, 
franj. Beates, Devotes ober Soeurs con- 
veraes , „beteb^rte @d?roefiern"), ©emein» 
name berjenigen Xertiarierinnen »erfo>iebf 



Digitized by Google 



Jöeatiftfatton — iöecfy. 



61 



ner 9JciJncb«orben, welche über bte Siebten 
be« tertius ordo binau« ftcb au« freien 
Stütfcn noc$ jur öinbaltung rer bret 
Äleftergelübbc bereit erflarten. ■. 

S?eatiftf arion (tat.) , Seligfbrecbung 
einer berflerbenen frommen ^Jerfon bureb 
ben ^abf*, ein feierlicher fcft, toelcpcr auf 
ba« (SJutacbten mehrerer »ifeböfe erfolgt, 
meift »orläufer ber $eiligfbree$ung (Äa» 
nonifarion), beftebj in ber 3ucrtennuna, 
be« titele Beatus ober Bcata fotrie einer 
beiligenäbnlieben »ereprung. Tu- Untoften 
unb 3«^ c OT on « n fi n *> geringer al« 
bie ber $eUtafprecbung. ©gl. 2 a m b e r t i n i 
(»enebtet XIV.)/ De Servorum Dei beati- 
ficatione et beatorum canonizatione 
(1734—1738, 4 »be.). e. $eüifle imb Ad- 

Tocatus diaholi. 7. 

SBetf, 3 09. Xebia«, etoangelifeber 
Geolog, geb. 1804 ju »dingen in Württem- 
berg, roarb 1827 Pfarrer 511 ©albtbann, 
1829 Stabtbfarrrr ju SWergent&cim, 1836 
aufjerorbcntlicbcr ^rofeffer ju »afel, 1843 
orbentlicber ^ßrofeffor ber Xb«logie in 
Xfibingen, »0 er 28. Dej. 1878 ftarb. 
3m ©egenfafc $ur fritifcb/fvefulatitoen Scbule 
»aur* begrünbete er bafelbfi eine biblifcb/ 
tbeofobbift$e 9iia)rung. »on feinen Triften 
finb ju nennen : „Ginleitung in ba« Sbficm 
ber efcifHicben ?ebre" (2. Bufl. 1870); 
„35ie cbrifttkbe ?ebrn>iffenf(^aft nac$ ben 
biblifcben Urfunben (2. «ufl. 1875) ; „Um* 
xx% ber btblifeben Seelenlebre" (3. «nft. 
1871); „GbrifHicbc »eben" (1834 — 70, 
6 Sammlungen); „Seitfaben ber ebriftlicben 
@lauben«lebre" (2. Sufl. 1869), mit ber 
ftortfefeung „Cbnftlicbe *?iebe«lebre" (1872 
—1874 , 2 »bteilungen). «u« feinem 
Wacblafe erfreuen: „erfiärung ber jmei 
»riefe tymli an Xtmotpeu«" (1879); „$a- 
ftera Hebten nacb SDcattbäu« unb ber ^l^cftel- 
gefebiebte" (1880); „»erlefungen über cbnfl- 
lt€^e (Stbif (1882, 2 »be.); „Crflärung 
ber Offenbarung 3opanne«" (1883); 
„(Srfla'rung be« »rief« an bie 9<tfmer" 
(1884); „»riefe unb Äernmorte" (1885); 
„»orlefungen über ebrifU. @lauben«lcpre" 
(1886—87, 2 »be). »gl »iggenbacb, 
3. X. »ecf (1888). z. 

Settel (ft>r. brtf't), X&oma«, »or« 
ffimpfer ber ^äbftlicben ©ierarctyie in (Sng- 
lanb, geboren um 1119 ju Sonbon, fhtbierte 
ju ^ßari« unb fam an ben §of be« erj» 
bifebof« Xbeobalb ton QEanterbunj. Seit 
1154 STrcpibiafonu« ju Canterburp, getoann 
». bie @unft §cinriep« IL, ber ibn 511m 
Heicb« langer unb 1162 utm erjbifcbof 
fcon Ganterburp ernannte. ÜDamit trat 
eht SBenbebunft in »ecf et« feben ein: au« 
bem toertrauten ©ebilfen ber monarebifeben 



»eftrebungen be« Äönig« nwrbe er »er- 
fämpfer ber $ierarcbie im Sinn hieran« 
ber« III. Seinem »erfueb, ben Äleru« t»on 
ber »eltlieben C*ericbt*barfeit ju befreien, 
üi- Ute ber Ätfnig tureb bie Senftitutionen 
toon (Slarenbon ba« alte §erfemmen al« 
2anbe«gefefc entgegen, unb al« ». , toom 
tyapfl feine« (iibe* entbunben, feine Unter- 
febrift )u ben ftenftitutionen wrücfnabm, 
Warb er be« SWeineib« fcbulbig ernärt. 
Sr flob bierauf nacb ^ranfreieb, oon n>o 
au« er unter bem Sdmfc be« Zapfte« ben 
Äambf mit ben geiftlicben ©äffen fort« 
fetjte; erft 1170 fam e« \u einem Äu#» 
gleicb. ». tebrte naa? (Snglanb al« Grj» 
biftbof »on Canterburb jurlltf. «ber al« 
er fofort bie alten »annflüc&e erneuerte 
unb brei b<>b« Prälaten fufpenbierte, ftieß 
ber Äb*nig im 3*™ We ©orte au«: „3fi 
benn unter ben geiaeu, bie mein »rot 
effen, feiner, ber mi<b eon biefem unrubi- 
gen ^riefter befreien njiH?" Sofort eilten 
»ier (Sbelleute au« feinem befolge nacb 
(Santerburp unb erfcblugen ». am fcltar 
ber Äatbebralfircbe 29. 7>t\. 1170. &txft> 
liebfeit unb »olf »arfen bie »lutfcbulb 
auf ben Äbnig, ber ftcb 1172 einer Unter« 
fuebung ber Sacbe bureb päbfUicbe Legaten 
untermerfen, ben 9teinigung«eib febtt^ören, 
bie faft gä'njlicbe Cremtion ber ©eiftlicbfeit 
v>on roeltlie^en (*eritbten nebft anbem 
fircblicben ?lnmafeungen mgefteben mußte. 
». warb al« 9Wärtprer ber fircblicben 
gtetbeit 1172 fanoniftert unb balb al« ber 
»emebmfie ^ <\ unbeilige Snglanb« frerebrt. 
4>einricb II. felbft , um fein »olf ju »et- 
fbbnen, untermarf ftcb 1174 einer febimpf« 
liefen »ufee auf »eefet« @rab m <Santer= 
burb. »eefet« ?ebcn befebrieben @ile« 
(1846, 2 »be.), SRobertfon (1859), ^>o»?e 
(1868). »gl. „Th. B., matcrials for the 
history 1 * (berau«geg. »on 9cobertfon, 1878, 
3. »be.). z. 

ötcfT, ?eter 3obann, 3efuiten- 
general, geb. 8. gebr. 1795 $u Sicbem bei 
tfiJwen in »elgien, h?arb 1819 ui ^ptlbe«- 
beim in bie ©efetlfebaft 3efu aufgenommen. 
9iacb bem Uebertritt be« $cr}og« j^erbinanb 
ton «nbalt'Äb'tben nir fatpolifeben Äircbe 
biefem al« »ei4ttater beigegeben, ftebelte 
er fpäter mit beffen fßitn>e, ber $erjogin 
3ulie, nacb ©ien über, roarb 1847 jum 
^rofurator ber ^rotoinj Oefterreicb ge- 
n?äb(t unb tuobntc in biefer ßigenfebaft 
ber Kongregation ber ^ßrofuratoren in Äom 
bei; febon reifte fein (Sinfluß bi« in ba« 
SWetternicbfcbe Äabinet. »ei »ertreibung 
ber 3efuiten au« Oefterreicb 1848 begab 
er ftdj nad? »elaien unb trarb Hefter be« 
äcllegium« in eöroen. 9cacb 3urücfrufung 



Digitized by Google 



62 



iöeba — ^eguinen. 



ber 3efuiten nad? Defterrcicb würbe er crfl I 
©ufcerior in Ungarn, bann ^rooinjial für | 
Cefterreicb. 1853 bei ber jwciten (General* 
tongregation in 9lom anwefenb, warb er 1 
bter an 9iootbaan« ©teile 2. 3uli b. 3. 
üim Drben«general erwäbtt. Sie große 
Wegfamfcit be« Drben« in neuerer 3eit 
unb ber bebeutenbe ßinflufj, »eitlen ber 
Orben befonber« feit Snbc ber 50er 3abre i 
gewonnen bat, finb vornehmlich feiner ge= ! 
jcbicften Leitung jujufcbreibcn. 9iacb ber 
Ginnabme 9tom« (1870) fiebelte er nach 
giefole bei ftlorenj über unb leitete von 
bort au« bie ©efcbicte be« Orben«; 1883 
erhielt er an 2lnberlebto (f. b.) einen Äoab* 
jutor unb legte 1884 wegen b^ben Sllter« 
fein «mt niebcr. <5r ftarb 4. SDtärj 1887. 
©. fcbrieb ba« in mehrere ©prägen über« 
fefete (Srbauung«fcu* „Üflonat ÜKariä" 
(15. «ufl. 1885). Unter feinen »uföijien 
»urbe in 9tom bie „CiviltÄ cattolica" ge« 
grünbct, ba« ^aufctorgan ber ^Jiu« IX. 
befyerrfcbenbcn 3efuitencliquc. z. 

iücba, mit bem 3unamen Venera- 
biiis, ber „(£t)rwürbige", geb. 674 in 
9Jortbumberlanb, fam fcbon im ficbenten 
?eben«jab.r in bie Älofterfcbule ju ©t. 
•ijjeter in SBearmoutb, würbe bann 9?iöncb 
unb Siafonu« im bloßer 3t. $aul \w 
3arrow unb Setyrer an ber Stlcftcrjcbule. 
©ein $>auvtwerf, bie „9lngelfäd}fif<te Äir- 
cbengcfa)icbte" ( „Historia ecclesiastica 
gentis Anglorum") ift mit unöarteiifdjer 
Sreue ben fyeimifctyen Cbronifen ent« I 
nommen. 33. ftarb 26. 2Rai 735. Sie . 
lebten Ausgaben feiner ffierfc finb t>on 1 
@ile« (1843—44, 12 ©be.) unb SWigne 
(1858, 6 ©be.). Sic „Historia ecclesias- 
tica" gaben julefet 9)iabor unb i'umbö 
(1878) unb §olber (1882) fcerau«. ©gl. 
(De bie, De Bedae Venerabiiis vita et 
scriptis (1838); ©$011, De ecclesiasti- 
cae Britonum Scotorumque historiae 
fontibus (1851); Serner, ©. ber <Sbr- 
würbige (2. Hufl. 1881). z. 

»ee^ct <fpt. biWdj'r), $>enrbSBarb, 
ber bcfanntefte amcrifan. Äanjelrcbncr, 
©ruber ber berühmten föomanfcbriftftcüerin 
$arriet ©.-©towc, geb. 24. 3uni 1813 
ju ?itcbfielb im ©taate Connecticut, mar 
feit 1839 «prebiger ju 3nbianafcoli« , feit 
1847 bi« ju feinem 8. 2Rarj 1887 erfolg- 
ten Xobe an ber fongregationaliftif$en 
^Ibmoutblircbe ju ©rootlbn, wo er jugleicb 
für £embcrenjfatb>, ©flavenfretyett unb 

Srauenemanjipation namentlich aber für 
ufflärung in ©ejug auf religiöfe ffielt- 
anfcbauung (Gt>olution«tbeorie) tbätig war. 
3n golge eine« (Sbefcru^rojeffe« (1875), 
in bem er übrigen« freigeftrocfcn würbe, 



verlor er febr an Slnfeben. (Sine tcutjdje 
Slu«roa&t au« „The Plymouth Pulpit" 
(1859—72, 10 ©be.) beforgten Soüin 
(1870) unb «annegiefjer (1874). Unter 
feinen, meifi Väbagogifcben un jj pefletrifti« 
fcben ©erfen, finb bervorju^cben : »Life 
of Christ (1. ©b. 1871) unb „Evolution 
and Religion" (1885). ©gl. 2b man 
«bbott, 2B. ©eecber (1883); 8lovb, 
$. SB. ©eecber (1887). z. 

»eeljebuh, f. 2*«fel. 

23egJjarben, f. »«auinen. 

©egtäbnt*. Sie jübifcbe ©itte, bie 
loten ju begraben, ging auf bie d>riflliä)e 
i?ircb> über unb würbe von berfelbcn ben 
beibnifeben ©ölterfebaften, bie vielfach ibre 
loten verbrannten, bei ber ©efebrung 
jum (Sbriftentum bureb ©ermittetung be« 
©taat« jur $fli(bt gemacht. 2>ie ©egrab« 
ni«ftätten in ber ä'lteften Kirche befanben 
ftd) entWeber unter freiem Gimmel (area) 
ober in unterirbiftben ©emächern (f. «ata* 
tomben). 2)a« © egr ab e nw e r b e n in 
ber Äird)e felbft.galt juerft nur al« 
ein befonbercr ©orjug ber ©ifeböfe, refb- 
ber ^errfeber, ift aber im SWittelalter aud> 
ton angejebenern Familien beanjbrucbt 
worben. @egen bie ©enufcung ber Äira>en 
ju ©rabftärten crflärte fi* fc^on früb. bie 
&ircbe unb traten befonber« bie neuem 
©taat«gefe^e mit SntfcbieWnbeit auf, ba« 
gegen nabmen je<}t bie bie Äircbe um« 
gebenben Jpi5fc bie Xoten auf. 2)ie ®t> 
funb^eit«gefabrti(hteit biefer „Hivcbbctc" bat 
bann meiften« jur ©erlegung be« ©egr ab ■ 
ni«plafee« t>or bie ©tabt geführt. Sie 
lireblicben ©ec^r abni«f eierlich» 
feiten befteben bet ben Äatbolilen im 
Sauten ber ©terbeglocfen, ©eleit mit Ärujiftr, 
aueb wohl Siebtem jum @rab, Grablegung 
unter @ebet be« ^riefter«, fieitfaenrebe ic. 
A-vühev geborte ju benfelben auch eine 
Xotenmeffe, bie jeboeb jetu meiften« wie 
bie (Siequien (f. b.) bem ©. nachfolgt; ba« 
firchlicbe ©. »erweigert bie lat^olifche Kirche 
allen benen, bie £t\t ib re« ?eben« nicht ju 
ibr gebärt ober au« ibr au«gefcbloffeu 
worben finb, fowic ben ©elbftmörbem 
(refp. im 3)uell ©efaüenen), öffentlichen 
©ünbern, ben ©eräebtern ber bfterlicben 
©eichte unb Äommunion fowie ben unge» 
tauft fterbenben Äinbern ebriftlicher eitern. 
Sie ©eftimmungen ber eöangelifcben ?anbc«* 

Sefe^c au« bem 16. 3a^rb-, bie ebenfaU« 
irtommunijiertcn , ©elbftmiJrbern k. ba« 
(ircblicbe ©., refb- ben ebnfilieben .Hir^bef 
verweigerten, finb gemilbert ober ganj 
au^er (Scltung gefommen. h. 

»eguinen (ober ©egutten, Begui- 
nae, Bcguttae), ber altefte wcltlui e grauen- 



Digitized by Google 



JÖeguinen — S&tiäftt. 



63 



berein ju frommen Beeden. 2>U ©. 
legten lein Äloftergelübbe ab, fonbern 
n mitteninne jwifeben Älofter unb 
©ie werben juerft im 11. 3obrb. 
genannt unb jwar al« ©egrünberinnen 
eine« neuen cbriftlicb-ftitten ©emüteleben« 
nach «Uber 3eit. 3)er 9iame wirb abge- 
leitet »on ber \)t\l ©egba, ber Butter 
"■ßiötoinfl toon $erifta(, ber ©tifterin eine« 
.Wetter« ju Strbenne, ober öon bem $rie- 
fter Lambert le ©egue, ber 1180 in 8üt- 
tut ba« erfte ©egutnenhau« errichtete, ober 
reu bem föort beggen, f. t>. tu. beten unb 
betteln , ber beutfetye Warne ©egutten aber 
*on bem »u«rnf „©ei ©ort". 3b" ©lüte- 
Seit fällt in ba« 13. 3ahrh- 3)ie Seg- 
nungen ber ©. führten in ben Wieberlanben 
ben tarnen ©eguinaaja. Sin grojjer 
$of (curia) umfcbloß eine SRenge fleiner 
Käufer, bte man einzeln ober \\\ jweien 
beroebnte. 3n ber SDcitte ftanben Äirche, 
Äranfenbau« unb Verberge für $ilf«be- 
bürftige. 2)ie ©. toerfcflichteten fia) jum 
©eborfam gegen bte ©orfteberin, aber ber 
Huerritt au« ber ©emeinfebaft ftanb ihnen 
jeberjeit frei. 5Die Unabbangigteit be« reli- 
giösen ©erbanb« unb bie Neigung jur Kon- 
templation machten bie ©. bem (Sinftag 
fefcerifcber ©eften, namentlich ber ©rüber 
be« freien ©eifte« (f. bJ, jugänglicb. ©ebon 
Giemen« V. wollte 1311 alle ©. unter- 
bieten; foätere $ä>Re, 3ohann XX1L 
(1318 unb 1320), ©regor XI. (1374) unb 
^Bonifatius IX. (1395) , nahmen fte jroar 
roieber in 6 du i\ allein ber Warne ©. ober 
S3egtjarben würbe junt 3 r e 1 1 - ober Äefeer- 
namen. Buch bie frühere 3u<bt verfiel, 
al« bie ©. ftc^ an bie ©ettelorben au- 
fc^loffen unb viele firb bem Settel ergaben. 
3n 9Jorbbeutfd)lanb nahmen bie ©. überall 
bie Deformation au, unb ihre Käufer 
würben §ofpitalcr. 3n ©elgien, roo fie 
firebücb organijtert würben, emittierten 1856 
ned- 20 ©egmnenh&ufer mit etwa 1600 
(Einwohnerinnen ; audj in 3)eutfchlanb fom» 
inen ©eguinenbaufer al« fromme Stif- 
tungen für unrerbeiratbete SBeiber au« 
bem ©ürgerftanbe »or. — 2>ie ©egbar- 
ben (Beguini) ftnb al« SHä'nnergefell- 
febaften Slacbabmungen ber ©. ©ic waren 
«benfall« im 13. 3abrh- in ©übfranfreich 
unb 3talien febr verbreitet, würben aber 
balb ©egenftanb ber ^cftigjien Verfolgung, 
als fefeerifebe Meinungen ficb unter ibneu 
verbreiteten. 3)iefe ©enoffenfebaften gingen 
febon im 14. 3abrb- ganjlich ein. ©gl. 
3R o « b e i m , De Beghardis et Beguinabus 
<1790); Möllmann, ©e^iebte be« Ur- 
sprung« ber belgiföen ©egbinen (1843); 
$ a u p t in ber „3«tfch r. f. (1885). z. 



©eiebtbüifret, f. »ufebtttb«. 

©eichte (altbocbb. pigihti, bigihti, 
mittelboc^b. blthe), bem ©ortftnn naa) 
jebe« ©eftanbni«, im fachlichen ©inn 
aber ba« ©Unbenbefenntni« , welche« ber 
(Jbrift »or bem ©eiftlicben ablegt, ur- 
forünglicb in ber «bfu$t, mit ber Äircbe, 
bie er bureb Uebertretung ibrer ©ebote 
beleibigt, Wteber au«geföbnt unb «ereint 
)u werben. ©a>on in ben erften 3abr> 
bunberten ber (briftlicben Mircbe warb e« 
@ebrauä), ba§ au«gefcbloffene ©emeinbe- 
glieber, um wieber aufgenommen ;u werben, 
al« Anfang ibrer ©uße ba« ©ergeben, um 
beewiüen fte ertommunijiert waren, t>or 
ber öerfammelten Öemeinbc betannten. 
»ber aueb bie SWitglieber ber Äircbe felbft 
pflegten balb rer bem (Senufe be« »benb* 
mabl« fieb bureb ©Unbenbefenntniffe ju 
erleicbtern, unb einjelne ©ifeböfe batten 
etwa jwifeben 250 unb 390 jum ©e^uf 
ber ©ntgegennabme foleber ©efeuntniffe 
einen befonbern ©u6pre«bvter (Presbyter 
poenitentiariua) angenommen. Ü)ie« bie 
(Sntftebung ber $rioatbei<bte unb ber 
priefterlicben Slbfolution. Die feit Äb« 
febaffung be« ©u§pre«bbter« (etwa« an 
bre« ift ber fpätere Poenitentiarius, f. b.) 
erfolgte örmäcbtigung eine« jeben ^Jriefter« 
)ur »bfolution oermebrte nur bie 9n- 
)abl ber ©eiebtiger; aber amn uerfj bei 
l«eo b. @r. (440—461) bejiebt fi^ biefc* 
gebeime ©efenntni« nur auf febwere ©ünben 
unb erfebeint ber "^riefter, welchem be» 
fannt wirb, nur al« gürbitter »or ®ott, 
bem bie ©ünbe »orber unb uor allem ju 
belennen ift. ©alb aber würben aud) 
fünblicbe Auftaute unb ©tbanfenf ünben in 
ben Ärei« ber ^rioatbeiebte b< r fi"g<iwn/ 
nnb bie lebten* gewann in bemfelben Tlafy 
an ©ebeutuna, al« bie ©orftellung ficb 
au«bilbete, baß bie Äircbe ba« auefcbltefjlidj 
berechtigte Organ ber göttlichen ©ünben- 
oergebung fei, b. b- fc<»B ber ^riefter al« 
Siebter an ©teüe ©otte« bie ©Ünben ju 
»ergeben unb entffcrecbenbe ©u*ßleiftungen 
)u beftimmen habe. 3)ie« ift bie fogen. 
Ohrenbeidjte (confessio auneu- 
lans). 1215 würbe nSmlub auf ber 
»ierten ?ateranftonobe »erorbnet, bafi jeber 
tatbolifebe ohuu, f ob alb er bie (Sntfcbei» 
bung«jabre fanni discretionis) erreicht 
habe, jähr lieb wenigften« einmal feinem 
^riefler ein geheime« ©efenntni« aüer 
feiner ©Ünben ablegen unb im Unterlaf- 
fung«faU au« ber Ätrcbengemeinfchaft aue^ 
gefebtoffen unb eine« ebnftlichen ©egräb- 
itiffe« üerluftig gehen foüe. ai« notwen« 
biger ©eftanbtheil be« ©aframent« ber ©nße 
(f. b.) wirb ein folebe« geheime« ©efenntni« 



Digitized by Google 




64 



33etcfyte — $efenrttni«fd?riften. 



aller febwerern ©iinben (peccata mor- 
talia), feien fte in ©ebanfen, SEBorten ober 
©erfen begangen, geforbert, ba« SBetennt» 
ni« ber geringem «ergeben (peccata ve- 
nialia) aber nur für fyetlfam, nicht für 
notwenbig erflärt. Surcb, eine »iffentlicb 
r-erfcb»iegeue fernere ©tinbe »irb ber 
SBeicbtaft nichtig unb ba« ©aframent ent» 
»eibt. Wur ein ge»etyter ^riefter, »eldjer 
babei im Hainen ©orte« nnb ber Äircbe 
fungiert, fann bie SB. abnehmen unb Slbfo* 
lution erteilen. Strenge $ericb»iecienbeit 
ift ihm jur Pflicht gemalt. ©eifNicbe, 
SWöncbe unb Tonnen foüen öfter $ur SB. 
gehen. 3n«befonbere foü bei einer beöor» 
jte^enben £obe«gefaty r , ober »enn man 
irgeub ein ©aframent empfangen n>itt 
unb eine ©ünbe auf bem @e»iffen bat, 
gebeutet »erben. Ser Ort ber SB. ift ber 
»egel nach bie tfirdje (f. »eid)tftu$o. ©ie 
erfolgt foftenlo« ; freimittige ©aben (Öfter« 
Pfennige, Dftergroföen) ftnb inbe« ju« 
läffig. 3n ber griec^ifdb* fatbolif eben 
Äircbc bat man fidfc) im i'auf ber 3eit 
bie »efentlicben SBeftimmungen ber abenb* 
länbifctyen Jehrmeife angeeignet. Unter ben 
fdjismatifeben Parteien ber griedbtfcben 
&ird?e tyaken bie monobb^firifcben 3afo* 
biten in ©torien bie ftrengfte SBeicbtbrari«, 
»Sbrenb bie neftorianifeben Shriften bie 
SB. ganj aufgegeben b<»b>n. Sie 2J?aro- 
niten unb Armenier forbern nur SBe* 
fenntni« be« SWorbe«, (äbebrueb« unb Sieb* 
ftahl«. Sie 9ia«folnifen ber ruffifcfcgriecbi« 
feben Äircbe toer»erfen »enigften« bie 
»rieftertidbe Slbfolntion. 

Sie lutbe riffln* >i i v ri^ e hat fid) 
j»ar öon Anfang an gegen bie Otyren* 
beizte als nicht in ber ^eiligen ©ebrift be* 
griinbete ,,©e»iffen«marter" ertlärt, »oüte 
jeboeb bie *ßrifcatbeidbte, bie je nach ©€■ 
bürfni« jum SBefenntm« beftimmter ©ünben 
»erben fann, im Bufammenhang mit 
ber bem ^rebigtamt mfteljenben ©c»alt 
ber ©rblüffel beibehalten »iffen, fo baß 
alfo niemanb ohne biefe außer in be- 
fonbern Notfällen, jum Slbenbmahl 3uge» 
laffen »erben foüte. G« »ar bie« eine 
erjieherifche SOfaßregel, »eiche bie 23efrim= 
mung hatte, bie üHaffen bie fittlid?«religiöfe 
Slutorität ber Äirdje emfcfinben ju laffen. 
3nbe« »ich man in etnjelnen ?änbern 
gleich anfang« \}ier>on ab, unb auber«»o 
ift bie ^ßritoatteic^tc jur bloßen ftormcl 
ge»orben. Sil« ber ^ietift 3. <5. ©cbabe, 
$rebiger 311 ©erlin, 1695 ba« ganje bi«* 
herige SBeid)t»efen, »eiche« allerbing« 3u 
ber broteftantifeben ©eltung ber föecbt* 
fertigung«lehrc in auffaüenbem Sontraft 
fleht, eerwarf, traf man infolge be« hier» 



] burch hervorgerufenen Streit« für ba« 
Äurfttrftenrum SBranbenburg bie SBeftim* 
mung, baß e« einem jeben freigeben fotte, 
ob er »or ber Äommunion beichten »olle 
ober nicht, ©eit ber Witte be« borigen 
3a$rtynnbert« »urbe in ben bei »eitern 
meiften lutherifchen Sänbern eine aüge* 
meine SB. üblid), ge»öhnli<^ barin beftehenb, 
baß ber ®eif!licp< ein atigemeine« Söe« 
fenntni« ber ©ünbhaftigteit öorträat unb, 
nachbem üdi bie @emeinbe baui betannt 
hat, bie Slbfolution toerfünbigt. 2)ie ^ßribat* 
beizte bagegen würbe erft neuerbing« »icber 
feiten« ber reftaurarion«lufrigen kirchlich* 
feit angeftrebt. Xxt reformierte Ätrch e 
beftritt jeberjeit bie 9?ot»enbtgfeit ber 
^ribatheichte, aber ih.re Vorbereitung $ur 
Kommunion ift »enigften« einer aUge= 
meinen iö. ganj ähnliche ÜDie englifc^e 
ööiffoöalfirche hat feine befonbere 
iBorbereitung«anbach r t auf ben ©ennß be« 
abenbmah.1«, fonbern nimmt eine allge- 
meine ©. unb Slbfolution in ben fonntäg- 
liehen @otte«bienft auf. Sie fc^ottifche 
^rc«böterialfirc^e toermirft jebe« 
ftehenbe ©ünbenbefennrni«, atte SB. unb 
«bfolution. (Sine Slrt »on SB. ftnbet ftch 
an* hei ben 3 üben, inbem hei ihnen 
fo»ohl beim öffentlichen al« beim ^rit>at- 
gotte«bienft eine Heinere unb eine feierliche 
gr'dßere SBeichtformel, 3. SB. am SBorabenb 
be« großen SBerföhnung«tag«. ange»enbet 
3u »erben bflegt. SBat tliefoth, Sie 
». unb Slbfolution (1856); ©teifc, Sa« 
rbmifche Söußfaframent (1854). h. 

»etdjtftu&l, in ber fatholifchen Kirche 
ber (jemö&nlicbl toorn h^lbgefch. loffene , auf 
ber einen ober auf beiben ©eiten mit einem 
©ittcr tterfebene ©i{j, in welchem ber 
©eiftliche bie Ohrenbeichte anhört, fanb $u 
Slnfang be« 17. 3abrh- au« 3talien m 
Seutfdjlanb (Singang. h. 

Steteferung (lat. Conversio), auf ©runb 
ber neuteftamentlicben ^orberuug „Shut 
»uße" (wörtlich, : „ttetlt euern ©inn um") 
unb „betehret euch/' (wörtlich,: „wenbet 
euch, herum'O gehilbeter bogmatifch,er unb 
a«fetifcher Äunftau«brucf für ben auf reli- 
giöfen ÜJiotiben beruh^enben, fittlichen Um* 
fcb,wung, auf welchen es alle chrifUiche 
SöerfÜnbigung abgefeb^en etat. Sie SB. be* 
ftebt nach Iutherifcb>r Sehrweife au« S3uße 
unb ©lauben, nach reformierter au« 
Slbßerben be« alten, Stufleben be« neuen 
2Jtenfdjen. h. 

5öcfennet, f. »• w. Confessor. 

33cfenntni#, f. ». w. ©lauben«befennt- 
ni«. SB. ber ©ünbe, f. »eidjte. 

©efenntnief^rtftett, f. *>. w. fhmbo« 
lifd^ie 3?üdjer. 



Digitized by Google 



Keffer — Stoiber. 



65 



»Hf et, »altbafat, aufgeflärter 
Xbecleg ber reformierten Äirdje, aeb. 30. 
SM Sri 1634 in ©eflfrieelanb, war ^rebiger 
-,u gvanefer, feit 1679 in «mfterbam. 
<Sä>n 1676 batte ibm feine »erteibigung 
ber Sartefianifcben ^Uefo^b« wnb bie 
$erau«gabe eine« &ated?i«mu« ben Vor- 
wurf be« @ocrutani««nu« jugejogen; «1« er 
aber in feinem ^au^roerf : „Tie bezauberte 
SSelt" (1691—93, 4 SBbe. u. Öfter), ben 
berrfdjenben Aberglauben in ©etreff büfer 
<$eifter, $eren unb 3auberer angriff, 
toarb er ton einer ©pnobe 1692 abgefegt 
nnb erfemmunijiert. (Sr flarb 11. 3uli 
1698. s. 

SBel, bie babblonifd) • affprtfdje ftorm 
für ©aal (f. t>>. 

»cl )U Söabcl unb £radien ju 
»abel, ^iftorie botn, jwei ©eilagen jum 
Tauiei (f. b.j, n*lcbe in ber aleranbriuifcben 
nnSb auberu alten Vibelüberfefcungen ba« 
lefcte Äabitd jene« pro^ettfd^en 8u<be« 
au«maeben unb bei rntber unter ben Hpc 
frWben be« alten Teftament« fteben. <5« 
fmb fpatere, griednfd; getriebene ©pröfj- 
linae b«r Taniel«fage. h. 

»elaifdje Äonfeffton , urforfinglid? 
eine ^rioatfebrift, ton ©uibo be Vre« an 
ÄiJnig "J3bilibb gefanbt unb 1563 in nieber- 
bentfdjer unb bwbbeutfcber ©pracbe berau«» 
gegeben, würbe 1620 ton ber Torbrecbter 
töbnete feiertid) betätigt unb baburd) ;u 
fömbolifcbem SRang erbeben, z. 

Söelial (bebr.), f. leufti. 

Weilar min , Gebert, gelehrter 3efuit, 
$au|>tterfed)ter be« rämifdjien Äatboliji«» 
mu« unb ber ^a>ftlicb«n <©ubrematie im 

16. 3abrb- , geb. 1542 m SHentebutciano 
im @ebiet ton @iena, trat ju 9tem 1560 
in ben 3efuitenorben, fmbiertc Xb«l»gi< 
\n <ßabua unb t'üwen, wo er gegen Vaju« 
auftrat. @eit 1576 bielt er im Collegium 
Romanum \u 'Stern feine berühmten Vor» 
tefungen über bie Äontroterfen. Seit 
1589 ju ben nuebtigften rtrdjenpolitifcben 
©enbungen terwanbt, gelangte er ju ben 
bbcbften irrd>li(ben SBürben unb Warb 1599 
Äarbinal. 3m ©treite ber 3efuiten unb 
Tominifaner wegen ber pelagianifterenben 
'»ibriften be« 3efuiten SDiolina (f. b.) terf edjt 
er, bem 3ntereffe feine« Orben« gemäß, 
mit (Sifer ben 9ttolini«mu« , jog fid) ba- 
burd? bie pä>ftlicbe Ungnabe ju unb warb 
1602 a(« (Srjbifdjof na* Capua ter» 
fefet 9<"ad> Giemen«' VIII. Tob wäre er 
1605 faß felbfi wiber feinen beftimmt au«* 
gefbrodjenen ©itten ftatt 2eo XI. unb, nacb 
beffen fdmeflem §infd)eiben, ßatt ^Jaul V. 
jum ^5abfl erboben werben. (5r ftarb 

17. @e|)t. 1621 im 9fo»i}iatbau« ber 3e» 
^ol^mann unb 3ö)iffel, ?epifon. 



fuiten ju «om. ©ein $aut>twerf: „Dis- 
putationes de controveraiis Christ ianao 
ndei ad versus hujus temporis baereticos" 
(1581—92, 3 »be. u. öfter), beffen erfter 
©anb »on ©irtu« V. auf ben 3nber ge- 
fegt, jebotb fdjen 1596 au« bemfetben ent« 
lernt mürbe, war lange $t\t bie uornebmfte 
»erteibiguna«f(brift be« r«5tnif(ben Äat^cli- 
)i«mu«. @elbfl ein ebler unb reiner (Jba- 
rafter, ferberte ©. ernftlidj bie «bfleüung 
tieler SWißjlanbe in ber ba'bfHuben Ver- 
waltung. Seiroerbreite t unb in alle neuern 
©bracben überfefct ift fein Äated)i«mu« 
„Christianae doctrinae explicatio". *n 
bem Streite ^aul* V. mit ber SRebublif 
Venebig betbetligte er fid) mit jwei gegen 
©arpi gerichteten ©erfen; ba« «uftrefen 
3acob« I. oen (Snglanb veranlagte ibn jur 
Äbfaffung ber ©ebrift ^Do potestate summi 
ponfiticis in rebus temporalibus" (1610). 
SB. bat eine ©elbflbiograbbi« terfaßt, bie 
juerfi 1675 erf(bienen ift unb neu toen 
3)cllinger unb Äeufd) (1887) berau«- 
gegeben würbe. @cfamtau«gaben feiner 
Serie erfreuen 1721 (5 Vbe.), 1619 
(7 ©be.), 1874 (12 »be.). ©ein ?eben 
befdjrieb italtenifd? ber 3efuit guligatti 
(1624). z. 

Delfajar, unt)iftcr. ^ame be« legten 
äonig« ton »abel im 33ud? Xaniel. n. 

Sema (grietb.), in ben grieebifeben 
Äirtben ber umgitterte 9taum für bie 
©eiftlicbfeit, befenber« ber barin für ben 
v K tKK"t ecrbebaltene sit}. h. 

©enber, ©ilbelm, b^teft. Jbeelcg, 
geb. 15. 3an. 1845 ju JBUnjenberg ((»roft. 
berjegtum Reffen), flubierte feit 1863 tu 
Böttingen unb ©ießen, befuebte 1866— 
1867 ba« ^rebigerfeminar ju griebberg unb 
würbe 9Jeligion«lebrer am ^mnafium 
unb ^>ilf«prebiger in ffierm«; 1876 folgte 
er einem 8Juf nad) »onn al« orbentlitber 
^refeffor ber Xb<ologie. Unter feinen 
©(briften ftnb \\i nennen: „Ter ©unber» 
begriff be« 9?euen leftament«" • (1871); 
,,ed)leiermad>er« SCbeelogie" (1876—78, 
2 ©be); „Hippel, ber jjjreigeift au« bem 
ieti«mu«" (1882); „Sreformatien unb 
eine afabemifd)e fteftrebe jur 
^eier be« 400jäbrigen $eburt«tag« ÜÄartin 
yutber«" (7. «ufl. 1884). Ter Sturm, 
welken biefe föebe ton 0eiten be« etange- 
lifwen Äleru« ber beiben weftlid)en breuftf" 
fd)en ^rotin*,en b ertoorgerufen b<*t, würbe 
notb gefteigert burd) bie <Sdjriften ,,3)a« 
©efen ber Steligion unb bie ©runbgefe^e ber 
Äirdjenbilbung" (1886, 4. Xufl. 1888); „Ter 
äambf um bie ©eligfeir (1888) unb tyatte 
1888 ben Uebergang be« «erfaffer« aus 

5 



Digitized by Google 



66 



Benedicite — öcncbift. 



bcr t&cologifdjen in bie bbilofobfjifcbe 
^afultät jur $olgc. z. 

Benedicite lat., „fegnet!"), ber 9ln» 
fang be« in Älbftcrn üblicben tifcbgebet« ; 
aud? fcer ©cfang ber brci 9Jiänner im 
geuerofcn, welcher na* einem ©efdjluß 
be« Äonjil« ju Solebo 633 in Äircbcn 
unb Älößern an jebem 9Äärtbrertag ju 
fingen ift. b. 

Benedictas (lat., „gebenebeit"), ber 
?obgefang be« Badjaria« (uanticum Zacha- 
rias ¥ut. 1, 68—79), Welcber täglicb in 
bem «teoiergebet gebetet unb an ftefltagen 
im (Sbor gefungen wirb. @. Laude«, h. 

»enebitt, Warne oon $ä»ften: ». I. 
(574 — 578), war im herein mit Äatfcr 
3uftin II. bemüht, ba« (Slenb bcr bamalö ! 
9tom beimfuebenben Hungersnot auf jebe | 
erbenflicbe SBcife ju milbern. — ». II. 
(683—685), bcr Heilige, erbielt oom Äaifcr 
Äonftantin ^ogouatu« bie für ben riJmifdjen 
©tubl wertvolle Stottjefftott, baß man bin- 
fort bie Orbination be« neugewäblten 
s .Pabße« niebt bi« jum (Eintreffen ber faifer» 
lieben »eftätigung binau«uifdjieben brauche, 
»gl. Sangen, ©efeb. b. 9töm. Äircbc oon 
?eo L bi« Witol. L (1885). - ». III. 
f 855 — 858). ßwifeben ben £ob feine« 
Vorgänger« fieo IV. unb feinen 9tmt«« 
antrttt foü ba« ^ontifüat ber ^äbftin 3o* 
banna (f. t>.) ber ©age nadb fallen; uaebbem 
». feinen ©cgenbabfi Slnaftafiu« au« bem 
^elb geftblagen, jeigte er fiel) überall be« 
ftrebt, ben fittcnlofen dürften unb Älcrifern 
Ächtung oor ber Äircbe unb ihren ©efejjcn 
beizubringen. — ». IV. (900—903), fab 
fidj bureb bie 3iege ?ubwig« oon lieber* 
burgunb über ben Äönig Berengar oon 
3talten veranlaßt, jenen 901 mit bcr 
Äaiferrrone ju febmüden. — ». V. (964), 
toon ben 9tbmcrn al« ©egenbabft be« oon 
Äaifer Otto L erhobenen 2eo VIII. auf« 
geftettt, würbe balb toon feinen Gablern 
bem mit Heere«mad?t Ijeranjtebcnben Äaifcr 
ausgeliefert. — ». VI. (972—974), warb 
bon ber faiferlicbcn «Partei in 9tom ge- 
wählt, jeboeb nadj bem Xob Otto« I. oon 
<£rc«centiu« be £$eobora geftüqt unb auf 
»efebl »onifatiu«' VIL erwürgt, «gl. 
©iefebreebt, ©efeb. b. bcutfdben fiaifer« 
jeit (1. »b., 5. «ufl./ 1881). — SB. VIL 
(974—983), war auf bem <Stubl <ßctri 
ber erfte »ertretcr ber »on (Slugnp au«» 
gefyenbcn Äirc^enreform ; 981 erließ er auf 
einer römifeben ©bnobe ein «erbot ber 
©imonic unb jwar tn ©egenwart Otto« IL, 
mit bem er übrigen« in gutem öinber- 
nebmen flanb. — ». VIII. (1012 — 24), 
frönte 1014 Heinricö II. utm 2>an! bafür, 
baß tcrfclbe ibn unb nitbt feinen ©cgner 



©regor al« rechtmäßig gewählten f abfi 
anerfannt hatte, utm Äaifer; ihm (am, 
al« bie ©riccb>n ftcb bä>ftlid)cn ©ebiet« 
bemächtigten, Heinrich IL über bie Gliben 
ut Hilfe (1021) ; auf einer 1022 ju $ama 
abgebaltencn <8tonobe vereinigten ftcb tyapft 
unb Äaifcr, bem (Sinfluß Glugnb« bie gc« 
famte Äircbe ju unterwerfen, »gl. © i e f e « 
breebt, ©efeb. ber beutfeben Äaifcrjeit 
(2. »b. 5. «ufl., 1885) unb Äleiner« 
mann« im „Äatbolif (1887). — ».IX. 
(1033—48), würbe, weil fdjamlofer 2Büft= 
ling unb offenfunbiger »erbreeber, 1044 
t»on ben 9tömern »erjagt, wußte ftcb aber 
naefy einigen Sorben wieber in ben ©eftb 
be« bäbfilitöfn ^Uu)l« ju fet>en, boct) nur, 
um bcnfelbcn gleich barauf an ©regor VI. 
}u oerfaufen (1045). Säufer unb »erfäufer 
würben 1046 »on Heinrieb III. auf bcr <Sb« 
nobe t>on ©utri abgefetjt. »crgl. ©iefe» 
brecht, ©efeb. b. beutfeb. Äaiferjeit (2. »b. 
5. «ufl.,1885). — ». X. (1058—1059), üon 
einer 9lbel«&artci gewäblt, mußte balb bem 
oott Htlbebranb it)m entgegengeflctlten 9ti(o« 
lau« II. ben ^Jlafe räumen. — ». XI. 
(1303—1304), fuebte bie ©cgner, bie fein 
»orgänger »onifatiu« VIII. bureb fein 
boebmüttge« »enebmen ber Äird)e gefc^affen, 
mit berfelben wieber au«juf Bbncn ; ber »on 
jenem it>rer »cfitjungen beraubten Familie 
ber (Eolonna fteüte er ibre ©ütcr ?urü(f, 
unb ben »on »onifatiu« VIII. gebannten 
^bilibb IV. »on ^ranfreieb fbradt» er oon 
ber <Strafe lo«. «al. ©ranbjean, Les 
registres do Benoit XI. (feit 1884 ftnb 
4 ÄaScirel erfebienen). — «.XII. (1334— 
1342), war, inbem er in Slmgnon reftbierte, 
fo oöllig unter bem 2)rucf ^bilibb« VI. 
toon Äranfreicb, baß er feine Slbfübt, ben 
beutfepen Äömg l'ubwig ben «apern »on 
bem oon 3ob.ann XXII. »erhängten »ann 
;u reffen, niebt auszuführen Wagte; t>ier- 
bureb erbittert, erflärtcn bie beutfeben Äur« 
fürften 1338 }Q 9tbenfc, baß ber »on i^nen 
©ewä^ltc feiner bäbftlid)en »eftätigung be-- 
bürfc, um bie Äronred^te au«juüben. »gl. 
<£. SR Aller, 3)er Äambf Üubwig« be« 
»abern mit bcr römifeben Äuric (2. »b. 
1880). — ». XIII. a (1394—1417), würbe 
jur Bcit be« bäbfllicben (Bd)i«ma« in 3(»ignon 
gewäblt, wäbrenb »onifatiu« IX. in »om 
bontifizierte. ObWobl er bei feiner Cr« 
Ijebung ba« »erfbreeben gegeben, fobalb ba« 
Äarbinaltotlegium e« wünfebe, abbanfen ;u 
woUen, oerweigerte er bie $effton, al« bie 
Äarbinäle im »erein mit Äarl VI. »on 
f$ranfrci$ ibn ju berfelben me^rmal« auf« 
forberten. 91ud) feine Unterbanblungcn 
mit ben Wacbfelgcrn »onifatiu«' IX., mit 
3nncccnj VIL unb ©regor XII., führten 



Digitized by Google 



Söenetift — SBenetittiner. 



67 



bie Aufbebung be« g a)i«ma« ntd^t berbei. 
1409 mürbe er, ebenfo ©regor XII., auf 
bem Äon$il oon ^ifa abgefegt unb biefe« 
Urteil 1417 über ben auf einer ©uro, in 
Spanien ftdj oerf<banjenben SB. auf bem 
Äonjil oon Äonftanj rcieberbolt. Gr ftarb 
erft 1424. 8qL Gretgtbon, A history 
of the papacy(l. SBb. 1882); $ a fl e r, @efd>. 
ber ^äpfre feit bem Ausgange be« Mittel- 
alter« (1. SBb. 1886). - ». XIII. b 
(1724—1730), mar ein friebliebenber, in« 
nern tircblicben fragen mefyr al« ber äugern 
iJolitif jugemanbter ^3apft, ber im Streit 
mit Äaifer Äarl VI. unb bem Äönig oon 
Sarbinten nachgab unb fieb oom &anton 
Sutern fogar eine Ijerbe Äränfung, gefallen 
ließ. »gl. » r o f cb , ©efd>. be« Sirdjenftaate« 
(2. 8b. 1882). — ©. XIV. (1740—1758), 
jeidmete fieb auf bem Srubl "petri bura) 
lein minenicoanitcpe« onterene, curcu |etne 
Xulbfamfeit gegen bie <Protcftanten, feine 
Strenge gegen bie Sefuitcn an«, beren 
laie ©runbfätje in ber SDiiffton er in einer 
Söuüc mißbilligte, unb bie er in Portugal 
einer Reform unterwerfen ließ, 3n ben 
Äirdjcnlonfliften mit Neapel unb Sarbinicn 
nabm er felbfl für bie Äircbe nacbtbeiligc 
ftrieben«bebingungen an, unb in bem mit 
Spanien 1753 abgesoffenen Äonlorbat 
gemattete er fegar ^erbinanb VI. bie »er» 
leibung faft fämtheber SBencftyen feine« 
Oteic&e«; bie 3 a W *>tv firdjlicben ftefte oer» 
minberte er. ©gL SBrofdj, ©efeb. be« 
Äirdjenftaate« (2. Söb.1882) ; r. 3E. Ä r a u « , 
Lettere di Benedetto XIV. (1884). z. 

Söencbtft (SBenebictu«, ber „(Sc« 
benebeite, ©efegnete"): 1) St. SB. oon 
■Diurfia, erfter SBegrÜnber eine« geregelten 
ÜDiöncl7«ftanbe« im Abcnblanb, (Srbauer unb 
erfter Abt oon Sttontc (Safftno. 2. »enebirtiiter. 
— 2) SB. oon Kiliane (eigentlid) Si« 
tija, ©raf oon SDcaguelonc), erfter Söieber» 
berftetter ber Älofterjutbt in ©eftfranfen, 
geboren um 750, mürbe nad) einer Ret- 
tung au« lobeegefabr 774 SDtöncb unb 
ftettte ftcb al« foldjer bie Aufgabe, ba« 
" M [ cncbtuni ju ber alten a«fetifd>en Strenge 
jurütfjufübrcn unb ibm (Sinfluß auf ba« 
öffentliche ?eben be« Colt« ju oerfebaffen. 
Cr grünbete 779 ju Aniane ein Älofter, 
oon bem au« er reformierenb mirtte. 2)ie 
©unft Äarl« b. ©r. oerfdjaffte ibm bie 
Gremtion oon alter bifdjöflicben ©erid)t«' 
barfeit. Unter 2ubmig bem frommen er« 
bielt er bie Oberauffidjt über alle Älöfter, 
unb ber 9teid)«tag ju Aacben 817 erbob 
feine oerbeffertc Orben«regel jur Älofter- 
rcgel im ganjen SReitb. Gr ftarb 821. 
«gl. Nicolai, $er b. SB., ©rünber oon 
Aniane (1865); goß, SB. oon A. (1884). z. 



©enebiftinet, im Allgemeinen aüe bie* 
jenigen 3Diönd>e, melcbe bie Siegel be« beil. 
iB e n e b i f t oon u r f i a beobachten, 
tiefer iÜtann, ber ©rünber be« abenb« 
länbifcben s JDib*nd;«mefen8, um 480 ju 9iurfta 
al« Sprößling einer eblen ftamilie ge« 
boren, enthob fd)on al« Hjäbriger Änabe 
au« 9tom unb bem (Slternbau« unb lebte 
al« (Sinficbler brei 3abre lang in einer 
Jpbble bei Subiacum. SBalb ©egenftanb 
ber SBerebrung, warb er oon ben xfcö'ndpen 
in iBicooaro \a ibrem Sbt getoäblt. Seine 
Strenge aber erfennenb, fuebten fie ibn ^u 
oergiften, merauf SBenebift m bie ßinb'be 
^urüdlcbrte. 5?a oiele 9«feten fid) um 
ibn fammelten, organifterte er fie 515 in 
fleine ©emeinfdjaften oon je jmölf unter 
einem Äbt. 528 nab^m er feinen SÜBobnfifc 
auf bem SBerg Saftnu«, jmifeben Subiaco 
unb Neapel, grünbete bier ba« Mlofter 
Monte C£affuio unb gab ber neuen 3Ki5na>«« 
gemeinbe eine oon ibm oerfaßte i'eben«- 
regel. Gr ftarb 21. Bttfa 543. 

J)ie Orben«regel iBencbift« (berau«* 
geg. oon 2>iart6ne, 1690) marb bie ©runb« 
läge einer burdjgreifentcn Deformation be« 
abenblanbifd^n »JWb'nd^Äleben«. 3br ©runb» 
gebante ift, baß nur im ttlcüev ba« redete 
aSfetifdje 2eben ;u fübren fei, unb baß 
nottoenbige unb nii^ltcbe Arbeiten mit a«> 
fetiftben Üebungen abtoed;feln müffen. 2)a« 
nad? einem ^robejabr abgelegte ©elübbe 
ift unmiberruflid? unb umfaßt bie ©elübbe 
ber Converaio (ber 3)Urftigfeit unb Äeufd)» 
Ijeit), ber Obedientia (be« unbebingten 
©etjorfam«) unb ber Stabilitas (be« da- 
bleiben« im Älofter). SDie gan^e Leitung 
be« Älofter« l?at ber Abt, bem ber ^rior 
unb bie 2)etane jur Seite f^bfit; 
miffenf(baftlid)e SBefd^äftigung baebte SBene« 
bift ned: ::u1m. Seine Grlaubni«, Knaben 
aufzunehmen, mürbe jeboeb bie SBeran- 
laffun^ )ur Anlegung oon älofterfcbulen. 
SBenebift« 9legel oerbreitete fm) balb im 
ganzen Abenblanb; fdjon 534 brauten fie 
^lacibu« nad) Sizilien, Auguftinu« 597 
uacb Gnglanb. 3m 7. 3abrp. oerbreitetc 
fie fttb in Spanien unb im 8. burd) bie 
ÜBirffamfeit be« SBonifatiu« in granf= 
reid) unb in 3)eutfcblanb. 3n biefer $eriobe 
ber t?b"(bften SBlüte ermarb fub ber SDrben 
große SBerbienfte um bie (Sbnftianifterung 
unb 3> ö i»»rt< r ting 2)cutf(blanb« ; eine große 
An^abl berühmter Älöfier unb Abteien 
mürben bie Au«gang«punftc ber SBoben» 
fultur »ic ber SBiflenfd;aft. 2)er junel^menbe 
iXcidjtum unb große ©runbbcfilj ber Älöfter 
loderte aber bie ßuä)t unb Sittenftrcnge 
unb führte bie Karolinger fd^on in ber 
ocrberblid)en ©etootm&eit, bie Abteien al« 

5* 



Digitized by Google 



68 



33enebifttner — iöenebiftu 



tert. 



blofje Äommenben an Saienäbte \u »er* 
geben, baber bie ^otgcseit eine Sücenge 
neuer «Übungen oerfcbiebencr Hrt braute, 
in welchen i'irfi eine Läuterung bed Orbend 
oon eingefchlicbenen 9Wijjbr8uchen oettjog. 
3) er erfte SReformberfucb, war ber bed «cnc« 
bift oon Äniane (f. b). (Sitten neuen Stuf* 
frfnvu na bed Orbend aber braute bie Kon- 
gregation von (Slugnty (f. b). Dagegen 
trieb bad Srwad)en bed alten oolfdtüra. 
licb.cn ftdfetengeifted \u neuen ©Übungen, 
bie, wenn fte fieb aucb an bie 9tegel «ene» 
bittd anfcbloffen, ;u befonbcrn ©«nein« 
fdjaftcn unter eigenen Obern erttmcfyfen. ©o 
cntflanbctt bie Äamalbulenfer (f. b.), bie 
Äartäufer (f. b.>, bie Ciflercienfer (f. b.), bie 
SraWMjten (f. b.), bie fteuittanten (f. b.), bie 
§umiliatcn (f. b), bie (SölefHner (f. b), bie 
Olitoetaner (f. b.) unb ber in ©dj weben 
errichtete «iraittenorben (f. b.). 

Die Studbreitung ber neuen Drben, 
»ornebmlicb ber Ciftercienfcr, unb bie önt« 
ftehung ber «ettelorben im 13. 3abrb- 
that bem ©influß be« Orbend noch gröfjern 
Bbbrucb, unb er toerweltlichte um fo mehr 
bei bem wachfenben 9tei(htum. «ergebend 
waren bie «crorbnnngen ber ©bnoben \u 
«ienne 1311 nnb ju «alenria 1322, unb 
felbft bie neue Äonftitutien «enebtttd XII. 
(1336), bie Benedict ina. tonnte nicht burch« 
geführt werben, öingreifenber waren bie 
«efcblüffe oon Äonftanj, bie neben ber 
©charfnng ber Didjiblin bie alte Sitte 
aufhoben, nur abiige 9<oötjen aufzunehmen. 
Slber eine wirflid)e fteform brachte in 
Deutfcblanb erft bie Stiftung ber »urd« 
felber Äongregation (f. b), beren 
ÄlÖfter in ber geige freilich ber 9teferma> 
tion $ur «eute fielen. fcnch iu Italien, 
©ganten, Portugal »c. bilbeten ftctj jur 
gegenfeitigen Unterfrütjung in ber Slufrcrbt* 
Haltung ber Siegel fold^c Ä ongregationen. 
önblicb gebot bad Dribcntiner Äonjtl bie 
Bereinigung aüer noeb ocreinjelten Älefter, 
unb ed entftanben auch in Deutfchlanb unb 
glanbern noch; mehrere Reinere Äengre« 
gationen. 3u leurfrblanb unb granfreieb 
wirftc bie ^Reformation wob. Itb^ä'tig auf ben 
Orben ein, inbem fte ihn ju einer er« 
neuten Üharigfeit auf bem ©ebiet ber 
SBiffeufcbaft aufrief, einen unfterblichen 
SRubm ^at nach biefer 2 cite bin fieb bie 
Kongregation r>on St. a u r u d erworben. 
Stifter ber Äongregation »en St. SDcaurud 
war 1618 Soren', «enarb, 2Römb ju St. «an« 
ned. «on ©regor XV. (1621) u. Urban VIII. 
(1627) beftätigt, breitete fieb, bie Äongregation 
fdmett oud. ffiiffenfcbaftlid?e ©tubien 
würben jebem Äonoentualen pr Pflicht 
gemalt unb burdj milbere Älefterjudn 



erleichtert unb begünftigt; bie ÄlÖfter be« 
fafjen foftbare «ibliotbeten , unter benen 
ftch bie bed §aubtflofterd ©t, ©ermain 
bed Sßred bei "^arid burd) 9feid)tum an 
alten $anbfchriften audjeid)nete. Äeifen 
ber h^orragenbften Orbendglieber unb 
audgebehnte «erbinbungen bienten baju, 
immer neue Duellen wiffenfebafttieber gor« 
fchung ju Offnen. Die SUiauriner jäplen 
ju ben 3b"tt Kamen wie bie eined SWa* 
bitten (f. b.), Ducange, ÜDcontfaucon (f. b.) r 
SWartene (f. b.) ( b'Ächert) ic, benen wir 
Sammlungen »on Urfunben unb Cueüen 
)ur allgemeinen unb lofalen Äircheitge« 
fehiebte, bie juv ©efchicbtdforfdhung unent* 
bcbrlicbcn änweifunaen jum ©ebraud) ber 
Urfunben („L'art de v^rifier les dates", 
bie „Acta sanetorum Ordinis S. Bene- 
dicta", bie „Annales Ordinis S. Bene- 
dicti", bad „Qlossarium med. et intim, 
latinitatis") nnb jahllofe anbre theo(ogifd;e 
unb biftorifdje ©Triften, wie bie treffltcben 
Sludgabcn ber Äirtbenoäter , »erbanfen. 
Die frangöfifdpe Scebolution bcit auch biefe 
Äongregation jerftreut, manche ih«r un* 
oottenbet gebliebenen Slrbciten b^t bie 
Acadenüe des inscriptions wieber auf« 
genommen. 1880 Wutben 239 «. aud 
grantreich oertrieben. 

«Räch gefjlerd Berechnung ^Iten bie 
«. wahrenb ber 13 3ahrhunberte ihrer 
Dauer 15,700 @cbriftfteUer, 4000 «ifcbbfe, 
1600 Srjbifchöfe, 200 Äarbinäle, 24 $ä>fte, 
1560 fanonifterte unb 5000 ber Äanoni» 
fation wtirbig ertlärte Jpeiligc fowie 43 
faiferliche unb 44 fiJnialicbe "Jßerfonen. 
(Snblich nmf; bem ganjen Orben bad S«ug» 
nid gegeben werben, bafj er fid) ber SJelt 
nur birrch ©elebrfamteit unb ©eelforg,e 
genähert, nie aber feine $anb bei ^olttt« 
feben Jpänbeln im ®pitl gehabt, anch nie 
ftd? an bie $öfe gebränat h*t. «gl. SUta« 
billon, Annalos Ordinis S. Benedict! 
(1703—39, 6 «be.); «ranbed, Der 
«enebifthtcrorben nadj feiner welthiftori« 
feben «ebcutnng, in ber ^Dübinger Ouartal« 
febrift" (1851); Ärä^inger, Der «ene» 
bifttnerorben nnb bie Äultur (1876); 
«rnnner, (Sin «enebittinerbueb , &t* 
fd?i<hte unb «efchreibuug ber «enebiftiner« 
ftifte in Oefterreicb-Ungam , Deutfcblanb 
unb ber ©d)weij (1880); «iclenbacb, 
Monte Cassino bid ;u feiner böcbftcn 
«lüthe unter bem «bt Deftberiud (1884 
u. 1885); ?ama, Bibliotheque des äcri- 
vains de la congr^gation de Saint-Maur 
(1882). z. 

©enebtf ttnerinnen, Älofterfrauen nach 
ber 9cegcl bed beil. «enebift oon s Jrurfia. 
Die Orbendtrabitic-n maebt jur ©tifterin 



'S 



Digitized by Google 



^enebiftion — kernte. 



bie ©cbmefter be« beil. ©enebift, @dt>cta- 
ftifa ; mit biftorifeber Sicberbeit läfjt ftcb 
aber bie Sntftebung ber erft im 7. 3obrb. . 
naebweifen. grüner noeb al« bei bem 
männlichen €>rben«jweig gab ftcb ber «er« 
fatt bei ben $. funb; bie Äl&fter Oertran' 
belten ftcb in regulierte ober felbfi in welt- 
liche Stifter abiiger (Jborfrauen, bie faum 
nec^ ein ©eliibbe «erlangten unb ;u $er* 
forgung«friftern be« Slbel* mürben. «Seit 
bem (Snbe be« 16. 3abjb. ftnb ©on eittjel- 
nen fräftigen flebtifftnnen Deformationen 
ibrer Hlöfter ausgegangen, benen fi<^ anbre 
anfcbloffen, fo bafi ft<b fleinere Äongregatie» 
nen bilbeten; folcbe ftnb bie Äongregation 
»on (Saloaire (f. b.) unb bie ben ber be- 
fiänbtgen Anbetung be« «Saframent« in 
^ranf reich, geftiftet 1652 in ^Jari« unb 
1676 oon 3nn ocen$ XI. bestätigt, z. 

S3encbif Hütt (lat. Benedictio ; „@egen, 
SSeibe"), in ber tatbolifcben Äircbe befon* 
ter« bie (Sinfegnung einer Sache ober 
■^erfon, wobei ©ebet«formeltt (oft felbft ©. 
genannt), ©effcrengung mit ffieifowaffer, 
Stäucberungen ic ben 9titu« ausmachen, 
lern ^apft oorbebalten ift bie ©. be« 
ganjen (Srbfretfe« (urbig et orbis), bie er 
jäbrlüb breimal, am ®rlinbenner«tag, am 
Cfter« unb §immelfat)rtdtag, ertbeilt, unb 
ber 9tofe, ben ©iftböfen bie ber Änltu«ge< 
rathe, ber dürften unb Siebte. 2>ie SB. I 
unterfebeibet ftcb ton ber Äonfefration unb 
tritt al« Ämt«meitJe ba ein, tt>o mit bem 
Sinti, wie bei bem ber Siebte, fein beiloer* | 
mittelnber, fonbern nur ein firebenregiment« 
lieber <£b,araher »erbunben ift. z. 

Söcnebijictcn (lat), fegnen. 

»enefaiöt (lat), ein «enefaemtofänger, 
^frünbner, «Stttoenbiat; f. «mffijtum. %. 

»eneftiium (lat., ^frttnbe) ift bie 
-oe^etcmiuug rur etc mtt einem .ntrepenamt 
(officium) oerbunbenen ßinfünfte. <Seit 
bem 6. 3abxb. mürbe e« in granfreüb 
iiblicb, baß ber Eifa of, in beffen §anb ftcb 
bie Verwaltung be« gefamten Ätrcbcnoer- 
mögen« befanb, bem Äteru« ?anbgüter 
feiner Äircbe jur SRufcniefjung oerlieb, unb 
biefe Sergabungen mürben a(« eine bem 
Stern« ermiefene SSohltbat, $crgttnftigung 
(beneficium) angefeben. 3m 9. 3ab.rb.. 
tourbe au« biefen btfchtfflichen S3ergünftigun= 
gen eine Siegel, wetebe »orfebrieb, bafj jebe« 
Sirdbenamt fein feftefl öinfommen au« ber 
Senufcuna ber ber Äircbe gebbrenben ©runb* 
ftücfe jieben fotl; im 11. 3abrb. ift biefe 
Einrichtung fo atigemein, bafj Beneficium \ 
ganj ibenttfeb mit Officium gebrauebt mirb. ; 
s Man unterfebeibet t)eutjutage Bcneficia 
major» (bie Remter auffteigenb oom SBifc^of) i 
unb Beneficia minora (bie Slemter, mit ' 



benen fein Gbjcnoorrang unb feine 3ttri«» 
biftion oerbunben ftnb), ferner Beneficia 
<■ur.it a unb non curata, je naebbem ben 
3nbabern bie Seelforge obliegt ober ni<bt, 
fd>Itef;lt(b Beneficia regularia unb »ecularia, 
je naebbem bie 3nbaber au« ber ^.\v\ ber 
Äleftergeifilicben ober Seltgeiftlitben ge- 
nommen werben, z. 

Menget, 3obann ttlbrecbt, rrote^. 
Ib^eolog, geb. 1687 ;u föinnenben tn 
©ürttemberg, trat 1703 in ba« tbeolo- 
aifebe ©tift ju Bübingen, mürbe 1708 
itferetent an bemfclben, 1713 ^rofeffor an 
ber tbeologifeben @cbule in 2)enfeuborf, 
1741 ^Jrobft in ^erbretbtingen, 1749 ^ßra* 
lat unb ^onftftorialratb, in 9lbir«ba$. 
Ör ftarb 2. Moo. 1752 ju Stuttgart, «on 
bleibenbcr ©cbeutung tft burtb feine 
»u«gabe be« v J?euen leftament« (1734), 
infonberbeit burdb ben angebängten „Ap- 
paratus criticus", in bem er utovft bie 
banbf<briftli(ben B<"8fn für ben neutefta» 
mentlicben itp na* Familien (afiatif^e 
unb afrifanifd)c) {enbertc. 3n feinem burc^ 
meifterbafte IJräjtfton be« 9lu«brutf« au«* 
gezeichneten Kommentar, betitelt : ,.Gnomon 
Kovi Testament!" (1742; t)erau«geg. oon 
@teubel, 5. flufl. 1860; beutfeb oon SBerner, 
3. 3hifl. 1876), leibet eine meift gefunbe ?lu*- 
legung be« Grinjelnen unter ben ©orau«» 
fet}ungen einer orttioboren 3nfpiration«tbeo« 
rie. 9m befanntefien ift 33. geworben al« ber 
söatcr be« mobernen<5bitia«mu« bureb feinen 
©erfueb, bie fflieberfunft (Jbrifti unb ben 
(Sintritt be« Xaufenbjäbriaen Äeicb«, wofür 
er ben ©ommer be« 3abre« 1836 be- 
ftimmte, ju berechnen. (£« gefchah bie« in 
ber <Scbrift „Srflärte Offenbarung <§t. 
3ob,anni«" (1740, juletjt 1876) unb in 
bem cbronologifcben föerf „Ordo tempo- 
rum a principio per periodos oeconomiae 
divinae historicas atque propheticas ad 
finem . . . deduetos etc." (1741). »gl. 
»urf, »engcl« Seben unb ffiirfen (1831; 
mit Nachtrag : „©enael« literarifcher ©rief« 
Wecbfel", 1837); 28 Seht er, 3ob. «Ibr. ©. 
(1865) ; 2) e r f e l b e , ©engel unb Geringer 
(1886); 9teiff, ». unb feine «Schule 
(1882); 9?itfcbl, ©efebiebte be« ^ßieti«' 
mu« (3.«b. 1886). z. 

»enno, ber ^eilige, «ifebof bon 
Zeigen, geb. 1010 ju @o«lar, flammte 
au« einem gräflichen ©efcblecbt, trat in« 
Älofter, würbe oon Heinrich III. jum %om° 
berrn oon @o«lar ernannt unb erbielt 1066 
ba« SBi«tum SDccifjen. ©ein fchwanfenbe« 
Serhalten in bem «Streit jwifchen Äaifer 
Heinrich IV. unb ©regor VII. führte ihn 
mctjrmal« in bie ©efangenfehaft be« Äaifer«. 
(Sine ©ünobe ju SWainj 1085 entfette ihn 



Digitized by Google 



70 



Jöenratr) — ferner £>i«putatten. 



feine« 9tmte«. 2>unh ©ermittelung Sie« I ©crötfdjeS öud) er gif c^e for- 
men«' III. empfing er 1087 fein ©i«tum m e 0/ f- ftttbtbtafonMt 
wieber unb wibmete fieb. nun ganj ber SÖetflprebtflt, bie Dcbe 3efu, bie2)?attp. 
©orge für feine Äirche unb ber ©efepruna 5—7 al« meffianifebe 2tntritt«rebe 3efu 
ber Senben bi« an feinen Tob 1107. 1523 beffen öffentliche ©irffamfeit eröffnet, wah* 
toerfefete ihn tyapfl §abrian VI. unter bie renb fie fuh an fbäterer ©teile unb in 
^eiligen. ?uther fdjrieb bagegen : „SBiber fragmentarifeper ©eftalt bei Juf. 6, 17—49 
ben neuen Abgott unb alten Üeufel, ber ' finbet. Sie unbefangenen 9lu«leger fmb 
ju SWeifjen foll erbeben Werben", aufweiche gegenwärtig barüber einig, baß bie Debe 
©eprift Smfer antwortete, ber fdjon früher i fo, wie fte ba« erfte (Soangelium giebt, 
feine „Vit* Bcnnonis" (1512) gefdbrieben | eine me&r ober minber freie Äombofition 
hatte. (Snblic^ famen ©enno« ©ebeine nach barfteflt, woburtt) gewiff ermaßen ein ®c» 
üielem Utnt)ertrren 1576 nach München, ba« famtbilb 3cfu al« ©olf«leprer«, eine mußer« 
ipn ju feinem ©chufctatren wählte, ©gl. j gültige <ßrobe feiner ?eprweifc gegeben 
Janger in ben „9J?ittpeilungen be« ©crein« | werben foüte. Äeineeweg« ebenfo augemein 
für @ef$- b. ©tobt Meißen" (1888). z. wirb ber $rri« ber Urf&rünglichfeit für bie 

33entöt$, & arl , eoangelifcber Speolog, fürjwe gönn be« 3. (Soangeltften, wo fte al« 
geb. 10. Slug. 1845 ju $>üren, ftubierte ©eiperebe für bie engere 3üngergemeinbe 
feit 1863 in ©onn, ©erlin, £»eibelberg, i erfcheint, beanfbrucht. 3ebcnfali« fotten in 
lehrte feit 1867 an ber ©ürgerfchule feiner it)r bie ©runbferberungen be« neuen ©orte«« 
©aterftabt, braute bie 3apre 1872—1875 reich« au«geffcrochcn, eine „Magna Charta 
in 3talien (Dom) ju, mit ©tubien U* be« Himmelreich«" gegeben werben. 3n« 
fchäftigt, habilitierte ficb. 1876 in ©onn unb fonberpeit ift es bie für ben ©tanbbunft 
Würbe bafelbft, nadt>bcm er fiep ju wiffen» be« erften (Soangeliften entftbeibenbe ftrage 
jchaftlicpen Bwecfen im Söinter 1878 — 1879 nach ber ©teflung 3efu jum ©efefc, welche 
tn Italien aufgehalten, 1879 außerorbent* Mattt). 5, 17 — 19 in etnem ber <ßaulini« 
licper <ßrofeffor ber X^eolcgie. Unter feinen ; fdjen ?el)re abgewanbten ©inn jur ?Öfung ge- 
Schriften fmb ju nennen : „©ernarbino j bracht wirb, worauf eine Äritif ber bpari» 
Ochtno oon ©iena" (1875); „lieber bie j faifchen ©epanblung be« ©efefce« fowie ber 
Duetten ber italienifchen Deformation«« ' bamal« beliebteftcn formen »on guten 
gef epithle" (1876); „2>ie ©umma ber §eili« | SBerfen unb Xugenbübungen ben §aubtin« 
gen ©chrift, ein 3eugni« intl bem £t'\t* holt be« ©anjen bilbet. ©gl. itpolutf, 
alter ber Deformation" (1880); ,,?utper« | 2>ie ©ergrebe (Sprifti au«gelegt (5. Hnfl., 
©d?rift an ben cpriftl. «bei beutfeher 9?a- 2. Sbbrucf 1872); 914 e Ii«, 2)ie ©.(1875); 
tion" (1884); „©efep. ber Deformation in 3bbefcn, Sie ©crgbrebigt3efu (1888). h. 
©enebig" (1887). z. »etlebutgct S3ibcl, eine au« fepa* 

»crenoat öon 2outfi> feit 1040 ©or> ratiftifchen Greifen h^toorgegangene, 1726 
fteper ber Somfchule »on -fcour«, trat al« in 8 ©ä'nben erfchienene ©ibelüberfe^ung, 
©egner ber ©rott>erWanblung«lehre be« bie um ihrer chiliaftifch»theofo^hif(h<n Än» 
Sajaaflu« Dabbertu« (f. b.) auf, würbe mertungen unb 2lu«jüge au« ben Serfen 
1050 al« §areti!er auf einem römifdben früherer 9Jtyfti?er willen berühmt gewor« 
Äonjil »erbammt, in granfreich in« ©e» , ben ift. h. 

fangni« geworfen, fanb jeitweilig einen 1 »etnet JDigputafiott. fanb jwifchen 
©efchü^er an bem in granfreich weilenben (Soangelifchen unb Äatholifen »om 7. bi« 
?egaten ^ilbebranb, bem fpatern ^ßabft 26. 3an. 1528 ftatt unter ©etheiligung 
©reger VII., mußte aber rrotjbem auf einer 3 ro i n 8^*» ©ucer« unb 5a|>ito« au« ©traß- 
weitem ©imobe ju Dom 1059 SBiberruf bürg, be« Oecolam^abiu« au« ©afel, 
leiften, Wa« ihn nicht hüttot*/ feine Sehrc ©laurer« au« Äonftanj k. 3)a« ©ef^rä'ch 
ju oerbreiten, bi« ihn ©regor VII. 1079 brepte üch um bie ©äjje, welche bie ton 
oor eine ftaftenfpnobe in Dom fteüte unb | Rätter unb Äolb »erfaßten, »on 3wtngli 
jum erneuten ©efenntni« feine« 3trtum« rebibierten, fogen. jelm ©(^lußreben ent^ 
nötigte, dx jog f«h auf bie 3nfel ©t. ! hidt«n; bie tytx »orgetragenen Sehren »on 
dornt bei !£our« jurücf, wofelbft er 1088 ; (Eprifht«, bem einjigen Raubte ber tirche, 
ftarb. €S. «benbmaftl. ©gl. ©ubenborf, j ber Unoerbinblichfcit ber Äirchengefe^e, 



©efchichte ber religiöfen 2tufflärung im ] nicht leiblichen ©enießen be« ?eibe« unb 
Mittelalter (©b. 1 1875); $efele, Äon« ©lute« Gprifti im Slbenbmahl, bon bem 
jiliengefchichte (5. ©b. 2. %afl. 1886); ÜKißbrauch ber SWeffe al« Dtfer, »on ber 
©chwabe, ©tubien jur ©efeh. be« jwei» Unjulä'ffigfeit be« gegfeuer« unb be« (Söli- 




teu 5lbenbmahlftrcite« (1887). z. 



bat« k. fließen nur auf fehwaebe ©iber- 



Digitized by Google 



ferner fttrcbenfortflift — 



^ernljarbin &tm Siena. 



71 



legungen ber in geringer 3ah* erfebienenen 
Vertreter ber althergebrachten Suffaffung 
unb erhielten burd) ba« 9teformation«betret 
»om 7. gebr. 1528 gefefclicbe Äncrfennung, 
mobureb, unb jtoar in ©erbinbung mit ber 
gleicbjeittgen Aufhebung ber btfcbb'flichen 
©emalt unb Weuorbmtng be« ©otte«- 
bienfte«, bie 3uu>enbung ©ern« jum e»an» 
gelifeben ©efenntni« entfehieben war. ©gl. 
gif c^er, ©efebiebte ber $i«eutation ju 
$crn (1828). «. 

»etnet ÄttcfienFottfliFt. «1« ber 
©ifchof »on ©afeUSeletburn, ?acbat (geb. 
1819 ju 2Ronta»en, feit 1863 ©tfcbef), 
bie Pfarrer ßgli in Vujern (1871) unb 
©fchmtnb in Starrfircb (1872) ertommu« 
ntjierte, »eil fte ba« »arifanifebe Eogma 
nicht annehmen ;n fb'nnen erflärten, trat 
bie Xiöjefanfenferenj für bte in ihren 
Stedden gehäuften ©etftlicben ein. 35a 
ber ©ifchof bie (Srfommunifation uiebt 
rcteber aufbeben moflte, entfette ihn bie 
aMüjefantonferenj (1873). Buf bie Seite 
be«felben feilten fub alle ^farm im ©erner 
3ura; auch fte mürben »om ©erner 9ie« 
gientng«rath abgefegt unb, ba fte ba« ©olf 
jur Ömbörung aufreijten, 69 an ber 3abl 
be« ?anbe« »ermiefen ; ihre Stetten nahmen 
altlatholifch« Pfarrer ein. 1875 mürbe 
ihnen aflerbing« bie 9iücfiehr in bie $>ei» 
mat gekartet, aber erfi, nachbem 1874 ber 
Äanton Sern burch ein ©efety bie tireb- 
lichen ©erbältniffe neu georbnet, für bie 
fatbolifche £ird;e eine Sönobe gebtlbet, bie 
^farrmabl ben ©emeinben übergeben hatte. 
$1« aber 1878 ber ©rofje ftatb in ©ern 
nach "uer 9ieumahl au« !onfer»ati»crn 
Elementen jufammengefefct mar, lieg er 
bie juraffifchen ©eiftltchen trieber ju ben 
^Jfarrmablen ju, »crauf fte meiftentbeil« 
in ihren alten Pfarreien uneber gemalt 
»urben. 2)te 1880 in ©ern ^ufammen» 
tretenbe tatbolifth* Äret«fbnobe beftanb fchon 
ju brei Vierteln au« römifd) • tatbolifchen 
Pfarrern, nur ju einem ©iertel au« alt* 
fatholifchen «bgeorbneten unb hob ben 
1875 ton ber Stynobe gefaxten ©efeblufj 
be« »»Aigen flnfchluffe« an bie altfatbolifcbe 
Äircbe ber Scbmeij mieber auf. 2achat, 
ber 1884 auf ba« ©i«tbum ©afel „im 
Ontereffe be« reltgtöfen trieben«" »erjichtet 
hatte, mürbe »on 8eo XIII. mit bem Xitel 
eine« ßrjbifcbof« oon Garnierte )um abofto» 
lifchen Vermalter be« Äanton« Xeffin er* 
nannt. <$r ftarb 1. SRooetnber 1886. z. 

»embatb bon «Slaitbaur i\pt. tu*»«, 
b e r § e 1 1 i g e , ber bebeutenbfte unter ben 
romanifchen ülibfHfern be« SWittetalter«, 
geb. 1091 tu ftontaine« bei Sijon, trat 
1113 mit 30 ©efäbrten in ba« Älefter 



(Siteaur unb mürbe 1115 elfter Hbt be« 
neugeftifteten Älofter« <5lair»auy. Seine 
Sittenftrenge, bie riefe fträmmigfeit, bie 
©lut feiner ©erebfamfett machten ihn jum 
©egenftanb ber ©emunberung unb ermSg« 
lichten ihm in ben Sämtfen jener j$t\t eine 
meitgreifeube Strffamfeit. Sein (Sinflufj 
mar e«, ber 3nnocen; II. auf ber Sbnebe 
ju ßftamfce« (1131), bann auch bei Ätbnig 
rubmig VI. »on granfreieb, Heinrich I. oou 
(Snglanb unb bem betttfeben Äaifer i'otbar 
bie Änerfennung »erfchaffte unb bei einer 
«weiten «nmefenbeit in 3talien 1136—38 
tem ©egenpabft «naflet II. bie Stäbte 
9Rai(anb unb 9iom )u entreiften n>u§te. 
Xen b>i?cf)ften ©ipfel feiner SD2acht erreichte 
aber al« ^Jabft (Sugen III., fein Schüler, 
oer flrnelb »on ©re«cta flücbtenb, ftch ibm 
in bie flrme toarf. Seine ©erebfamfeit 
regte auf bem Äonjil ju SJejela» (1146) 
ben jmeiten Kreu);uq an, beffen %u«gang 
ihn tief betrübte. 9iidt»t ot»ne gerechten 
Xabel bleibt fein «erhalten gegen Sbälarb 
(f- b ). beffen Verurteilung auf ber Spnobe 
ju Sen« er bunbfefete. 9luch bie religion«- 
bhtlofobbifäcu i'ehren be« »ifchof« ©ilbert 
»on ^oitter« ließ er unb jmar \u 9Jeim« 
1148 »erbammen, unb nicht minber eifrig 
mirftc C gegen bie fe^erifcheu Seften im 
Süben gwnfVfü^ miemohl er ftcb aüen 
äugern ©emaltmaßregeln abgeneigt jeigte. 
(Sr ftarb 20. «ug. 1153 ju (Jlair»aur unb 
mürbe »om $abft «leranber III. 1173 
heilig geftreeben, fomie »on *ßiu« VIII. 
1830 in bie 3ahl ber Doctores ecclesiao 
aufgenommen. Seine Schriften (flbbanb* 
lungen, v ^rebigten, ^»omnen) finb berau«ge^ 
geben »on SWabitton (2. KnfL 1719, 2 «be.). 
Bat 9ieanber, 3)er ^eilige «. unb fein 
Zeitalter (3. «ufl. 1865); (Stlcnborf, 
%tx t)tU\CLt 9. unb bie Hierarchie feiner 
3«it (1837); ÄatUbonne, Histoire de 
Saint Bernard et de son siecle (6. KnfL 
1864, 2 ©be.); HRorifon, Life and 
times of St. B. (2. Hufl. 1868); ttitfcbl 
in ben „Stubten unb Sritifen" (1879); 
9leuter in ber „3 e 'tfchrift für Äirchen- 
gefchichte" (1876); «ernbarbi, Sothar 
»on ©ubbttnburg (1879); Weumann, 
©. ». (£. unb bie Anfänge be« jmeiten 
Äreuijuge« (1882); fcbtel, 3)ie »olitifche 
Ihättgteit be« «bte« ©. ». <S. (1885); 
£üffer, 2). h- «• »• <5. (1. «b. 1886); 
Eerfelbe im w ^iftor. 3ahrb. b. ©brre«» 
©efeüfchaft" a887). z. 

»etnharMn »on @tena, ^eiliger, 
geb. 1380 ju SWaffa-Carrara, maebte fich 
1400, al« eine «ßeft burch aanj Stalten 
mütete, burch aufobfernbe Äranfenbflege 
»erbient. 1404 (1402) trat er in ben 



Digitized by Google 



72 öernr/arbiner unb #emfyarbmerimten — ^öefönetbuttg. 



§ranji«fanerorben, al« beffcn ©cneralöifar 
er für bic Ginfityrung ber [triften Obfer* 
fcanj in mebr al« 500 älöftern eifrig t^ätta 
war. Gr ftarb 1444 nnb nnirbe 1450 
heilig gefbrocben. 3n ber ©cfd)i(bte ber 
^Jrebigt gilt er al« einer ber au«a,e$eiebnetften 
föcbräfentanten ber toolfsmä'ßigen «ereb» 
famfeit. «gl. Souffatnt, 3)a« Jeben 
be« beil. «. (1873). i. 

»etnbarbtnet unb »ernbatbtnerin» 

nClt, f- fciftercicnfct. 

&etQUtn (fpr. Ain»), £oui« be, einer 
ber erfkn 9Jiärtbrer ber Deformation in 
ftranlreid), geb. 1490, würbe wegen lieber* 
fefcung »on Triften be« Gra«mu« unb 
?utbcr« feit 1523 Dom Parlament »erfolgt, 
eine 3 c > tlan ö burd) bie ©unft be« Äönig« 
ftran$ I. unb feiner ©cbwefter Margarete 
befcbiUjt, cnblicb aber 1529 »erbrannt, z. 

25etftet, Gugene »rtbur $ran = 
Qoi«, reformierter Xbeolog, geboren in 
SWorge« bei ©enf 5. ftebr. 1831, flu« 
bierte Ideologie in ©enf, (Böttingen unb 
$alle, würbe ^rebiger ber freien ftirdje 
ju ^ari« 1855, wofclbft er an *erf (biebenen 
©emeinben wirffam war. ftujjcr feinen 
^rebigten (1861—84, 7 «be.), bie in« 
Ecutfcbe, Gnglifcbe, $änifebe, ©ebwebifebe 
unb 9tufftf(bc überfefct würben, fmb ju 
erwähnen: -Mes actes et mes prin- 
eipes" (1878); „L'immutabilitö de Jesus 
Christ" (1880) ; „Royaute* de Jesus Christ 44 
(1881); „Coligny avant lesguerresde re* 
ligion"(1885); „LaRävocation" (1886). z. 

aSettbeau (f»>r. to), Gruft, Orientalin 
unb Grcgct, geb. 23. Mo». 1812 ju £>am. 
bürg, ftubierte feit 1832 erft in «erlin, 
banit in (Böttingen Xbcologie, »oruig«* 
weife aber orientalifebe ©brachen, babili* 
tierte ftcb 1839 in (Böttingen in ber bbilo« 
fobhifeben ^afultat unb würbe 1842 jum 
außerorbentlicben unb 1843 jum orbent» 
lieben ^rofeffor ernannt. Gr ftarb 17. 2)?ai 
1888. ?ll« ©cbriftfleüer trat er auf 
mit: „$ie fteben (Bru»fcfu mofaifeber ©e* 
fefcc" (1840) unb „3ur ©efd?icbte ber 
3«racliten" (1842). Gr febrieb Kommen- 
tare )U ben «iiebern 9Jid)ter unb Wutb 
(2. «ufl. 1883), \u ben ©brücben ©alomo« 
(2. 9lufl. r-on Wowacf 1883), ben «üd>ern 
ber Gbronif (2. «ufl. 1873), G«ra, Wehe* 
mia unb Gftber (2. ftufL 1887). Mud> 
beforgte er eine v Äu*gabe ber fbrifeben 
(Brammatif be« «arbebräu« (1843). z. 

33ertbolb, «ifebof »on Gbiemfee, geb. 
1465 ut ©aljburg, feit 1508 «ifebof, 
trat gegen ba« «erberben in ber Äircbe 
fowobl auf ©bnoben al $ j n ter @,$ r jf t 
„Onus ecclesiae" auf; biefelbe erfebien 
anonbm 1524, forberte eine Deformation, 



bie aber nid)t »on einem ©eftenbaupt 
wie Jutber, fonbern »on ben berufenen 
Organen ber Äircbe ausgeben fottte. «. 
refignierte 1525; feine 1528 erfebienene 
„jewtfebe £beologeb" nabm einen %t>til 
ber gegen ?ebre unb Jeben ber fatbolifd>en 
Äircbe erbobenen Vorwürfe wieber jurücf; 
«. ftarb 1543. z. 

»ettbolb üon 9tcgen8butö (Datie* 
b o n e n f i «) , ftran}i«ranermöncb in Degen«* 
bürg, ber größte «olf«brebiger be« SKittel» 
alter«, geboren um 1220 ju Äcgenöburg, 
trat al« Woeije in ba« neuerrtd;tete grau* 
;i«tauerflofter bafelbft. Gr burd)jog al« 
Söuß- unb ©ittenprebiger , »or bem Ver- 
trauen auf ben «blaß unb ba« SMfabrtcn 
warnenb, feit 1250 bie ©cbweij, Oefter- 
reieb, Ungarn, 9)^bren, ©öbmen, ©aebfen 
unb ©djWaben. Gr brebigte oft »or 
3:aufenbcn im freien. ©. ftarb 13. 2>ej. 
1272 in 9tegcn«burg. ©eine ^Jrebigten 
geboren \n bem Voqüglicbften , wa« bie 
beutfebe ^»omileti! alter unb neuer &t\t 
auf;uweifen \)at. ©ie finb am beften »on 
Pfeiffer unb ©trobl (1862—80, 2 Söbe.) ber- 
au«gegeben. ©ein Seben befebrieben ©trom» 
berger (1877), Pödinger (1878) unb Unfet 
(1882). «gl. $ ö tj 1 , Beati Fr. B. a Ratis- 
bona sermones ad religiosos (1882). z. 

©etufuitö, ein bogmatifeber Äunftau«» 
bruef, weiter fiel) an ba« in ben Parabeln 
3efu »orfommenbe SBilb *oom Ginlaben 
\um mefftanifeben -Ui ,\b\ unb an bie ^au> 
linifebe ?ebrfbtaebe anlebnt. 3n ber 2)og« 
matif be»6t Ä bie erfle ©tation auf bem 
§eil«weg, ba ber SWenfdj ba« SSort »on 
ber (Bnabe öernimmt unb auf folebe SBeife 
eingelaben wirb, biefelbe ju ergreifen, ©e« 
geniiber ben Gafoinifien (^rabeftinatia- 
nern) wirb bon ben Sutberanern bebauptet, 
bie 53. fei ernftbaft gemeint, «erlangen 
wirfenb, erftreefe ftcb auf alle ©ünber, 
trete an jeben beran, tönne aber abge* 
wiefen werben, h. 

S3e fdjauung (b e f db a u l i d) e « 2 1 b e n), 

f. Äontcmplation. 

©efdjneibun0 / (bebr. SWtla, grieeb. Peri- 
tome\ lat. Circumcisio) ein uralter ©ebraudj, 
nacb flafftfcben ©tbriftflcüern bei Äolcbiern, 
•pletbioben, ^bönifern, naefc neuern 8tei« 
fenben aueb bei bieten «ölfern Slfrifa«, 
ja felbft ber neuen SBelttbeilc ber b<tßen 
3onc ftattfinbenb. 9)iobammeb fanb pe 
febon bei ben Arabern toor, unb b'utjutage 
eignet fte bau*ptfäd)licb ben femitifd)en 
«ölfern unb benen, weltbe burd) ben 3«- 
lam in beren Äulturfrei« b<"'ugejogen 
ftnb. 2)ie lobten baben fie al« iRatbfom- 
men ber «egbbter beibcbalten. Sie in 
Hegbbten bie «ßrieflerfafle »ermöge einer 



Digitized by Google 



«efdmeitungsfeft — 8e$(e$em. 



73 



folcben am 3 eu S un 8*d 1 ^^ a ^ btm Organ I 
be« 2eben« berricbteten ßeremonte jum ! 
2 ienfte ber ©ottbeit gewetzt War, fo war 
bie». an* für bie 3«raeliten ein Seiten 
bfr ^brigfett, be« »ertragSoerba'ltniffe«, 
barin man jum »unbe«gott ftanb, alfo ] 
»ebingung unb ©bmbel be« »Urgerred&t«. 1 
©ann btefe Sitte im »olf 3«rael (Sin- 
gang gefunben bat, ift febroer ju beftimmen. 
iDie 2. SRof. 4, 24—26 erwähnte <$nt- | 
fteb,ung«art febetnt auf eine Qrneuerung 
be« »rancb> bur«b 3Wof<« b»mubeuten. h. 

23efd)ncfbuna$fefr (Festum circum- 
cisionis), ber 1. Januar al« ber Jag ber 
»efebneibunp 3efu (?uf. 2, 21). ©bnren 
ber ^eter btefe* Sag« ftnben ftcb erft fett 
ben Reiten ©regor« b. ©r. h. 

Scfc$rooruna, ber ©ebraueb gewiffer 
©brter, ftormcln ober $anblungen, tbcil« 
um bamit aufjerorbcntluhe übernatürliche 
Sirfungen bereormbringen, tbeil« um über* 
natürlichen, jumal böfen einwirfungen 
toor*,ubeugen. 3n »ab>lonicn würbe ba» 
»euhwbrung«wefen juerft jur Äunft au« 
gebilbet unb t>on ba naa) ©rtecbenlanb 
unb weiter verbreitet. Unter cbalbäifcbem 
ßinfluß bilbete ftcb bann aud) bei ben 
3uben eine magifä)e ©ebeimfebre au«, bie 
einen §aubttbetl ber Äabbala au«macbte 
unb auf Salento jurütfgcfübrt mürbe. 
Au« biefer jübifäen flttagie fcb.ö|?fte bie 
cbrifUtc&> ftorfebung be« Mittelalter«, ßinen 
befonberen Xbcil ber »efcbwörung«fuuft 
bilbet bie ftefromantie, bie ». ber $oten, 
ba» 3ttieren ibrer ©eifter. 89t- Grorji?mu#. «. 

SÖCfeffene, f- £äntonifd>e. 

23efprenguna (tat. Aspersio) mit 
SBetbwaffcr, eine liturgifdje $anblung 
be« fatbolifAen Äulru«, welche bie Steini- 
gung »cn ©ünben barfjcüt. h. 

&rfT<trion, »afiltu« ober 3oban* 
ne«, »errreter griea). »ilbung unb ffiiffen* 
febaft in Italien, geb. 1395 ju £rabejunt, 
trat in ben Orben ber »aftlianer (f. b), warb 
1437 (Sr)bifcb|of bon 9ttcäa unb natjm al« 
foleber an bem Union«fonjil t>on ^errara« 
ftlorenj 1438 Ttftil ; ?um Jobn für feine ener* 
gtfebe »efürwortung ber Union (f. b.) freierte 
lfm ber *ßabft ?um Ätarbinal. 311« »orfteber 
be« »aftlianerorben« fowte im Ärei« ber ibn 
umgebenben ©elebrten wirfte er für bie 
&u«breitung be« ariex^tf^en @tubiunt« unb 
trat al« Sfcrtcibtgcr $lato« gegen bie 
Angriffe ©eorg« öon $rabe$unt auf. 311« 
bä'bfilicher Segat in 35eutfc|lanb, Neapel 
unb ftranfreieb mar er bemübt, bie Gbri> 
ftenbeit ju einem Äambf gegen bie dürfen 
aufzurufen. ». ftarb 1472. »gl. »oft, 
Le cardinal B-(1879) ; <3 a b 0 » , Bessarion 



de Niece, son rftle an coneüe de Fer- 
rara-Florence (1883). z. 

83(fhnann, ^ugoSob^anne«, lutb, e* 
rifeber Ibfdog, geboren in Felipe ($>ol- 
flein) 21. gebr. 1854, ftubierte 3:b«logie 
;u Voirua, Bübingen, ftiel, »erlin unb 
örlangen, mürbe 1877 $rit>atbo$ent in (Sr 
langen, 1883 8ebrer im ^aüefc^en SBatfen- 
baufe unb 1884 im 2Niffton«fcminar \\\ 
Seibjig. Qr fcb^rieb: .Qua ratione Au- 
gustinns notiones philoso]>hiae graecae 
ad dogmata anthropologica describenda 
adhibuerit- (1877); „@efc$. b. (briftl. «Sitte" 
(1. Tbl, 1880 ; 2. tbl, 1. i'ieferung, 1882; 
2. Lieferung, 1885); „$ie tbeologifc^e 
Söifienfcbaft unb bie 9titfcblfcbe ©cbtile" 
(1881); „Die Anfänge be« fatbol. Cbriften* 
tum« unb be« 3«lam«" (1884); aufeerbem 
gab er 3. «5b- Ä. t>. $>ofmann« „(Sncbflo» 
ijäbie ber Ibeologie" berau« (1879). z. 

lettttl, f. öebet. 

^etfobrten, f. b. ro. »ittgänge. 

öetglorfc, bie ©locte, mit welcher ju 
befitmmten $tittn ba« B^*" ^ um * (ten 
gegeben wirb; bann biefe« 3<ü*> f « fcll>ft- 
ÜJabfi ©regor IX. berorbnete ^nerfl, baß 
wabrenb be« 9)ieffelefen«, 3obann XXII., 
baß breimal täglicb bie (Jbnfienbeit bureb 
©lodenfcb^läge (9ngelu«(äuten) \nm (Bebet 
aufaeforbert werbe. 35a« 9D?ittag«läuten 
foUte feit (Salirtu« III. 1455 eine «ufforbe« 
rung ^nm ©ebet gegen bie Xürfen fein. h. 

33et$anteit, etn'au« ber ?eiben«gefcbi^tc 
3efu berannte« 35orf, 40 ÜWinuten oftwärt« 
t>on 3erufalem, an "einem »orb,ügel bc« 
Oelberg« gelegen, h. 

s ^fthnu&, ein gorte*bienfHic$e« @e« 
bäube obne $urm unb ©locfe, in Welcbem 
jwar gebetet unb gebrebigt, aber feine 
fonftigen bfarramtlicben Verrichtungen toor« 
genommen werben; im engern @inn ba« 
gotte«bienftlicbe ©ebaube ber nidt)t btitn* 
legierten ©efenntniffe, fo früher ber ^rote« 
flanten in Oefterreich. h. 

Bethel (bfbr., ,,®otte«bau«"), eine 
4>/ 2 Stunben nörblic^ öon 3erufalem ge* 
legenc uralte Äultu«ftStte ber Hebräer, 
welche feit 3erobeam al« .£>aubtfilj be« 
SBtlbcrbienftc« bem ©alomonifeben Üembcl 
Äonfurrenj machte, bi« 3ofia« fte jerftörte. h. 

»etbeöbo (bebr., „Ort ber »armbeqig- 
fett", fron?. Cbaritö), ein nur 3ob. 5, 2 f. 
unb an barauf bezüglichen ©teilen ber 
Äirchentoa'ter borfommenber Seid) in 3eru- 
falcm, ben bie £rabition in ber 9?äbe 
be« b'uttgctt ©tebb.antbor« aufweifen Witt, 
«ber 3 ob. 5, 4. 7 febeint auf eine intermit- 
tierenbe Duelle ju beuten, n. 

©etblcbem (t)ebr., „»rotbau«"), jwei 
(Stunben ftiblicb twn 3erufalem gelegene« 



Digitized by Google 



74 



33etfyler/etniten — JBeja. 



©täbtcben, ol« §eimat«ort bcr gamilie 
2)aöib« befannt unb baher in ben ©eburt«* 
gefliehten be« crften unb be« brüten (Soan* 
gclium« jur ©cburt«ftättc be« ,,2>atoib«-- 
fohn«" 3efu« »on 9iajarctb, ergeben, h. 

»etileberatten , 1) ©enennung ber 
$ufftten, nach bcr Äabette ©cthlehem ;n 
«präg, in Welcher $ufj brebigte. — 2) (Stn 
geiftltc^er Drben, ber eiujige ameritanifchen 
Urforung«, geftiftet um 1659 »on ^ßeter 
»on ©etbencourt, granji«faner in ©uate« 
mala, für §ofbitalbicnft unb uncntgelt« 
liefen Schulunterricht , »erb 1673 oom 
«ßajsft beftätiat. ein weiblicher Drben bcr 
©. würbe 1668 geftiftet. z. 

SSethfatba, ein am linfen Ufer be« 
3orban«, in geringer (Entfernung toon 
feinem ßinflufj in ben ©enejarethfee ge« 
legeuer Ort, welchen ber Xetrard) <Ph»lM>' 
pm ju einer ©tobt umgewandelt unb 
3ulta« genannt b,at. 2)er ^ertömmtic^cu 
Anficht nach würben in ben Soangeltcn 
jwei Drtfchaften mit tarnen ©. ju unter» 
Reiben fein, babon bie anbere am SBcftufer 
be« ©ce« gelegen haben müßte, h. 

©erttt^tuttg, im Untertrieb jur «re- 
bigt (f. b.) eine ungejttungenc, formfreie 
dntwictclung eine« Xcjte«. h. 

Söetfaat, ein jum @otte«bicnft be* 
ftimmter ©aal, entweber für Öffentliche 
Anftalten (j. ©. ©cbulen) ober in Vänbern, 
mo eine 8teltgion«partei feine Äircben 
b^aben barf, für bie SDittglicber berfelben. 

»gl. »tt£)a«*- h. 

fBettage, in ber fatholifchen Äircbe 
bie brei Xage tor bem $immelfahrt«tag 
(Sbrifti, an welkem bie fogen. Sittgänge 
(f. b.) abgehalten werben; in ben prote* 
ftantifchen tfireben Ecutfcblanb« f. ». w. 
©ußtagc (f. b.). h. 

»ettelbrübet, f. w. ©ettelmbnche. 

»ettetmonefce (2Kenbifanten), bie 
SWöncbe folcher jflöfter, welche ihrer ur« 
fprünglichen 9?cgel jufolgc fein (Sigentum 
beftjjen burften, fonbern auf bie milben 
©aben angewiefen waren, weiche »on ihnen 
eingefammelt würben. @o bie ftranji«- 
faner (f. b), 2)ominifancr (f. b.), Augufti» 
ner (f. b.), ©erbiten (f. b.), unb Äarmeliter 
(f. b.). ©erabe ber ©ettcl brachte biefe 
SKonche in teftänbige ©erbinbung mit bem 
©olf, beffen ^rebtger, Sehrer unb ®e- 
wiffenöführer fte würben, 2)a fte mit 
^rioilegien au«geßattct unb ber epi«fo« 
palen Aufftcbt entjogen würben, fo bafj fie 
§. ©. Überall brebigen, ©eichte hören, 
aReffe lefen burften, jo fcb>ffen fte fuh um 
fo unbebingter an bte römifche flurie an. 
Auch ber Uniberfitäten bemächtigten fte 
fich, unb ber ©treit ber ftranjt«fauer unb 



[ 2>ominifaner (Xhontiflen unb ©fotiflen) 
beherrfchte langte bie SBtffenfchaft ffiäb- 
renb bie päbftltche Hierarchie ben antib.ier* 
1 archifchen, mbftifcb>a«fetifchen ©eifl in ben 
©biritualen unb graticeflen ber §ranji«* 
faner ju bcfämbfen b;atte unb fpätcr ber 
9luguftinerorben faft ganj ber Deformation 
. beitrat, würben anbererfeit« befonber« bie 
! 2)ominifaner bie ganatifcv ber 3nquifttion 
unb be« bigotteflen Aberglauben«. Söa« 
bie innere Sinricbtung bcr «ettelmönch«- 
flöftcr anlangt, fo waren für ba« Sin« 
fammeln ber milben ©aben befonbere 
Sttö'nche, bie fogen. Xerminanten, be- 
[teilt, bie jur (Erleichterung ihre« ©efchäft« 
in ben ©täbten eigene Dermin häufer 
hatten, ©alb bilbeten fuh nach benfelben 
Regeln auch ftrauenorben unb gewannen 
wette Verbreitung, ©eitere« hierüber bei 
ben ben einjelnen Orben gewibmeten Ar- 
tifcln unb im Slrtifel „Älofter". z. 

93eroei$ftetlen (lat. Dicta probantia 
I s. classica, Loci classici, Sedes doctrina- 
I rum), ©teilen au« einer unbebingte Äute« 
I rität geniefjenben ©chrift jur ©egrünbung 
einer ?ehre ober JBehaubtung, in ber 
2>ogmatif au« ber ©ibel. h. 

S3et)fdjlaji. 3ohann ^einr. Sbrt- 
ftobh SBilltoalb, eoangel. X hf olog, geb. 
5. ©ebt. 1823 ju granffurt a. 2W., ftu- 
bierte Xheologie ju ©onn unb SBcrlin 
1840 — 44, würbe ebangelifdjer $tilf«bre« 
biger in Jrier, 1857 ^ofbrebiger in 
Karlsruhe unb ging al« orbentlicher ^ro* 
feffor ber tytcUüit 1860 nach ^aüe. 
Außer jahlreichen Vorträgen (gcfammelt 
unter bem Xitel: „3ur beutfch-chriftlicben 
Cilbung", 1880), <ßrebigten, ©elegeuheit«. 
fchriften, ftnb jn erwähnen : „3Me dhnfio- 
logie be« Weiten Xcfkment«" (1866); 
„3)ie «Paulinifche Xheobicee, 9Ü<m. 9—11" 
(1868); „2)ie chriftliche ©emeinbetoerfaffung 
im 3 c ' ta ^ er ^tütn leftament«" 
(1874); „3ur Sohanneifchen grage"(1876); 
„Au« bem Sieben eine« früh Soüenbeten" 
(5. «uff. 1878, 2 ©be.); „Erinnerungen 
an Albrecht SBolter«" (1880): „Ä. 3. 
Wifefch" (2. Aufl. 1882); „®er Altfatholi- 
ji«mu«" (1882) ; ,,$a« Scben 3efu (2. Aufl. 
1887-88, 2«be.); ,,35a« ^reufjifche ^ari- 
tät«brinjib" (1886). Auf ben preufjifchen 
I ©eneralfhnoben »on 1875 unb 1879 war 
er ber berebte gührer ber fogen. SWittel« 
bortet. 3m 2)ienfte berfelben wichtung gibt 
». feit 1876 unter bem Xitel: „2>cutfcbe 
eoangelifche ©lätter" eine firchenbolttifche 
3eitfchrift h««"«- 

»eja (be©eje). Xheobor, ©enfer 
Reformator, au« abiigem ©efchlecht, geb. 
24. 3uni 1519 ju ©ejelat) in ««ioernai«, 



Digitized by Google 



75 



»o ftin ©ater, $eter be ©e-,e, ©aiüi war, 
lebte »on feinem neunten 3abr an m Or- 
leans unb ©ourge« im §aufe äJcelcbior 
Selmar«, eine« beutfeben Philologen, ber 
ihn mit ben ©runbfäfcen be« ^reteftan- 
ti«mu« betannt machte. Nacbtem er bar* 
auf ju Orleans bie Rechte 'meiert blatte, 
lebte er in ^ßari« im ©eftfc jweier "^frtinben ! 
äiemlicb locfer unb »erlebrte al« eleganter i 
unb wi^iger lateinischer Siebter („Poemata 
juvenilia", 1548) tn öornebmen Äreifen. 
2>iefem feben entfagte er nach innern 
Äämbfen unb febwerer Äranfbeit, begab , 
ftch 1548 nach ©enf, briratbete unb trat 
3um ^rotcftanti«mu« über. 3ebn Oabre 
mirfte er bann al« ?ebrcr ber grieebifeben ' 
(Sprache in Jaufanne unb »oflenbete bie [ 
ton SWarot begonnene, metrifd»c lieber« 
fe$ung ber ^falmen, bie, fbäter mober« 
nifiert, bem Äircbengefang ber reformierten 
©emeinben in ftranfreieb ut ©runbe liegt. 
Calmn leiftete er wefentliebe Xienfte bureb 
feine bdfntifcbfn «Schriften über ^rabefti« 
nation unb Slbenbmabl, tbeilte aber auch 
beffen Anficht über bie ©eftrafuna ber 
Äeijer, tote er }. ©. in feinem ©um „De j 
haereticis a civili magistratu pumendis 
etc." (1554) @er»ct« Einrichtung }u recht« 
fertigen fuct)te. (gr erwarb fieb ba« ©er« 
trauen ber reformierten ©cbmeijer in einem 
fo bof>nt ©rabe, baß fie ihn 1557 unb 
1558 mebreren ©cfanbtfcbaften an bie pvc* 
teftantifeben dürften 2>eurf<blanb« beiorb« 
neten, bereu ^ürfprache bei bem franjb* 
fifeben §of bie bebrobten SBalbenfer in 
^iemont fcbüfcen fotrte bie ©efreiung ber in 
pari« toerbafteten Reformierten au«wirfen 
feilte. Xürä) (Jatoin immer mehr ber 
brattifcfyen Ideologie gewonnen, ging er 
1558 nacb^ ©enf, Warb al« ^ßrebiger fowie 1 
al« ^rofeffor ber Xb«fo9»t Salmn« tätiger | 
©ebilfe unb trat für biefen gegen bie an- 
griffe ber Lutheraner SBeftbbal unb £ile» 
mann £eßbufiu« in mebreren, utm Ib^eil 
beißenb ironifeben, @ct»riften 1559 unb 
1560 auf. ©ein Xalent »um Untertan* 
beln mit ben ©roßen ber <lrbe nabm bie 
reformierte Äircbe nun »ielfältig in Än* 
fbrueb. Nachdem er 1559 ben Äönig 
Snton ren Natarra für bie Reformation 
gewonnen, befugte er 1561 auf beffen 
«erlangen mit petru« SWartyr ©ermigli 
ba« berühmte Religion«gefbräch ju ^oiffü, 
wo er mit Äütmhett unb rhetonfeber ®e« 
wanbtbeit bie ©acbe ber Reformation toer« 
teibigte. ©ei bem toüoouium ju <St. ©er« 
main 1562 eiferte er gegen bie ©Über« 
berebruna,, War bann nach StuSbrucb be* 
©ürgerfrieg« al« ^eft^rebiger im ©efolge 
be« 1< ringen <Jonbe\ Nach bem ©ertrag 



toon 1563 trat er in ©enf wieber in feine 
Remter ein unb galt nach Satoin« lob 
1564, beffen Nachfolger al« iJräfibent be« 
Äonßftorium* er war, al« ber erfte Ib«leg 
biefer Äircbe. 1571 unb 1572 nabm er 
an ben allgemeinen Nationalfpnoben fran« 
ibftfeher Reformierten |H Sarocheüe unb 
Nime« tbeil. 1586 maß er fich bei bem 
ReIigion«gefpräcb w aJIÖmbelgarb mit bem 
württembergifchen £ b' flogen oalob Slnbreä, 
ber lutberifchen Anficht oon ber Ubiquität 
be« Seibe« unb ©lute« (fbrifti entgegen^ 
tretenb. Wacbbem 1588 feine erfte @attin 
GElaube Xe«noj geftorben, beirathete ber 
69jä*brige, immer noch rüftige ©rei« eine 
jweite grau, bie »erwitwete ©enuefin 
Äatbarina bei ^iano, bie forgfame iJfle« 
gerin feine« Hilter«. Nacbbem er febon 
1580 com ©orftfc im Äonfiftorium iurücf« 
getreten war, legte er 1598 fein Lehramt, 
1600 fein ^rebigtamt nieber. g ran J von 
8ale« fuebte ibn »ergeblich jur Rücffebr 
in ben (Schoß ber fatbolifeben uivd>e gu 
bewegen. 911« bie Oefuiten 1597 au« 
fprengten, ©. fei geftorben unb habe ftch 
noch cor feinem (Snbe unu fatbolifeben 
©lauben befannt, febrieb er bagegen ein 
^bottgebicht. ©. ftarb 1605 an Älter«« 
fchwachc. ©on feinen fchriftfteHerifcbcn 
JBerfen ftnb ju erwähnen außer ben tri» 
tifchfn Äu«gaben be« Neuen leftament«, 
ju welchen er neue §anbf<hriften »erglicb, 
mehrere „Dialogi de praedestinatione, 
de coena sacra contra Io. Westphalium, 
TUemannum, Hesshusium, Castellionem 
etc.", t>oU beißenben <Spotte« unb unge« 
bänbtgter Jaune; „Icones virorum illu- 
strium, cum emblcmatibus u (1580, in 
fran). ©earbeitung con ©oguel, 1858); 
.Vita Calvini" (1575, neue franj. ©ear« 
beituna uon granflin, 1864; »or .Calvini 
epistolae et responsa*). Sin jth«il »on 
©eja« ©chriften ift gcfammelt in „Th. 
Bezae tractatus theolog." (1582, 3 ©be.). 
©gl. ©aum, Ihfcbor ©., nach banbfehrift» 
lieben Oueüen bargeftettt (1843 — 51, 
2©be.); $tpp<, Übeobor ©. (1861). z. 

©tbel (griech. Biblis, „©ücher"; auch 
bie ©chrift, ^eilige «Schrift, 2Bort 
©otte«), Name be« Religion«bucb« ber 
Uhriflenbeit. 2)ie ©. jerfäUt naturgemäß 
i in jwei 5: heile, gewöhnlich mit abgetürjtem 
| «u«brucf ba« % 1 1 e unb Neue £efta« 
m e n t genannt, fiatt be« »oüftänbigern unb 
| richtigem: ©ücher be« Sitten unb Neuen 
I Seflament«. 2)a« SBort Icfiament ifl ba« 
j beibehaltene lateinifche Sort ber Vulgata, 
womit fie ba« griecenfebe Diatbeke (©unb) 
überfeijt, welcbe« in ber religiösen <§pra<ht 
1 ber 3uben (bebr. berit) ba« ©erhältni« 



Digitized by Google 



76 



»ibet. 



bejeicbnet, in welche« fid> ©ort bem 
au«erwäblten 93olfe gcftcttt bat. 

2öa» junhc^ft bie Drbnung nur (Sin* 
tbeilung be« fogen. $Uten Xeftament«, 
b. b- ber »on bcm nac^ejrilifc^en 3ubentum 
al« infbirierh 9teligion«urfunben gefaßten 
Ucberrefte ber altbebratfcben Literatur, be» 
trifft, fo folgt unfre beutle ?utberbibcl 
barin ber Vulgata (f. b.) unb tiefe wieber 
ber griednfdjen Ueberfetjung ber hieran« 
brincr (fogen. Septuaginta, f. b.), nur 
baß fax bte 9tyoribbb*H» Welche Sutbcr 
al« Stnbana, georbnet bat, mitten unter 
ben fanonifeben ©ücbern ftcb befinben. 
SBäbrenb tiefe Crbnung ben 3nbalt be« 
rücfftebtigt , fo baß auf bie biftorifeben 
©ücber bie boetifeben, auf biefe bie pro* 
pbetiieben folgen, tbeilten bie ^>aläftinif(ben 
3uben nacb urfbrung unb Autorität unb 
untertrieben Torah (©efet}), Nebiim 
(^robbeten) unb Ketubim (Sänften), fo 
baß fte au<b, nact) ben beiben §aupttbeilen 
^ufammenfaffenb , tont 9llten Xeftament 
al« ton ©efefe unb Propheten fpracben. 
35ie Torah finb bie fünf ©ücber iDcofe«. 
35ie ^Jrobbeten verfallen in bie frübem, 
b. b. bie gefcbicbtltcben ©ücber, 3ofua, 
Siebter, ©amuel unb Äönige, unb in bie 
fpätern, biefe wieber in brei große: 3efaia«, 
Jeremias, ($}ecbiel, unb in jwötf fleine. 
SE) ie S(briften (grieeb. Hagiographa) tbeilen 
ftcb in bie poetifeben 33iicfaer : i>iob, @t>rücbe, 
Halmen; bie 2)legillotb, b.b- Stollen: $obe« 
i'ieb, 9tutb, Älagelicber, ^rebiger, (Sftber, 
unb bie übrigen: 35aniel, S«ra, Webentia 
unb Sbronifa. 3>a man bie jwölf fleinen 
^robbeten, ebenfo bie beiben ©lieber ber 
Cbronita, aueb. (5«ra unb 9?ebemia je al« 
(Sin ©ueb anfab, fo jä'blt ber Xalmub mit 
ben fpätern 3uben 24 ©ücber, 3ofepbu« 
unb bie Äircben&atcr aber nur 22, weil 
fte 9iutb mit ben Wintern, bie AUagelieber 
mit Jeremias »erbinben. 

©a« ben 3nbalt ber altteftament« 
lieben ©Ucb>r im Allgemeinen betrifft, fo 
entbalten bie biftorifeben nacb, einer all* 
gemeinen Uraefdjtc^te ber SKcnfcbbeit (1. 2)iof. 
i— 11) bie ©efcbid&te be« t)ebräifcben ©olffl 
bi« um bie SKitte be« 5. 3abrf>. o. <5^r. 
unb ttt»ar fo, baß jebe« ©ttcb auf ba« 
t>erberget)enbc liHücfftcbt nimmt unb auf 
ba« foigenbe »orberettet. 9iur bie (Jbronif 
wieberbolt ben 3nbalt be« jweiten ©uebe« 
©amueli« unb ber ©ücber ber Äönige »on 
anbern ©eftcbt«bunften au«. 35ic b r o » 
bbetifeben ©üctyer entbalten bie Sieben 
unb ©eftebte ber <probbtten öom 9. ober 
8. 3abrb\ fc. (Jbr. bi« minbeftenfl in bie 
2flittebe« 5. 3abrb- berab. 35ie boetifeben 
©ücber repräfentiren bie Ibrifcbe (^falmen), 



bibaftifebe (§iob), gnomiftbe (©prücbe <Sa* 
lomo«) unb crotift^e (§obc« Üieb) *Uoefte. 
2)ie 9(bofrbbb«n (f. b.) be« Älten le^a« 
ment« fcbließen ftcb ibrem 3nbalt nacb an 
bie fanonifeben $3ücber an, v i\ ba« $ucb 
! Siracb an bie ^prüebe 3alomo«. 25a» 
gegen artet bie @efcfyic$te in ibnen öoücnb« 
jur eigentlichen ?egenbe au« (fo nament« 
lic$ im feiten 3Rattaba>rbucb) unb wirb 
jur Durcbfübrung lebhafter &rvtdt (»tc 
tn ben 33ücbern *obia« unb Ortibitb) be* 
nutjt. 2)er £on ber „?Bci«beit @alomo«" 
foroie ber brobb«tifdt)en ?lb»'rbbben (8ucb^ 
^arueb unb Sörief be« 3eremia«) näbert 
ftcb bereit« bemjenigen ber neuteftament» 
lieben Sebrfcbriften. 

2)er jweite Zfytil ber $}., ba« bie älteften 
©djriftbcnfmäler be« (Sbriftentum« ent» 
baltenbc Weue leftament, verfiel ur* 
ibriinglieb in ba« Sbangelienbucb unb 
in ba« 9lp o ftelbuc^, woran ftcb bie 9M>o* 
ftelgefebicbte unb ?leo!alt)pfe anfebloffen. 
Äucb biefe Sammlung ift au« ^ t ft o r i 
' feben, bibaftifeben 3cbriften unb einer 
probbetifeben Scbrift jufammengefe^t. 
3m Äpoftelbucb feb^eiben ftcb bie li bem 
¥ a u l u « beigelegten ©riefe leiert ton ben 
fteben Scbreiben anbrer &boftel, welcbe 
urfprünglicb^ eine weniger lofal befefyränfte 
■ ©eftimmung batten unb barum gewöbnlicb 
I fatbolifebe, b. b. aügemeine, «riefe 
genannt würben. 

2>ie »ücber be« «Iten lefiament ftnb 
in bebräifeber, einige 3tücfe in ben 
©üebern Xanicl unb G«ra in cbalbäi» 
feber, ba« Dieue Xeftament ift urfprüng» 
lieb unb g«u$ in grieebifeber (genauer: 
bfUcttiftifcber) ©pracbe gefetrieben. 'iWur 
ton $wet ©ebriften be« ^icuen Xeftament« 
(3)iattbau8 unb ©rief an bie Hebräer) 
baben bie Älten tielfacb, aber falfclüiclj, 
bebauptet, fte feien urfbrünglieb^ in bebrät« 
feber, b. b aramäifeber, igpracbe gefebrieben 
gewefen. Xie grieebifebe ©braebc war ba« 
mal« bie allgemeine 3$erfebr«fbracbe be« 
t SDiorgenlanb« unb feit ber »ibelüber» 
; fe^uug ber ©ebtuaginta audt» in ben gotte«- 
1 bienftlicfyen Oebraucb ber 3ubcu Uberge» 
! gangen. 9fat in biefer i2braeb|e lonnte 
bie mfünftige Scltreligion ibren fiebern 
91u«brucf finben. 6. Stbrä«, ^fbtai«mu# unb 
$>eüeniflen. 

35a« erfte Blieben bon bem Uorbanbcn» 
i fein ber altteftamentlicben ©ammlung ift 
bie (Srwäbnung berfelben im Prolog be« 
1 3efu« ©iracb (132 t>. Sbt.); banacb fübrt 
j i$biio ba« Alte Xeftament al« ein ©anje« 
! an unb giriert Stellen barau«, aber erft 
3ofebbu« fennt nacbwei«bar bie jetzigen 
altteftamentlicben ©ücber. Xiefclben baben 



Digitized by Google 



77 



ftd> ebne ^iveiffl erft aUmäblicb $ufammen> 
gefttuben. 3)ie jübifebe Xrabitien, wonacb 
unter <S«ra bie „grofje Smtagoge" (f. b.) 
bie Sammlung uiftanbegebracbt baben foll, 
ijt ebenfe unbiftorifcb tote bie Sage, bafc 
S«ra bureb göttliche Eingebung bte alt* 
teftamentltcben ©ücber wieberbergeftellt unb 
mfammenaefaßt babe. Sobl aber war et 
an ber webafrion ber älteren ber brei 
Sammlungen beteiligt, b. b- an ber Ab* 
faffung reo ©efefce«. 3)ie ©erfefung be«* 
felben an ben Sabbaten nacb einem feft« 
ftebenben Sefefrei« galt febon ju 3efu 
3etten al« alte ©ewobnbeit, unb bie Sa* 
maritaner rennen no<$ feine anbem b«ligen 
Stritten. (Srft fuäter fam e« 3U einer 
jweiten Sammlung, weube bie i*rotbeten 
umfcblofj. 2)en gette«bienftlicben ©ebraueb 
berfelben erfeben wir au« Vuf. 4, 16 — 21. 
9»an nannte bte Sefeftücfe au« bem ©efelj 
$a raftben, bte au« ben ^rotbeten 

Tie britte, gemixte Sammlung flammt 
frübeflen« au« ber Witte be« 2. 3abrb- 
». (fb,r. unb flanb felbfl jur neuteflament* 
Ihben 3eit no<b ni<$t in allen ibren Xbeilen 
feil. Auf alle brei Sammlungen würben 
oon feiten ber Äir<ben»äter, im fd?wanfen* 
ben ®egenfa^ ju ben Abefr»t>ben (f- * >, 
Warne unb ©egriff be« Manen angewanbt. j 

©. Äanoniftfce *üdicr. 

Xit neuteflamentlicben S<briften traten 
nur febr allmäblict unb }unäcbft ebne An* 
f&rua) auf bie gleite Autorität mit ben 
altteftamentlicben in ber Ätr^e ber»or. 
©egen iWitte be« 2. 3abrb- finben mir bei 
bem ©noftifer SKarcton einen ba« britte i 
©»angelhrm unb jebn ^aulrnifcbe ©riefe ■ 
inn faffenben Manen; gegen (Snbe be«felben 
Öabrbunbert« flimmen bie Autoritäten ber 
frerftbiebenflen Ibeile ber Strebe Uberein 
in Anerfennung ber fcier (Evangelien, ber 
■Ivuiiinifrfcm Briefe unb ber erften ©riefe 
be« *ßetru« unb be« 3obanne«. 9htr biefe 
Scbriften galten aueb ne<b bem gegen 330 
febreibenben (gufebtu« oen Gäfarea al« 
„allgemein anerfannt" (Homologumena), 
wäbrenb er bie übrigen $erru«« unb 3e* 
banne«- fomte bte 3afobuS* unb 3uba«« 
©riefe unter bie wiberfproebenen Schriften 
(Antilegomena) fteflte, ju weisen ibm, 
miemebl in untergeerbneter SBeife, noeb { 
bie Acta Pauli, ber $trt be« $erma«, bie i 
ApetalWfe be« $etnt«, ber ©rief be« 
©amaba« unb bte Aboftolifeben Äonftitu* 
tionen geboten. Vlm längften waren }W ifd) t n | 
Abenblanb unb äRorgenlanb ber Hebräer* | 
brief unb bie Afcofatypfe be« Sobannefl 
frrettig; aber um 400 liefe man fkb biefe 
enblidj au(b im Cften, jenen aueb im heften 



be« S?eid># gefallen. Auguftinu« lieg auf 
feinen Sbneben ju $i»bo (393) unb tu 
Äartbago (397) ba« Neue Xeftament tu 
feinem jetyigen Ilmfang tanonifieren, inbem 
er uialnrti bem Alten bie vn-r tnu^nt ein* 
cerleibte, unb im ©erlauf ber närbften 
3abrbunberte betätigten raebrere iJä>fte, 
1000 3abre f bäter au<b ba« nrn^it ton 
Xribent biefen Maiton. 9iacb Ueberminbung 
anfängltcb auftretenber freierer Regungen 
lenfte aueb bie b^oteflantifcbe dtet^tgläubig* 
feit auf biefelbe J^äbrte ein, ja fte fdbraubte 
im pelemij(ben 3tntereffe gegen bie fatbo- 
lif*e Xrabition ba« Knfeben ber ©. auf 
eine biflorif* gerabeju ungeretbtfertigte 
4>öbe binauf (f. 3nfpitation), fo bafe eine ge* 
frbid>tli(b unbefangene ©etratbtung ber* 
felben erft feit etwa 100 3abren erm&g- 
liebt mürbe. 

föäbrenb e« Sacbe ber fogen. bö'bern 
Äritif ift, bie (5ntftebung«t>erbältuiffe ber 
einzelnen biblifeben ©ütber ju unterfueben 
unb lebtere, au« bem ©ann einer rein 
übernatürlicben 9lbleitung«meife erlöfl, in 
ibrem literargeftbi(btlid>en 3Mf am wi ra * 
bange begreifen $u lebren, bef(bäftigt fieb 
bie fogen. niebere Mritit mit ben ©eränbe» 
rungen, toelcbe ber alt' unb neuteftament* 
liebe lert im l'auf ber B e tten erfabren bat. 
3)a« Material für bie $eftflellung be« 
erftern liefern bie Sbnaaegenroüen unb 
^rioatbanbf(briften be« SKittelalter«, aueb 
bie älteflen 3)rude (feit 1488 unb 1494); 
für bie neuteflamentlicben tbun bie ;u;tt 
Ib<* 1 f^bf *tet ältern, grieebifeben #anb* 
fdbriften unb bie Zitate ber Äircbeu&äter bie 
gleiten ^ienfte (9t. X. gebrueft feit 1514 
unb 1516). gür bie (Srfcrfdjung ber Ur* 
Aeftalt aller Ibeile ber ©. lommen bie U e b e r* 
fegungen in ©erratet, befonter« bie alten 
unb unmittelbaren. So bie grieebifefce 
Ueberfefcung be« Alten Xeflament«, melrbe 
unter bem tarnen Sebtuaginta (f. I.) 
meltberübmt geworben ift, unb bie cbalbäi* 
fd)e (f. % a r au m) ; fo in ©ejug auf ba« Alte 
unb 9?eue Xeftament bie fbriftben lieber* 
fetjungen, befenber« bie im 3. 3abrb. ent* 
ftanbene ^Jef rbito ff. b); ferner bie lateini» 
feben, beren ältere ©eftalt, gewöbnlicb 3t a l a 
genannt, in ba« 2. 3abrb- binaufreiett, wäb 
renb bie fbätere, bie fogen. © u lg a t a (f. b.), 
erft ©on ^icronbmu« berührt, übrigen* 
befonber« im nenteflamentlitben auf 
ber 3tala berubt. Aurb ägbbtifcbe, ätbie* 
pifebe, arabiftbe, perftfebe, "armenifebe, ge* 
tifebe, georgifebe, flawonif<$e Ucberfegungen 
entftanben; einige berfelben ftnb febon 
mebr ober weniger mittelbare, b. b.. oon 
Sebtuaginta, ^efebito, 3tala ober ©ul* 
gata abbängige, Ueberfegungen. festere« 



Digitized by Google 



78 



«ibelgefcttfäaften — «tbefoerbot. 



gilt namentlidj von ben mancfcerlei Ver- 
fu<$cn be« mittelalterlichen äbenblanb«. 
3n 2>eurfdjlanb jäblt man von ber Srfin- 
bung ber Vudjbrudertunft bi« jur 9iefor- 
mation etwa 17 vottfiänbige Vibelbrude, 
tbeil« in oberbeutfeber , tbetlö in nieber« 
beutfdjer SDlunbart. ©ie alle mußten bem 
bireft auf bie Urfbradjen gurüdgebenben 
2ftcifrerwerf Suttjer« ben s JMafc räumen 
(Weue« Seflament 1522, erfte ganje V. 
1534). SIber auetj in ben übrigen Säubern 
ßurova« rief bie Deformation Vibelüber» 
fefcungen bervor, unb burd? bie 2tfübwal- 
tung ber VibelgcfcUfdjaftcn (f. b.) liegt 
gegenwärtig bie V. in über 300 ©öradjeu 
brueft vor. 

s JJorf> muß bemertt werben, baß unfre 
Siafcitel unb VerSabtbeilung feinc«meg« 
urftrünglidj in. Sediere reicht in Vejug 
auf ba« 31lte Xefiament bi« auf ba« tal= 
mubifdje 3ubentum, in Vejug auf ba« 
Weuc lefiament nidjt über 1551 btnauf. 
2)ie Äatoiteleinttyeilung ber V. flammt 
au« bem 13. oabrb. unb mirb auf ben 
Äarbinal §ugo von ©r. <£aro, von (Sini* 
gen auf ©tevban £angton jurüdgefüljrt. 
©rößere unb Heinere Abteilungen be« 
neuteftamentlidjen £e?te«, meldpe früber 
beftanben, finb feiger gurüdgetreten. 2)ie 
Xitel ber Vüdper finb niebt urfvrünglidj, 
fonbern rühren meift von ben ©ammlern 
be« Äanon« t)er, unb nod) fväter, ja völlig 
wertblo« ftnb bie in unfre Ueberfe&uugen 
tbeilweife aufgenommenen Unterfdjriften. 
80t 23 i e ft e l , @efcbid;te be« Hlten £e- 
ftament« in ber cb>iftlicben Äirdje (1869) ; 
9teuß, 2)ie ©efc&idjtc ber b^eil. ©driften 
tteuen Xeftamcnt« (6. SufL 1887); 2) er« 
felbe, 3)ie ©efdjidjte ber b.eil. ©djriften 
Gilten Seftament« (1881). h. 

öibelgcfellfdjaften, Vereine, bie ftdj 
bie Verbreitung ber Vibel unter allen 
klaffen unb ©cbidjten ber ©efeüfdjaft jum 
Swed fefcen. 25ie erflc unb bebeutenbfte 
berfelben entftanb (von frühem Verfudjen, 
wie ber (Eanüeinfdjen Vibclanftalt 1710, 
abgefetjen) 7. 2Jtärj 1804 in Sonbon, bie 
ogen. Vritifdje unb aufllänbifdje Vibclge- 
eüfebaft, weldje 1879 über 966 $ilf«ge- 
ellfdjaften, 355 äweiggefettfdjaftcn ' unb 
3418 Vibelvereine in ©roßbritannien ver- 
fügte. X'xt (£innat)men beliefen ftdj im 
3ab.r 1885 auf 5 ilKiüionen 3»t.; feit 
ibrem Vetteren bat bie ©efeüfdjaft über 
100 SDliüionen von Vibeln unb Weuen £e- 
ftamenten verbreitet. 9iad) i^rem Vorbilb 
traten in allen d)riß(i$en ©taaten, wo 
^Jroteftanten leben, äb>lid)e ©efettfdjaften 
jufammen ; wir erwähnen t)ier nur bie 
$reußifd)e §aufctbibelgefeüfd)aft, gegrünbet 



1814. 35er größten SBirffamfeh unter 
ibnen erfreut fidj bie amerifanifd)e ©efeü- 
fdjaft, bie feit if>rer ©rünbung (1817) 
über 36 SM. Sremblare abfegte. 2)ie 
3ab)t ber feit 1800 burd? bie V. auf ber 
Srbe verbreiteten (5yem)>lare wirb auf 
150 9Killionen gefdjäfet. h. 

^ibeloerbot ( eine gefefefid)e Seflim* 
mung ber fatt)oltfd)en Än\tc , weld)e tief 
in ba« fird)lid)e Jeben eingegriffen fyat 
3war be}iet)t fitb ba« Verbot nur auf bie 
Ucberfetjungen ber Sibel in Sanbe«f^racben, 
uaebbem bie lateinifdje ©praclte fd?on öon 
©regor VII. (1080) jur Äirdjenf^radje 
erhoben unb öon bem Äonjil ju £ribent 
bie Vulgata al« bie einjig antbcittiicte 
Ueberfe^ung ber rb"mifdj-fatbolifd)en Äircfc 
anerlannt worben war. ©einer SBirtung 
nad) tommt aber ein foldpe« Verbot bem 
abfoluten Verbot ber Vibel gteid) unb bient 
bem 3ntereffe ber ^ierardjie, bie religiöse 
erfenntni« be« Volt« in uubebingter ?tb- 
l;ängigfeit ton ben ©eifHidjen unb bem 
römifdjen ©tut)l ju galten. 3m 3ntercffe 
ber päbftlidjen ^)errfd?aft öerbot fdjon ©re- 
gor VII. (1080) ben ©ebraudj ber flawi- 
fd)en Vibelüberfe^ung in Vöb^men; um 
ber walbenftfdjen ÄeUerei entgegenjutreten, 
verboten 3nnocenj III. (1198) unb bie 
Äonjilien toon iouloufe (1229) unb Vexier« 
(1233) ba« £efen ber Vibel in ber Janbe«* 
ftoradje, bie ©onobe ju £arragona (1234) 
fogar ben Wtfit} einer Ueberfefcung o^ne 
©ene^migiing be« Vifdjof«. äl« te^erifd) 
würbe Siclif« Ueberfefeung ju Orforb 
(1383) verboten, ©bnobalbefdjlüffe unb 
bäbftlid;e Verorbnungeu forberten bann bie 
bifdjbflidje ©ene^migung für Verbreitung 
jeber Uebcrfeftung ber Vtbel unb für jeben 
Saien ju tyrem ©ebraudj, bi« ©regor XV. 
(1622) ba« Sefen ber Vibel in ber Volf«- 
irracte überbauet verbot unb (Siemen« XI. 
bie« burdj bie Vuüc Unigenitus ( 1713) betä- 
tigte, um ber Verbreitung ber Ueberfeftung 
von Ouc«nel vorjubeugen. (Sine fbatere Ver- 
orbnung ber römifdjen VÜd)erjenfur von 
1757 geftattet nur Ueberfe^ungen mit er» 
flärenben, au« ben Äirdjenvätern entnom- 
menen 21nmer!ungen unb mit Väbftlid?er 
apbrobation. 25ie wieberl)olte Verbam- 
mung ber Vibelgefellfdjaften bnrdj 2eo XII. 
(1824) unb «ßiu« IX. (önc^tlira) trifft 
be«l)alb nur bie Von jenen verbreiteten 
UeberfeQungen. dagegen beüet)en mandje, 
mit bifd^öflidjer ©eneb^migung verfet)ene 
unb weitverbreitete, fattjolifdje Ucberfc^un- 
gen. ©o bie beutfdje von Vilich (f. b), 
bie italienifd)e be« <Sr)bifd)of« Martini 
von ^lorenj, bie bolnifdje be« 3efuiten 
SBuiefo. h. 



Digitized by Google 



«ibelmerfe - iöibliföe ^Uotogie. 



79 



Sötbelwetfe , umfaffenbere Unterneh- 
mungen, welche ba« ättaterial ^ufammen« 
fiellen motten, welche« ;um t>ottftänbigen 
»erftänbni« ber ©ibel »on wefentlieber 
»ebeutung ift, a(fo Ueberfefeung, Grflärung, 
(Einleitung, gerichtliche, geegrapb. if(be, anti« 
quarifebe fterqen ic. So j. ». »unfen (f. b ), 
tt«co (f. b.), ©erlach (f. b.), Sange (f. b.), 
Örau (f. b.). ii. 

»iblia (griet^. , „»ücher"), f. *. w. 
»ibel. h. 

»ibltolatrie (griech-, „»ibelanbetung"), 
übertriebene aberglaubifehe »erehrung be« 
biblifeben ©ort«, h. 

»iblifdje SUcbäologte ober Hilter 
fum*?unbe, bie SBiffenfcbaft, welche un« 
ben Watur« unb Äultur^uftanb berienigen 
»ölfer, auf welche bie biblifchen Scbriftcn 
unmittelbar ober mittelbar »ejug nehmen, 
in ben Reiten, welche ebenbiefe Scbriften 
umfaffen, eorführt. Sic macht un« alfo 
mit ben »erhältniffen befannt, treibe für 
ba« in ben biblifchen »Uchern bargeftellte, 
in mechfclnbcn (£rf Meinungen ftd? entwicfclnbe 
Seben ben feftern $intergrunb bilben. Die 
jübifebe unb h<braifche Archäologie 
ift i^r wiebtigfter Xb)ctl. 3brc Duetten 
ftnb: ba« Alte unb ba« fteue Deftament 
felbft; bie Schriften be« 3ofcbbu« unb 
tyiic; altere Dbeilc ber talmubifcben 
Literatur; bie griedufeben unb römifepen 
Schriftfteller ; bie fbärlicben Äunftbenfmäler 
unb bie jübifei)en aWiinjen au« ber URafta« 
bäifchen Seit ; ueuerbing« auch bie ägtj^ti- 
fchen unb afforifchen Denrmälcr unb Ruinen; 
enbtich noch neuere Steifebefchreibungen 
u. f. f. 311« Bearbeitungen berfelben au« 
neuerer 3«t jtnb $u erwähnen: De 3Öctte, 
Sehrbucb ber h«braifch«iübifchen Archäologie 
(4. Aufl. 1864); ttofenmüller, $anb- 
bueb ber biblifchen AltertumSfunbe (1823 — 
1827, 2 »be.); ©iner, »ibltfche« Äcal- 
wörterbuch (3. Aufl. 1847—48, 2 «be.); 
(Swalb, Die Altertümer be« »olf« 3«rael 
(3. Aufl. 1866); 2 a a h'cbüö, Archäologie 
ber Hebräer (1855— 1856, 2 ©be.); teil, 
§anbbucb ber biblifchen Archäologie (2. Aufl. 
1875); 9to«foff, Die hebrfiif^cn Alter« 
tttmer )1857); Haneberg, Die religiösen 
Altertümer ber »ibel (1869); % ©cholj, 
Die heiligen Altertümer be« Soll« 3«rael 
(1869—70, 2 »be); Hiehm, $anbwörter« 
bueb b. biblifchen Altertum« (1884,2 »b.). h. 

f3tbUfcfae£O0matie,f.eib(ifd)e Zoologie. 

«iblifdje Einleitung (Einleitung 
in bie »tbel, Introductio s. Isagoge 
in Scripturam Sacram), berjenige S^eig 
ber theologifchen SBiffenfchaft, welcher ftd) 
mit bem Urförung, ber @efdncbte unb ber 
»efchaffenheit ber »ibel befchafttgt. Die 



b. ö. behanbelt in ihrem atigemeinen Dbeil 
bie (Sntfiehung«gefcbichte be« Äanon«, bie 
©efdjichte be« Dcrte«, feiner Ueberfcfcungen 
unb ©runbfprachen ; im befonbern Dbeil 
unterfucht fie bie (Schreit unb 3ntegritat 
ber ein)e(nen »Ud)er, forfcht nach Ab* 
faffung«$eit unb $erfaffern, nach »eran- 
laffung unb ßroeef berfelben, beftimmt 
bie Ai ma hl id>« (Sntwicfelung ihrer fireb- 
lieben Autorität ic. Der «harafter ber 
biblifchen Einleitung ift bemnach ein bifte* 
rifch-fritifcher ; fie betrachtet bie »ibel 
unter bem @cfk6t«t>unrt einer literarge« 
fcfjitbtlicfcen Grfcbeinung unb ift in biefrm 
threm rein wiffenfchaftlichen fibarafter ein 
prebuft ber neuern proteftantifchen tfyto* 
logie. Der 9iame finbet ftch )mar fdt)on 
im fivcbiicben Altertum, aber bie ©acbe 
juerft bei 9cicbarb @imon („Ilistoiro cri- 
tiquo du Vieux Testament", 1678, unb 
„Histoirc critique du texte du Nouveau 
Testament", 1689), unb einer unbefange- 
nen ftorfdiung brach im (Srunb erft 
@emler in Deutfchlanb »ahn. 3hnt folgte 
3. ». öichhom („öinleitung in« Alte 
Deßament", 1780—87, 3 »be., „in« Weue 
Seftament", 1804 — 27). Die moberne 
^eriobe eröffnete De SBette, „Sehrbuch 
ber fyif)orif{^ - fritifd&en ßinleitung in bie 
»ibel Alten unb 9*euen Deftament«", 
(»b. 1, 8. Aufl. 1869; »b. 2, 6. Aufl. 
1860). ©leichfafl« Alte« unb Weue« 
Deftament umfaßt »leef, „Sinleitung in 
bie Seilige Schrift" (»b. 1, 5. Aufl. 1886; 
»b. 2, 4. Aufl. 1886). Cbenfo »eu& in 
ber „®efcbicbte ber heiligen Schriften 
Alten" (1881) unb „Weuen Deftament«" 
(6. Aufl. 1887). »iel öfter mürbe neuer* 
bing« bie (Sinleitung in ba« Alte Defla- 
ment (9teufcb, 4. Aufl. 1870) ober in 
ba« Weite Deftament ($ olgmann, 2. 
Aufl. 1886) gefonbert behanbelt. h. 

SBiblifebe (Befd)tcbte, im allgemeinen 
bie »earbeitung ber hiftorifchen Elemente 
ber biblifchen Schriften, mobei entweber 
braftifche, befonber« bäbagogifche, ober rein 
wiffenfchaftliehe 3*^'^ »erfolgt »verben. 
3m erftern ^all »erfteht man barunter 
ba« feit Anfang be« »origen 3ahrt)unbert« 
fo oiel bearbettete, erft in neuerer &t'\t 
bezüglich feine« bäbagogifchen ©ert« be« 
ftrittene Schulbuch, in lefeterm eine auf 
bifterifche Äritif ftcb grünbenbe, nach ben 
Regeln ber hiftortfepen Äunft burebgeführte 
Darftellung be« in ben biblifchen »Hebern 
be« Alten unb Renen Defiament« ent- 
haltenen gefchtebtlicben Stoff«, h. 

»tbltfdje Philologie (Philologia Sa- 
cra), berjentge Dbetl ber alten Philologie, 
welcher ftd? auf ben Originaltext be« Alten 



Digitized by Google 



80 



unb Lienen Xefiament« ber ©tbel begießt. 

geboren alfo baju ba« &ebra'ifcfrt unb 
ba« bcUenmndie (neutefiamentticbe) ©pracfr* 
ftubium; f. »ib«i. h. 

»ibiifcbeXbPDloflic (biblifebe SDog 
matif), bie miffenfchaftlictye 2)arftellung 
be« in ber Sibel entgoltenen religiöfcn 
unb ftttlidjen ©e^alt«. @ie mitt eine ju« 
fammenbängcnbe entmidelung«gefc$icbte ber 
in ber SBtbel vertretenen religitffen begriff«» 
melt geben üon ben erften Anfängen be« 
Ijebräifcbcn ®olf«tum« an bi« auf bie 
3citen, in fochten ba« (£^riftentum auf 
ber 2lu«gang«icbmetle be« fteuen Xefta» 
ment« jur alten fatljolifdjen Äirt&e mirb. 
3)er 9lame bib lif cbe ©ogmattl, Wel- 
men anbre »orjieben, ift be«batt meniger 
paffenb, mcil füll genau unb fcbarf um» 
grenjte eigentliche @lauben«faic in ber 
©ibcl faum ftnben, bie cbriftlidje Sog» 
mengefct;icf>te vielmehr gerabe ba anbebt, 
n>o bie b. X. aufhört. 3m übrigen f. Ibeo 
toflie imb Xogmotit. <Wac$ ber ftatur ber 
©acbe jerfättt aueb. bie b. X. in jmei 
^au^ttb. eile : in bie be« 2Uteu unb in bie 
be« 9Jeuen Xeftament«. 3ene unterfd&eibet 
bie <?ro4?bcrifcb«bebräif(be unb bie gefefclicb 
jiibifcbe "ißeriobe, biefe bie e&angelifäe unb 
bie ajpoftolififre ^eriobe. Unter ben Duetten 
ber biblifeben Xbeologie nehmen neben ber 
Sibel auch bie 2Kifc|na, $tnlo unb 3o» 
feb&u«, bie alt» unb neuteftamentltcben 
Styofrbbhen unb *Pfeubepigra^bfn eine 
mefentlid)e ©teile ein. ?lucb biefe SBiffen* 
febaft ift in ibrem rein biftoriföen <S&a« 
rafter ein 'ißrobuft ber neuern broteftanti» 
feben Xljeologic. 3bjre moberne Bearbeitung 
beginnt mit 3)e Sette („SMblifcbe 35cg« 
matif be« Gilten unb 5Meuen Xeflament«", 
3. Slnfl. 1830), 33aumgarten.<Sruftu« (1828), 
». Cölln (1836), &tfe (2. «n«g. 1861) unb 
@malb (1871—1876, 4 ®be.). 2>a« »efte 
auf bem ©ebiet ber biblifeben fcbeologie 
be« «lten Xefiament« bietet ^cbulfe (2. luft 
1878). einen neuen Huffcbmung nabm 
bie b. X. be« 9ceucn Xeflamentö feit bcr 
3eit, al« bie i'e^rbegriffe ber einjeluen 
neuteftamentlutyen ©ajriftftetter genauer 
unterfudrt unb bjnficbtlid) ibrer »erfefneben» 
b,eit toon einanber geprüft mürben, mobureb, 
ein farbenreiche« Xöilb &on ber religiöfcn 
©emegung ber a^oflcltfcben Beit, al« bem 
Duett ber naebfdgenben öntmicfelung ber 
alten fatbolifeben Äintyc, entftanben ift. 
3n biefer föicbtung baben ba« »eftc ge» 
leiftet auf mebr fonfertatioem ©tanbbunft: 
St. %. ©cbmib („8. !£. be« 9ieuen Xefta» 
ment«", 5. Bufl. 1887) unb ©eiß („33. 
X. be« Weuen Xeuament«", 5. «ufl. 1888); 
com ©tanbpunft ber freien SÖiffenfcbaft 



au«: 9teufj („Histoire de la theologio 
chr&ienne au siecle apostolique -, 3. Aufl. 
1864), ©aur („»orlefungen über neutefta« 
mentlicb> Geologie", 1864) unb 3mmer 
(„Weuteftamentlidjc Xbcologie", 1878). h. 

»tbltft (mittellat.), »ibelfenner, »ibel» 
erflärer; «ibliftif, «ibelfunbe. 

93iebermann, 2llci« (Smanuel, 
brotefi. X^colog, geb. 2. SWärj 1819 ju 
SBintertbur, ftubierte Xbcologie |it ^afel 
unb ©ern 1837 — 43, erhielt, naebbem er 
feit 1843 eine ^farrfteüe in SWünc^enflein 
befleibet, 1850 eine außerorbentlic^e, 1864 
eine orbentlicb^e ^rofeffur an ber tr)eolo- 
gifeben gahiltät ui ^undi, mo er 25. 3an. 
1885 ftarb. 9uger }a^lrei(ben 9tuffät}ext 
in ben bie fortf$ritt(icbe Xbeolcgie in ber 
©cb^meij öertretenben 3 c >*f^f^n: „35ie 
Äirc^e ber ©egentoart" (1Mb— bO) unb 
„^ettittmmcn (loo» — ii) joroie einer *öio* 
gra|>t>ie be« ©c^meiier Urologen ^>einri(b 
Jang (1876) wroffentlic^te er: „2)ie freie 
Xbtclogic" (1844); „geitfaben für ben 
9ieligicn«unterric^t an t)iJbern Obmnaften" 
(1859) u. a. 8m befannteften mürbe feine 
„e^rifilicbe Sogmati!" (2. Slufl. 1884—85, 
2 öbe.), ba« flaffifcbe SBer! ber rein fre» 
tulatiben ($>egelfchen) 9tict)tung innerhalb 
ber gütigen Geologie. ®.« „9u«gen>ä'$lte 
SortrSge unb änffafte" gab Äraboifer mit 
einer biograb^ift^eneinleitung ^erau« (1885). 
»gl. $f leib er er, «. g. «iebermann, 
in ben „^reufjiföen 3ab.rbücb.ern" (1886) 
unb 2»e&lborn in ben w 3ab.rbüc^em für 
breteft. Xfcol" (^1886). z. 

SÖtel, ©abriel, einer ber legten nam- 
haften @$claftifer, roirfte feit 1484 bi« 
\u feinem Xct 1495 al« ^rofeffor ber 
Ü^olcgie in Bübingen, repräsentierte in 
ber fireblicben föiffenfchaft bie 9ci$tung 
be« 9cominali«mu« unb fu$te in«befon» 
bere bie abfolute SWorroenbigtett menfe^» 
lieber SSerbienfte jur (Srlangung ber Sc« 
ligteit jn ermeifen. ©ein ^auptmerf ift 
bie .Epitome et Collectorium ex Occamo 
super IV libros Sententiarum tt (1495). 
»gl. Sin fen mann in ber „XUbinger 
OuartalfArift" (1865); «ßlitt, ©. al« 
^rebiaer (1879). z. 

»icjomie (griec^. w 25obbelcbe") ift 
vom fanonifeben 9fe$t, mie bom Xriben« 
tiner Äonjil t»erboteu, jeboeb in ber SRefor* 
maticn«jeit in ^orm eine« »crein*jelten 
©emiffen«» unb ^9eicbtratb0 »cn Sut^er 
unb s J}?elanchtbon bem Sanbgrafen $biliW 
^cn Reffen 1539 geftattet morben, b«t 
aber nie Eingang tn ba« proteftantifebe 
CEbeiccbt gefunbeu. z. 

»tlbcrbibfln. ©c^on bie alten §anb* 
Triften unb 35rucfc ber $ibel illuftrieren 



Digitized by Google 



«ittertienft unb «Ubemre^runfl. 



81 



ben Ztxt gern mit bilblicben £arfiettungen | 
biblifcber ©jenen, unb bie ganjc neuere 
gntwicfclung ber SRalerei feit ©lotto pro- 
bujicrt folcbe mit Vorliebe. 6« lag baber 
nahe, bie Äunft bireft für bie j&totdt ber 
Sibclleftüre in Änfpruch ju nehmen. Die« 
ift, träbrenb bie reformierte ftch fprbber 
bagegen »erhielt, befonber« auf feiten ber 
Iutberifc$en Strebe gegeben unb jwar 
fo, baß balb Sibelhncfc ucranftaltet würben 
mit Seigabc einer 9lu«wahl t>on fchon be- 
fannten unb anerfannten Silbern, balb 
aber auA einzelne SDteifter, wie ©cbnorr, 
eine gleichmäßige 3Uuftrterung be« ©anjen 
unternahmen, h. 

»itbctbienft unb »übemrebtuna. 
(31 onolatrte, 3bototatrie). 2>ie 
yieigung unb ©ewobnbeit, ba« göttliche 
SBefen unb bie göttlichen Äräfte in Sil- 
bern barjltftetlen unb JU verehren, ift bem 

fiefamteu Altertum gemein, ßinen febar« 
en ©egenfafc baju bieten nur bie SReli- 
gion 3orcafter« unb ber 2Wofai«mu«, Ju- 
nta! in feiner probb<tifchen gortbilbung. 
©päter bat befonber« 2Hobammeb jebe 
abbilbung ©otte« fireng unterfagt. Slud? 
ba« (5h"ß«ntum mar bem Silberbienft 
toon $aufe au« abgeneigt. 2)ie fehr alte 
Snwenbung ber cbriftlicben ©bmbole be« 
Sreuje«, be« Birten, be« Samme«, be« 
gifch««, be« ©cbjff«, ber ^alrne, be« $b> 
nir, ber laube k. an ben SBänben ber 
SBobnungen, auf ©räbern, ©arteigen 
unb ©erätben wiberfbricht bem nic^t. vcR 
bei ben gnoftifeben ©eften be« 2. unb 3. 
3abjb. treffen wir aud> Silbniffe <£^>rifli 
an. flömäblich brang aber ber ©cbmucl 
ber @otte«bäufer mit Silbern auch in bie 
rechtgläubige Sirene ein. 35a« 4. 3at)rb. 
bilbet bie %t\t be« Äamfcfe«. 'Sied) fbra« 
cfcen ftch bie ©tmobe t>on Sloira (306) 
unb bie angefebenften Äirdjenöäter gegen 
bie Slufftetluncj ton Silbern in ben Äirdjen 
unb namentlich gegen bie Slbbilbungen 
(JbrifH unb ©otte« als burebau« unju- 
läffig au«. Aber fchon jefct gab e« 3. S. 
in Gbeffa ein angeblich autbentifebe« 93ilb 
(Sbrifti, unb balb tarnen folcbe fowic Ȇber 
ber 3nngfrau SWaria unb anberer ^ei- 
ligen allenthalben auf. (5« würbe ©itte, 
bie gewiffen ^eiligen geweihten Äirc^en 
mit 2)arftettungen au« tbrem 8eben ober 
mit Silbern au« ber beiligen ©efc&icbte 
ju fcbmücfen. ©chon fluguftinu« flogt über 
Silberanbetung, unb Äbriüu« fcon Hieran» 
bria beförberte grunbfäfclicb ben Silber* 
bienft. 2)ie Übcerie baju erfanb Tre- 
gor L : bie Silber feien bie Siitfer ber 
Armen, au« welchen fie, bie nicht lefen 
tonnen, bie Äenntni« ber Zeitigen ©e- 
$oltjmamt unb Söpffet, fejiton. 



fehiebte fchöpfen. Uber mä'brenb bei ben 
ro^en ftranfen ba« eben erft äußerlich 
überwunbene §eibentum bie ©efabr nabe- 
legte, baß bie Heiligenbilder nur an bie 
©teile ber ©öfeenbilber traten, unb fo ber 
bilberftürmerifche (Sifer, j. S. be« Sifcbof« 
©erenu«, warbgerufen würbe, gegen wel- 
chen ©regor I. feinen ©runbfafc geltenb 
machte, hatte ber finnlichere, 311 über- 
fpanntem ©efühl«au«brucf mehr geneigte 
(Seift be« Orient« ftcb" fcb>n )u einer wirt- 
lichen Serehrung ber Silber hinreißen 
laffen. 3m Serlauf be« 6. 3ahrb- würbe 
e« herrfebenbe unb firchlich gebilligte ©itte, 
fkh »or ben Silbern unb ©tatuen nieber- 
juwerfen, fte burch 5Rieberfnieen, Äüffen, 
Änjünten ton Mietern unb ton S5?cib- 
rauch, Sefleibung mit foftbaren ©ewän- 
bern unb Serjierung mit ©efebmeiben ju 
ehren (f. «nbetung). a)?an fing an, ju be- 
fonber« berühmten Silbern ju wallfahrten, 
fte ju greifen unb ju befchenfen; ja 
ber ©egenfafe gegen ben anbringenben 
3«lam unb gegen ba« 3ubeutum tonnte 
baju toerleiten, in biefem Silberbienft et- 
wa« fbtjififch GbrifUiche« ju finben. Hber 
barin lag auch !' iv bie eftremifebe n Waiier, 
welchen eine fo fchroffe ©cheibewanb jwi- 
feben ben Religionen im bolitifeben 3nter- 
effe unerwünfeht war, ein 2Kotib jum 
(Siufehreiten. <S« waren befonber« %to ber 
3faurier (717—741), Äonftantin Äopro- 
nbmu« (741—775), ?eo ber (S^a^are 
(775—780), 2eo ber «rmenier (813—820) 
unb 2beobhilu« (829- 842), welche ftch 
bie 9Ui«rottung be« Silberbienfte« jum 
3iel gefefet hatten unb babei tom ^jSeer 
trä'ftig unterftü^jt würben. 9lber gegen 
ben fchon 00m erfien biefer aJienarcpen 
eingeleiteten förmlichen Silberfturm (3fo- 
nofla«mu«) erbob ftch ber ^anati«mu« ber 
iDföncbe im Sunb mit weiblicher Sigotterie, 
unb bie Äaiferinnen 3rene unb ib^obora 
ließen auf ben ©bnoben ju ^icäa (787) 
unb Äonftantinopel (842) befchließen, baß 
bie Silber SbnfH, ber 3ungfrau, ber ©ngel 
unb ^eiligen burch Äüffen, Äniebeugen, 
VMchteranjünben unb ffieibrauch ju verehren, 
wahrhaftiger ®ette«bienft aber nur ber £ri» 
nität ju leiflen fei. 2)iefelbc Ih« 0 "« eignete ftch 
auch bie lateimfdjeSirche an, troö be« Söiber« 
fianb«, welchen bie fräntifdje Äirche unter 
Sari b. ©r. leiftete (f. Carolin* libri). fluch bie 
9lbbilbung ©otte« be« Sater« würbe erlaubt. 
3n ber £bat haben auch bie 2Waler barauf 
nie berjichtet, unb nur bie reformierte 
äirdje hat im ©ehorfam gegen ben £efa- 
log mit ben Silbern ©otte« allen unb 
jeben Silberfcbmucf au« ben Äirthen ent- 
fernt, wäbrenb f uther fi<h burch Äarlftabt« 

6 



Digitized by Google 



82 



mtam — »ifäof. 



»tlberRurm (1522) auf bte anbre ©eite 
brä'ngeu ließ. »gl. 9flarr: SDer »ilber- 
ftreit ber bhiantinifchen Äaifer (1839); 
«iper, ©er cbriftl. »itberfret« (1852); 
$efele in ber Tübinger Duartalfchrift 
(1857); Sflbtfe, £ie »ilberwrchrung 
mtb bie bilblicfie 5)arftellung in ben erften 
cbriftl. 3ahrhunberten (1874). z. 

33t leam (auch » a ! a a in , , uad> 4. 3Wof. 
22 — 24 ein mefopotamifcher ^ro£h<t, ber 
bom SRoabitertdnig »alat aufgeforbert 
»ar, betn S3olf 3«rael ju fluten, ftatt 
beffen aber fegnen mußte ; nach 4. 9Jtof. 
31,8. 16; 3of. 13, 22 ein beibnifcber 
Sauberer, roeft^er 3«rael jur Un3ucbt »er« 
führte. 3n feiner erflern (Sigenfcbaft ift 
ihm ber erft au« ber £bnig«jeit berrüb* 
renbe „©egen »ileam«" in ben STOunb ge* 
legt roorben, in ber anbem ift er Sttfeu« 
be« falfcben ^ro^etentunt« geworben 
(Dffenb. 2, 14; 3ub. 11; 2. $etr. 2, 15). 
2)ie rcbenbe öfelin »ileam«, an ftdb> ein 
©eitenftücf jum fbrecbenben $ferb be« 
Slcbifleu«, märe beinahe im ©treit toiber 
bie 2i<$tfreunbe (f. »wie «gemeinte) jum Kri- 
terium be« ©tauben« erhoben toorben. h. 

XMnbemann , (S r n , etangelifcher 
Xheolog, geb. 4. ©cbt. 1839 ju »eber«borf 
in ber ^robina Bommern, nutrbe 1866 
^farn>em?cfer, 1867 <ßaftor ju Äolberg, 
1870 Eiafonu« in ©tralfunb, 1886 erbent« 
licfter ^ßrofeffor ber Jbeclogie in ©reif«- 
walb. ». fiarb 19. 3uli 1887 bafelbft. 
Cr fc^rieb : „3)te »ebeutung be« «. Ü. für 
bie cbrifH. ^rebiat" (1886). z. 

Kirnham, 3ofebb/ broteft. «rcbäo» 
log, geb. 1688 ju SBafeftelb, ^ßrebiger in 
ber Wöbe Don SMncbefter, ftater (1712) 
in §a*ant bei ^ort«moutb, geft. 1723. 
©ein SBerf „Origines eccles., or the anti- 
quities of the Christian church" (1708 
bi« 1722, 8 »be., neuetfe «u«gabe 1878, 
2 »be^) hwrbe bie ©runblage für bie fach- 
liche Archäologie (f. t>.). z. 

Söinte rint, 91 n t o n 3 o f e J> b/ gelehrter 
fatbcf. £heolog, geb. 19. ©ebt. 1779 ju 
2)üffelborf, trat 1796 in ben granji«* 
fanerorben unb ftubierte 1 erfl ju 2>üren 
Wlofobbie unb yfoW, nachher in 9ladb.cn 
X^eologie. 1805 warb ibm bie Pfarrei 
»ilf in ber »orftabt ju 2)üffelborf über* 
tragen, bie er bt« ju feinem Xobe (1855) 
bermaltete. 3n »eitern Streifen machte 
er ft<h tnnf feine heftige ^olemi! in ben 
firc^ltc^eu ßeitfragen be« heiligen Rod«, 
ber gemixten Sben jc. betannt, bie ibm, 
al« er jur Verhütung ber Sedieren einen 
tatbolifeben »ruber« unb ©ebtoefternbunb 
ftiften mottle (1838), eine fecbSmonatlicbe 
ftefhingsflrafe jnjeg. (Sine auf ».« 3ln- 



regung 1848 ben 370 ©cipii^en an ben 
(Sr$bifc$of toon Äöln gerichtete 2Ibreffe, bie 
auf (Sinfe^ung eine« getftli($en @ericbt« 
»ur Äburtbeilung ber Älerifer, auf SD8ieber« 
belebuna be« 2)etanat«infHtut«, auf iäbr- 
tiebe Hbbaltung ^on 2)iöjefanf^noben ic. 
brang, braebre ». in ben ©eru($ eine« 
Revolutionär« unb trug ibm einen Jabel 
Sßiu« DL ein. »leibenben SBert baben »on 
feinen ©Triften : „3)ie alte unb neue Srj» 
biBjefe Äb-In" (1828—31, 4 »be., mit 
SKooren jufammen bearbeitet); ,,2>enf» 
mürbigfeiten ber ^riftfatbolift^en ÄirfbV' 
(1825—32 , 7 »be.); ^ragmatifeb^e @e* 
fcb.icb.te ber beutfeb^en National», ^ßrotoin« 
tiaU unb SDitSjefanf^noben" (2. ?lu«g. 1852, 

7 »be.). z. 

adirgttttnorbett (Orben a'on @t. 
©alöator), ein ton ber $eit. »irgitta, 
einer föroebifeben (Sbten au« fcntglicfcrn 
©efd&Iecbt (bte in ibren „Revelationes" 
gegen bte entartete Äurie fieb auf ba« $ef« 
tigfte ausffcracb, geft. in Rom 1373 unb 
1391 b/iltg gef|)rocb.en) ju SKabftena in 
Oftgotlanb aeffifteter, bom ^ßapft Urban V. 
1370 betätigter Äloflerorben , beffen »e> 
fonberbeit barin befielt, bafj in einem 2)op* 
peiricfter 60 Wonnen unb 17 SWbnc^e nebfl 

8 2aienbrübern unter einer Slebtifftn le- 
ben. 5iacb ber Reformation toerfebroanben 
biefe 5tti5fter immer mehr, nur roenige 
baben ftcb in ©panten, »a^ern k. erba(< 
ten. »gl. $atnmericfi, ®t. »irgitta 
(au« b. 2)a'nifcben t>on 5Wicbelfen, 1872). z. 

»ifebof (grieeb. Episkopos, w 9luf« 
feber'O, Xitel ber Äircbenobent, n?elcbe, im 
»eft^ ber bäctrtlcn Seibe, in ben ibnen 
'jitgcbörigen ©|?rengeln (2)ii5jcfen) bie Äir» 
cbengemalt ausüben. 2)er Warne ift biblt« 
fc^en Ursprung« unb warb, anfänglich 
gan3 gletcb^bebeutenb mit ^re«bijtcr, bon 
ben »orftebern ber cbriftlicben ©emeinben 
gebraust. ?11« aber im ?auf be« 2. 3abrb , 
einem jjraftifcben »ebürfni« folgenb, ber 
»orfifcenbc be« ©emeinbetorftanb« ftd(> al« 
primus inter pares ton ben anbern ?lelte* 
ften unterfebieb unb bie eigentliche ©emeinbe- 
leitung in feiner §anb fonjentrierte, ging 
auf ibrt and) ber unterfebeibeube Warne 
über. I)ie tonipatch („The Organisation 
of the early Christian chturches", 3. SttfL 
1888, aueb in« Xeutfcbe überfe^t toon 3lb. 
^•arnad, 2. Ättfl. 1883) terfuebte Verleitung 
be« @piffopat« au« bem Xiafonat maebt 
bie f«b aümählicb berau«bilbenbe lieber« 
orbnung be« »ifdjof« Über bie ^re«bt>ter 
jum Rätbfel. »alb '"ab man in bem ». 
ben amtlicben Wacbf olger ber Kröftel; er 
nabm baber auch befonbere Sbren unb 
fechte, namentlich bie ber Drbination unb 



Digitized by Google 



83 



Scnfirntation, in Änfprud). Srgl. 6 1 c i n , 
Xtx Spiffopat in ben brei erften 3abrb. 
(1886); Seberlcn in b. „Seitfdjr. für praft. 
Sbcol." (1887). Urfprünalidj waren aüe ®u 
fd;öfe einanbcr aleut, aber ba bie ?anbgemetn» 
ben »on ben Stäbtcn au« »erwaltct würben, 
fo ergab fidj öon feibü eine Unterorbnung 
ber £anbbrj$($fe anter ben Stabtbiftbof, 
unb burdj ba« grefjere 2lnfeb en ber ©ifdjöfe 
ber §auptftäbte bilbete fut roicbcruin ein 
9tana,»erb, ältni« au?, meiere« in ben Xiteln 
<ßatrtardj (f. b.), Metropolitan, ßqbifdjof 
(f. f.) unb $apfl (f. b.) feinen fcu«bru<f ge* 
funbeu bat. Srgl. $atd», 35ie ©runb* 
lequng ber Äirdjenoerfaffuna im trüberen 
Mittelalter, überfefct toonHb. $>arnad (1888). 
2>a« bifd>öflicfre «mt umfaßt junädrfi bie 
Sorge für bie SBe»ab.rung unb Verbreitung 
ber Seljre (potestas magtaterii), alfo audj 
für bie Crjiefyung be« Älcru«, wobei, wie 
bei feinen prieftcrlidjen gunfrionen, ibm 
ba« 2>emfapitel unterflüfeenb jur Seite 
ftebt. Xit Jura ordinis finb entweber 
comnrania, au« bem priefterlicbai Ordo 
fliefjenbe unb bab. er bem S3. mit bem ^Jrc«* 
bpter gemeinfame, wie bie Spenbung ber 
Saframente, bie ^Jrebigt, bie $eier ber 
SWeffe je, ober reservata, wie $trmelung, 
^rieficrweilje , SBercitung be« (Styrtema, 
Äonfefration ber Äird>en unb Ultare tc, 
Weldje ein ^ßriefter nidjt »orneb.men fann; 
baber fiebj bem $). bei anbauernber Äranf- 
beit, bei be bem Hilter, fowie aud) im ftaüe 
eine* fe^r großen Umfreife« feiner 2>i»jefe 
al« ©e&ilfe unb Steüvertreter ein JBeip« 
bifdjof, Episcopus in partibuß infidelium, 
b. b. ein 33. jur Seite, ber jwar bie 
bifdjöflidje ©eifce bat, bem aber nur ftttib 
eine tbatfädjlidj im SJeftfe ber Ungläubigen 
befinblid^c Xiöjefe jngewiefen ift. Xit Jura 
jurisdictionis umfaffen auger bem ©inbe» 
unb 2öfcfd>lüffel (f. editüffttgewait) bie $i«* 
jiplinargewalt, bie aeiftlid)e @erid)t«barfeit 
unb bie gefatnte äußere Verwaltung. Xit 
©e^ilfen be« ©iftbof« waren biev hüber 
bie Ärdjibiafonen (f. b), \m ü c b t ibm ba« 
©ffijialat ober ©eneralmfariat (f. b.) jur 
Seite, Grjpriefter unb Je (bauten ftnb 
Organe be« btfd> öflidjen Regiment« in ben 
einjelnen feilen ber 3)üJjefe. Sie SSabl 
be« iöifdjof«, bie in ben eilt oft en Seiten 
bon ber ©emeinbe ausging, würbe biel* 
fad? ein ttedit be« prften, fotl aber nad» 
bem Sxibcntinum com .Hantel bolljogen 
Werben. Xit ©et&eiliguna be« Staat« an 
berfetben beftimmen bie Äonforbate (f. b), 
bie 3irfumffription«butten unb bie einjelnen 
2enbe«gefeögebungen. $öuftg ift neuer* 
bing« al« ffiablmobu« jwifdien ber Äurie 
unb bcn »egierungen ber trifte (fo ge« 



; nannt, weil er 1806 bei ber »efetjung ber 
| irifeben $3if<bof«fiübJe )um erften l'ta! com 
$apft in $orf(b.lag gebraut würbe) verein- 
bart worben, wenadj ba« .Hapitel ber tte- 
i gierung eine Äanbitatcnln'tc verlegt, au« 
| ber biefe bie minber genehmen ^erfönlicb» 
feiten fo weit ftrei$en fann, bog eine mr 
Sabl au«reid?enbe %n\abi übrig bleibt 
(SBrgl. Arier bera, Xtx Staat unb bie 
©if<$ef«wablen (1874.) 3?ie töabl bebarf 
ber päpftltdien ©eftärigung, weld^e bem 
| ©ewäb.lten bie 3uri«biftion«re$te evtbeüt. 

Xit Äonfefration ober Söeibe wirb burd? 
I minbeflene brei ©if^bfe ober einen ». 
unb }wei Prälaten voü^ogen. Xabti wirb 
ber neue 9. )um (Seborfam gegen ben 
$a|>ft eiti ut ce -4'fi tett et, ebenfo leifiet er bem 
I Vauteoberru einen (Sib. (Sr empfängt bann 
I bie 3nfignten be« Ätnte«: bie ^D2itra ober 
| 9ifd?cf«müfee, ben Ärummftai , ben golbenen 
■)luu unb ba« ^ruftfreuj unb barf rieb bei 
feierlieben gunftionen ber ^ontififaltleibung 
bebienen. 9{ina unb Stab wareu ur« 
tprünglid) bie B«^«n, beren ftd? tbuige 
unb Äaifer in Jeutütlaut bet -teilten, um 

bie ©ifdjbfe mit ben Regalien belehnen. 
S. dnoeftitur. 

3m wefentlid)en ift bie Stellung ber 
S3ifd)öfe unb Grjbif(b,*dfe in ber gried;i* 
fdjen Äird?e biefelbe wie in ber rörni- 
ftben; iebod? wirb ber ©. nur au« bem 
äHöneb? flaut unb uvar gew^bnlid; au« ben 
^rd^imanbriten unb ^egumenen, b. b.. ben 
Älofterättcn unb $rioren, gewählt 

$on allen .Hinten ber Deformation 
b,at nur bie analtf an tf dje (f. b). eine 
uurfiirt'e biicbiJflid^e Serfaffung unb be* 
fonbere ©orreebte ber bifdjbflidien SBei^e 
beibehalten. &ud; Sd^weben bat feine 
Sr)bifd;bfe unb »ifdjöfe bebauen unb 
ibueu auf bein Detcb.«tage eine eig^ne Stanb' 
feb>ft unb grogen Stufiuf? eingeräumt; 
ein äbnlidje« ^er^ältni« fintet in 2)äne* 
marf ftatt 3n Greußen traten bie beiben 
iyifcbcf'e von Samtanb unb ^omefanien 
jur Deformation Uber unb blieben ba* 
burd? im 8eftt} ibrer 8i«tümer. (Srft 
am Sd^lug be« 16. 3ai?r!?. gingen bie' 
felben ein. SBieber eingefübrt würbe bie 
bifd;öflid?e ffiürbe 1735 in ber «rüber* 
gemeinte, teeb nur für aufjerli^e Mivcben* 
redete, unb ber ftebj unter ber 2)i* 
reftion ber flelteftenfonferenj. öin bloßer 
Xitel würbe ©. in ^Jreu&en, al« $rieb* 
rid; I. feinen beiben ^ofprebigent biefe 
©ürbe erteilte unb griebridj SBil^elm III. 
biefem ©eifpiel 1816 folgte, jur „fcner- 
fennung be« Serbienfte« im geiftlidien 
Stanb w . 2)araal« würben ©ifdjöfe Sad 
unb «orow«ft? (1829 Crjbif^of), fpäter 

6» 



Digitized by Google 



84 



(Sülert (1818), Ritfcbl (1827), Weanber 
(1830), Erä'fefe (1831), Roß (1836). 
Slber nach ihrem £ob ift bcr Ittel nicht 
wieber bergeben worben. Auch ber ©eneral- 
fuberintenbentber ftebenbttrgcr ©achten beißt 
©., toon Waffatt beißt 33. der lefcte Waffauer 
©ifäof, SGBiltjelmi, flarb 1882. fludh in 
©djleSmig-Jpolftein ift ber in bänifeber 3eit 
übliche ©ifchofstitel nach Gintoerlcibung in 
Greußen nicht erneuert worben. z. 

»tfäoftiefce £itc$e, f. to. w. anglifa* 
niföe Äircb>. 

ÖiStum beißt baS ©ebiet, über welche« 
ftch bie Amtsgewalt beS ©ifdjofs erflredt. 
©is in« 9. 3ahrh- war $arochte bie ©e- 
jeichnung für ben ©brengel be« ©ifebofs, 
wofür bann im Sbenblanb ber Slusbrucf 
diöjefe (dioecesis) auf f am. z. 

»ittgänae (©ußgänge, ©etfahr- 
ten, Rogationes, Supplicationes), ^ßro- 
jeffionen (f. b.). welche tbetlS an beftimmten 
all ahrlich wieberfehrenben lagen (© i 1 1 • 
lagen), tbeils für außerorbentlidje ga'üe 
toon ber fatbolifeben Stirpe angeorbnet 
finb. die wichtigften finb: bie <ßrojeffton 
ober Litanei am gefte be« ©t. Marius, 
25. Atoril (ber größere ©ittgang), unb 
bie brei Meinem an ben brei lagen bor 
GEbrijti £>immelfabrt. dergleichen S. foß 
juerft Mamertus, S3ifc^Qf toon ©ienne, 
m ber Mitte be« 5. 3ahrh- abgehalten 
haben, h. 

83tfciu&, Albert, ftübrer ber ©chweijer 
Reformtoartei, würbe 6. 9ioto. 1835 in 
Viibeifiüt; im Gmmentbal al« ©obn 
be« unter bem Warnen 3eremia8 ©ottbelf 
befannten fdjweijerifcben ©olfsfchriftfteüers 
geboren, ftubierte in ©ern Ideologie, 
würbe 1863 Pfarrer in ©t. 3mmertbal 
im ©ernifchen 3ura unb 1867 in dwann 
am ©telerfee. Gr war Mitarbeiter an 
ben „Reformbla'ttern au« bev ©ernifeben 
Äircbc" unb Mitherausgeber ber „Reform". 
1878 berief ibn ber ©erner große Rath al« 
Regierungsrath nach ©ern unb Übertrug ihm 
bie Settung be« (SrjiebungS* unb ©efängnis- 
wefen«. ©. ftarb 20. ©ctot. 1882. Gr 
toerfaßte: „die dobeSftrafe toom ©tanb- 
tounft ber Religion unb ber theologifchen 
Siffenfcb>ft"(1870). ©on feinen 1200 im 
Manuffritot befinblicben ^Jrebigten finb 
bisher 2 ©änbe (1885 unb 1887) heraus- 
gegeben worben. z. 

Sölanbräta (eigentlich ©ianbrata), 
©torcjto, ©tifter berUnitaricr in<Polen 
unb (Siebenbürgen, geboren um 1515 ju 
©alujjo in <ßtemont aus abiigem ©e- 
fcbledjt, mußte 'wegen freierer ReligionS- 
anflehten fein ©aterlanb toerlaffen unb be- 
fannte ftch in ©enf ju (JaltoinS Sehrt. 



©egen feiner antitrinitarifchen Meinungen 
l mit biefem jerf allen, begab er ftch 1558 
; nach ^olen unb, toon ba, auf Galtoin« 
Anftiften tocrfolgt, 1563 nach Siebenbürgen 
[ ftu bem dürften 3obamt ©igismunb, ber 
ihn ju fetnem ?eibarjt machte. frier toer- 
1 fchafftc er ben Unitariern 1568 freie Reli« 
gionsübung. 3um ©eheimen Rath er- 
hoben, gewann er bebeutenben Einfluß 
unb ftarb um 1590, toon feinem fatb>lifch 
gebliebenen Reffen im ©chlaf erwürgt. 
Sr hat einige Abbanblttnjjen unb focinia- 
nifdje ÄontrotoerSfchriften hmterlaffen. ©ein 
„ Antitrinitartfcbe« ©laubenSbefenntniS " 
mit ber Siberlegung bes glacius gab 
$enfe (1794) heraus, ©rgl. £ rech fei, 
die Antitrinitarier toor ©ocin (1839). z. 

klarer (©laurer), SmbrofiuS, 
Reformator im füblichen 8cbwabeu unb in 
ber ©dbwetj, ©rubiengenoffc unb greunb 
Melanc^thonS, geb. 1492 ju Äonftanj, War 
eine ßeitlang $rior im ©encbiftincrllofter 
SllbirSbach auf bem ©dhwarjwalb, Würbe 
bier mit ?utberS ©Triften befannt unb 
in Äonftanj, wohin er um be« GtoangcliumS 
willen toerfolgt, 1522 geflohen War, als 
^ßrebiger (1525) angeftettt. $ier fowie 
fpäter in Ulm, Eßlingen, Augsburg, ?inbau 
unb 3Snto orbnete er baS neue Äirchen» 
wefen. Sutch $erjog Ulrich toon Sßürttem- 
berg berief ihn (1534) jur Reformation 
feine« Sanbe«. Wa(b einigen 3ahren, in 
betten er bie Äirche im obern Iheit be« 
$erjogtum« geleitet hatte, toeranlaßten ibn 
©treitigfeiten , in bie ihn feine jmifcbeu 
Suther unb Bn?ingti toermtttelnbe ©tetlung 
mitbenftrengen i'utheranern tocrtDicfclt hatte, 
nach Äonftanj jurücfjutehren (1538). ©on 
hier 1548 burch ba« 3nterim toertrieben, 
war er feitbem an toerfchiebenen fleinern 
Äirchen, befonber« im £hnrgau, thatig ; 
er ftarb 6. 2>ejbr. 1564 ju SEBinterthur. 
©rgl. Äeim, Slmbr. ©., ber fcb>abtfche 
Reformator (1860); ^reffel, Ambro» 
ftu« ©. (mit «uswahl feiner ©ebnften, 
1861). z. 

»laftuö, ^eiliger, ©ifchof ju ©ebafte 
in Äabbabotten, n?arb unter VicininS 316 
hingerichtet. Gr ift einer ber 14 Woth- 
helfer (f. b.). SBeil er einen Änaben, welchem 
eine ©ra'te im ^>alfe fteefen geblieben war, 
rettete, wirb er als ©chufctoettron gegen 
baS Halsweh toerehrt ; gegen baSfefbe Uebel 
Wirb noch jefet am ©ebächrnistag (3. gebr.) 
ber ©lafiuSfegen mit jwei in jtorm 
eines ÄreujeS gehaltenen Äerjen ertbeilt. z. 
flautet, f »torer. 

S3lo^pbcmte (grieeb.), jebe ehrenrührige 
i Rebe, inSbefonbcre ©otteSlä'flerung (f. b.); 
1 aud) f. to. w. MajeftätSbeleibigung. daher 



Digitized by Google 



8leet — «egafcfu. 



85 




bla«pbemieren, feiertet 9teben*füh* 
ren; ©la«pbemift, berjenige, welcher 
biefelben au«fpricht ; b : a 8 p e m : : - h< 
bla«phemif cb, gette«läfterlicb. h. 

Söleef, ftriebrich, nambafter ©ibel* 
forfcher, geb. 1793 }u 9lren«böf in §ol* 
warb ju »erlin 1818 Hepetent, 1821 
>ojent unb 1823 außerorbentluher 
for ber X^colegic. «1« ?ücte« Wach* 
folger 1829 nach ©onn berufen, ftarb er 
bier 27. tybv. 1859. ©ein bebeutenbfle« 
SBerf ift „Eer ©rief an bie Hebräer, er« 
läutert burch (Sinleituita, Ueberfetjung unb 
f ortlauf enben Äommentar" (1828 — 40, 
2 «btlgn. in 3 ©bn.). ftach feinem Xobe 
enebunen bie „(Einleitung in bie $eilige 
©ebrift" (1860— 62, 2 ©be. ; ©b. 1, 5. »uft. 
1886, bearbeitet »on Sellhaufcn; 
©b. 2, 4. Bufl. 1886, bearbeitet »on 3Kan- 
golb); bie „©»noptifebe (Srftärung ber 
brei erften <S»angelien" (1862, 2 ©be.); 
bie „©orlefungen über bie &pofal»pfe" 
(1862); „©orlefungen über bie ©riefe an bie 
Äeloffcr, ^bUemon unb bie Sphefter" (1865) ; 
„25er §ebräerbrief erflärt" (1868). z. 

83lum, ^eter 3ofef, ©ifebof »on 
Himburg, geb. 18. 91pr. 1808 ju ©eifen« 
heim, ftubierte in SBüqburg unb ©onn 
ibeologie, würbe 1832 2>om»ifar unb 2)o* 
jent am bifcböflichen ©eminar in Himburg, 
1837 orbentlicber «ßrofeffor, 1840 Pfarrer 
»on Oberbrecben unb 1842 ©ifchof ton 
Himburg, ©egen Uebertretung ber SWai« 
gefefce mehrmals beftraft, würbe er fcbließ* 
Im) 1877 feine« Slmte« entfetot; nact)bcm 
er 1883 begnabigt werben, lehrte er in 
feine Eitfccfc surücf. ©. ftarb am 30. $e$. 

1H#4. z. 

»lumhatbt, 1) «hriftian ©Ott« 
lieb, geb. 1779 $u Stuttgart, nahm 1804 
£b«l an ber ©rünbung ber ©afeler ©ibel* 
gefeüfäaft unb würbe 1816 ber erfte 3n* 
fpeftor ber im 3at»r juoor begrünbeten 
©afeler 2Hiffton«anftalt. 211« foleber ftarb 
er 1838. <5r »erfaßte einen „©erfuet) einer 
allgemeinen 2Äiffion«gef<$idjtc ber SHrche 
Cbrifti" (1828—37, 5©be.). — 2) <£bri* 
ftoob, geb. 1805 ju (Stuttgart, trieb al« 
Pfarrer in SWiJrtltngen (fett 1838) eine 
ungewöhnlich intenfi»e ©eelforge. 9rachbem 
ihm bei Slnlaß ber Teilung einer 2>ä'mo» 
nifchen ber ©eftt? ber ©abe ber £ra.n!en* 
Teilung jum ©ewußtfein gefommen war, 
taufte er (1852) ba« burch ihn weltberühmt 
geworbene ©ab ©oll bei ©bringen, wo 
er al« ©eelf orger unb SBunberarjt bi« ju 
feinem 25. gebr. 1880 erfolgten lobe 
thätig war. (zr »erfaßte: „§anbbuch für 
5Wiffion«gefchtchte unb 2Rifjton«geographie'' 
(3. «ufl. 1862, 2 ©be.); „SWorgenanbaehten" 



(1865); ,,£au«anbachten"(1868). ©ein Seben 
befebrieb g. SÜnbel (3. XtfL 1882). z. 

Jölut ift nach hchrüifcher Stuicbauung 
©ife be« Seben« (1. SWof. 9, 4; 3. 2Hof. 
17, 11. 14 j 5. 2ttof. 12, 23), barf baber 
nicht mutwtQig »ergoffen, Überhaupt auch 
nicht genoffen werben, fonbern wirb im 
Opferfultu« ©ott al« bem $errn be« ge- 
ben« jurüefgegeben. Daher ba« blutige 
Opfer ba« »ornebmfte, ba« Opfer fehlest* 
hin n't, worau« bie neutefiamentliche ?ebr 
fprache, wenn fte bem ©lut &*hnfti «nen 
fpejififchen §eil«wert jufchreibt, ju »er* 
flehen ift. Tie ftnnlich * phantafttfehe 2)e* 
aeneration ber auf biefe Kombination ge* 
bauten £ebre »on ber ©ühnfraft be« Opfer* 
blut« (SbnfH hf'ßt ©luttheologie. h. 

»tuttOUfe, f. »tärturrt. 

»luttheologie, f. »mt. 
©lutjeugen, f. ». w. Sflärtürer. 

S3o(f0lb (©otolt), f. 3ol>ann »on geibtn. 

93obenftetn, 21nbrea« dtubolf, be* 
tannter unter bem 9camen Äarlftabt 

(f. b.). x. 

33o<»riu6, Uniciu« SDianliu« ©e* 
»erinu«, rb*m. ^ßfyilofo^^ unb ©taat«* 
manu, geboren um 480 ju 9iom, ftanb 
beim Dflgotentbnig Xh^oberich in ^o^em 
9lnfehen, warb bei bemfelben ho^rra* 
terifcher ©erbinbunaen mit ©bjanj ange» 
tlagt, in ben Äerfer geworfen unb 525 
hingerichtet. SBahrenb feiner ©efangen* 
fchaft »erfaßte er bie fünf ©licb/r „De 
consolatione philosophiae" , welche, ob^ 
wohl fte nicht« fbejifjfcb Sh^flliche« ent* 
halten, »ielmehr ben ©eift be« römifchen 
©toiji«mu« atmen, bem ©erf affer ben 
9tuf eine« chriftlichen Xb«oloaen unb einen 
jahlreichen Sejerfret« im SDcittelaltcr ein» 
trugen. 3n *a»ta wirb ©. noch j«t}t al« 
^eiliger »ereprt unb bie Congregazione 
dei riti §at 1884 biefen Sultu« au«* 
brüeflich geftattet. Ob ©. bie ©chrift .De 
duabus naturis et una persona adv. 
Eutychem et Nestorium" fowie jwei 
Slbhanblungen über bie Jrinität »erfaßt 
bat, ift ungewiß. 2tuf bie jpätere ©cholaftit 
hat er einen gewaltigen (Stnfluß burch feine 
mit ßrflä'rungen »erbunbenen Ueberfe^ungen 
«riflotelifcher ©driften ausgeübt, ©gl. 
9ci^fch, 3)a« ©pftem be« ©oethiu« jc. 
(1860); ©. ©aur, ©ogthiu« unb 33 ante 
(1874); Ufener, Anekdoton Holden 
(1877). ^riefeel, ©oßthiu« unb feine 
©tettung jum (Shnftentum (1879); % 
^»ilbcbranb, ©oethiu« unb feine ©tettung 
jum (Jbriftentum (1885); Erafeefe in ben 
„3abrbb. f. proteft. Geologie" (1886). z. 

SBogaifti, Äarl ^einrtch »on, 
a«fetifcher ©chriftftellbr unb Siekerbichter 



Digitized by Google 



86 



39ogomt(en — $oefjmer. 



au« fror »iettftifeben Schule, geb. 1690 in 
Wieberfdjleften , lebte fett 1740 al« geift= 
lieber ©eratber bei bem $erjog (Ebriftian 
Gruft »on Saebfen»Saalfelb , ^rittatifterte 
feit 1746 im ffiaifcntyau« ju $afle unb 
ftarb bofetbft 15. 3uni 1774. Unter feinen 
(Srbauungsfcbnften befinbet ftdt) ba« »iel»er» 
breitete „(Silibene Sdjafctaftlein ber Ätnber 
©ottc«" (1885 in 58. Stuf!.). SRidjt minber 
befannt mürben feine „®eiftltc$en ©ebicfyte" 
(1749) unb „Siebcr" (1756), barunter: 
„£Bacb' auf, bu ©eift ber erften 3eugen". 
Sein „?ebcn«lauf, »on tym felbft be« 
febrieben", erfdnen in neuer 2lu«gabe 1872. 
«rgl. £ebberbofe, ,,$a« fieben «.«" 
(1846). z. 

©ogomiUn. eine bualiftifdje, ben $au* 
licianern unb Äatbarern »ermanbte Seite 
ber griect)if<ben Äircfye in Übrafien unb 
Bulgarien. 25er Marne (flarotfcb ©otte«» 
freunbe) febeint »on einem tbrafif$en ^open 
©ogomil im 10. 3atjr&. b,erjuriib.ren. 25er 
b»jantifcbe Äaifer Slleranber tomnenu« »er* 
folgte bie ©. graufam unb lieft 1118 ibr 
§au*t ©aftliu« auf bem Scheiterhaufen 
»erbrennen. 3>ennod? erbielten fie fidt» im 
bpjantinifdjen SRetä). 25ie SB. maren mfo» 
fem 2)ualiften, alt fie jroei 2 ebne be« 
öiuen ©otte«, Satanael unb 3efu«, an» 
nahmen. 3ener embörte fidt» unb fdjuf 
ftcb, eine eigne Seit, barin ben SRenfcben, 
bem aber ©Ott felbft bie Seele, bie gut ift, 
einbaut te. Um biefe »on ber SWacbt Sa« 
tanael« ju erlogen, fanbte ©Ott 3efu«, 
»reifer jebt unter ben 2}fenfd?en »ertreten 
roirb burdj ben au« ©Ott emanierten $ei* 
Iigen ©eift. 2>te ©. »ern>arfen laufe unb 
3tbenbmabl. SJon ber ^eiligen Sdjrift 
nahmen fte nur ba« Neue Jeftament, bie 
^rotob, eten unb ^falmen an. (Sin Bufammcn- 
bang ber ©. mit frühem gnoftifeben Sehen 
ift un»erfennbar. Sirgl. (5ngelb.arbt, 
mrcb>ngefd?ic$tlic$e «bbanblungen (1832); 

rombar b, Pauliciens, Bulgare et 
Bons-hommes (1879). €>. ftatfater. z. 

ööfcl, ßbuarb, e»ang. Xbeolog, 
eb. 1836 ju Hamburg, habilitierte ftdj tn 
afel, folgte 1864 einem 9tuf a(« orbent« 
lieber ^Jrofeffor ber Ü&eotogie nadj SBien. 
Unter feinen ©Triften nennen mir: w Va- 
ticinium Jesajae, c. 24 — 27« (1861); 
„Broölf mefftantfd* «ßfalmen" (1862); 
„gorfct)ungen nad? einer SBotfSbtbel jur 
BeitSefu" (1873); „2>ie altteftamentlicben 
Bitatc im «Reuen Seftaraenr" (1878); 
„Übrißologie be« Hlten 2:eftament«" (1881) ; 
„B"nt ©efefc. unb jum 3eugnifj" (1883); 
„$on ber 3ntarnation be« göttlichen 
©orte«" (1884); „(Sbriftl. ©lauben«lebre" 
(1886). z. 



»ööme, 3 af ob, ber größte 2$eofob& 
ber luttyeriftpen Äirdje („Phüosophua tou- 
tonicus"), lebte 1575 — 1624 unb mar 
Sdmftet in ©örlifc. Sin ©noftifer »on 

ber Art be» ^aftlitca cbev Süalentinu«, 
arbeitete er, mit bent ?lp»arat einer ge- 
lingen iöelefenbeit in ber ebrifttiebeu 2)c> 
ftit »erfeben, eine ^egriff«bicbtung au«, 
beten grote«t* »bantaftiiebe jjw/t erft in 
StbeÜina^ iöneb tem „iBefen ber tneuftb- 
lieben ^feibeit" (18<>!>) burebftc^tigere ©eftalt 
angenommen baben. 2 eine ilnule, unter 
betten „25te s JRorgenri5te im Aufgang" be= 
fenber« bertor',ubebcn ift, fiub berauögc' 
geben »on Scb'iebler (1831—47, 7 S3be.). 
iBrgl. ^eib, 3afob «. (1860); §9XU% 
X unb tie «i^omiften (2. »iift. 1882); 
SDiartenfen, 3. »• (überf. ö. iDiicbelfett, 
1882); (Slaafiett, 3. Ö., fein feben unb 
feine Sorte (1886, 3 «be.). i. 

So&mer, 1) Gbuarb, iHomauift unb 
Ibeclog, geb. 24. üJiai 1827 ju Stettin, 
rourbe 1866 außerorbeutlictKr unb 1868 
orbeutlicber ^refeffor für romauiiebe 3pra- 
cb,en in Jpalle unb fungierte 1872—79 in 
gleicher (Sigenfcbaft in Straßburg. ^orb.er 
^Jri»atbojent ber Ideologie in ^alle ge« 
roefen, t>atte er ben „Tractatus de Deo et 
nomine " »on Spinoja »eröff entließt (1852) 
unb „Ueber bie ^Ipofalttpfe be« 3cbattnefl" 
(1855) unb ,,£a« erfte SBurb ber 2bora" 
(1862) gefebriebeu. 9?acb feiner ßmeritie* 
rung »eriJffentlicbte er einen Kommentar 
über ,,'2)e« "Äboftel« ^aulu« SBrief an bie 
Börner" (1886). 2) ©eorg SBilbelm 
SR n b c 1 f , »roteft. I^eolog, geb. 5. Wdv\ 
1800 \u iöurg bei ÜJiagbcburg, »rurte 1825 
aufcerorbentlicber ^refeffor ju ©reiftftralb, 
1828 ju §aüe, 1830 orbeutlicber ^rofeffor 
ju ©reif«roalb, 1832 ju iöre«lau, n>o er 
25. 9fo». 1863 ftarb. Cr fdiricb: „Die 
cbriftlicbe Xogmatif" (1840-43, 2 Söbe.); 
„Xb>olcgifcbe Gtbif" (1847); „Swftem be« 
a>riftlicben ?ebeu«" (1853); „Xie 2ebr- 
unterfebiebe ber fat^olifcben unb e»attgc' 
lifeben Mircbe" (1857-63, 2 S3be.). a. 

Söoc^mcr, 3uftnl Penning, vro« 
teftaiitiicbcr itircbenred)t«Iebrer, geb. 29. 3an. 
1674 ju Hannover, rourbe 1701 attfter» 
erbentlicber ^rofeffor unb 1710 orbent' 
lieber 'Profeffor ber 9lecbte in §atte, roo 
er al« ^rä'fe« ber Jafultät unb Manjler 
be« Sperjogtum« SDiagbcburg 1749 ftarb. 
3nbem er auf ba« tanonifd)e 9ted?t jnrücf« 
ging unb bett Inftorifcben Bufantmeubaitg 
bei< eoaugeliicbett Mircbeurecbt« mit bem« 
ielbeu nar^mie«, mürbe er ber SBegrüttber 
einer neuen 5>3ebanbiung«roeife be« e»att' 
gelifeben Äirdjenrecbt«. ^ö. tvar ein Ver- 
treter be« icrritorialföftem* mit einer 



Digitized by Google 



«itymtföe «rüber — #cnctt>entura. 



87 



leiten Hinneigung mm fleflegialftyflem (f. m. 
©eine vorjüglicbfien SBerle ftnb: „Jus 
ecclesiasticum Protestantium" (5. IttfL 
1756 — 89 , 5 ©be.); »Jus parochiale" 
(6. SfafL 1760); „Institutioncs juris ca- 
nonici" (5. SttfL 1770); »Corpus juris 
canonici" (1747, 2 ©be.). «. 

»ebmtföe »ruber, f.2Wäbrifche©rüber. 

©Springer, ©eorg ftriebri*, re- 
form. Ibeclog, geb. 28. 25e*. 1812 ju 
äRaulbronn, mufjte al« ftübrer ber Tübin- 
ger ©urföenfebaft 1833 in bie Schwei} 
flü^tcn, wofelbft er 1842 $aflcr in ©latt- 
felben (Äanton Büricb) würbe. Wachbem 
er 1853 fein Stau niebergelegt h«Ke, wtb« 
mete er fteb ganj feinen tirc&enbjfterifcfcen 
Arbeiten unb ftarb 6. Sett. 1879. Cr 
verfa&te: „Tie Äir^e (Jbrifii unb ibre 
Sengen, ober bie Äircbenaefcbichte in ©io* 
grasten" (2. 9tu«g. 1873—78, 24 ©be.), 
gememfam mit feinem Sohn ^ßaul (geb. 
1. SeVt 1852), bem ©erfaffer von „®re- 
goire, ein ?eben«bilbni« ber framöfifeben 
Revolution" (1878) unb „HRaria unb 
„2Jtartba" (bi« 1886, 4 §efte). z. 

Soltanbiflen, eine ©efeüföaft 3efuiten, 
bie Mitarbeiter unb Herausgeber ber von 
bem 3efuitenorben veranlagten Sammlung 
ber 9?a<$riä)tcn über bie ^eiligen ber r»- 
miföVfatboltfchen flirrte, melcbe unter bem 
Titel: „Acta Sanctorum- 1643 bi« 1794 
in STntwerVen, ©rüffel unb Tongerloo er- 
fdnenen. Sie fuhren jenen tarnen von 
3ob,ann von ©cflanb (geb. 1596 im Jim» 
bnrgifdjen, gefl. 1665), bem erflen Be- 
arbeiter ber von Heribert 9lo«wehb au« 
Utred)t angelegten Sammlung. Unter ihnen 
finb befonber« ©ottfrieb $enfchen (gefl. 
1681), 2an. ^afr-ebrod) (gefl. 1714), Äonr. 
3anmng (gefi. 1723), $eter ©ofeb (geft. 
1736), ©Hofens (gefi. 1771) ?c. gu nennen. 
9cad) (Srjcheinen be« 53. ©anbe« (be« 6. 
be« Oftober) SRai 1794 machte bie franjb*- 
ftfd&e DffuVation bem Unternehmen einßnbe. 
3n neuerer 3eit (1837) aber fonfiituierte 
ftcb unter ben 2lufvisien ber belgrfdjen Re- 
gierung, bie einen jährlichen ©eitrag von 
6000 ftranf baju ausfegte, eine neue, 
wieber au« 3efuiten befiebenbe ©efeflfcfcaft, 
mel^e im ©ejember 1845 in 2 Seilen ben I 
54. ©anb be« ganzen Serf« (ben 7. be« 
Oftober) veröffentlichte. Seither ift ba« 
SBerf bi« ^urn 63. ©anb (1883) fortge- 
fchritten; bieju veröffentlichte 9t i g o 1 1 o t , 
„Ad Acta Sanctorum supplementum com- 
plectens auetaria Octobris et tabnlas 
generales" (1875) Gine »eitere jyort* 
fe^ung haben be Smebt, »an 4poof 
unb be ©aefer in Angriff genommen 
(Acta Sanctorum Novembris, T. I, 1887). 



(Sine neue Aufgabe biefer „Acta Sancto- 
rum- ber ©. hat 1863—68 ber ©ucbbänbler 
©ictor «alme* in $ari« veranfialtet , 54 
©be. ©eitere Nachträge ju ben Acta 
Sanctorum geben be Smebt, van $oof 
unb be ©aefer in ben 1882 ton ihnen 
begrünbeten „Analecta Bollandiana" (T. 
VII, fasc. II. 1888). ©gl. $ i t r a , Stades 
sur la collection des actes des Saints 
ar les Boll. (1850) ; © a eh a r b, Memoire 
ist sur les Boll, et leurs travaux (1835); 
jj. I. 9?am, Les nouveaux Boll. (1860); 
? e © la n t, Acta Martyrum et leurs sour- 
ces (1880). z. 

SBolfec, $ieronvmu«, ©egner 
Caltoin«, fear früher Äarmelitermbnch in 
^ari« gemefen, fiubierte ju @enf 2)?ebiun, 
trat bafelbft 1551 öffentlich al« ©efiretter 
ber »on (Jaloin vorgetragenen ^ra'befiina* 
tion«lehre auf, worauf er eingeferfert unb 
au« ©enf öertoiefen n>urbe. *8l« ihm bei 
feiner SRücffehr nacb granfretch ber Sintritt 
in bie protejlanrifche ©eifilichfeit vermehrt 
mürbe, trat er jur fatholifchen Äircbe ju« 
rücf unb räittc ftet) an dalvin burd) fetne 
bie fraffefien ©erleumbungen enthaltenbc 
©chrift „Histoire de la vie de Jean 
Calvin" 4 (1577). €. ffotoin. z. 

»onor, § o r a t i u « , engl. th«logifd)er 
©d)riftftetler unb §&mnenbichter, geb. 1808, 
»arb 1838 ^ßaftor ber 9?orth Church ju 
Äelfo, 1866 «pafior ber ©ränge gree (Jhutch 
in (Sbinburg. 3ntereffanter al« feine theo' 
logifchen Schriften finb bie jfcei Steife- 
merfe, bie er über eine 1856 ausgeführte 
Pilgerfahrt in« ^»eilige ?anb unb bureb 
bie ©inaimüfie veröffentlichte: »The desert 
of Sinai" (1857) unb „The land of pro- 
mise" (1858). Seine .^hntnen jeiepnen 
ftd) ebenfo fet)r burd) tiefe« ©efübl mie 
burd) eine glüeflich gewählte fa>rm au«, 
©efammelt ftnb fte in ben »Hymns of 
faith and hope u (neue«u«g. 1886); „The 
song of tbe new creation and other 
pieces- (1871); „My old letters, a 
poem- (1876); „Hymns of the Nativity" 
(1878). z. 

©onttüentüro, «t. (eigentlich 3o- 
bann von^ibanja), einer ber berühm» 
teften, Sd)oIafiif unb 3Wpfiif miteinanber 
au«fb*hnenben Ihcologen, geb. 1221 im 
$torentinifcben, würbe 1243 (1238) gran* 
ji«fancrmönch unb 1253 ^rofeffor ber 
Theologie in ^art«. Seit 1257 ©enerat 
be« granü«fanerorben«, warb er 1273 von 
©regor X. jum Äarbtnal unb ©ifchof Von 
Sllbano erhoben. 911« Jegat für bie &ir* 
djenverfammlung ^u ?von fiarb er 15. 3uli 
1274 an ben folgen feiner asfetifcbeu 
Strenge. Gr würbe 1482 von Sirtuö IV. 



Digitized by Google 



88 



®onet*2Kaurr> — Bonifatius. 



fanoniftert unb 1587 &cn ©irtu« V. bcn 
fünf größten Äircbenlehrcrn al« fcchfter an* 
gereift; bie granjt«fancr nannten ihn ben 
„Doctor 8eraphicu8 u . AI« Vertreter ber 
mpüifchen Rheologie roarb er auch t>cn 
2uther gcfchäfet, obwohl er al« ©eftfrbercr 
be« Sttarienbienfte«, Apologet be« Gblibat«, 
ber Xranefubftantiation unb anbrer ©at?« 
ungen be« Sftittelalter« ben 3ntcreffen ber 
Hierarchie eifrigft ergeben war. Unter 
feinen fdbolaftifctyen ©cbriften finb befonber« 
ent>ä'hncn«roert ba« „Breviloquium" (eine 
furje 2)ogmatif), »De reductione artitim 
ad theologiam" (eine foftematifcbe ©liebe« 
rung aller ©iffenfcbaften, al« beren bötbf^c 
bie Ideologie erroiefen h>irb), foroie fein 
Äommentar jum jcmbarben. 2>ie ge* 
priefenfte unter ben mtyftifchen Schriften 
Bonaventura« ift ba« „Itinerarium men- 
tis in De um", ©eine Sßerfe erfcbienen 
am ©oüftänbigften ju 9eom (1588—96, 
8 S3be., unb »erben jefet t>on ben $ran« 
$i«fanern bcn 9leuem herausgegeben (1882 
—1887 , 3 SBbe.). «rgl. Bellenberg, 
©tubien ju. 33. (1862); & Tl. ba »i- 
cenja, $)e« b,eil. $3. £eben unb Sirfen 
(1874); <ßro«J>er, La scolaatiquo et 
les traditions franciseaines : Saint Bona- 
ventura (1886). t. 

a3onet=3Rauttj, Sinn? ©afton C^arle« 
Augufte, franjbTtftfcer reformierter Ibeolcg, 
geb. 2. San. 1842 in $ari«, ftubicrte in 
©enf unb ©traßburg £b>ologie, rourbc 
^aflor 1869 ju Torrrecht, 1872 511 93eau« 
»at« unb 1877 ju ©aint 2>eni«, hielt fett 
1879 firdjenbiftorifche Jßorlefungcn an ber 
theologifdjen ftafultät ju $art«. ©eine 
1881 erfolgte Ernennung jum s ^reffffer 
an ber ^ßartfer theologifcbcn ^atultät blatte 
einen ^roteft ber ©tmobe ber Äircbe Aug«- 
burger Sonfefften jur golge; 1885 würbe 
er ©ibliotbefar an bem pä'bagogifcbcu 5Ku» 
feum ju *ßari«. 53. verfaßte: „Les ori- 
gines de la ReTorme ä Beauvais" (1874); 
„E quibus Nederlandicis fontibus hause- 
rit scriptor libri de imitatione Christi" 
(1878); „Gerard deGroote" (1878): „Los 
origines du christianisme unitaire chez les 
Anglais" (1881); „Arnauld de Brescia" 
(1881); „La doctrine des douze ApÖtres" 
(1884). z. 

Bonifatius ber § eilige, Apoftel 
ber Eeutfdjen. 3)er Angelfacbfc SOinfrieb, 
um 680 ju Mirton in Keffer geboren, ge* 
langte rafrij burcb ©elebrfamfeit unb @e- 
fcbäft«tiicbtigfeit ju Anfcben im Jtlofter 
9?utbfceüe unb in »eitern Äreifen feiner 
^>etmatlirö)e. ©eine erfte nach ftric«lanb 
unternommene 3J?iffion«reife (716) tvar, 
roeil ohne (Srfolg, nur ton furjer Xauer. 



Hl« er 718 feinen 2Wiffton«plan roieber 
aufnahm, ließ er ficb uon ©regorll. n?äb« 
renb eine« Aufenthalt« in 9?om bie 2)iref* 
tiue geben, roelche lautete: Unterwerfung 
ber fräntifeben Äirebc unter bie 3uri«bit- 
tion be« ^apfte«. Tantal«, unb nicht erft 
723, erhielt er in föcm ben 3 una ^ en 
©onifatiu« (= ©onifatu« ber @ute« 9te* 
benbe, bie ©otfebaft vom §eil ©ringenbe, 
9tcm. 10, 15). ©ein erfter 3?erfud?, biefe 
Aufgabe in Ib,üringen ju löfen, mißglüefte 
tiJüig (719); jum jnjeiten 2Wal ftep nacb 
^rie«lanb roenbenb, roirfte er bret 3abre 
al« a)iiffton«ge^ilfe be« ©ifebof« SBitti* 
brorb (f. b.). 722 ging 93. nad? Reffen, 
baute bier ba« Äleftcr Amöneburg, unb 
warb 723 (722) in SRom jum 9iegtonar= 
bifebof geroeibt, naebbem er bureb bie £et* 
ftung eine« bt«her nur ben fuburbifarifcb.cn 
33ifcpöfen auferlegten Gibe« im uorau« bie 
erft *5on ib.m ju geminnenben ©ebiete tirdj= 
lieb auf ba« (Sngfte an SRotn gefeffelt hatte. 
^ieSPiiffton mit pä>ftlicher Unterftü^ung ton 
Beuern in Reffen unb X^Uringen betrei* 
benb, fällte er nicht bloß bie ^eilige 2>on= 
ner«eict;e bei @ei«mar unb grünbete bie 
Älb'fter Ohrbruf unb ^rifclar, fonbern »ar 
auch, beftrebt, ben einbeimifeben ©iberftanb 
ber ^riefter ju brechen. 9?adj bem lobe be« 
SKajorbomu« Äarl SDiartetl gab it»m beffen 
Nachfolger in Auftragen, Äarlmann, bie 
2)Jöglicfafeit, bie heffifcb/ tbüringifche Äircbc 
burch Örünbung ber tier 5?i«tümer Süri' 
bürg, Buraburg, Gicbjiätt unb (Srfurt ju 
organifteren, unb gemattete ihm, im herein 
mit feinem ©ruber ^Jipin, bem ©eberrfcher 
ton Neuftrien, bie römiiehe ^errfchaft auch 
über bie fränfifche Äirche burd) Abhaltung 
mehrerer ©pnoben au«jubehnen. lieber 
3abr, Crt unb Anjahl berfelben ift ©treit. 
^ahrfcheinlich^ n>urbe für Auftraften bie 
römifebe Äirchencrbnung eingeführt auf 
bem fogen. Concilium Gcrmanicum 742 
(ober 743?) unb ju ?eüine« 743 (Cenci- 
lium Liftinense. ba« nacb Anbern erft 745 
unb bann für Auftraften unb Neuftrien 
juglcich abgehalten fein foU); bie Äircfae 
ton s J?euftrien untern?arf ficb bem 3?. auf 
ber ©hnobe ju ©oiffon« 744. Xie 9io^ 
manifierung beiber (Gebiete »arb bann auf 
^n?ei aügemeinen fränfifchen 9ieichfpnobcn 
745 unb 747 (748?) fortgefeüt. AI« 
aJietrobolitanr^ roarb ihm, ber 732 (Srj« 
bifebof geworben, üDcainj sugeroiefen. Auf 
einer jum Broedt ber JÄcorganifation ber 
frieftfehen Äircfae unternommenen 9feife 
roarb ©. toon ben Reiben erfragen 755 
(754). »gl. ßbrarb, 2ie iro • fchottifche 
3?ciffion«lird)e (1873); SB er n er, 33.(1875); 
Wabler, 6t (1880); 2?uß, 2öh^ 



Digitized by Google 



©onifatiuS. 



89 



fricb-ö. (1880); O. ftifcber, & (1881); 
(Sbrarb, ©. ber ^crflörcr bee colum« 
banifdicu Äircbentum« auf bem Reftlanbc 
(1882). £oofe, Antiquae Britonum, 
Scotoruraque ecclesiae quales fuerint 
mores (1882); 2>erfelbe in bcr „Bett- 
fcbnft für Ä. (1882); $at>n, ». unb 
1'nÜ (1883). z. 

»omfariu«, Warne von $ä>ften: ». L 
(418—422) ; ju feinen fünften im ÄamVf 
mit bem ©egenvapft tntfcbieb bae Urteil 
bee Äaifere fconoriue. 2)iefer mar e« 
aud>, ber ben ©. in ber ©eltenbmacbung 
feiner fcnfbrücbe auf bie fir$li$e 3urie» 
biftion über 3Ubrien am §of be« ofträmi- 
fdjen jcaifer« £b«oboftu« 11. unterflütjte. 
©. mirb }u ben ^eiligen ber fatbc-lifdrn 
Äirche geregnet. — ». II. (530-532), 
mürbe von je Ii; IV. \u feinem Nachfolger 
befrimtnt, mußte aber nach beffen iobe 
mit bem ©egenVabfl Dioeturu« 28 Sage 
um ben @tubl ^Jetri tambfen; SJ. braute 
ben femiVelagiantfcben Streit jum 9tbfdduß ; 
ben $erfud>, fut fetbft einen Nachfolger 
ju ernennen, mußte er auf SBefebl be« 
Dftgotenfb'nia« Bthalanch bamit büßen, 
baß er fut felbft be« 2ttajef)ä't«t>erbre$en6 
anflagte unb bie <Srnennung«bulle ver- 
brannte. 6r gebart ju ben ^eiligen ber 
fatbolifchen Äirche. Crgl. (£ m a l b tnt „N. 
«re$. b. ©efeüfcb- f. alt. beutfcb« ©." (1885) ; 
SHommfen, ebenbafelbfl (1885 u. 1886); 
Sangen, <$ef$. b. Wbm. Äircfcc von2eoI. 
bi« Nicolau« I. (1885); SDuc&eene, 
Le Uber pontificalis (1. ©b. 1886).—». III. 
(607), lief? ft<h von bem verbrechenden 
Äaifer ^bcfao für 9tom ben Xitel „Caput 
omnium ecclesiarum" betätigen. — ©. IV. 
(608—615), fdmf ba« ^antb.eon in 3tom 
ju einer Äirche ber SWutter ©otte« unb 
aller äMärtörer um unb jeigte ftd) ben 
SWonobbbfUen (f. b.) gegenüber jur 3lu«fb"b 
nung bereit; audj er gilt al« ^eiliger. 
». V. (619—625), erhob Ganterburv jum 
SWctrobolitanfib ber britanniföeu äirche. 
— 8. VI. (8%), ftarb bereit« nach 15 
lagen. — $8. VII. (974 unb 984—985), 
ließ feinen von einer römiföen Partei 
abgefegten Vorgänger »enebift VI. in ber 
Cngeieburg erbroffeln unb flcb, barauf 974 
unter Mitnahme be« gefamten Jürgen* 
föage« nach h onft antin ovel , von mo er 
nach bem £ob Äaifer Otto« II. 984 ju> 
rüdfebrte, 3<>b<»nn XIV. einferfern unb 
vergiften ließ. Nach elf Monaten würbe 
er felbft ermorbet. SSrgl. ©iefeb recht, 
©efd). b. beutfäen Äaiferjeit (1 . SBb., 5. Stuft, 
1881). — ». VIU. (1294-1303), ent- 
flammte bem («efcbled't ber ©aetani, mußte 
al« Äarbinal ben $abft «öleftin V. jur Hb- 



banfung jn bemegen, um ftd> bann al« Nach 
[olger bcffelben wählen ju (äffen. ©r fah fidj 
in viele ©treitigfeiten verwicfelt. 2)er »er* 
fud, in Ungarn bie SRoUe eine« Äönig- 
magere ju {Vielen, braute bie ©ifc^öfe 
be« Sanbe« fo gegen i&n auf, baß ein 
Xb«ü berfelben i^n erfommunijierte. 2>ie 
von ». 1299 auf @($ottlanb bei ©elegeu« 
beit ber Eroberung biefe« 9(ei(^« rnnt 
Öbuarb I. von (Snglanb erhobenen %w 
fprüc&e riefen einen bemütigenben *ßrotefl 
be« Parlament« mie be« Äö'nig« Ijer&or. 
9htr in 3)eutf(i(anb glüdte e« tbm 1303, 
ben Icönig VUtrcd t von Cefterreid? ju einem 
Xreufcbnjur unb jur <Srflärung ber völ- 
ligen Sb^ängigfeit ber faiferlic^en @emalt 
von ber vä'bftlidru @nabe ju bemegen. 
(Sinen unbejmingbaren Gegner fanb 8. 
jebod? an Philipp IV. von ftranfreid?, 
meldjer auf ben, für ben ftaU fernerer 
töniglid?er »efteuerung be« Xleru« 1296 
angebrobjen, »ann mit einem Verbot ber 
©ilberauefubj, b. b- ntit l'abmlegung ber 
franjbTifd^eu (Sinnabmen be« $aVße«, ant* 
mortete unb ben tävftlidjen @efd)äft«träger, 
ben syifcbof von garnier«, ber ibn im «amen 
feine« \\'mi tategorifd; aufforberte, ben 
ibm benjiüigten ftird^enjebnten au«fd)ließli(b 
auf ben £reujjug ju vermenben, al« l'iaic 
ftat«beleibiger beftrafte (1301). ©egen tMü- 
libb IV. erließ nun auf einer »Sbnobe 
in 9tom 1302 bie berüchtigte »uüe „Unam 
g&nctam u , meldje in ber f<broffften ©b^dl« 
bie J tu'onc von ber $anbl?abung fomobl 
be« geiftlitben al« be« weltlichen ©c^mert« 
burcb ben $avft vorträgt. X er Äbnig ließ, 
nacbbem er auf eiuem dceictyfttag bie gefamte 
Wation jum ^ambf gegen ben $abft auf' 
gerufen, auf einer Süerfammlung ber Nota- 
blen 1303 btefen al« einen 5tetjer unb einen 
»erbrec^er vor ein allgemeine« Äonjil 
laben, worauf ber franjiJfifcbe »ijetanjler 
— | 9?ogaret mit vielen ^erfdjworncn ©. in 
Änagni überfiel, aber Weber bie Slbbanfung 
noch bie Unterwerfung unter ein Äonjil 
erlangen tonnte. $alb nach biefer fct)weren 
Erfahrung ftarb ». 11. Oft. 1303. 2)aß 
©. vor feinem lobe, in 28almfinn verfaüen, 
fijh felbft jerfleifcht $abt, gehört ju ben 
vielen, von feinen Oegnern au«geftreuten, 
unbegrünbeten Nachrichten; 23. ift ber @r> 
ftnber be« 3ubeljabre« (f. b.). ^Jrg(. 2) r u - 
mann, (Richte VHI. (1852,2 %1)tiU) ; 
2)iaarb, gaueon, Iboma«, Lcs 
registrea de Bonifiace VIII. (biet)« brei 
gaejilel 1884-86 erfchteuen); $e8j ar- 
bine, La bulle Unam Sanctam (1880); 
9? o c q u a i n in ber „Biblioth. de l'ecole 
des chartes" (1883); »ercht ol b, 2>ie 
»ulle Unam Sanctam (1887) ; @ <h e e b e n im 



Digitized by Google 



90 



Bonifatius * Sßercin — SÖornemann. 



„Äat&olit" (1888). — SB. IX. (1389 - 1404) 
mürbe in 9iom al« ©egenbapft be« in 
Sltoignon reftbierenben (Siemen« VII. ge« 
toäblt, gegen ben unb beffen ©önncr er 
ftd; mit (Srfolg auf Jabi«lau« fcou Neapel 
fHitJte. 2Ü« Äarl VI. toon ftranfretcb, 
9ftd>arb II. toon (Snglanb unb anbere 
dürften ibn unb feinen jmeiten ©egenbabft, 
»enebift XIII. (f. b.), jur 3effion ju beme* 
gen fugten , lehnte er biefe ob. ©etyr 
bobbeljilngtg bemie« er ftcb 1400 bei ber 
Slbfetoung be« Äönig« SBenjel. z. 

ÖOntfotiue=Äerein, f. Smtnc, TaUjolifdK. 

Boni homines (tat, franj. Bons hom< 
mos, „gute ?eute"), in ber fränfifeben Man jlei* 
unb S5olf«fbraä)e greie ober (Sbelleute; 
bann ©etttame be« englifdjen Orben« ber 
©aefbrüber, ber 9Wb"na)e toon ©ranbmont, 
(f. b.), ber franji5ftfd;en ÜDiinimen (f. b.), ber 
bertugieftfdien (Sborberren unb iDfifftonare 
toon ©an ©altabor in SMHar be Irabe« 
(1435), autb ber Walbenfer (f. b.), Btbigenfer 
(f. b) unb anberer ©etten. z. 

Sonnet <for.*nö), 3 u l e « , broteft. ©djrift« 
ftetter ftrantreieb«, geb. 1820 ju Wime«, 
lebt al« Slböofat unb ©efretar ber So- 
ctetd de Thistoiro du protestantisme fran- 
^ais in ^ari«. ©eine ©tubien jur ©e- 
fduebte be« 9leformarion«jettalter« fyaben 
ibn attcb in !£>eutfd)(anb befannt gemalt; 
bie b«ubtfa'd>licb[tcn fmb : „Olympia Mo- 
rata: episode de la renaissance en Ita- 
lic" (4. «ufl. 1865, beutfd? 1860); „Aonio 
Paleario, e*tude sur la reiorme en Italie" 
(1863); „Calvin au Val d'Aosto" (1861): 
„Recita du XVI. siecle" (1864; beutfdj 
toon SWerfcbmann unter bem Ittel: ,,?eben« 
bitber au« ber 8ieformatton«tcit", 1864), 
beneu ficb nod> 3 ©änbe („Nouvcaux rt- 
cits tt , 1869, „Demiers n?cits", 1875 unb 
eine britte ftolge, 1886), fomie r La famille 
do Curione - (1876) anf<bloffen. z. 

S3ontt)ftfc$, ©ottlieb ftatba* 
nael, lutberiftber Ibeolog, geb. in Worfa 
in 9iußlattb 17. gebr. 1848, ftubierte Ibeo« 
logie in 25ortat 1866— 70, in Böttingen 
1874—75 unb in Sonn 1877- 78; mürbe 
1882 aufjerorbentlicber, 1883 orbentlia>er 
v 4?rofeffor ber Ideologie in Dor&at. Gr 
»erfaßte : „3)ie ©Triften lertullian« unter* 
fuebt" (187H); „Sie ©efebiebte be« 9iontant0- 
mu«" (1881); „Äbritt unb SRetbobiu«" 
(1885). z. 

©Ott, Wart in. fat&ol. Ibeolog, 0c b. 
1762 ju Vuttenrieb in Samern, mürbe al« 
©tbüler ©ailer« etma feit 1790 Urbeber 
einer religiösen Semegung, meldte inöbe« 
fonbere, feitbem er 18(>6 Pfarrer in ©aü= 
neutirebeu bei ?inj gemorben, tief in bie 
Vaientreife bratig, aber aud) gegen 60 fatbo= 



lifd)e Pfarrer ergriff, ©eine metyr Hoftcr* 
mäßige, »on brcteftantif(ben 3$orau«fe&un= 
gen an fidb ganj freie ftrömmigteit fübrte 
tbn auf etnen ©tanbtunft, melier mit 
bemjenigen be« broteftanrifeben s J*ieti«mu« 
jener %c\t große fletynlidjteit batte. $iel« 
fad; »erfolgt, fanb er 1817 in »beiubreußen 
al« SReligion«lebrer ju liiffelborf eine 3u* 
fludbt unb ftarb 29. Hug. 1825 al« Pfarrer 
iu ©atm bei 9teumieb. Srgl. ©offner, 
Tl. ». (1826). z. 

S9ora, Hatbarina ton, Sutber« 
(S^egatttn, geb. 29. 3an. 1499, flammte 
au« einem alten ©efdjlcdjt in ber ?anb* 
fd^aft SKeißen; tbre 3)iutter mirb «nna 
ö. ^augmit} genannt. 3n früber 3ugenb 
tarn Ä. ü. 8. tn ba« Älofter ttitnptfö bei 
©rimma. ?116 fte aber au« ^utber« ©d?riften 
gelernt batte, fte fei nia)t toerbunben, miber 
SBiücn im ^onnettftanb ju bleiben, entmieb 
fte mit ad;t anbern Tonnen (4. 'äpxH 1523) 
au« bem Älofter. 3n Wittenberg nabm 
fle ber ©tabtfd>reiber 9ici(benbacb; in fein 
$au«. ?utber beiratete fte 13. 3uni 1525. 
«1« nacb feinem lobe (18. gebr. 1546) 
Wittenberg t>on Äaifer Äarl V. eingenom- 
men mürbe, »erließ fte bie ©tabt, lehrte 
jebod? fdjon 1548 jurücf unb blieb, mit 
febmeren 5Wabrung«forgen fämbfenb, in 
Wittenberg, bi« eine beftartige Äranfbett 
im ©ommer 1552 fte toeraulafjte, mit ibren 
Äinbern nad) lorgau ju geb^en. Jpter ftarb 
fte 20. Sej. 1552. «rgl. »efle, ©efduebte 
Matbarina« üon (1843); %v. ©. ^of- 
mann, Äatbarina oon ©. (1845); SW eu- 
rer, Statbarina i'utber, gebornc öou 
(2.9lufl. 1873); ^an«ratbin ben „kleinen 
©Triften 
(1883); ©tein, 

<©. Vutlj«. t. 

Sorbelutner Wette , eine nad; bem 
fd)le«migfcben Ort ©orbelum benannte ©efca= 
ratiflenfefte, 1737 toon ben Äanbibaten 
öorfeniu« unb 3)atoib Sär gefliftet, mürbe 
1739 gemaltfam unterbrlldt. 2>ie 3Hit 
glieber* berfclben ftbafften Äira>, *Prebigt- 
amt, ©atramente ab unb führten, al« 
burd^ ben ©lauben ©elige, ©Itter ■ unb 
SBeibergemeinfcbaft bei fub ein. z. 

Sornemann, griebriu) Wilbelm 
©ernbarb, ebangel. Ib*ol<>9/ geb. ju l'iine« 
bnrg 2. 2Kärj 1K58, ftubierte Ib.tologie 1876 
— 1879 ju ©öttingen unb i'eitjig, mürbe 
1882 3nfpettor be« ©tift« ju ©öttingen unb 
1884 ^ritoatbojent bafelbfl; 1886 jttm geift= 
lieben 3nfbeftor be« Äattbibatenfrift« tn 
Uiagbeburg ernannt, crbtelt er 1887 ben 
Xitel "Brofeffor. @r febrieb : „In investiganda 
monacbattis origine quibus de causis ratio 
habenda sit Origenis" (1885), „Ite Unju« 



— j j v - - — — r ' -* — " rr — 

religion0^cfd)id)tlid;en 3nb^alt«" 
». ». (3. «ufl. 1886). 



Digitized by Google 



Söovronteo — ©efjuet. 



91 



länglicbleit be« ttyeologifcben ©rubium«" 
(1886) unb „äirtbenibeale uub Ätnbenrefor« 
nun" (1887). ». ifl 2Kitbegrünbcr bcr 
3citf(^rtft „2)ie ArifUicbe Seit", z. 

^erromco, Carlo, ©raf, betei- 
lige, geb. 1538 auf bem ©d&loß Irena 
am S!ago SWaggiore, robn be« ©rafen 
©ilberto ». unb Weffe <ßiu« T IV., flu 
bierte ju ^aoia bie SRe(bt*wiffenf(6aft unb 
warb 1560 in rafeber golge apcflolifc^er 
^ßrotenotar, föcferenbar, Äarbtnal unb 
(SrjbifAof »on 2Kailanb. (5r fSrberte bie 
glütflnbe »eenbigung bc« Xribentiner 
Äonjil«. 2Wit &ingcfcenbfier Siebe wibmete 
er ft<b ber Verwaltung feiner 3)iöjefe, bie 
er au« groger »erwilberung ju einer 
SDJufierfinpe, ju einem „neuen 3crufalem" 
umfebuf. »orne^mlicb forgte er für »Übung 
ber 3ugcub, be« Älcru« unb ftrenge Äiicbcn- 
judjt. ©ein Seben ifl reidj an j^iigen ber 
i'iebe, be« ÜRut« unb be« ©ottberttauen«, 
bie befonber« in feiner aufobfernben Xbätig- 
feit wäbrenb bcr %*efi 1576 bertoorleucbteten. 
Stnbcrfeit« warf man ibm »or, baß er feine 
2tmt«befugniffe überfc^reite unb ben Orben«» 
freibeiten entgegentrete, befonber« beu 3e« 
fuiten tonnte er niebtd redbt macben, unb 
ein ganatifer au« bem Orben ber Smmili- 
aten fd)c(; auf tlm , wä'brenb er in ber 
Sircbe betete (1569). ßinflußreicfi waren 
feine t>on anbern fortgefefeten »eftrebungen, 
in ber ©cbweij ben £atboliji«mu« nid)t 
bloß ju befeftigen, fonbern aud) lieber 
auszubreiten. Gr fltf tetc ba« Collegium 
Hclveticum jur ©Übung angeljenber ©eifi- 
lieben unb ben ©olbnen »orromeifcfyen »unb, 
eine »erbinbung ber fieben fatbelifrtjen 
Äantone jur »erteibigung ibre« ©lauben«. 
». ftarb 1584 ju 9flailanb unb Warb 1610 
»on $abft tyaul V. beilig gefbroeben. ©ein 
lag: 4. 9iob. ©eine »erwanbten unb bie 
»ewobner bcr Uingegeub ließen ibm auf 
einem §ügel am £ago SJfaggiore unweit 
Crotta eine foloffale «Statue toou »ronje 
errichten. ©ein Seben befebrieben ©ailer 
(1824), 2>icrtuger (1846), ©ala (1857 
—1859, 4 »bc, ttal.), ©bfbain (1884, 
3 »be.) z. 

J6ottomeu£*f$etcin in 1844 in Äo« 
bleu} jur Verbreitung embfeblcn«werter 
tatb.olifc^er »ü(ber unb 3eitföriften, refb. 
jur Stillegung ooit »olf«bibliottyefen ge 
grünbet »orben. »i« juni 3abre 1887 
batte er bereit« für etwa 10 afliüionen 
SWarf »üd)er verbreitet unb jablte bamal« 
fd)on 1399 Üolaloereinc unb 263 £aubt> 
£Ulf«tocreinc mit im ©anscu 43249 ättit* 
gliebern. z. 

83ofe, ba«, ©egenfafe be« fittlicb. 
©uten, alfo toerfebieben toom Uebel al« 



bem bbVftfö ®<$lc<bten unb ©cbäblicbeu. 

(S. Sürtbe. u. 

©Offtiet (UJt.boffüeft), 3acque« 8^ 
nigne, auege)eübneter fran). 5{an)e(- 
rebner, $ifionfer unb bogmatifcb • ^ole- 
mifeber ©c^rif tftetter , geb. 27. ©e^t. 1627 
ju 25ijon, flubierte, »on ben 3efuiten er- 
logen, ju ^ari«, marb 1652 2)oftor ber 
ibeulog« unb erntete in 3Wetj bie erften 
grüßte feiner, an rtyetorifcber Äunfl un- 
übertroffenen, »erebfamfeit in ber »efeb* 
rung ber ^ßroteflauten. 25ic ibm 1669 
übertragene SBürbe eine« »tfcbcf« toou 
Conbom legte er 1671 nieber, al« er 1670 

S;m Sebrer be« 3)aubb»>* ernannt n>ar. 
ic ©unfl JubUMgö XIV. erbob ibn 1681 
jum »ifd^of von 2)feaur. Sucb Warb er 
1672 2Ritglieb ber ?lfabemie. Iiem abfo» 
luten 9Jegierung«fpflcm Pubwig« XIV. 
öotlftänbi^ ergeben, »erfaßte er 1682 bie 
öier Jlrtifel ber gaUifanifcben Äir^eu* 
freibeit. 6. ©oaifoni«mu#. 3Ktt gleicher &i\U 
ftbiebenb. eit toertrat er aber bie Sin^eit ber 
t'ebre unb bie 3ntereffen be« v ]Jab{U6 ben 
3anfeniflen, Ouietiften (f. ^ntion unb @upon) 
unb ben $retejianten gegenüber, ^ueb 
toirfte er jur «ufbebung be« ßbift« toon 
9?ante« mit. (Sr fiarb 12. Steril 1704. 
©eine jablrei(ben ©(briften fyakm ibm beu 
tarnen be« legten franjörif(ben Äir(beiv 
öater« eduorben. Sil« geiftlic^cr SRebner 
entfaltete er ben b^ften ©lanj in feinen 
i'eitbenreben, bie unter bem Ütel: „Ser- 
mons et orakons funebres" 1 erfdneueu. 
©ein „Discours sur Thistoire universelle 
jusqu'ü l'empire de Charlemagne" (1681, 
neuefte 9lu«g. 1874) ift ber erfte »erfutb 
einer ^^ilofo^ifcben ©ebanblung ber ©c- 
fcbid)te bom irr,i[iüi? fatbclifd) voli^iöfeu 
©efi($t«bunft au«, ©eine „Exposition de 
la doctrino de l'eglise catholiqae sur 
les matieres de controverse" (1671) unb 
feine „üistoire des Variation« des dglises 
protestantes" (1688, 2 ÜBbe.; neue 91u«g. 
1844) fmb Xcnbcnjfa)riften, burc^ welche 
bie ^ßrotefianten gewonnen Werben foUten. 
0. Union. (Sine lange 9tei$c t^eologifd)er 
©(briften Deranlaßten bie Unterbanbluugen 
bc« iöifd?of« ©binola (f. b.) toon Sicuer» 
9?euftabt mit bem bannöterfebeu ?lbt t«on 
i'offum, ©erb. Salter 2Rolanu« (f. b.), 
üfcer eine Vereinigung ber ^ßroteftauten 
unb Äatbclifeu, in Weld)e ©. auf be« Gr« 
Rem Slnfutbeu fid) eingemifcb, t b^at. Getiefte 
3lu«aaben feiner ©Triften 1862 66, (3193be. 
in 8°) unb 1862—70 (12 Söbe. in 4»). 3)a« 
Seben »offuet« bom Äarbinal »a uff et 
(1814 f.) würbe r-on ü)?icb. fteber (1820 
-1821, 4 »be.) in« 2)eutfdje überfe^t. 
Sine neuere ©iografctyie f<brieb Wdaume 



Digitized by Google 



92 



iöourbaloue — Jörabtoarbin. 



(1869—70, 3 ®be.). «offuct« ba'bagogifd?e 
öcbcutung mürbigtc gloquet, B., pre- 
cepteur du Dauphin et 6veque ä la 
cour (1864). »rgl. aucb, Eabaraub, 
Supplement aux histoires de B. et Fä- 
nden (1822): i'ibourour, Controverse 
entre B. et Fenelon (1876); 2our, 
unb bic Unfehlbarkeit (1875): Soignarb, 
Bossuet et Saint-Thomas (1885). z. 

23ourbaloue (fpr. burbatto, ?oui«, be« 
riibntter fvanj. Sfanjelrebncr , geb. 1632 
ju »ourge«, trat, 16 3ahre alt, in ben 
3efuite norben , roarb bom tfönig ?ub- 
mig XIV., tor bem er fett 1670 öfter« 
brebigtc, 1686 nad) ?angueboc gefanbt, 
um bnrc^ feine s J3rebigten bie ^ßroteftanten 
bem fatb, olifdjen (Glauben micberjugetmnnen. 
2)er »orjug feiner Sieben befielt in ber 
Älarbcit ber 2>arfleüung unb ber Äraft 
ber bialeftifdjen «ercei«fiibrung. 3n ben 
legten 3abjcn feine« Jebcn« jog er fieb, 
ton ber Äanjel utrUcf unb rcibmete feine 
$bütigfeit ben §ofbttäfcrn, ©efanguiffen 
unb frommen Slnftalten. Gr flarb 13. SDfai 
1704 ju yaxiQ. #on feinen SSerfen er= 
[dienen mehrfach nette Ausgaben, jutefet 
in SBar^Ie^uc (1864, 6 8bc.). »rgl. 
fteugere, B., sa prddication et son 
temps (2. Bufl. 1875); ?aura«, B., sa 
vie et ses oeuvres (1881); ®lam = 
eignen, fitude bot B. (1886). z. 

!öourt«non (fbr. buuniOn«), 91 n t o i * 
nette, rdigiöfe @d;mä'rmcrin, geb. 1616 
ju ?ttle, entflog infolge mpfrifd)er Scftiire 
1636 au« bem (Slternbaufe, um einer 
JpeiraU) ju entgegen. Warf; bem $obe ber 
ßltcrn im »efits eine« anfebnlidjcn Ver- 
mögen«, marb fie 1653 ©orfteberin eine« 
$ofbital« ju Siüe, fammelte fobann in 
ftmftcrbam 1667 burd; angebliche Offen- 
barungen Anhänger um fla», mußte aber 
1671 fliegen unb ließ fta> auf ber 3nfel 
Worbftraub nieber, bic fte ton einem ihrer 
?lubänger, bem 3anfenifteu tan Sorbt, 
geerbt hatte. 3)urcb, eine eigne 35rurferei 
verbreitete fie ton Ijier au« iljre ?ebren. 
SBieberum ton Ijier, fomie au« §ufum, 
Flensburg unb Hamburg (1677) ter* 
trieben, manberte fte mit ihrem ftnba'nger 
^eter s JJoiret (gefh 1719) nach Oflfrie«* 
lanb, lebte bort al« 3$orftebcrtn eine« 
Jpofbital« unb ftarb 30. Dft. 1680 auf 
ber 9tcife ju ftranefer. 3bjf mit bin- 
reißenber ©erebfamfeit gefebriebenen Söerfe 
mürben ton <ßoiret (1679—84, 25 »he.; 
2. VnfL 1717) bfrou«gegebcn. $rgl. 
Älofc in ber „3citfd;rift für Wörme 
Ibeologie" (1851). z. 

©ouöirr, Sali »ugufte D«car, 
reformierter Zb.eolog, geb. 16. gebr. 1826 



ju ©enf, fhtbierte Geologie in feiner 
iöatcrftabt unb ju ©erltn, mürbe 1853 
©ebilfe ton Hb. SWottob bei ber ^arifer 
ßtangelifation, barauf ^Jrebiger an ber 
©djmeijcr Äirche in Sonbon unb 1854 
Pfarrer in (Selignto bei ©enf. Wacbbcm 
er ton 1857—1862 Pfarrer in ©cnf gc 
mefen, erhielt er bafelbfl ben Scbrflubl für 
flpologettt unb traftifd^e Geologie, 1865 
ben für Dogmatil. Unter feinen ©djriften 
ftnb btrtorjubeben: „Etüde sur les con- 
ditions du developpement social du 
Christianismo" (1851); „Le chrftien ou 
l'hommo accompli u (1857); „L'Apolo- 
ge"tiqueactueUe u n866); .La rdv&ation" 
(1870); „Lea sciences theologiques au 
dix-neuvieme siecle" (1871); „Epoqnes 
et characteres bibliques" (1873); „L'Es- 
prit du christianisme" (1877); „La fa- 
cultö de tbeologie de Genevo pendant 
le dix-neuvidmo siecle" (1878); „L'en- 
seignement supärieur k Geneve do 1559 
ä 1876 u (1878); „La compagnie des j>as- 
teurs de Geneve" (1878); „Paroles de 
foi et do liberte'" (1882); „Nouvolles 
paroles do foi et de liberte"" (1885); 
„Le divin d'apres les apötres" (1883); 
„La conscience moderne et la doctrine 
du pöchö« (1886); „Thäologio systäma- 
tique" (1887). z. 

SÖOWCt, 9lrd;ibalb, auotifanif^er 
Äirdjcnbiftorifer, geb. 1686 ju 2)unbee in 
6d;ottlanb al« ©obn latbolifd^er Gltcrn, 
trat 1710 in Äom in ben 3efuitenorbeu, 
»irtte in mehreren ©täbten Italien« al« 
Jebrer ber 9tyctortF, @efd)icb,te unb ^bilc- 
fopbü/ juletjt in 9Macerata, mofelbfl er audj 
Äonfultor ber 3nquifttion mürbe; 1726 
terließ er au« bi«b.er nidjt aufgebeüteu 
©rünben Stalten , teerte nad; (Suglanb 
jurütf unb trat jur anglifanifcb,en Äircb.c 
über. Wacbbem er 1730—34 eine terio* 
tiu1»c S<-'jt'*»'iü, bie Historia literaria, 
berau«gegeben unb fein erfte« größere« 
©err, bie r'dmifd;c @efcbicb,te, veröffentlicht 
batte (feit 1730), erhielt er bic ©teüe 
eine« ÜBtbliotbefar« ber Königin Caroline 
(1747); ». ftarb 1766. »i« ju feinem 
Xobe laflete auf ibm ber ©erbaut, in ge- 
heimen 35ienflen be« 3cfuitenorben« ju 
fielen, ©eine „Iiistory of tbe popes" 
(3. «ufl. 1750—1766 tu 7 «ben., aueb 
in« 3>eutfdx überfe<}t unb weitergeführt 
ton Hambach 1751 — 80 in 10 »ben.), 
bie ihm einen großen Warnen a,cmad?t b«*, 
ifl jum %\)tU ganj unfelbflünbtg. z. 

©tabttJQtbin, Xbc-mas ton, ©d^O' 
laftifer, Doctor profundus genannt, geb. 
am ©ebluß be« 13. 3abrb-, fhtbierte in Dr« 
forb ^^Ucfo^ie, 2b«otogie, «flronomte 



Digitized by Google 



S3rafyma — ©raune. 



unb SWathematit. Nachbem er in Orforb 
tbcologifcbe öorlefuugen gehalten, bann bie 
©teüung eine« Äantfer« ber Paul«firche 
befleibet hatte, Würbe er 1339 ftelbprebtgcr 
ßbuarb« III. wäbrenb be« xrieg« mit 
$ranfrei($ unb 1349 ßrjbifchof t>on Kanter« 
burb, fiarb aber gleich barauf. 3n feiner 
eebrift „De causa dei contra Polagium" 
(erft 1618 herausgegeben) iji er ein ,,1'ob« 
rebner unb Serfechter ber ©nabc". ^rgl. 
i' echter, 3. »on ©telif (1. *b. 1873). z. 

SPrabma, eigentlich ber ©eift be« ®e- 
bet« unb be« Dbfer«, bann bie SBeltfcele, 
ba« „große atmen", ein probuit ber 
briefterlichen ^^erulation, womit, naebbem 
bie Ärier ba« ©ange«thal erobert, bie 
alte au« beut 3nbu«thal mitgebrachte 
©tftterwclt ber Ceben etwa« in ben hinter* 
grunb gebrannt unb eine neue, mbfttfdj* 
a«fetifcbc Neltgiofftät begritnbet Würbe, 
beren braftiföe &pi§t in ber Sorfcerrfäaft 
ber bem Jö. am näcbften r-erwanbten priefter» 
tafle (33rahmanen) befianb. In- Unter- 
treibung eine« unpersönlichen unb eine« 
berfönlichen ift wcrtlo«, ba bie ©Ort- 
zeit in beiben ©eftalten immer gleich. leblo« 
unb unbobulär blieb, NeligiÖfer ©ehalt 
lam in biefen @ottc«begriff erft neuerbing« 
in golge ber ©erührung mit bem £h*iftcn» 
tum. 3)ie t>on Äalfutta au«gebenbcu 
tbeiftifchen Neformbcftrebungen Indien fid) 
bei ihrem erften Vertreter Nam 9to$Vl 
»ob (1774—1833) no<h auf altnaHonalcr, 
Vebantifchcr ©runblage. Kobern ratio» 
naliftif(h, im @inne ber „Anbetung be« 
(Sinen ©orte«, be« Vater« ber 2Renfehheit", 
trat fein Nachfolger 2>ebenbra Natb lagore 
auf. (Sin mbftifche« Clement brachte ber 
unter eurobäifchem Sinfluffe ftehenbc unb 
mit proteftantifchen Theologen »erlehrenbe 
Äefchub Sfchunber @en (1839 — 1884) 
hinju, ber bebeuteubfte Sebrer be« fogen. 
«. *©amaj, beffen §aubt jefct protab 
Xfäiunber ÜDfaujumbar ift, wäbrenb eine 
Neattiou gegen ben 2Rbftt)i«mu« im 
©abharan-@amaj ^. I barma) erfolgte, h. 

Söranbobfer (auch © a n $ o b f e r ') , ba« 
feierlichste aller Dbfer, wobei ba« lier, 
nachbem ba« Vlut abgelaffen, bie $aut 
abgezogen unb bie ctnjelncn ©tücfe ge» 
reinigt waren, auf bem Slltar im Vorbof 
ju Slfche öerbrannt würbe, ber Dbfernbe 
aber auf allen SWitgenufj vernichtete, a. 

s £ranbopfcraltar, f. «itar, Stempel 
unb »tanbofer. derjenige be« herobiani» 
fchen £cmbel« „befanb ftch toor bem £embel, 
15 ßtten hoch nnb je 50 Glien lang unb 
breit. (Sr war toiereefia gebaut, frrcerte bie 
Ccten hörnerartig in bie §öhe, unb auf 
ber ©ttbfeite war ein fanft anjteigenbcr 



| Aufgang an ihn angelehnt. Obue Sifen 
' hatte man ihn hergerichtet, unb (Jifcn be- 
rührte ihn niemal«". Von biefen Angaben 
bei 3ofebhu« 3üb. Ärieg V, 5, 6 weichen 
biejenigen ber äWifcbna erbeblich ab. Nach 
3. 3Kof. 6, 5. 6 mußte auf bem 8. lag 
unb Nacht geuer unterhalten werben, 
ähnlich bem heiligen fteuer ber perfer, 
ein Öorbilb ber ewigen Sambe tu ber 
tatholifchen Kirche, h. 

S&tam, 3ohann Silbelm 3of ef, 
fatholifcher ib/olog, geb. 27. «bril 1801 
in ©ronau bei Citren, ftubierte jeit 1821 
ju Vonn Xheologie unb Ph'lofobbte, würbe 
1828 priüatbojcnt an ber tatt). theolo- 
gifchen gafultät ju Vonn, 1829 bafelbfl 
aufjerorbentlichcr unb 1833 orbentlicber 
Profeffor. «1« 1835 über bie ©ebriften 
feine« Sichrer« $erme« ba« bäbftliche Ver» 
bammungfiurtheil erging, begab ftch 33. 

' jufammen mit Profeffor (Sltenich (f. b.) 

i 1837 nach 9tom, um bie Bwrii^na^nte 

: biefer Cntfchcibung »u bewirfen. Kaffiben 
bie geiftliche 53chörbc ihm ba« Sojiereu 
1844 unterfagt hatte, bi«benfierte ihn bie 
Negierung toom galten ber SJorlefungen 
unter ©elaffung feine« ©ehalt« (1845). 
Nun würbe 50. ein eifriger *Politifer, War 
1848 2Ritglieb be« granffurter Parla- 
ment« unb ton 1852—62 be« bmißifcben 
Slbgeorbnetcnhaufc«. @r ftarb 30. &tpt. 

| 1863 in $onn. (Seine befanuteflen Schriften 
ftnb: „35ic i'ehre be« fogen. §ermeftani«' 
mu« über ba« «erbältui« ber Vernunft 

| jur Offenbarung" ^1835); „Justini mar- 
tyris et philosophi apologiao" (2 VnfL 
1860); „Nafael« 2)i«>?uta" (1859). Nach 
feiner mißglüdten Nomreifc gab er ge» 
nie infam mit (Sltenich herau«: .Mclotc- 
mata theologica" (1837) unb „Acta 
Romana" (1838). z. 

»rttunc, Äarl, lutherifcher ©eift- 
licher, geb. 10. SKä'n 1810 ju ?eib}ig, 
ftubierte bafelbft 1829 — 33 Rheologie, 
würbe 1838 Pfarrer in »iwethau bei Xor» 
gau, 1850 ©uberintenbent be« SJierfe* 
burger «Greife« unb 1852 ©cncralfubcrin* 
tenbent in aitenburg, wo er am 26. $br. 
1879 ftarb. ©. war ein ausgezeichneter 
Äanjelrebner unb ein energifcher ^örberer 
ber inneren SRiffion. Unter feinen jab> 
reichen ©Triften ftnb bie bei annteften : 
„Unfcre 3eit unb bie innere 9Wiffton" 
(1850); „Auslegung ber brei ©riefe be« 
»boflel 3obanne«" (1865); „Jßricfe Pauli 
an bie (Sbhefer, Äoloffer unb philibber" 
(1867); „5Die Söcrgbrebtgr (2. Hufl. 1873); 
„3)ie Neformation unb bie Neformatoren" 
(1873); w B»ölf <£h««rterbilber au« bem 



Digitized by Google 



94 



SSraut — ©retfdjneiber. 



W. X." (1878). $rgl. ©. £b- § e r m a n n , 
Dr. Ä. ». (1880). z. 

SBraut Reifet bic Verlobte bi« jur 
©d)liefiung be« Gbebunbe«. 9tm £age ber 
£>ocbjeit erfd)eint bte d)riftltd;e ©. feit brat 
4. 3abrb- mit brat SBrauttranj (3cf. 
61, 10; (Sj. 16, 12; 3 SKatt 4, 8; Offen*. 
21,2) unb im«rautfd;leier(3er.2,32); 
?efctcren ftnbct Xertuüian in Orbnung, 
mä'brenb er gegen (Srfteren nod) lebhaft 
eifert, @lcid)jcittg b«ben aud; ber ©raut* 
ring unb anbere Zeremonien in ber 
&ird;e Stufno^mc gefunbcn. Xit bei bem 
eft beteiligten ©enofftnnen ber $3raut, 
irautjungf rauen, ^aben ihr 93or* 
bilb tbeil« tn griedjifd; * riJmifdjcr , tbcil« 
aber, unb baubtfädjltd;, in jübifd;er ©itte 
($ob- Sieb 3, 10. 11 ; SWattb- 25, 6. 10). 
lieber 58 r a u t m e f f e f. Trauung. 25a« 
33rautcramcn ift eine fatbolifd)e, toon 
befenber« eifrigen ©ctftlidjen jumeilen aud) 
in ber proteftantifdjen iird)e angeftrcbte 
ober eingeführte SBeftimutung, ber jufolge 
ber Pfarrer ftd; t>or ber $oct)jcit ju über* 
jeugen fyat, ob bie ©rautleute eine genü* 
genbe Äenntni« be« Äated>i«mu« beftfeen. h. 

»tecHina, ftricbrid;, SDJpftircr, geb. 
1629 im ©d;Ie«migfd;eit. ©d)on mäbrenb 
feiner ©tubiewjeit mit ben SJtyftitcrn be- 
f^äftigt, fe^ricb er als ^Jrebtger unter 
bem Xitel „Spcculum ßeu lapis Lydius 
pastorum" (1660) eine ©djrift gegen ba« 
fd)led)te Seben bcr ®eiftlid)en, bie d;m ©u«« 
benftou unb ftcftungSftrafe eintrug, ber 
er ftd) burd) bie $lud)t nad) Hamburg 
entjog. ©eit 1660 <jßaftor in S^He unb 
balb $Wb rtr ber nieberla*nbifd;en ©cpara* 
tiften, mürbe er aud; fytx infolge eine« 
(Streit« mit bem Stmfterbamer Äonftfto* 
rium 1665 bom Hmt rcmo&iert unb ftarb 
im $>aag 1711. z. 

Treben! amp, Ä 0 n r a b 3 u ft u « , lutbe» 
rifd^er "X^eolog, geb. 26. 3unil847 ju©a«becf 
($annober), ftubierte Xbeologic ju ßrlan« 

?en, »onn unb ©öttingen, mar 1872 bi« 
878 v Jkftor tu tufcbentin (2Retflenburg), 
mürbe 1878 ^ßribatbojent ber 2:b«ologie 
in Grlangen unb erhielt 1883 einen 9tuf 
al« orbentIid)er <ßrofcffor ber S^eologie 
nad; ©reif«malb; 23. »erfaßte : „3)er $ro* 
<?^et @acfearja erflart" (1879); „Vaticinium, 
quod de Immanuele edidit Jesajas" (1880); 
,,©efet} unb <5*>angelium" (1881); „2)cr 
^rojpbct 3efaia" (1887). t. 

83reitl)aupt, 3oad;im3uftu«, balle» 
fd)er ^ietift, geb. 1658 juWortbeim, lernte in 
ftranffurt a. 2Ji. Steuer rennen unb fd)afeen, 
marb nad; Siel, toojelbft er früher ftubtert 
unb bann ftd) babilitiert battc, al« <ßrofeffor 
ber Xbeologic berufen, ging 1685 als §of» 



brebiger nad) 9Wciningen unb 1687 al« 
^rebiger unb ^Jrofeffor ber Xbtologie nad) 
(Srfurt ; 1691 nad; £aUe al« ^rofeffor ber 
2b««>^gie berufen, öertrat er an ber ba* 
felbft neugegrttnbeten Uniöcrfttät mebrere 
3abre btnburd; allein ba« ganje ©ebiet 
ber ZtycloQit ; f)>äter im herein mit Litton, 
granrfc unb Sange roirlenb, mact)te er $alte 
mm ÜJcittel>unft be« gefamten $ieti«mu«. 
SKit ber ^Jrofeffur toercinigte er feit 1705 
bie Stellung eine« ©eneraljuperintenbenten 
be« §er$ogtum« iKagbeburg ; er ftarb 1732 
im Äloftcr ©ergen. Unter feinen jablreidjen 
©djriften ftnb befonber« m nennen bic „In- 
8titutiones theologicae 44 . ©rgl. 9iitfd;l, 
„©cfdj. be« ^ieH«mu«" (2 ®b. 1884). %. 

83teitj, 3 0 b a n n , fd)ma&. Reformator, 
geb. 24. 3uni 1499 ju ©eil in ©tt)n>aben, 
ftubierte feit 1512 3u ^eiberberg, roanbte 
ftd; ber Deformation ju unb marb 1522 
^ßrebiger in @d;tt>abifd;^att. ßr mar SWit» 
toerfaffer be« „Syngramma Suevicum" (f. b.) # 
moümte ber 3)i«butation ju SWarbura 1529, 
ben SBcrglrid)«fcerbanbtungeu auf bem weid)«> 
tag 31t ?lug«burg 1530, ben 9ieligion«ge- 
f^räejen m Hagenau unb SBormö 1540 
unb m 9tegen8burg 1541 unb 1546 bei 
unb leiftcte energifd)en SGßibcrftanb gegen 
ba« 3nterim Äarl« V., infolge beffen er 
nad; ©tuttgart flob- §ter marb er 1553 
^ßro^ft, befanb ftd; im Wdti in Xribcnt jur 
Üebcrgabe ber Confessio Wuertembergica 
ober Suevica fomie jur (Einleitung toon 
SJerbanblungen mit bem £ribcntinifd;eu 
Äonjil, al« SWorift öon ©a(bfett ba«felbe 
f^rengte, unb ftarb 11. ©c^t. 1570. ©ein 
^ated;i«mu« ift ber einjige, meld;cr in ber 
bcutfd;en Äird)e neben bem Keinen lutberU 
fd;cu bleibenbe ©ebeutung gemann. ©eine 
Serie erfd)ienen gefammelt in Bübingen 
1576 — 90 , 8 Öbe. »rgl. ^reffel, 
Anecdota Brentiana (1868). ©ein «eben 
betrieben Hertmann unb 3 a' g e r (1 H40, 
2 Söbe.) unb (Srftcrer atleitt (1862). z. 

83retfd)neibcr, Ät a r l © 0 1 1 1 i c b , pro* 
teft. Xbeolog/ fleb. 1776 ju ©cr«borf im 
fäd;ftfd;cn Qrjgebirgc, ftubierte feit 1794 
tn i'ci^ig Xbeologie. 92ad;bem er an bcr 
Unitocrfttät ju Wittenberg feit 1804 t(;eo- 
logifd;e unb pbileü^bifdH' Sorlefungen o,c 
balten, warb er 1807 Oberbfarrer ju ©tbuce* 
berg, 1808 ©uperintenbent in Künaberg, 
1816 ©eneralfuperintcnbcnt unb Dberfouft» 
florialratb ju ©otba, mo er 1848 ftarb. SB. 
fultiöierte cbenfo erfolgrcid; bie tbeoretifd;c 
unb tviffcnf(t)aftlid;e mie bie prattifd;e ©eite 
ber $beologte unb öertrat al« b«5d;ft tba» 
tiger ©efd;äft«mann bie mannigfaltigfteu 
3ntereffen ber Äird)e unb ©d)ule mit ©e* 
fd)i(f unb Gnergie. Unter feinen miffeu« 



Digitized by Google 



$ret>e — ©rotbrectyen. 95 



fcbaftlicben Triften ftnb t>erborjul>cb«n: 
ba* „Lexicon manualc graeco-latinum in 
libros N. Test - (3. Hufl 1840, 2 ©be.) 
nnb bie „Probabilia de evangelii et epi- 
stolarum Johannis apostoü indole et ori- 
gine" (1820). Setjterc ©<brift, meiere bie 
Scbtbeit be« 3ofcanneif<$en Gbangelium« 
borncfrmlicb au« innern ©rtinben beftritt, 
rief eine ftlut bon ©egenfcbriften bert>or. 
©ein im „§anbbu(b ber 3)ogmatif bcr 
cbangelifcben Äircbc« (4. «ufl. 1838, 2 ©be.) 
bargelegter bogmatifttyer ©tanbbunft mar 
bcr be« bfrilofop&iftb gcfcbulten SRationali«« 
mu«. 3«l>Irei(^ ftnb feine ©ebriften über 
tirc^Iic^e 3eitf ragen, roic Union unb ©mn&olc, 
melcbe er aua) in tljeolegiföen dtomanen 
(„2>er ftretyerr bon ©anbau ober bie ge« 
mifebte Utye" ; Älementine ober bie frommen 
unb 91 ber gläubigen unfercr $age") beljan- 
belte. 3 U ermähnen ift nc<$ fem „Corpus 
reformatorum" fomie feine ©ctbeiligung an 
ber „Mgemcinen Hirzen Leitung", ©eine 
©elbfibiograpfyie erfdnen 1851. i. 
33re»e, f. »utic. 

Sörebier (Breriarium Romanum s. 
liturgicum), ba« gefeblicbc 9lnba(bt«bucb 
ber römifcb-tatbolifaen (SkifUicbreit bei ben 
fcorgefebriebenen (Sebctftunbcn. ©. ü^etbienfi 
«Hb ^orofinafn. $ic bon Oregor VII. 1074 
für bie rbmif<bc Äinbe borgefebriebene 
.Hufautmenfletlung bon Gebeten unb %ox- 
miliaren tourbe fpater mannigfacb untjjear* 
beitet, bon s JKu« V. 1568 aUgemein etnge« 
fübrt unb unter Cremen« VIII. 1602 unb 
Urban VIII. 1632 meiter berbeffert. 3efct 
bat e« beinahe alle anbem ©rebierc (oer- 
f(bicbener 2Wöncb*orben, ©i«tümer ic.) »er* 
brängt. ©einen Anbau bilben eine «Samm- 
lung oon ©ebet«formeln, §bntnen, »efpon» 
forien, «ntib&onien, fcbfänitten au« ber 
©ibel, au« ben Äirdjenbatern unb ^eiligen- 
gefebiebten. 3)a« @anje jerfä'üt tu bier 
Xbeile: Hiemalis, Vernaiis, Aestivalis 
unb Auctumnalis , unb in bier $aubtab- 
tbcilunoen ; Psalterium, Proprium de tem- 
pore, Proprium de Sanctis, Commune 
Sanctorum. s J<aib ben bärftlilu-n Vererb 
nungen unb ben 2lu«fbrU<$en ber Äonjilien 
be» 15. unb 16. 3ab.rb. ifl jeber, ber bie 
böbern SBeiben empfangen bat, jeber 
•dßfrünbner jc. jum ®ebrau<b be« ©rebicr« 
»erpfliebtet unb bie Uebergelning eine« ber 
aebt ©tücfe, au« melden bie täalicbc Sin 
baebt beftetjt, eine Xobfünbe. Vtnt feine 
©erbefferung tyat ba« batttanifebe Äonjil 
angetragen, n. 

JÜr trenn et, SS il b e 1 m, reformfreunb* 
lieber fatbolifcber ^rälat be« 16. 3abrbun- 
bert«, fuebte, 1516 .©ifebof bon SWeaur 
gemorben, auf mehreren ©bnoben bie Äir= 



(benutzt in feiner 3)ib'jefe miebcr&erjufteUen 
unb bie «Sitten feine« Äleru« ju beffern. 
%U(b r.abm er Kaber ©tapulenft« (f. b), 
$arel (f. b ) unb flnbere, bie al» Goange» 
Itfcbe berfelgt mürben, 1521 bei fut auf 
unb gemattete tbnen ju prebigen. 3cbocb 
tum- er bei feinem 9Jfbftt}i«mu« fo menig 
©erflanbui« für bie i'e&re ?ut^er«, ba§ er 
biefe 1523 auf einer Stynobe bon SKeaur 
berbammen ließ, iro^bem entging er ni$t 
bem »erbaut, felbfi ein «nl^änger Sutber« 
ju fein. ». ftaxb 1534. u 

Srteget , 2: \ e o b o r , ebangelif<ber 
fcbeolog, geb. 4. 3uni 1842 ju @reif«malb, 
ftubierte Ideologie 1861—1864 »u ©reif«- 
malb, (Srlangen unb XUbingen, iMbunu-m- 
ft(b 1870 in $>alle, mürbe 1873 äußerer* 
bentlicber, 1876 orbentlieber ^Jrofeffor ber 
Xbeeleate \n Harburg unb folgte 1886 
einem Stuf nacb Seipjig^ (Sr febrieb: n De 
formulae RatisbonenBis concordiae ori- 
gine etc.* 4 (1870); „(Jontarini unb ba« 
9tegen«burger Äonforbienmert" (1870); 
„Äonfiantin b. @r. al« »eligion«boliti!er w 
(1880); „3)ie angebltcbeaJiarburgerÄiriben' 
orbnung bon 1527" (1881); «Reue 9«it; 
t&cilungen über gutber in SÖorm«" (1883); 
„Oueüen unb gorfd^unaen jur ®ef(b. ber 
äleformation : 1. ©b., Slleanber unb 1'utb.er 
1521" (1884). ». giebt feit 1877 bie „S<it- 
ftbrift für Äircbengeftbic^ te" b^erau«. n. 

I3rigirta (örigiba), irläub. 3ung* 
frau unb ©unbertb! ä'terin , bat <$ott ib!r 
^aßlicbfeit ju berlei^u, um ben bielfatben 
(Sbeanträgen \\\ entgeb.n; ba« auf biefe« 
©ebet ^in au«gefloffene ?Iuge, foll fte beim 
Empfange be« ©(bleier« miebererb^alteu 
^aben. ©ic grünbete ;u Äilbare ein itlcfter 
unb ftarb ma^rf(^cinli(b. 523. 3)er nacb 
ibr benannte, fd?merli(b bon ibr geftiftete 
92onnenorbcn berbreitete [ul> »on ätlbare 
unb Ärmagb^ au« über bielc Äliffter, in 
melden aüen ber ©tiftcrin ju G^ren ein 
emige« geuer (Sri g i 1 1 enf euer) Unter- 
balten mürbe; lefetere« mürbe 1220 al« 
^etbnifcber (SJebraucb bom «ifebof unterfagt. 
3n 3rlanb mirb fte al« Maria Hibernorum 
wrei;rt. z. 

Brigitten orben. f. »riaitto. 

Srotbrecfaen. *>a bie bünnen SBrot- 
fueben bcr 3ubcn nieb. t gefebnitten, fonbern 
gebrochen mürben, ift ©. rb. etorifcb,c ©ejcitb^ 
nung )unädbfi für ©roteffen, bann, ba ©rot 
ben ftanbigen Vlrtifd bei jeber SRabJjeit 
bilbet, für jebc gemeinftbaftlitbc 3Wabljeit. 
2)ie bebeutfame WoUe, meltbe ba« ©. in 
ber ©tiftttng be« 9lbenbmaf?t« al« ©bntbol 
be« gebrotbenen ?eibe« Gb. rifli fbielt, bebittgt 
ben ©bra^gebrauety ber i'ttfanifcben ©(brif* 
ten, monaa) ©. ba« galten gemeinfamer 



Digitized by Google 



96 



#rott>ertüanbfang — ©rütfenbrüber. 



Äbenbmahljeiten fccbeutet, t»eld)c mit ber 
freier be« $errnmabl« bcfc^toffcn mürben, 
ußit 9üt«nahme ber Lutheraner brecben 
alle Äonfcffionen bi« auf ben heutigen Xag 
ba« Äbenbmablbrot ir. 

»totörttoanblUltg, f- «beitbma&l nnb 
Zran«fubftanttation. 

»tOTOtt (for. braun)', töobert, engl. 
©chi«mati!er, ©tifter ber »romniften (f. b.), 
geb. 1549, flammt au« einer »orneh* 
tuen framilie ju Wortbamtoton , fhibierte 
in (Jambribge ^eoloate nnb gewann al« 
^ßrebiger in Worroich unter ben bor- 
tigen Sffiiebertäufern ja^frcic^e «nbänger. 
3)te 9tüdficbt«loftgieit feiner "ißolemif gegen 
bie bifchcjflicbe Äircbe unb SBerfaffung 30g 
ihm Verfolgungen unb ©efängni«ftrafen ju ; 
an ©teile ber SJerfaffung roollte er bie 
abfolute llnabbängigfeit jober (Sinjelge* 
meinbe fefeen. Slu« ber §aft befreit, ging 
er 1581 nach 9Kibbelfcurg in ©eelanb unb 
grünbete bort eine ©cmrinbe. Slnfcbeinenb 
mit ber £ira)e »erfo'hnt, erfchien er 1585 
roieber in Snglanb. 9119 er aber feine 
Singriffe gegen bie biföiJflidje Ätrche fort» 
fctjte, tt>arb er 1590 »om SBifchof »on ^eter» 
borough erfommunijiert. Wach »'dfliger 
Unterwerfung unter bie §ochfirche erhielt 
SB. eine ^farrftefle, bie er burch einen 
SBifar »ermatten ließ, mährenb er fich einem 
lodern Söanbel bingab. 3nfolgc einer 
gegen einen @ericht«bicner »erübten ©e* 
h>altU)at mieber, tum jroeiunbbreißigfien 
SRal, »erhaftet, ftarb er 1630 im ©efängni«. 
$rgl. Seingarten, 2>ie »ebolution«- 
firchen (Snglanb« (1868). z. 

»tomniften (für. braun.) ober SB a r r 0 
roijien, eine um 1581 »on Stöbert SBromn 
(f. b.) gefliftete unb nachmal« »on ^enrb 
SBarrome geleitete religiöfe ©efte in »§ollanb 
unb (Snglanb, rcilt bte religibfe Ueberjeu» 
gung unb 9tn«übung »011 aüem äußerlichen 
^roang frei roiffen, »ermirft baber jebe 
firebliche Drganifarion. (Sbenforocnig erfennt 
fte einen ^riefter- ober *Paftorenftanb an. 
Äußer ben ©aframenten »ermerfen bie $3. 
jebe ßehenbc 9ieligion«Ubung unb jebe« 
©ebet«formular. Die SB. manbten fich, in 
(Snglanb »erfolgt, nach $ottanb, mo 3. 
Sfobinfon (geß. 1625) fie refonnierte, unb 
erlangten baiiaä) als Snbebenbenteu (f. b.) in 
Snglanb Dulbung u. bebeutenbeu (Sinfluß. 1.. 

lörudj, 3 0 h a n n fr r i e br i a), proteft. 
Jbeolog, geb. 23. £ej. 1792 in^irmafen«, 
ßubierte »on 1809 bi« 1812 Stbedofl«* an 
ber Acad^mie protestante ju ©traßbnrg 
unb mürbe §au«(ehrer in Ätfln unb in 
^ari«. ©eit 1821 ^rofeffor am »roteftan* 
tifdjen ©eminar {n ©trafiburg , febrieb er 
b.ier fein „Ycbvhnti ber chriftltchen ©itten* 



lehre" (1829-32 , 2 SBbe.). ©eit 1831 
^rebiger an ber Wifolan«firche , marb er 
1849 geijilicher Snfbeftor, 1852 ÜHitglieb 
be« Dberronftfrorium« unb 1866 be« Diref- 
torium«. SBon feinen übrigen ©ebriften 
finb hft»orjuheben : „Etudes philosophi- 
ques sur le chri8tianisme M (1839, beutfeh 
1850); „2Bci«beit«lehre ber Hebräer" 
(1851); „?ehre »on ber <ßräerißen$ ber 
menfehlichen Seele" (1859) unb „Die Zbto* 
rie be« «eroußtfein«" (1864). «uch bethei- 
ligte er ftcb an ber $erau«gabe ber ,,^|3ro« 
teftantenbibel" (1872). «I« !öertrauen«mann 
ber beutfeben 9ieicb«regientng hiflt er 1. 3)fai 
1872 bie Sinn>eihung«rebe bei 5?egrilnbung 
ber beutfehen Uni»erfität ©traßburg unb 
roarb beren erfler Äeftor. SB. ftarb 21. 3uli 
1874. »rgl. © er olb, Jean-Fr. B.(1874). %. 

fBtütf, Heinrich, fatholifcher 
log, geb. 25. Oft. 1831 in SBingen a. »hv 
ftubierte am bifchPflichen ©eminar in 9J?ainj 
^hilofobh»* un ^ S^eologie, embfing 185n 
bie ^riefternjeihe, »erwaltete turje 3 C ^ 
ba« Slmt eine« Äablan«, befugte ju feiner 
meiteren 9lu«bilbung München unb 9(om 
unb rourbe 1857 $rofeffor ber Äircben> 
gefebichte am bif<höflichcn ©eminar in 
9Watnj. SB. »erfaßte: „2)ie rationalißifchen 
SBeftrebungen im fatholifdben 3)eutfcblanb" 
(1865); „35ie oberrbeinifche Äirchen»ro»inj 
»on ihrer ©runblegung bi« jur ®egen» 
mart" (1868); „«baut ftranj Sennig, 
©eneral»ifar unb SDombefan in SJJainj" 
(1870); „Cehrbuch ber Ä. (4. Vlufl. 
1888); „Da« irifche SBeto" (1879); „2)ie 
geheimen ©cfellfchaften in ©banten unb 
ihre ©tellung m Äirche nnb ©taat" (1881); 
„©efch. ber fathol. Äircbc im 19. 3ahrh- w 
(1. SBb. 1887). 7.. 

äJrüd'rnbnibcr (franj. Freres pon- 
tifes, tat. Fratres pontifices), eine »on 
ben »ielen religiösen SBrüberfchaften (f. b.) 
be« Mittelalter«, «ur in ^rantreich unter 
biefem Warnen beftehenb, ließen ße ßch al« 
ein religibfe« SSert bie Anlegung unb @r» 
haltung »on SBrücfen, 5 ä b rfn - ©traßen 
unb ^ofpijen mm ©chutj unb mr Pflege 
ber ^eifeuben unb SEBanfahrer angelegen 
fein. Die (Sntftebung ber 1189 »om %*ä>ft 
Clemens III. beßatigten SB. fchreibt bie 
©age bem ^etl. SBenejet ju, welcher 1178 
ju Slöignon »erfünbete, baß er »om Gimmel 
gefanbt fei, eine SBrücfe über bie Ähone 
\a bauen, ©bäter, al« fte m großen 
tfteid)tUmem gelangten, arteten bie SB. au« 
unb mürben »on^iu« II. aufgehoben. SBrgl. 
© r £ g 0 i r e , Rccherches historiques sur 
Ics congrdgationR hospitalieres dos Freres 
pontifes(1818); «Ibane«, Ia vie de S. 
B^nerot (1876). *. 



Digitized by Google 



SBrücfncv — #rütergemeinbe. 



97 



fruchtet, ©enno brutto, evange* 
lifdjer Xbeelog unb Äanzelrebner , geb. 9. 
ilNai 1824 zu föojjwein, fiubterte in Veitzig 
unb erhielt bier bie Stelle eine« Wachmit» 
tag«»rebtger an Nr Uuiverfttät*firdje, warb 
1850 Pfarrer in §obburg, 1853 außeror« 
bentlicber "^rcfeffcr unb Univerfttät*prcbiger 
ui i'eipjig, 1855 crbcntlicber 'jjrofeffer ber 
Ideologie, 1856 Univerfttät«brebiger unb 
Direftor be« Seminar« für ^raftifcfye Ibeo* 
logie, 1860 Domherr be« ftocbftift« ÜJieißen 
unb Äonfifiorialratb , 1869 ^retft, auch 
iRitglieb be« Cbcrfirdjeuratb« unb erbent» 
lieber §onorarbrcfeffor in Berlin, bafelbfl 
1872 ©e neralfupcrintenbcnt, 1873 Dombert 
be« Socbjtift« ©ranbenburg, 1877 geiftlicber 
i<izebräftbent be« Dberfird>enratbS, 1880 
wirtlicher Cberfonftfwrialratb unb 1884 
2Nitglieb be« breufjifcben Staat«ratb«. flufier 
Sammlungen von %*rebigten veröffentlichte 
er neue Bearbeitungen ber Kommentare 
De 2£ette« über ba« (Evangelium Sobanne« 
(5. Hufl. 1863) unb über bie fatbc-lifcben 
«riefe (3. ?(ufl. 1867). z. 

33rüberacmetnbe («rüberunität, 
.§errnt)uter), bie von ben üKacbfommen 
ber «öbmifeben unb Bcäbrifcben «rüber 
gefiiftete SReligicn«gefettfcbaft, beren^auptfitj 
unb üNitteltuuit £errulmt ifl. Steter Dutcf 
veranlagte ben fteft ber ^iäbrifcben ©rüber 
(f. b.) zu Anfang be« 18. 3abrb., ibr «ater» 
lanb )u verlaffen. Sie fanben Slufnabme 
bei bem ©rafen Subwig Wifolau« von 
3in$enborf (f. t>.) unb ließen fttb mit 
beffen ßrlaubni« 17. 3uni 1722 auf feinem 
Rittergut 3?ertbeI«borf in ber Mätic be« 
£utberg« nieber, Wo nunmehr ber Ort 
Vermont entfianb. Da« $öact)fen ber 
Äolonie bewog ben ©rafen, fein Ämt an 
ber SKcgierung in Bresben aufzugeben unb 
fieb zugleich mit ^riebrid) v e n 20 a 1 1 e v i 1 1 e 
au« «ern unb bem von ü)m berufenen 
Pfarrer 9? o t b e in «ertbeldtcrf ber Lei- 
tung ber jungen ©emeinbe anzunehmen, 
in weld>cr 3wiftigfeiteu maneberlei 2lrt, 
i'ehrftreitigfeiten unb religitffe Schwärmerei 
eingenffeu waren. 2lm 12. 9Mai 1727 
verbanb ftcb bie ©emeinbe, etwa 300 Seelen 
ftarf, zu einer felbftänbigen, freien cb.riftlicb.en 
Sozietät auf ©runblage ber ton 3«"jen* 
borf entworfenen „Statuten", unb hielt ibre 
erftc abgefonbertc 2lbenbmabl«feier in ber 
äird>e 3U «crtbcUborf 13. Äug. 1727 
(Sriftung«tag). Die i'cbrmeinungen follten 
feine Sdüeibung bitten unb bie lutbcrifcbe, 
reformierte unb bie mäbrifebe Ordnung friet* 
lieb uebeneinanber ftebeu al« brei „Droben", 
wie ftd» 3injfnborf feit 1745 auebrüeftc. $*cv* 
Zug«weife War man bebaebt auf Heiligung 
be« ?eben*. 3m Ucbrigeu wollte bie neue ©e« 

Selbmann u. 3i)ptfcl, Vcfifon. 



meinte im «erbanb ber fäcbftfcbtn lutberi- 
feben ?anbe«fird>e verbleiben, unb e« wußte 
Weber eine von Dre«ben gefanbte Äom> 
miffion nod? ein ©utaebten ber lübiuger 
Aalultat etwa« (Srbeblicbc« an ibr au«zu* 
fefceu. 3««J<nborf grünbete Z"»*d)ft in 
•V>effen bie 'Vilgergemeinbeu ^»errenbaag 
unb SDiarienborn. Xann wirfte er in 
Vit-lanb unb Greußen für bie ^weefe ber 
©. unb grünbete in ber Oberlaufs s Jcie«fp, 
in Sctyleften bie ©emeinbeu ©nabenberg 
unb ©nabenfrei. Xie biefen ©emeinben 
ertbeilte ©eneraironjeffton (1742), bie Mü» 
erfennung ber ©emembe in Sacbfen (1748) 
unb in Snglanb (1749) erhoben fie um fo 
meb.r ju einer felbftänbigen Äirdjengetnein« 
febaft, al« ibr ÜJorfieber ^injenborf febon 
1737 in «erlin bie SSeibe al« «ifebof ber 
mäb.rifcben >uuv< burd; 3ablon«ti erhalten 
batte. Xit Crganifation ber neuen ©e^ 
meinfd^aft ber ©rüberunität würbe 
auf mehreren Sbnoben (bie erfte aUgemeine 
1756 ju $>errnttut) fortgefetjt unb amb 
innerliche Ärifen überwunben, bie z""t 
£b.ei( bureb eine )u febwärmerifeb^e Dichtung, 
nun Xbcil aud) burd; öfonomifebe Unter» 
nebmungen ber ©emeinfebaft veranlaßt 
waren. 3bre innerliche 9lu«bilbung unb 
©efäbigung terbanft bie IB. nädbft 3»"Jfn a 
borf bem raftlofen, umftd?tigen SJirfen toon 
3obann ton SBatteeille unb bef onber« 
Spangenberg« (gefl. 1792) langjäh- 
riger, au«gezeicb.neter Xbätigfeit, bureb. welche 
ftcb bie feitbem nm)t nur immer weiter 
verbreitet, fonbern auch, von vielen 2liti<= 
wücbfen gereinigt b^at. 

2)ie »erfaffung ber $9. ifl eine 
burebau« ftincbale unb pre«b)9teriale. 
Söifcböfe baten mit bem Äircbenregiment 
nicht« z« tb^un unb ftnb nur für ben 
ftird?enbienfi berufen. Die Leitung be« 
©amen bat ba« au« jwölf SDcitglteberu 
beftebenbe „Umtät«bireftorium" ober bie 
„$lelteficnfonferenz ber Unität", beren SiU 
feit 1789 in $ertbel«borf ift. Ueber ibr 
fteb^t bie au« ben flbgeorbneten ber brei 
Provinzen Ämerita, (Snglanb, (Surova» 
geftlanb jufammengefeljte Sönobc, bie 
aüe 7—12 3afcre zufammentritt. Die 29. 
biefer ©eneralfpnoben tagte vom 26. iDfai 
bi« 3. 3uli 1879 unb war von 54 Übet!* 
nebmern befugt, barunter 20 (Snglänter 
unt Hmerifaner. Sie erhob tie weft- 
intifebe iyüffiou«trovinz ju einer neuen 
(vierten) Provinz ber Unität. S JU« ba« 
eigentliche $»autt ber 33. gilt ber „liebe 
töeilanb", beffen Sillen man baber bei 
wichtigen (Sntfcbeibungen felbft burd) ba« 
So« z« erforfeben fuebt, uub mit bem febon 
1741 ein „Svezialbunb" gefc^loffen warb, 

7 



Digitized by Google 



98 33rübergemeinbe — JÖruberfdjaft beä gemeinfamen Gebens k. 



ber (SbnftuS t>er^?flic^tetc , ganj bcfonberS 
über bie ©emeinbe unb jcben $crrnbuter 
ju »acbcn. (SigcntUmlicb ift ber ©. bie 
(Sintbeilung bcr ©emeinbcn in „Cbbre", 
b. b- nad) Älter, ©efcblecbt unb ?eben8- 
oerbältni« ju aSfetifcben 3wcden bereinigte 
©rubben, baber man in jeber ©emeinbe 
einen (£bor ber Äinber, Änabcn, 3Räb$en, 
lebigen ©rüber, lebigen ©cbweftern, 2Bit»er 
unb 28it»en ftnbet. £ie tebigen trüber 
»ebnen in bem ©rüberbaus, »0 ftc mit 
Äunft» unb §anb»erfSarbcitcn befebäftigt 
unb )u gemeinfebaftlicben Anbacbtsiibungen 
anhalten »erben. Sbcnfo »ebnen bie 
lebtgen ©cb»eftern jufammen in bem 
©d)»eflernbaus, mit AuSnabme berjenigen, 
»elcbe ftamiltenglieber ftnb ober in ©c* 
meinbefamilien bienen. 

2>a nur SBcrtb auf bie berfimlicbe Sr« 
»edung unb #eiISge»ifjbfit gelegt »irb, 
fo ifü bie ©. gegen baS 2>ogma jiemlidj 
inbifferent 9hir ©Langenberg bat in bcr 
Jdea fidei fratrum* (1779) eine $ar« 
Teilung ber Sebre in ibrer Uebercinftimmung 
mit ber eoangelifeben Äirdje gegeben. 25er 
Äultus bat ben allgemein eoangelifeben 
(Sbaratter, aber mit täglichen Abenbocr* 
fammlungcn. Sieben bem Abcnbmabl feiert 
man ni»eilcn baS i'iebeSmabl mit £bce 
unb ©acfwerf. Öinc befonberc fteftfeier 
finbet am Ofiermcrgen auf bem ©otteS- 
ader fiatt. 3n 9lieSfb bat bie Unität ein 
eigenes s JJäbagogium. Ter ßinituf? ber ©. 
auf baS oisi-ittitdii' Sieben in £eutfcblanb, 
feine ©elebung unb feine ©cftaltung, ift 
niebt gering anutfcblagen ; bie „Xägltcben 
Sofungen unb Sebrterte" finb »eiroerbreitet, 
ebenfo ibre 8icber. 2)urd) ©cbleiermacber, 
ber bei ben §errnbutern empfangene Sin» 
brilcfe be»abrt bat, ift ein berecbtigteS 
Clement bleibenb in bie beutfrbe J Geologie 
aufgenommen »orben. ©rofeartig ift bie 
28 i r ! f a m t e i t ber ©. f ür bie Ausbreitung 
bes (Sbrtftentums unter ben Reiben; in 
biefem ©lanibuntt ber ©efellfcbaf t berubt ibre 
»eltbiftorifd?c ©ebeutung. 3b" SttiffionS« 
tbatigfeit begann faft unmittelbar narb 
Stiftung ber ©emeinbe unb richtete fiep 
juerft narb ©t. IbomaS, bann narb Vapp» 
lanb, ©rimlanb, ©uinca, Äablanb, Amcrifa 
unb Dftinbien, immer an bie »erfunfenften 
unb berlorenfteu ©tämme. ©on ben junt 
Sienft unter ben Reiben ftrf> äRelbenben 
»erlangt man weniger ©elebrfamfeit als 
bie ©abe, bie 2Babrl?eiten unb «Segnungen 
beS (Soangelium« flar nnb liebreirb bureb 
Söort unb £bat barjuftellen. 3)er Äern 
ber §cils©erfünbigung unter ben Reiben 
ift „bie ©otfebaft ton bem blutigen ©er» 
föbuungstob 3efu". 3)aS ganje SJciffionS» 



»efen ftebt unter ber fbejicüen Aufftcbt 
beS SHiffionSbebartements ber Unitäts* 
bireftion. 3)ie ©efamtjabl ber äKitglieber 
ber ©. betrug 1886 in allen brei Unität*. 
brooinjen, namlicb ber beutfdjcn, englifeben 
unb ameritaniftben jufammen 31,932. 
©rgt. (S r a n } , Alte unb neue ^rüberbiftcrie 
( 1773, f ortgefetjt oon $ e g n e r , 1791—1816, 
3 ©be.); ©Langenberg, £iftorifcbc Warb» 
riebten oon ber gegenwärtigen ©erfaffung 
ber etoangelifcben ©rüberunität (6. Aufl. 
1847); ©graute nbaeb, 3 m J cnfcor f untl 
bie ©. feiner 3eit (2. Aufl. 1872) ; <S r ö g e r , 
©efrbiebte bcr alten «rübertirebe 1457— 
1722 (1865—66, 2 ZfciU); Xerfelbe, 
©efebiebte ber erneuten ©rüberfirebe (1852 
—1854 , 3 ©be.); *?litt, 3injensborf« 
Xbeologie (1869—74, 3 ©be?); »itfebl, 
©efebtebte beS Pietismus (3. «b.). z. 

JOTUoet x \ciu »aren naep uuatto. 10, 
55 ; 3)carf. 6, 3 tier oorbanben unb jwar 
offenbar leiblicbe ®efcb»ifter, fo gut »ic 
bte bort cr»äbnten ©cb»eftern. «r »ar 
baS ültefte Äinb in einer jablreicben A-amilie. 
Säbrcnb feines Gebens ungläubig (3ob. 7, 
3—7), fcbloffen bie ». 3. fpäter f«b an 
bie meffianifebe ©emeinbe an (A^oftel* 

Sefcb. 1, 14), »urben 3)?ifftonare (1. Äor. 
, 5), unb einer oon ibnen, ber „©ruber 
beS Jperrn" ober, »ic bie grieebifebe 
tirebe fagt, „©otteSbruber" fcblecbtbin, 
3afobuS, trat fogar ganj in bie ©tcllung 
unb Autorität ber ALoftel ein (@al. 1,19; 
2, 9. 12). h. 

©tübetfefcaft be* eemrtnfotnen 8f« 
bene ober oom guten tSillen (Fratres 
vitac communis ober bonae voluntatis, 
Äollatienbrüber,graterberren), eine 
freie ebrifiliebe ©enoffenfebaft , geftiftet oon 
©erbarb ©root (f. b.) m üDeoenter, »Hebe 
in bem 3ufammenleben , in ber ©emein* 
febaft beS (SrmerbS, ber Arbeit unb ber 
Srbauung eine »abre ©rubergemeinfebaft 
bar^uftellen fuebte. 2ie ©. , »eiter aus« 
gebtlbct bureb Florentius 9?abe»in (f. M 
unb ©erbarb 3erbolt (1367—98), breitete 
fub in ben 9iieberlanben unb in 9?orb« 
beutftblanb aus ; unter ben ©rüberbäufern 
finb berübmt Söinbcsbeim bei 3)ebenter 
unb Agnetenbcrg bei r^cUc Xit Xbä« 
tigfeit ber ©. richtete ftrb auf baS ©ammcln 
unb Abfcbreiben ber ©ibel unb anberer 
©ücber, ben Unterriebt bcr 3ugenb rc. 
Aus bcrfelben ging eine 91 eibe ber be* 
beutenbften 9)?änncr, »ic Ü^bomaS a ÄcrnbiS 
(f. b.) unb SBeffel (f. b.), beftor; anbere, 
»ie (SraSmuS (f. b.), oerbanfen ibr ibre 
©ilbung. 2)ie ©enoffenfebaft , »on ben 
3)omintfanern heftig angefeinbet, jeboeb 
oom Äonftanjer Äonjil (1418) gegen ben 



Digitized by Google 



$rüberf*aften, reügiöfe — $nme. 



99 



Xominifaner SDfattb. (Grabow in @c$ut) 
genommen , ertofeb aflmäblicb, al« bureb 
ben £umani«mu« unb bie 9?eiormatton, 
ber fie mäcbtig torgearbeitet bat, ibr 
©treben in »eitern «reifen aufgenommen 
warb. ©rgl. U Ilmann, Reformatoren 
tor ber Deformation (2. ©b., 2. «uft. 
1866): «cquob, Het klooster de Win- 
desheim (1875); ©onet-2Raurö, 
Genurd de Groote (1878); ?eitjmann, 
Ueberblicf über bie ®efcb. nnb Tarftettung 
ber päbagogifcben fBirffamfeit ber Brüter 
be« gemetnfamen ieben« (1886). z. 

^rübcrfdioftfn , religiöfe, fromme 
Bereinigungen ?u wobltbStignt ober reli- 
giösen ^werfen, bei welchen ba« religitffe 
(*elübbe ftcb nur auf bie Xb?ilnabme unb 
Hilfe bei einem guten SBerf (f. »rfidcnbriibcn 
ober auf befrimmte Hnbacbt«übungen be« 
ftbrantte. Xiefe ©rüberfebaften (Confrater- 
nitates) umfaffen in ber Äegel ?aien »er« 
iduebenen (Staubet unb ftnb reichlich mit 
«blaffen anftgeftattet. $ergleid>en ©rüber« 
fdjaften ftnb bie bem Sefuitenorben nahe« 
ftebenbe s Ucarianifä)e ©obalität, bie ©rüber« 
febaft tom aflerbeiligften $er,en 3efu, 
bann bie ©fabulier- unb bie 9tofenfranv 
brüberfebaft , bie ©rüberfebaft ton ber 
dn"iftlicb<n tfebre (Freres ignorantins, f. 
Sgnoranteubrüber) mit bem ausgekrochenen 
braftrfeben 3tt>*<* be* ©elf*unterricbt«, bie 
©rüberfebaft tom aflerbeiligften unb un 
beflecften Herfen 2J?ariä jur ©efebrung 
ber ©flnber, bie %xan\ * lateriu« • ober 
2Jciffton«brüberfcbaft ic. ©rgl. ©outier, 
lieber Hblafi unb ©rüberfebaften (beutfeb 
1859). 9lu<b in bie etangelifebe «irebe finb 
bureb bie innere SWiffton ©rüberfebaften 
eingeführt worben. 2>ie in beftimmten 
9lnftalten, uamentlidi in bem Rauben Hau« 
(f. b.) au«gebiltetcu raibbctcn nnb Arbeiter 
berfelben bilben eine bletbenb« ©rüber« 
febaft. lieber bie Äebnlicbteit berfelben mit 
ben fatbolifcben Crben tgl. t. Holsen* 
borff^ie^rüberfibaftbe« Äauben Haufe«, 
ein breteft. Crben im ©taatebienft 
(4. 9lufl. 1861); 2>erielbe, $er ©rüber * 
crtcn reo Stauben v.nrie« unb fein SBirfen 
in ben @trafanftalten (2. Hufl. 1862); 
bagegen Olbenberg, 2)ie ©rüber be« 
«auben Kaufes (2. tfcfL 1861). «. 9t* 
brttberfdiaft. z. 

©tüberfdjaft Guter f&etfe, bie ©er- 
binbung jwifepen einem äRBncbÄterein unb 
einzelnen ?aien, wetcfje al« SWitbrüber 

Sgen eine ©cbeufung ton ©elb ober ®ut 
ntbeil an ben ©erbieuften be« Drben« 
erhalten foßten. S)ie Äiliation«briefe waren 
«tue bebentenbe Duette be« fteiebtum« ber 
«löfter, womit bie ©ettelmöncb« förmlichen 



Hanbel trieben; ber i>rei* fteigerte ftcb 
mit bem Hnfeben be* Slofter*. z. 

löriberfefcaft oom guten SBiDen, 

\, Crttbfrfcfcaft btt qrmrinfomfn ?fbfn#. z. 

23tübft unb Ädjwcflern be& freien 

Weifte* fSwestrones), eme religiöse <3efte, 
meiebe im 13. unb 14. 3abrb. in Xeutfcb« 
lanb, befonber« in ben iRbeingegenben 
(Min nnb ©traßburg), aber and) in ^rant* 
reitb unb Italien auftrat, wabrfdjeinlid) 
beroorgegaugen au« ber 2d>ule Umalrid)« 
ton ©ena (f b.); bäufig »erbanben fte fttb 
mit ben ©eguinen unb ©egbarben u. b.). 
!)fa<b ibren b<J«tbeiftifd)en ©runbfä^en oer^ 
warfen fte nid»t bloß bie Hierarchie, bie 
©aframente unb ba« äußere ftirebenwefen 
überhaupt, fonbern aud> jebe« C*efetj unb 
verfielen infolge beffen tielfad) in unfut- 
lidje« Sefen. ©on ben ^a'bften unb ber 
3nquiütion mit Strenge »erfolgt, ter« 
febmanben fte im ?auf be* 15. 3abrb. ©rgl. 
3unbt, Hist. da Panth^isme popnlaire 
au moyen ä?e (1«75); $>aubt in ber 
w 3eitf(br. für«.®- (1885); ©atten- 
bacb in ben w Si^ung*berid)ten ber 9ltab. 
b. SSiffenfdj. ju ©erltn- (1887). z. 
^nibf ruttttat, f. DrüDfraetncmbt. 

»rüber üou ber ©efettfAaft btb 
•Öctligen C5eifre&, f. «atanWbrüKt. 
»rui«, f. »mp#. 

»rMOgeler 3cf(e. eine abofalöbtrttbe 
2^ebarariflenrotte }u ©rüggeln im Xanton 
©ern, bie ton ben beiben ©rübem 
SbrifHan unb $ieronbmu« «obler geführt 
mürbe; biefelben behaupteten, bie beiben 
3«ugen ber %bofalbbfe Hab. 11) )u fein 
unb «ufftblüffe über ba« Renfert« geben 
ju ttfnnen. I \c Un^ücbtigfeiten ber tiefte 
lenften bie ©liefe ber ©erncr Obrigfeit auf 
fle ; .^ieronbmu« Äobler mürbe 1753 al« 
„©erfübrer, ©etrüger unb abfd?eulitber 
®otte«läftcrer- erbroffelt unb fein «eidjnam 
terbrannt; feine «nbSnger erwarteten feine 
ftuferftebung am britten Xage. z. 

^runc, ber^eilige, «boftel ber 
Greußen au« bem ®efd>l«bt ber $erren 
ton Duerfurt, geboren um 970, würbe 
Äanonitu« \u 3)tagbeburg unb trat banu 
in ben ©enebittmerorben. @d;wärmerif(b 
angeregt tom betl. Womualb, bem ©tifter 
ber Äamalbulenfcr, wibmete er fcd> ber 
Ufiifion unter ben bfibniftben @laten, 
würbe ton ©bltefter II. jum (Srjbifebof 
ber ut befebrenben Reiben ernannt, war 
feit 1004 in Pölert, Ungarn unb dcuftlanb 
al« 9Äifftonar tbätig unb würbe 14. ftebr. 
1009 mit 18 ©egleitern ton ben Greußen 
erftblagen. C>erwg ©ole«law I. erfaufte 
lange nachher ibre noch unbeerbigten Leich- 
name. 3ein lag: i5. Ottober. ©rgl. 

7* 



Digitized by Google 



100 



ÖTUttö ben — $3ucev. 



$eine, $er b. ©runo von Cucrfurt 
(1877). z. 

Sötuno »»Ott Äöln, b e r 9 c i 1 i g e , ber 
«Stifter be« Äartäuferorben«, geboren um 
1040 ju &*öln au« eblem ©efcblecbt, fht* 
bierte in SRetraff , nwrbe Äfanouifu« an 
8t. Äunibert ui Äöln, bann 9teftor ber 
Eomfcbulc in Dcim«. ©eit 1086 lebte er 
mit feefe« ©enoffen in ber milben ©ebirg«» 
fluft Sbartreufe bei ©renoble in fleinen, 
um ein ©etbau« gebauten Kütten in ftreiig 
a«fetifd)er CÄcmciiifebaft, au« tveldjer nacb/ 
mal« ber Sartäuferorben hervorging. 2)a« 
ibm angetragene (Srjbietum ton SReggio 
feblug er au« unb baute 1094 eine neue 
Äartaufe bei 35eUa Üorre in Äafabrien, too 
er 1101 ftarb. ©. nntrbe 1628 fanoniftert. 
©ein Sag: 6. Df tober. ©rgl. SaVVert, 
2)er b. ©. (1872); Capello, Vita di 
San Brunone (1886). z. 

a3tmj$ (fpt.brüi; ©rui«, ©rufitt«, 
örujiu«), Pierre be, ber ©tifter ber 
ö t ttf I a ä e t, audj ^etrobrufianer 
genannt, einer religib'fen ©efte. ($r lehrte, 
baß bie Xaufe ber ittnber vergeblid), ba« 
Slbeubmabl tttc^t ju tvieberbolen, ba« Äreuj 
iitd)t ju verehren fei, baß man feine Äircbc 
jur ©erebrung @otte« brauche, fonbem 
tbn überall anrufen ftfnne. 2>iefe £cbre 
verbreitete er mit au«bauernbcm %cutv* 
eifer 20 Safere lang in Sangucboc, ber 
rovence unb 2>aubbin£ unb fanb viele 
nbanger ; Äird?en nwrben jerfttfrt, Elitäre 
umgeftürjt, bi« iß. um 1126 verbrannt 
mürbe, z. 

»tflennioS, Wlotbeo«, griednföer 
(belehrter unb (Srjbifcbof ton 9iifomebien, 
geb. 26. Mär$ 1833 ju Äonftantinevel, 
ftubierte 1856—60 in Seidig, ©erlin unb 
München, mürbe, nadjbem er an feiner 
beimifeben Univerfitat fird)enbiftorifcbe ©or« 
lefungen gehalten, 1875 Metropolit von 
©ere« in Mafcbonien unb 1877 Metropolit 
von Wifomebten. ©einen 5Wuf in ber 
@elcbrtemvelt Verfd?affte ibm in erfter 
i'inie bie 9luffinbung (1873) eine« 1056 
gefduiebenen Äober tn ber ©ibliotbef be« 
jerufalemifcben ftlofter« ju Äonftantinotcl, 
ber unter Ruberem enthielt: bie beiben 
(5lemen«briefc, 12 Sguatianifcbe ©riefe, 
ben ©arnaba«bricf unb bie bi«ber für 
verloren gehaltene „? ebre ber jmtflf flvoftcl" 
(f.b): Vettere veröffentliche ©. 1883. z. 

Söuccr (©ufccr), Martin, einer 
ber oberbeutfeben üireb^enreformatoren, geb. 
1491 }U ©tblettftabt im ßlfaß, trat feben 
in feinem 15. Oabr in ben 2)ominifaner« j 
orben, ftubierte auf ber Univerfitat .fteibel« j 
berg 0>niccbiiri) unb .ftebräifcb, Sbeologic, 
^bilofevbie unb Wbetorif unb nntrbe bitreb 



I ?utber« Verfönliche ©efauntfefeaft 1518 unb 
Sra«mu«' ©Triften für bie Deformation 
getvontten. Gr verließ ben Orben 1521, 
I nntrbe .pofvrebiger be« iturfürften griebrid? 
. von ber i^falj, 1522 Pfarrer bei ©icftngeu 
in Sanbftubl, bann in SBcißenburg, von 
bort burd? ben Söifc^cf von ©beier ver- 
trieben, 1523 in ©traßburg. Weben ber 
Ginfiibntng ber Deformation tvibmete er 
ben ©erfuct)en jur ^erfteüung einer Union 
jnüfeben i'utberanern unb Deformierten 
eine unermüblidje Übätigfeit. Anfang« 
bei ben 2)i«fcutationen \u ©ern 1528 unb 
Marburg 1529 mehr B»vi"8J» jugetvanbt, 
|o baß er 1530 bie Confessio tetrapolitana 
im ©egenfal? ju ber Augustana verfaßte, 
jeigte er ftd) in ben folgenben ©erbanb» 
lungen \\i ©cbn>einfurt 1532, Äaffel 1535 
unb in ber ©ittenberger Äonforbie 1536 
ber lutberifeben »uftd;t giinftiger. 3»rar 
miefen bie ©cbnjeijer bie Bereinigung 
jurücf, inbe« brarb ftcb ©ucer« ©ebattte, 
baß ber ©treit ber Äonfefftonen feinen 
funbamentalen ?ebrunterfd;ieb betreffe, mebr 
unb mebr ©abn. %ueb eine (Sinigung 
mit ben Äatbolifen erftrebte er in ©e» 
meinfebaft mit bem ^anbgrafen ^pbilipv 
von Reffen, mit bem er bie intimften ©e- 
Siebungcn unb einen eifrigen ©riefwecbfel 
unterbielt, bei bem 9?eligton«gefvräcb. ^u 
Hagenau 1540, auf bem 9*eicb«tag m 
8tegen«burg 1541 unb bei bem bortigen 
9leligion«gefträ'cb 1546, foroie in vielen 
vfeubonbmen ©ebriften. l'eiber ließ ficb, 
©. audj bfvbei, bie 3)obvelcbe be« Sanb« 
grafen suerft ju entfcbulbigen , bann in 
einer ©rbrift ju red;tfertigen. Sil« er 1542 
im ©rjftift Äoln gemeinfam mit Melancb* 
tbon ber Deformation ©abn ju brechen 
fud>te, leiftete ib,m ber bortige jtleru« er« 
folgreieben ©iberftanb. 25a er fid) bebarr« 
lieb weigerte, ba« Interim ju unterjeiebnen, 
mußte er ©traßburg verlaffen unb ging 
im ÄVril 1549, vom (Srjbifcbof Sranmer (f. b.) 
berufen, nacb önglanb. ©eine umfaffente, 
aber mit großer ©efd>eibenbeit verbunbene 
©elebrfamteit fanb bier aUgemeine Slner* 
fennung; bod) ftarb er febon 28. gebr. 
1551 ju Gambribge. ©eine ©ebeine, in 
ber .^aubtfirdje ",u Cambribge beigefe^t, 
mürben unter ber Äbnigin Maria, al« 
bie eine« A>aubtfet5er« , au« bem ©arge 
geriffelt unb verbrannt; ölifabetb ließ ba« 
©rabmal mieberberfteüen. 9ln einer @e« 
famtau«gabe feiner jablreicbcn ©Triften 
feblt e« noeb. ©rgl. ©aum, (Sapito unb 
©. (1860); 2 c u j , ©ricfmecbfel Vanbgraf 
"^bilivb« be« (Großmütigen von Reffen mit 
üp. (1H80— 87, 2 ©be.). llfteri in ben 
„©tubien u. Ärit." (1884). z. 



Digitized by Google 



101 



Söudjanan (frr. bötranän), <s i a u b i u « , 
93efb'rberer ber ÜJtMffton in 3nbien, war 
1766 in ber SlSbe con @la«gow geboren 
unb ging 17% al« Äaplan ber Cftinbifcben 
Kompagnie nad> Malfutta. vnn grünbete 
er ein stottegium )ur Äenntni« ber orienta- 
lifdjen Jitcratur, ©erfaßte eine „£enffd)rift 
über bic ftlitylicbfeit einer fircblicben iter* 
faffung für *ritif^«3nbien" nnb überfefete 
ba* SMeue leftament in* ^erfifdie unb 
#inbeftanif<be. 1808 febrte er nacb (Sng- 
lanb jurücf. »Seine raftlofen Söemübungen 
erwirften bie $arlament«afte ©on 1813, 
welche ben ©runb ' ? u einer f ircblichen Wtx- 
faffung unb Orbnung in 3nbien legte. 
«. ftarb 9. ftebr. 1815. z. 

5öucbreltgion nennt man bie Religion 
ber Cljinefen wegen ber fünf Äing« "be« 
Äenfuciu« unb be« lao-te-ring be« ?aotfe, 
bie ber 3nber wegen ber brabmanifcben 
Sieben unb be« bubbhifttfcben Iripitala, 
bie ber Werfer wegen be« Sfoefta, bie ber 
3uben unb (S^riflen wegen ber $ibel unb 
bie ber ÜDiohammebaner wegen be« Äoran«. 
9hrt biefen Religionen ift Sauer verbürgt, 
Weil ibre „heiligen ©Triften" ben fteten 
3$erjüngung«queli für fte bilbeu. darauf 
beruht bei atter bamit t>erbunbenen Un» 
freibeit bie 3ug- unb ?ebcn«fraft, bie \. «. 
felbft ber 3«lam aüem ©erebe »on feiner 
<Selbftauflöfung $um Xrofc offenbart. Ueber 
bie (Sntwicfelung, welche ba« ^rin^ip ber 
33. im Chriftentum genommen, f. *u»f(, 
««ttutif, On(t»iration. &rgl. ? e b I o i « , Lea 
biblea (1883-88, 7 ©be.) ii. 

»üebfcl, Äarl «Ibert ?ubwia, 
epanaelifcber ©eiftlicber, geb. 2. 9Kai 1803 
\vl @cbönfelb in ber Urfermarf, ftubierte 
feit 1824 Xbeologie }u «erlin, würbe 1841 
^aftor \u ©rüffow, 1846 Pfarrer an ber 
9Watthäu«ftrcbe in »erlin, 1853 ©eneral* 
fuperintenbent, unb 1884 emeritiert, nacb> 
beut er al« ©eelforger unb ^Jrebiger eine 
weitgreifenbe Sirffamfeit au«geübt b«tte; 
»on feinen Triften ftnb am befannteften : 
„(Srinnerungen au« bem ?eben eine« ?anb» 
geiftluben" (1. ©b., 6. Hufl., 1882 ; 2. 3?b., 
3. «ufl., 1876; 3. 8b., 2. Aufl., 18*3); 
„Erinnerung an ben iDJarfgrafen reu £ü« 
firm" (1856) unb „2)ie fircblicben 3uftänbe 
in ©erlin" (2. «ufL 1870). z. 

Subbe, Äarl gerbinanb Rein» 
barb, epangel. I&eolog, geb. 13. Styril 
1850 ju ©en«berg (Regierung«be$irf «bin 
a. Rh)/ fhtbierte Ideologie ;u ©onn, 
©crlin unb Utrecht 1867—73, habilitierte 
ftcb 1873 in ber theologifcben ftafultät \a 
«onn, wofelbft er 18<8 3nfpeftor be« 
ePangelifchen ©rift« unb 1879 aufierorbent« 
lieber ^Jrofeffor ber Ibeologie würbe. <5r 



febrieb: „Beiträge ^ur Äritif be« $ud)e« 
$>iob" (1876); „Xit biblifdje Urgefcbicbte" 
(1883). z. 

»ubbenfieft, Rubolf, lutberifwer 
ibeolog, geb. 5. SeDt. 1844 in ("AreuBen 
(Xb/Urtngen), ftubierte 1864—67 in l'eip*,ig 
unb Berlin Ibeologie unb ^^ilofopb.ie, 
weilte con 18^7—73 in Gnglanb, würbe 
Oberlehrer am (»omnaftum Slnbreanum 
ju $ilbe*b<int, 1874 am öitjt^umfAen 
(^ömnartum ju SreÄben unb, uaAbem er 
einen 9tuf an bie eoangelif(b«tbeologifd)e 
ftafultät ju SBien abgelehnt batte, Xireftor 
be« freib.errlic^ b. ^letfcberft^cn Seminar« 
?u Xre«ben. außer einer großen 3>*bl 
con ^Ibbanblungen in fird?lid>en Leitungen 
unb in Beirfdjriften »erbffentlicbte : „Xxt 
affprifeben ?lu«grabungen unb ba« 9(. IC* 
(1878, aueb, in ba« Gnglifd>e unb $oüän* 
bifebe überfeüt); „X Söiclif« lateinifebe 
3treitf(briften" (18«^, aivSf in englifeber 
Spracbe erftbienen); „3. ©iclif, Patriot 
and Koformer- (1884); „3. Bicttf unb 
feine 3eit" (1884). Huf ©ubbenfieg« «tt- 
regung ift 1881 in l'onbon bie Siclif* 
©efeüfcbaft gegrünbet worben. z. 

©ubbf u*, 3 o b a n n g r a R ) , Xbeolog 
unb ^bilofobb, geb. 25. 3uni 1667 ju 
Inflam, wo fein Jöater Suberintenbent 
war, ftubierte feit 1685 in Wittenberg, 
würbe 1693 ^rofefTor ber afloral \u ^aüe, 
1705 orbentltcber ^rofeffor ber tb,eologie 
in 3ena unb ftarb in (^otb^a 1729. Tutdö 
bie ?lnwenbung feiner b, iftorifwen Äennt* 
niffe unb ber Jffiolffftben ^bilofopbie gab 
». ber lutberifäen 2)ogmatif eine wiffen» 
fd)aftlid)ere ©eftalt, unb burtb bie »erücf» 
fttb^tigung be« pietiftifc^en Moment« in ber 
Religion führte er bie X&eologie au« bem 
f6olaftifcben ©ereid) wieberum meb,r bem 
©ebürfni« ber ftrömmigfeit $0. Unter 
feinen sab treiben ©ebriften ftnb bie be» 
beutenbften : .Institutiones theologiae mo- 
ralia" (1711); »Historia ecclesiastica 
veteris tostamenti" (1709-20, 2 Xbcile); 
„Institutiones theologiae dogmaticac* 
(1723 unb öfter); „Historia theologiae 
dogmaticae et moralis" (1725). z. 

^ubbba („ber ßrleutbtete") beifit bei 
feinen ©läubigen Sibbbartba, wät>renb er 
ftd> felbft Safiamuni ((Sinftebler au« bem 
©efdjled?t ber öafja) nannte unb fril^e* 
ften« 600, wabrfcbeinlid) erft um 400 ü. 5br. 
(Stifter ber bubbb,iflifd;en Religion würbe, 
welche b^utc über mehr al« 30 ^rec. ber 
(SrbbeWobner gebietet. Gine feciale Re« 
form, ^ergleichgültigung be« Äaftengeifte« 
angeftebt« ber überall gleichen Sftatur ber 
SHenfcbbeit war mehr Äonfequcn; feiner 
Sebre, al« toon ihm bewufit öerfolgte« &it\. 



Digitized by Google 



102 



«über — 33uüino,er 



Cr felbft lebrtc bie örtefung ton ben 
?eiben be« gegen»ärtia,en l'eben« unb au« 
bem ÄrciSlauf ber ffiiebergeburt (Beelen* 
»anberang) burd; bie fdjlicfclid; unter Um* 
ftänben allen fieb eräffnenbe 2lu«ftd;t in 
bie e»ige Dube toxi 9iir»ana. Der 
©ubbbt«mn«, ber feinen atbeiftifeben 
Urheber &ergetterte, ift im S^utf ber 3al?r« 
fcunberte bie flaffifd)e Deligton ber Settel» 
mbnebe, ber Serfbciligfeit unb be« üRcli» 
quienbienfte« ge»erbcn, barin bie fat&e« 
lifeben SHifftouare, al« fic biefelbe juerft 
renne» (ernten, baS äReifterftüd fatanifdjer 
9lad)äffunq ber SSabrKtt \n be»unbcrn 
fanben. ©rgl. Dlbcnbcrg, ©. (1881); 
Äern, 2>er ©ubb&i«mu« unb feine @e» 
fdnebte (beutfd; *en 3acobi, Seidig 1882 
—1884, 2 ©be. ) ; © a ft i a n , 2)er ©ubtb»»' 
mu« in feiner ty>d)olegie (1882). h. 

SN über, ^aul, broteft. Xbeelog, geb. 
15. $ebr. 1836 ju Seutfird; (SSBürttem; 
berg), ftubierte 1854—58 in Bübingen, 
»urbc 1861 bafetbft Stepetent am Stift, 
1865 Diafonu« unb ©ejirfefebulinfbeftor 
ju ©adnang, 1868 ^weiter $efaciftlid;er 
tu Stuttgart, 1872 aufjererbentlidjer $rc« 
feffer ber X^eDlogie unb ©bbont« be« 
Stift« in Bübingen, 1877 erbentlitber 
^ßrefeffor bafelbft. Gr febrieb: „lieber bie 
abclogetifcbe Aufgabe ber X^eologie ber 
©egeu»art" (1876). z. 

»uafrt&aqen, Sobann, öen feinen 
3eitgenoffen ge»itynlid) Doctor Pomcra- 
nus, aud) Dr. Pommer genannt, neben 
Jutber unb 2)ieland)tbon ber einfluf?reid)fte 
Vertreter ber bcutfd)en &ird>enreforma» 
tion, geb. 1485 ?u Sellin, ftubierte in 
©reif«»alb unb »urbe 1504 Deftor ber 
Sdmle ju Srebto». 2>urd) ?utber« Scbrift 
„©en ber bab&lenifdjcn ©efangenftbaft" für 
bie Deformation ge»onneu, ging er 1521 
nad; Wittenberg. Jpier »irrte er, burd) 
innige j^rcunbfepaft mit Jutber öerbunben, 
neben tbm unb 2Jieland;tbon a(« Vehra- 
an ber Unifcerfttät unb al« Pfarrer. (Sr 
terbeiratbete ftd; 1522. Wadjbcm er an 
ber Äirdjenöifttation 1528 teilgenommen, 
folgte er einem Dnfe nad) ©raunfd)»cig 
jnr Orbnung be« bortigen £ird)cn»efen«, 
»eilte 1529 in Hamburg, 1530 in Sübed, 
1535 in yomment, überall at« Defor» 
mator ber «ird)e, ©egrünber ber ©emeinbe» 
orbnung, fo»ie ber Sdmlen unb ber 
Strmenbflege »irfenb; 1537 begab er fid) 
aber auf mehrere 3af;re nad; Äopenbagen, 
um bie Deformation i^ter burcbjufübren 
unb bie Unifcerfität umjugeftalten. 3üie 
legten Sabre feine« ?eben« nad) £utber« 
lobe, bem er bie ?eid)enbrcbigt fyittt, 
»aren trübe. 3« * en Sorgen unb bem 



I Äummer, »eldk ber Sdjmatfalbtfd;e Ärieg 
unb ba« Interim mit ftd; fübrten, unb 
ben Streitigteiten mit ben lutberifcben 
3clotcn, bie aud? feine Ded)tglaubigteit 
»erbäcbtigten, fam ber ©erluft be« @efi»t«. 
(Sr ftarb 19. Slbril 1558. Hußer bem 
großen ©erbtenft, »eld)e« fid; ©. burd) 
feine Äircbenorbnungen um bie beutfebe 
Äirdje er»orben bat, ift fein Slntbeil an 
ber lutberifd)en ©ibelüberfcfeung rübmenb 
bervorjubeben. <£r übertrug biefelbe nad;» 
ber (1533) in« "JJlattbeutfdje. 8Jon feinen 
jablreitben S(briften ift ju erȊbnen: 
,,^emerania" , eine @eftbid;te Bommern«, 
im Auftrag be« ^>erjog« ©ole«la» ge» 
febrieben unb lange nad» feinem Xob ge* 
brudt (1728; neu bcraufflffl- *on 3?ogt, 
1857). «rgl. ©ellermann, 2)a« l'eben 
be« 3cbann «. (1859); » ogt, ». (1868); 
Sänte, bie ^omerania be« 3. (1883); 
3i^laff, Sobanne« (1885); $fin* 
fei mann, «.« Äinbenorbnung für bie 
@tabt ©raunfd)»eig (1885); ©ertbeau, 
SB.« Äird;enorbnung für bie Stabt Hamburg 
(1885); «ogt, «.« «rief»cd»fel (1888); 
^»erina, Doctor Pomeranus (1888). z. 

23ulattteit, f. epriou«. 

iMil trari, (franj. Bougres), 9iamc ber 
Hatljarer (f. b.). 

SBuOartum (lat.), SBullenfammluug 
(f. «uUcni. 2)ic »irfjtigftcn Söuüarien ftnb : 
(Socgueline«, r Bullarum, privilegiorum 
ac diploniatum amplissima collectio" 
(1739 ff., 28 ©be.); ©arberi, „Bnllarii 
Romani conünuatio - (1835—57, 18 ©be.); 
„Bullarum, diplomatum et privilegiorum 
8. rom. ponüficum Taurinensis editio 
auspicante catrd. Franc. Gaude" (1857 
— Ib72, 24 ©be.); baju „Appendix magni 
Bullarii- (©b. 1, %\>tU 1, 1867). z. 

»uttfii «nb 93cct>en. 35ie ba>ftlid>en 
(Srlaffe »erben nad) ibrer feierlichen ober 
minber feierlichen 3lu«fte(lung«form in 
©. unb ©. eingetbeilt; bie ©uuen »erben 
in altgallifcben Scbriftjügen au«gefertigt, 
fügen \um tarnen be« Zapfte« ba« ^rä< 
bifat Servus servorum dei tymiu, fmb 
mit einem am feibenen ober banfenen 
^aben bÄngenben Siegel (bulla), ge»b*b,U' 
ltd) au« ©lei, feiten au« ©olb, »erfeben; 
bie ©re»en fmb mit ge»b"bnlid)en lateini- 
fd)en ©uebftaben unb in einem »eniger 
folennen Stil abgefaßt unb »erben nur 
mit bem fegen, annulus piscatorius (^i» 
fd>erring) gefiegelt. Xit ©. unb ©. fübren 
ib.ren tarnen nad) beu Änfang«»orteiL z. 

©uttinaet, $einrid),fd;»eijer. Refor- 
mator, geb. 18. 3uli 1504 ^u ©remgarten 
im 31argau al« ber Sobn eine« <ßricfter«, 
1 ber fbäter ber Deformation offen beitrat 



Digitized by Google 



iÖunb — $öungencv. 



103 



unb feine bi«herige $au«balterin , bie 
^uttter feiner fünf Sityne, beiratbete, 
erhielt feine »Übung feit 1520 in Ätfln, 
wo ü)n futher« Schrift ,,»on ber babijlo> 
nifeben ©efangenfebaft" ber Deformation 
jufübrte. «1* i'ebrcr im Älofter Äa*bet 
trat er mit .Bwinali in enge »erbtnbung, 
begleitete ihn auf ba« 9teligion«geffcräcb 
ju »ern (1528) unb würbe nach furjem 
^farrtienfx in »remgarten (1529 — 31) 
fein Nachfolger al« Pfarrer unb flntiftc«, 
baib auch al« $übrcr unb »orfärntfer ber 
Deformation fowobl gegen bie Jlatbolifen 
al« gegen Scbwarmgeifier unb i'utbera« 
ner. I2r hintertrieb in Bürtd) »ucer« 
Äonforbie unb war $aupturbeber ber 
uoeiten »afelcr ober erften $el*etifcbcn 
(1536) fewie ber jweiten ^>clt>erifc^en 
Äonfefffon (1566). Wicht ebne ^»eftigfeit 
ftnb feine Strritfcbriften über ba« Äbenb» 
mabl gegen i'utber unb »renj. Slucb auf 
bie fran$i5fifd>e unb cngltfche reformierte 
Äircbe erflrccfte fieb fein (tinftuß unb für» 
ferglicber »atb. Ör ftarb 17. Sebt. 1575. 
Sein «eben betrieb er sunt Xbeii felbft 
in feinem »Diarium". Seine Sicforma« 
tion*gefcbi(bte gaben berau« § o 1 1 i n g e r unb 
»tfgeli (1838-40, 3 »be.). Seine »io- 
graebie lieferte «^eftalo^i (1858). Vrgl. 
Cbriftoffel, ». unb feine ©atttn 
(1875). z. 

Buitb, ein ju gegenfeitigen Stiftungen 
nrifeben jweien gefcbleffener Vertrag, ttvf 
ber »orau«fefcung eine« folgen jwifeben 
©ott unb bem »olf 3«rael gefcbloffencn 
»unte« beruht infonberbeit bie Religion«' 
»erfaffung be« Gilten Üeftament«. 3)en ». 
ftiftet ©ott mit feiner »erheißung, bie 
©egenleiftung ift bie (Erfüllung be« gött* 
lieben ©cbet«, ba« Seichen ber »uube«an» 
nabme bie »efchneibung. 3m ©egenfafc $u 
biefem äften ». hetßt im ^(nfcblug an 
bie (Sinfefcung«tt>orte be« Slbenbmabl« bie 
Religion Sbrifti ber 9ieue ». »ueb be« 
»unbe« rief; urfbrünglicb ba« alteße »er* 
jeidmi« mofaifchcr ©efefce, bann ging ber 
Name auf bie »ücber ÜDiofe«' felbft fowie 
auf aüe biblifeben 9teligion«urfunben über, 
fo baß wir jefct bie biblifeben Schriften in 
bie be« Blten nnb be« Neuen »unbe« 
(iefiament«) eintbeilen. h. 

Söunbe&labc, ber beilige Syrern ber 
Hebräer, barin ber 2>efalog aufbewahrt 
Würbe. Der Ueberlieferuna, jufolge am 
Sinai entftanben, ü-ielt bie ». feben in 
ben 3eiten ber Dieter eine gewiffe SRotte, 
fofern ber Ort, wo fte fianb, eine herbor* 
ragenbe £ulru«fiätte unb ein Sammelblafc 
ber ^riefier mürbe, ö« entfbratt) ben 
Sentralifierenben Jenbenjen 2>abib« unb 



Salome«, wenn jener ibr einen bleibenbeu 
Ort in 3erufalem anwie«, biefer ba« Stier« 
heiligfte be« fcembel« ?ur Stätte ihrer 
Aufbewahrung maebte. »ei ©elegenbeit ber 
Eroberung 3erufalem« buret) 9cebufabne$ar 
»erbrannte biefe« ^aflabium, unb ba« 
SlÜerbeiligfle be« neuen lernte!« fianb leer. 
3)en religio"« bebeutfamßen Xbeil ber ». 
bilbete übrigen« bie, bon i , utbermit„©nabcn- 
fluhl" überfefete, Äabboret, ber au« feinem 
©olb gearbeitete Xecfel mit ben beibeu 
(Jberubgeftalten , itriftben melcben man bie 
©egenmart 3ab»e« (3eb. ota«) backte, ©egen 
tiefen üectel »urbe am &erfb'bmmg«tag 
ba« Cfferblut gef)?rengt. 6. etiftdijüttt. h. 

»unbeötbeblogie (Theolojfia foode- 
ralis) beißt ba« bogmatifeb^e Spftem be« 
Cocceju« (f. b). Seine ?ebre grünbet 
ftcb auf bie Unterfcbeibung be« ^?nnbe« ber 
Serfe, mit s Äbam im Stanbe ber Unfcbulb 
gefcbloffen (foedus naturae), unb be« 
feunbe« ber ©nabe (foedus gratiae s. fidei), 
ber nad> bem Sünbenfafl eintrat unb n>ieber 
eine breifacbe Cnrmicfelung (oeconomia) 
auftreift. Cocceju« ©erließ bamit bie bi«- 
berige bogmatifebe «eb^entwicfelung unb 
babnte eine meb,r biblifcb^'biPorifdje Sebrbar« 
üeUung an, melcbe ben gefd;icbtlic^en ^cv.- 
lauf ber Offenbarung in bem ©ebanfen 
be« ©nabenbunb« ober SReicbe« ©ette« ju» 
fammenutfaffen unb abjuüufen unternahm. 
2)er urfprünglid) bloß bogmatifebe Streit 
gewann jugletd) eine )>olittfcbe SÖebeutung, 
tnbem be« Coceeju« ©egner, bie $oetianer, 
e« mit ber ^artei be« Statthalter« hielten, 
bie feberaliftifd)en Coccejauer bagegen bie 
Partei ber ©eneralftaatcn unterftüljten. h. 

Suttgenet, üaurence i'oui« ^elir. 
reformierter theolog. Schriftfteüer, geb. 1814 
ju 2)?arfeiüe au« einer beutfeben ^amtlie, 
toibmete ftd> feit 1832 in ©enf bem Stu- 
bium ber Rheologie unb warb 1843 2)iret> 
tor be« ©bmnaftum« bafelb^, bon Welcher 
Stelle ihn 1848 bie neue rabifale JRegie* 
rung entfernte. (Sr wibmete ftch nun ber 
Scbriftfieüerei auf theologischem unb hiflo» 
rifebem ©ebiet unb ftarb 1874. 3n weitem 
Äreifen machte er ftch befannt burch eine 
8teihe bon SBcrfen, bie, in 9lomanform 
eingefleibet, ber ©erteibigung unb Verherr- 
lichung be« ^roteßanti«mu« bienen: w ün 
sermon sous Louis XIV" (7. 3lufl. 1881 ; 
beutfeh unter bem Eitel: „ÄiJnig unb *Pre- 
biger", 1860); „Histoire du concile de 
Trente* (2. lUtft 1854, 2 »be.; beutfeh 
1861, 2 ©be.); „Julien, ou la fin d'un 
siecle- (1853, 4 »be.); „Christ etlo siecle« 
(1856, beutfeh 1857); „Calvin, sa vie, 
I son ceuvre et ses ecrits 44 (2. «ufl. 1863, 
1 beutfeh 1863); .Trois jours de la vio 



Digitized by Google 



104 



8mtfen — #ufd>. 



d'un pere" (1863), beutfd) 1871); „Pape 
et concile au XIX. siecle" (1870); „Saint 
Paul, sa vie, son oeuvre et ses epitres" 
(1867); „Rome et le vrai, Stüdes sur 
la litterature catholique conteraporaino" 
(1873). z. 

Söunftn, Sbriftian Äarl 3*fia« 
SRitter toon, geb. 25. 9lug. 1791 ju 
fiorbacb in SBalberf, ftubicrte feit 1808 ju 
9J?arburg unb ©öttingen ^^ilclcgie unb 
£beologte unb würbe 1818 @efanbtfdjafte- 
fefretä'r, übernabm 1824 nadj 9iiebu$r« 
»u«fcbeiben bie felbftanbigc Seitung ber 
@efanbrf(baft«gefd>a'fte unb mürbe 1827 
breupifeber ÜJhnifterrefibent am pa>ftlid>en 
§of. Xtv 8 freit Über bie gemifdrten (Sben 
(f. Äölnct Äircfcentonflitt). ben er nid?t $u 
befc^tt>i5vcn fcermodjte, ntaebte biefer £&atig* 
feit 1838 ein (Snbe. (Sr mar 1839—41 
©efanbter in SBern, 1841 — 54 in Sonbon, 
mürbe 1857 bom Äbnige toon Greußen in 
ben 5 re ^ errn ^ an ^ ftbofcen, verbrämte 
borauf ben SReft feine« ?eben« in §eibel* 
berg, (Sanne« unb ©onn, mo er 28. 9?o» 
uember 1860 ftarb. 3)en auf ben entlegen» 
ften (Gebieten liegenben ©erbienften biefe« 
bebeutenben SDfanne« reibet ftd> feine Xbä» 
tigfeit al« 2b«»lcfl toürbig an. 2Me etoan* 
gelifdje @cfanbtfd>aft«fabeüc unb ba« ardiäo» 
logifd>e SnfHtut in 9tom , bte eüangelifdjen 
Äranfcn^äufer in Dorn unb ?onbon, ba« 
englitdj'breujjifcfie 53i«tum »on 3erufalem, 
feine $bmnologifdjen unb liturgifdjen, feine 
ä'gbptologifd>en unb fircbenbiftorifd)en 8tu* 
bten („Ignatius Don 2lntiod)ia", 1847; 
„£>ipboH?t L unb feine 3eit", 1857) traten 
alle utrücf hinter ber Xf>atfacbe, baß er, 
obwohl ^erfönlic^ eng befreunbet mit grieb* 
rieb 2ßillj»elm IV., juerft bie ©efafjr ber 
firdjlidjen 9teaftion erfannte unb bcrfelben 
in feinen „3«»d»en ber i^eit" (1855) mann» 
baft entgegentrat. @etn SSerl „(Sott in 
ber @efd>id>te" (1857—58, 3 SBbe.) unb 
ba« feit 1858 berau«gegebene „SBibclwerl 
für bie ©emeinbe" geigen, wie ber ©ebante 
feiner Sugenb, Darlegung be« fortfebrei» 
tenben @otte«bewufnfetn« ber 2Henfd?beit, 
aud) fein Hilter begeiftert b. at. $rgl. „(£b.r. 
Ä. 3. toon feiner SBittoe (beutfd>e 
9tu«gabe toon W i to to o l b , 1868—71, 3 Söbc.) ; 
dtanfe, 9lu« bem ©riefwecbfel griebrid) 
SBilbelmlV. mit ©. (1873); mpptlh, 
$anbbud> ber neueften Äircb, engefeb. (3. 9(uft., 
2. «b., 1883). %, 

83u n nan (i*>r. bönnian) , 3 o b n , engl. 
S^eefotf), geb. 1628 ju (Slfton bei ©ebforb, 
mar in feiner 3ugenb äeffelflidcr, gab fieb 
nadj einem müften Jeben febmarmerifeber 
9teligiofität bin, trat 1655 an ben ©abtiften 
über unb warb Söanbertorebiger. ©ä'breub 



tybff jähriger §aft, bie er feit 1660 al« 
egner ber ©taat«tir(&e erlitt, febrieb er: 
„The pilgrims progress" (1674 — 84, 
2 ©be.), roefebe« 5öerf unjä'büge «uffagen 
erlebte unb in mebrere frembe Spratbeu 
(in« Seutfcbe unter anbern von ft. 
fcanfe, 4. Infi. 1858, unb »on %. «bTifelb, 
1853) überfe^t n?orben ift. 3)er ©ifd?cf 
»on Lincoln entließ ibn 1672 ber ^>aft, 
aber erft bie Snbulgen'jaftc \>on 1687 
enbigte feine ©erfelgungen. (Sr ftarb 
31. »ug. 1688 ju ?onbon. ^eine ©ic» 
grapbie fdjriebcn unter 51nbern ^bilib 
(1839), groube (1880) unb ©ron>n 
(1886). ©rgl. 3)2 a c a u \ a » in ben „6ff aü«" 
unb ©eing arten, ©ajter unb 

(1864) . z. 

»utg^etfi unb antibut^erS, f 2c- 

ctbert. 

»utSfelbetÄonGtfgation cb. Union, 

ein SJerein bon 75 «cncbiftinerfltfftern in 
92orbbeutfd?lanb, geftiftet bunb, 3cbann 
\>. ^agen (1439—69), Hbt be« Äloftcr« 
© u r « f e 1 b e (oormalige bannitoerfebe 
Älofterbcmäne im giirftentum (Dettingen, 
Amt SJHtuben), im ©erein mit Oob- ©ufd) 
(f. b.) jur ftrengen ©ccbatbtung ber ©enc« 
biftinerregel. $ie ©ur«felbcr Union mürbe 
auf bem Äon*,il ju ©afel 1440 unb burtb 
päbfltid^e ©uUen 1458 unb 1461 beftä'tigt. 
Xie Deformation im 16. 3abj$. b»b ben 
©ercin unb ba« ©ur«fclber Äloftcr felbft 
auf, inbem lefctere« fäfularifiert unb ein 
lutyerifdjer 2;itufarabt cingefe^t mürbe. 
<s. «entbiftiner. ©rgl. Stoelt, 25ie Anfänge 
ber ©ur«felber ©enebiftiner « Kongregation 

(1865) . z. 

^ufd), 3 o b a n n e « , Älofterref ormator 
be« 15. 3abjt>., geb. 1400 $u Smoüc, 
mürbe 1419 IWo&ije in Söinbe«beim, ber 
berübmten Stiftung ber ©rüberfd)aft be« 
gemeiufamen Jeben« (f b.). 2)er »on biefer 
fo mie aud) ton ber 33ur«felber Songre» 
gation (f. b.) eifrig betriebenen Älofterreform 
roibmete er ftd? im §erjogtbum ©erg, in 
grie«lanb, Seftbbalen unb Wieberfacbfen 
(1424—1446); 1447 jum ^robft unb «rcb> 
biafon in OaUe ermäbjt, mürbe er ton 
9?ifouu« öou Cufa 1451 mit ber ©ifitation 
ber Cborberren* unb (Sborfrauen • Stifte 
ber 2)fagbeburgcr Äirtbenprctinj betraut; 
1454 gab ©. feine bi«berigc ©teüung in 
$aUe auf unb febrte naep $Binbe«beim 
jurücL »on 1458—1479 mar er ^ropft 
be« Älofter« ©ülte bei Jpi(be«beim unb bi« 
1473 nod> al« eifriger Älofterreformator 
tbätig; ba« 3abr unb ber lag feine« 

I 2obc« laffen ftd; nid>t ermitteln. (Seine 
S(brift „De reformatione monasterionim 

' quonmdam Saxoniae" jeigte bie Stäben 



Digitized by Google 



•thtfenfatnn — $ußc. 



106 



te« älofterleben«, bie er ju heilen unb 
bie geinbfeligfeitcn ber SWe'ncbc uitb Rönnen, 
bie er bei ber Älofterrcformatton }u erfahren 
battc. Süperbem oerfaßte SB. bie Scbrift 
„De viris illustribus ordinis sui et mona- 
Bterii Windesimensis". t?rgl. (?rubc, 
3. »• (1881). *. 

©ufenbaum, £ er mann, ein bureb 
feine fbifcfinbige Moral befannter 3efutt, 
acb. 1600 \u betteln in ©eflfalen, trat 
1619 in ben 3efuitenerben, lehrte }u Stfln 
SWoral unb würbe Weftor be* Sefuiten- 
toüegium« juerft 311 .^ilbcd^eim , bann ju 
2J?ünfter, wo er, al« ©eiebtoatcr be« friege- 
rifeben SBifäef« (Sbriftobb SBernbarb 0. 
@alen, 31. San. 1668 ftarb. dr ifl 3*er> 
faffer be« ©erf« .Medulla theologiae 
moralis" (mehr al« 70 «ufl., julebt 1K4#, 
2 »be.), welche« bie (»runbfätjc ber jefui 
tilgen Sftoral in bequemer Ueberftcfyt be« 
banbclt. Hl« Damien*' SWorboerfuä) auf 
i'ubwig XV. ben Sefuiten jur Saft gelegt 
unb bie Änflage, baß ber Orben 9Worb 
unb Aufruhr im 2>ienft feiner Swft 
gutheiße, au* ben SehrbUcberu be«felben, 
namentlich au« SBufenbaum« „Medulla", 
bemiefen mürbe, ließ ba« Parlament }U 
Xouloufe 1757 ba« ©ert öffentlich, ver- 
brennen. $ud> ba« Parlament }u %*ari« 
oerurteilte 1761 ba« SBucb, Wogegen ber 
italienifcb,e3efuit Zaccaria bie SScrtbeibigung 
©ufenbaum« übernahm, z. 

I3u#büdjet (©ußorbnungen, 
Söeicbtbücper, lat. Libri poenitentialos), 
Hnwctfungen für ^riefter unb ©eicbtoäter 
über SBerwaltung ber Söetcbtc, tn«befonbcre 
über bie für einzelne SUnben aufjuer« 
legenben SBußübungen. Tic abenblanbi- 
fdjen ©. grünben ftd) auf ben, bem 
Thcoboru« ton ffanterburö (geft. 690) 
jugefdjriebenen, SBußfanon fewie auf bie, 
angeblich, oon SBeba (f. b.) unb ton (Sgbert 
oon ?)orf (geft. 767) b.errüb^renben, $i<ni« 
tentialien. 3)a« im 8. 3abjb- eniftanbcne 
Poenitcntiale romanum oerfolgte ben 
Hmecf, im ©egenfafo ju ben in ben Sanbc«« 
fireben benutzten ^imitentialicn, ein römt« 
föe« SBußbucb benuftetlen. Tic wirtytigfte 
Ouettc im Orient bilbet ba« bem $0« 
banne« Weftcuta (geft. 595) beigelegte 
jcnitcntiale. »rgl. ©afferfchjeben, 
Sie SBußorbnungcn ber abcnblä'nbifcben 
Ätrd)e (1851); Sd)mi&, Tie 53. unb bie 
$?ußbi*$iplin ber Strebe (1883) ; 3? e r f e 1 b e 
im „*rcb. f. fat&ol. Äircbenred?t" (1884 
unb 1885). z. 

»ufbt*}intin, f. »ufouajt. z . 

©ufje, eigentlich (Srfafe, öntfebäbigung. 
©d)on biefe mittelalterliche Ueberfefcung 
be« latetnifd)en ©ort« poenitentia (be« 



grieebifeben metanoia) weift auf weitgebenbe 
Scrflacbung unb ^eräußerlicbung eine«, bem 
ftttlicben Cbarafter be* tSbriftcntum« un 
entratbfamen, SBcgriff* bin. S sektebrung. 
Ta* gan^e religiüfe **erbaltni« mußte erft 
al* etn gefeb}lid) formulierte« 9tccbt«oer' 
b, ältni« unb bie 8ünbe lebiglicb al« ^ti?rung 
be«felben gefaßt fein, ehe biefe Störung 
al« burd) beftimmte i'eiflungen ober ?eiben 
au«gleicbbar, bie ^ünbe recht eigentlich 
al« abbüßbar gelten fonnte. Tie er-ange» 
liiere Äira)e behielt baber jmar ba« einmal 
in ben fircblic$en ©prachgebraua) aufge« 
nommene ©ort bei, aber in bem £inn 
ber neuteflamentlicben ,,^inne«änberung", 
al* ein in ^ünbenerfenntni«, 9ceue unb 
ernftlicbem ©iüen, mit ber Sünbe ju 
brechen, beftebenbe« 8elbftgericht. Tamit 
mar ber »egriff ber Ö. 'lebiglid? fittlid» 
gefaßt, mä'brenb bie fatt;olifch,e Äircfye ihn 
fo beftimmt, baß er bie 3frf n ^f ( b"nfl be* 
^»er^en« (contritio cordis), ba« ©etenntni« 
be« SPfimbe« (confessio oris) eor bem 
^Jrtefler unb bie (^enugtb, uung (satisfactio 
operis), Uebernahme gemiffer Strafen jur 
Sbbüßung (poenae canonicae) in fiefa be« 
greift. Tiefe brei £tücte bilben feit bem 

11. 3abrh- ba« ©aframent ber SB. feiner 
Materie nach, mä^renb bie gorm be«felben 
nad) bem Jöefd)luß be« Äonjil« »on J^lorenj 
1439 in ben ©orten be« ^riefter« .Ego 
te absolvo" befteb t. Tabei herrfcht bie ton 
ben iWtorinern ^>ugo unb 8Rid)arb im 

12. 3ahrh. au«gebilbete Xbecrie, baß bie 
ewigen Strafen, welche aÜe iobfünben 
oerbienen, burd) ^riefterlicbe ?lbfolution in 
zeitliche oerwanbelt würben, welche cbenfo 
wie bie Strafen für ISßlicbe Sünben in 
freiwittiger Uebernah,me ber 00m <prieftcr 
auferlegten Seiftungen abgebüßt werben 
fiJnnten. Unter folAcn i#orau«fet}ungcn 
war e* freilich nal?eliegenb , baß bie oon 
ber $t\xä)t auferlegten Strafen auch oon 
ber Äirc^e crlaffen ober bureb anbere ber 
Äir*e annebmbare Seiftungen (gute ©erfe) 
au«geglw)en unb erfe^t, ja oon anberen 
^ßerfonen unb für anbere übernommen 
werben fonnten. Unoermeiblich, war baber 
jene £*eräußerlicbung be« ©ußwefen«, al« 
bereu (Srtreme ber 9lblaß (f. b.) unb bie 
Flagellanten (f. b.) erfeb^einen, bie'ftd) aber 
nieb/t mtnber in ben »üßerorben (f. Ort«), 
ben ©ußbüchern (f. b.) je. barfteüt. Daß 
bie Hoc-logie ber ?lug«burgifch,en Äonfeffiou 
(1530) bie SB. nod) al« ein ©aframent 
neben laufe unb ?lbenbmabl bebanbelt, 
hängt mit ber IDiobifitation jufammen, 
welche ba« römifAe spnßfaframent in ber 
lutbertfehen ©eichte (f. b.) fanb. 3n un- 
natürlich gefteigerter ©eife würbe bie ©. oon 



Digitized by Google 



106 



Süfcerorben — Buttlar. 



ben ^ietifien unb 9)Jethobiften betont unb 
geübt. 2. 33u§tampf. h. 
93ü#crorbcn, f. Ctbcn. 

S3u&gänge, f. Bittgänge, 

23upgrabe, f. »ujjftationen. 

SBuftfampf. ber nadj ber lobular» 
tbeologic be« ^icttsmu« unb be« SDietbo* 
bi«mu« in einen beftimmt nachweisbaren 
3ettt>crlauf fatlenbe, mit heftigen innern 
Erregungen terbunbene unb nach einem 
gewiffen Programm ftch oolljicbenbe SJruch 
jtvifc^en (Seift unb gleite {mm. 7) ober 
„3>urd>bntd; ber @nabe". h. 

SBuftfänon, in ber altern (atpolifchen 
£ird>e bie (Summe öon ®orfd>riften über 
bie 2Bieberaufnab.me ber gefallenen. 6. 
«ujjbttdjcr. h. 

Sbuflotbnungen, f. »u§t>ü$er. 

fBujfofalmen, biejenigen fteben ^ßfal' 
men: 6, 32 (nach ber 3ä'blung ber 33ul* 
gata 31), 38 (37), 51 (50), 102 (101), 
130 (129), 143 (142), in welchen fta) ber 
©cbmerj ber Ü3uße am ergreifenbftcn au«* 
fpricht, unb fcon benen in ber (atbolifcb« 1 
Äircbc häufig ein feelforgeriföer unb litur- 
gifeber ©ebraueb gemalt wirb, wie ua 
mentlicb com Miserere 50 (51) unb Do 
profundis 129 (130). h. 

SBufMUttonen (©uß grabe, Gnidua, 
Stationes poenitentiae) , bie ©rufen, 
wcld>e bie in ber alten Äirche 2lu«gc« 
fcbloffenen (f. »ann) burcbjthreiten mußten, 
ebe fie n>ieber aufgenommen würben. 3>tc 
oier $aubtftufen, beren jebc minbeflen« 
ein 3apr in Slnffcruch nahm, waren: Fle- 
tus . Auditio, S übst ratio. Consistentia. 
SBäbrenb ber erfteu lagen bie Renitenten 
im 3?ußgewanb weinenb bor ber Äirdje 
unb flehten bie $inetngefyenben an, für fie 
ju beten; auf ber jweiten burften fie im 
4>intergrunb ber Sirene bie ©d;rifter(larung 
anbö'ren; im britten ©tabium empfingen 
fte ben (Segen be« SHfcbof«, im ©d;iff ber 
Äircbe fniecnb; im eierten fonnten fte, 
roieber aufregt flebenb, bem ®otte«bienft 
bi« jut Kommunion beiwohnen, z. 

©ufrage (früber gewöhnlich Suß*, 
8 et- unb gaft tage genannt), foldje bem 
©otteöbicnft gewibmete Sage, tvdd>c ben 
befonbern 3wect haben, bie ttirchengcmein» 
ben auf h)re fitt(id?en Wotfta'nbc aufmerrfam 
ju tnacben. üttan unterfd)eibct außerorbent« 
lieb/, für befonberc ftätte angeorbnete Sö. 
(dies supplicationuin) unb feftftebenbe, 
jährlich wieber(eprcnbc (dies rogationum). 
211« feftftebenbe ©ußjeit fannte bie Äircbe 
anfang« nur bie äböent«* unb bie öfter* 
licpe ftaftenjeit; inmn (amen bann bie 
toter Cuatemberfafitage. 3efct ftnb bie 33. 
in ben meifien beutfebeu Sänbern auf jwei 



ober auf einen im 3abr rebujiert. ©ei 
ber ßerfblitterung ber fircplicben (Gebiete 
gebort e« noch ju ben frommen SBünftben 
ber beutfd^en ebaugelifchen .Hucye, baß aueb 
in ber geier ber eine allgemeine Ueber^ 
einftimmung b^rgefieflt werben mögt h. 

S3ufjjud)t, ba« fdjon ton ber alten 
Äircfye gegen folcpe SDiitglieber beobachtete 
Verfahren, welche burd? febwere lobfünben 
3(ergerni« erregt unb fiep ber cbriftlidjen 
@emcinfd>aft unwürbig gemacht baben, 
aber in bicfelbe wieber aufgenommen fein 
wollen. 2>ie ©. ift ein Xpeii ber Äirchen« 
juebt. 2. 5tkitf>tt, »ujj« nnb SBujjftattontti. &1« 
im Slbenblanbc bie öffentlichen Sircpcnbußen 
feiten würben, traten anbere (Strafen an 
beren ©teile, tbeils b"gcnommen au« ben 
Uebungen ber altern 2l«tefe, tbeil« au« ben 
fränfifeben Jiccbtggewobnbeiten, wie benn 
aud) in bem tuü-betlicbcn Senbgericpt Äarl« 
b. @r. fircblicbe« unb bürgerliche« Qttidft 
jufammenfloß unb bie SlblBfung ber Äird?en* 
^rafe mit ©elb benfelben Urförung bat. 
e. ablag. 2)ie $3ufjcn waren entweber 
eigentliche ©trafen, wie ®elbbufjen, aucy 
©djlage unb ßinfperrung, ober rein a«Ieti« 
fc^er »rt, Söattfabrten, befrimmte ©cbete, 
älmofen unb t>or allem haften, ober bie 
Äirdje förbernbe Söerfe, ©tifrung toon 
Äirdjen unb Älöftem jc. — 3n ber e»an* 
gelifdjen Äircbe gibt e« (eine eigentliche SB., 
fonfcern nur aUaemcinere Äircbcnjucht, wo» 
ju aud; ba« SSerfagen ber SBabl- unb 
^ßatenred?te, be« ©raurtranje« , be« fircb> 
liefen ©egräbniffe« ju rechnen ift, wo folebe« 
noch »orlctn in t ^rgl. V v e b ü , 2)ie t ircpl. 
'X K^trhn in ben 3 erften Sabrbunbertcn 
(1873); gun( 'in ber «tbeolog. Ouartal« 
fchrift" (1884 unb 1886); Äo ber, in ber 
„theolog. Duartalfchrift" (1881). z. 

Söutfetbttefe ftnb 3)i«benfationen, 
burch welche ber | ; avü gemattete, in ber 
gafienjeit ©utter, Äafe, (gier unb SRilch 
ju genießen, z. 

»uttertDodje (ruff. 2« a« Ii ja), bie ben 
achtwb'chentlichen Ofterfaften ber grieebifeh« 
ruffifchen Äirche borbergehenbe ©ochc, ber 
Äarneöal ber Muffen, fo genannt, Weil 
jwar ber (Senuß be« ^leifche« verboten, 
aber ber «on ^Butter, 9Rilch unb (Siern noch 
erlaubt ift. z. 

Buttlar, (S»a öon, geb. 1670 ju 
(Sfcbweae, führte in (Sifenach al« ^»cfbame 
jebn 3abre lang ein weltliche« Seben, 
trennte ftch 1697 öon ihrem 3)tann, bem 
Janjmcijler be «dfta« , unb ftiftete 1702 
ju Slüenborf in Reffen eine bhilabelbbifche 
©ojietät, beren Äern außer ihr ©inter, 
«bbenfelber unb jwei gräulein t>. Caüen» 
1 berg bilbeten. fcier fd?lugen d>iüaftiffhe 



Digitized by Google 



iÖurtorf — Kajetan. 



107 



Schwärmerei unb bie mtjftifcbc i'cbre oon 
ber gciftlicben (Sh< in grauenhafte >:urcrei 
unb @otte«läficrung um. Sßon Mentorf 
auegewtcfcn, ging bie @cfetlf<b>ft 1704 
nach ©a*mann*baufen, trat, bort eutbecft, 
in Stein jur tatbclijcb/n Äircbe Uber, be* 
gann aber ba* alte Sefen 1705 oon Beuern 
in £übe bei ^Ormont, trennte fich bann, 
ju febmerer ©träfe 1706 eom gürflbifcbof 
oon ^aberborn oerurtcilt, unb löfte fid> 
in Altena auf. öoa fübrte jefct wieber 
ein ehrbare* Sehen unb ftarb nach 1717. 
»rgt. Äeller, in ber „Beitfcbrift für 
bifterifebe Xb>logie" (1845); ©öbcl, 
@efcbicbte be* cbrtftlicben« fieben« in ber 
r&einifd>»tt>eftfältfcben eoangelifeben Strebe 
(2. »b. 1852); «briftianü, <S. ». ». 
(1870). z. 

©urtetf, eine Familie, bie im 16. unb 
17. 3abrb. oier tüchtige £>ebraiften geliefert 
bat. 3 ob- 33-, aus ©cftfalen gebürtig, feit 
1591 orbentlicber ^rofeffor ber btbräifcben 
©brache ju 9?afel, fuebte mit einer bie ge- 
tarnte rabbiniföe Literatur umfaffenben 
©clcbrfamfcit ju erweifen, baß ber bebräifebe 
Stert be« Sllten £cftamcnt« unoerfebrt auf 
und gefemmen fei. SU* er 1629 ftarb, über* 
nabm fein ©obn 3obanu 5?. bie t*rofcffur 
ber b<bräifa>en ©oracbe, bie er 1654 mit 
ber ber Örflärung bee Otiten Scftamcnt* 
oerbanb. ör ficigerte bie «uffaffung feine* 
Satcr* oon ber Unocrfcbrtheit be« »Iten 
Icfiameut* gegenüber <5aoeüu* bi* ju ber 



in bie Formula consensus helvetica auf« 
genommenen Xbeorie, bajj ber Xert ber« 
fclben kwebl iu Zeitig auf bie Äonfonamen 

j al« aueb auf bie totale unb fünfte in* 
fbiriert fei, unb oodenbete bie betten t>ou 

i feinem i*ater begonnenen großen Serie: 
„Concordaiitiae bibliorum hebraicae" unb 
„Lcxicon chald. talmud. et rabbinicum". 
<£v ftarb 1664. ©ein ©obn 3obann3atob 
©. erhielt im gleichen 3abr bie tyrefeffur ber 
bebräifeben ©»räche in $tafe(, bie bei feinem 
lobe 1704 fein Neffe 3 ob- 8. übernahm 
nub bi« ju feinem lobe 1732 inne hatte. 
$rgl. Äaufcftb, 3oh- ». ber «eitere, 
(1879); ©ebnebermann, bie Äontro« 
oerfe be* ¥. Cabettu« mit ten «urterfen 
(1879). z. 

93u}et, 2)i a r t i n , f. «ucer. 
5c3ö$antini*mu*, ba* uterft in $93*"}, 
bann aber überall, wo fieb ©elegcnbett 

] baui bot, mit (Srfolg geübte fi^K-in, wo« 

I nach bie ^erfönlicbe reltgttffe ©tellung be* 
weltlichen ©ouoerän* al* oberftcr aüer 
mafjgebenben ftafteren für bie Öntfcbeibung 
innertircblicber, namentlich auch fcegma- 
tifcher, fragen, jur (Geltung gebracht, be- 
jieheutlich oon 3ntereffenten ausgebeutet 

: wirb. 3n neuerer »}eit tyavtn ©cb>icr» 
macher unb einige anbere Xheologen fich 
entfliehen gegen ben sö, au*gefbrocben, wa* 
nicht heberte, baß ba* ©öftem unter ber 
?ofung „Xbron, Bajonett unb Äatccbia« 
mu*" fich oielfeitig empfohlen hat. h. 



«rtifel, bie unter <S oermißt »»erben, 

CSäeilta, ^eilige, ©cbufcb«ttonin ber 
Crgci unb Äircbenmuftt. Xit gefchicbtlich^e 
<L war eine römif(jh)e 3ungfrau au* eblem 
©efcbled)t, welche frübeften* 177, wabrfebein- 
lieh aber erft unter ©ebtimiu* ©eoeru* 
(202—211) ben SWartörertob erlitt. 3br 
©rabmal ift bei ber SBncberberftettung ber 
Hatalomben aufgefunben worben. 9ia$ 
einer, erft au* bem 14. 3ahrb. ftainmenben, 
venimtk'tt 2egenbe fott fich! S. cor it)rem 
Snfcc bie ©nabe au*gebeten haben, noch 
einmal ba* ?ob be* (£hriP«ntum* mit 
Drgelbegleitung fingen )u bürfen, nach 
beentet cm @efang aber ba« ^ßfeifenwerf 
jertrümmert baK-n. 3hr @ebäo>tni«tag ift 
ber 22. 9lo»ember, m beffen geier in 
renben jährlich ein SDfuftffeft abgehalten 
wirb, für welche« $änbel 1739 bie „tieine 
fcäcilienobe" combonierte. $rgl. Ärau«, 



Hai 



* obfr 3 naänuWaitn. 



Roma sotterranea (2. Bufl. 1879); ßrhe« 
in ber „3eitfchr. für Ä. (1888). z. 

iSabmou, auch (Saebmon ober Seabmon 
(fpr. täbtnBn), angelfächf. cbriflticber Siebter 
be« 7. 3abjt). , ber tuerft ^irt gewefen 
fein, blöfclicb bie ©abe ber Dichtung em* 
bfangen, bann W6nd) im Älofter ©treane«- 
halch geworben unb um 683 geftorben fein 
fett. Ob bie ihm jugefchriebenen ^ ut ma- 
tten: „Üraumgeficht oom heiligen Äreuj", 
femer eine ^arapb^ rafc ber „©enefi«" fowie 
eine« XfytUt be« „Daniel" jc. tbatfäcbttcb 
oon ibm herrühren, ift fraglich^, z. 

Kajetan, X h o m a « (eigentlich 3 a f o b 
be Sio), geb. 1469 ju ©acta, feit 1508 
©eneral ber Sominifaner, 1517 Äarbinal, 
füt)rte 1518 bie «erhaublungen mit Sutber 
(f. b.), ftarb 1534. (Sr bat eine bie ©ereebtt- 
gung be« SBortfinn« anerteunenbe unb hin 



Digitized by Google 



108 



CiajetanuG — £atobiu$. 



unb wieber tom ©eift ber Äritif angewebte | 
(Srfla'ruugtMeler biblifeber Schriften »erfaßt. 
(Seine „Opera omnia" erfebienen 1639 
(5 «be.). «rgl. 3«ger in ber „^eitfebrift 
für hiüerifche X&eelegie" (1858); @ * i 11 » 
bach, De vita ac scriptis Thomae de 
Vio Caietani (1881). z. 

0 mfänuS, btt ^eilige (®aetano 
b a X h i e n e) , Stifter be« Xbearinerorben«, 
geboren 1480 in «icenja, ftubierte bie 
»fechte, (am bann nach 9tom, würbe SDiit« I 
glieb be« „Oratorium« ber göttlichen 
Siebe" ((. b.) unb "ißrotonotar beim s #abft 
Stiliu« II. 3n 9?om ftiftete er Äranfen» 
Käufer unb mit (Earaffa, bem «ifebof ton 
Sbeate, ben Xbearinerorben (f- *-). teffen 
Aufgabe Unterricht unb Äranfenbflege fein 
foüte. Gr ftarb 1547 ju Neapel unb Warb 
1671 ton deinen« X. b, eilig gef proeben, 
©ein Jag: 7. ?lugnft. i»rgl. iMtben, 
2>cr l)cilige (£. (1883). z. 

Gaiu8, %'abfl (283—296), wirb al« 
^eiliger terebrt; fein £ag ift ber 22. 
«bril. z. 

<5ala8 (fpr. -la«), 3ean, etangel. 
2Jcarrtorer 51t Xouloufe, wnrbe auf ba« 
falfche (Gerücht "bin, bafj er feinen Sobn, 
um beffen Uebertritt jur fatholifeben .Hirebe 
ju toerbinbern, ermorbet habe, auf Befehl 
be« Parlament« 51t Xouloufe ebne ein* 
get)enbe llnterfndjnng 1762 geräbert. 3)ie» 
feit Suftijmorb beerte Voltaire in feiner 
Schrift „Sur la toldrance" auf, worauf 
ba« i*arifer Parlament 1765 <i. für un* 
fcbulbig erflä'rte. Brat $erjog in ber 
„3eitfcb>ift für biftorifebe Xbeologie" (1868); 
91. (£ 0 q n e r e l , J. C. et sa famille 
(2. Baff. 1869); fco 1 hier, 2>ie ftamilic <£. 
(1871). z. 

(Salafanja, 3 0 f e p b , f. ^iarifte«. 

(Salatraua , 92 ante eine« geiftlicben 
9titterorben«, ber, in Spanien jutn Äambf 
gegen bie 9)Jauren 1158 geftiftet, 1164 bie 
ba>fMicbe Betätigung erhielt; im 19. 3abr» 
l^unbert ift er mebr weltlicher Berbienft* 
orben al« geiftlicber 9iitterorben geworben, 
yjaebbem bie rcpublifanifcbe Regierung ibn 
1872 aufgehoben batte, fteüte «IfonS XII. 
ihn 1874 wieber ber unb jwar lebiglicb 
al« Berbienftorben. z. 

GälefHuö, f- Cöteftiu*. 

GaUrt, 9iame ton %iä>ften, f. Äaiirt. 

Galtrtiner, f- fyfflte*. 

C£alirtu£, C*eorg, einer ber au«ge« 
jeiebnetften lutherifcben Jbeologen be« 
17. Sahrb., fleb. 14. $ej. 1586 ju Efebelbbe 
in Schleswig, kubierte ga $elmftebt % ]ßbilo* 
fobhic unb ^^eclcgic , machte bann eine 
tierjä'brige 9fetfe bureb Seutfcblanb, <5ug* 
lanb unb ftranfreieb, warb 1614 al« ^xo- 



feffer ber Xbeologie nach .ftelmftebt berufen, 
wo er faft ein halbe« 3abrbunbert lang 
tbätig war. 3m Oegenfafe jur lutberifeben 
Crthoborie brang er hier auf eine milbere 
Raffung ber fonfefftonellen Unterfcbeibung«« 
lehren, fanb in bem übereinftimmenben 
i'ehrbegriff ber erften fünf Sabrbunberte 
bie (^runblage für eine fßiebertereinigung 
ber ebriftlicheu Äircben unb begrünbete eine 
gefunbe biblifcbe Jhfologie; auch terfuebte 
er eine felbftänbige «ebaublung ber ebrift» 
lieben ÜPforal in tbrer Trennung ton ber 
2>ogmatif. Bon ben Äatbolifen al« ibr 
fcbarffmnigfter (Gegner geachtet, würbe er 
ton ben Sutberanern wegen feiner Scbrift 
„De praeeipuis religionis christianae ca- 
pitibus" (1613) be« Ärtobtopati«mu«, wecken 
feiner ©erfc .,Epitome theol. morahs" 
(1634) unb „De tolerantia reformatorum" 
be« Atrbbtocalt>ini«mu« unb wegen feiner 
Bemühungen, bei bem 9te(igion«gefpräch 
ju Iborn (1645) jwifeben ben lutberifeben 
unb reformierten Ibeologen ju toermitteln, 
be« Sbnfreti«mu« 0* b) berichtigt. <3ein 
bogmatifrf»e« duftem ift niebergelegt in 
ber „Epitomc theologiae" (1619) unb 
in fielen 3eitf*fiften. C. ftarb 1656. 3$rgl. 
@aß, ®eorg (£. unb ber £pittrcti«mu« 
(1846); feilte, Oeorg <£. unb feine Beit 
(1853—60, 2Bbe.). <5ein ©obn grieb» 
rieb U l r i cb S. , geb. 8. 9Kärj 1622 , ein 
Waeferer S^ertbeibiger ber Meinungen feine« 
©ater«, fiarb al« ^rofeffor ber Ibeologie 
ju ^elmftebt unb 9lbt ju Mönigsiutter 
13. 3an. 1701. z. 

Galtnet (für. »vi), 9(uguft in, gelehrter 
Benebiftiner , geb. 1672 bei Joul, warb 
1698 febrer ju 9Kohen»2Noutier, 1704 
©ubprior ju fünfter im Slfafj, 1718 
^bt in lUancö, 1728 9lbt ton 5enone« 
in Lothringen unb ftarb 1757 ju ^ari«. 2ein 
..Dictionnaire historique et critique etc. 
de la bible" (1722—28, 4 «be., 4. Saft. 
1845—46) würbe in« ßnglifebe, ipoüanbifebe 
unb Xeutfebe (ton (»locfner 1751—54, 
4 *be.). überfetjt. Gr terf afite noeb : ,,La 
Salnte Bible en latin et en francais 
avec un commentaire littdral et critique" 
(1707—16, 23 5Bbe.) unb „Histoire ecclö- 
siastique et civile de la Lorraine" 
(1728, 3 Bbe.). «tat QHtillaume, 
Nouveaux documonts inedits sur la cor- 
respondance de Dom C. (1875). z. 

(Salotmig, (Ä a l a u) , Abraham, 
lutber. ibeolog, geb. 1612 ju Bohrungen 
in Dfipreufien, warb 1637 aufierorbentlieber 
<profeffor ber 2beelogie an ber Unwerfttät 
ju ÄiJnigsberg, ging 1643 al« 9ieftor be« 
(^öntitaftum« nacb £anjig unb 1650 al« 
^rofeffor nach Wittenberg, wo er 1686 



Digitized by Google 



(Safoatre — (Sahnn. 



109 



al« Äonftftortalratl; unb (Mcueralfurei' 
intenbent tiarb. Sr ift bcv flafftfdic Be* 
Präsentant be« jelotifeben futbertum« be« 

17. 3abrb. ©efonber« erbittert befämtfte 
er bie ton ibm al« v£mtfreti«mu# (f. b.) 
bejeidmeten Umon«beftrebungen be« ®. (Sa* 
lirtu* (f. b.), gegen ben er beu „Con- 
sensus repetitus tidoi vore lutheranae" 
(1655) »erfaßte, ©ebeuteuter ftub feine 
aanj im fcf>olaftifd>ert fteift gearbeiteten 
Serfe: „Systemalocorum theologicorum" 
(1655 — 77, 12 ^3be.); „Historia syncre- 
tistica 44 (1682) unb „Biblia illustrata" 
(1672—1676, 4 »be.). z. 

(5aloairc opr. *»äi>r). Äloftetf rouen 
be* Crbene Unfrer Jfteben Stauen Ben 
(Religieuses ober Benedictincs de Notre- 
Dame du C), eine Kongregation Den 
Tonnen, 1617 ton 'Äntoinette ton Crlean«, 
ber £ocbter be« ^erjog« ton i'onguetitle, 
gefttftet. 2üer Crben, n?eld>cr ton Wregor XV. 
bestätigt n?urbe, bat ba« (£igentümlid;e, baß 
in ihm bie ©orfefrriften be« teil SPenebitt 
unb be« fall ftranj terfd;mol$en er« 
fd;etnen. z. 

Calvaria (lat.), ber $irnfd)äbel ; bann 
(Äalbarienberg) «Sd;äbelftätte an 
#inrid>tung«blä*tjen, befouber« f. ». m. 
©olgatba; bal?er in fatbolifd;cn Janbern 
§ügel, meld;e, mit 1 ober 3 Äreujen, 
Statuen unb Silbern (14 Stationen) be= 
jeidmet, bie $obe«ftatte (Sbjifti teranfcfyau« 
liefen unb al« Söaüfabrtöorte bienen. n. 

(Ealötn, 3ob / anne«, eigentlid) Scan 
Kau (bin ober Ca u bin, ber berübmte 
Reformator unb fird?lid>e Xiftator gn (Senf, 
mar \u -Juucu in ber ^icarbie 10. 3uli 
1509 al« ©obn be« fti«taltrofurator« ber 
©raffebaft unb Simbifu« fc e « ÜM«tum«, 
G*erarb (£., geboren, ftrüfaeitig jum geif> 
lieben Stanb befiimmt, mürbe "er mit ben 
Äinberu eine« Gerrit t. äWontmor in bem 
Soüege be la 9Jiard;e, fpäter in bem (Sol* 
lege SDiontaigu, in meldjem balb aud; 
3gna$ ton Sopola feine 2tu«bilbung empfing, 
tvefflid» unterrichtet. Mau in b.atte er ba« 

18. 3atyr erreicht, al« bereit« feine ©elet»r= 
Jamfeit unb feine fcinreißenbe iBerebfamfeit 
ibm allgemeine ^emunberungermarbeu ; ba« 
Sinfebu feine« Später« terfebaffte ibm 1527 
bie Pfarre ton üftarterille, meldje er 1529 
mit ber ton ^ont I'ßtöque tertaufd;te. 
9(uf ben Sßunfd; feine« Katers »raubte er 
ftd> in Orlean« bem ©tubium be« iWed;t« 
mit eiferner SJefyarrlicbfeit unb fo tor,üg« 
liebem Grfolg ju, baß man ibm bei feinem 
Abgänge ton ba bie juriftifdje £oitor* 
würbe anbot. Sobann begab er ftd» nacb 
©ourge«, borte bier ben berübmteu 9iedn«= 
luntigen 2lntrca« 9llciatu« unb erlernte 



nebenbei bie gried>ifd;e 2rrad>c bei bem 
$umauiuen 2)iclebici -SSJolinar, ber, felbft 
ein erfl arter Änbä'ngrr vutb/r«, mie e« 
febeint, juerft <S. mit ber i'ebje be« ftefor* 
mator« befannt gemaebt, jcbenfatltf aber 
auf ibn einen niebt uubebeutenben (Sinflutj 
aua? in religiöfer ^ejiebung au«aeübt bat. 
ß« läßt ft(t> niebt erweifen, batj für bie 
religiöfe lintteidelung Calvin* bie Wedne« 
ftreitigfeiten ton 5Jebeutung geirefen ftnb, 
bie fein !j?ater unb fein altefter trüber 
Äarl mit bem Äaritel ton »Jioyon au«« 
fönten unb bie jur (Srrommuuitatiou fo« 
n?obl be« ßrfteren (1529) al« aud> be« 
vetteren (1530) führten. Um bie ?>tit 
gerabe flaut» (£alr>in bei bem Kapitel ton 
Riepen in fo bob^em Snfebn, baß baffelbe 
u>iüeu« mar, ibm ba« "Amt eine« bifd^öf» 
lieben Cffijial« unb bamit jugleid) bie 
^eriolgung ber Me^er anjutertrauen. 
Wacbtcm fein 33ater — im Joanne ber 
ilird>e — 1531 geftorben mar, ließ er, 
nun im Söefifce eine« größeren SJermögeu«, 
ba« Stubium ber ^urietrubeir, faüeu unb 
ging gan$ jur ^bilologie über. 1531 
begab er fieb jur gorrfcljunfl feiner Stu» 
bien uad? fpatif, mofelbft er 1532 fein 
Grftlingötvcrf, einen Äommeutar ;u 2eueca« 
Slbbanblung „lieber bie iDiilbe", in ber 
Slbfidu »erfaßte, ftd; burd? baffelbe in ben 
tminaniftifd^en M reifen befannt ju maeben. 
3n ber «reiten $>älfte be« 3abre« 1532 
tolljog ftd> iu (Saitin „roie burdj einen 
blöl5licben Sicbtftrabl" — fo brüeft er ftd; 
felbft att« — jene gemaltige Ummanfclung, 
mcla)e au« bem ^umaniften ben Refor- 
mator machte. Xex Vorgang felbft ift 
necb nkbt ganj aufgeflärt. 9lngcba^nt ift 
bie söetebrung ma^rfa>einlid; burct> ben 
Umgang mit etangeliid) gefilmten Männern 
iu ^ariö, in«bcfonbere mit bem Kaufmann 
be la gorge, fomie burrb ben S3riefmea)fcl 
mit feinem, ber etangelifcbcn i'ebre eifrig 
jugetbanen, ^ermanbten, Robert Clitetanu« 
(f. t>.>; 1533 terfaßte (Saltin für feinen 
ftrcunb 'Jiifolan« (Sob, ben bamaligen 
Hefter ber "^arifer Uniterfttät, bie 9iebe, 
"melebe tiefer uarb altem $>erfommen am 
^lücrbeiligenfcfte tor ber terfammelten 
Unitcrfttät jit balten batte. 3)a fic ton 
ber „cbriftlictjen ^bilofotbic" banbeltc, aber 
unter biefem Manien bie etangelifct)e 
£ebre cmtfabl, nötbigte ftc ben Vortragen» 
ben 3ttr gludn; aud) (S. felbft mußte 
eilig ^ari« terlaffeu. 9Jad)bem er fid; 
1534 in ben terfefaiebenften Orten be« füb« 
[ia)en unb mittleren 5 ra^^reirf,^, aufge» 
galten, aud; einige *^eit in 4 Jiopon gcmeilt 
batte, um ftd) feiner ^frünbeu |u ent- 
lebigen unb bort jmeimal tont ftatpitel 



Digitized by Google 



110 



Gattin. 



tierb>ftet, aber lieber freigetaffen Werben 
war, febrte er nadj <Pari«jurUcf ; ba aber 
in biefem Slugenblid 1 bie St>angctifcben in 
^Jari« auf ba« ©(pwerfte »erfolgt würben, 
flüchtete er noa) bor ©djtuß be« 3abre« 
1534 nad) ©afet. §ier gab er 1536 fein 
eftmal«, Riefet 1559 umgearbeitete« SDleifrer« 
werf b^erau«: „Unterweifung in ber djrift* 
lieben Religion" („Institutio christianae 
religionis"), wetdwm ®ud; er eine$ebifatien 
an ben Äönig gran^ I. tioranfefcte, Worin 
er eine ©iberlegung jener ©ebautitung 
barbot, al« feien bie in granfreid) ibre« 
©tauben« wegen bntgcridpteten Reformierten 
al« unruhige Äb'tifc, bie Religion unb 
©taat umfrürjen mottten, anjufeben. 3)iefe« 
©erf enthalt in lidjttiotter Darlegung ein 
tiottftänbtge« Stiftern be« c^riflltc^en ©tau* 
ben«, gegrünbet auf ba« tiroteftanttfdje 
'prinüti, baß bie fettige ©riprift bie alleinige 
Duelle djriftlidjer ©abrbeit fei. Bbweidjenb 
tion ?utper ftatuierte <5. im SlbenbrnabJ 
einen geifiigen ©enuß be« Seibe« <Sb)rifH 
burd? ben ©tauben; in ber Üepre tion ber 
©nabe unb bem freien ©iflen nal)m er 
eine abfolutc $?orpcrbefHmmung ber ©lau* 
bigen jur ©etigfeit, ber Ungläubigen 3ur 
$erbammni« (^r8befHnation«Iebre) an, 
nnb in Slnfebung ber fireplitben ©ebräutpe 
brang er auf ganjlidjc 9lbfcbaffung aller 
nidjt au«brüd!tidj in ber ^eiligen ©djrift 
begriinbeten 3 ere tnonien. ®rgl. Äöftlin, 
<5almn« Institutio na<p gorin unl > 3»* 
balt, in ben ,,©tub. u. Ärit." (1868.) 

Ü?on SÖafel begab ftd? <5. 1536 auf eine 
fuqe 3eit an ben $of ber §enogin tion 
gerrara, mußte aber tton ba fUepen. Srgl. 
genta na, Documenti dell' archivio 
vaticano e dell' Estense circa il soggiorno 
di Calvino a Ferrara (1885) ; (£ o m b a in 
ber „Rivista christiana" (1885); 2ecuttre 
in ber „Rev. de theoL et phil." (1886) 
unb ©anbonini in ber „Rhästa stör, 
italiana" (1887). 2)arauf befud>tc(£. normal« 
feine $aterftabt unb gebaute ftep bauernb in 
©rraßburg ober ©afet nteberjulaffen. Huf 
biefer Reife fam er im Huguft 1536 bnrcp 
©enf, wo bie neue 2ebre naep langem Äamtif 
feit einem 3apr burdj einen Regierung«* 
befdpluß fbrmlidj eingefübrt War. 35ie $er* 
fünbiger berfelben Waren bi«* bie beiben ^re* 
biger ©»beim garet (f. b.) unb ^eter Viret 
(f. b ). garet lub <J. ein, in ©enf fein ©ebilfe 
in werben; <£. Weigerte ftd? anfang«, will- 
fabrte aber bann, al« ibm garet mit bem 
gludje ©otte« brobte, wenn er fi<b bem 
an ibn ergangenen Ruf wiberfetje. <5. nabm 
bie ©teile al« Sebrer ber Geologie in 
©enf an, begann 1537 autb )tt ti"bigen 
unb Wtbmete* fub feinem Hmt mit ber an* 



geftrengteften Sbätigfeit. dr tcbrte auf 
ber Äan$el unb bem S'atbeber, ließ 1537 
tion ben ©enfern ein neue« ©tauben«* 
befenntni« befcpwören, rtebtete in ben be« 
naebbarten ©egenben ba« Äircbcnwefen ein, 
ftpltdjtete ©trettigfeiten, fdjrieb außer bieten 
anberen ©epriften einen großen unb einen 
flehten Äated)i«mu« unb tifrfedjt in bäu* 
ftgen 2)i«tiutationen feine Meinungen gegen 
jeben Singriff mit ^artnärfigfeit unb über* 
tegenem ©eift. ©ein Snpang beftanb bor* 
3ug«ir-eife au« eingewanberten fransöftfeben 
^ßroteftanten j biefen ftanb ein beträdjtlicbcr 
ibeit ber emgebornen ©cnfer al« fogen. 
?ibertiner entgegen, benen bie ?ebre ($.ah 
bin« ju b«*b »öf/ »nb »etdje, al« jgreunbe 
ber ©cbweijer, bie freiere Richtung ^roingli« 
borgejogen bä'tten. 35ic Erbitterung jwifeben 
beiben Parteien mürbe fo ftarf, baß (5. 
unb garet, meiere fid? meigerten, ba« Slbenb« 
mabl nad) bem ©erner Ritu«, ba« b^eißt 
mit ungefSuertem ©rot, roie e« bie ©enfer 
Obrigfeit tierlangte, au«3Utbeiten, ja fogar 
am Oflerfonntag 1538 erftärten, bie geier 
be« ?lbenbmabl« fo lange au«fe^en ju müffen, 
al« ba« ©enfer SJolf [\(Sf nid)t gebeffert babc, 
13. ?ttirit au« ©enf toerbannt mürben. 
9?rgt. (5 o r n e t i u 8 , 2)ic Verbannung (Jat* 
»in« au« ©enf (1886). (5. begab ftcb über 
»afet nad) ©rraßburg. ^>ier, »o ä)iartin 
©ucer fd)on feit jebn 3abren bie Refor- 
mation befeftigt b«tte, fanb (£. eprentiotte 
31ufnal)me, fytelt tbeotogifd;e Vortefungen 
unb grünbete eine frambftfdjj-reformierte ©c* 
meinbe. 3m gotge feiner ^beilnabme am 
granf furter Reid>«tag 1539, am Religion«* 
geftiräd? ju ©orm« 1540 unb ju Regen«* 
bürg 1541 trat er mit QJWandjtpon in 
freunbfdt)afttitbe Sejiepungen. 2>abei waren 
aber feine ©Iide fortmäbrenb nad; ©enf 
gerieptet, Wofetbft unterbeffen Caltiin« 9ln* 
bänger bie Oberbanb im Ratb erlangten. 
©d;rifttitbe (Sintabungen an (5. flir- 
ten ni<pt jum 3iet, ba bie ©traßburger 
ibn nidjt tion fid) laffen wollten. <5rft al« 
im 5Kai 1541 eine feierliche ©efanbtfd^aft 
be« ©enfer Ratb« unb ber bortigen SHirger* 
febaft in ©rraßburg erfd;ien, trennte fid» 
<£. tion ©rraßburg. 3m ©etitember 1541 
fam (S. in ©enf an. 5?rgt. <5ornetiu«, 
$ie Rürffebr (Saltiin« natp ©enf (1888). 
©ogleicp legte er bem Ratbe bafetbft feinen 
^tan jirr SJerbefferung ber Ärrcbenbi«jitilin 
tior, ber ob^ne ©iberftirud) angenommen 
Würbe. 3)iefer Serorbnung gemäß fottten 
tion ben ^Jrebigern in Söorfcptag }u brin« 
genbe, tion ber ©emeinbe 3U beftatigenbe 
Wettefte beftettt Werben, beren jwötf in ®e« 
meinfd)aft mit fed?« ^rebigern bie oberfte 
fird?tid)e ©ebörbe, ba« Äonfiftorium, bit- 



Digitized by Google 



(Sattin. 



111 



beten. 2>ieie« batte ba« 9tecbt, ©efefce ;u 
geben fewie Verächter be« 0*ette«bienfte«, 
ftttenlofe SflcfMKH unb Verbreiter betere- 
borer Meinungen ebne 94ücfftdjt auf ibren 
©tanb $ur Siecbenfchaft \\i hieben unb ber 
weltlichen Obrigfeit \uv Veftrafung n über- 
geben. $ierburcb, baurtfächlicb briiefte er 
ber ©enfer iRefermatien einen tbeefratifeben 
(Jbarafter auf. 3ebe, auch bie befebeibenfte 
Dbtefttien gegen feine 2tnficbteu würbe 
unterbrüeft unb bie Xbaten, Lienen unb 
SSorte eine« jeben Vewobner« »en (*enf 
flreng überwacht. 3it ben fahren 1542 
— 1546 finb niebt weniger al« 58 lebe*' 
urteile toellftrecft unb 76 Verbannung«- 
betrete ergangen. Gin Hnfübrer ber „vi« 
bertiner", ©erthelier, Sebn eine« (Genfer 
ftreibeit«märtörer«, würbe fegar mit fünf 
©eftnnungSgen offen al« Slufrübrer ent- 
hauptet (1555). $abei würben tbeatra- 
lifebe Suffübrungen unb £än' 5 e unterfagt. 
Sluch bie Xanfc auf anbre al« biblifebe 
©omanten fowie fegar ba« Tragen beutfeh« 
febweijerifeber Xracbten würbe »erbeten, 
obne baß fieb be«h alb bie Sitten im Min» 
beften »erbeffert Kütten. 9luch gegen ba« 
§erenwefen würbe unter (5. mit maffen- 
haften Verbrennungen eingefebritten ; in 
bem furzen 3eitraum öom 17. ftebr. bi« 
15. Mai 1545 finb allein 34 fegen. „W- 
bereiter" bingeriebtet werben. Mit gleicher 
Strenge würben Schriften unb Meinungen, 
bie ba« geiftliche Xribunal »etbammte, ge- 
richtet. 3afob ©ruet würbe 1547 ent- 
hauptet, weil er gottlefe Vriefc unb un- 
ftttlicbe Verfe geftbrieben, auch M* fircbliche 
Orbnung unquftür^en »erfuebt babe. Segen 
fBiberffcruch gegen <5al»in« ^räbefrination«* 
lebre würbe 1551 Volfec (f. b.) an« ©enf 
»erbannt. 35a« berühmtere Veifticl aber 
t>on Caloin« ©lauben«tbrannet ift bie Ein- 
richtung be« Spanier« Michael Werfet 
(f. b.) wegen h^teroberer Slnftcbt über bie 
Xrinität 1553. Xiefe greuetbafte Morb» 
f3ene fäüt übrigen« ben Verurteilen be« 
ganzen 3«italter« jur ?aft; auch bie Sutbe» 
raner, fogar Melanchthen, baben bie $ttt< 
tiebtung eine Xhat ber ©ereebtigfeit ge- 
nannt. S3atb nach Seroet« leb warb ber 
Bntirrinitarier ©ribalbo au« ©enf ber« 
wiefen. <5alt>in« wahrhaft unermeßliche 
Xhätigfeit erhielt burch bie 1559 tton ibm 
berohrfte Stiftung einer tbeolcgifchen 9lfa» 
bemie in Genf, ber erften reformierten 
Unioerfität, einen neuen bebeutenben 3«* 
Wach«. Xem Iheobcr ©e^a, feinem ibm 
fehr ergebenen Schüler, übertrug er ba« 
wefterat, er felbft wollte nur ^refeffor ber 
Xheolegie fein. 9(u« biefer i3flan}fehule 
fingen bie fühnen unb geiftoellen Männer 



beroor, welcbe bie reformierte ?ebre ben 
fommenben ©efcbleebteru bewahrten unb in 
anbere i'änbrr, ;um Xbeil in weite »ferne 
trugen. 1549 feben batte ftdb) <5. mit ben 
Büri&ern (Consensus Tigurinus) über bie 
Äbenbmablölebre geeinigt. Xiefe Verein- 
barung fanb bie 3uftimmung ber übrigen 
eoangelifcben Äirchen ber Schwei}, erregte 
aber ben 3orn ber ? utberaner, al« berenSSort- 
füh«r Seftrbal (f. b.) unb §eßbuftus (1 b.) 
in eine erbitterte Uelemif mit (S. gerietben. 
(Jaltin« febwächlicber Wörter erlag enblicb 
ben ununterbrochenen ^luftrengungen unb 
junebmenber Äranflichfeit. (J. ftarb 27. IVai 
1564. Seine ®attin (er hatte 1540 3belette 
*. ©ure, t?erwittirete Störber, geheiratbet) 
war 1549, fein einiger Sohn noch früher 
gefterben. 

(Jalein« bleiche unb magere 0\cficöt«- 
^Uge mit bem langen, feblichten Vart waren 
bie eine« fränflichen Manne«; au« ber 
hoben, reinen Stirn unb aus ben ernft 
unb febarf bliefenben Slugcn aber foriich 
ein gelehrter, feiner, fefter Oeift. Seine 
UneigennütJigfeit ifl vielfach bewunbert 
worben. Ör brebigte beinahe ta'glich, bielt 
wöchentlich brei theologifche Äottegien, oer« 
fäumte feine Si^ung be« Äonftftorium«, 
leitete bie Verhanblungen ber "^rebiger- 
gefefliebaft, erließ juriftifebe unb tbeologtfchc 
©utachten, führte bie wichticjften bolittfehen 
Verhanblungen, »erfaßte feine gebiegenen 
Söerfe, barunter bie »ortrefflichen 8ibel- 
fommentare; neben biefem allen erftreefte 
ftch fein SBriefwechfel nach aüen Sänbern 
Suroba«. 91ußer feinen gebrueften Söerfen 
bewahren bie (Senfer unb Züricher Viblio* 
thefen al« ^eugniffe feiner Jh&tigjeit an 
3000 hanbfebriftliche ^rebigten, ftbhanb* 
fungen jc. Caloin« Söerfe, namentlich 
feine „Institntio roligionis christianae" 
(Uterft lateinifch 1536, ftäter iJfter, auch f ran * 
jbftfcb, am beüen »on9tob. Stephan u« 
1559, neuerlich oenXh ol uef, 2. Wtt 1846 
unb »on Vaum, Cuni^j unbSReuß 1869, 
2 S3be. hfrau«gegeben) unb feine „Cora- 
mentarii in liSros N. T." (herausgegeben 
toon X h o l u d , 1833—34, 7 Vbe. ; 4. ?(ufl. 
1864, 4 tyätt), ftnb noch heute für bie 
theologifche SSiffenfchaft »on ©ebeutung. 
(Sine ©efamtau«gabe feiner SBerfe be- 
forgten Vaum, dteuß unb Ginub im 
.Corpus reformatorum" (1863—88, ©b. 
1—38). Von (£. rührt auch bie Verbeffe- 
rung ber franjb'ftfchen Vibel (nach Clioe» 
tan« Ueberfe^ung) fytx. Caloin« ?eben 
befebrieben oon feinWi«ber v ^eite SxHec 
(1577; neu hcraj^^Wn' »cVrba^il, 
1875), »on Jbt^etrtibeter Xh- ©«ig (loTr> N \ 
neue frani/Srarbeitu^ J^ij(^XP4iftiny 

TH£üLC%lCAL SEMINARY, 



Ar 



>ogIe 



112 



(Samevaviutf — (ianiftuS. 



1864),neuerbing«$enn)(1835— 44,33?be.; 
2luö jug in 1 $b. 18-16), Hungen er (2. Äufl. 
1863, beutfd> 1863), ©t ab et in (1863), 
2* i g u e t u. 2 i f f o t („C. d'apres C. a , 1864); 
fcom fatbolifcben Stanb^unft: ?lubin 
(6.91ufl. 1873, 2 33be. ; beutfdj *on (Sgger, 
1843-44, 2 SBbc). *rgl. aud? @ a l i f f e , 
Quelques pages d'histoire exacte sur les 
proces intentCs ä Geneve en 1547 — 59 
(1862) j 2) er f elfte, „Nouvelles pages 
d'histoire exacte etc." (1863) : 8 oft f ein, 
£ic ßtbif <Sal*in« (1877); Woget, His- 
toire du peuple de Geneve depuis la 
reformation (1875—83, 7 $be.); (Sb- 
S dj nt ib t , Lea libertins spirituels (1876); 
Ä am p\ djulte, 3cbanu <5., feine Äird?e 
unb fein «Staat in ©enf (1. Söb. 1869); 

fleurp, Hist. de l'egl. de Gen. (1880, 
33be.); Äatteubufd) in ben „3abrb. 
für beutfa>e Xbtol* (1878); «pierfon, 
Studien over Joh. Kalyyn (1881); £er* 
felbe, Nieuwe Studien over Kalvijn 
(1885); Ufteri in ben „Stub. u. Ärit." 
(1884); Ä raufe in ber „3eitfd)rift für 
pxalt Xptcl." (1884); 21. Ücfranc, La 
jeunesse de C. (1888). z. 

(Sametatiu* , 3 o a d> i m , $>umanift 
unb Sieformater, geb. 1500 jn Bamberg, 
filtrierte in ?eipjig unb (Srfurt bie buma» 
niftifd)en Sßiffenfd)afteu. $ür iutber« l'ebre 
gewonnen, begab er ftd; 1521 nad? ©itteu« 
berg, trat biev in ein nabe« Skrbältnt« ju 
lUielancbtbc-n, geborte feit 1526 in Würn« 
berg ju bem Ärei«, ber ftcb bafelbft um 
^irtbeimer fcbarte. 1535 folgte er einem 
«Huf als "Jkofeffor nacb Bübingen, 1541 
nad) ?eib3ig. 2>er Sad;e ber Deformation 
nabm er ftd) audj ft-ä'ter mebrfadj (auf 
bem lag ju Naumburg 1554, auf bem 
21ug«burger 9ieiä)«tag ton 1555, in ben 
^erbanblungen ju Dürnberg wäbrenb be« 
Cftanbcrfcben Streit« 1556) mit 9iube 
unb ^cfti<\fcit an. (£. ftarb 1574. Unter 
feinen Triften ift befonber« ju nennen: 
„Narratio de Ph. Melanchthonis ortu, 
totius vitae curriculo et morte" (1566). z. 

Camerlengo (di S. Romana Chiesa, 
ital., „Äämmerling" lat. Camerarius), am 
pabftlicben §of ber Beamte, meiner ben 
ScbatJ ju verwalten bat unb ber jur 3eit 
be« 8efte$enf be« üirebenftaat« ber 3uftij 
terftanb, aud? bei einer (Srtebigung be« 
päpftlicben Stubl« bie tnterimiftifebe iKegie* 
mug fübrtc; meiften« erhalten ttarbinälc 
biefe« Vtmt. z. 

CS a m c r o, 91 r cb i b a 1 b , febott. ^rebiger, 
verwarf bie fcen ftarl II. angebotene 3n« 
bulgcnj 1669, ferberte mit liargill y Ab 
fduiffung ter SDienardiie al« Duelle ber 
.Kircbeufälfrintng unb fiel in ber Scblacbt 



bei 9lir«-2!?oß 1681. Seine 9lnbäuger, 
bie (£ a m e r o n i a n e r ober Sargilliten, 
crbiclten 1743 Sulbung. Sie baltcn bie 
^reSbpterialierm für bie einjige gbttlidj 
mgefebriebene 3?erfaffung«form. z. 

CSampcUo, i>einria) ©raf ton, mit 
Safcarefe (f. b.) SJegrünber ber „italienifd)* 
fatboliftben äirdje" in 9iom, würbe al« 
SprUfeling eine« alten Spoletanifdjcn ©ra- 
fengefcblecbt« 1831 ju 9Jom geboren, trat 
auf ben i&unfd; feine« iöater« in bie 31fa> 
bemic abeliger ©eiftlidjen ju SRom, bcfud)te 
bie tbeologifdjen iöorlefungen ber 3efuiten 
an ber ©regorianifeben Untüerfität, empfing 
1855 bie s Jkieftern?eibe, mürbe 1861 Äano* 
nifu« ber fiberianifeben ^afilifa unb 1868 
ber ttatitanifeben l ißatriard;aUird;e bon St. 
«ßeter, grünbete, bura> bie «efcblüffe be« 
tatifanifdjen Äonjil« unb ba« 25euebmen 
^iu« IX. mäbrenb bc«ielben auf ba« 
tieffte »erflimmt, ben „italienifcb'fatbolif(ben 
herein für bie ©iebererlangung ber bem 
cb-rifUidjen 3?olfe unb infonberljeit ben 
römifd;en ©ürgern gebübrenben 9tcd)te", 
eine gebeime ©efeüfd)aft, bie ber Curie f er» 
ratben, »om Zapfte errommunijiert mürbe. 
92arb bem 33egrünber unb ben iDZitgliebern 
biefe« herein« forfebenb, glaubte ?eo XIII. 
(2rfteren in <£. gefunbeu ju babeu, ben er 
jur öcantmortung i>on 11 Änflagepunftcn 
aufforberte. 1881 legte <£. fem 91mt al« 
Äanonifu« ton St. s ^eter nieber, trat au« 
ber römifd)eu Äircbe au«, ^ielt ftd? uterfl 
ju ben bifcböflic^en SDietbobiften in Iwom, 
jfräter ju ber amerifauifeben ßpiffoba»ird)e 
bafelbft, grünbete ba« Journal „II Labaro", 
fpracb feine tolle Uebereinftimmung mit 
ben ©runbfa'tjen be« 9lltlatboliji«mu« au«, 
ftiftetc mit Satoarefe bie „italienifcb fatbo* 
lifcbe Äirtbe" unb mirfte befonber« in 
Umbricn für bie fatbolifdje IWeformbartei. 
©rat t-. C, (Sigenc lebeu«gcfd;icbtl. «uf- 
jeiebnungen (1882). z. 

CT an i ft ue, c t c r , eigentlid? b e o n b t , 
3cfuit, geb. 1521 ju Wimmegen, trat 1543 
ju Äöln al« ber erfte in Xeutfdjlaub in 
ben 3efuitenorben, beffen erfter "JJrotMUjial 
für 5)eutfd;lanb er 1556 trurbe. (£r mirtte 
feit 1549 al« llnit>erfttät«lebrer in 3ngol« 
ftabt, feit 1552 al« ^pofbrebiger in SBien; 
1556 febrte C. nad; kapern jurücf, betbei- 
ligte ftcb an bem ÜReligicn«gefr-räcb ju 
Sonn* 1557 fomie am 9feicb«tag ju 
9lug«burg 1559 unb mobnte bem Mon'jil ju 
Xribent bei 1562. Unter beut ibm weniger 
günftig gefinnten ftaifer IVarimilian II. 
jog fidj (£. 1580 in bi>« Crben«foUegium 
ju ^reiburg in ber Sdweij jurüd, mo er 
159< ftarb. Gr mirtte mit großem Grfolg 
für bie *3lu*brcitung bco Crben« unt jur 



Digitized by Google 



ßanftein — (Satacctoü. 



113 



Unterbrücfung ber Deformation befonbcr« 
in Äbtn, «abern unb Ocficrreid). Söeit- 
berbrcitet waren lange feine Rar unb taft» 
voll gefd)riebeneu , bi« in bie ncuefte 3«* 
oft aufgelegten &atecbi«men, ein größerer: 
„Summa doctrinae christianae s. cate- 
chismus major" (1564), unb ein Keinem: 
„Institutionea chriBtianae pictatis s. par- 
vus catechismus catholiconim" (1566), 
burd» weld)e er ?utber« £atecbi«men ju 
bcrbraugen fucbtc. (J. mürbe im ^ocembcr 
1864 feiig gcfbroriu-n Sein ®ebädjtni«tag 
ifi ber 27. Tlj>ril. ©ein Sebcn bcfd)riebcn 
Daufdier (1865), D i e (1865), 3R a r für 
(1881). %. 

Ctttftetlt.A arl$ilbebra nb,$r ei- 
ber r ben, ber «Stifter ber na<b ibm ge« 
nannten $ibelanftalt ju Halle, geb. 1667 
gu Sinbenberg in ber SWarf, marb 1689 
Äammerjunfer be« Äurfürficn von £?ran» 
bcnburg unb tbat bor feiner (Srfranfung, 
bie ibn in« Privatleben gurücfrief, AtriegS« 
bienüe in ben 9(ieb«rlanbcn. 1691 trat er 
in natie «ejiebungen ui ©pener (f. b.), unb 
fpater burdj beffen *ermittelung \\\ %. 

ftrancfe (f. b). ©ein »Name lebt fort in 
ber von üp 1710 burcb »eitrage gegrün- 
beten, bei feinem Hobe in Berlin (1719) 
tefmmentarifd) botierten unb mit ben brande- 
fdjen Stiftungen wbunbcnen »nftalt, 
»eube bie »ufgabe bat, bie »ibel für ben 
mbgiicbft geringen $reie hcnuüellen unb ;u 
»erbreiten. £te erfte 31u«gabe be« Denen 
leftament« erfd>ien 1712 jum preis bon 
2 ®rofd)cn, bie ganje Sibel 1713 für 9 
©rofdjen. <&. binterlicfj aud) eine „Harmonie 
ber mer öbangcliften" (1718) unb ein 
„Seben ©bener«" (1729). «rgl. platb, 
Ä. H-, grciberr »on (£. (1861) ; « e r t r a ra , 
(.^efcbicbte ber (Janftcuikben ibibclanftalt 
(1863). x, 

Cantäte (Cantate Domino, lat., „©in- 
get bem ^>erm"), ber feierte ©onntag nadj 
iufievn, fe genannt nad) bem Sntroitu« 
ber SWeffe (pfalm 98, 1). h. 

€ttmi$, (<£ano) 2Held>tor, fatbol. 
Dogmatiler, 2)ominifaner , geb. 1509 in 
iarancon bei lolebo, Profeffor ber Xb*0' 
logic feit 1543 ju «leala, feit 1546 ju 
©alamanca unb feit 1557 Drbcn«probin« 
jtal, mar eine ber Autoritäten, meube bie 
Färbung be« £ribentiner Äonjil« in feiner 
erften pertebe im ©cgcnfato ju ber jweiten, 
jcfuitifdjen, beftimmten. 3n ben 3cfuiten 
erblidte (£. bie „Vorläufer be« 3lntid)rift*" ; 
1559 mufjte er fid) in Dom megen angeb- 
lieber Hinneigung jum pt:otcfianti«mu« 
öcrantmorten. Srft nad) feinem 1560 erfolg- 
ten Xobe erfd)ienen 1563 ju ©alamanca 
feine „Loci theologici" , ein bogmatifebe« 

Holtmann unb äipfiti, Üttiton. 



$au|?tn>erf ber ibomifttfeben Didituna be« 
ÄatbolijiSmu«. Sörgl. Caballero, Vida 
I del UL l-'ray M. Cano (1871). a, 

Sapabofr, (Sapbabofe) * b r a b a m, 
| beUänb. »rjt unb ^jrcfel»t, geboren 1795 
! alt 3fraelit, ttmrbe 1822 gleid))eitig mit 
Da Cofta (f. b.) getauft, betbetligte ftcb eifrig 
an rci Drfiauration bee ftrtngen Salfetnie- 
mu« in §otlanb unb mamte fni> 1862 burcb 
feinen öifer für bie Befreiung be« fpani» 
feben f roteftanten SDiatamoro« (f. b.) bemerf- 
ltd). Qv ftarb 1874. «rgl. w Büge au« ber 
?eben«gef(bicbte be« 2)r. <£., fcon ibm felbfl 
erjäbir (4. «ufl. 1859). z. 

(^apito (jtbbfel), SBolfgang %a- 
briciu«, Reformator, geb. 1478 )tt 
Hagenau im (Slfaß, ftubierte w ^reiburg 
i. $r. erft SÄebijin, bann bie »ed}te, 
enblid) ^bf^^gi«/ »arb 1512 ^ßrobf* ber 
??enebiftinerabtei in *rucbfal unb 1615 
"ßrebiger unb profeffor ber Xb«foßie in 
©afel; tyitx »anbte er ftcb infolge feiner 
griedjifrben unb bcbräifd)en ©tubten bon 
ber ©djelafttt ab unb »ibmete fid» *or 
aüem ber Srforfcbung unb £cbre be« 
(Sfean^eliume. Cr l^telt baber »onugemeife 
cregetifcbc Jöorlefungen. 2>enno<b trat er 
1520 in bie Eienfic be« «urfürften «Ibred)t 
bon " .'.:::!•• unb erhielt 1521 ton ?eo X. 
bie *probft« ju ©t. Xboma« in ©tragburg, 
mobtn er ftd) jebod) erft 1523 begab; hier 
eutftbieb er ftd) enbgültig für bie Defor^ 
mation unb toirftc mit allem (Sifcr für 
biefelbe. «u^ in feiner »aterpabt Haflfnau 
fübrte er bie Deformation ein. ©djuwe 
Äämbfc böttc ber meitberjige, milbc (Sabito 
mit ben ©trafjburger SBiebertäufern an«- 
jufeebten, ;u beneit er ftd) eine ßeitlang 
— bi« ibn Purina, 1 » toarnte — in b.ob^em 
aKafie bingejogen füllte, dtv mar mit «ucer 
Serfaffer ber „Confessio Tetrapolitana" 
(f. b.), uab,m tifeil an ber ferner ©bnobe 
1532, fomie an ben ©eftrebungen ®ucer« 
(f. b), eine Union jroifcben Deformierten 
unb i'utberanern b«rj«ft<U«n. 3)ie fflitten- 
berger ^onforbie (f. b.) mar mit fein ©erf. 
6r ftarb im ^obember 1541. «rgl. 3. SB. 
»aum, (£. unb »ucer (1860); ».»aum, 
SWagiftrat unb Deformation in ©traßburg, 
(1887); Ufteri, in ben „©tubien unb 
Äritifcn" (1884). z. 

Cara Cognatio (lat), ^etri ©tubl^ 
feft (22. ftebr.), an meinem geft ftd) eine 
Zeitlang bie beibnifcb^ ©itte erbalten batte, 
©peifen auf bie Oraber ber ^erftoroenen 
ju tragen unb ju obfern. u. 

O'ürarcieli, Oaleajjo, 3Ward?efe öon 
^ico, italienifd)er Deformator, geboren 
1517, trat ju «eabel in ben Hofbienf», 
würbe burd) ben ^ertebr mit 3uan be 

8 



Digitized by Google 



114 



(Sargifltten — (Sarpjot. 



«atbej (f. b.) unb burd> bie "JJrebtgten be« 
^etru« $iartvr SJermigli (f. b.) für bic 
evangelifdie Sefyre gewonnen, flüchtete, um 
bcr brobenben Verfolgung 311 entgefcn, 
unter Burüdlaffung ^on 2Beib unb Äinbern 
1551 nad) ©cnf. Sergeblidj waren alle 
SJerfucfce feiner gamilic fowie be« $abfte« 
«ßaul IV., feine« Dntel«, ibn jur 9iü tffebr 
nad) 3talicn unb in ben ©djoß ber fatbo- 
lifdjcn Stirdje ju bewegen. 211« fidj bei 
einem «efudje in $tco feine ©atttn 
weigerte, ibm in bie ^rentbe $u folgen 
felbft unter ber ©ebingung, baß fie bei ibrem 
©lauben verbleiben fönne, ließ er fidj 1559 
burdj ba« ©enfer Äonftfterium von ibr 
fdjeiben, unb ^eirat^ete 1560 jum jweiten 
'Malt, ©i« ju feinem Xobe 1586 war <£. 
eine 3ierbe unb «Säule ber italieniföen 
©emeinbe in ©enf. z. 

Gatflitttten, f- «amtto 

<£arnefed)i . $ i e t r 0 , italienifAer 
2Jiärtbrcr ber »tef ormation«jeit , geb. um 
1509 in jjlorenj, würbe von Clemens VII., 
feinem 3ugcnbfrcunbe , 3um bä'vftlicbcn 
©etretär unb ^Jrotonotar ernannt; fein 
Ginfluß auf biefen war fo groß, baß man 
in 9tom fagte: „25ie ätrebe werbe mebr 
burdj (J. al« burdj (Siemen« VII. regiert". 
9?adj bem Xobe biefe« ^Jabftc« verlteß <£. 
9?cm, trat 1540 in Wcabel in nabe 33c- 
jiefcungen ju bem eblen Greife, ber fidj 
um 3uan be Salbej (f. b.) fammelte. Son 
biefem für bie ?ebre von ber Verfertigung 
burdj ben ©lauben gewonnen, wollte er 
ftdj bod? von bcr fatyoliftbcn ffird?e ntd?t 
trennen. 3n Scnebig, »0 er ton 1542— 
1545 weilte, vertiefte er fid? in bie ©Triften 
?utb.er«. Salb warb bie 3nquiftrion auf 
ibn aufmerffam. ^aul III. berief ibn 1546 
»or feinen flficbterftubj, fd?lug aber ben 
3nquifition«brojeß nieber. fliaebbem <S. 
fünf 3abre in §ranfreidj jugebradjt, nabm 
er 1552 bauernben Slufcntbalt in $abua. 
ftur ber £ob ^ßaul« IV. 1559, ber ibn in 
contumaciam gu ben, ben Stenern ge> 
bübrenben, ©trafen verurteilt b<*tte, entriß 
ibn ben Sirmen biefe« unerfättlicben 3n« 
quifttor« auf bem 2 table fem. Dbgleidj 
ibn <piu« IV 1561 Verfönlid? naa) ein« 
gebenber Unterfudmng freigefbrodjen blatte, 
leitete boä) $iu« V. ba« 3nquifttion«vcr- 
fabren von Beuern gegen <E. ein, ben fein 
naber greunb, §erjog (Sofimo von glorenj, 
1566 bem babftlid&en *«>ten au«lieferte. 
<5. würbe in 9tom 3. Oft. 1567 entbauvtet, 
fein Vcid'imm verbrannt. ®rgl. (£. 3(. 
£afe in ben „3abrb. für broteft. £beol." 
(1877) unb ?. Söitte, % <£. (1883). s. 

Carolin! libri dat., „£arolinifd>e 
©lieber")/ eine auf »eranlaffung Äarl« 



| b. ©r. in vier ©ütfiern verfaßte ©*rift 
jur Beantwortung unb SBibcrlegung ber 
vom ^abft £abrian I. eingefanbten llften 
be« jweiten Wicä'nifc&cn Äonjtl« unb feiner 
Sebrc von ber Cilberverebrung. ©ie bat 
ber granffurter ©b^obe 794 vorgelegen, 
wela^e bie in ibr entwitfelten ?lnftcbten 
gutbieß. ?ln ber SCecbtbeit ber C. 1., bie 
von tatbolifeben ©elebrten älterer unb 

I neuerer 3eit in ftrage gefietlt würbe, fann 
ni<bt gejweifelt werbeiL SJrgl. §loß, De 
suspecta librorum Carolinomm . . . fide 
fl860); $efele, Äonjiliengefdj. (3. »b. 

1877). S. Stltnin unb SKlbcrbienft. z. 

C^cirpjiDü, 92ame einer im ©ebiet ber 

I juriftifdjen unb tbeologifcben ffiiffenfcbaft 

J au«gejeid?neten, bie einftige Slttianj beiber 
S&iffenfdiaften unb ibre grüebte töbif* 
Vertretenben gamilic, bie urfbrüngltd? 
au« Spanien (Sarbe^ana) flammte. 
1) 3obann »enebift <5., geb. 1607 ju 
Wocblifc, ßarb al« ^Jrofeffor ber Xbeologie 

■ in Öeibjtg 1657. <är brad)te al« Homilet 
bie 2)i«bofition«metboben auf 100 (Ho- 

1 degetienm, 1656) unb begrünbete bie 
3)i«|tblin ber <S^mbolif burd) fein ua<b> 
geladene« SBerf „Isagoge in libros 
ecclesiarum Lutheranarum symbolicos 

1 etc." (1665). ©eine ©öbne: — 2) 3o» 
bannSenebift C, Xbeolog unb Orien» 

j talift, geb. 1639 äu ?eib3ig, warb 1668 
^Jrofeffer ber orientalifeben &pxad)tn unb 
feit 1684 ber £beologie bafelbft unb ftarb 
1699. Gr bat ftd) burdj feinen Äamvf 
gegen bie ^letißen unb boubtfiidjlid) ba^ 
burd) befannt gemadjt, baß er bie Collegia 
philobiblica unterbrüdte. — 3) ©amuel 
©enebift <£., geb. 1647 ju SeiVjig, warb 
1674 ^ofbrebiger, 1692 Oberbof&rebiger 
311 S)re«bcn (ortboborer 9?acbfolger ©ve* 
ner«); ftarb bafelbft 1707. 3)effcn ©obn 

I — 4) 3obann ©ottlob (S., ber ©e« 
lebrtefte unter ben Xbeologen au« biefer 

1 ftamilie, geb. 1679 ;u Bresben, würbe 
1719 ^ßrofeffor ber onentalifdjen ©brauen 

! in Seidig, 1730 ©uberintenbent in fiübed 
unb ftarb 7. «bril 1767. ©egen 9ü*arb 
©imon unb Clericu« fdjrieb er al« Sin« 
walt ber 3nfbiration feine „Introductio 

' in libros canonicos bibliorum Veteris 
Testamenti omnes" (1714—1721) unb 
.Critica sacra Veteris Testamenti- 

;(1728). — 5) 3obann »enebift (5., 
((Snfel von (5. 2), geb. 1720 3U ?eibjtg, 
würbe 1747 'tßrofeffor.ber ^büofobbie ba» 

! |elbft, 1748 *Prcfeffor ber gricd&ifdjen ©b^adje 
in ^clmftebt unb bafelbft 1749 aud? ber 
2beolegie, 1759 «bt ju ÄiJntgSlutter unb 
ftarb 1803, nad^bem er bte angeerbte 
Ort&oborie unb lateinifd>e ©elebrfamfeit 



Digitized by Google 



Garrcmja — ßafa* 



115 



ber JBorfabren bi« in unfer 3abr&untert 
«galten batte. z. 

Garranja, ^artbeicmäus, Srj- 
Bifc^of »on £olebc, geb. 1503 in ftatarra, 
mürbe 3)ominifaner, mar ?ebrer ber Xb"* 
legte ju Söaüabolib, ging al« ©efanbter 
Äarl« V. 1545 unb 1551 nad> Xribent, 
begleitete ben 3nfanten HMlipp öon 
Spanien nadj Gnglanb, roofelbft er biefem 
unb feiner ©emablin, ber blutigen SDtaria, 
bei ber Verfolgung ber «ßroteßanten be- 
hilflich mar. §iefttr mit bem <Sqbi«tum 
iolebo 1558 belohnt, würbe er auf ba« 
©erüdjt bin, welche« ibn al« Urbeber be« 
angeblichen Slbfatt« be« fterbenben Äarl V. 
»orn fatbolif(ben ©lauben bezeichnete, vom 
©eneralinquifttor ©albe« ber »eieret be« 
;td::iat, bie man benu aud) in einem, fcon 
ibm 1558 berau«gegebenen, Äatedji«mu« 
finben roottte. 9taö) einer 17jabrigen, 
juerft in ©panien, bann in 8fom (feit 
1567) angebrachten Jgaft entfebieb 1576 
©regor XIII. , baß <5. 16 lutberifcb Hin« 
genbe 2ebrfäfce abfebwören nnb für bie 
naebften fünf 3abre feinen Aufenthalt in 
bem 2)ominifanerflofler \\\ Dröieto nebmen 
foU. föenige ^Soeben fpäter ftarb <£. in 
«cm. 8rgl. i'augmife, »artpol. (J. 
(1870). z. 

©ärulattu*, Sttid&ael, $atriarcb>on 
Äonflantinopel feit 1043, Urbeber ber 
©paltung jwifeben ber römifeben unb grie* 
(i'tjcten Strebe. üDa er in einem 2 & reiten 
an ben ©tfchof 3obanne« r>on Xrani ber 
römifchen Äird&e ba« Sffen be« (SrfHciten 
unb befonber« ben ©ebraueb fcon unge« 
fäuertem $3rot beim Hbenbmabl jum Vor- 
rcurf gemaebt, erfchien eine ©efanbtfcbaft 
be« Zapfte« 2eo IX. in Äonftantinopel, 
forberte »on <£. SBiberruf jener Angriffe 
fowie Slblegung be« angemaßten Xitel« 
^allgemeiner Patriarch" unb legte auf 
feine Steigerung 16. 3uli 1054 anf bem 
Sltar ber Sopbienfircbe eine ©annbulle 
nieber, mohn ber Patriarch unb bie (Sin- 
ri<btungen feiner Äircbe mit aßen miJg- 
Ii<ben Äefcernamen überhäuft mürben, 
hiermit mar ber ©rud) jwifdjen ber 
morgen* unb abenblä'nbifchen Äiuhe ent- 
f(bieben. ©om Äaifer 3faaf I. Äomnenu«, 
bem er erflarte, „3cb ^abe 3)tr bie ftrone 
gegeben , unb tann fie SDtir au(b mieber 
nehmen", jur ©träfe für feine Anmaßung 
1059 in bie Verbannung gefeiert, ftarb 
balb barauf. ©rgl. Sichler, ©efd). 
ber fircbl. Trennung jmifchen bem Orient 
unb Occibent (l.«b. 1864); $alfmann, 
Äarbinal Gumbert (1883). z. 

(Eäfareopapie ober ©äfareonapiS« 
\, ba« ©öftem ber Unterwerfung be« 



Spiffopat« unter bie faiferlicb> ü)lacbt. e. 
<ontint«mu#. 3n ber proteftantifeben Äirdje 
bebentet (£. ba« er: rem be« lanbe«berrli(ben 
Äircbenregiment«, bie geroaltfamc Ausübung 
be« lerritorialftoftem«. 8 öpifropaitaftem. h. 

GäTariu* »on Brie«, ©ifd»of 1 ba« 
felbft (502—543), ifl r?en »ebeutung bureb 
©rünbung r-on SD^ntb«« unb Tonnen« 
fte'ftern unb %ufftet(ung febr betaillierter 
Vorfcbriften für biefelben, fomie auf bem 
©ebiet ber 2)ogmengef<bicbte b ur( ^ f f j ne 

erfolgreicbe ^arteinabnte für ben Hugufti* 
ni«mu« auf ber ©pnobe ju Orange (529). 
Vrgl. ^ri(baub, Histoire de S. CÄiairo, 
archev. d'Arles (1883); Viltetietlle, 
Histoire de S. Ccsaire d'Arles (1884). z. 

(£äfatiu£ »on^eiflerbacb, gelebrter 
SKönd) unb ©efcbidjtsfdjreiber, m j n ^ 0 i n 

(roann?) geboren, trat 1199 in ba« Cifter- 
cienfer ÄloRer ^»eiflerbadj , roo er al« 
SRönd), ^ßrior unb 92ooijenmeifter bi« 
gegen 1240 lebte. Vefonber« betannt ge» 
morben ifl er bureb feinen „Dialogus mira- 
culorum" (b.erau«gegeben toon ©trange, 
1851, 2 ©be.), eine getfUitbe ^oeettenfamm» 
luua t>on bobem Sert für bie tfulturge* 
febidbte be« 13. 3abrbunbert«. gerner bat 
er in feinen $omilien (unter bem tarnen 
„Fasciculus moralitatis* 1615 ebiert) ben 
äHöndjen eine treffliche Anleitung jum 
$rcbigen gegeben. Vrgl. K. Ä a u f m a n n , 
(£. ö. $. (2. KttfL 1862); Unfel in ben 
„flnnal. für ©efd?. be« 9?ieberrbein« w 
(1879); (J r u el, ©efd). ber beutfdjen ^rebigt 
im 2Ä. «. (1879). z. 

Gafac, 93art(iolomSu« be Sa«, 
©efcbüfcer ber gemißbanbelten 3nbianer, 
geb. 1474 ju ©emüa, erbtett 1510 bie 
«ßriefterroeibe ju ©an Domingo, reifte 
ftebenmat nacb ©panien, um j$erbinanb 
ben Äattiolift&en, ben 9?eid)«toerroefer 3Ei» 
mene«, fcbließlid? Äarl V. ju einer fd)o» 
nenben Sebanblung ber al« ßugtiere 
»erroenbeten 3nbianer ju bewegen. Der 
«on S. au«gebenbe 8orf<b(ag, ben Sin« 
gebornen bie gretyeit ju geben, bagegen 
ben fpanifeften Äoloniften bie, toon ibnen 
obnebin febon betriebene, öinfubr ber ar« 
beit«traftigern Sieger ;u geRatten, fanb 
bie Viüigung Äarl« V., trug aber jur 
©erbefferung be« 2ofe« ber 3nbianer erft 
bann bei, al« <ßau( III. \\6 ber ©emiß« 
banbelten in einer ©ufle 1537 annabm 
unb Äarl V. ftrenge ©trafen auf bie 
Serroenbung ber 3nbianer ju ©Haben» 
arbeiten fefcte; 1547 febrte (£. nadj ©Päo- 
nien üurüd, um bier bi« \u feinem lobe 
1566 für feine ©djubbefoblenen ju roirfen. 
«rgi. ^>elp«, Life of B. de las C. 

8* 



Digitized by Google 



110 



(Safari — (Safftcmu«. 



(2. Hüft. 1868); &b. © aumfi ar !, B. de 
Im C. (1879). b. 

tfa&päri, .Ha vi ^aul, Int bor. ü re- 
get unb £trd>enbtftorifer , geb. 1814 ju 
2)effan als ©olm jübifdjer (filtern, fintierte 
ju Seidig unb ©erlin 1834—1841, liefe 
fid} 1838 taufen, folgte 1847 einem 9iuf 
als Seferer unb ftatultätsmitglieb an bie 
Uni&erfttät ju Cbrifuania, m© er 1857 
Nun ^Jrofeffor ber Xbeologte ernannt würbe. 
Iii begrünbete feinen 8luf als Drtentalift 
tnrtt feine „Grammatica arabica" (1844 — 
48; 3. aufl. als „Brabifcb« @rammatil" 
1876), ale «uSleger bes »Iten Seßaments 
tunt feinen Kommentar Uber ben $ro* 
Preten Obabja(1842 ), bie „Beiträge jur Gin» 
leitung in bas ©ueb 3efaia" (1848J unb burdj 
bie ©djriften: „lieber ben fynfdj-ebbrfti- 
mttifeben Srieg unter 3otbam unb 3tt>a«" 
(1849), „Heber 2flid>a unb feine brebbe- 
ttfdje ©ebrift" (1851—52 , 2 ©bc.) unb 
„3ur (Sinfübjung in ba« ©itd) Saniel" 
(1869) ; enblidj als $cgmenbiflori!er burdj 
feine ©driften: „Duellen jur ©efd)icbte 
beS Xauffombols unb ber ©laubenSregel" 
(1866—69, 2 ©be.); „Duellen *ur @e- 
jdjicbte beS XauffombolS" (1875); „Hlte 
unb neue Duellen jur @efd?id)te beS lauf» 
fombols unb ber ©laubenSregel" (1879); 
„SWartin toon ©racaraS @d?rift de correc- 
tione ru8ticorum" (1883); „£trc$enbifto- 
rifd?e Hnecbota" (1883); „©ifdbof fcaftibius' 
^Jelagianifdje »riefe" (1886); „(Sine Slugußin 
fälfcblicb beigelegte Homilia de sacrilegiis" 
(1886). ©eit 1857 gibt er „Theologisk 
Tidsskrilt for den evangelisk-lutherske 
Kirke i Norge" fyerauS. b. 

(Eoepati, 2B alter, lutberiföer %$<o> 
log, geb. 19. 3uni 1847 ju ©ommer« 
baufen in Unterfranfen, ftubierte 1864 — 68 
in 3Künd)en, ßrlangen, Jeibjig, rourbe 
Pfarrer in äJtemmingeu, barauf in 2lns« 
bacb, 1885 Unitoerfität€$>rebigcr unb aufjer» 
orbentlid)er ^Jrofeffot ber ibeolcgie in 
Erlangen, 1887 bafelbft orbentlicb« $ro» 
feffor für praftifcb,e £beologie unb <l3äba- 
gegit. <£. ftbrieb; „BuSgemä&lte Sefeftücfe 
ber auslattbifrben Literatur" (1877); „2>ie 
ebipolifden ^eritopen na* ber HuSroa^l 
»on Dr. £bomaftuS eregetifd) » fcomiletifcb 
erflärt". (1883). z. 

CSaffanbet, ®eorg, fatbol. Vertreter 
ber Unten jmtfebfn Statbolifen unb Ine- 
teftanten, mar 1513 in ber Umgebung 
©rügges geboren, wibmete fid) in Äb*ln 
feit 1549 ganj bem ©tubium ber 3mtf<ben 
ben beiben Äonfefftonen ftreittgen Siebren, 
ließ 1561 anonym 3ur Enbabnung ber 
Union feine ©ebrift „De officio dü ac 
publicae tranquillitatis voro amantis viri 



in hoc religionis dissidio" auSfje&en; 
1564 fanbte er auf eine %ufforberung be» 
ÄaiferS $erbtnanb L, nat ©ien jum 
3roetf einer ©eratfyung über bie ui einer 
5Bieber»ereinignn$ ber Äau)olifen unb 
<Broteftanten bienltdjen ©ebritte ju rommen, 
fein ©u taetten ein, betitelt : «De articulis 
religionis inter Catbolicos et Protestan- 
tes controverais" ; bit einjigen Ö>arfä4>' 
lutea 3ugeftanbniffe, bie er ben (Stange* 
nuten matten m eilte, roartn Saienteld; 
unb $rieflerebe; tro^bem flebcn feine 
©ajriften auf bem Snber. (5. ßarb 1566. 
$rgl. 8. (£. ^rieberid), G. CasBandri 
vita et theologia (1855); $irt, (S.8 
3been über bie ffiiebemreinigung( 1876). z. 

eofTel, s 4.Uulu«©tebb. onus ©elig, 
etangeltfcier S^eolog, geb. als ©obn 
jübifeber ßltern in ©rofeglogau 27. gebr. 
1821, mürbe, naebbem er in ©erlin fiubiert 
hatte, fflabbiner, ließ fit 1855 taufen, 
mar bis 1859 «ibltot&efar in Arfurt, 
ging 1859 nad) ©erlin, wo er werft 
Oberlehrer, 1868 $aftor an ber (Sbnftus- 
firrbe mürbe; 1866—67 ift er SWttglieb 
bes rr en ijtf t en ^bgeorbneten^aufes gemefen. 
Unter feinen tbeolegifdjen ©cbrtften ftnb 
bie befannteften: „5)er $ropb«t Slifa" 
(1860); „Sas ©ud) ber 9lid)ter unb 8uu) w 
(in Sanges ©ibelmerf, 1865); „aitfirdj li- 
eber Öeftfalenber w (1869) ; „2)aS eoangelium 
ber ©öb.ne ßebebaei- (2. ttefl. 1881); 
„«^ologetifcbe ©riefe" (1875); „2>a8 ©urb 
Öftrer" (1878); „Gbrifilidje ©ittenlebre" 
(1Ö82); „3)ie ^odjjeit öon «ana" (1883); 
„?lbast>erus" (1885); „Ueber bie ^Jrobc 
btbel" (1885); „3oroaRer" (1886) ; „grieb^ 
rid) SBtlbclm II." (1886); „988, eine (Sr- 
innerung an bas 900iä^rige 3ubiläum ber 
rufjijd>en Äird^e" (1888). z. 

©offtanus, 3 o bann es SR äff t - 
lienfis, ber eigentliche ©egrünber bes 
©emipelagianiSmuS , um 360 geboren, 
batte im SNorgenlanb «sfefe geübt, 390 
—397 bie Xb>aifebe unb @tetifd)e Süfte 
burdijogen, begab fleh aisbann jum ©ifdiof 
3ob.anneS SbrbfofiomuS bon Äonftanti- 
I nobel, ber ibn jum ©iafonus meibte, 
naeb beffen ©erbannung nad) 8iom unb 
415 nad) 2Rafftlia. Sr begrüubete baS 
Äloflerleben in ber ^3roöence nacb ber ge- 
minderten Siegel bes ^aebomius, bie er in 
feinen -2 et t uten : n De institutis Coeno- 
biorum tt unb „CoUationes patrum Sceti- 
corum »ertrat, yn anberen löcbrttten 
tritt er als Patron ber ©emibelagianer 
(f. b.) unb ©efämbfer ber 9teftorianer (f. b.) 
auf. <2r ftarb gegen 432 (448). ®ie befle 
Ausgabe feiner ffierfe lieferten OatluS 
(1616, 3©be.) unb ^etfd?enig (1886— 



Digitized by Google 



(Safftofcoriu* — ßfyafoäa unb (Srjalbäer. 



117 



2 8be.). »rgl. SHgger«, De 
Ioanni Cassiano(1824); X er fe l be, S?er- 
fud) einer Pragmatiken Darftefluna be« 
«uguftini«mu« unb 'pelagianiamu« (2. 8b. 
1833). 



T. 



Gafüoboritt«, Rat* u« «ureliu« 
©enator, gelehrter lW&ncb unb @taat«« 
-ntamt, um 477 in 2?ruttien geboren, war 
al« iWinifier be« OftgetenWnig« %^tt» 
beri* unb bee ftacbfoljjerfl beffelben bemübt, 
eine tta«fi$b nim S $n»fcben feinen ?anbe« 
leuten unb ben (gröberem onntbabnen, 
berfafjte )u biefent j&mtd feine yv'elf öliger 
„©ctiföer (Sefebicbren", fowie eine ber #er» 
Ivrrlidnnu I bee bend)« af treibte „ßl?ronif ", 
9?a$ bem $afl be« Äimig« ©itija 540 
30g fid) £. tn ba« bon ibm gegrünbete 
Älofter Sibarium jurücf, wo er bi« \n 
feinem, im 93. ?eben«jabr um 575 (570) 
erfolgten, lobe feine Winty jur miffen* 
fc5af t (utc u Arbeit anhielt. Unter feinen 
im Älofter oerfaßten Serren war bal im 
SWittelalter gelefenfte bie „Ilistoria eccle- 
siastica tripartita". «rgl. Xborbeefe, 
C eenator (1867); §r an j, SR. %. <S. 6, 
(1872). ». 

Gafrettto (SbAteif(on), ®eba- 
flian, bumanifrifefcer Xbeoleg, geb. 1515, 
warb auf bie ömbfeblung (£albin«, ber 
ibn 1540 in ©trafjburg fennen gelernt 
batte, 1541 al« Detter an bie Genfer 
3(tuie berufen. äRit bem ftarren ©lauben«- 
jnwng be« (Ealbinifdjcn ©bflem« jerfaflen 
(S. wagte e«, ba« $ebe Sieb für ein 
erotifebe« Oebtcbt }u b.alun), flüchtete er 
1544 naä) ©afel, wo er 1551 feine elegante 
latetnifebe »ibelüberfefcung oeröffentlicbte 
unb 1553 ^rofeffor ber griednfeben ©bracbe 
würbe. Cr flarb 1563 in 3>ürftigfeit. 
«rgl. SWa'bfb. @>ebafrian <S. (1862); 
©ronffour, Sei). Castellion, sa vie, 
ses oeuvres (1867). e. 

Casaalfa (tat., Äafualien), *u« 
fällige Umfi&nbe, €faä)en ic; in ber 
.HtrcbeniPraie geiftlidje Smt«berricbtungen, 
wie kaufen, Trauungen, ©egrübniffe. 2)ie 
bei foldjer ©elegenbeit gebaltenen Weben 
beißen Äafnafreben ober Äafual« 
prebigten. h. 

Casala (lat.), f. «leibim«, atiftl«$e. 
Ca uns reservat! (fat.) pnb bie bem 
^aöfte ober ben «ifebbfen borbebaltenen 
«bf olntioneffitte ; bie bäbftliä)en C. r., bie 
in ba Stalle ,In coena domini" (f. b.) 
aufoqübft finb, belieben fid) jumeift auf 
fokpe XobjUnben, wettbe bie Gqrfommuni- 
fation naä) fidj jie^n. 2>a8 £ribentinum 
bat bie i'cpre betätigt, baß ftd) bie f ü bfle 
suprema potestate in ecclesia 
aIiqiuis cnmininn 



graviores" referbteren fönnen. Einige wn 
ben ba>fHid)en C. r. werben ben %tf$öfen 
burü) bie OninquennalfafultÄten (f ftatui 
ttten) überwiefen. 2)ie ben ©ifebefen bor- 
bebaltenen SibfolutionSfätte finb je na$ 
ben ©iiJ^efen oerfebieben, bejietn ^cb auf 
JleifcbeafÜnben, ©erleöung be« $eü$t- 
negel« tc. 8ei maneben biefer Äefer*at« 
fäfle Übertragen bie ©iftböfe ben 5Kura(- 
befanen bie «bfolutionebefngni«. «ber 
fowobl in ©ejug auf bie ^ä'oflti*«" ™k 
au<b auf bie bif^Sf lieben C. r. gilt ber 
Qrunbfafe „in artienlo mortis nulla est 
reservatio." ©egen bie C. r. erflarte fl^ 
fofort bie Sieformation, üntber oerwarf fle 
bereit« in feiner @<$rift „%n ben ebrift- 
lieben «bei beutfe^er Wation", z. 

Ca tim in (tat), Äette; Catenae eccle- 
siae ober patrum, f. o e<nnwtung«n. 

Celfut, ältefler literarifd|er (Gegner 
be« (Sbri^entum« , ein |>latonifeber ^bilc« 
fobb unb Rreunb 2ucian«, febrieb nm 
178 ba« „Sabre 9Bort" jur SBeflreitung 
ber (Ibrifhn, beffen Rubelt wir nceb au« 
be« Crigene« @egenfcbrift fennen. »er- 
fue$e jur ffiieberberfietlung lieferten St e i m 
(„<£.' wabre« ©ort", 1873) unb % u b 6 ( , His- 
toire des pers^cutions, 1878). 3Jrgl. Pö- 
lagaud, Etnde sur C. et In prem. esear- 
monche entre la philosophie ant. et le 
christianisme naissant (1878); $erttt. 
@d)nli in ben „®tub. u. Ärit.* (1884); 
Runf in ber „TfroloQ. Ouartalfcbrift" 
(1886). «. 

emtutien, fWaabcbutgife^e, r «tr^en« 



C^erintbu« (Äerintbo«), ber erpe be- 
Tannte ebriftlidje ©noflifer, jüngerer 
genoffe be« eboefinifeben 3obanne«, lebrte 
naeb ben niä)t ganj fibereinftimmenben 
92ad)ridjten ein taufenbjä'brige« »eieb, bie 
ISinerleibeit be« geläuterten QRofai«mu« 
mit bem (Sbriftentum , bie ^crMietcnheit 
be« hovtftcn ©ette« oon bem SBeIrfebübfcf/ 
enbli<^ au<b, baß ftcb mit bem SWenfdjen 
3efu« erfl in ber ffaufe ber gbttliebe ®eifi 
bereinigt b«be. h. 

<5b«lbda unb ©batbdet, uralter 
Sanbes* unb ©olfename. Äafbi b.\<ü<n 
affbrifcb, (£ba«btm bebräifcb bie ©ewobner 
bon Söabblenieu (f. b), namentlieb b«9 
füblicben «ttubialtanb« bom Gnbbrat 
SWebr al« irgenb ein anfcere« ^olt be« 
«Itertum« befebäftigten fie fleb mitSeob- 
adjtung ber Oeftime; bon ibnen jumeift 
tibernabmen bie @rie<$en t>er aleyanbrt- 
nifd)en Beit tf;re aftronemifeben Äenntniffe. 
©djon tm öueb JDaniel ftnb unter <£bafbäern 
bie «ngebörigen einer ©elebrtenfafle ber- 
ftanben, bie Kfrronomen unb np<b tnebr bie 



Digitized by Google 



118 



(Sfyalbatföe ßfjriften — Laiming. 



Slftrologen ©abblon«, unb im römifcben 
3eitalter ging »on bcn auf ibje Äunft 
rcifenben „<£balbäern" bic Benennung 
auf bie ganje 3unft ber ©ternbeuter unb 
£>immel$funbigen über. h. 

(S^ttlbQifcfie (griffen, f. Ncftoriancr unb 
1t)omo? (flpoftcl). 

6bttlfebonif4e6©lau6enßbefenntttte 

(lat- Symbolum Chalcedononse) beißt bie 
Kormcl (benn um vtuffieüung eines neuen 
©timbol« b,anbelte e« ficb, nicbt, nacbbem 
fd)en 431 ju virbcfuc ba« s Jcica'num für 
immer beftätigt worbcn war), weta)c ba« 
au« über 600 Bifcböfen beftebenbc, 451 
ju Sbalfebon in Söitbbnicn fcerfammelte, 
werte äfumenifdjc Äonjil jur Beilegung 
ber neflorianifcb, » eutbd)ianif(ben ©treitig» 
leiten vereinbarte. SDicfcIbe berubt tbeil« 
auf bem eb&efiniföcn Union«ftombol »on 
433, tbeil« auf bem ©rief be« röntifdjen 
SBijcbof« 2to L (f. b.) an ben bösantinifcbcn 
Patriarchen ftlaöian (f. b.) toon 448 unb 
fteüt, äbnlicb, wie ba« 9iicänifcbe ©wnbol, 
unter ber 3bce be« ©lauben«gebeimniffe6 
bie ftcb. wiberfpredjenben Beftimmungen 
nebeneinanber : alfo bie«mat bie innigfte 
SSerbinbung ber beibert Naturen (S^riflt 
in Giner Herfen einerfeit«, ba« gefonbertc, 
unfcermifd?te veben beiber Naturen anbercr« 
feit«. S3rgl. §cfele, Äonjiliengefcbicb,te 
(2. »b., 2. 3tufl., 1875). z. 

(5 halmcr? (far. tf^o^m»), JE b o ma « , 
berühmter engl. %f)tol6% unb tfanjelrcbner, 
©tifter ber freien fcresbtjterianifcben Äirctye 
©diottlanb«, geb. 1780 ju Dft-Hnftrutber 
in ©cbottlanb, ftubierte 1795—98 in ©t. 
Hnbrew« Xtyeologie, 2Ratbematif, matnv 
^btlofo^bie unb (£^cmtc unb würbe 1803 
<prebiger }u Äilmanto, 1815 ju @la«gom, 
1823 «Profeffor ber 2ttoratbbil*fol>bie ju 
©t. Bnbrew«, 1828 ber ZfftoloQxt ju ßbin- 
burg. Bon feinem frühem 9?ationali«mu3 
war er 1810 ju einem fu&ernaturalifiiföen 
©tanbbunfl übergegangen, feine bureb, 
Strafe unb Schalt ausgezeichneten ^re- 
bigten bebielten aber ftet« eine Stiftung 
auf ba« ©ittlicb>. 9ii<$t minber erfolgreich 
bemühte er ficb um $u«bilbnng unb 
SBMebcrbelebung be« firc$licfyen üJiafonat« 
bureb bie Organifation einer fircblicb.en 
Slrmenbflcge in ber 3obanni«gcmeinbc ju 
©la«gow; aueb regte er 1834 bie 23er* 
mebrung ber Äirdjen um 205 neue an. 
2)a« franjbTtfcbe 3nflitut ernannte ifcn 
uim lorrefbonbierenben SWitglieb unb bie 
Uuiwfitiit Drforb jum SDoftor ber »eebte. 
3tl« aber bic ©cneralaffembltt ba« »er» 

Seffent Betörest ber ©emeinh-, bejw. ber 
iamihenba'ubter gegen einen öom Patron 
träfentierten Pfarrer erneuerte unb ber 



2taat bureb ©trafanbrobung bie Orbi* 
nation ber fo 3u* ܣ f8 ettne f encn erjwingcu 
mottle, war (£. unter benen, bie 1843 au« 
ber ©taat«!ircb> austraten unb bie ftreie 
Ätrdje ©cbottlanb« bilbeten. Gr batte 
ben Borfifc auf ber erflen Slffcmblö unb 
wirfte al« Pastor primarius ber neuen 
Sircbe eifrig für i^re Organifation bi« ju 
feinem Stöbe 1847; (S. ift ber eigentliche 
Begrünber ber „etangclifcbcn Mianj" 
(f. b.). »Seine SBerfe fmb gefammelt m 
25 Sänbcn (neue «u«g. 1849) nebft 9 
«anben binterlaffener ©Triften; eine 
9u«wabl in 12 $3änben beforgte $anna 
(1854^ — 1857). ©eine ©iogra^it febrieben 
«amfalj (3. «ufl. 1866), STobb« (1870), 
SSatfon (1881) unb grafer (1881). 
SBrgl. #anna, Memoirs of the life and 
writings of Th. C. (1850, 4 «be.)- 
©. ©$ottifd)c Mi ntt. z. 

Chambre ardente (fpr. f^angbt arbangt) 
f. ^Uflenottcn unb Snquifirton. 

^ ha mi er (f)>r. f<4amie), Taniel, refor- 
mierter fran;}. 2b«ofc8/ geb. 1565 in ber 
25auMin£/ f«t 1612 ^ßrofeffor unb 
Pfarrer ju 9Wontauban unb fiel bei ber 
Belagerung biefer ©tabt 1621 auf bcn 
Jöä'Üen. Sin entfajloffener »ertbeibiger 
feiner Äirtb,e wobnte er al« ^ßräfibent bcn 
meiften 92ationalfynoben unb 33erc»anb> 
hingen bei. ©eine SBerfe ftnb bureb/ 
gebenb« t>olemifcb , am bebeutenbften: 
„Panstratiae catholicae" (1626 ff. 4 33be.) 
I unb „Corpus theologicum s. loci com- 
mune s tbeologici" (1653). »rgl. 91 e a b , 
2). €. (1858). z. 

Gbampeaur (f»t. f^onabob;), SBilbclm 
»on, ©cbolaftifer, um 1070 geboren, ftu* 
bierte m $ari«, bann ju Comtiegnc unter 
^oecellin, beffen nomtnaliftifdje Süic^tung 
er ficb, aber niebt aneignete, wirfte al« 
Sebrer an ber ftatbebra([c$ule ;u $ari«, 
gcrietb bter al« Äcalifl mit feinem ©cbüler 
«balarb in ©trett, jog ficb; nacb, ©t. SJiftor 
; jurücf unb übernabm 1113 ba« SBiStum 
j ebalone-fur-aWarnc. er jlarb 1121. »rgl. 
j i cb, a u b , Guillaume de C. et les öcoles 
de Paris au XII. siecle (2. «ufl. 1868). z. 

^banning (fpr. tf^fino, William ei« 
(erty, amerifan. ©cb,riftftcller unb^Äboftel 
ber Unitaricr", geb. 1780 ju Wcwbort in 
9tbobe-3«lanb, fintierte S)(ebi)in, bann 
Sb^eologic unb war feit 1803 ^ßrebiger in 
«opon unb anertannter 2öortfüb,rer bc« 
Unitari«mu«. 3>ie eminent fittlic$e Scic^tung 
feine« ©eifle« betbätigte fid) bi* $u feinem, 
1842 ju «ennington in Vermont erfolgten, 
XcU bureb^ berebte unb erfolgreidje ©e- 
tämbfung aller fojialeu unb retigiöfen 
^SWißftänbe feine« ^aterlanb«, fo namentlich 



v 

Digitized by Google 



Ctyantal — ßfjateaubrianb. 



119 



ber @flaecvei. 3n Xeutfctlanb b<*t ibn 
befonber« «unfen befannt gemalt. (Sine 
31u«wahl feiuer gefammelten SEBerfe (1848, 
6 «be.) beranflalteten © ö b o tu unb @ d< u 1 j e 
(1850-1853, 15 SBbc); 1880 würbe *on 
ben norbamerifauifchcn llnitartern eine 
grefje ©ätularfeier ju Sbren (Ebanning« . 
abgehalten. «rgl. „Memoir of \V. E. C. a I 
(herausgegeben ton feinem Neffen Sä?. §. 
(£ | a n n i n g , neue 9to«g. 1876, 2 «be.). Sin 
au«jua bierau« ifl S. Thanning, 
Life of W. E. C. (1880); 2a*oll«5e, C. 
sa vie et doctrine OJkei«fcbrift , 1876); 
«root«, W. E. C. (1880); Tho C. 
Centenary (1881). i. 

(5 Im n ta l , ( i tu nu.iii.ua 1 1. 3eanneftran- 
V o if e gremiot be, ©tifterin be« Dr- 
ben« ber Jpeimfuchung, geb. 1572 ju 2>ijon, 
termüblte ftch mit bem «aron be (&"., 
unterteilte M nach beffen Örmorbung 
1604 ber ©eelenfübrung be« teil, ftranj 
von @ale« <f. b.) unb fHftcte auf beffen 21n» 
regung ju 2Innec& 1610 ben genannten 
Orben. ©ie fiarb 1641. 35er $abft «e- 
ncbift XIV. fbracb fte 1751 feiig unb (Sie- 
men« XIII. 1767 heilig ; ihr 2ag ift ber 21. 
Sluguft. «rgl. «ougaub, Histoire de la 
sainte C. (9. «ufl. 1879, 2 »be.); ©räfin 
b e Reuthen, S. J. F. de C. (1878, 
6 «be.). z. 

<5bao£ (griech-, eigentlich f. t>. w. Hb« 
grunb) bezeichnet in ben ÄcSmcgcnien bet 
lllten bie ihrer Oeftaltung barrenbe ÜDia« 
terie, ben Urjuflanb ber 2>inae, alfo eine 
parallele ju bem Xobumabohu ber «ibel 
(1. 3Ref. 1,2: „Sic Srbe mar wüße unb 
leer"), u. 

Character indelebllis (lat.), in ber 
tatbolifcbcn Äirche ba« unau«lBfchliche 
geifltiche SWerfmal, welche« in ber Saufe, 
girmelung unb ^riefierweihe ber ©ecle 
glcidjjam aufgeprägt wirb. h. 

Gbartsmcn, f. ©tijirtflaben. 

(Statten (fpt. fc^äwnfl), Pierre, b«- 
»orragenber f ran}. Äanjelrebner unb 2 dj i if t - 
ßetter, geb. 1541 ju $ari«, war erft Ab- 
tötet unb erwarb ftch bann einen Kamen 
al« ^ßrebiger unb ^olemifer gegen bie 
Reformierten. Gr würbe §ofbrebtger ber 
Äöntgin Margarete unb fiarb 1603. 
3n feinem »Traite* des trois verites" 
(1594) fuchte er bie ffiabrbeit ber cl^rifi- 
li^en Religion, in«befonberc ber römifch- 
fatholifchen ftorm berfelben, ju beweifen; 
bagegen jog ihm ber „Tratte' de la sa- 
gesse" (1601) ben Vorwurf be« 21thei«mu« 
ju, ben in«befonbere ber 3efuit @araffe 
gegen ihn fdileuberte. z. 

©tatfteitttg, f. «arfreitafl. 

Gtjatroocbe, t ftamodjt. 



Gbafibäer (bebr. Shafibim, „bie 
frommen") beißt 1. äffatt. 2, 42; 7. 13 
etn Ärei« gefefcestreuer, in ber fbrifcbeu 
9teligion«not flanbbaft au«bauernber 3uben, 
in welchen man bie «erfahren balb ber 
v £h«rifäer (f. b.), balb ber (Sffäer (f. b.) er- 
lennen will ; feit 3)ittte be« corigen 3abr- 
huubert« auch Käme einer in «polen unb 
ben Eonaulänbern oerbreiteten jübifchen 
©efte. ii. 

(Sbaftel, (Stienne ^oui«, refor- 
mierter ih<olog, )u ®enf am 11. 3uli 1801 
geboren, flubierte 1819 — 23 Xbcclogii ju 
(Senf, würbe 1832 Pfarrer in ®enf, 1839 
s J3rofeffor an ber theologifchen Jfafultät ba= 
felbfi unb trat 1881 in benftubeftanb. (Sr flarb 
24. ^ebr. 1886. (5. »erfaßte : „Conförcncos 
sur rhi8toireduchristiani8me a (1839 — 47, 
2 «be.); „Histoire de la destruetion du 
paganismedans Tempire d'Orient" (1850); 
„Etudes hiatoriques sur rintlueuce de 
la charitd durant les premiers siecles" 
(1853) ; B L'6glise romaine conside"ree dans 
ses rapports avec le developpement de 
l'humanitö" (1856); „Destinees de l'ecole 
d'Alexandrie" (1856); „Trois conciles 
re"formateurs au quinzieme siecle" (1860); 
-Le inartyre dans les premiers siecles 
de regUse" (1861); .Les catacombes et 
les inscriptions chre'tiennes de Tancienne 
Rome a (1867); „Lo eimetiere de Calliste 44 
(1869); „Lettres inödites de Madame de 
Maintenon au lieutenant de Baville" 
(1875) ; „Fenelon et Uossuet en instance 
aupres de lacour de Rome" (1883); ^His- 
toire du Christianisme depuis son origine 
jusqu'ä nos jours" (1881—1883, 5 «be.); 
„Melanges bist, et religieux" (1888) z. 

©bttteaubnanb cft»r. fdjatobtionaj.gran- 
50 i « Sluaufle, « i c 0 m t e b e, ber «egrün- 
ber ber cprifllichen 9?omantif in ^ranfreich, 
geb. 1768 ju ©t. 9)Ialo, gefl. 1848, einer 
ber glänjenbflen , wenn auch teine«weg« 
tiefflen unb gehaltrei^hflen Scbriftfleüer 
ber franjöfifchen Kation. 3n bie religiöfe 
Sntwicfelung ber Keujeit hat er bor ädern 
burch feine «Schriften „G^nie du ebris- 
tianisme - (1802) unb „Les martyrs" 
(1809) eingegriffen, webte bie Religion 
ju einem Öegenftanb be« ä'flhctifchen ®e- 
nuffe« machen unb eine Hfl fatholifcber 
^hüofobhie für ©alon« unb «oubotr« 
in frommen ©eichten, £rä"umen unb 
«ilbern entwideln. 2)ie befle Stu«gabe 
fetner SBerfe ifl bie bon ©ainte*«eu»>e 
(1859-60, 12 «be.) «rgl. «illematn, 
C., sa vie, ses ecrits (1858); ©ainte- 
«euce, C. et son groupe litt^raire 
(2. «ufl. 1873, 3 «be.): Kabeau, C. 
et le romantisme (1874); CarnC, M. 



Digitized by Google 



120 



.(Efjateiüon — (SljiUaSmu*. 



de C. (1874); 9Helf en, 9tu« bem innern 
8eben bct tatboliföen Äirdje im 19. 3aM. 
<j. ©b., ttberfefct bon Steifen, 1882); 
9Hbb olb, fcanbbucb. ber neueften Äirdjen* 
gefcb. (2. ©b., 3. «ufl. 1888). *. 
CSbiitCttton (for- fd»atai6ng), f. SafWIio. 
Gbatel <fer. fdM,8erbtnanb £onf» 
faint|rran$oi«, franj. Äirdbenref ormer, 
«6. 1795 ju ©annat im Eetoartement 



liier, würbe 1818 jum <ßriefter geweibt 
unb mad)te H fett 1823 al« ftelbbrebiger 
bei ber töniglidjen ©arbe in $ari« bur($ 
fretfhtnige Sßrebigten bemerflid). 9tad) ber 
3ulirebolution 1830 fammelte er mehrere 
unjufriebene ©eißlidje um ftd>, forberte 
Reformen in Jtultu« unb ©erfaffung, 
«ufbebung ber Cbrenbeicbte, ©eflattung 
ber f riejlcrcbe tc. unb rtdjtete einen @ot« 
teebienft ber Eglise imitaire francaise 
ein. (£. felbfi ernannte ftcfc jum „Primae 
bon ©attien" unb berfünbete „la loi na- 
turelle, tonte la loi naturelle, rien qae 
1a loi naturelle" al« gunbament ber 
neuen Mir 4c. Hm 28. Wob. 1842 fdjloß 
bie ^ßolijei bie 2>mbel ber neuen Äirdje. 
€. ging nad) Belgien, wo er ^rieftet ber 
SRaturreligion würbe. 2)iegcbruarrebolution 
fttbrte tbn na* <ßari« ntrücf, wo er ftd) 
bergeblidj feine franjbTifdj- fatbolifdje Äirdje 
ben Beuern aufjuriditen belebte. 1850 
würbe bie «ueübung be« neuen Äultu« 
unterfagt. <S. fiarb in Pari« 1857. ©rgl. 
$>oljatofel in ber „3eitfcbrift für ^tfto- 
rifebe Geologie« (1844) unb 9iib*olb, 
$anbbud> ber neueften Äirc&engefcb. (2. ©b., 
3. «u«. 1883). b. 

CUiemnifc, 9W ortin, ber bebeutenbfte 
lutber. Xbeolog au« ber jwetten Hälfte be« 
16. oabi'b., geb. 1522 \u £reuenbrietjen 
in ber 27?ittelmarf, mußte ba« ©tubium 
ber SNatbematif unb Hfrrologie breimal 
burdj Sinnahme einer ©djulftelle unter« 
brechen, um bie SWittel jur ftortfefcung 
be«felben ju gewinnen. «I« er Äbnig«- 
berg, wo er ftd) feit 1549 ber SEb«cfoaie 
jugewanbt batte unb 1550 ©ibltotbefar 
würbe, infolge feiner Parteinahme gegen 
Dftanber berlaffen mußte, ftebelte er 1553 
nad? Wittenberg Uber unb würbe 1554 
©farrer unb 1567 ©uberintenbent in 
©raunfdjweig. ©ein tbeologifdjer Wubm 
grünbet ftd) auf fein $aubtwerf : „Examen 
concilii Tridentini- (1565—1573, 4 ©be.; 
neu berau«gegeben ton <£. P r e u ß , 1862, 
bentfd?ben©enbiren u.?utbarbt, 1884. 
Sinflußreidt war feine IbStigfeit bei ber 
geflfteflung be« lutljerifdien Süebrbegriff«. 
3n Äönig«berg »erfaßte er mit SDfbrlin 
1567 ba« „Corpus doctrinae Prutbeni- 
in Wittenberg feine „Loci theolo- 



gici" (herau«geg. bon Cebfer, 1591), in 
©raunfdjweig 1569 ba« „Corpus doctrinae 
Julium" unb beteiligte ftd) an ber flbfaf- 
fung ber Äonforbienformel. ßr ftarb 1586. 
©rgl. Steffel, 2R. «. (1862); 2enb, 
Dr. 2«. <5. (1866); $ad>felb, 9R. <£. 
nad) feinem $eben unb Wirten, in«befonbere 
na<$ Jeinem ©erba'ltni« jum Sribentinum 
(1867). *. 

Gberub ( in ber l'i ebv ;ab I li b c v u b t m) , 
9kme eine* geflügelten ©efdjöfcf* mit 
menf^li^em »ntlit}. Wie ber Orientalin 
fc^en 2Nötbologie Überbauet bie 3)iif<bung 
menf<^li(ber unb ©ergebener tierifd^er 
©eftalten eignet, fo batten fi^ ä'bnlicbe 
©orftetlungen an« ©abölonien ou«$ bei 
ben Hebräern einbürgert. 3m «Iten 
2:eftament fommen flc nur öor tbeil« in 
ber ©agengefdnebte ((£. al« ^arabiefe«« 
Wärter) unb ^Joefte (®ott fabrt in ben 
pfalmen einber auf ben (fberubim), tbeil« 
im ©ebiet ber ^eiligen bilbenben Äunft 
(fte bewadben bie ©unbe«labe wie bie 
©reife in ben inbif$en ©ergen ba« ©olb), 
tbeil« in ©iftonen ber ©eb,er (^efelieQ. 
9lu« ftimbolif($en Figuren werben fte in 
ber S^eolcgie be« Snbentum« ju wirf* 
lieben, öon ben Gngeln übrigen« an unter* 
feb^eibenben, Wefen ber bimmlifefcen Welt 
unb fommen unter bem tarnen ber „wer 
Scbeubigen" au(t; in ber Offenbarung, be« 
3obanne« bor. 2)ie oier ©eftc$ter, bte fte 
bei ^efefiel jeigen, unb bie bann unter ben 
„öier fiebenbigen" öertbeilt erft^einen, ftnb 
in ber ^riftlid?en Äunft 31t Attributen ber 
bier (gbangelifien (f. b) geworben, h. 

Gliiliaemue (9rie$.), ber ©laube an 
ein fünftigee taufenbja^rige«, mit Cbrifti 
fteb^tbarer Wieberfunft anbebenbe« ©otte«« 
fei* auf (Srben. 3)er (J. rft älter al« 
bie djrifilicbe Äirt6,e, benn feine Wuseln 
liegen im 3ubentum unb in ben finnlic$en 
©orfletlungen be«felben bon einer irbifebett 
©(Utejeit be« ffleiebee ©otte« im ©egenfatj 
31t bem nebelhaftem 3enfeit« be« b^ilo- 
fobbifepen Unflerblicbfeit«- nnb ©otlenbung«- 
glauben«, ©epon bie Sßrobbeten batten ein 
trbif$e« 9?eic^ be« IDIeffta« berbeißen, in 
welkem ba« ©lücf ber Nation fieb; an<h 
burcö äußern Wo^lftanb unb ^rieben ber 
berflärten Watur funbgeben werbe. 9lu8 
biefer brob&<tifc6en ^«rfbeftibe griff ba« 
fbä'tere 3ubentum mtt ©orliebe bie poli* 
ttfebe ©eite berau«. 9ieben blutiger «ac&e 
an ben Unterbrüdern forberte man aueb 
für bie injwiföen berftorbenen 3«raeliten 
«ntbeil an bem $eil be« 2Jfefrta«reitb«. 
©0 entftanb ber jübiuic ©olfßtraum bon 
einem tbeofratifdjen Welrreicb, in weld?em 
unter ber ftcbtbaren $crrfd? aft be« SMefftae 



Digitized by Google 



ßf>ttta«mu«. 



121 



au« bei ßerflreuung gefammelte nnb 
t>om lobe erwedte 3«rael nad) .Hcntb'ruug 
ber ©eltretd)e, im alleinigen 2 ienfl 3ab&e«, 
über bie Reiben berrfcben »erbe. @« war 
eine ^ftscfcclcqtfct c Un»ermeibltd)feit, baß, 
al« ft<fi bie altteflamentli^e SWeffia«tbee 
im <5&rtftentum tooUenbete unb »erwirl- 
li^te, aucb ber d)tliaftifd)e ©ol!*glaube mit 
in bie iubend)rijtlid)e 3ufa»ft*&off n »"i8 
überging. Xafcx tc$rt bie Offenbarung 
be« 3obanne« (20, 4), baß nac$ ber ©ieber» 
funft GEbrifK feine ftanbbaften ©efenner 
mit \\fm auferfleben unb 1000 3abre beiT- 
fd)en werben. 3>er ©eftimmung ber 2)auer 
liegt eine bereit« ben 3uben geläufige 
$rojettton ber ©d)b>fung«mod)e tn fed?« 
ober fieben 3a$rtaufenben , n%r eine 
Kombination be« fogen. ^eraemeron mit 
TJfalm 90, 4 (trgl. 2. fetr. 3, 8) »u 
Ornnbe, fo baß bie 1000 Safrre ber $err- 
fd)aft ber Heiligen bem Rabiat entfbred)en. 
@leid)fatt« au« ber 3ob>nneifd)en Offen- 
barung (20, 7 ff.) flammt bie ©orfteflung, 
baß am <2nbe ber 1000 3abre ber ©atan 
wiebet lo« werben unb feine legten Ärä'fte 
gegen ba« @otte«retcb aufbieten Werbe; 
cru na d) feiner ©ernid)tung beginnt bann 
bie ewige ©eligteit, ba« reine 3«nfeit«, 
„ein neuer Gimmel unb eine neue <Srbe". 

3n ber «uemalung ber biefer legten 
Äataftrcpbe ©orangefyenben, parabieftfeben 
©lücffeligfeit gab bie ureÖriftltd)e ^ban- 
tafte , welche Rai mit ibren 3ufunft«- 
ab iningen Ja&r^unbertelana, in bem be» 
febriebenen Äabmen benieste, ber Jtibiföen 
ntd) t« nad) . 9lod) bei $aj>ta« (f. b>, bem bie 
in bie Witte be« 2. 3abvb. tebenben ©ifebof 
»on $icra|>oli«, finben wir angebliche flu«- 
fpvücte 3<fu über bie monftröfe $rud)t- 
barfeit ber 9latur im Jaufenbjabrigen 
«eid), über bie ©ortrefflid) feit feiner ffietn- 
Pete jc. Unb innerhalb ber erflen Hälfte 
be«fclben 3ab. rb^unbert« ift ber bem «poftel' 
fd)üler ©arnaba« (f. b.) jugefebriebene ©rief 
entflanben, welker jene Verleitung be« (5. 
au« bem ©ed)«tagewert au«brücflic$ enthält 
( .Hap. 15). 9iid)t minber begegnen un« bie 
©runbjüge ber *iüafHfd)en ©eltanfd)auung 
an d> bei Serintb.it« (f. b.) unb fa'mtlid)en 
SRidj rungen ber ©Moniten (1. b.), im Birten 
be« Herma« (f. b.) unb in ben ©ib>ttinifd)en 
ȟd)ent, meld)e, wenn and) nt^t ben Warnen, 
borb bie 5 acte enthalten unb jwar tjermifebt 
mit &eibnif$en ©ilbern au« bem 3bbü 
be« golbnen ©eltalter«. Snftinu« ber 
SRärttorer fie^t im <J. ben ©tblußftein ber 
ort beboren Üebve; ber nm 190 fd)reibenbe 
©ifebof 3rena*u* erweift 9ted)t unb 28abj« 
beit be« £. au« ©d)rift unb Xrabirion, 
tertuHian au« ber neuen $rob&etie be« 



3>tontani«mu«. ©erabe biefe 9iid)tung 
aber führte bur$ tbve [d)mä'r nur tute lieber.- 
treibung eine <Srnüd)terung innerbalb ber 
Ätrd)e berbei, unb um 200 tritt in bem 
rbmifeben i<rc«bbter <5aju« ber erfite ©e- 
fä'mbfer be« (S. auf. 8Äit nod) grbßerm 
(Srfclg trat Ortgene« t>on feinen fpiritua« 
liftifeben ©orautffetmngen au« gegen bie 
ftnnlid)e 3wJö«ft*etwartung anf. Jaunen 
feitber aueb nod) öon 9?epo« unb Äora- 
fion bi« auf SUtet&obiu« unb i'aetantin« 
einzelne Jlttbänger be« 5. in ber Ätrd)e 
auf, fo war boc$ beffen unaufbaltfame 
9Heberlage turet bie feit Jtonftantin poli- 
tifd) toeränberre ^teüung ber Äirctc be* 
fiegelt. ©obalb bie ftegreid)e Äircb^e ftcb 
auf bem ©oten biefer örbe e« wob^nlid) 
gemacht ba tt e, mad)te fte ftd) mit bem @e- 
banfen vertraut, ba« £aufenbjä'brige Steid) 
fei fd)on mit bem <5&riflentum felbfl ge- 
tommen, unb Sugufrinu« erbob biefe 9luf- 
faffung juv berrfetenben. ©eitbem feb^en 
Wir djiliaftifcte SDceinungen in ber Äird)e 
nur fborabtfd) auftaueben, wie gegen ba« 
<5nbe be« erflen d)riftlid?en 3ab^rtaufenb«. 
Um fo meb: gaben ftd) unter ben mit ber 
b&bfl(id)en £ierard)ie un^ufriebenen ©elten, 
bie burd) ©erfolgungen \u fanatifd)en 
Hoffnungen aufgeregt würben, jeweilig 
au«) d)iliaflifd)e «nfdjauungen funb. «.öt»an- 
aelium, ewige«. 

3nr £t\t ber Deformation aber ftanben 
neue ^Jropb«t«n be« laufenbjä&rigen »eiebe« 
anf, welche burd) rabitale fötebergeburt ber 
»erberbten ©elt bem Äommen S^rifti bie 
©abn bredjen wollten. X'xt SÄeformatorett 
felbft tbeilten )War ben (Glauben an bie \K a be 
be« SBeltenbe«, öerwarfen jebod) fd)on in 
ber 9lug«burger Äonfeffton (3lrt. 17) bie 
äöriiftungen ber anababtijlen auf bie 
i na&e Offenbarung (£b.rifli unb beren ©r- 
' rid)tung eine« neuen 3«on al« jübifebe 
| Träumerei. $aubtb.erb be« (S. würben Da- 
gegen bie ©eften ber reformierten Äircbe 
j tn (Snglanb, ^ottanb unb fba'ter befonber« 
in ttmerita. 9lud) bie £^eofof)^ie ©alenttn 
i SSBeigel« (f. b.), 3atob ©öb^me« (f. b.) unb ber 
ftofettrreujer (f. b.) nährte ftd» »on d)iliafh- 
fd)eu Hoffnungen; g,leid)jeittg bradjte bie 
2)iafpora ber ©Bbmtfebcn unb 9Wa^rifd)en 
©rüber d)iliaflifd)e ^rop&eten b.ert>or, beren 
©ei«fagungen <£omntiu« (f. b.), felbft <£^i- 
liaft, fammeltc. 3)a ®ptntx nid)t unbebingt 
in ba« ©erbammung*urtl>eü ber Ortb.o- 
borie über ben 1692 al« filnliafl abge- 
fegten ^Jeterfen einftimmte, fam er felbfl 
tn ben ©erbad)t be« <&. ©td)er ift, baß 
ber ^ieti«mu« ftd) auf« 9teue mit großer 
Siebl^aberei ber Crflärung ber 3o^anneifcben 
Offenbarung al« eine« ba>b&<tifd)en «om^ 



M 



Digitized by Google 



122 



(Sfyer — ßfyorftür/le. 



DcnbiumS ber Äirchciiiiefchidjte annahm 
unb auf btefe SBeife auch bcn (£. mieber 
3U (Sbren braute, bem enblich Senget (f. b.) 
ba« Bürgerrecht in ber proteflantiföen 
Jbecloflie eroberte. 2)iefer neuere (£. be- 
tont übrigen« im ©egenfafc jum alten 
mebr ben Vegriff ber Verlla'rung; na* 
mentlicb braute ihn ber geiftoofle Ü^eo* 
f obb Detinger (f. b.) in Vcrbinbung mit feinem 
Xbema »on ber ©eifileibltcbfeit. 2)ic 3r- 
mngiancr grünbeten 1832 ibre aboflolifcbe 
Äircbe auf ba« gelbgefcbrei, baß ba« 9teüt. 
ber $errlicbleit nabe fei; anbre ©cb>ärmer, 
befonber« au« Söürttemberg, wanberten 
in ähnlichem ©tauben nach bem borgen* 
tanb (f. CrobH^emcinben), unb bie Hormonen 
haben ben ©runb jum neuen ßion am 
©aljfec gelegt. Vrgl. Corrobi, Äritifche 
@cfd;id?te be« (£. (2. »ufl. 1794, 4 Vbe.). h. 

<S$OT, ber öietleicbt au« ber Eribuna 
ber alten Vafttifa bertjorgegangene, bem 
jübifeben 2111er betligflen entfbrccbenbc 2b. eil 
ber cfiriftlidjen Äircbe, gewöhnlich nach Dften 
gelegen unb erbost. Jpier fyabtn $ccb/ 
(<Sboi>) Slltar unb ©eiftlichfeit ibren ^ßtafc. 

5. »autunfi. h. 

(SBotol, bie jefct meift Iangfam unb 
feierlich, toielfach aber auch, rt)btb- 
mifcb fich fortbemegenbe Mclobie, nach 
melier bie geiftlichen Sieber beim öffent- 
lichen ©otte«bienfl »on ber ganjen ©c* 
meinbc gefungen werben. 2)tefe Vebeu* 
tung ba« 2Bort wenigften« in ber c&an- 
gelifcben Äirchc erhalten, at« man anfing, 
Sammlungen öon ©emeinbegefängen mit 
Orgetbegleitung ju »eranflalten. Snbeffen 
finben fich in biefen fogen. (£boraIbü<$ern 
ber cöangetifcben Äircbe nid' t wenige Sieber, 
welche, wie „©roßer ©ott, mir loben bich", 
auch fchon in ber alten fatbotifchen .Hinte 
r>on ber ©emeinbe gefungen mürben, et)e 
bie Untere im ^Mittelalter ganj öom ©c» 
fang in ber £ir<$e ausgefebtoffen würbe, h. 

©botamf, f. CSjorbicnf». 

(Sootbifdjöfe (Chorepiscopi, 2anb- 
bittere, Episcopi ruris) gießen bie 
fetbftänbigen SBifd^iSfe größerer Sanbge- 
meinbeu im Orient, bie aber burdt) bie 
Äonjiiien be« 4. oabrb. immer mebr in 
ibren Stedten bcfchra'nft, ben Vifchöjen 
unterteilt mürben unb fich nur bi« tn« 

6. Sabril, erretten. 3m Slbenblanbe be- 
gegnen mir ben <£(>orbif$öfen Bieter im 
8. 3abrb. unb jwar im ftranfenreich at« 
©ebitfen ber Vifchöfe fcwotjt in ben, jum 
gebeiblüten Fortgang ber SWiffion errich- 
teten, neuen Vi«tüinern at« auch in ber 
Verwaltung ber bifcböflicben 2)iöjefen unb 
bei Verrichtung ber $lmt«banblungen. 
2>iefc fraufifchen <S. (äffen ftch nicht »on 



] ben orientalifchen ableiten unb waren 

I auch teine«weg« nur Sanbgemeinben t>or- 
gefefet. ©ie gerietben feit Mitte be« 9. 
3abrh- mit ihren 2>iöjefanbifchöfen in 

j Äembetenjftreiticjfeitcn , welche, nachbem 
auch bie bfeubotfiborifchen Serrctalcn fich 
gegen fie gewanbt hatten, im 10. 3abrb. 

| ju ber toölligen Sluflöfung be« 3nftitut« 
führten, z. 

ßborbienft (Sboramt), in ber rö- 
mifch-fatholifchen Kirche ein Iben be« ta 
nonifcb geregelten ©efang« unb ©cbet- 
bienfte« ber ©eiftlichen unb SKönche. Sit 
altfatbotifdje Ätrctje bat bie in ber ©b"«* 
goge üblichen ©ebetjeiten (9 unb 12 Uhr 
Vormittag«, 3 Uhr Nachmittag«) fefigebal» 
ten unb bie Beobachtung berfelben bem 
Äleru« wie ben l'aien jur Pflicht gemacht. 
§iergu fam im 4. 3at)rb- in ben Älbfiern 
ba« ©ebet um ÜDtittemacht, beim Anbruch 
be« 2;agc« unb ber 9cacht, fowie beim 
Schlafengehen. 2)urch bie Vita canonica 
mürben biefe ©cbetflunben ben Äopiteln 
al« <&. )ur Siegel gemacht unb ihnen be- 
ftimmte ©ebete »orgefchrieben. €. »rtoicr. 
2)ie ©itte, bie ©ebetftunben gemeinfam 
abzuhalten, fam im Mittelalter immer 
mehr in Verfall, fo baß feit bem 14. 3abrb. 
nur noch bie «ßrofeffen ber SJibncb«» unb 
Wonuentlb'fler unb bie Äanonifer ju bem 
öffentlichen, gemeinfehaftlicheu ©efang unb 
©ebet ju beftimmten ©tunben im (5bor, 
bie anbern, in bbhem Seihen flehenben 
©eiftlichen aber in«gefamt jur b^tttaten 
Verrichtung be« täglichen ©ebet« (recitatio) 
»erbunben ftnb. 6 ^>oro- Singen, h. 

C< liorocfaitg (lat. Cantus choralis), 
biejenige gorm be« Äirchengefang« , bei 
welcher nur woblgcfcbultc tlerifale ©änger- 
thörc thütig ftnb. (5« charafteriftert bie« 
ben ©regorianifchen ©efang be« fatholi- 
fchen ÜDiittelalter« im ©egenfafc jum 91m- 
broftanifchen ©efang ber altern .Hirche 
unb jum fbüteru <>rotefiantifc^en Choral 

(f. b.). H. 

Gborrotf, f. seiflti^e Äleibunfl. - 
€^otftüble. bie in gröfjern Äirchen 
ju beiben ©eiten be« <£\}ov9 befinb- 
lichen Leihen öon höljernen, gegencinanber 
abgegrenzten ©i^en für bie ©eifUicbfeit ; 
gewöhnlich jn>« Leihen h^t^finanber, 
bie \)inttxt eine ©rufe bäh« ßekß 1 / 
»orbere burch eine Vruftwehr mit barauf 
befaiblicbem Vetbuttc nach bem Chor abge- 
grenzt, ©iefelben fbielen eine Stolle in 
ber ftunflgefcbichte, fofern fie ju (Snbe be« 
Mittelalter« unb in ber 9tenaiffance-^ßeriobe 
toielfad) reich mit©chni^werf öerjiert würben, 
©jenen au« ber bibtifchen unb bürgerlichen 
Söett barftellenb. h. 



Digitized by Google 



Chreme — (Sfyrt|tentum. 



123 



' Chreme (franj. , tor. fräbm), ba« ge* 
meiste Oel ber Äatboliten. h. 

(Sbrifam, f. öbritma. 

(Soriftma, (griecb\), Salbe, befonber« 
in ber griecbifcb« unb römifcb fatbdifcbcit 
Äircbe ba« feierlich geroeibte Salböl jum 
©ebraucb, bei geroiffen 3fr<ntonien. Schon 
im alten ©unb mürben 1>robbeten, $rie* 
fter unb Äönige bei ber Uebemabme i^rce 
3lmte« gefalbt, mobureb bie 9u«rUftuug 
jum 25ien(ic @otte«, infonberbeit bie SWit- 
tbeilung be« göttlichen ©ei|'te«, t- erfinnbilb* 
licht roerben feilte. 3n ber cbriftlictyen 
Äircbe tauchte ber ©ebraueb ber Salbung 
mit einem, ba^u »cm ©ifebof befonber« 
emgefegneten, Del iwerft im Anfang be« 3. 
3abrb- bei ber Saufe auf. Urfbrünglidj 
beftanb ba« C. aus Olivenöl, beut aber 
febon früh, ©alfam uub rooblriecbenbe 
Stoffe beigemifebt mürben; e« fommt jur 
Stnroenbung bei ber laufe, ftirmelung, 
^riefierroeifcte , legten Celung, Mrönung 
unb SBcibe von ftireben unb iciiiaen ©e» 
ratben, unb jmar geflieht bie «ejeiebnung 
mit bemfelbeu ftet« in Äreujefcform. h. 

<5bttfien&eit, Inbegriff aller (Steiften, 

f. vStjrtticntutn. 

(5liriftcnlf hrc wirb in ber fatljolifdjen 
Äircbe im llnterfcbiebe von ber Äinberlebre, 
bem religiöfen (Elementarunterricht, bie an 
Gönn- unb Feiertagen in ber .»in d e, ge* 
roöbnlidj Nachmittag«, ftattfinbenbe Äate* 
cbi«mu«untermeifung ber gereiften 3ugenb 
genannt, an meldper auch Örmacbfene, 
namentlich ba« ©efinbe, ib^eil nehmen 
foüeu. (Stnige religiöfe ©rüberfebafteu (f. b.) 
haben ftcb au«brücflicb biefem 3mecfe ge» 
mibmet. 3n ber proteftantifc^en Üircbe 
beißen <£. bie fireblicben Äatecbifatienen 
am Sonntagnacbmittag, roie fie an bie 
Stelle ber frühem Äatecbi«mu«brebigten 
getreten unb faft allenthalben tu et cu- 
orbnung«mäßig vorgefebrieben ftnb. 3m 
Unterfcbieb com Äonfirmatioueuuterricbt 
bitter bie in ben knien oabren bereit« 
fonfirmierte 3ugenb ba« ^ublifum, meiere« 
ftdt) regelmäßig uub bauernb ;u fiebern, ber 
Äircbe nach 9luflöfung ber alten Äirdjcujucb, t 
gewöhnlich febr ferner faßt. SJrgl. 3ej* 
f 6) xv \\}, 2)ie <S. im 3ufammenb,ang (2. ttufl. 
1883—85, 3 2b,eile; 4. Sbcit 1888). h. 

(Snrijrcntum, bie von 3efu« von s J<a« 
jaretb al« bem „Sbrift", b. b- 2Heffia«, 
geftiftete Religion, im weitem Sinn auch 
bie gefcbicbtbilbenbc l'uuiii, bie ftch. in jenem 
tarnen verförvert bat, mit ber ganzen 
Summe ihrer innern Antriebe unb äußern 
gefeOfchaftlichen Jöirfungcn, mit ber gefam« 
ten ©ebanfemvelt , bie fte fyeraufstfü^tt, 
unb mit allen neuen ©rbnungen unb 



Sitten be« Hölter* unb 2Nenfcbbeit«leben«, 
bie in ihrem (befolge einhergehen. 2)ie 
©eburtsverbältniffe biefer meltbeivegenben 
ätfaebt ftnb fduver bi« in« Ginjelnc ui bureb* 
utuuen unb \n betreiben, jumal ba m 
ben Schroierigfeiten , bie in ber Sacbe 
felbft liegen, fofort noch bie mancherlei 
Untlarbeiten uub iJiißverftänbniffe h«"m* 
treten, tvelcbe au« ber (Sinmifcbung religiöfer 
3ntereffeu mit Wotmenbigteit ürt) ergeben 
mußten. Wocb. jetjt wirb ein erbitterter 
Mamn bariiber gefiibrt, ob ba« (£. al« ein 
„neuer Anfang" n betrachten, b. h- über* 
natürliche (Jigenfcbaften ton feinem Stifter 
au«mfageu, übernatürliche föirfungen an 
fein Auftreten ju tnübfen feien, ober ob e« 
vielmehr in ber (Sefamtenrmicfelung be« 
religiöfen (Reifte« einen ("Man; unb $i5be' 
bunft barfteüe, ber aber feine gefcbicbtlicbe 
iöebtngtheit in ben torau«gegangeneu Sta^ 
bien be« (9otte*benm§tfein8 erfenueu laffc. 
^Inertannt mirb immerbin r-ou beiben Sei- 
ten, baß ba« <S. mnäcbft au« bem alttefta* 
mentlichen ©otte*glauben btrouögenjacbfen 
ift, beffen Jöoüenbung e« barfteÜt 2er* 
jenige Ihcil ber ilWenfcbbeit , melchem bie 
Vöfung ber religöfen ^ ra ß en »ormg«weife 
anvertraut mar, ba« hebväiüi>< al« ba« 
eigentliche 92eligion«oolt ber alten Seit, 
hatte ben ©lauben an ben (Sinen ®ott 
al« (Srgebni« feiner eigenen (Sntmicfelung 
burch ben Sturm unb 25rang ber 3ahr« 
hunbertc gerettet; e« hatte im Verlauf be« 
brobhetifchen ^citalterfl biefen ©lauben 
fittlich vertieft unb üergeiftigt unb ben 
Xienft be« „^eiligen in 3«rael" immer 
bewußter in bie Steinigung be« $er jen« unb 
2eben« gefetjt. freilich ftellt ba« gefeljlicb, 
»erfeftigte 3ubentum ber nacherilifchen uub 
neuteftamentlichen ßt\t mit feinem tob«*" 5 
fäifcben ?leußerlichfeit«geift einen auffaüenben 
9iUcffchritt gegenüber ben brob^tifchen @v* 
rungenfebafteu bar. (Sine um fo unmittel* 
barere ^ortfetjung unb iüollenbung fanbeu 
bie üe^tem bort, wo ber mirfliche Srflä* 
rung«grunb für bie eigentümliche ?eben«füüe 
unb fchöbferifche Äraft liegt, bie ba« (£. 
offenbarte, im Selbftbcmußtfcin 3efu. Xenn 
nicht etwa blo« bie SJcrbältniffe haben ba« 
€. ju bem gemacht, roa« e« gemorben ift, 
fonbern (Sbriftu« felbft; an ber ^erfon 
feine« Stifter« ^ängt fchließlich öormg«* 
meife bie gefchichtliche Sebeutung be« <5bri» 
üentum«. (Sine originale ^3erföu(ichteit aber, 
ein religib 1 «^ fd>bbferifd?er ©eift jumal, 
behält immer für eine, bie Srfcheinungen 
in ihre Elemente auflöfenbe unb auf ipre 
4>erfunft befragenbe, Siffenfchaft etma« 
Unburchbringliche« unb ©ebeimni«botle«. 
Xhatfachc ift, baß in bem religiöfen S)e* 



Digitized by Google 



124 



Gfjriftentum. 



Wußtfein 3efu ba« Serhältni« toon ©otttjeit 
unb 3Nenfd)beit eine toon allem Unreinen 
fo burebgängig geläuterte, für bie Übfung 
ber fiulidt)en Aufgabe be« ganzen ©efc^le^t« 
fo eminent fruchtbare Sluffaffung unb ju- 
gleich auch, trofc aller unumgänglichen 
öilblic^reit unb Unjulänglicbfeit ber m 
(Gebote fiehcnbcti ftn-arf)licfreii SRittel, einen 
fo reinen, unmittelbaren, ewig wahren 
$lu«brucf gewonnen fyät, wie etn m>ette« 
Seiftoiel in ber ©efefichte be« fortf^retten- 
ben @otte«bewußtfem« nicht wieber toorliegt. 
lieber bat (Eigentümliche unb -Timim-bia 
genbe im religiöfeu ©ewußtfein be« Stif- 
ter« f. Otfui <»rifru«. SSa« aber er ift, ba« 
füllen alle, ju welchen fein (Stoangelium 
bringt, werben: „Ätnber" ober, ivie e« im 
neuteftamentlicben £ert eigentlich beißt, 
„(Söhne ©orte«", ©n foleber Uebcrgang 
be« eigenen 9?eichtnm« in ba« ©ewußtfem 
Slnberer fetjt aber toorau«, baß ber ibeale 
3nb>lt eine ihm entftorecbenbe, gerichtlich 
gegebene gorm oorfmbet, in Welcher er 
fowobl föon bem Bahnbrecher felbft fieb 
barbietet, al« auch für bie fjtitgfnoffen 
greifbar unb faßlich wirb. $tefe $orm, 
biefe« ?ofung«- unb Schlagwort , toermtSge 
beffen ba« neue ©otte«bewußtfein eine gc- 
fcbi($tti<b> SWacht ju werben im ©tanbe War, 
bot bie alttefiamentliche SWeffiaeibee, welch/ 
3efu« fttttieb unb geiftig neu belebte unb 
mm öefenntni« feiner 3üngergemeinbe 
machte (9Rattb). 16, 15—17). 3tfu« mußte 
fub, weil al« „Sehn" im Serbältni« ju 
©Ott übertäubt, fo auch al« ben, toon ben 
$ropbtten bor 3al)rbunberten bem iübt- 
feben Solf toerbeißenen, SKeffta« (f. b.), ber 
herfdmmlüherweife „Sehn ©orte«" hi f ß- 
35arin lag ba« gerichtlich ©ebingte, ba« 
Nationale unb 3^tlto^e in feinem @elbß» 
bewußtfein; benn bie 2fteffia«ibee mar ein 
bnrebau« btbräifche« ©ewä»h«. 2>aran biel- 
ten ftcb, wät)renb jene« erfte, rein menfeh« 
liebe SDtoment met)r mrücfrrat, bie älteften, 
au« bem 3ubenrum bfr»orgegangenen ©e- 
meinben, bie «Stiftungen ber jwiJlf «toofiel, 
übertäubt bie 3uben<hriften. fßa« biefe 
toon ben gewöhnlichen 3uben unterfchieb, 
war neben bem ©etft ber ©efefce«innerlicb> 
feit, ber gleich ben Äeim jur ©efefce«- 
freibeit entbleit, mmeift ber ©lanbe an 
ben nicht mebr bloß |tt erwartenben, fen» 
bem fcb>n gekommenen SJiefRa«. $>a« erfte 
(5. ift einfach meffia«gläubige« 3ubentum, 
genauer bie ©emeinföaft be« erfüüten 
tfRefftaniSmu«. 9(ber in ber %\)atfa<H)t, 
baß biefer SWeffia« nicht in ber erwarteten 
©eftalt eine« tbeofrarifchen $errfcher« unb 
§eibenbejwinger« aufgetreten war, fonbern 
in .ber 3>emut unb fötebrigfeit eine« an» 



fbrwfalofen ?ebrer« unb Birten, eine« ©e* 
freier« nidb>t unterworfener Nationen, fon- 
bern gefnechteter 2Biflen«fr5fte , unb eben» 
be«bafb beratet unb terworfen »on ben 
Oberften feine« Seife, war ein 3mbul« 
gegeben, Welver na(b einer anbern SRidrtung 
treiben mußte. 3n ber nawwirfenben 
Äraft biefe« öon 3efu« felbft fc ftart be« 
tonten ©egntfafce« ^um jUbif(ben 3beal 
lag ber wirffamfie ©runb für bie Hb- 
liJfnng ber neuen Äeligion toon ber alten, 
bie ft<$ junacb^fl in ber ^orm be« $auli- 
ni«mu« toofl^ieb^en foflte. 3nfo(ge be« 
ftarfen 91nftoße«, welken ba« „Hergerni« 
be« Äreu^f«* (©al. 5, 11) für bie retbt- 
gläubige SWeffia«ibee unb für bie ehtfacbften 
Folgerungen an« bem iübifd^en ©otte«- 
glauben barbot, fam e« ebrifttieberfeit« m 
einer Seiterbilbung be« 5Weffia«begriff«, 
in bereu Verlauf ber Äreu}e«tob al« gott- 
gewollter, notwenbiger 3>ur<bgang«bnnft, 
ber SWeffia« felbft al« ein gottabnlia>«, 
^um Bwed ber Grlüfung unb Serföbnung 
ber fc^nlbbelabenen SRenfctybcit auf @rben 
erfebienene« SBefen mr ©eltung fam, 
welche« gerabe im lob nur bie fhtnüebe 
£>üüe abftreift, um fofort toermb*ge feiner 
«uferftebung unb (frböbnng g'dttlicbe SBürbe 
unb ^tobeit anzutreten. 2>er nähere Ver- 
lauf biefer für bie <$riftltä> SBeltanf^ auung 
enrfebeibenben ©ebantengä'nge gebart nidbt 
bierber. ©. C^rifioiogu. 3?on felbft erbellt 
übrigen«, wie bem ber ©eftbw)te »er« 
faüenen bogmatifeben ^rouß 3uglei<b reli- 
giöfe 3been unb fittlictw werte ju ©raube 
liegen, bie toon allgemeiner SBebeutung unb 
Xragweite finb unb bem <£. feine blei- 
benbe, weltgefdji<$tli<b> ©ignatur gegeben 
baben. @o ift niebt bloß bem ganjen 
religiäfen Qer^ä'ltni« babureb], baß ber 
3wecf be« Auftreten« be« SWeffia« in bie 
CrlBfung unb Heiligung feine« Soff« ge- 
fetjt wirb, eine entfdjiebene 5®enbung unb 
9?icbtung auf ba« ©ebiet be« fittlicben 
?eben«, auf bie 3obereitung eine« in ©ort 
befreiten SBitlen« gegeben; e« ift jugleic$ 
baburö), baß biefer Srlc'fer tro(j feiner 
görtlicben Söürbe erft „burtb; ?eiben be« 
tobe« tooüenbet" ($ebr. 2, 9. 10) werben 
mußte, ni<bt etira bloß ber @dmter$ toer- 
flärt, ba« ?eib unb SBe^e be« «ben« mit 
einer, fefbft bem tragif^en T)pvi9 be« 
flaffif(b>n Altertum« unerreichbaren, IBeibe 
aeb^eiligt, fonbern e« ift biefe« 2>ufben unb 
Reiben gerabeju jnm ©egengift gegen 
Z iinbc nnb ©cbulb, )ur @^iften)bebingung 
für atte« erhoben Worben, wa« fleb im 
enblicben f eben al« gereifter unb bleibenber 
©ebalt, Wa« ffl im menfdjlicben 35afein 
al« gbtüicber Sern bewähren fott. @o ift 



Digitized by Google 



iSfjriftentum. 



125 



mit biefer fie&re »om leibenben 6obn 
&otte« unb »ott ber bur<b fein Reiben ntx* 
fö^nten ffiett ber ®ette«begriff felbft ber 
flarren (Stn&eit unb ttbermeltlitfren gerne, 
meicbe feine SWertmale im 3ubentum au«» 
matten, entfleibet morben, nnb biefe, bun$ 
bie i'ebve t>on Gbriftu« als feinem ©obn 
bedingte, Ceränberuna in bem Begriff unb 
©üb ©orte«, treibe ftd? innerhalb ber ur« 
cbrifilia)en (JJebanfenmelt Der %(lem im 
SJaternaraen, innerhalb ber c$nftli$en 
j-bcciraif befonber« in ben Dogmen von 
ber $reieinigfeit unb aHenfcbwerbung 
@oite« abfpiegelt, beutet bei allen logifefren 
Un}nträglia)(etten biefer Dogmen felbft teeb 
ben btetbenben (Seminn an, meieren ba« 
©ettrtbemu&tfetn ber SKenföbrit bem (&. 
toerbanft 

2)a$u fommt nnn aber nod) ein Seitere6. 
SRädtfter Bmed ber (£rf$eutuna be« äWeffta« 
mar bie $erftettung unb Sufricbtung be« 
„(Sotteereicb«", ber $errfdwft be« Holt* 
©orte« auf örbeu. Üöenn bie 3bee Mottet 
al* be« Cater« unb tat? 6elbftbelennt» 
ni« pr ©obnfcbem tf. iUnuvtjr tnoün» jmti 
leitenbe ©ebanfen be« Auftreten« 3efu 
bitben, fo barf man tbnen getrofi bie 3bee 
be« Cetebe« ©orte« al« einen brüten, jene 
unter ft$ »erbinbenben ©cbanfen jur @eite 
{teilen. 2)iefe« »eic* Ootte« (f. b.) ftellt 
ben näcbften Äret« bar, meiner fub um 
ben in ber ^ßerfon 3efu gegebenen SWittel» 
vnnfi bilbet. 3iber aud) e« fonnte gart) 
ebtnfo unter einem bobbelteu ©efubt«£nnlt 
betrachtet »erben mie ber „$ebn ©orte«". 
8a iuii mar e« auf eine Weubelebung aller 
gefeflfcb>ftltd>en Buflänbe vermöge ber über« 
greifen ceii Xriebfraft be« neuen ©otte«* 
bemufjtfeiu« , auf Jperfteüung eine« ©e« 
famtleben«, in bem ftd) au« gottgemirlten 
ÜMotioen nnr gottgemoUte Bmecfe realifteren, 
abgefeben. 3m vierten Goangelium, mel<be« 
bie (briftlia>en 3been jmar fa)on mit jum 
IbeU gried)tfd)en &u«brucf«mttteln, aber 
ebenbe«balb auet) in ibjrer allgemein menfd)* 
lieben ©ebeutung, in ibrer burebfubtigfien 
Steinzeit unb xiaibnt jur 2)arfteUung 
bringt, erfdjeint ba« 9fci($ ©orte« gerabeju 
al« bie ©emeinfebaft ber au« bem ftlcifä 
in ben ©etft umgeföaffenen iDJenfcbbeit 
(3©t). 3, 3), al« ba« nid)t ton biefer Seit 
fiammenbe, aber in biefer Söelt fub »er- 
mirfltcbenbe 9leicb ber ftttlia)en Speere, ber 
religiöfen Söabrfceit (3ofr. 18, 37), \a e« 
tritt an feine ©teile ber «egriff be« 
„enngen geben«" felbft. freilich fonnte 
biefe 3bee in ba« ©emufjtfein ber 2Kenfcb- 
beu nur eintreten, inbem fte an bie jübifd)« 
coli c tümlicben begriffe öon @ette«berrfcbaft 
unb ^olitifdbem Königtum anfnü>fte. 3n« 



bem fi<b 3efu« al« äKeffta« ertlärte, er. 
ftrebte er allerbing« junäcbft eine Umge- 
staltung be« ibn unmittelbar umgebenbeu 
3öol(61eben« nacb ben 3bealen ber $ro 
l' beten. -Jä\1; Diel cn lieble teuer aber be> 
megte üd' ba« ©emugtfetn feiner erftai 
3Unger unb (^emeinben innerhalb biefe« 
»oltetümlüb, gef&rbten Greife« ; ja fte gingen 
merflieb bintcv ben borgefebobenen Italic 
punCt juriltf, ire übe n 3efu« felbft einge- 
nommen be.ite. SBäbrenb (r al« iD^cffta« 
fub fnbtt Uber alle« kleine am 0$d M 
fteUen tonnte, fanb innerbalb feiner erfkn 
Snbängerfa)aft utua^br. gerabeju eine au<b 
augerlia)e Bereinigung mit ber iilbifcben 
Xb^otratie ftatt l'uui uafem am natio- 
nalen @otte«bienft )u 3erufalem Zfytil, 
braute leetm'ibe ütf ( r, beobachtete bie 
t>äterlid)e Äultuftfittc unb beute baoon, bap 
ba« (£. etma« grunbfa^metgig iMeue« fei, 
(aum eine Slbnung (^boftelgeftb.. 2, 46; 
3, 1: 5, 20. 42; 21, 20—27). ö« tt>ar 
übertäubt unb: ba« 3ubentum im äHutter* 
lanb ^aläftina, fonbern e« mar ba« belle 
ntflifebt 3ubentum ber Xiafbora (f. t>.), 
meiere« fd)on läugft einen griea)ifd; » bbüo* 
fobbif*?cn Bug mit bem bebratfäen @lau» 
ben«geb^alt terbunben baue, morin nuumebr 
auch ba« (£. ben ÜBeg in« greie finben 
fottte. ^)ter erft gelangte bie lleberjeugung, 
baft ba«felbe befttmmt fei jur Buf*" 1 ^ 11 * 
faffung ber bi«^cr getrennten Xbeile ber 
iüienftbbtit, ber Reiben unb ber 3uben, 
;um Iinebbvnib unb juut %u«brucf. 
ben ©vnagogen Äleinaften«, ®riecb,enlanb« 
unb^om« , um melcb« jub ^rofelbtcn au« 
bem ^eibentum fd;on juoor in grofjer 
s JMenge gefammelt batten, ging entließ bie 
com 3ubentum abgelöfte Reiben- unb 
Scltürc^e bertoor. 

vier ift nun ber Ort, baran }u er- 
innern, bag ba« abgeben i"on bem 
©tainrntapital, melcbe« tb.m im ©otte«' 
unb ©elbftbemugtfein feine« Stifter« ju> 
gemaebfen mar, Ieine*meg« lebiglid) »on 
bebrätfeben ©tlbung«elementen lebt. MtDCC« 
lia; märe e« im Verlauf mettiger 3abf« 
^unberte bie Sieligion be« SDiorgen- unb 
s Äbenblanb« g^emorben, menn nie^t aueb. ber 
griecbinlH- ©eift auf bie ©eflaltung feiner 
SBcltanfnjauung mäd»tig eiugemirft b^tte. 
«öebott »or ber Bcit 3efu ^ atte ba« 3uben* 
tum in Vllcunnta augefangen, in ber 
Nachfolge ber gried;tftb/eu ^ilofobben ben 
©otte«begriff ber eigenen ^eiligen ©üa>er 
uad> ben formen ber j?latonifcljen unb ber 
ftoifcben ^tlofcblue umjubilben unb ju 
öergetftigeu. «lejonbiinifdje ©t^ule. 3m 
(S. fanb ieireiu bie m^tt)ologifierenbe al« 
bie MlofoMerenbe 9ii(btung be« religiöfen 



Digitized by Google 



126 



(Sänften tum. 



@ned)entum«, bie 9(rbeit ber ^antafie I teren toorfommt, ma« toon ftttlidjen Auf» 
unb biejenige be« ©ebanfen«, unmittelbare gaben ftd) ftellt, au« fclcbem $ereinleud)ten 
ftortfeljung : jene, infofern bie urftirünglid) ftd) erflärt. ©an» befonber« brauchbar, 
tbeofratifd) » mefftanifcbe , toon 3efu« ©er* mo e« galt, bie SJerlufte, bie man burd) 
innerlid)te unb toerftttlicbte 3bee be« i preisgeben be« urfbrünglüben 3beali«mu« 
„©obne« ©orte«" erflärt mürbe al« eine erlitten batte, burdj neubetogene ©emimte 
tbtiftfd)e @otte«fobnfd)aft , melcbe auf bi« ;u betten, fanb man bie Umbtlbung, meld)e 
refter (Srteugung nad) Sinologie ber grie' ! bie ©ebanfen piato« in bem nad)ge* 
cbifd)«n Halbgötter unb Heroen beruhte ; borenen ©tiftem be« 9cetiblatoni«mu« er* 
tiefe, infofern bie Hatoniftt-ftoifcöe Unter* fuhren. Stuf Orunb biefe« «Stiftern« alfo 



fAeibung be« „Sorte«" ©otte«, be« fogen. 
?ogo« (f. b ), toon ©Ott felbft, mie toon ben 
aleranbrinifeben 3uben, fo nunmehr aneb 
ton ben tbilcfobbie«nben (Sbriften, erft* 
malig im 3obanneifd)en (Stoangelium, auf* 
genommen unb auf ibrem ©runb eine 



in feinen alten unb neuen formen baben 
Ätrcbentoäter unb ©tbolaflifer ein öabr» 
taufenb lang bie d)riftlicben Sogmen tuerft 
gebilbet unb bearbeitet, bann erflärt unb 
beriefen. 9cäd)ft bem piatoni«mu« n>ar 
e« enbltd) nod) bie ©toa, meld)e mit ib,rer 



i'ebre toon bem SJerbältni« be« später« jum 2ebre toon ber ©ottt>ern>anbt^eit unb ®leid> 

©ofm erbaut mürbe, melcbe ftd) bann unter bett ber mcnfd>lid)en 9tatur (Sinfluß au«» 

§injutritt eine« britten tu berürffttbtigenben übte. Hfle ÜKenfc&en ftnb fd)on nacb <£&rti» 

ftaftor«, be« ^eiligen ©eifte«, im Xrinität«* ftbti al« 9Jcitgenoffen unb Mitbürger }u 



bogma abrunbete. 



betrauten, bamit bie Seit erfd)eine „mie 



?lber nic^t bloß auf religiösem, aud) | (Sine toerbunbene $erbe, bie burd) (Sin ge^ 
auf fttttiebem ©ebiet batte ber grieebifebe ! meinfame« ©efefc geleitet mirb", wie 3o$. 



10, 16. Sine 2Renge birefter parallelen 
SU paulu« mar au« ©eneca ».ufammenju» 
lefen. Hud) ba« Sort, baß alle üflenfeben 
SBrttber ftnb, Ijat man tuerft in ber ©toa 
gehört Sie fd)on ba« Altertum folgen 
gotttoermanbten ©eiftc« ableitete, me«balb "auafbrüdjcn eine meltgefAidjtlicfye ©ebeu« 
man toon iljm gefagt bat, baß er bie p^iilo« j tung beimaß, jeigt piutarcb, melier meint, 



©eift eine gemaltige SÖorarbeit geliefert. 

@cbon ©ofrate« beburfte jur JBegrünbung tu paulu« mar au« ©eneca tjtfamment,u» 
feiner ©ittenlebre feiner toon außen ober 
toon oben fommenben ©ebote mebr, ba er 
biefelbe ed)t arieebifeb au« ben liefen be« 



fotobie ^ont Gimmel auf bie (Srbe gebracht 
fcabe. (Sr lieferte bamit menigften« einen 
allgemeinen Xotiu« für ba«, ma« ftoäter 
ba« (S., inbem e« ben ©etft freier ©ittlid)« 
feit toon ber 53ef<branttbeit altteftament* 
lieber ©efefelid)feit entbanb, toa« infonber« 
beit ber $roteftanti«mu« leiftete. 3)a« 
untoergleidjlid) ©rößte aber b.at piato ge* 
tfcan, um bie bellcnifd)e ©ebanfenmelt auf 
eine ©rufe tu b.eben, auf melier fie fäbig 
mar, ftd) mit ben religiiJfen Srträgniffen 
be« femirifa)en Orient«, infonberb^ett mit 



ma« 3* no gtttoout, b^abe Slleranber toott« 
bracht. Slteranber« ©ebanfe aber mürbe 
im ©runbe erft burd? ba« rb*mifd)e SBelt« 
reieb^ toermirfli^t , unb al« biefe« eben 
unter bem erflen Äaifer feinen bauernben 
3ufammenfd)luß gefunben b^arte, entftanb 
in einem feiner entlegenen Söinfel aud) 
biejenige Äeli^ion, meld)c unter allen ba« 
gemefenen Religionen aüein eine folebe Un« 
abbängigfeit toon jebmeber national*barti* 
fulariftifd)en ©ebingt^eit erlangen fonnte 
unb follte, baß fte fäbig mürbe, ben unge* 



bem Jpcbrai«mu«, ju berühren unb eine : feuern Riefenleib jene« 9ieid>e« glei6* 



au« beiben, bisher ftd) flieb, enben, (Slementeu 
gemifd)te SBeltanfd)auung ju erjeugen. 311« 
eine folebe aber muß biejenige be« (Jbnfhn- 
tum«, mie e« ftd) in ber ©efdncbte au«» 



mäßig ju befeelen, ja fogar, al« berfelbe 
atlmäbtid) abftarb unb jerfiel, ib.n al« 
eurobäifd)c SBeltreligion ju Überbauern 
unb eine neue, melt^efd)id;tlid) nod) »er* 



breitete, bejeid)net merben. (Semitifd) unb beiß»"g 80 °üere, Serbtnbung mit bem ger 



bebräifd) ift ba« ©emebe biflorifcber $äben, 
an meld)em e« feine ©orte«« unb SBelt* 
anfd)auung jur Sarfleüung bringt; grie* 
d)ifd) unb tolatonifd) ifi ber metabbbßfd>c 
^intergrunb, meld)en e« ber gefd)id)tlid)en 
^ortbemegung feiner 3been Verleibt, jene 
ganje ©runbanfd)auung, monad) eine b. b^erc, 
Uberftnn(id>e Seit al« ein bem enblid?en 



manifd)en Elemente einzugeben. 

Sine folebe 2)auerbaftigfeit, mie fte ba« 
(£. unter bem Bufammenfturj aller Kultur» 
unb ©taat«mäd)te ber alten Seit an ben 
Sag legte, fefcte freilid) toorau«, baß ba«* 
felbe ftcb jutoor fd)on in beftimmt geglieberten 
«erfaffungeformen toerfefHgt batte, baß e« 
Äirdbe (f. b.) gemorben mar. 35a« aber ift 



SSerftanb überlegene«, nur mit bem ©lau* e« feine«meg« etma toon toornbereht fd)on 
ben ju faffenbe« (Stma« in biefe« ©innen* gemefen. »telmeb.r batte man urfbrünglid) 
leben bcreinfbielt, fo baß, ma« toon geifttgem i mit ber gefamten Sirflicbfeit unb mit 
Äeij unb g»ttlid)em ©eb^alt in biefem ' jeber **iutoerrid)t auf bie entmicfelung«» 



Digitized by Google 



(S^riftcntum — (Sljriftenbcrfelflurtflen. 



127 



fäbigfeit bcrfelbcn fo grünblicb gebrochen, 
tat"; ber nntvift lieben Whintane ;nuäd>ft 
aucb bie burcb ben Glauben an 3efu 
SDieffianität gebilbete ©emcinbe nur burcb 
ba« fcirefte jfeunber ber ©ieberfunft ibre« 
©tifter« jnr örbin bcr alten Jöeltrcicbe 
erboben »erben ju fönnen faxten. 3)er 
©ebwerbunft ber urebriftlicben ^ufnnft«- 
gebanfen fiel noeb ganj in ba« fogen. 
Xaufenbjäbrige 9teicb. ©. öljiiia«mu9. örft 
oümäbiirti übte bie in ben "ßaulinifcben 
unb Sobanneifcben ©ebriften angelegte Auf- 
f an n na, wonach, Cbriftu« al« gbttlicbc« 
'jßrinjib in ber ©emeinbe feiner Gläu- 
bigen waltet unb biefe festere yir Xrägerin 
feine* ©ewußtfein«, jur gortfetjerin feine« 
SBiflen« Witt, einen umgcftaltenben unb 
»erföbnenben (Sinfluß, mäbrenb bie Äircbc 
firti jugleicb immer unumgänglicher auf 
einen längeren irbifdjen ©eftanb cinriebten 
mußte. ©d>on bie 9[u«fcbeibuug ber 2Jton« 
taniften (f. b.) bebeutete im Grunbe ben 
Cntfcfyluß ber ttirebe, unter ^erjidjt auf 
ibre urfr-rUnglicbc Slu«fiattung unb Äraft, 
eine SBelrmifficn im Großen ',u beginnen 
unb bie Sööller \u ergeben. 2)iefe Hrt 
toon 9feali«mua gewann rem urfprünglicben 
3beali«mu« im ' Serlaufe be« 3. 3abrb- I 
maffenbafte« Serram ab. 3)ie Äiräje mürbe 
ein Staat im ©taate; fie unternabm e«, 
ben SÖeltftaat ju ebriftiantfieren, inbem fte 
jugleicb feine ©Übung unb ^^iIofopr>ic, 
feine wecbt«orbnung unb feine Äulte in 
ben eigenen 2)ienft nabm, b«iebung«meife 
fid) ibnen affommobierte. ©oflenb« feit- 
bem fte ©taatsftrebe geworben mar (f. «on= 
ftantin) , fc$icbt ftcb ber ©cbwerpunft be« 
Arift lieb = frommen ©cwußtfein« »on ber 
arofaltiptti'rbcn 3utunft«boffnung biniroA 
in ben gegenwärtigen, toon ber Äira)e 
»erbürgten unb in ibr gegebenen §eil«« 
befifc. 3)a« ©anb, welche« jefct bie (Ebriften* 
beit jufammenbält, ift mrbt mehr bie, felbft 
ton Reiben ber friiberen 3abrbunberte ge« 
priefene, ©ruberliebc unb bie gemeinfame 
jpoffnung auf bie große (Snbfataftropbe, 
fonbern eine ^icrard>rfd)c Orbnung, Welcbe 
mit ber c^riftlid)en s JKünbigfeit unb ftrei« 
beit leiebt auc$ bie brüberlid)« ©efinnung 
erftiefen tonnte. 2>a« b^öc^fie unb umfaf« ' 
fenbfte aller fittlicben 3beale be« ©tifter«, 
ba« 9teirb @otte«, fiel biefem Äatboliji«« 
mu« (f. b.) eben febon in (Sin« jufammen 
mit ber empirifeb/en Äircbe, wäbrenb ber 
^roteftanti«mu« if. b.) al« ein neuer ©er* 
furb ,ur Stealifierung be« rf>riftlirf)cit <ßrin- j 
jip« beibe ©ebanten wieber öoneinanber 
H febeiben unternabm. ©ejüglieb ber 
äußern 3ln«breitung aber, welche ba« bier 
«u« einigen wefentlictyen SDiotiöen feiner 



(Sntftebung cbaraftertftertc ( im Saufe 
toon beinabe *wei 3abrtaufenben gefunben 

bat, \. Wiifton unb ittcligtontn. n. 

(Sbrtftentumdgrfellfcbaft, rrutfdir, 

religiöser ©erein ber evaugelifeben Äircbe, 
warb 1780 burcb Dr. 3obann Urlfr-erger 
(geft. 1. Xt\. 1806) ;u ©afel gegriinbet (ür- 
fbrünglicb , f 3)eutfcbe ©efellfcbaft jur ©e« 
förberung reiner Vebre unb wabrer Gott« 
feligfeit"). 3 l ^ amm(n ^ n ^ < 1 ur <**bau« 
lieben ©etraebtung unb eine umfaffenbe 
Äorrefbonben^ fouten ben B^ecl ber ^er» 
einigung aller lebenbigen unb bibelgläu^ 
bigen (Sbrift'n fi5rbern. ©eit 1783 erfebie« 
nen al« Organ bie monatlicben „^amm« 
hingen für Siebbaber ebriftlicber ©abr« 
beit" unb jog bie ®efeüfcbaft faü aüe 
©etbätigungeu ber äußern unb innern 
iWiffion in ibren ©creieb; au« ibr fuib 
im Saufe ber £t\t mehrere felbftänbige 
Vereine bervorgegangen, j. ©. bie ©afeler 
»ibelgefeüfcbaft' (18<>4), bie ßtangelifebe 
^iifrion«gefeüfcbaft bafelbft (1816), bie 
Änflalt in ©euggen ?ur 93ilbung t>on Hr« 
menfrbullebrern unb ;irr Rettung ih-v 
wabrlofter Äinber (1820), ber »erein für 
J^reunbe 3«rael«, ber Xraftatentoerein, bie 
Xaubftummenanftalt ju hieben, bie ^il- 
germiffton auf Ärifebona u. a., faft fämt- 
lieb fon (5. ^. ©bittler in ba« Seben ge» 
rufen. %. 

C^briftcnocrfDlflungcn, im römif6en 
9teicbe, bie notwenbige ©egenwirfung be« 
$eibentum« auf ba« innerhalb feine« ©e» 
biet« ftd) au«breitenbe Cbriftentum. 3)en 
Römern war bie J"»elig,ion »or$ug«weife 
@taat«angelegenbeit. Sebiglicb^ au« 2 taati« 
flugbeit battc man ben unterjochten ©ölfern 
ibre ©btter gelaffen, aucb ben 3uben bie 
?lu«Ubung tb)rer Religion erlaubt. 3e mebr 
fidb) aber ba« (£b"ftfntuni toom 3uben» 
tum lo«li}fte, befto mebr fcerlor e« ba« 
iÄecbt einer erlaubten 9celigion (Religio 
licita); bie Äufnabme unb Verbreitung 
einer unerlaubten (Religio illicita) aber 
galt, ;umal in ber gegen aüe Neuerungen 
unb vereine fo argwiJbnifdjen Äaiferjeit, 
al« ©erbreeben gegen bie ©taat«gefe^e, 
für welcbe« bie ^bergeftetlten nacb rBmi» 
febem ©efeö mit 35ebortation, Seute nie* 
bem ©taube« mit bem £obe beftraft 
werben feilten: aucb mußte eine Religio 
illicita, wie bie cfyrifilicfye, neu unb ge« 
wiff ermaßen unfaßbar, weil obne ©olt«* 
tümlicbfeit, obne ©btterbilber, obne Xem« 
pdf Altäre unb Opfer, baju in ibren 
gotte«bienftlic^en Serricbtungen öfter« com 
©cpleier be« ©ebeimniffe« umgeben, al« 
ganj befonber« terbäcbtig erfebeinen, jumal 
ba ibre ^Inbänger fiep weigerten, ber 



Digitized by Google 



128 



ßfjriftenfcerfolgungen. 



Vüftc be« Satter«, ol« Au«brucf ber 
Unterthattenehrfurcbt, SBeibraua) 511 ftrcuen 
ober an faiferlicpen @eburt«tagen , bei 
©tegc«fefien u. bgl. au ben ^eibnif^eit 
öffentlichen ?uftbarfeiten tbeilgunehmen ; 
bte Ibeilneb.mer an unerlaubten unb ge- 
heimen Verfammlintv\en (Collegia ifii- 
cita) fowie bie ber lwpietas in princi- 
pe«, ber (5bvfurcbt«verlc$ung gegen bie 
Äaifer, Angcflagten feilten aber nach rötni* 
fchera ©efejj gefoltert / bie Humiliores 
unter ihnen ben Veftien vorgeworfen ober 
lebenbig verbrannt, bie Honestiores jum 
lobe verurteilt »erben, ferner würbe 
bie Verehrung eine« geiftigen unb unfiebt» 
baren, unabbilbbaren ©orte« al« Atheis- 
mus unb al« Sacrilegium angefehen; bie 
Sacrüegi aber würben nach römifebem ©e- 
fefe jum Äampf mit »Üben Xieren ober 
jum Äreujeötobe »erurteilt. SGßirfliche ober 
angebliche Teilungen unb ber von ben Abri- 
tten ausgeübte (Sroni«mufl gaben Anlafj jur 
Vefcbulbtgung ber 2Äagie, bie bem erwiefe- 
nen 3auberer ccn ftlammentob, ben 
übrigen an ber magiftben Eanblung Ve- 
theiltgten bie (Strafe ber Kreuzigung ic. 
nach römifchem ©efefc jujog. £atte in 
bem reltgiöfcn Serhalten ber (Shriften ber 
Staat fomit eine gewiffe Veranlaffung, 
biefclben ber Auflehnung gegen feine Gin« 
richtungeu unb ©efefce ju befchulbigen 
unb ju beftrafen, fo gingen boch bie Ver= 
folgungen noch häufiger vom t^tittiifchen 
Volt au«, ba« im ©ö\jenbienft ben Cuett 
feine« (SrWerb« (heibnifa>e "Jkiefter, ©oeten, 
©öfeenbilbverferriger unb Eänbler) ver- 
theibigte unb jebe ipanblung eine« ßbriften 
mit Argwohn betrachtete; fo warb von ihm 
ber ©cnufj be« geheiligten Jeibe« al« ein 
thbefteifchet) ©aftmabl (Epulae Thvesteae), 
bie allgemeine Vruberliebc al« Vorwanb 
jur Unjucbt verbäctjtigt (Concubitus Oedi- 
podei). Sitte öffentlichen Unglücf«fälle wür- 
ben fofort al« Strafgerichte ber über ihre 
Verachtung erjürnten ©ötter bara,efteüt. 2)en 
Vornehmen unb ©ebilbeten enblich mar ba« 
Cbriftentum ber ftnftere Aberglaube eine« 
bethörten ^öbcl«. Vrgl. ? e V 1 a n t, Lea 
bases jnridiques des poursuite» dirigees 
contre les martyrs (1866); SR. tilgen» 
felb in ber „3«tfcbr. für wiffenfebaft. 
Ibcol." (1881); gr. 2)caaffen, ©rünbe 
be« &ampfe« jwifeben bem heibuifch römifchen 
Staate unb bem ebriftentbum (1882). 

3u biefen eigentlichen unb planmäßigen 
Verfolgungen fmb bie Vorfälle be« 1. 3ahrb. 
noch uicht iu jäblen, wie j. V., menn balb 
auf bem Voben ^aläftina« in ber Nach- 
folge be« 9)ieifter« felbft jahlreiche Opfer 
Pharifäifchen $afj faüen, balb in Nom 



(64) bie tbramtifebe ?aune eine« Nero bte 
(sctjulb an bem Vranbe ber Stabt auf bie 
fibriften wäljt unb fie freudigen ober in 
bie gelle milber £iere einnähen unb ben 
$unben jur B^fleifchung vorwerfen ober, 
mit brennbaren Stoffen übersogen, gleich 
ftatfeln anbrennen Iäfjt. Vrgl. Schiller, 
©efch- be« römifchen tfaiferretd)« unter 
Nero (1872); fcolfcmann in „Svbel« 
hiftor. 3eitfchrift" (1874); Äeim, Au« 
bem Urchriftenthum (1. Vb. 1878) ; 2) ouat« 
in ber »Rev. des questionshistor." (1885); 
Arnolb, 3>tc neronifche e iuiften»erf ol- 
aung(1888). Äuchuuter Domitian (81 — 
96) mürbe bie Anllage auf (ibriüentum 
al« eine Art ^»oebf erratb nur benutjt, um 
einzelne Üonfiefattonen, Verbannungen unb 
Einrichtungen, »vie e« febeint, fdbf^ gegen 
-,uhm iDiitajicter ber fatferlicben gamilie, 
Jvlaoiuij CSicmen« unb ^lama 3)omititta, 
burchuifeycn. lirft feit ben ätittu. be« 
Staifer« £rajan beginnt ber eigentliche 
(Sbriftenprojefj unb jmar junächfi in ber 
gorm ber (Sinjelanflage. irajan befahl 
jmar in feiner Antwort auf bie Au- 
frage be« Statthalter« »on ©ithmtum, 
N ^liniu« be« jüngeren , bie Shriften nicht 
von Staate wegen aufjufuchen, ivebl aber 
biejenigen, welche, wenn angegeben unb 
»erflagt, auf gefebehene Aufforberung »on 
ber verbotenen Verbinbung nicht jurüd- 
aetreten waren, mit bem £obe ju befhrafen. 
Vrgl. Arnolb, Stubien §ur ©efch. berpli- 
nianifchen (Shriftetwerfolgung fl887). 3)a« 
(SbÜt Jrajan«, welche« ben (£bnftenpro$ejj in 
ber angegebenen VJeifc inftruirt hatte, blieb 
9feich«ge}e& unb würbe unter Iraian« 
Nachfolgern balb lauer, balb frrenger ge» 
hanbhabt. @rftere« gilt namentlich von 
E a b r i a n (117 — 138), unter welchem jeboeb 
eine um fo graufamere Verfolgung bie 
fihriflen fetten« ber rebcüifchen 3ubcn m 
•JJaläftina burdi Var Äochba (f. t.) betreffen 
bat Aber auch bie 2Öut be« h^ibnifchen 
Volf« bat fi* unter bem Sinbrucf gehäuf- 
ter öffentlicher UngliicfSfäUe öfter« gegen 
bie ©ötterfeinbe entlaben. S)a« gegen btefe 
Uebergriffe be« Volt« an 2JWnuciu« gun- 
banu« erlaffene ßbift Eabrian«, welche« 
bie Chriften nur in geregeltem ^ßroje^- 
verfahren unb blo« wegen Verbrethen ju 
[trafen gebietet, ift unecht. Vrgl. Äeim 
tu ben „Xhcoleflifthfu Jahrbüchern" (1856); 
Overbetf , Ueber bie ©efetje ber römifeben 
Äaifer von Irajan bi« SWarc Aurel gegen 
bie (Sbrifint, in beffen „Stubien gur ©e- 
fchichte ber alten Äird^e" (1. £<fr, 1875); 
§ u n f in ber „Xheologtfcben Ouartalfchriff 
(1879); ©regorovtu«, Äaifer Eafcnan 
(2. Aufl. 1884). Sine etwa« härtere ^rajt* 



Digitized by Google 



<2tyriften&erfotgunflen 



129 



begann unter Hntoninu« ^itt« (138— 
1G1 unter beffen Regierung mobl bie 
Verfolgung in ©morna fällt, feie bem Vi« 
fdmf ^otyfarb ba« 3Karrprium bereitete (155 
ober 156). $a« (briftenfreunblicbe 9*effriJ>t 
„Ad commune Asiae" flammt niri)t »om 
Äaifer, fenbern ifi eine djriftli(tye ftälfdbung. 
Vrgl. Oterbed, Stubten jur l»efd>. ber 
alten Äircbe (1. $eft, 1875); Äeim, «u« 
bem Urd>riftentum (1. »b. 1878). Wo<b 
mebr Grnft mit ber Verfolgung mar e« 
bem SKarfu« Slureliu« (161—180), 
unter beffen Regierung e« namentlich in 
l'ugbunum (?pon) unb Vienna (Vienne) 
im füblitben Kattien (177) oiele 3Rärrttrer 

Sab. Vrgl. Stenan, M. Aur. et la tin 
u monde ant (4. KttfL 1882). Macb 
einer 20jäbrigen, nur oon einzelnen 9War- 
rbrten unterbrochenen 3<t* *ube erbob 
ftcb 202 über bie (Sbriften in Äegpbten 
unb im brofenfularifeben Slfrifa eine neue 
Verfolgung unter ©ebttmtu« €>eoe« 
ru« infoige eine« Gbift«, meldje« ben 
Uebertritt oom $eibentum jum 3uben» 
tum ober (S&riftetttum unterfagte. Vrgl. 
@örre« in ben „3abrbüc$ern für broteft 
Xbeologie" (1878); fcudj«, (»efeb. be« 
Äaifer« <®ebtimiu« £eoeru« (1884); 
oille, La religion ä Romo sous los 
SeWeres (1886). Hleranbcr ©eoertt« 
(222—235), beeinflußt oon feiner SWutter 
3ulia 2JJammä'a, fteüte bagegen ba« ©Üb 
Sbrifti unter feine §au«gi<tter. Vrgl. 
©örre« in ber „Beitfcbrift für miffenfdb. 
Sbeol." (1877). ßbenbie« aber n>ar für 
feinen SWtfrber unb Watbfolger SWarimi- 
nu« %l) rar (235—238) ©runb genug ju 
entgegengefefcter ^rart«. (Sine nur furje 
Beit ber Stube fam unter ^bilibbu« 
flrab« (244—249), melcber ber «Sage 
natb. felbft ein Gljrift gemefen fein fou. 
Dagegen erging unter 2) e c i u « (249—251 ) 
über bie <St?riftenbeit be« ganjen 9tei(b« bie 
erfte bianmäjtge Verfolgung au« national' 
religiöfen SMotioen. Unter ®allu« 
(251—253) bauerten biefe Reiben fort; 
Valeriana« (253—260) mar juerft ben 
(Sbriften gemegen, liefe fidj aber oon 9Wa- 
friann«, feinem ©Unftling, 257 ju einer 
fpftematifdtien Verfolgung oerleiten; man 
fuebte bie Äircbe baubtfädjlicb bttrd; Ver 
folgung tyrer Veamten m @runbe ju richten. 
<Srft ®allienu« (260—68) fteüte fofort 
bie Verfolgungen gegen bte (Jtjrifien ein, 
ebne tbnen jeboeb bie 9ted?te einer Religio 
licita ju gemäbren. Vrgl. ©tfrre« in 
ben „3abrb. für jjroteft. Ibeol." (1877) 
unb in ber „3eitfd>r. für miffenfcbaftl. 
Xbeol." (1884). Wacbbem bie Äircbe mebr 
al« 40 3abrc ^rieben gehabt, begann mit 
$o(*mann u. äSpffel, Triton. 



I bem Äaijer Diotletian (281-305) eine 
I neue Verfelgung«jeit ; jeigte er fut. audb 
, Anfang* au« ^olitifd? en@rünben ben <S\> riften 
I getrogen, fo unternabm er bo<6 in ben 
legten 3ab.ren feiner ÜRegierung, t^eil« in» 
folge feine« Veftreben«, bte frühere 4>errli<b- 
feit be« itfeiebe«, fomit aud^ bie alte ©taat«» 
religion wieberljerjufteüen , tbeil« audb 
angereiht oon feinem <3<bn?ieqerfofyn, bem 
fiäfar Öaleriu«, gegen bie (S^riflen einen 
Äamof auf Sieben unb Job. Jefcterer bob 
an mit ber »fcrftörung ber äirdbe oon 
gjifomebia (303). Cin fogleidj folgenbe« 
faiferlicbe« öbift gebot, alle Jembel ber 
(Sbriften ju jerftbreu unb ihre ^eiligen 
VUtber 3U oerbrennen; (brifillid)en @taat«« 
beamten foüten ibre SBürben genommen, 
römifebe VUrger ;u ©tlaoen begrabiert 
loerben, ©flaoen bie Hoffnung auf ^rei« 
beit oerlieren; gegen atte Sbriften foüte 
bei ber gerid;t(icben Unterjudbung bie Holter 
angetoanbt n>erben. Gin neue« @efefe 
gebot, bie (S^rtften burd? jebe« erbenflitbe 
Littel jum Opfern ju jroing^en. gaft 
burd)« gan^e dteid; muteten bte Verfol- 
gungen. (Stubalt mürbe erft geboten, al« 
2>ioTletian 305 bie Regierung nieber» 
legte unb ber cbniintfreunb Senftan« 
tiu« Cljloru« mit @aleriu» jum 
«uguftu« erboben mürbe. Vrgl. ^Jreujj, 
Äaifer 2). unb feine Beit (1869); 2 b. 
Vernbarbt, 3). unb fein Verbaltni« )u 
ben Cbriften (1862); SWommfen in ben 
„Vertyanblungen ber ©erltner 9lfab. ber 
SBiffenftbaften" (1860); ^einjifer, 3ur 
Regierung unb Gbriftenoerfolgung be« 
Äaifer« 3). (1869); üDiafon, The persec. 
of D. (1876, 2 «be.); Vb" bringer, 
3)a« (J&riftentum unter 2). (2. «ufl. 1874). 
©aleriu«, bie Vergeblid^teit feine« blutigen 
Veginncn« einfeb^enb, erließ 311 ein (Sbift, 
moburd) ben (S^riflen unter ber «ebin° 
gung, baß fte ni<bt« gegen bte Drbnung 
be« ©taat« unternübmen, ootttommene 
2)ulbung gemäbrt mürbe. 3m flbenblanb 
nahmen bie Einge obnebie« unter be« 
Äonftantiu« Sbloru« @obtt Äonftantinu« 
(feit 306) bie flünftigfte SäJenbung. e. *on* 
ftontin b. &x. aWartminu«' Siieberlage 
unb lob (313) befreite bie Äirdje oon 
ibrem legten unb unoerfitynltcbfien geinb. 
Vrgl. Ä übe", Hfetoire des persecutions 
de l'eglise jusqu'ä la fin des Antonins 
(1875 — 78, 2 Vbe.); 2)erfelbe, Lea 
Chr£tiens dans l'empire romain de 
la tin des Antonins etc. (1881) unb 
L'eglise et 1 Ytat dans la seconde moitid 
du III« siecle (2. Slttfl. 1886); SBicfeler, 
Die Cbriftenoerfolgungen ber (Jäfaren bi« 
jum 3. 3abrb. (1878); 25oulcet, " 

9 



Digitized by Google 



130 (^riftfeft - 

sur les rapports de l'lglise chröt avec 
] Vtat. rom. pendant les trois premiers 
siöcles (1884); % Harb, Histoire des 
pers^c. pendant les deux preraiers 
siecles (1885); ©erfelbe, Histoire des 
IMjrsdc. pendant la premiere moitte du 
III« sh>cle (1886) unb Les dernieres 

Sersec. du HI« siede (1887); Stint, 
tont unb ba« Cbriftentum (1881); Uhl- 
horn, Xcx Äampf be« <£briftentum« mit 
bem fccibentum (4. Hufl. 1886). z. 

(Sbttjlfeft, f. ffitifyiaSten. 

Gfcrifhant, «rnolb, lut^erifdier 
fcbeolog, geb. 14. 3)ej. 1807 tu Schönnen« 
tyof in vivlanb, ftubierte in $)ortoat 5£beo* 
logie, tourbe 1838 ^ßaftor in fingen in 
IMülanb, 1852 «ßrofeffor ber braftiftben 
Übeologie unb Unit>erfttät«brebiger in 2)or* 
bat unb 1865 ©eneralfuberintenbent öon 
fiölanb ; er flarb in ftiga 16. 2Rärj 1886. 
<5. »erfaßte : „Ueberftcbtlicbe $arftellung be« 
3nl>alt« ber Hbofalöbfe" (1861); „(Sin 
Sort über bie 3ubenmiffton" (1868); 
„SBemerfungcn jur Auslegung ber 9tyofa» 
IWfc" (1869); „3ur 2lu*legung ber %po- 
falpHe" (1875). %. 

IS&tiftlieb, X b c o b o r , efcangcl. I^ec 
log , geb. 7. 9Wärj 1833 ju »irfenfelb in 
SSilrttembcrg, ftubierte jn 2übingen 1851 
—1855, nutrbe 1858 ^prebiger ber beutfeb» 
etoangelifdjen ©emeinbe in Sonbon, 1865 
Pfarrer ju ftriebricb«b>fen am ©obenfee 
unb 1868 ^rofeffor ber braftifdjen £beo* 
logie unb llnit>erfttät«brebiger in ©omt. 
Auf ber $3erfammlung ber Göangelifcbcn 
Mtattj ju Meto £)orf 1873 & telt er einen 
Vortrag Uber bie ungläubigen Stiftungen 
in ber Geologie (1874). ©onft veröffent- 
lichte £ außer fyrebigten: „?eben unb 
l'ebrc be« 3obanne« ©cotu« örigena" 
(1860); „SHoberuc 3»eifel am diriftlicben 
©tauben" (2. Slufl. 1870); „$er 3Kif- 
fton«bernf be« eöangclifcben $eutfcblanb« 
nacb 3bee unb ©efd?icbte" (1876); „2)er 
tnbobritifebe Otiumhanbel unb feine JBir« 
hingen" (2. «ufl. 1878); „3)er gegen* 
toärtige ©tanb ber cöangelifdjcn Reiben« 
mifrton" (4. «ufl. 1880); „Bur metbobifti- 
feben ftragc in ©eutfcblanb" (2. Hufl. 1882); 
„2)ie religiöfe ©leirbgültigfeit unb bie beflcn 
Littel ju ihrer ©efämbfung" (2. 2lufl. 
1885) unb ebierte Ä. 93. $unbe«bagen« 
„.«leine ©ebriften" (mit ©iograbbie, 1873— 
1875, 2 Söbe.). 3Hit Ruberen gibt <S. feit 1874 
bie „allgemeine 3Rifftcn8jeitfcprift" heraus, s. 

Gbriftmeffe ((Jbriftmctte), ber ©ot« 
te«btenft, ber am frühen SWorgen be« erften 
Scibuacbt«feiertag« bei Nebt gehalten 
toirb. n. 

(Sbrifhtadjt, bei ben Äat^olifen bie öor 1 



(S^riftotcflic. 

bem 933eibnacbt«feft mit 9lnbacbt«Ubuugen 
gefeierte SJtgilie. h. 

©brifrolarrie (gried>.), „<Jhrtfhi«fcer- 
ehrung" mit $intanfefcung ber Verehrung 
©otte«, toie foube j. 8. ber ©rüberge* 
meinbe fcbulb gegeben toirb. b. 

(£bttftotogie (gried;.), bie „?etyre toon 
Öhriftu«" unb jtoar öon feiner ^erfon 
in erfler, in jmeiter Sinie aber aud) »on 
feinem SBert, ber roieb tigfle Xb. eil ber ebrift* 
iid>en ©lauben«(e^re. «Sofern , »on ber 
©eite ber Geologie (f. b.) im engeren <3inn 
betrachtet, bie Veiflung be« Cl?riflentum« 
(f. b.) nur al« boebfte 81Ute unb ^ottenbung 
aller bereit« auf ber alttef^amentlicben ^or- 
fhtfe »irtfamen Ärä'fte eine« im Solfe 
3«rae( b.ermifcb/en @otte«beh>ußtfein« er« 
febeint, ^ätte eine Trennung »om 3uben* 
tum feine«meg« ju ben normenbigen (Sr^ 
gebniffen be« cbrifilicb,en ©ebantenfort* 
fc^ritt« gehört. 2Ba« biefe SBirfung mit 
ftcb führte, n>ar öielmeljr ber 9lnfbrucb 
3efu, SWcffta« (f. b.) ju fein. 9lun erfebeint 
freilicb bie 3Jceffta«ibee felbft »ieber nur 
al« eine reife grwbt ber gefamten alttefla- 
mentlicben Qftitn>icfe(ung, unb wenn 3efu« 
toon Wajaretb ft(6 jeberjeit „SHenfc^enfobn" 
nannte unb aueb »on vlnberen, n>enigflen« 
gegen ba« Snbe feine« öffentlichen Huf* 
treten«, „$aöibfohn" unb ,,©otte«fohn" 
nennen ließ, fo tbat er bie« eben in bem 
©inn, toie fd)on ba« %ltt Seflament mit 
allen biefen 9lu«brüden ben ÜDleffia« ge« 
fennjeic^net blatte. 2>. Oefu« e^riftu*. ©o 
lautet benn autb ba« erfte (briflli(be 3)ogma 
felbft bei bem pauiinifcb c^efinnten $er- 
faffer be« britten Ötoangeltum« unb ber 
9lj>oflelgefcbicbte einfad) babüt: ,,3efu« »on 
9cajareth ift ber 3flcffta«" («poftelgefch. 
9, 22); er toirb al« f clever ,,ba« Äeicb 3«rael 
toieber aufriebten" (i'uf. 24, 21 ; Haftel- 
gefdj. 1,6); „auf 2)at>ibe Z^xon fißen" 
(\?uf. 1, 32; fct-oftelgcfcb. 2, 30): fein #olf 
„erretten toon feinen $einben" (?uf. 1,71V 
©o toeit toar ba« (Jpriftentum tollftanbig 
eingetreten in ben zollmäßigen Sorftel^ 
lung«frei« be« 3ubentum«. Um fo toeniger 
aber ließ ftcb; mit ber jiibifcben Siecbtgläu 
bigfeit unb bem gefamten religiöfen Öe- 
toußtfein be« SJolf« bie Ibatfad;e in lieber ■ 
einftimmung fe|jen, baß biefer SWeffta« 
ben fcbiint>flicben unb gotröerlaffenen 5üer = 
bred>ertob am Äreuj geftorben toar. SJie 
flimmte bie« ju ber Ueberjeugung t>ou ber 
mefftaniftben $ofyeit 3efu al« be« „@obnc« 
©otte« V" Die« toar bie crfle brennenbe 
^ragc im (Jbriftentum. 3)te Urgemetttbe 
beruhigte fich bierüber junäc^ft im Gewußt- 
fein, baß bie Xbatfaa)e be« Xobe« au«ge 
glichen fei buret» ba« einjigartige SBunber 



Digitized by Google 



(S^rtftotcgtc. 



131 



ber Sluferftebung 1>aju tarn al« ein jwei- 
te« 9Roment bcr ©laubc an tic fßieberfunft 
3efu. 3m «nfcbluß an feine ©clbftbcjeicb* 
nung al« „aRenfcbenfohn", welcher nach 
2)an. 7, 13. 14 mit ben SBolfen be« Gimmel* 
fommt unb ein ewige« Sfeicb ftiftet, erwar^ 
tete man »on ber aflernächflen Bufunft 
bie Sieberfunft be« 2»effia« jum ©eriebt 
unb jur Örrichtnng be« Jaufenbjabrigen 
Bleiche«. ©. SbUia«inu«. 2>amit war bie erfte 
folgenreiche ftortbilbung ber jübifc^en 9Jlef 
fia«lehrc gegeben. 2>tefe wußte nur »on 
einer einmaligen ßrfebeinung be« SWeffia«, 
ba« (£b.riflentum le^rt eine bereite: bie 
eine ber Vergangenheit angebörig, bie 
anbere ber 3ufunft ; jene eine (Srfcbcinung 
in «Schwachheit, biefe in §errlichfeit. 9lber 
»ojn mar benn jene« am Äreuj enbenbe 
»orfbiel überbauet nötig? @tanb e« bort) 
mit bem, »on ben %*ro^eten fo glä'njenb 
ausgemalten, SJilbe be« tt eofratifeben Acfnig« 
im grellen fBiberf&rucb ! 9lein ! fagte fehon 
ba« ' fcortaulinifche Chriftentum , ba« alt» 
tfftamcntlicbe Üöilb in nicht richtig aufge* 
faßt, wenn man neben ben vichtfeiten bie 
Scbattenfciteu überfiebt. Sine im $inblicf 
auf bie oottenbete Xbatfa$e erfclgenbe 
neue 2)nrcbforfcbung ber «Schrift füt)rte 
»ielmebr ju bem Äefultate, baß fehon bie 
altteftamentlid)en 3?üa)er »ertraut feien mit 
ber 3bee eine« leibenben iölcffia«. 2>ie 
3üngcr gebauten be« leibenben ©ereebten 
CPfalm 22 unb 69), be« büßenben Änecbte« 
@otte« (3ef. 53), unb ihr „§er$ brannte" 
(?uf. 24 , 32) bei folcben 9lu«fuhtcn auf 
Söfung be« quülenben SBibcrftruch«. 3efct 
fingen innerhalb ber chriftlichen ©emeinbe 
bie Sieben an »em „beftimmten SHathfchluf 
unb Sorberfe^en ®otte«", mobureb, ber 
9Jteffta« bei feinem erften Auftreten ben 
§änben ber ©ottlofen überantwortet worben 
fei («poftelgef(b. 2, 23). 35en 3wecf biefe« 
^Dahingehen« bcr ebelften gruebt 3«rael« 
in ben Xob legte man bann, brefcbetifcher 
«nbeutung (3ef. 53, 4. 5. 12) folgenb , in 
bie Grrettung ber großen filnbigen 2)lenge 
be« «olt«, b. b. man faßte ben £ob 3efu 
unter bem ©eftcb.t«punft ber Sühne „fitr 
unfere (Sünben" auf (1. Äor. 15, 3. 4). 

»ei aller (Sntfcbiebenb. eit ber ®egenfä*tse, 
welche ba« Urcbriftcntum in ftcb barg, lag 
fomit ein bogmatifct)er Öinbeit«bunft im 
(glauben an ben «SUbnetob unb bie Suf* 
erftelumg be« (Stifter«, an feine SBieber« 
fünft jur (Errichtung be« SReicb« (1. Äor. 
15, 11). 3« gewiffer man ftch in biefer 
Serehrung be« „©otme« @ottc«" mit 
(Sott fclbft geeinigt unb toerföbnt wußte, 
befto mehr mußte auch ber $u«brucf „Solm 
@otte«" an 3nt)alt nnb ©ebeutung gc 



Winnen unb ba« ©efenntni« fcon ber 
a»efftanität 3efu einer über ba« 9Raß be« 
SWenfcbttcben hinau«gcbenben 9lnfcbauung 
uon feiner Dtfatur unb Sürbe juftreben. 
3n ber Offenbarung be« 3ohanne« erfebeint 
barum 3efu« bereit« al« „bcr (Srfte unb 
ber ?etjte" (1, 17), al« „ber «nfang ber 
Srcatur" (3, 14), al« „ba« SBort @otte«" 
(19, 13). So gewiß fieb ä>nltdbee aueb in 
ber jübifeben 2Kefna«lebre ftnbet, fo un* 
leugbar berührt ftcb bie ($. ber jubenebrift' 
lieben Offenbarung bereit« mit ber ^auli» 
nifchen Rheologie auf ber einen, mit ber 
3obanneifcben auf ber anberen «Seite. Diefe 
beiben gormen ftellen bie fortgefthrittenften, 
aüe« 3ubentum bereit« entfebieben über- 
bietenben I wen ber neuteftamentlichen (S. 
bar. 3n ber ^aulinifcben unb 3ohannei» 
f(hen tfebre erfebeint <Sr^riflu« nicht mebr 
bloß al« legte« ($lieb in ber (Sntwicfelung 
be* 9llten ^unbe«, fonbern au« bem ibealeu 
9le»räfentanten be« jübifeben SJolfS, bem 
2)?effta«, ift fehon bei ^Jaulu» ba« Urbilb 
ber ^enfebbeit unb (Sbenbilb ber Oottbeit, 
au« einer einjelnen, erft im Verlauf ber 
©efehiehte in« vlcbcu getretenen, ba« religidfe 
?eben auf feinen ©ibfel führenben <Sr» 
f*einung ift ein fchötferifche« ^rinjito biefer 
ganzen ©efchiehte, ein Organ ber göttlichen 
<Scbö>fer!raft in ber SBeltregierung ge= 
worben, burch welche« ®ott öon »ont' 
herein aUe« in« Sert gefegt hat (1. Äor. 
8,6). X ie Nüttel, burch welche tymlu« 
mit feiner (5. bergeftalt bie ^opulüren 
jübifeben 3Weffia8begriffe überbot, waren 
ihm burch bie bamalige @ct)ultheologie an 
bie §anb gegeben, welche fieh aüen begriff- 
lichen Primat in ber §orm einer jeitliehen 
Priorität anfehaulieh ^u machen bflfßte. 
©o ift auch (Shriftu« bier eine oor ihrem 
gefcbichtlic^ en @ein fehon bagewefenc ^erfön- 
liehfeit, etn brä'eriftente« SBefen geworben 
(1. Äor. 10, 4). «I« aWenfch aber mußte 
er auftreten, um ben Job erleiben ju 
fönnen. 3ene jutoor fehon eingeleitete ©e 
jiehung be« £obe« (SbrifH )ur ©Unbe hat 
nämlich ^aulu« bahin erweitert unb »er- 
tieft, baß er bcnfelben nach «nalogie ber 
leöitifeben Opferorbnung al« ©ühnopfev 
(Äöm. 3, 25), al« notwenbige« Littel jur 
i'öfung be« toom ©efeg auf bie fünbige 
ÜKenfehheit geworfenen jjluche« (®al. 3, 
10. 13), al« fchleehthinige vorau«bebingung 
aüer (Srlöfung unb $3erf öhnung , al« 
Duettbuntt einer neuen <$ereehtigreit ber 
®otte«finber faßte (ÄBm. 4, 25). Sine 
ber «Sache nach ba« gleiche %it\, aber mit 
anberen Mitteln erretchenbe Sehrform War 
e«, wenn ber im ftebrä'erbrief unb be* 
fonber« im »ierten @»angelium oertretene 

9* 



Digitized by Google 



132 



(üljriftofogte. 



4>rifilid?e HleranbriniSmuS olme ©eitere« 
bic platonif^'floif^e ?ogo8lebre, welche 
fchon ber 3ube ytylo mit bem altteftament» 
litten ©ottesbeejriff in Verbinbunä gefegt 
hatte, auf bic ^tflorifc^e ^erfchilichfeit 3efu 
anwanbte, woburdj biefclbe in eine neue 
Beleuchtung trat unb cnbgültig als ber 
fchon bei ber SBetrfdböpfung betbeiligte, jur 
toorauSbeftimmten Bett Öleifcb einge- 
tretene nnb nac^ öottbraebter Verfitynung 
lieber ju ©ott jurücfgelehrte ?ogo« et' 
fehien. ©. »ienfäw«bung. 2>icfen Schritt 
tbat erft ber oierte Gfcangelift, wäbrenb 
jwei frühere fich bamit begnügt b«tten, 
einen nachweisbar älteren ZtyuQ ber 
eöangelifchen ©efchichtc, barin 3efu« al« 
@obn 3ofcbb« unb SRaria« auftritt 
(2Karf. 6,3; aRattb. 13, 53), mit einer 
Vorgefechte ju »ermebren, traft welcher 
bie ©otte«folmfchaft, bie man ftch fonft 
als im Moment ber Saufe beginnenb eor 
gefteflt, auf bie Beugung felbft bejogen unb 
naheju bbbfifö flefaßt »>urbe (9Jcattb. 1, 18— 
23; 2uf. 1, 35). @o hört fdjon im »erlauf 
ber neuteftamentlichen Gntwnfelung bie (£. 
auf, 2)ceffta«lebre iu fein, unb wirb ftatt 
beffen ein 2tüct @otte«lcbre. SDcan hielt 
jWar bie menfehlichen Slnfchauungen »ott 
Gbrifhi« in ber ftorm feft, baß auch 
^ßaulinifche unb , . battneifebe Greife noch in 
ihm ben beglaubigten unb bevollmächtigten 
2)urchführer ber göttlichen 3mecfe in ber 
2)cenfchenmelt erblicften; juglcicb aberfaßte 
man ihn auch al« ein fßefen auf, beffen 
2)afein«rrci« irgenbwie mit bem göttli- 
chen felbft ftch berührte ober in benfelben 
hineinfiel. ,»( i »geftreift aber unb al« häretifcb 
gebranbmarft war fchon gegen (Snbe be« 
2. 3ahrh- bie Vorftettung ber entfebiebenen 
3ubenchriften (f. Kajotenct), ber fogen. Sbio* 
niten (f. b.), Welche bie ©öttlicbreit Shnfii 
in bie höcbfte (Stufe ber ©eifte«begabung, 
in bie Votlenbung be« altteftamentiichen 
^robhetentum« »erlegten, ihn felbft aber 
lebiglich al« 2Henfcben gelten ließen. 

Söar aber (S^riftus für bie iefet eut- 
ftehenbe fatholifcbt KitV.Y eine ewige unb 
göttliche ^erjbnlichfcit, fo festen ber fireng 
unb fdjlecbtbin einheitliche ©otteSbegriff 
aufgehoben. §inwieberum wollte unb tonnte 
mau auch nicht jwei ©ötter lehren, benn 
bamit wäre man in ba« $eibentum jurücf* 
gefunfen. öS erfolgte baher eine tfof' 
gleichung beiber Seiten, eine Söfung beS 
gefchlunaenen SRäthfelS in bobbelter SSeife. 
Stnfchliejjenb an bie 3ohanneifche Üehre, 
Wonach jwifchen ©Ott unb feinem, in bem 
gerichtlichen 3efu« oerleiblichten , SÖJort 
ein eigentümliche« Verhältnis ber SBefenS» 
einheit befiehl, ernannte fchon bie im Saufe 



beS 2. 3abrb. bobulär geworbene ttor« 
Rettung eine Verfcbiebeuheit ber (Subjettc 
faum mehr an ; man fah in (Sb)rifru9 ein 
fach bie Grfcheinung beS Vater« (ÜJfoiP 
anbianiSmuS, SJiobaliSmu«), Ter fo fin) 
ergebenben ©efabr, ©ott im 2ftenfcben ober 
ben ÜRenfchen in ©ott ju Verlieren, be= 
gegneten bie heröorragenbften Kirchenlehrer 
be« 3. 3ahrhv inbem fie ftch wieber mehr 
an bie ^Jaulinifche ?chre aufchloffen, welche 
ben Scbu fo beftimmt berfönlicb. tont 
Vater unterfcheibet, baß fie ihn ju bem 
£efeteren fogar in ein entfdnebene« Ver= 
hältni« ber Slbhängigteit fefet (Jpö^>oftafia= 
ni«mu«, <Suborbinatiani«mu«). (Sine ani« 
genbe gormel würbe in biefer B^t 
nicht gefunben. Grft im fogen. ananifeben 
Streite (f. b.), welcher faft ba« gan^e 
4. 3ahrh- füüt, gelangte ber ^ro^eß ;wt= 
fehen beiben Parteien jum ?(u«trag. (28 
war bie« wefentlicb ba« $eben«werf be« 
3lthanafiu« (f. b.). «uf ben ba« Verhältnis 
be« Vater« jum ©ohne beftnitio feftfteüen* 
ben $ircheut>erfamm(ungen 311 Oiicäa (325) 
unb Äonfkntinobel (381) würben bie be» 
ftchenben ©egeufä^e einfach nebeneinanber- 
geftettt, b. h- ntan nahm al« ein ©lauben«^ 
geheimni« an, ber @obn fei bem Vater 
gleich im ffiefen, aber bo<h eine Dcrfcbiebene 
i'erfon, alfo niebt ungejeugt, wie ber 
Vater, anbererfeit« aber auch nicht ge* 
febaffen, Wie bie ffielt, fonbern in ewiger 
©eife au« bem Vater gejeugt, „wahr« 
haftiger ©ott »om wahrhaftigen ©ott", 
wom bann al« tebrfeitc ba« (Shallebonifche 
©lauben«befenntni« (f. b.) ton 451 noch 
bie wahrhaftige, jeboeb fünblofe 2)?enfchheit 
hinjufügte. 

2>iefer ganjen ©ewegung lag ba« reli« 
giöfe 3ntereffe ju ©runbe, jieh ber unenb= 
liehen Vebeutung be« cbriftlichen $eil« in 
ber Slnfchauung ber ^erfon beffen bewußt 

| ju werben, welcher baöfelbc gebracht unb 
ein für attemal begrüitbet hatte. 2)ic (S. 
galt ber £ircbe al« 9lu«brucf be« SBerteS 
be« ganjen ShriÜentum«. Sic biefer ein 
abfoluter, fo war bie ^erfon feine« Stif- 
ter« eine abfolute, unb e« fonnte bie Snt« 
wicfelung be« bogmatifcheu Kenten« über 

j biefe *|Jerfon ju ihrem wubebunttc erft ba 
gelangen, wo biefelbe unter SSJahrung 
ihre« menfehlichen (Sharafter« jugleich in 
einem Verhältnis ju ©ort ftanb, welche« 
feine «Steigerung mehr juließ. 3ft <£^riftu« 
nach bem chriftltchen ©efamtbewußtfem ber 
auSfchließliche Vermittler ber Vateroffen* 
barung ©orteS, ber eigentliche ©ebepfer 
eines nach bem Urteil ber gläubigen (Ebriften» 
heit auSreichenbcn ©otteSbewußtfeinS, fo 
ift er barum auch baS Organ, Womit biefe 



Digitized by Google 



Cytologie. 



133 



chrifllicbe 2Henfcbheit <£ott wahrnimmt, wie 
ba« Auge ba« Drgan ifr, womit bie iiatür* [ 
liebe Mcnfcbbeit ba« vid»t wahrnimmt. 
v J5Me für tiefe ba« Steht im Auge, fo ift 
für jene @ott in (Ehrifui«, unb ift ba« 
^cfeuntni« ton bcr (Gottheit C^rifti, bie 
Ouinteffcnj ber <£., etwa nach Analogie 
be« Safcc« )u »erflehen: „$a« Buge ift 
ba« ?i*t be« fcibc«" (2Rattb. 6, 12). $ie 
alte Stirpe aber fctjtc gemäß ben 35cnf' 
formen, in treiben fie ficb ju bewegen 
batte, an bie «Stelle biefer rcligiöfcn $c> 
urtcilung eine« religiöfcn SJerhältniffe« 
eine mctaj>h$fUche Betrachtung nnb fam fo 
nach burchgefambften ariamf4>en / nefto- 
rianifcben, monobb^fitifcben nnb mouotbc' i 
ietifcben Streitigfeiten entließ am Schluß ; 
be« 7. 3abrh- Z" bem fertigen Cbriftu«- 
bilbe ber 2)ogmatif: (Sine gottmenfebliche 
"^erfon mit zwei Sahiren unb jWei fßiflen, 
wcfen«gleich nach ber einen «Seite mit bem 
„ungebeugten" Steter, nach ber anberen 
mit ben „gefchaffenen" SRenfchen (ausge 
nommen bte Sünbe), felbft aber n>cber 
ungejeugt noch gefchaffen, fonbem „ton 
ßwigfeit" gezeugt. 

Sahrenb auf 3nnehaltung biefer 53c- 
ftimmung ber (£. feiten« ber Äirche mit 
»oflfommener Au«fcbließltchfcit gebrungen 
würbe unb balb feiner, ber ftch in tiefen 
©ang ber ßntwicfelung nicht }u fd)icfen 
wußte, noch ein Siecht ber örtftenz in ber 
.Htvdic, ja auf ber Seit überhaupt mehr 
befaß, tonnte man wäbrenb eine* ganzen 
3abrtaufcnb« hinftchtlich be« ©erfe« (Sbrifti, 
jener zweiten Hälfte ber C, bie &er|chieben= 
artigften unb unfertigften ?ehrmemungen 
vernehmen. Srft bie Scholaftif ^ielt ftch 
mieber enger an bie ^aulinifchen 3?or* 
Rettungen. $cr erfte, welcher biefelben in 
einen biateftifch gefaßten, burch bie juri* 
ftifche Schablone be« Mittelalter« bebingten 
Aufcbntcf brachte, war (Srjbifchof Anfclm 
» o n Ganterburty (f. b.), welcher in einer 
bi« bahtn nicht erreichten SSoflftänbigfcit ber 
Argumentation ben Oebanfen burchführte, 
baß @ott jur SBicberherfteüung ber ihm 
burch bie Sünbe entzogenen (Shre unb 
zugefügten Beleibigung notwenbig h**' 
3Wenfch werben müjfen, um fo al« ®ott» 
menfeh burch freiwilligen lob bte Sdjulb 
abzutragen, bie außer ihm 9?iemanb ab« 
tragen fonnte, unb ben SBiberftreit ber 
göttlichen ?iebc mit bcr göttlichen berechtig* 
feit unb $>eiligfeit au«jugleichen. ©. «er» 
fSbnuna. lieber biefe fogen. Sati«faftion«* 
t beer u- entbrannte ein heftiger Streit jwi» 
fdjen ben Schulen be« $hom«* *>on 
Aquine nnb be« 2>un« Scotu«, al« 
(Srflcrcr, in Anfelm« ^ußftaffen treteub, 



befonbere« Gewicht auf ba« „Uberfcbüfftge 
Serbien«" be« Tobe« 3efu legte, lefeterer 
hingegen ba« Bureicbeubc be«felben in Ab« 
rebe fteflte unb bie Sehre ton ber fc-gen. 
Accebtilation (f b.) anbahnte. $ie 2ft$# 
ftifer terfenften ftcf> balb mit Verzicht- 
leiftung auf bogmatifebe Bcftimmungen 
rein mit bem (Gefühl unb ber *Ph««tafte 
in ben Abgrunb ber am Äreuj geflorbcncn 
?iebe (bie 3cfu«mbfiif be« fceu. Bern- 
harb), balb fuchten fie ben Xcb be« 
Sohne« ©otte« burch a«fetifchc „Cut> 
Werbung" unb Sclbfrternichtung ju er- 
gänzen. $a« Deformation «Zeitalter 
ließ bie ?ebre ton ben beiben Waturcn in 
o'M:üu^ al« gemeinchriftliche ^unbamcntal^ 
lehre unangetafiet flehen, einjig zwifchen 
ben Sutheranern unb Deformierten erb-ob 

ftch im 3 u f ammfn ^ an fl m ü tem Wtnfc - 
mahl«flreite eine Differenz, ©a'brenb bie 
Deformierten »ermbge ihrer 5?orau«fe|?ung 
eine« fchlechthinigen Unterfchieb« gtvifeben 
Unenblichem unb (Snblichem bie 2)?enfch* 
heit be« fleifchgeworbenen Sogo« al« eine 
wirtlich innerhalb ber Schranfen irbifcheu 
SWenfehenbafein« ftch entwicfelnbe faßten, 
barüber berfelbe ?ogc« term'dge feiner 
(Gottheit immer norp unenblich hiuau«* 
rage, fieüte bie Äonforbienformel al« Stü(je 
ber lutherifchen Slbenbmahl«theorie bie 
vc!tc auf, baß in Chrtflu« göttliche unb 
menfehliche 9iatnr in eine ganje unb biet- 
beute Bereinigung (unio personalia) ge- 
treten feien, vermöge welcher eine folche <®e* 
meinfehaft ber beiben Naturen (communio 
naturarum) ftattfinbe, baß ber ?ogo« fortan 
nur noch „im ftleifch" eriftiert, feine göttliche 
"Ji'atur nur noch in ber mit ihr b(i*fönlich 
vereinigten menfchlicben unb burch biefelbe 
ftch bethStigt, eben barum aber biefer auch 
ihre wefentlich göttlichen (Sigenfchaften mit» 
theile (commumeatio idiomatum) unb Z- ©. 
Chriflu* a\\^ feiner menfchlicben Diatur 
nach allgegenwärtig, alfo mit feinem ftleifcb 
unb S3lut in ben Slbeubmahlselemeiiten 
fein fönne. 3)ie reformierte Stirpe erfla'rte 
eine folche SWittheilung ber Sbiome für eine 
bloß rcbncrifdje Sertaufchung ber 3lu«^ 
brüefe (alloeosis) unb befcpulbigte tie 
lutherifche Xf^eolcgie ber Sermifchung ber 
beiben Naturen. 3)a« Serf Ch"fl» a« s 
langenb, hat ber *proteftanti«mu« bie 
ftnfelmifche ?ehre unter Slbfireifung ihre« 
tritatrechtlichen Charafter« unb unter Kom- 
bination berfelben mit ber biblifchen C|>fer- 
ibee bahin au«gebilbet, baß ber ©ottmenfeh 
burch fein im Tob übernommene«, fteU* 
»ertretenbe« Strafleiten ein fä)lechthin 
entfbrechente« ©ühnopfer für bie Sünben 
ber ganjen SWenfchheit gebracht, ben ge- 



Digitized by Google 



134 



(^riftofogte — gfyriftuebitb. 



regten 3orn ©otte« geftttlt unb bie $>ü* 
wenbung ber fünbentergebenben ©nabe 
©otte« an bte ©laubigen cbjeftito ermöglicht 
habe. Dabei betonen beibe proteftantifchen 
Äonfefftonen neben bem Icibenbeu ©ehorfam 
(Ehrifli auc^ feinen thätigen, b. t). bie voll 
fommene Erfüllung be« ©efefee«, unb 
hanbeln baneben noch ton ben beifcen 
©tänben (status) (Eb,rifh, nämlich bem* 
jenigen ber (Srntebrigung (status exina- 
nitionis) unb bem ber (Erhöhung (status 
cxaltationis) , mit Welchem auch feine 
menfcbjidj* Watur in ben reellen ©efitj unb 
©ebrauch göttlicher $errlidjfeit eingetreten 
fei. Dabei ftreiten Lutheraner unb Refor- 
mierte, ob bie fogen. Höllenfahrt (f. b.) fchon 
ju btefem ober noch 3" jenem Stanb gehöre. 

Stnen erflen Schritt jur Äuflöfung ! 
biefe«, bem bogmatifchen X en Ten ungehörigen, 
<5brifiu«bilbe« traten , inbem fic ju ein* 
fachern, neuteftamentlichen SJorfhllungen 
jurüeffehrten, bie Socinianer (f. b.) ; einen j 
»eiteren bie Rationaliften, inbem fie ba«, 
wa« ber SWenfch 3«fu« an fuh war, auch 
wieber ton bem unterfchieben, wa« er bem 

faulufi unb bem 3ohanne« war, unb bem 
ob 3efu nur bie Cebeutung eine« ben 
Sieg feiner Sache bebingenben SDcartty 
rium« toinbijierten ; einen brttten bie fpefu* 
latite Rheologie, inbem fie bie Dogmen 
ton ber ©ottmenfchh«it unb 3$erföhnung 
al« formen behanbelte, in Welchen bie 
ewige Sahrt)eit ton ber (Sinheit be« un* 
enblichen unb be« enblichen ©eifle« ber 
populären Sorfietlung faßbar unb au bem 
flafftfchen Srembel 3efu gleichfam ad ocu- 
Ios bemonfiriert werbe; einen vierten bie 
mit Strauß (f. b.) anhebenbe fritifche 5' e baub» 
lung be« Seben« 3efu, bermöge Welcher bie 
^erfon 3efu immer mehr in ben ärei« ber 
wirflichen ©efchichte b^ereingegeaen worben 
ift (f. Oe?u«e$riftu«); einen fünften unb legten 
bie ton ben Ueffeln ber Dogmati! eman* 
visierte , firmen» unb bogmengefchichtliche 
Rorfchung, welche ben ganjen $rojeß be« 
Serben« ber (J. flargelegt unb jum ob* 
jeftiten 9?erf!änbni« gebracht h«t- ^uf 
benfelbeu ^ifiorifc^fn ^rojeß ftüfeen (ich 
anbererfeit« aber auch bie lonfertatiten 
Richtungen, inbem fie bemfelbcn ein, fei e« 
bogmatijch terfeftigte« , fei e« fbehtlatit 
tonftruierbare« Refultat abjugewinnen ter* 
fuchen, tbeilweife auch bie ganje cbrifle* 
logifche IDJetat-hbfif tor ber ftttlichen S3ebeu< 
tung 3efu al« be« Stifter« be« Reiche« ©otte«, 
bann fi<h ^ ©otte« mit ber 2W enfch= 
hett jufammenf äffen, terfhtmmen h"ß c "- 

S*rgl. «aur, Die chrtftliche fehre ton 
ber $erföbnung (1838); Derfelbe, Die 
chrifiliche ?et)re ton ber Dreieittigfeit unb 



ber SWenfcbwerbung ©otte« (1841-43, 
3 93be.); Dorner, Gntwicfelun^egefcbichtc 
ber ?ehre ton ber ^erfon (Sfyriftt (2. IfafL 
1845—56, 4©be.); Ritfehl, Diecbriftlichc 
?ehre ton ber Rechtfertigung unb SJer- 
föhnung (1. unb 2. »b., 2. Infi 1882; 
3. «b., 3. Saft. 1888); Schult?, Die 
?ebre ton ber ©ottheit Gbrifli (1881). h. 

Gfcrtfropti (lat. Christophorus, wärt 
lieh: „einer, ber Cbnftu« trägt", nämlich im 
$erjen), ber große, ober Chrifl othel, 
einer ber Zeitigen ber fatholifchen Strebe, 
nach ber ?egenbe ein 2)iann ton 12gufj 
l'änge unb ungewöhnlicher ©tärfe. 3m 
©efühl feiner Äraft wollte er ftch nur 
bem ÜKäcbtigften unterorbnen unb biente 
baher erft einem Äönig, bann, ba er beffen 
gurcht tor bem Deufel merfte, biefem, 
unb al« berfelbe einft einem <5hr>ftu«bilb 
ängftlich au«wich, befchlofj er, CEhnfiu« 
feine Dienfte ju weihen. Sin einem großen 
$lufj erfchien ihm (Shnfiu« felbft in &inbe«* 
geftalt unb lieg ftch über .ben ftluß bringen. 
9cach ber älteften ©efiaft ber ?egenbe fofl 
<J. in Sbrien gelebt unb unter ftaifer 
Deciu« ba« 2J?artijrium erlitten haben. 
Die morgenlänbifcbe Äirdpe feiert (Shriftoth« 
©ebächtnt« 9. SKat, bte abenblänbifche 
25. 3u(t. Sbgebitbet wirb (S. gewöhnlich 
in riefenhafter ©röße, ba« (£hrifht«finb 
auf feinen Schultern, wie er ftch auf feinen 
großen Stab ftütjt, um ber Vaft nicht )u er« 
liegen. So fteflt it)n auch ber ältefte befannte 
^ol5fchnitt ton 1423 bar. 9kgl. Ufener, 
Acta S. Marinae et Christophori (1886). z. 

G5tiflo»)ftorue f ^abfl(903— 904),ram 
auf ben Stuhl ^etri, inbem er Seo V. ein» 
ferfern ließ, unb ftieg ton bemfelbeu h«ab, 
al« ihn fein Nachfolger Sergiu« III. in« 
älofter fferrte. z. 

C5 brtfru^, griech- Ueberfetjung be« hi- 
bräifchen STOeffta« (maschiach), „ber ©e» 
falbte", baher ber ©hren» unb Hmt«name 
3efu, ber nach ber Ätrchenlehre tom $ei« 
liaen ©eift ;unt ^önig, ^riefler unb ^Jro- 
bpeten gefalbt if). ¥rgi. äb.nftoto<)ic, 

unb Vmt ü^rifii. u. 

<5$ttfTU&bilb f bie eigentümlichfie Schö« 
bfung ber chriflltchen Äunft. 3war liegt 
e« in ber Denbcuj ber befannten Segenben 
ton ?ufa« (f. b.) unb Üentttlu« (f. b.), ton 
flbgar (f. b.) unb SJeronifa (f. b.), ber fatho- 
lifchen Äirche ben S3eft|j übernatürlich ga* 
ranttertcr (5^riftu«bilber nachittweifen ; aber 
bie Äatafomben jeigen, baß man in ben 
älteßen %t'\ttn nur tymbolifcbc Darflel= 
lungen (JhnPi, al« Drth*u« ober guter 
•vivt, fanute. 3a e« beftanb fogar ein 
flarfefl Vorurteil gegen Slbbilbungen, jumal 
ba man 3efu nach 3ef. 52, 14; 53, 2 



Digitized by Google 



G$riftu*ovben — (5^rcno(ogte. 



135 



äußere iWifcgeftalt jufchrieb. Orft <£brtt* 
foftemu« wenbet auf i bn ^falm 45, 3 an : 
„im bift ber Schcrnfte unter ben BfaMafc 1 
finbern". Tantal« war ber ältere, hart« 
lefe <Ehriftu«tt#u« bereit« im Uebergang 
ju jenem bärtigen, irgendwie auf bie an« 
tifen 3 CU ** un ^ @w<M>i«*/ £ionhfu«< unb 
A«nefctu«bilber jurücfweifenben <£. be- 
griffen, welche« bann feit etwa 500 h«r« 
fchenb unb nach frcrübcrgeaangener btyjatt» 
tintfcher Xetenfiarre fron ber 9tenaiffance 
wiebcr belebt werben ift. Sabrfchcinlich 
ftnb bie eigentlichen Mnebujenten biefe« 
$ttfru« jene ©neftifer gewefen, welchen 
fd)en um 200 ber «efitS fron <i*hriftu«. 
bilbern bejeugt ift. e. »Utarbienit Xit 
obengenannten Sagen aber wellen nur bie 
©Über, bie ber Äiraje auf folgern Secje 
jugewacbfen waren, nachträglich beglaubt» 
gen. $rgl. Xietrichf on, Christus- 
billedet (1880). h. 

6$rtftu$orbett, geftiftet oem Äenig 
2)tonfrftu« fron Portugal 1317 $um Äamtf 
gegen bie 9Wauren, nahm bie Sifiercienfer* 
rege! an unb würbe ton Alerattber VI. 
be« ©elübbe« ber Armut unb Seufcbbeit 
entbunben; ber Orben ift 1797 fäiula* 
rifiert. z. 

brobeganct , ber ^eilige, au« fror* 
nebmem ©efcblecbt, war ftefcrenbar am 
fränfifchen $ef unter Äarl iPtarteü, feit 
742 «ife&>f ut SRefc unb flarb 6. SKärj 766. 
(5r fteflte eine flrenge Bucht unter ber frer* 
Gilberten ©eiftltcbfcit tu-v, inbem er bie 
von «enebift fron 9Jurfia <f b.) für bie 
Regulären feftgefefcte Crbnung unb ?eben«* 
weife auch auf bie Seltgeiftlichen Ubertrug. 
Seine Siegel be« fanenifchen v*ebcn« frer» 
frflichtete bie Älerifer jum 3ufantmenleben 
in (Sinem #au« (Monasterium, SJtünfter), 
jum gemetnfamen Sfretfen unb «Schlafen 
fomtc jum vereinten ©eten unb Singen 
ju gewiffen, felbft nächtlichen, ©tunben 
(horae canonicae). €. « Gotbtf n ft. 3)ie Able- 
gung eigentlicher ©elübbe würbe in ber &e* 
gel nicht »erlangt, bat)er auch eigener «eftfe 
gemattet. 6. Äafritel. «. 

Chronicon paschale, eine Ariftliche 
(Sbronif, fron Crfchaffung ber Seit bi« 
1042 n. (Jbr. reicbenb, jerfällt in brei 
fron unbefannten Serfaffern h <rr ühr«nbe 
Abfd)nttte, beren ©renjjmnfte bie 3al)rc 
354 nnb 629 bilben; ihren Warnen trägt 
jte infolge ber genauen Angabe ber Cfter» 
cüflen. «. 

<£$tenif, jwei Suchet ber, ba« im 
britten Sheil be« jübifchen Kanon« ftebenbe 
©efcbicht«werf, h«bräifch „Sorte ber Sage", 
b. h- «udj ber 3*itoeigniffe / gnecbifch 
Paralipomena, b. b\ Supplemente, lateU 



uifcb feit $>irem>mu« Chronica genannt. 
Uvffrriinglicb geborten auch tic 3*Ud>er 
(S«ra unb Webemta ;u beut, freu einem 
(efritifcbeu Ü*erfaffer tjcirübrenbeu Seif, 
welche« fomit, wa« ben 3nbalt anlangt, 
bem altern (*efcbicbtouHuf („^lieber Samuel« 
unb ber Äenige") parallel läuft nur 
mit bemfelben frtelfad? gemeinfame Cuellen 
tenutjt, währenb tic Tarftellung felbft 
weniger jufrerläfftg, einfeitiger (nur bem 
"Keich 3uba gerecht werbenb) unb frarteiifch 
(im Ontereffe be« Vefriti«mu«) gefärbt ift. 
3)ie griccbiidie Vcvrfcbaft hatte utr 3rit ber 
abfaffung fchon begonnen. SBrgl. ©ertheau, 
Die «ücher ber d\}xcxut (2. ?lufl. 1873). h. 

©bronologif, biblifcbe. Xie a«n'feu- 
fchaft fron ber ^eitcintbeihut^ unb £t\t- 
recbnung, welche feit 3. 3. Scaliger, Do 
| ememhtione tcm])orura (1583, neu 1629) 
I unb s ^etafriu8, De doctrina temporum 
(1627, neu 1849) Pflege gefunben bat, ueuer» 
] bing« bef cnber« burch 3 b e l e r , ?ehrbucb ber 
(5. (1831); SJiatjla, Tie^. in ihrem ganzen 
I Umfange (1844); Seibenbach, Calcn- 
] darium historico - christianum modii et 
noviacvi(1855); £abi«, 3lbri& ber ebrift- 
lichen unb rfmifchen Zeitrechnung (1873); 
^rindmeier, ^anbbuch ber bifton- 
fchen <5. (2. v Äufl. 1882); «rodmann, 
Stiftern ber 5. (1883), ift feit 11 f her (f. b.) 
auch fbejiea für bie biblifche ©efebicht«^ 
forfchung in Angriff genommen werben. 
3u ^ejug auf ba« Alte Xeftameut liegeu 
bie Scbwterigteiten, abgefehen fron ber hifte- 
rifebeu Unbrauchbarfeit fo frieler bie« tfrfri- 
fd;er, fdicmatifcher, runber ober auch offenbar 
übertriebener Zahlenangaben, befonber« in 
bem Umftante, baß t^erberaften fror ber 
mafebenifcheu gar feine eigentliche fyit- 
rechnttng befeffen bat. £>ie ßeit fror Tafrib 
unb Salome tft gan; unftd)er; nicht einmal 
j ba« 3abrhunbert be« Att«jug« au« Aegpfrteu 
| tonnte felbft mit .^ilfe ber Aegöfrtelegeu 
' genau feftgefteüt werben, unb ber ^erfud&e, 
! au« ben biblifchen Angaben ba« Alter 
ber Seit ju berechnen, jäblen fchen ju 
einer £tit, als ein feiger ©ebanfe über- 
täubt noch möglich Ml ^enebiftiuer 
in ibvem berühmten Serfe „L'art de veri- 
ficr les dates" (neu fron (ScurcetleS 1821 
— 1844,18 5Bbe.)108 auf; bie Outen viblen 
I im 3abr 1889ba« 5649. 3abr feit (Srfchaffuug 
ber Seit. Aber felbft für bie ^j?nig«?ei't 
laffeu ftch jufrerlSfftge Wimmung n um 
fo fdjWercr gewinnen, al« bie ©erechuuugcn 
ber Affbrielegeu mit ber, au« ben $e* 
fd)icht«bücberu be« Alten leftamente« U 
ergebenben, Zeittafel nicht ftimmen. So 
wirb beifpiel«weife bie 3rit ber Trennung 
1 beitev tteirbe balb mit 985, balb mit 978, 



Digitized by Google 



136 



(Senologie — <5fyfyfoftemu#. 



balb mit 960, balb mit 953, ja fogar 
neueften« mit 937 angefegt. Vgl. fiam^ 
Raufen, Die Chronologie ber ^ebräift^en 
Äbnige 1883. Viel fefkr fteben fd;on bie Daten 
für bie Sluflöfung be« 9ieid;eg 3«raef (f. tu, 
bie babplontfcpe @efangenfd;aft (f. b.), wo 
e« ftd> b^ften« noct) um bie Differcnj 
einiger 3at)re b^anbetn fann. (Srft feitbem, 
wie in ben 9Raffabäerbüd;ern gefdjiebt, mit 
ber feleufibifdjen Äera geregnet wirb, 
Retten fid; ganj fiebere Bahlen ein. Slber 
aud; in ben Reiten, ba bie fonftia,e Ve* 
wegung ber fßeltgefdncbte burd; bie Ve« 
reepnung ber 3abre ber ©tobt 9tom fieber 
geftettt tft, (offen fid; merfwürbiger 9Beife 
für ba« ?eben 3efu unb ba« Sirfen ber 
Slpoftel 91nbalt«punfte nur mit fefyr be* 
bingter 3utoerlä*fftg!eit gewinnen. 3*toar 
fuc^t ber 3. (Stoangelift ba« Sieben 3efu 
tn ben großen dtabmen ber SBeltgefcbidjte 
einjugliebern, aber ba« 15. 3apr ber Fe- 
derung be« Äaifer« Diberiu«, b. b- feie 
3eit toom 19. fluguft 28—29 unferer Hera, 
ba nad; Suf. 3, 1 3efu« toon 3obanne« 
getauft mürbe, ift toon ber alten Äircpe 
gugleid; al« Dobe«jabr angenommen werben. 
(Jrft attmäblid; brad; fid; bie 3cbanneifd;e 
Äonfrruftion Vapn, wcltpe 3 Ofterfefie in 
ba« öffentliche 8eben 3efu toerlegt, toon 
melden ba« erfte nad; 3ob- 2, 20 in ba« 
3abr 27—28 fallen müßte, fo baß 29-30 
al« Dobe«jabr erf<biene. Dagegen fübren 
@rünbe, Weld;e mit ben Vejiet;ung,en be« 
Däufer« w Slntipa« unb beffen Äneg mit 
2Ireta« jufammenpa'ngen, el)er in bie 3abre 
33—35. (Sbenfowentg beftebt bejüglid; be« 
apoftoltfdjen 3«it<*lttr« irgenbwcltbe d;rono* 
logifd;e ©id;erbeit unb Uebereinftimmung, 
wenn aud; ben, in ben bem Slpoftel ^aulu« 
unb feinen «riefen gewibmeten Slrtifeln 
gegebenen, $a\)Un ein ^o^er @rab toon 
fflabrfd;emlid>feit jufommt. 3m ($runbe 
bangt pier Sitte« an ben fieberen Bminter 
»allen @al. 1, 18; 2, 1 unb ber %\>at* 
faepe, baß ber ^profurator ftelir toon ftefhi« 
im 3ab>e 60 ober 61 abgeliJft Worbeu ift. 
3n fepr befangener Seife t)at SBicfeler 
(f. b.) bie bibliftbe (5. bebanbelt , beffer 
Snger, De temporum in actis aposto- 
lorum ratione (1833) unb ©et? in, <£. 
be« ?eben« 3efu (2. Bufl. 1874). ©eitber 
werben bie Verbanblungen in ber Literatur 
»um Seben 3efu (f. 3efue Stitpa«) unb ium 
«poftolifdjen Zeitalter (f. b.) weitergefübrt. 
©anj ungenügenbe Verfud;e, ©eograpbifd;e« 
unb <£pronolegifd>e« ju üercinigen, matten 
<£ a « p a r i , (ipronologifd; * geegrapbifebe 
Einleitung in ba« Seben 3efu (Sbripi (1869), 
unb O u a n b t , <5b"nologifd^geograpbMcbe 
»citräge jum Verftänbni« ber peil, ©tp rift 



(1872—73). Vrgl. «nberfon, Fasti 
apostolici (1883). h. 

Gbrnfoftemu*, ©t. 3ol) anne«, $a* 
triard; »on .Honftantinobel, einer ber be^ 
rübmteften Äircbenfäter unb 9Jebner, ge» 
boren um 347 n. <£br. ju flntiodüa, mürbe 
nad) bem 2ob feine« i^ater« ©ecuubu« 
»on feiner frommen v J)iutter ?lntbufa 
trefflieb erjogen unb toon bem berübmten 
beibnifeben 9tb^tor ^ibaniu« unterrtebtet, 
mibmete fid) Anfang« bem "flbtjofatenftanb, 
füblte fteb. aber toon biefem «eruf balb 
niebt mebr befriebigt. Hcm öifdjof s Die« 
letiu« empfing er "nacb brei Unterriebt«-- 
jabreu unb barauf erfolgter Staufe in 
feinem 23. 3abre bie 933cibe jum 9(mt 
eine« ^orlefer« ber l'cuiant ©ebrift, unter* 
Warf fieb in ber 9iä'be »on 9tntiocbia 
febmeren Äaftetungen, bi« ibn eine Äranfbeit 
380 3ur FUdtebr nad; ?lntiod>ia nötigte. 
$ier jum Diafonu« unb 386 jum ^Jre«* 
bpter geweibt, enfmidelte er t>or feiner 
großen @emeinbe ein feltene« Febnertalcnt, 
mel^e« fieb befonber« funbgibt in ben 21 $o» 
mtlien „De statuia ad populum Antioche- 
num - , al« er 387 nad> einem ^lufftanb 
ber Slntiocbener tiefe jur üBuße rief. 398 
berief ibn ber Äaifer jum SMfdiof ber 
^»aubtftabt. Die ©trenge feiner gorberungen 
jog ibm in ben beeren klaffen jablreidje 
feinte ?u, bie, al« C aueb bie lafterbafte 
Äaiferin Guboria nidjt fronte, Änflage 
Wegen ?äfterung ber Äaiferin unb wegen 
$erfcbleuberung ton Äirebengütem gegen 
ipn erboben. iBon einer, bei bem faiferlitben 
?anbgut „3ur @itpe" (baber bie ©önobe 
ad quercum genannt) in ber Wüfyt toon 
libal'fbon abgehaltenen, ^erfammlung toon 
S3ifcbi}fen unter bem $orfi(je be« XbeobPilu* 
toon Slleranbria, feine« erbittertften ®egner«, 
warb er abgefegt, begab fid> 403 in bie 
Verbannung, warb aber auf einftimmige 
gorberung feiner ©emeinbe balb wieber 
wrütfgerufen. ?tber neue 9lu«fäfle gegen 
bie Äaiferin bitten febon 4t)4 feine aber- 
malige Verbannung \ur $olge, juerft nad) 
9Jicä*a, bann nad; Äufufu« in ben ©Uften 
be« Daum« unb 3ulegt, ba aud; b«r fein 
frommer (Sifer nid;t müßig blieb, nad; 
s #iröu« am öftlid;en Ufer be« ©d;warjen 
äWeere«. (Sr ftarb aber auf ber Dcpor* 
tationSreife babin 14. ©ept. 407. Der Warne 
C. (©olbmunb) warb ibm erft fpäter beige* 
legt, um bie ^üüe feiner Verebfamteit ju fee* 
jettbnen. Dte grieri;ifd)c Äirdje feiert fein 
(£cbä*d;tni« am 13. Wotocmber, bie römifebe 
am 27. 3anuai\ Den db«ra!ter be« CE. 
jeiebnet ein ftreng fittlid;er, mit Siebe ge* 
paarter (Srnft au«, ber aud; in ber ©dirift 
„Ueber ben ^ßriefterftanb" pertoortritt, unb 



Digitized by Google 



(S betrau* — Ctftereienfer. 



137 



feine (ttefimtungen rvaxtn bei aüer ftärbuna. 
burd? bie berrfcbenbe Ortboborie uub bei 
aller feiner Vorliebe für bie mUncbifebe SUfefe 
feiner %t\t echt cbrijilicb. £>a« 33olt nannte 
ibn „3c6anne« ben Älmofenfbenber". 3m 
Örojjen unb ®anjen legt <5. in feinen 
^rebigten unb ftomilien, welche ficb faft 
über ba« gan*e «Ite unb Sieue ieftament 
erftreden, bie SMbel auf eine ungejwungene 
Seife au« unb Weiß fte and» mit feltener 
SDceifierfcbaft fruchtbar anjuwenben. X\t 
befte ^«gabe feiner Serie lieferte S JJ? o n t - 
faucon (1718—38, 13 SBbe.). Orot «c- 
a n b e r, 3ob . C (3. «ufl. 1858, 2 $be.) ; ? u t> , 
(S. unb bie berühmteren Siebner (2. SufL 
1859); Ib.ierrp, C. et rimperatrice 
Eudoxie (2. Hufl 1874); ftifrfter, <S. in 
feinem $<erbältni« jur antiechenifcben Schule 
(1869); gunt in ber „Üübinger theo 
logifcben Cuartalfcbrift" (1875); «»b* 
ringet, 2>ie Äircbe (Sbrifti unb ibre 
beugen (9. $b., 2.Bufl. 1876); i'ubwig, 
Xtx heil. (5. in feinem SJerbältni« jum bbjan* 
tiniföen £>of (1883) ; # u f b , Life and tiraes 
of C. (1885); (Shafe, (£.(1887); «der- 
m a nn, 3)ie ©erebfamteit be« b. <£. (1889). z. 

(5bntrau? (eigentlich Ä odj^af f), 3>a= 
» i b , einflußreicher lutber. Ib, eolcg , geb. 
1530 im Sürttembergifcben , würbe in 
Wittenberg 2Reland>thon« Schüler unb 
#au«geneffe , fbäter fein 91mt«geneffe. 
1551 warb er "JJrefeffor in SRoftod, half 
1569 ba« etangelifdje Äirdjenwefen in 
Cefterreicb, fbäter in Steiermarf orbnen 
unb blatte auch, ftmbeil an ber Slbfaffung 
ber Äonforbienformel. (Sr frarb al« ^ro« 
feffcr ber ibeologie unb SDiitglieb be« 
Äenfiftorium« ju Sfoflccf 161)0. " (»efam* 
melt erfdnenen feine „Opera theologica" 
(1599). Seine SHograbbie fcbrieben ^Jref* 
fei (1863) unb Ärabbe (1870). e. 

am (lat. , grieeb. Kiborion), 
urfbrünglitb Siame be« ftrucbtgebäufe« ber 
ägbbtifcben ©ebne (Colocasia), welche« bie 
aegbbter al« Xrinfgefcbirr benutzen ; bab, er 
Warne metallener Srtufgefcbirre bei ben 
(»riechen unb dement. 3m fatbclifc&en Üult 
heißt C. (S a f r a m e n t « b ä u « cb e n , f. b.) 
junäcbfl ber jur Aufbewahrung ber fonfe* 
frierten #ofrie bienenbe größere .fleltb 
(Sbeifefeldj), bann aber ber balbacbinar* 
tige Ueberbau be« Slltar«, ber in ber alten 
3«t auf bier frei fieb, euben (Säulen ruhte, r. 

Cilieium (lat), ein au« grobem eilt - 
afebem 3eug angefertigte« 2Jib'nch«gcwanb, 
ba« in fbäterer burd; einen au« bem« 
felben «Stoff beretteten ©ürtel erfefet trarb. h. 

Cingalam (lat.), f. ftleibung. qciftiidjc. 

©tteumfetiptionebutten, f. «ontotbate. 

6ifrerctenfct(0rben »onCiteaur), 



SWönd^orben, geftiftet t?on bem ©enebi! 
tinerabt Robert au« ber (Sbantbague, 
ber, 1024 geboren, natb terftbiebenen ^ei» 
fueben einer Sieformation be« »errceltlicbten 
Mlofterleben«, uterft in bem Salbe t>on 
v JNele«me, enblicb mit 20 (Mleicbgeftnnteu 
in bem Salbe«bidid>t ton (Siteaur (Cister- 
cium) bei 2>ijon 1098, ein Mlofter mit 
bem j^xotd ber ftrengftcn t*eadjtung ber 
Regeln be« fceil. 5?enebitt grünbete. Suf 
*efebj be« ^abfte« mufetc jtrar Stöbert 
febon 10i>9 nad> s J)?ole«me ;urüdfebreu, 
tvofelbfl er 1108 ftarb; aber fein s Jiacb* 
folger «Iberitb fgeft. 1109) mufite bem 
Älofter bie bä>ftlid?e (*unft \ü terfd>affen, 
feüte bie „Instituta monachorum Cister- 
ciensium" auf, »orin bie neue Stiftung 
al« einzig n>abre« )t3enebittinertum binge- 
ftellt n?urbe, uub gab ben üLUönd>en für 
ba« Älofter bie weige, für bie Seit bie 
fdnvaqe Äutte (baber bie SJejcidmung 
fd)tt?arje ober meiße trüber); fein "Heid)- 
folger ©tepb. an $>arbing regierte in feinem 
(Reifte. 2)ennod> n?ar (Siteaur bem ßr« 
löfcbeu nabe, al« 1113 ber nacbmal« fo 

j berühmte ^eilige 35ernbarb ton (Slairtaur 
(f. b.» mit 30 trübem in ben Drben trat 
uub ibn uim bedbften ftufeben braebte, fo 
baß ber flbt Stebb«" 1119 für bte, um 
pUlf .«löfter tergrL<6erte, SWb'ncbsgemeiu^ 

I febaft eine neue Siegel (Charta cbaritatis) 
erlaben mußte; bie'felbe erfuhr einige Er- 
weiterungen burth ben, jebeufall« tor 1134 
terfaßteu, „Liber usuum antiquorum" uub 
bie tont tieften Äbte ton Citeaur, Staü» 
narb, angelegte Sammlung ber JPefcblüffe 
ber ©eneralfabitel bi« 1134. Me bie 
öeftimmungen, welche bie Sitten unb (9e 
brauche ber (5. regeln, geigen ben au«ge« 
brägteften C^egeufa^ gegen bie ©ettcbii' 
beiten ber (Sluniaceufer. «. ßiuflni). "flu 
ber Spitje be« Crben« fleht ber 9lbt ton 
(Siteaur uub regiert mit bem au« 24 Siebten 
beftehenben Collegium definitorum {amt- 
liche jum Crben gehörige Ailöfter, bie 
jäbrlid; mfittert werben mußten: bic Tochter- 
flöfler ton bem s Äbt ton (£iteaur, Citcaur 
felbft ton ben bebten ber tier iiltefteu 
Älbfter. 2)ie Oherattfftcht führt ba« $ucrfl 
jährlich, fbäter jebe« britte 3a|l abge^ 
haltene ©eneralfapitel ber Siebte unb 
^rioren aller <5iftercienfer«&löfter. Slußer 
pranfreich, wofelbfl fte fich jel5t audj *ent= 
harbiner nannten, gewannen bie (£. großen 
Bujug in Spanien unb Portugal, unb bi« 
2Ritte be« 13. 3abrh. war ber Drben bi« 
ju 2000 Slbteien angewachfen. Sie (S. 
waren 311 reteben Äloflerh^erreu geworben, 
unb umfonjl ergingen ton ben ^äbften 
(Siemen« IV. (1265), Söenebift XII. (1335), 



Digitized by Google 



138 



Gnfterctenfer — (Harfe 



Sitgen IV. (1444) unb Wildau« V. (1448) 
Offene jur $erfiettung ber alten Strenge 
unb ötnigfeit ; bie fvanifcbeu Abteien riffen 
ftcb im 15. 3abrbunbert lo«, unb aucb in 
ftranfreidt) unb 3ta(ien entftanben befon j 
bere Äengregarionen, fo bie fteuiffantcn 
(f. b.) unb bie XrabVifleu (f. b.). Um bie 
9tefermation«verfucbe ber^ä>fte ©regor XV. 
(1622) unb Urban VIII. (1632) ju btnter» 
treiben, wählten bie franse" fif eben <S. ben 
Äarbinal üRicbelieu jum @enerafabt ton 
Vitenur in ber £>offnuug, an ibm eine 
igtüfce gegen ben ^Jabfl ju finben; jebeci 
iRicbelteu brang entfebieben auf Slbßefiung 
ber SRißbräucbe; ba aber beffen 92ac^folger 
im Bmte jeber Reform ber (5. abbclb 
war, fefcte enbltdt) «leranber V1L biefelbe 
auf einem in 9icm abgehaltenen @encral» 
fabitel (1664) bureb. Sa« bie Heforma« 
tien be« 16. 3abrbunbert« an Cifterci- 
enfer « Äftfrern noeb übrig gefaffen b«üe, 
vernichteten 3ofebb II. in Oefterreut (1783) 
unb bie Revolution in ftranfreieb (1790). 
3m Dfurftben föeicb würben fie 1803, in 
Greußen 1810 unb 1815, in Portugal 
1834, in Spanien 1835 unb in ftranfreieb 
1880 aufgebeben. Gegenwärtig befielen 
noeb C£tftercienfer»£lefler in geringer Sin* 
jabl in 3talien, SBelgien unb Oefterreicb. 
Sä'brenb bie <£. in ber ©efebietyte ber 
JBiffenfcbaften faft gar (eine 9tefle fielen, 
fmb fte von um fo größerer Vebeutung 
für bie Sanbwirtfdjaft al« tultivateren be« 
Gebens unb in Seutfcblanb für bie @er« 
manijterung be« Often« von enrfebeibenbem 
(Sinflufj gewefeu. 3n ber (gefliehte ber 
©aufunfl flehen fte ba al« bie fonfequenteßen 
Verbreiter ber in grantreieb, ibrem Heimat» 
lanbe, geborenen ®etif wäbrenb be« 12. 
unb 13. 3abrbunbert«. Unter ben föraucn* 
fltfftern ber (5. (SBernbarbincr tnnen) 
ift $ort*9?eVai*bc«--<Jbamb« (f. 3anfem«mu*) 
bei Cbevrcufe (2)e». ©eine» et»Dife) ba« 
wiebtigfte geworben. Äucb fie verwdt» 
listen aber im Saufe ber £t\t. 9iur 
noeb ungefähr 40 begeben gegenwärtig 
in 3talien, ^ranfreieb, Belgien unb ber 
Scbweij unb vier in £»eutfcblanb, nämlicb 
brei in ber fäct>fifc^cn Oberfaufty unb eine 
in ?icbtentbal in 33aben. 33rgl. 3) o b m e , 
Sie Äircben be« Giftercienferorben« (1869) ; 
<3b«* be, The architecture of the Cis- 
terciensans (1874); Sinter, Xit d. 
be« nerböfUicben Seurfcblanb« (1868—71, 
3 39be.); 3anaufcbef, Origlnes Cister- 
cionsium (1877, 93b. 1); Erunner, 
Ciftercienferbucb (1881) ; a n b 8 1 J l , 
Statuta et definitiones capitulorum gene- I 
ralium ordinis Cistercionsis , in ben 
„@tub. unb SWittbeilungen au« bem «ene* 1 



| biftiner* unb <£iftercienfer*Orben (1885); 
©ifefe, lieber ben @egenfafc ber Clunia- 
cenfer unb (Jiftercienfer (1886). i. 
0 lata, f Älara. 

(Elatfnbtt*, Sbolf, SWärtvrer ber 
evangelifeben Äircbe, in ber ©egenb von 
Senneb geboren, fuebte feit 1523 al« ?ebrcr 
bie reformatorifct)en ©runbfäfee ;u 9Wün* 
fter, bann in SSefel ju verbreiten, warb be«« 
balb »om ftürfien von Steve feine« Simte« 
lt, nein, begab fid) 1525 nacb £«nabrütf, 
warb aucb t;ict- , ebenfo wie bann ju ?üt= 
tringbaufen, SJübericb unb (Slberfetb, wegen 
feine« offenen 53efenntniffe« ju ber Sebre 
i'utber« vertrieben unb enblicb in .Hein 
nacb anbertbalbjä'briger ©efangenfebaft \\u 
j gteieb mit einem anberen @lauben«geneffen, 
$eter ^liefleben, 28. ©e^t. 1529 verbrannt. 
9kgl. 9c a t o r p , % <£. unb bie evangelifebe 
2>iafbora am SR^etn (1879) unb (5. Äraf f t, 
2>ie @efd>. ber beiben iDiartbrer ber evan^ 
getifeben Äircbe % <5. unb ^peter ftlic» 
fteben (1886). z. 

Glorcnbon, Ä o n ft i t u t i o n e n von, 
f. «edtt. 

ClarSni Fratrea ((£ I a r e n i n e r), 
Äcngregation von SÄinoriten ftrenger Ob* 
fervanj, würbe 1302 von Slnaelo bi Gor- 
bona (geworben 1340) am $3acbi 4 1 a r e n e bei 
9lncona geftiftet, ber 33eaufficbrigung bureb 
bie Obern ber SDiinoriten entjogen unb 
über viele ÄliJfier 3taüen« verbreitet. 
Diacbbem ftc^ bie ©Reibung ber granji«= 
faner (f. t>) in Äonventualen unb Obfer- 
vanten voüjogen batte, b'^n fie fub ju* 
erfl ]ii jenen, Wanbten fub. aber bann 
bauemb biefen ju. z. 

(S lar f c, @ a m u e 1 , anglifanifc^er Ufrc* 
log, aeboren 1675 ju Worwicb, würbe auf 
ber UniverfttSt ju Sambribge ein ©ebiilcr 
Newton«, wanbte ftc$ bann ber Xbeologie 
ut, würbe 1709 ^»ofbrebiger ber Königin 
«nna unb Pfarrer ju @t. 3ame« in 
©eflminüer. 3n feinen Triften „Dis- 
courso or demonstration of the being 
and the attributes of God" (1705— 
1706, 2 ©be.) unb „Verity and certttude 
of natural and revealed rcligion" (1706) 
befa'mbfte (5. ben $ei«mu«. 3ebocb 30g 
ibm feine «Scbrift w The scripture doctrine 
of the trinity" (1712), welcbe bie Unab* 
leitbarfeit ber 2rinität«(ebre au« ber 
beiltgen 3d)rift bebaubtete, eine Vorlabung 
vor bie Äonvocation ju, bie ibm gebot, 
fid) über biefe SKaterie in Bu'unft Weber 
auf ber Äanjel no<b in ©ebriften ju äußern. 
Xie ^olge biefer firc^enregimentlict)en 3u- 
recbtweifuiig War ber Verlufl ber $»of* 
brebigerftelie. (5. ftarb 1729. «ußer tbeo* 
logifeben Serfen binterliefj er noeb bbbfi- 



Digitized by Google 



Classes — CStemanfle«. 



139 



falifcbe unb p^tfclcgtfc^e. 9?rgl. 3 i m m e r 
mann in ben „ienffcbriften ber ©Jener 
Sirabemie" ($iftertfdvbbiM<>bbifdK Älaffe, 
1870). z. 

Classes ($t (affifalfbnoben) feigen 
in bei reformierten Sirdje bie ©tynebcu, 
rceldje au« ben Abgeorbneten (je einem 
weltlichen unb geiftlidjen) ber terfebiebenen, 
ju einem beftimmten letalen Ärei«, „Älaffe" 
genannt, aet)'drigen $reebtyterieu unter 
einem für beftimmte 3eit gewählten SRebe^ 
ramen gebilbet ftnb. i. 

(Flaute (\x>r. new, 3 o b a n n , tbeoleg. 
Scbriftftefler ber franji«ftfcb>refermierten 
£ird>«, geb. 1619 im f üblichen ftranfreieb, 
würbe 1654 nad) ÜHhne« al« ^rebiger unb 
^refeffer berufen, aber fewebl b.ier al« in 
2Rentauban ton ber Regierung junt @tiü» 
fdjweigen terurteilt. 3n ^an«, we^in er 
fid) begab, erwarb er ftdj burd) feine ape* 
legetifeben Serie, vor aQem aber tureb 
feine „Defense de la reTormation" (1673, 
4 $3be.), «tuen bebeutenben tarnen unb 
befleibete ton 1666 an bie ^farrfteüe ton 
CSbaremcii bei ^ari«. S?et ber Aufbebung 
be« (Sbift« ton 9iante« erhielt er ben 
©efebl, ftranfreidj binnen 24 ©runben ju 
terlaffen, unb begab ftd) 1685 nad; bem 
$aag, wo er bie „Plaintes des protes- 
tants crucllcment opprim& dans le 
royaume de France" (1686) fdjrteb unb 
1687 ftarb. @eine fämtlicben 2Berfe er- 
fdnenen unter bem litel: „Oeuvre« post- 
humes de J. Claude- (1688, 5 «be.) t. 

Glaubiuft öon JCutin, reformatorifd>er 
$ifd»ef be« 9. 3abrb- , ©banier ton <$t* 
burt unb @cbüler be« gelir ton Urgelle« 

(f. »botJtiani#rau#) War trft Vcbrcv an ber 

.§offdmle ?ubwig« be« frommen, würbe 
bann ton biefem 820 nad? £urin gefdndt, 
um f)i<x bem Aberglauben unb befonber« 
bem ©ilberbtenft entgegenjuarbeiten, fdjritt 
aber bi« jur «efämbfung ber fird?lid»en 
Vetren tont S?erbienfl ber guten ©erfe, 
ber 3nterjeffton ber ^eiligen, ber SJerbienfl* 
litbleit be« 3Wbncb«leben« unb ber Autori* 
tat be« ^abfHum« fort \ tielfad) anaef oebten, 
tertt)eibtgte er ftd) mit großer Äüt)nbeit, 
aud) bem l\u ,f te ^afdjalt« I. gegenüber, 
bem er auf feine 9?üge antwortete, ber 
$apfi fei nur in bem ftaüe al« 9?acbfelger 
^ßetri ju el)ren, baß er aud) bie SEBerfe be« 
Aboftel« terridjte. <Sr ftarb 839. <S. binter* 
lieg jablreidje Kommentare tum Alten unb 
9ieuen lEeftament fowie eine $ertb>tbigunge* 
fd)rift („Apologeticum") gegen ben, tt)n 
ber Äefeerei befcbulbigenben, Act $b* sbemir. 
3?rgl. <£. @d)mib m ber „3eitfd)rift für 
bÜttittc Üeolcflie" (1843); 0Brper, 
2)ret (5ribifd.(Jfc tor 1000 3abren (1874). *. 



<£lauffn,$enr tf Wi !elai,bänifeber 
Ib«log, §eb. 1793 ju SWaribo auf ?aa« 
lanb, bereifte nad? erworbener bWofefbi- 
feber $ erterwürbe 1818—20 Xeutftblanb, 
3talien unb granfreid». 3nfonberbeit ge- 
wann Scbleiermacber auf feine t^eolcgtfcbe 
»iditung (Sinflu§. 1821 würbe er al« Vetter 
unb balb barauf al« ^rofeffer ber £bto> 
(ogie an ber jtepenbagener Unioerfität 
angefteflt. 6eitber nabm (£. in ber innem 
©efdiidite feine« ^aterlanbe« einen nam* 
baften ^la^ ein. igtanbbafter Vertreter 
ber fonfiitutieneflen «eftrebunaen unter 
ber Regierung Ctiriftian* VIII., »urbe 
er 3D?itglieb ber ^reoinjialfta'nbe in 9tee«' 
filbe (1840—48), unb (1842-46) tyr 
^räftbent, trat al« ^ül)rer ber Cwofttien 
nad; bem lobe (Sbtiflian« VIII. auf in ber, 
mit feinem ftreunb 3. fr €<beuw oer= 
faßten, glugfebrift w 2)er Ibronwetbfel * 
(1848), würbe 9»itglieb ber gefefc' 
gebenben 9teid)«terfammlung ton 1848 — 
1849, aWinifier obne ^ortefeuiüe 1848—51 
unb blieb aud? fbäter nod) 3Witglieb be« 
%eidi«tag« unb be« tfeicb«ratb*. 5?on fei- 
nen tbeelogifd»en €d»riften, bie burd) ibren 
9Jationali«mu« bie Obbofttion ©runbttig« 
(f. b) unb ?inbberg« b«rtorriefen, ftnb er- 
wähnenswert: ,,Äatl)oli}i«mu« unb ^ßrote» 
ftanti«tnu«, Äirdienoerfaffung , Vebre unb 
Wim«" (1825; beutfeboonftrie«, 1828); 
,,.t>ermeneutif be« Weuen leftament«" 
(1840; beutfeb ton ©cbmibt-^bifelbed, 
1841); „(Srflä'rung ber fmtebtifd»en (Statt* 
gelien" (1848—50); „(SrHarung be« (Stau 
gelium« be« 3ohanne«" (1855); „Srflärung 
be« ItRbmerbrief«" (1863); „(Jhrif»id;e ®lau* 
beu«lehre' / (1853). 9lud; gab er länger 
al« 30 3ab« bie „Beitfcbrift für au«* 
läubifdje tbeelegijdje Literatur" ^crau«. 
1874 legte <£. fetn Vefu-amt nieber unb 
ftarb 1877 ^u Äe^enba^en. ©leid) naebber 
erfdjtenen feine „?lufjetd»nungen jur @e« 
f(bid?te meine« Veben« unb meiner 3eit" 
(1877). z. 

(Slemangel (f»r. mantfQ ; lat. Cleman- 
gius ober de Clemangiis), 3Wattbieu 
s JJifela« be, franj. @elebrter, geb. 1360 
im £orf <£(^mange« in ber Cbam^ague, 
erbielt feine wiffenfd)aftlid;e Au«bilbung 
ju ^ari« burd) Pierre b'Aillb «nb 3obann 
@erfon, warb 1391 5?affalaureu« ber Z\)to> 
legie unb Vebrer berfelben an ber ^arifer 
UniterfttSt, 1393 Detter ber Vetteren. Ire^ 
feine« freimütigen Auftreten« gegen bie 
Äurie würbe er al« ©etyeimfd)reiber an 
ben ba"bfHiä)eu $of ju Atignon berufen, 
mußte aber biefe «Stelle wieber aufgeben, 
| weil «enebift XIII. 1407 ÄiJnig Äafl VI. 
1 ton ftranfreieb. in ben öantt tb^at, unb 



Digitized by Google 



140 



Giemen*. 



lebte, um al« angeblicher ©erf affer ber 
©annbuUe bem Eod)oerratb«bro}eß ju ent- 
gehen, in einem felbftgewä'blten Sri! bei 
ben Äartäufern in £o«cana, oon wo er 
feine reformatortfcben ©d)riften an ba« 
Äonflanjer Äonjtl richtete unb für Burüdfüb* 
rung ber tbeologifd)cn ©tubien („Do studio 
theologico") auf ihre biblifdje ©aft« tbatig 
war. Sann ber feit 1425 wieber öffent* 
lid) am Äoüegium oon Waoarra wirfenbe 
<S. geftorben , ifi unfieber. ©eine SScrfe, 
ju benen wohl aud) bie ihm oiclfad) ab* 
gebrochene 9?cformation«fcbrift „Do cor- 
rupto statu ccclossiae" gehört, würben 
oon 3. m. ?ubiu« (1613), aber unoeü- 
fiänbig unb tutorrett berau«gegeben. ©rgl. 
9t b. .Vi ii it i? , Nicolas C. , sa vie et ses 
ecrits (1846); ©. @d)ubcrtb, 91ico- 
lau« o. <5. al« ©erfaffer ber ea)rift de 
corrupto statu ecclesiae (1888). z. 

©leinen* (lat, „ber Kilbe"), Warne 
oon <Pä>ftcn : (5. t (al« afeoflolifcber Sater 
burd) ben ©einamen 9t o manu« unter* 
fd)iebeu ton bem fird)lid)en @d)riftfteflcr 
unb $b»lofobben 5« SUeyanbrinu«), fagen« 
bafter ©ifd)of oon 9lem, »eifern außer 
ben beiben nad) feinem tarnen genannten 
©riefen (oon welchen jebod) ber jweite gar 
tein ©rief, fonbern eine, unb jwar bie 
älteße auf un« getemmene, $>omilie ift) 
nod) bie „Clementinac" (f. b.>, ferner aber 
aua) bie fog. 9lboftolifd)cn tonftitutionen 
unb Äanone« (1. b.) unb jwet „©riefe an 
bie Jungfrauen" $ua,efd)rieben werben. (Sd)t 
fiJnnte au« biefer i'iteratur ba« al« erfter 
©rief be« <£. an bie £orintt)er feit etwa 
170 in ber &ira)e in "2lnfet)en fkbenbe unb 
erft feit 1875 fcoUftänbig befanntc ©enb» 
fd)reiben ber römifdjen ©emeinbe an bie 
torinthifd)e au« ben Sagen Domitian«, 
äteften« §abrian«, fein (2lu«gaben ton 
rüennio« 1875, ©ebbarbt unb $>ar* 
narf 1876, §ilgenfelb 1876, ?igbtfoot 
1877, gunf 1881). §errübren Würbe 
ba«felbe bann oon jenem <£., welchen bie 
vbmifebe ^Jabftfage al« britten ober feierten 
©ifd)of oon 3Jom fennt (nad) ^ctru«, finu«, 
bcjicbcntlid) (Sletu«). ^ebenfalls fieUt ber- 
felbe fowetjil in ber iubenchrifMid)en al« in 
ber fira)lid)en @age be« 2. Safyrfc. eine febr 
gefeierte ftigur bar unb ift otetieicht fogar 
um ber ©leid)beit ber brtlid)en unb jeit« 
lid)en ©erbä'ltttiffe willen ibentifd) mit bem 
ftonful ftlaoiu« <£., welken wir au« Suc« 
ton unb 2>io Cafftu« tauten. £erfelfre 
war ein ©ettcr be« Äaifer« Domitian unb 
würbe wegen angeblicher ©eraebtung ber 
©ötter unb Hinneigung jum jubentum 
(wab.rfd)einlicb ^hnunmnn i um 95 btnge* 
rietet, wäbrenb feine ©emablin glaeia 



$omitifla nad) ber 3nfcl ^anbataria ver- 
bannt würbe. Unter allen Umftänben mad)t 
ber unter feinem Warnen Überliefertc ©rief 
niä)t bloß in ber 35cgmengefd)ia)te, wo er 
für bie abgeblaßte ©eftalt, barin ber 
^aulini«mu« Eigentum ber §eibenttrd)e 
würbe, 3<ugiu® ablegt, fonbern mehr nod) 
tu ber ©efd)id)te ber <ßabfttird)e Spocbc, 
fofern \)\tv jum erften 3Jfal bie rbmifcfce 
©emeinbe Ätrebenautorität übt, ibre ©er» 
treter in eine anbere ©emeinbe, bie fe* 
rintl)ifd)c, fd)itft unb Oon berfelben Unter* 
orbnung unter bie oon Stom au«gcbeuben 
Seifungen oerlangt, ©rgl. SB te fei er in 
ben „3al/rb. für beutfd)e W)tol" (1877); 
(Srbe« tn ben „3ahrb. für brotePantifd)e 
fcbeol." (1878); ©rüll, 2!cr erfte ©rief 
be« <S. oon 9tom an bieÄorinther (1883). 

— (J. II. (1046-47), ©ifebof @uibger 
oon ©amberg, würbe oon Äönift ^eitt* 
rtd) III., al« bem oon ben dtömeru be» 
fteüten ^atrijiu«, auf ben 2 tu hl ^3etrt 
erhoben, frönte biefen jum Äaifer unb 
oerbammte auf einem Äonjil bie ©imonie. 
©rgl. © t e i n b o r f , 3abrb. be« ^eutfd)en 
{Reidj« unter ^einrid) III. (1. ©b., 1874); 
S itt mann im „Slrchio für fatholifd)e« 
Äircbenrecht" (1884). — 6. lila. (1080— 
1100), oon ^etnrid) IV. aufgefleütcr ©egen- 
babfl ©regor« VII. (f b.), ©iftor« III. unb 
Urban« II. (f. b.). ©rgl. Sbbncfc, Sibert 
oon 9Jaocnna, ^apft (Jlemen« III. (1888). 

— <£. IUb. (1187—91), warb gürflcn unb 
©biter jum britten ftreujjuge unb fad)te 
ben ^ambf mit ben $obenftaufen an, 
inbem er in ©ijilien bie Partei ianfreb« 
gegen ben erbberechtigten $einrid) VI. 
unterftüt^tc. ©rgl. @d)effer»©oichorft, 
Äaifer ^riebrid)« le^ter iStrcit mit ber 
rbmifchen Äurie (1866). — <£. IV. (1265 
—1268), ftanb tn bem blutigen Streite 
Äarl« oon 91niou unb be« $of>enftaufen iDiatt» 
freb um 2 i.tlien auf ©eiten be« (Srfteren, 
ber ihm 1265 ben ?ebn«cib fd)wur, unb 
bannte 1267 ben, nad) bem £obe SKanfreb« 
ba« Grbe feiner ©ater forbemben, Äenra» 
bin; bafj er an ber Einrichtung beSfetben 
@d)ulb hat, läßt ftd) nid)t ertoeifen. ©rgl. 
©d)irrmad)cr, 2>ie legten ^ohenftattfen 
(1871); 21. be <£b«ntbrier, Xxt legten 
^ohenflaufen unb ba« ^abfUum (1876). 

— (5. V. (1305—14), oerlegte auf SBunfcb 
«Phtl«bb« be« @d)iJnen oon ^rantreid) 1309 
bie ^af>filic^e 9teftben3 nach Sloignon unb 
wallte, al« ber Äönig ihm nur bie Hiter» 
nattoe ließ, ©onifatiu« VIII. (f. b.), feinen 
©organger auf bem ©ruble ^ßctri, ju Oer« 

I bammen ober ben IJembelherrenorben (f. b.) 
; aufjuheben, ba« festere (1312). 3n ber 
1 gleichen @ad)e fytclt er ba« XV. altgemeine 



8 



Digitized by Google 



Sternen*. 



141 



Äonjil ju 8ienne (1311—12) ab. 3>ie 
Cr^ebunfl ^einrieb VII. von ?uremburg 
auf ben beutfcben Äönigdftuhl betätigte 
er 1309. ©egen feinen ?eben«wanbel 
erhoben 3 c ^d ( noffen febwere 8orWilrfe. 
«rgl. SBencf, C. V. unb ^einrieb VII. 
(1882); Rcgestum Clementis papae V., 
annus I— VI. (1885 — 87 , 6 8be.). — 
<&. VI. (1342—52), fetjte ben gegen Äaifer 
Üubwig IV., ben 8aöer, von feinen 8or« 
gjingern mit 8ann unb i>rojeffen geführten 
Jtamvf mit benfelben Mitteln fort, bi« c« 
tym gelang, in Äarl IV. einen, ben pa'vft« 
Itcben Slnfvrücben fld? fügenben, ©egenftfnig 
1346 auf einer 8erfammlung 31t :'ibenfe 
ju erpeben, gebot bie geier be« Sütel« 
jahre« (f. b.) febon nach 50 3ahreu, unter- 
fagte 1349 bie ©eißlerfabrten (f. 3riagti* 
lantcn) unb erwarb 1348 fäuflicb bie 
©raffebaft «vignon. 3n Dom machte ihm 
ber 8ol!«rribun Cola bt Dienjo (f. b) viel 
m Raffen, »rgl. Ä. Stil Her, $er 
Äamfcf ?ubwig« be« Samern mit ber rbmi» 
feben Äurie (2. 8b. 1879); SBerun«?v, 
©efehiebte Äaifer Äarl« IV. unb feiner 3eit 
(1880—86, 2 8be.); Eerfelbe, €u9* 
jüge au« ben Degeften <&". VI. unb 3nno« 
ceu3 VI. (1885). — <J. VII a., ©egenfcafcft 
Urban« VI. (f. b.). — (£. VII b. (1523— 
1534), au« bem ©efchlecbte ber SDfebici, 
trachtete h>ät;renb ber, ben 8eftanb ber 
fatpolifcben Äircfce in ftrage fleflenben, 9?c- 
formation«tamfcfe mepr nach 8erniehtung 
be« f^anifc^-öfterreiepifc^en $aufe« al« nacb 
SBiebergemtnnung ber ber neuen ?ebre $u» 
falleuben ©ebiete. Sur $u«fUprung feine« 
s 4Jlane« vereinbarte er 1526 mit granj I. 
von ftrautreieb gegen Äarl V. bie peilige 
?iga ju Cognac, mußte aber mit Vefete* 
rem, beffen ©olbaten 1527 Dom geftürmt, 
ben ^rieben von Barcelona 1529 fchließcn 
unb ibn 1530 in Bologna ;inn Äaifer 
frönen, ebenfatt« eine golge feiner wer« 
fehlten ^olitif war bie viJfltge ?o«fagung 
ber englifd&en Ätrche 1534 Von Dom. 
@. Hngutan. jKrd»e. 8rgl. 91 a n f e , 3>ie rö- 
mifc^en $ä>fte (1. 8b., 7. Hufl. 1878); 8 a« 
1 a n, La politica di C. VII. (1884) ; <2 p f e « 
im „piftoriföen 3prb. ber ©b*rre«-©efeüfch." 
(1885); ©retpen, 2>ie Politiken 8ejie- 
pungen <£. VII. iu Äarl V. (1887); »au m- 
garten, ©eföicbte Äarl« V. (2. 8b. 2. Hälfte 
1888). — <J. Villa., ©egenbaöft Martin« V. 
(f. b.). — <S. VIII b. (1592—1605), er* 
teilte nac& langen 8erbanblungen 1595 
^einrieb IV. von granfreub bie Slbfolution, 
wofür biefer ihn bei ber Erwerbung ger» 
rara« für ben Äirchenftaat 1598 unter* 
frü&te; aueb verbefferte er ba« riJmifcbe 
8revier (f. b.) unb lieg ben Index librorum 



1 probibitorum (f. b.) revibieren. 8rgl. 
i Da nfe, Xie rämifeben "ßävfte in ben 
; legten vier 3abrhunberten (2. 8b., 7. 8ufl. 

1878). <£. DL (1667—69), legte seit- 
| weilig burch bie „pax Clementina" tcu 
Streit mit ben 3anfeniften (f. b.) bei. — 
(£. X. (1670 76), warb toöüia beberrfebt 
von feinem 9iefoten ^Jalujji ?lltieri, ber 
bureb feine »eüorjugung ber «Spanier bie 
9iacbe ?ubwig« XIV. entflammte, bie ficb 
unter anberen (Singriffen in bie fircblicbe 
©ewalt auch in ber 91u«bebnung be« »eeebt« 
ber Äegalia (f. b.) jeigte. *rgl. 91 ante, 
©efebiebte ber rbmiföen ^a>fte ?c. (3. *b., 
7. Hüft 1878); ©rofa>, ©efebiepte be« 
Äircbenftaate« (1. 8b. 1880). <£. XI. 
(1700—21), proteftierte gegen bie Grabung 
^reufjen« jum Äöuigreicb, trat im fpani* 
feben örbfolgetriege für bie Sliifprücbe Vub* 
wig« XIV. ein, warb aber 1709 bureb ba« 
einrüefen ber faiferlicben Iruppen 3ur 
«nertenuung be« ffterreiebifeben gräten < 
benten Äarl« III. genbrigt. Xurcb bie 
! 3efuiten ließ er fiep ju fl«"ft<n aj?aß= 
: nahmen gegen bie 3anfeniften (f. b.) in ben 
Söuüen Vineam domini unb Unigenitus 
(1713) verleiten. $rgl. ?anbau, 9fom, 
föicn, Neapel wäbrenb be« f»anifa)en Grb» 
j folgefrieg« (1885); ©allanb im „$ifto» 
I rifdjen 3at>rbucb ber ©orre« * ©efellfcb." 
| (1882); Woorben, (Suropäifcbe ©efebic^te 
im 18. 3apr^. (3. 8b. 1882). — <5. XII. 
fl 730—40); feine auf (Srweiterung be« 
Äircbenftaat« bureb^ ^aöia unb "^iacenja 
fowie fpäter bureb San SRartao gerichteten 
^läne mißglllcften ebenfo wie ber «erfueb, 
bie lu'iMcfiantinlH-.t ^ürflen Deutfcblanb« 
bureb ba« 3 u fl<f ,iintm * Hne0 # von ber 
fatlwlifctyen Mircbe nic^t weiter anzufechten' 
ben, SBefifce« ber benfelben Wab^venb ber 
Deformation entriffenen ©Uter jum Jht» 
feblttß an Dom ju bewegen. 3?rgl. 8r ofeb , 
©efebieb; te be« Äircbenftaate« (2. 8b. 1882). 
- C. XIII. (1758—69), war ein fo un= 
wanbelbarer 5 reun ^ *> tv 3«fuitcn (f. b.), 
baß er, al« biefelben au« Portugal, ftxanV 
reieb, Spanien, Deapel unb Sijilien ver 
trieben würben, in ber 8uUe Animarum 
saluti ba« 3nterbift über bie genannten 
I l'änber verhängte; bie Änbropung be« 
i 8aune« gegen ben, bie Deckte be« rb'mifchen 
I Äleru« befa)räufenben, $erjog von Marina 
, ^atte niebt bloß bie 9tu«trei6ung ber 3c* 
fuiten au« biefem ©ebiet, fonbern auch ba« 
(iinfehreiten be« Äbnig« von Rranheid), 
ber llvignon unb 8enaiffin, unb be« Äö« 
| nig« von Deatoel, ber 8enevent unb ^Jonte- 
corvo befe^en ließ, jur ^olge. 3n Iieutfch« 
lanb erhob fw) gebrontua^ontheiin (f. b.) 
jum Äampf gegen Dom. — (i*. XIV. 



Digitized by Google 



142 Glitten« toon SKeranbria — (Sfugntj 



(1769 — 74), ?orenjo ©anganclli, 
fcblef? mit ben, »>on feinem «orgänger 
S. XIII. fo fc^roff bebanbclten, (Staaten 
^rieben felbft um ben ^Jret« ber, in bcr 
iöutte Dominus ac redemptor noster 
1773 bofljogenen, Aufbebung be« 3efuitem 
orbcn«, wofür ftcb, biefer baburcb räcbte, 
tag feine ©efd)idjt«fd>reibcr S. XIV. für 
fcerrikft erflä'rten. Sörgt. V. 1b, einer, 
©efdntye be« ^ontififat« S.' XIV. (1853, 
3 «be.); ©oettinq, Gin toerrücfter 
yapftl (1886). z. 

<£lemen& »on Süejranbtia (Xitu« 
g l a to i u «) , bff fcorragcnber Äirdjenüater, 
ein »ielgcreifier, tyeibnifdjer ^J^tlofop^», trat 
erft im reifern Hilter junt Sbrifientum 
Über unb warb fpä'ter burd) $ermitte= 
lung feine« Jebrcr« ^antä'nu« 1*re«bbter 
unb iebrer an ber Äatedjctenfdjule in 
Aleranbria, nad; bem Xobe jene« JBorfteber 
bcrfelben nnb al« fold^er Sebrer be« Ori= 
gene«. Sffiä'brenb ber Sfyriftcnöerfolgungen 
ton 202 fttkbtete er nadj ^alä'ftina unb 
ftarb um 220. XBir beftfcen son ibm 
nodj brei jufammenbängenbe Öerfe, weldje 
eine pbitofobbifcb freie Auffaffung be« 
Stjriftentum« befunbcn: „Exhortatio ad 
gentes" , eine (5rmaljnung«rebe an bie 
$eüenen , ba« Sbrifientum anutnebmen ; 
„Paedagogns", eine djriftlidje äftoral, unb 
„Stromata - , in 8 $üd>ern, oermifd>te Ab- 
banblungen über ©egenfta'nbe be« ©lau* 
ben«. 2)ic neuefle Au«aabe feiner föerfe 
beforgte Dinborf (1868, 4 »be.), eine 
$anbau«gabe Älofe (1831—34, 4 «be.). 
%>rg(. Wl e r t , S. Aferanbrinu« in feiner 
Abfyangigfcit »on ber griednfdjen *p^i!ofo^ 
bbie (1879); Sinter, ©tubien jur ®e* 
fd)id)te ber d>riftlid>en Sttnf (1882)- Sa* 
to e r n i , Sopra il Paidagogos di T. F. C. 
(1885); »ratfe in ben „SStubien unb 
Äritifen" (1887). z. 

Clementinae (Ä l e m e n t i n e u\ eine 
AnjabJ griednfd)«r unb lateiuifcber ©a)rif» 
ten, weldje fdjon im 2. 3abrb- bem rtfmifcben 
©ifdjof Siemen« I. (f. b.) untergefdjoben 
würben, ber Anfang ber djriftlid?en 9tc 
manliteratur. 2)iefer pfcuboflcmcntinifcbe 
Sdjriftenfrei« beftebt au« 1) ben 20 §o» 
milien (befte Ausgabe t>on be ¥ agarbc, 
1865), 2) ben 10 «ücbern ber 9fefognitio- 
neu (uilefet ebiert fcon ©ereborf, 1838) 
unb 3) ben jwei Epitomae (berau«gcgeben 
*on2)rcf fei, 1859). 3n ben$omilicn be* 
rid)tet Siemen« 9tomanu« Uber bie Weife* 
prebigten unb 2)i«butationen be« Aj>oflel« 
^Jetru« mit (Simon SJtagu«, fowie über 
feine eigenen ?eben«fd)itffale. Jefetere 
bilbcn ben $anbtgegenftanb ber SRefogni* 
tionen, weldje ba« SBieberfinben ber »er« 



loren gegangenen Sltcrn unb ©rüber be« 
Siemen« ,fd)ilbern. 2)ie Epitomae ftnb 
im SBcfentlidjcn ein An«jug au« ben Jpo* 
milien. Ob ben §omilien ober ben SRc« 
fognitionen bie Priorität gebübrt, ift ftreitig. 
35er in bcr bfcuboflementimfdjen üüterarur 
toertretene Scbrbegriff ift berjenige ber 
cffenifd)«n S b i o n i t e n (f. M. «rgl. 
6 cb l i e m a n n , 2>ie Slemeutinen unb ber 
<Sbioniti«mu« (1844); §ilgenfelb, $ic 
flementinifcben üRefognitionen unb §omilien 
(1 848) ; 2) e r f e t b e , Xit Äe^ergefd?. be« 
Urö>riftentum« (1884); UbJborn, 2)ie 
^omilien unb wefognitionen be« Siemen« 
»omanu« (1854). z. 

Clerici vagantes (aud? Clerici vagi 
ober regionarii) ftnb ©eifthd^e, bie obne 
ftänbige« Äird^enamt orbiniert morben 
ftnb unb baber oft ein unfiate« SBanber» 
leben führten, «om 4. 3abrb. bi« jum 
Sribentinum trat bie fatboIifd)e Äircbe 
gegen bie C. v. auf unb fdjärfte immer 
wieber ben alten ©runbfafc ein: B ne quis 
vage ordinetur". z. 

(Mericus (le Clerc, Slerc), 3 ob an« 
ne«, ref. fc&eoleg, geb. 19. SWärj 1657 ju 
©enf, erbielt, ju ben Arminianern (f b.) 
übergetreten, in Amfterbam 1684 bie 
^ßrofeffur ber ^btfofot^ie unb f)>äter aurf? 
ben i'ebrfhtbl ber Äircbengef(bid;te. ©eine 
außerorbeutliAe literartfd?e ibätigfeit, bie 
ibn in eine SWenge gelehrter ©treirigfeiten 
toerwirfelte, fcfete er fort, bi« ibm 1728 
ein ©djlagflufj bie ©brad)e raubte unb 
feine @eiftc«fräfte fd)Wad;te. <5r ftarb 
1736. $on feinen jablreicben tbeologiftben 
©erfen ftnb tjornebmlid) bie „Ars critica" 
(1696), bie „Harmonia evangelica- (1699), 
fowic bie Au«gabe ber apcftolifc^e« i^äter f on 
Soteleriu« (1698 unb 1714) \u nennen, r. 

Clericus (tat, ». ©riedj.), ein ©eift- 
tia)er (f. Äimter) ; c clericum non deeimat, 
ein ©eiftlid^er nimmt ton bem anberen 
feinen ^ebnten, feine ©ebübren: fprid»- 
w'örtlicb ironifcb f. t>. w. eine Mräbc Ikhü 
ber anberen nid?t bie Augen au«, r. 

©letuö, v ^a^, ift ibentifd) mit Ana* 
flet L(f b.); ber .Catalogtts Liberianus" üon 
354 unb fpätere Duetten küh-h in $olge 
eine« SDii&üerftänbniffe« au« biejen jwei 
einen unb benfelben v JJapft bejetd^ncnben 
Tanten jwei Zapfte gemait. z. 

Clinlci (lat., ». ©ned).), Sb^riften, 
welche auf bem Äranfenbette bei I obe«gefabr 
getauft worben waren. SWan befprcngte fte 
nur mit ffiaffer, wabjenb ©efunbe ganj 
untergetaucht würben, h. 

(Slugitö (fpr. fiüni). ®ie Abtei S. würbe 
»>on ^erjog Sütjetm t>on Aquitanien ge« 



Digitized by Google 



Gfagnt) — Coiifäu*. 



143 



ftiftet unb bem, au« burgunbifchem ©rafen« 
gefcblecht ftammenben, Slbte Berno (910) 
Übergeben, welcher bie Kleftequcbt nach, ber 
Benebiftinerregcl wieberherfteüte. 3n all» 
gemeinen Duf tarn bie Slbtei befonber« 
bureb ben jweiten Slbt, Obo (927—942), 
weiter bie Orbcn«regel verfebärfte, fowte 
ben vierten Slbt, SRajolu« (948—994), 
ber ben, ihm von Kaifer Otto II. an- 
getragenen, lupftltcben ©tubl au»|"cblug. 
^eue Älöfier würben von (5. au« angelegt, 
alte reformiert, unb fo entftanb in bem 
Bcnebittinerorben bie Kongregation von o , 
ber Orben ber (Sluniacenfer, b. b- 
eine Bereinigung vieler Klöfter unter bem 
gemeinfamen Oberhaupt, bem Hbt von ($., 
ber be«balb ben Sittel „(Srjabt" fübrte, 
fowie bie Slbtei ju C. felbft „«nbimonar 
fterium" genannt würbe. SU« SJiajelu« 
bem Obilo (geft. 1048), ben er ftcb 311m 
Nachfolger befigniert b,atte, bie Leitung ber 
Kongregation von (£. Ubergab, gehörte 311 
ibr bereit« ber bei ©eitern größere Xheil 
ber franjöfiföeu unb burgunbiföcn Älbfter. 
Xxt Statuten bief er Kongregation, Consuetn- 
dines genannt, regelten ba« flöfterlicbc ?eben« 
bi« in feine fleinften (Sinjel^eiten, jwangten 
felbft bieSöobltbätigfeit in beftimmte@renjen 
ein unb liegen, inbem fie Kleibuna,, ©vetfe, 
felbft bie Srbolung burch. Borfcbrtften orb- 
neten, ber inbivibucllen Sntwicfelung gar 
feinen ©vielraum. Be;etcbnenb ift befonber« 
ba« @ebot be* 3cbweigen« an beftimmten 
Orten unb ju gewiffen Reiten, baber für 
biefelben eine Slrt ^eiebenfpraefce eingeführt 
würbe. 3ebocb würbe man irren, wenn 
man bie Consuetudines ber Cluniacenfer 
in allen ©tücfen al« eine Berfcbärfung ber 
Benebiftincrregel anfeilen wollte; fie milberu 
vielmehr bie Borfchriften be« \)tü. Benebift 
in verriebenen fünften, 3. B. im Gffen 
unb Xrinfen, in ber Kleibung, im haften 
u. f. w. (£. würbe ber 9lu«gang«tunft ber 
auf Befreiung ber Kirche von ber §erricbaft 
be« ©taate« unb in«befonbere be« Kaifer 
tum« gerichteten Deformation. XerClunia' 
cenfermöneb §ilbebranb fuebte al« s JJapfl 
©regor VII. ba« 3beal feine« Kloftcr« ju 
verwir fliehen. 3&re @unft bejeigten bie 
^äöflc burch bie jab!lreid;en, ber Kongregation 
unb ben Siebten verliehenen, Privilegien 
uub Stu«jei(b. nungen , bura) welche bie 
tfefcteren ben Bifcböfen gleicbgcfleüt unb bem 
römifeben ©tuhle unmittelbar verpflichtet 
würben. 2)er au«fchweifenbe Uebermut ber 
iHönd)e }u (S., welcher namentlich unttr 
bem Slbt Sßontiu« (1109 — 1125) geübt 
würbe, fanb atlerbing« nod) einmal feinen 
Bänbiger an bem au«gcjeic&ncten Äbte 
$ctru« Benerabili« (f. b>. 1122-56. SKit 



ben anwachfenben Reichtümern flellte ftcb 
bie Berweltlicbung immer mehr ein. 2>ie 
Deformverfucbe ber Siebte §ugo V. unb9Jvo 
im 13. 3abrb- fomic be« Slbte« Heinrich I. 
im 14. 3abrh- feheiterten an ber unbe» 
jwingbaren 3u(ht(oftareit ber (Sluniacenfer ; 
1528 gmeth ber Orben in voflftanbige 
Slbbangtgfeit von ben @uifen. Spätere 
Deformen be« fehr verbreiteten Orben« von 
($., wie j. B. bie von Dithelicu verfuebte 
Bereinigung mit ben STOaurinern 1634, 
gaben Slnlafj ;u enblofen ©treitigfeiten, 
welche erft mit ber Aufhebung ber Slbtei 
unb be« ganjen Orben« 1790 enbeten. 
35amal« würben von ber ©tabt ttlugnv 
ba« Klofter unb bie Kirche abgefauft unb 
bi« auf wenige Dcfie jerftört. Dach bem 
3)cufter be« (Sluniacenfer ■ Orben« mürbe 
in 2)eutfcblanb ber Orben von §irfcbau 
(f. b.) begrünbet. 2)ie Xradit ber tflunia- 
cenfer War, im @egcnfafe ju ber weißen 
ber (Siflercienfer, febwarj. Brgl. (5 h a m p 1 v , 
Histoiro de Tabbaye de C. (1866); 
©reeven, Xie ffiirffamfeit ber (Jluuia* 
cenfer auf fireblichem unb »olitifehem ®t> 
biet im 11. Sabrh. (1870); Cuche-rat, 
C. au XI. siecle. son influence etc. 
(4. »uff. 1886); penjon, C, la ville et 
l'abbaye (1885); Dinghol 3, ^cr h«l- 
Slbt Obilo von C. (1885); 333. ©diultje 
in ben „^orfchungen jur beutfehen @efcb." 
(1884); ©ifefe, lieber ben @egenfatj 
ber öluniacenfer unb (Sifiercicnfer (1886). 
2 stkntbttttner. z. 

Gtuntacenfet (Kongregation Von 

(SlUgnh)- ® '0 Inn 'in. 

€occf)Ud (eigentlich Koch ober Ko* 
len), Johanne«, bollänb. Ibeolog, 
geb. 1603 tu Bremen, Würbe 1629 Bto« 
feffor bafelbfl, 1636 in ^ranefer unb 1650 
311 l'eiben, wofelbft er bt« 311 feinem Xobe 
1(>69 wirfte unb ber $>auptvertreter einer 
eigentümlichen Dichtung (f. »untw»ti>foioflif) 
Würbe. Seine „Summa doctrinae de 
foedere et testamento Dei" (5. ?lu«g. 
1683) hat reformierte ©cbolaftif erft' 
malig erfcbUttert, inbem fte bie fircblicbe 
!X>ogmatif erfolgreich au« ber biblifcbcn 
Ih<ologie \u erneuem unb 31t bereichern 
unternahm, ©ein „Lexicon et comraen- 
tarius sermonis bebraici et cbaldaici 
Veteris TeaUmenti- (1669) ifl ba« erfte 
vottftünbige fßbrterbuch ber E^ebräifc^en 
(Sprache. Brgl. 2)ieftel in ben „3abrb. 
für beutfebe Xteol" (1865) unb Ditfdil, 
CMcb. be« ^ieti«mu« (1. Bb. 18d0). z. 

®0d)löuÖ (eigentlich Sobeuecf), 
Oohann, ©egner Suther«, geboren um 
1479 3u iöenbelftein bei D Urnberg, war 
Deftor ber @cbulc 311 ©t. ?oreii3 in Wllru' 



Digitized by Google 



144 



Coge intrare — (Sotenfo. 



berg, bann ®ecbant an ber ftrauenfirche 
\u wranffurt a. s J)t. unb Stlcrifer in 9Watnj, 
1529—39 ©cfretär be« §er3og« ®eorg 
i>on ©acbfen unb burd) beffen ©unfl fett 
1535 aud) Domherr ju SHeißen. CE. mußte 
nad) bem lobe feine« ©tfuner«, in ^olge 
ber (Einführung bev Deformation im $>erjog- 
tum, ©acbfen fcerlaffen unb würbe nun 
Äanonifu« am 5)om in SBre«lau, wo er, 
naebbem er ftcb baib in öicbftäbt, balb in 
3ngolftabt unb bann wieber in ÜDcainj auf» 
gehalten fyaüt, 1552 ftarb. 3uerft ber 
Deformation jugethan, würbe er, theil« in 
ftolge öon ?utber« Schrift „De captivitate 
Babylonica", theil« aber auch, au« i'iebc* 
bienerei gegen ben SDtainjer §of, 1521 ein 
Öegncr berfelben unb bot i'utber in 2Borm« 
einen tbeolo$ifcben ^jpeifam^f an, erfuhr 
aber öon btefem eine fd)arfe 3lbn?eifung 
in ber ©ebrift: „©iber ben gewabbneten 
2Nann (£." (1523); fpäter War <£. «Mit- 
arbeiter an ber 9lug«burger Sonfutation, 
auch auf bem 9teich«tage ju Hagenau von 
1540, fowie auf bem $egen«burger Äollo* 
quium toon 1546 tba"tig unb febrieb unter 
»nberem: „Martin ?utt>er, fca« ift fuqe 
©efcb,reibung feiner Jpanblungen unb ©c 
febriften ber $tit naö) fcom 1517. bi« auf 
ba« 1546. 3at)r feine« «bleiben«" (au« 
bem Sateinifchen in« ÜJcutfcbe überfefct »on 
£>über, 1582). (S. »erfaßte auch bic „His- 
toriae Hussitarum libri XII.« (1549). 
8ra(. Otto, 3ohann <S., ber §umanift 
(1874); gelician ®eß, 3. <S. (1886) 
unb k o I b e in ben „flirebengefeb ich tlid^en 
©tubien, Deuter gewibmet" (1888). z. 

Coge inträre (ober Compelle in- 
trare, lat., „nötige [fte], hereinjufommen"), 
ber au« ber mtßbeutetcn «ibelftefle l'ut. 
14, 23 hergeleitete ©runbfafc jur töecbtferti* 
gung ber gegen Äefcer angen>cnbeten ©ewatt 
ober arglifttgen ^rofefytenmacberei. h. 

Fellini, Simothöe, tbeolog. ftührer 
ber liberalen Partei innerhalb ber refor« 
mierten Äirctye granfreieb«, geb. 1824 $u 
i'eme" (Äi«ne), fhibicrte in ©traßburg 
Ib«ologie, würbe 1847 l'ijentiat unb feit 
1851 einer ber beliebteren ^rebiger ©traß= 
bürg«; er gab 1850 — 69 bie „Revue de 
theologie" in Serbinbung mit ber Straß ■ 
burger ^afultSt berau«, würbe 1862 jum 
"•JJrofeffor ber frair,bftfctyen Literatur am 
broteftantifeben Seminar, 1864 jum ^ro» 
feffor ber braftifeben ib.eologic an ber 
tyeologifcycn ftafultät ernannt, worauf er 
fein Pfarramt nieberlegte. 2>er SBiber* 
ftanb, welchen bie orthobojre ^artei beiben 
(Ernennungen entgegenfefete, rief bie Union 
protestante liberale in« i'ebcn. Wacbbcm 
er burrb feine „Sermons" (1857—81, 



3 «be.; ber 1. 8b. ifl in« Eeutfcbe überfefet 
oon Stieb, arb, 1858) unb fein Serf 
„JCsus- Christ et les croyances niessia- 
niques de son temps" (1. unb 2. Slufl. 
1864) fid) rühmlich betannt gemacht, legte 
er 1870 feine ©teile nieber unb jog fUB 
nacb ftranfreid) in« Privatleben jurücf. 
©eitbem War er, au« bem geifUid)en ©taube 
angetreten, al« ftübrer ber liberalen Partei 
auf ber im 3um unb 3uli 1872 ju pari« 
tagenben ©cneralfpnobc ber reformierten 
5Hrcbe ^ranfreieb« tbätig unb würbe 1875 
«ibliotb,efar ber ©orbonne. (5r ftarb 2. ©eb* 
tember 1888 ju ©rinbelwalb. «ußer ben 
genannten ©djriften bat £ noeb »erfaßt: 
„Exposd critique de la philosophie de 
la religion de Kant u (1845); „Essais sur 
l'histoire de la theologie allemande" 

(1846) ; r Leibnitz et le catholicisme" 

(1847) ; „Essai sur Tidee de Tabsolu" 
(1847) ; „ L'individualisme chrdtien u 
(1856); „Le sacerdoce univereel" (185(5) ; 
„L'öducation protestante" (1858); „Ma 
Position dans lYglise do la confession 
d'Augsbourg u (1861). z. 

Coelebs (lat.), im CiJlibat (f. b) be« 
finblid;e Perfon. z. 

©olenfo, 3obn ©illiam, «ifebof 
von 9latal, Vertreter einer wiffenfc^aftlicbeu 
9ii(btung in ber englifd^en ^od)tircb,e, 
geb. 1814 in (SornWaQ, maebte feine Uni» 
»erfttät«ftubien ju Gambribge, Wo er 1836 
ben 3)oftorgrab embfing, würbe 1838 
^)ilf«febrcr ju ^arroro unb 1842 lutor 
ju (Sambribge; al« fold)er febrieb er tötet 
gebrauchte 2eb!rbilcber ber Sllgebra unb 
«ritbmetif. ©eit 1846 wirfte er al« 
prebiger ;u gorncett ©t. ^Dcarb in ^orfolf, 
wo er „Village sermons" (1853) berau«« 
gab. 9ia(bbcm er 1853 S3ifd?of »on ^atal 
im füblieben Slfrifa geworben, veröffentlichte 
er bie ©ebrift: „Ten weeks in Natal 44 
(1855), in welcher er bie, »on ihm im 
Sanbe »orgefunbenen, .Buftänbe unb feine 
erften (Sinbrücfe befchrieb. 2)ic »efehrung 
unb ^i^tlifterung ber (Singebornen ließ er 
ftch unermübet angelegten fein. Gr bat 
ba« 9?eue Xeftament tn bie 3 l, l u fb ra( v* 
überfetjt unb eine 0n(it = (*rammatif nebfl 
einem ©örterbuebe herausgegeben. Slber 
ba« %ergerni«, welche« 5. gab, al« er in 
feinem ffierfe „St Paul's Epistle to the 
Romans, newly trans)ated u (1861) bie 
Gwigfeit ber #öllenflrafen in Slbrcbc fleate, 
wuch«, nachbem er in bem fßerfe „Tbe 
Pentateuch and the Book of Joshua, 
critically examined" (neue Stu«g. 1863 
-1871, 6 «be.) bie (Scbtheit unb ®e- 
I fehiebtlichfeit ber 2H 0 fe«biicher in 8 rfl 9 e 
1 gejogen. <5. würbe jur ©erantit-ortung 



Digitized by Google 



ISöleftin — (SMibat. 



145 



por bie Äentofatton (f. b.) nach ©nglanb I (Srhebung al« «in (Sinftetler unter bem 

berufen. 40 ©ifchi fe begehrten, er foUe tarnen $etru« PonSWurrbone (iOior- 

fein Amt nieberlegen. 2)er ©ifcpof ber rone) Perehrt, fotoie al» Orben«ftifter be- 

Äapftabt fprach förmliche «bfetjung über rühmt (f. «ötttHRtr), legte al« 80jä'priger 

ihn au«. 2>och (£. appellierte 1865 an ®rei« bie liara auf Unrathen be« Äarbinal« 

ba* Priry Council ber Ächtigin unb er- Gtoetani (SJonifatiu«' VIII.) nicbcr, um fich 

langte bjcr feine ftreifprechung. ©er in fowohl ben Anfeindungen be« ÄarbinalfoUe« 

bemfelben 3ahre erfcbienene fünfte Ihetl ginnt« al« auch ben ficb immer fteigernten 

feine« SBerfe« Uber ben $entateu$ jeigte flnforberungen be« Äimig« Aar! II. ton 

einen noch entfdrieteneren Stanbpunft al« Neapel |U entgehen, (»ein Nachfolger 

bie früheren. SBährenb <S. bie ihm feinb- ©enifatiu« VIII. ((. b.) ließ ibn bi« w feinem 

lieben Gkiftlicpen in Natal abfegte, begab lobe 1296 in ftrengem (ieroahrfam auf 

ftcp ber «ifchof ber Äapftatt nach önglanb, einem Schlöffe bei Hnagni galten. (£le- 

um bort für einen (»egenbifäof bie not« men« V. fprach <S. V. 1313 beilig. «. 
teenbigcn ©ubfiftenjmittel burcg ^rebigten l> olrfttner, eine Abtheilung ber ©enebif« 

jufammenmbringen ; 1869 ertbeilte er bem tincr, gefiiftet um 1254 oon bem Anache« 

Öciftltchen SWacrorie bie Söeipe al« «ifcbef reten pctru« Pon SNurrhone, bem nacb- 

*on Bieter iHaritjburg. Eamit war ba« maligen papft (Stflefiin V. (f. b.). Xit 

2chi«ma eeüenbet. Auch feilte eine Pan- päpftliche ©eftä'tiguna mit anfebnltdjen 
Anglican Synod , treidle 1867 im erj« i Privilegien erfolgte 1264 burch Urban IV., 



ju toelcper bie anglifanifebcn ^ifchäfe au« ber btfcbb'flichen 3urt«biftion entnahm, 

aüen JBelttheilen herbeieilten, <S. förmlich Xechterflefter entftanben balb in Italien, 

erfommunijicren. Xoct) fepeiterte biefe $ ran f rew $> ^eutfcplanb unb ben Weber« 

;1 bfidn baran, baß bie fogen. „Dalmer« Ianben; b.eute gibt e« beren nur noch in 



[teUte, reelche bem <5r fommmu fa tien«pl au tat, lernte in 9tom ben ^clagtu« fennen 

bie opttje abbrachen. (£. aber behauptete unb warb gleich ihm (Gegner ber ?epre 

feine gefcfelüh unanfechtbare ©teUung al« Huguftin« *cn ber gSnjli($en ©erberbni« 

«ifepof t>on Natal bi« ju feinem 20. 3uni ber menfehlühen Natur unb be«b.alb 412 

1883 erfolgten lobe. SJrgl. Cor, Life auf einer ©pnebe ju tartpago erfommu« 

of J. W. C, (1888). z. nijicrt 6. ««loflianer. %. 

GolffHn, 3t«mc ton hüpften: <5. 1., j (SoltbSt (lat.), im Allgemeinen ber ehe» 

ber ^eilige (422—432), verfugte cergeblich lofe «Stanb , im 2?cfonbern bie SerpfUA« 

feine 3urt«biftion Uber bie afrifanifebe tung jur (S^elofigfeit, bie für ben rbmife^' 

•tirebe au«)ubelmen, benu^te jebec^ mit fatb.oltfeb.en äleru« t-cftcin. 2)a« 3uben> 

mehr @lüd bie neftortanifehen Strettigfeiten tum enthält nur bie ^orfchrtft, baß ber 

<f. «fftenaner) jur ©eltcntmachung ber ^riefter feine (gntroeihte ober ©efchiebene, 

päpftlitben Änfprüthe auf bie Suprematie ! ein ^ohepriefter feine Söitroe heirathen 

aurf» über ben Orient, tnbemer, »on^feftortu« 1 barf, aüe aber jur Vorbereitung auf 

fowobl al« auch wen befien @cgner Äbriüu« beilige §anblungen be« gefehlechtlithen 

t>on ?lleranbrta (f. b.) um eine Gntfeheibung Umgang« fnh enthalten feilen. 3m 9?eucn 

angegangen, ben ßrfieren ju einem Siber« Xeftameut gehen jtrei 9iichtnngen neben* 

rufe binnen 10 Xagen anfforterte. 9(uch einanber h^. Chrifiu« fclbft fteht jwar 

erflärte ft* gegen bie ^ f ^ a fli a " cr (f- M. eine urältefte unb i^ciltae @otte«orbnuug 

Vrgl. fangen, «efch. ber rb'mifchen Äirehc , in ber CSbe (SWatth- 19,4 ff.); roie bieferbe 

bi« jum ^ontififate ?ee« I. (1881). — j ftch aber trofcbem mit feiner eigenen »uf- 

(£.11.(1143 — 44), heb ba« fron 3nnocenjII. gäbe unb ©teUun^ nicht toertrug, fo 

im Streite mit Jutirig VII. ton ^ranfreich rennt er unter fernen Wachfolgern, im 

perhängte 3nterbift auf. — (5. III. (1191— (Üegenfatj jn ben Gunuchen ber Watur unb 

1198), lebte in beftänbiger gurcht »er ber SBcrftümntclung, auch ßunueben be« 

Äitaig Heinrich VI. , ben er jum Äaifer | ftttlichen SKillen« ( v U?atth. 19, 12), unb 

getränt batte unb ber gegen ben SStllen in biefer 2pnx geben in ber 2hat bie 

be« ^apfte« ftch Unteritalicn« bemäebtigte. - I Offenbarung be« 3obanne« (14,4) unb 

<£. IV. (1241), ftarb noch vor fetner 2i?eit;e. mtt betonterer ßntfebiebenhett ^aulu« 

— S.V., ber ^eilige (1294), ror feiner j (1. Äor. 7, 1. 7. 28—38) einher, roelcher 




ftonfehen" ©ifeböfe, Anhänger ber €on>« 
ffbureb, ihre Xheilnahme an ber Spnobe 
terteeigerten , unb baß ber ©ifchof bon 
i'onbon für feinen beitritt ©ebingungen 



3talien unb auch ba in geringer _3 a hJ- z. 
(Sö(efttner'@remiten, f. 9tonji#fann. 
€olefrtud (<S ä 1 e ft i n «) , früher «bbo- 



Volcinann nnb 3öp(iet» teritJtt. 



10 



Digitized by Google 



146 



GMtbat. 



auSbrücHm) ertlärt, baß ba« Wityhcira« I 
tb«n unter bcftimmten Umüänben, „um j 
ber gegenwärtigen s Jiot wiücn", beffcr fei. 
2)ie anbercn ?lbofiel bagegen, ^Jetru« »oran, 
waren beweibt (SOlatth- 8, 14 ; 1. Äor. 9, \ 
5), unb bic <Paftoralbriefe forbern gerabe 
audj toom 33ifchof, baß er al« gamilien» 
»ater ein $*orbüb für bic §crbe (1 lim. 
3, 4 ff.; Sit. 1, 6) unb „(Sine« SSeibe« 
2ßann" fei (1 Xim. 3, 2; £it. 3, 6). 
Stadlern feit bem 2. 3abrh. bie ftdj ber 
SöoUfommenfyeit Sefleißtgcnbcn freiwillige 
©clübbc ber G&elojtgteit abgelegt, ftettte 

gl) audj mit wactyfenber $3cftimmtheit bie 
orfteflung ein, baß benen, welche al« 
"Priefter täglich bie ^eiligen üDtyfterien 
banbhaben, bie jwette Sh e nicht anfiele. 
3m 3. 3at)rh. meinte man bereit«, baß e« 
ben »erheirateten Älcrifcrn ber brei h oberen 
©rabe gejieme, bem ehelichen Umgange ju 
entfagen. ©eit Anfang be« 4. 3ahrh- er« 
geben an mebreren Orten ber Äircbc, in«» 
fcefouberc auf ber ftanifcben ^rooinjialfö« 
nobe ju (£l»ira 306, fcb>n ©cfejje in 
biefer SNichtung, unb ber auf bem b'tumcni« 
fchen .Hciuti ju Wicäa 325 »on einer 
a«tetifchen Partei gemalte SBerfud), ben 
»erheirateten ftlerilern bi« jitm ©ubbia» 
fon bic eheliche ©eiwohnung nadt) erlang« 
ter 2öeibe ju »erbieten, fcheitertc nur an 
ber ©crebfamfeit be« "Jkfcbnutiue, ber, 
obwohl felbft ftrenger SUtct, bic £>ciligfcit 
bc« ebelicben ?eben« mit folcbem (Srfolg 
»erthcibigte, baß nur ben un»erbeirath et in 
ben Jtlcrn« eintrctenbcn ©eiftlichen ber 
brei obern ©rabe na* (Srlangung berfel* 
ben bie (Singeb. ung ber (Stye nnterfagt würbe. 
§ieju ftimmt c«, wenn nccb bie @»nobe 
»on ©angra um bie SDcitte be« 4. 3ahr= 
Rimbert« einen ieben für anathematifiert 
crflärte, ber an bem ©otte«bienfte eine« 
»erehelidjten <priefter« theiljunebmen fiel) 
weigere. Wicht«beftomcniger wirlte ba« 
SJorbilb be« Sftöucb^ftanbe«, hinter welkem 
bie «ßriefterfchaft nicht attjuweit jurücf* 
bleiben burfte, entfeheibenb ju ©unften be« 
Sölibat«, unb c« Würbe namentlicb in ber 
orientalischen &ircbe balb »crwaltenbe Cb« 
feroanj, baß wenigften« bie ©ifdjb'fe, wenn 
fte »erheiratet waren, au« bem ebelicben 
Serb.ä'ltni« heraustraten. 9? od) ftrengerc 
"änft^ten matten fidj im Slbenblanbe cjeltenb, 
inbem 385 ber riJmifcbe SSifc^cf Strichst, 
ber bie St)e ber ^Jriefier obscoenae cupi- 
dit&tes nannte, ben SMfchöfen, ^Jreebötern 
unb Xialoncn bie (5h*lofigfcit gebot. 3l)m 
f<bloffen ftc^ bic 93ifcf>öfe 3nnocenj L 
404 unb 405, Seo L 446 unb 458 an, 
unb auf jahlreidjen ©önoben Würben 35er- 
orbnungen erlaffcn, welche bic unbebingte 



Önthaltfamtett »om ehelichen ?eben $ric« 
ftern, 25iatoneu unb ©ubbtafonen »or* 
färieben unb ©erheiratete nur nach abge« 
legtem ©cliibbe ber Äeuftbeit 3U biefen 
©raben ju orbinieren erlaubten. 3)ie 
weltliche ®cfetja,ebung betätigte biefc ©e» 
ftimmungen mtt bem Bufafc, taß Q\)en 
ber Äleritcr ber hüberen Seib.cn nac$ i^rer 
Crbinatiou al« nichtig unb bie au« folgen 
entfbroffenen Äinber al« uncb^eli^ ju be« 
I trauten feien. (Sbenfo War aut$ im SDior» 
genlanbe bie ©efe^gebung 3u^inian« L 
ber ^ßricficrcb.c bnr^au« ungünftig. 3m 
gciftlid^cn Slmte ju b.ciratl?en, war »om 
@ubbiafon aufwärt« unterfagt ; fdjon ©er« 
betratlj ete würben jcbot^i bi« jur Scibe be« 
^Jre«bvtcr« jugelaffen, unb erft bie Orbi* 
nation jum ^ifebof war bureb^ @b.eloftgfeit 
bebingt. Sei biefen ©a^ungen, welche ba« 
Xruflanitye Äonjil 692 betätigte, blieb 
ba« griccbn.te .niv^cnvc^r fteb^en. 

3n ber 1 a t c i n i f dj e n Äir<$ e bagegen 
würben bie alten SJerorbnungcn wiber 
bic ^riefterebe jwar immer auf« 9ieuc 
unb befonber« feit bem ^ontififate t'eo« IX. 
(1048—54) febr nac^brUdlttb wieberl?olt, 
aber tiMtiädüut) brangen bie (Sb*(tbat«ge« 
fetje fo wenia burc^, baß e« in allen ?än* 
beru unb felbft unter ben 9lugen be« 
^ßabfte« biete oer^eiratbetc ^rieficr gab. 
\ Grft ©regor VII. b^at ba«, im Bufammen« 
j b^ang mit feinem ^rinjib ber So«trennung 
I ber Äirt^e oon jeber weltlicben 2fta$t, fo» 
wie jur Serb.litung ber Vererbung ber 
1 Äir(henämter fern vatcr auf ben ©obn 
1074 auf einer 2tw p be ju SRom erlaffenc, 
2)efret, baß jeber beweibte ^rießer, ber 
ba« ©aframent oerwalte, ebenfo wie ber 
ülaie, welcb,ei - au« ber §anb eine« fold)cn 
ba« ©aframeut empfange, mit bem 3?ann 
beüraft werben foüe, ungeaebtet be« fyt\ti$- 
ften SBibcrfianbe«, befonber« auf ©eiten be« 
nieberen Äleru«, in SBolljug gefegt. (Salir« 
tu« II. 1119 unb 1123 unb 3nnocenj II. 
1139 erflärten fämtlid^c ^riefterehen 
überhaupt für ungültig. Xa« frätere ta« 
nonifebe SRecht t)at btefe ©eftimmungen 
ju Wieberholten SWalen beftätigt, unb ber 
oon einem Atarbinal auf bem Äonftanjer 
Äcnui gemaebte ©orfchlag ber Sieberetn« 
führung ber ^riefterehe, fowie bic felbft 
r>on fatholifchen dürften au«gehcnben ©e« 
i mühungen, ba« Sribentinifche Äonjil jur 
1 Aufhebung be« Sölibat« ju bewegen, hatten 
nur bie 2kftätigung ber älteren ®eftim- 
mungen jur $el$t. Xit je^t beftehenbe 
1 Xi«jtp(itt hinfichtdch be« <£b*libat« in ber 
r'dmifch'fatholifchen Äircbe ift mithin im 
©efentlichen folgenbe: (Sine »erheiratete 
Herfen tann nicht orbiniert werben, benn 



Digitized by Google 



GiMibat — Collegia nationalia ober pontificia. 147 



tie ö^c ift unauflöslich unb bccty mit 
einem bet)eren geifilicben ©rabe unterein« 
bar. Sine ftufcnabme tritt nur bann ein, 
wenn ftc$ bie ^rau bereit erflärt, in« 
Äloftcr )u flehen. Schließt ein böserer 
Älerifer bennocb eine »Sbe, fo ift biefelbe 
gcfefclicb nichtig. Xtn ©eifllicbeu trifft 
3ugleicb bie (Srfommunifation unb Su«« 
penfion. $$enn ein Älerifer nieberen ©ra- 
be« (minoris ordinis) bfiratbet, fo ift bie 
ton ibm gefcbloffene (5b< tfrar flülti^, aber 
ftunftion unb Wriinbe (officium et bene- 
ficium) feilen ifcm entjoaen werben. 3n 
neuerer $eit würben Petitionen um "Äuf» 
Hebung be« (Sölibat« wieberbolt ton ter« 
fdnebenen 'Seiten, unter anberu an bie 
Kammern in ©aben, Reffen, ©atyern, Sacb- 
fen unb in anberen i'änbern , gerichtet, 
blieben aber obne ©irfuug. Selbft ber 
Söunfcb, bafj ^riefter in ben Üaienftanb 
juriidtreten bürften, fanb fein ©efjbr. 
©regor XVI. erflärte ftcb in einem Umlauf» 
fcfjretben tom 15. 9luguft 1832 unb in einem 
ttrlafj an bie eberrbeinifebe Äirebenprotini 
tom 4. Oft. 1833 auf« (Sntfdnebenfte gegen 
alle berartigen ©eflrebungen. 

3n ber g r i e cb i f d) e n Äircbe gelten 
nod) bie alten ©efefce. 35ie ©eiftlicben ber 
laberen ©rabe bürfen nach erbaltener 
SSeifje niebt ^eirat^en. Xa aber bereit« 
©erheiratete orbiniert werben fonnen, fo 
ift e« Dbfertan; geworben, bafj ieber an» 
geb.enbe ©eiftliche für? tor bem ßmpfang 
ber JBeibe jur <5be freitet. 3)ie uteite 
Gbe unb bie mit einer ffiitwe fcbliefjen 
tom geiftlicbeu 2lmte au«. Xie ©ifebiffe 
milffen ftet« efcelo« gewefen fein unb »er- 
ben bab.er regelmäßig au« bem iifönch«« 
ftanbe gewählt. 

Sit etangelifebe ftirebe f^at nacb , 
ihrem ©runbprtnjip ber f*|rei^eit fogleicb ' 
ton Anfang an ihre ©eiftlicben von ber ! 
©erpfliebtung jum (E. befreit. Schon efje j 
?utber in ben Schriften „91n ben d>rif> [ 
lieben Ubel beutfeb/r Nation ton be« c^rtfl- 
liefen Stanbe« ©efferuug" unb ,,©on ber 
babölonifcben ©efangenfebaft ber Äircbe" 
1520 ftcb über bie äuläfftgfeit ber ^riefter« 
ebe au«gefprocben batte, festen fid^ einige 
feiner Anhänger unter ben ©ciftlid)en Uber i 
ba« (Sölibategefcfc hinweg, unb ?utljer | 
felbft maebte 1525 ton ber etangelifeben I 
Freiheit ©ebraudj. 2)ie fbmbolifd?en 
«lieber unb bie ftirebenorbnungen beftäti- 
gen allgemein bie 3ulöffigfeit ber ^riefter* i 
eb. e. ©rgl. 21nt. unb &ug. X h e i n e r , 
Die (Einführung ber erzwungenen Gbe« I 
loftgfeit bei ben d)rift(id)eu ©eiftlicben (2. ! 
flueg. 1845, 2 ©be): t. $oll}enb orf f , 
2>er ^rieftercölibat (1875); t. Schulte, 



2)er <Si51ibat«)Wang unb beffen Aufhebung 
(1876); ?aurin, 3)er €. ber ©eiftlicben 
nach fanonifdjem Stecbt (1880); 2Ro«ler, 
„Hur ©efch. be« Zölibat« befonber« ber 
erften ebriftlicben 3ahrbunberte (1878); 
X a l e , The synod of Elvira and Chri- 
stian life in the 4. Cent (1882). t. 

l^olignu, ©a«parb oou, fran^bfifc^er 
9fbmiral unb 2Wärtt)rer ber Deformation«- 
jeit, geb. auf bem toäterlicben Scbloffe 
Sbatillon 16. ^ebr. 1519, a(« ©o^n be« 
^RarfcbaQ« ©a«parb oon (E. unb ber Souife 
ton v JDiontmorcncb , ber Scfcweftcr beö # 
(Sonn^table. $11« fein älterer ©ruber ben 
Purpur erhielt, würbe (S. ba« §aupt ber 
^amilie; ber leichtlebige parifer $>of fonnte 
bem au ib.m Weilenben Jüngling bei feinem 
energifcfjen (Sbarafter nicb.t« angaben, grüb. 
für bie militärifebe Saufbabu fief» cnt> 
fcfjeibenb, jeiebnete er ftc^ in ben fcerfeitnebeuen, 
r?on ^ranfreieb geführten, Kriegen fo au«, 
bafj er ton §einrirfj II. 1547 ;um ©eneral» 
fapitän be« ^ufjtolfe« unb 1552 $um 
?lbmiral ernannt würbe. 3n ^olge ber 
(Srftürmung ton »St Ouentin 1557 in 
©efangenfepaft ber Spanier geraten, la« 
er fleifjig bie, ib^m ton feinem ©ruber ftxani, 
^erjog ton Snbelot, einem 3Inb.änger ber 
etangelifeben üefyre, überfanbten, reformato» 
itnlicn Schriften unb trat mit (Saltin in 
©riefwecbfel. 35ie SWotite feine« lieber- 
tritte« jur etangelifeben .uiretc finb noch 
nid)t tbüig aufgeflärt. Seit 1559 war 
(5. neben ?ubwig ton Conbe* ber ^ertor« 
ragenbfte ftil&rer ber Hugenotten (f. b.), 
beren Scbidfale er bi« jur «ataftropbe ber 
©artb.olomäuflnacbt tb. eilte; in berfclben (23. 
auf ben 24. 9tug. 1572) würbe d. ermorbet. 
$rgl. Selaborbe, 6. de C. (1879—82, 
3 ©be.) ; © e r f i e r , C. avant loa guerres 
de religion (1884, beutfeb ton ßbrarb 
1885); ©uet, L'amiral de C. et les 
guerres de religion (1884). z. 

Collegin nationalia ober pontificia 
(lat), ftofterartige Xnftalten jur tlu«bilbung 
ton 3ünglingen jum ftootm ber Söieber» 
gewinnung ber 9fatf;olifen in ben $eimat* 
länberu jener. 2)a« erfte berartige ÄoU 
tegium warb für 2>eutfdt)fanb ton 3gnaj 
ton Sotjola 1552 in 9com geftiftet; btefc« 
fogen. Collegium Germanicum führte aber 
balb nur noch tin filmmeriiebe« Xafetn, 
würbe bann 1573 ton ©regor XIII. einer 
Deugeftattung unterworfen, fowie ton bem> 
felben al« ©orbilb bei ber ©rünbung äb^n» 
lieber 3nftitute in 9fom, wie l. ©. eine« 
grieefnfeben (1577), eine« englifc^en (1579), 
eine« marouitifehen (1584), eine« iüprifeben 
nnb eine« ungarifeben Äollegium« (1577), 
welche« jeboeb 1584 mit bem Collegium 

10* 



Digitized by Google 



148 



Collegia pietatis — (Kolumba. 



Germanicum oereinigt würbe, benufct 
werben. 3 U * tn e ^ en genannten Slnflalten 
fügten Cfcmen« VIII. unb ©regor XV. 
KM »eitere, jener 1600 ein fdjottifcbe«, 
biefer 1628 unter anberen ein •irifdp« 
Sottegium, bimu. Me biefe Sollegten 
fielen feit 1622 unter beut ^rotettorat 
ber Kongregation de Propaganda fide. 
€ ttopapnba. 1 a bie Sllumnen ibre ?lu«* 
bilbung lebiglicb unter Leitung ber 3efuiten 
empfangen, ftnb fie fpäter al« ©etftlidje 
bei ibrer 9tüdte$r in bie $eimat in ber 
•Siegel bie gefügigen ©erzeuge be« Ultra» 
ntontam«muS unb ber jefuitif<$en 8er» 
fefcerung }>atriotifd; bentenber SWänner. 
Earum würben bie 3«Jglinge be« Col- 
legium Germanicum oon ber Slnfieltung 
al« ©eifttid>e in Greußen burdj ba« ©efefc 
»om 11. üttai 1873, Welche« ein breijä> 
rige« ©tubium auf einer beutfdjen ©taat«» 
unioerfttät forbert, au«gefd>loffen. 3ebod> 
würbe bereit« burdj ba« ©efefc oom 31. 3J?ai 
1882 ber SKinifier ber geiftlicben «nge. 
legenbeiten ermäebtigt, oon ber lefctgenann« 
ten 8efttmmung ju biepenfteren, nnb an 
biefer fdnoerwiegenben eratSdjtigung bat 
aud> ba«, bie ©eminarbtlbung ber ©eift« 
lieben freigebenbe, ©eiefc oom 21. SDtai 
1886 niebt« geänbert. 8ergl. O. 2R c j e r , 
Sie ^ßrobaganba (1. 8b. 1852). z. 

Collegia pietatis i . it.), 3ufammen« 
fünfte ?u gememfamer änbaebt, berglcicben 
Wtiipp 3afob ©oener (f. b.), bamal« 
©enior ber ©eiftlidjfeit ju ^ranffurt a. Tl., 
1670 in feinem $aitfe einrichtete, z. 

Collegium Germanicum dat.), f. 

Collojfi» nutionalia. 

0 ollen buid), Samuel, SWbfHfcr unb 
<ßietift, geb. 1724 ju Süicblingbaufen bei 
»armen, lebte al« braftiidjer «rjt werft 
in Duisburg, feit 1784 in ©armen, wo er 
1803 ftarb. 8on ©eburt Sutberaner, bat 
er bie Stätte feiner ©irffamfeit in ber 
reformierten Äivcbe gefunben, wo er, ein 
anbänger unb 8ewunbcrer 8engcl« unb 
Geringer«, eine ©ruObe oon ^ietiften, m 
jener 8cobacbtung ber ©tufen unb $ort= 
fdjrttte ber Heiligung jurüdfübrtc, wofür 
ber ^icti«mufl fid) oon $>aufe au« inter= 
ejftert batte. Subem er bann bie 8iftonen 
unb Offenbarungen ber Eorotbea ©Upper» 
mann al« untrüglicbe Gntbüüungen über 
bie anbere ©elt glaubig annabm, bilbete 
er tieft ein eigene« gtfttm, loeldje« mit 
bem firdjlidjen ?ebrbegriff auf gekanntem 
ftufje ftanb. Dtad) feiner ^uffaffung ifi 
bie Grbfünbe niebt mit einer (scbulb be» 
baftet, fenbern ein Sdjaben, an bem nur 
bie Stammeltern fdmlbig ftnb, ein Unrecht« 
leiben aller >Dcenfcbcn btireb flbam. 2)icfen 



©cbabeu 3U erfeljen, biefe« Unredjtleiben ju 
Oergüten, fei ber anbere Äbam, (Sbriftu«, 
berufen, ber nidjt burdj feinen lob, fon» 
bem burdj feinen ootttommenen ©eborfam 
©ott oerfebnte, unb ber in bie ©laubigen 
feinen beiligen ©eift fenft, we(d)er fte, oon 
einer ©rufe mr anberen füt)renb, heilig 
unb bcnrlid) madn\ 3 U feinen Slnbä'ngern 
geborten bie ©ebrüber §afenfamr unb 
iDienfen (f. b.). 2)ie Äottenbufcbianer, bie 
im jülicbfcben unb bergifeben Vanbe jabl» 
reieb ftnb, balten fieb) an bie .Utrrtu-, Oer* 
barren aber bei ber ibrem ?ebrer eigen» 
tümlid?en Verwerfung ber Üebren oon ber 
©trafgenugtb^uung tihnm unb oon ber 
^rä'bejtination. ©eine religiiffen Slnficbten 
legte (£. nieber in ber „erfiärung biblifeber 
©ableiten" (1807 f.). »rgl. Ärug, 
2)ie 2ebre be« I>r. S. nebft oerwanbten 
»iebtungen (1846) ; 2) e r f e l b e , Äritifcbe 
©efebid^te ber broteft. ©cbnjä'rmerei :c. im 
©ro6b- ®trg (1B51); «u« (Sollenbufcb« 
Xagebud? (2. Bufl. 1883); KitfAI, ©e- 
idnebte be« «pietiömu« (1. 8b. 1880). z. 

CTölln, Daniel ©eorg Qonrab 
oon, eoangelifeber 2^eolog, geb. ju Oeding* 
baufen in Sibbe - 3)etmolb 21. 25ej. 1788, 
ftubierte Üb«plogie iu Harburg, Bübingen 
unb ©öttingen, habilitierte ftd) in ÜRar- 
burg, wofelbfl er 1816 außerorbentlidjer 
^ßrofeffer an ber tbeologifcb^en $afultät 
Würbe. (5. folgte 1818 einem SRufe al« 
orbentlid»er ^rofeffor ber Xb"fogic u«* 
8re«lau, würbe bafelbft 1829 tonftftorial- 
ratb unb ftarb 1833. Um einer Oon ibm 
gefürebteten Vergewaltigung ber ?ebrfreibett 
Möoruifommen, oeröffentlicbte <E. cjemeinfam 
mit Saoib r*n:; bie @d?rift „lieber 
tbeologifebe i*ebrfreibeit auf ben et-augclifcben 
Unioerfitäten unb beren 8efd?ränfung bureb 
fttmbolifcbe 8üd)er" (2. «ufl., 1830). «Sein 
£au»twerf ifi bie oon Eaoib @tt)ulj 
berauegegebene „8iblifd>e 2:b«o^9"" (1836, 
2 8be.). z. 

©otoman, €d>otte, warb 1012 auf 
einer Steife nadj 3erufalem ju ©toderau 
! in Defterreicb oom ^bbel al« flawifeber 
: Äunbfcbafter aufgebängt. <2ein Jeicbnam 
blieb unoerweft unb würbe baber 1015 
nacb s £h\l gebraebt, wo <£. al« ein £anbe«< 
! batron Ccfterreicb« oerebrt wirb, ©ein 
| Sag ifi ber 13. Cftober. a. 

Kolumba, ber Slooftel ©cbottlanb«, 
I 521 in 3rlanb geboren, grünbete bafelbft 
I ba« Älcfter 2)earmacb, befa)loß 565 (563), 
al« er obne ©runb auf einer ©pnobe 
erfommuni^iert werben war, mit 12 veebü« 
j lern nad? Sdicttlanb ju geben. 91uf ber 
t ^ebi-ibeninfcl £ö (3oWa) grünbete er ein 
' Mlofter, oon bem au« er ganj ©d;ottlanb 



Digitized by Google 



(iotumbanu* — Commemoratio omnium defunctorum. 149 



befehrte. 9U« Vlbt be« äloftcr« $b flanb | 
er nid)t bloß {amtlichen Älöftcrn in ©cbott« 
lanb, fenbern btr ganjen falebonifchen 
Äircbc bi* ju feinem lobe (597) oor. ©rgl. 
©tene, Celtic Scotland (2. Söb. 1877); 
II. Sooft, Antiquae Britonum, Scoto- 
rumque ecclesiae quales füerint mores 
(1882); «. ©elle«benn, ©efcbtchte ber 
fatbcltfAen Jtircbe in ©djottlanb (1. 8b. 
1883). z. 

Golumbanufc, ©eiliger, einer ber ä'lte» 
ften ftr-oftel be« Gbrifttntum« bei ben Ger- 
manen, würbe um 540, na* «nberen um 
550, in bem irlänbifeben Diftrift ?einfter 
(Lagenorum terra) geboren, warb Wind) 
be« irifeben Älofter« ©anfor, begab ftd) um 
583, nadj Hnberen 590, mit jwblf Äflofler- 
brttbern nad) ©urgunb, um unter ben 
ftranfen al« Styoflel ber mönebifchen ÄS» 
fefe ju wirfen unb grünbete bier bie Älöftcr 
Unagrate« CÄncgraio), fiuxobium (fiureuil) 
fowie gontaine«. ©eine jweitheilige 9tegcl 
mar ursprünglich fowobt in ibren ftorbe- 
rungen al« au* in ihren r trafen weit 
ftrenger al« bie be« beit. ©enebift, welcber 
fte fbäter freiliefe gam weisen mußte. 
SÄud; in feinem ©ußbuebe, welche« in ber 
auf un« gefommenen ©eftalt nicht in aüen 
feinen ©eftanbtbetlen auf ihn jurüdjufübren 
ift, mar <2L befirebt, für bie fcelforgerifcbe 
©cbanblung aller ©ttnben, felbfl ber @e» 
bantenfiinben , bestimmte formen feflju» 
Retten. 2)ifferenjen mit ber berüchtigten 
©runhtlbe hatten jur golge, baß man ihn 
610 nac^ ftante« führte, um ibn nad) 3r- 
laut ernjufeb/iffen: (£. aber flcb unb begab 
ftcb ju (Sblotar II., Äönig »on Steufrrten, 
fbäter ju Sfeeobebert, ÄBnig ton Hufttaften, 
jog bann mit ©chülern, unter meldben 
©aüu« (f. b ) hervorragte, ben Wbein fein* 
auf, tief in ba« ?anb ber Alemannen hinein, 
unb ließ ftdj enblich in ©regen» nieber, 
»on wo au« er mit ©aüu« fem SÖltffton«- 
gefebäft betrieb. Um 613 begab ftd) C. in 
bie ?ombarbei, wo feine wutttgfte ©tiftuna 
ba« ftlofter ©obbio würbe, in bem er 615 
ftarb. ©ein ©ebächrm«tag ift ber 21. «Ro« 
»ember. $ie bem <E. jugefebriebenen „In- 
8tractiones s. sermones ad monachos" 
ftnb uned)t. ©rgl. Hertel in ber „Reit« 
fdjrift für hiftorifche Tfyoloait" (1875); 
? o o f « , Antiquae Britonum Scotorumque 
ecclesiae quales fuerint mores (1882); 
©ebaß, lieber (£. t>on 2u$euil« Älofler- 
regel unb ©ufjbncb (1883); SDerfelbe, 
in ber ^Bettftbrtft für «. (1886); 
©d)mifc, im „Brd?iö für fatbot. «ireben» 
recht" (1888); Saud, Ä. ®. EeutfcbTanb« 
(1 ©b. 1887). z. 

Gomba, (Smilio, ©a(benfer»2:h«oIog, 



geboren in ©an ©ermano (in ber luriner 
^rooinj) 31. «ua. 1839, fhibierte Xbeo« 
legie ju Xorre * $efliee unb ©enf. Wach« 
bem <S. 1863 bie Orbination erbalten 
hatte, mürbe er (5t»angetift in Perugia, 
^Icfta, ^Ja^ia, ©uafiaua unb ©enebig. 
1872 folgte er einem 9tufc at« 9Jrofcffor 
ber Äivrbengefebicbte unb ^omtlctir an ba« 
thcoIogifd)e ©eminar ber SBalbenfer in 
ijtorenj. (£. terfapte: „Valdo ed i Val- 
desi aranti la riforma" (1880); n Storia 
dei marüri della riforma italiana" f 1879 
— 1881, 2 ©be.); „Storia della ritorma 
in Italia- (1. ©b. 1881); .11 nomeVal- 
dese esaminato alla luce della storia 
valdese" (1884); „Histoire des Vaudois 
d'Italie' (1. ©b. 1887). ©on 1873 — 
1888 gab er mit © ep m o n a t unb & e o e 1 
bie tfceologifd) • miffenfthaftliche 3 e *tfcbrift 
B La rivista cristiana - hevau« unb ließ 
feit 1883 in feiner „Biblioteca della 
riforma Italiana" gebruefte, aber feiten 
geworbene, fowie bi«{er ungebruefte @d)rif» 
ten ber ttaüenifcben 9ieformatoren er- 
fd?einen. z. 

€otnentu0 (latiniftert au« Äomen«fb), 
Johann 2tmo«, ber lefcte ©tfcbof ber 
«Dcährifchen ©rüber (f. b.), geb. 1592 »u 
Witonifc in 3Ȋ'hren, ftubierte feit 1611 in 
$erborn unb ^eibelberg Rheologie, würbe 
1616 orbiniert. 1622 wäbrenb ber ©er« 
folgung ©on feiner Pfarrei ^ulnet »er« 
trieben, lebte er theil« auf ben ©ebirgSfchlbf' 
fern be« ma'hrifchen 9lbel«, theil« in geheimen 
©erfleden, bon wo au« er feine ©lauben«' 
genoffen burch ^errtieb« 1roftfchriften(„?abh« 
rinth ber 2Belt unb <Parabie« be« $erjen«") 
ftärtte ; 1628 mußte er nach ^olen flüch- 
ten, übernahm hi« bi« Seitung be« ©hm» 
naftum« ju ?iffa, würbe al« ber au«ge» 
jeid)netfte ©chulmann feiner ßeit 1642 
nach (Snglanb unb balb barauf nad) 
©ehweben berufen; 1648 würbe er ©ifd»of 
ber ©rübergemeinbe ju 8iffa, toon wo er 
fid) 1656, burd) bie ^ßolen »ertrieben, nad) 
Stmflerbam begab. §ier ftarb €. 1670. 
Unter feinen religibfen ©ebriften ift bie 
berühmtefte bie, welche er „ünum necessa- 
rium« betitelt h«t. ©rgl. Äleinert, in 
ben w @tub. unb flrit." (1878); t>. (£ri<- 
gern, 3. «. C. al« Shcolog (1881). z. 

Coemeterium (lat., t>. gried). koime- 
terion. „©chlaf«, ^cuhefta'tte") , ©otte«« 
aefer, ^riebhof, namentlich auch ©egräbni«« 
ftatte in ben Äatafomben (f. b.) 9com«. 
2)aioon ba« franjb*ftfche Cimetiere. h. 

Commemoratio omninm deftinc- 
törnm (Commemoratio omnium fide- 
lium, lat.), f. ö. w. geft atter ©eelen; 
f. saerfetlen. h. 



Digitized by Google 



150 Commemoratio oniniuni Sanctorum — ßbnobiten. 



Commemoratio omnium Sancto- 
rum (tat.)/ f. e. w. W aller ^eiligen; 
f. JUIetftciligen. h. 

(Sommer, (Srnft, fattyeliföer £beo>- 
log, geb. 1847 ju ©erlitt, ftubierte in 
Berlin, Sonn unb ©bttmgen 3uri«torubenj, 
würbe SÄeferenbar am Äönigl. Äammer» 
geriet ju Berlin, ftubierte barauf tyte- 
legie in Bübingen unb Söürjburg, würbe 
Äatolan unb 8teltgion«lebrcr am ©»mnafium 
3U $>irftbberg in ©cbleften, barauf SHetetent 
am Seminare in 9tegen«burg, 1877 <pro» 
feffor ber s Jtyilofotolne am ©t. (Sbwarb« 
Soüege in Sioertoool, 1884 außerorbentlic^cr 
^refeffor ber Ideologie an ber ftfabemic 
in fünfter, 1888 orbentlüber ^refeffor 
ber 3:i?€elcgte in 58re«lau. (£. toerfaßte: 
„25ie Äatb,olijität nacb, bem beil. 2lugu= 
ftinu«" (1873); „25ie totMlofe&biföe ©iffett» 
febaft" (1882); „©toftem ber Wilofot-bie" 
(1883 — 86, 4 93bc.); „Älängc au« beut 
beben i'iebe" (1883); „35a« Heine Gngel» 
bueb/' (1886). ©eit 1886 gibt <5. ba« 
„3al>rbiub für ^bilofeto^tc unb ftctulatioe 
Ideologie" b,erau«. %. 

Common Prayer Book (engl., fpr. 
lOmm'n prä'r bud) , bte engtifetyc Äircbcn« 
agenbc, weldje 1549 öon einer, au« ben 
toentebmften iBifcbb'feu unb Sinologen bc= 
fteljenben, Äommiffton unter Cranmer (f. b.) 
jufammengeftellt warb unb bureb ba« Parla- 
ment ©efefee«fraft erhielt. J a fte ftd) in 
btefem ibrem erften entwürfe noety febr an 
bte rtfmifdje fiturgie anfcb>ß, fo erftbien 
1552 eine tftetoifton, Welche ben eöangclifcben 
Srhutyien mein* 9fecbnung trug, unb 1559 
eine foUbe, mit ber ftcb fo jiemlirb aüe 
9ieligicn«parteten cintoerftanben erflärten. 
©täter aber nahmen bie ©tuart« au« 
eigener 2Rac$ttooflfommenb ; eit mebrere 3$er* 
änberungen in b.ocbfircb,licbem <©inne mit 
bem C. P. B. toor. 2)ie Biernfton oen 1662 
erhielt bie Seftätigung toon ©eiten be« ^ßar« j 
lament« unb ift noeb, beute im ganjen 33e» 
reiebe ber englifdjeu Jperrfcbaft aüentbalben 
normgebenb, naa)bem fte 1872 eine lefete 
»erbefferung erfahren. ©.«naiitanifctKÄtr^c. 
3*rgl. parter, The first Prayer Book 
of Edward VI. (1876); pecoef, Prin- 
ciples of the Reformation shown to be in 
contradiction to the Book of Common 
Prayer (1876); Eerfelbe, Troubles 
connected with the P. B. of 1549 (1884) ; 
2>aniel, The Prayer Book, its history 
and contents (1879) ; © u 1 1 1 e r , History 
of the Book of C. P. (1880); Slunt, 
The annoted B. of C. P. , being an 
bistorical, ritual and thoological commen- 
tary (neue 31u«g. 1885). a. 



Comnranicatio idiomatnm (lat.), 

f. ^riftologie. 

Compelle illt rare, f. Coge intnre. 

(Sorna of/tcla, SRttterorbeu »on ©an 
3ago be <5. <S. (jufammengejogen au« 
©iacomo ^ßoftolo = 3alobu« HOofte!) ift 
ber Warne einer fpanifeben ©tabt, rcelc^e 
gemäß ber ©age, baß tytv Oafobit« ber 
»eitere ben SDtärttorertob erlitten b^be, ftcb 
rübmt, bie, 1884 »on 2eo XIII. burd? ein 
„apoftolifebe« ©tbreiben" für unjweifelbaft 
echt ertlärten, ©cbeine biefe« fltooftel« ju 
befttjen, unb in geige beffen nädbft 3crufalem 
unb 9tem ber befueb. tefic ©allfabrt«ort im 
SWittelalter würbe. 3um ©ebufe ber pilger 
warb 1161 toon S|3ebro gernanbej ber 
9iitterorben t>cn ©an 3ago be (J. gc» 
grünbet; berfelbe ift 1835 in einen weit- 
litten ©erbienftorben umgeteanbelt werben. 
$rgl. (£biat>^elli, Studii di antica 
letteratura cristiana ( Xnriu 1887). z. 

Coena domini (Coena dominica, 
lat.), f. to. h\ 21benbmabl; aueb (ftrün» 
bonner«tag, a(« ©cbaa) tnistag be«felben. h. 

Conceptio beatae Mariae (Vir- 
ginia, lat.), f. Warienfefte. 

Conciliabnlum (lat.), ©ammelbla^, 
CerfammlungSort; aueb f. to. w. 9)iartt» 
flecfen; aud> eine beimlicbe, unrechtmäßige 
SJcrfammlung, namentlich eine ftcb al« 
Äircbenfenjil gebärbenbe. z. 

ConcniMis divinus (lat., „gbttltcbe« 
aWitwirfen"), f. Srtjaintnfl b« ©dt. 

Confessor (lat., ,,S?efenner w ), Gbrcn^ 
benenttung für biejenigen C^riften, »veltbe 
mäbjenb ber Verfolgungen ib^ren ©lauben 
ftanbbaft befannt b.atten, aber, im ©egen« 
fatje ju ben SDZärrörern, mit bem flebeu 
baoongefommen waren, z. 
ConfltSor (lat.), f. Wcffc. 
( 'onfessio Augustana, t. «ug*butaifd)t 
Äonfeffton; C. Belgica, f. »«tflif^e Äonfcffion; 
C. Bohemica, f. deeformation ($i3f)tnen); C. 
i Gallicana , f. $iiBrnottrn ; C. Hungarica 
(Czengeriana) , f. Deformation (Unflorn); C. 
Hafnica, f. 9trfonnation (Tancmor!); C. Sa- 

xonica (Repetitio confessionis augusta- 

nae Saxonica), f. «ug«bur9ifcb.e Äonfcffion; 
C Scotica, f. e^ottifdjc üHrdje ; C. Tetra- 
politana. f. Tetrapolitana. 

Conformers (Äonf ormiften), bie- 
jenigen ^rotefianten in (Snglanb, welche 
ftcb mit ben unter ölifabetb. aufgehellten 
39 Strtifeln ber ^ocbKrcbe eiutoerftanben 
erflärten. Xit biefe Srftärung toerweiger« 
ten, bießen 9i on Ion f ormiften. ©. «natu 

f anifebe Sirdjc. z. 

ßonobiten (grieeb. Äoinobiten, „in 
(?emeinfcbaft ?ebenbe")/ im 4. 3afyrb. bie 
juerft in 3legtobten in einem Älofter 3u» 



Digitized by Google 



Coenobium — Consilia evangeliea. 



151 



fammenlebeuben SDtöncf/e, jum Untertrieb 
ton ben 2lnacbereten. €. Ifntoniue, «lofta 
unb ilnaajoretcn. z. 

Coenobium (lat.), Ort jum gemein» 
fa)aftlicben Sieben; ba^er Älefter. *. 

©onfatüi, Örcole, £taat«fcfretär <piu« 
VII., geb. 8. 3uni 1757 ju 9iom, trat 
1776 in bie Academia ccclesiastica, 
rotbmete ftcb. b.ier bi« 1781 bem Stubium 
ber Ib e °i°fl> c unb 3uri«brubenj, nntrbe, 
nacbbem er terfcbiebene, mebr untergeorb» 
netc Stellungen innegehabt, 1792 Slubitor 
an ber 9tota. SDtit ber Cberaufftcl)t über 
ba« ba>fUicbe §eer 1797 betraut, rcurte 
er 1798 ton ben ftegreici)en ftranjofen in 
ba« ©efättgni« gemorfen. Mach bem £obe 
$iu« VI. (f b ) betbeiligtc er ftcb. 1800 an 
ber ffiabl ?iu« VII. (f. b.) in beliebig, 
unb jmar al« ©efretär be« Äenflate«; 
<ßiu« VII. erbeb ibn fcfort jum Marbinal 
unb gu feinem <2taat«fefrctär, in welcher 
©teüung er berblieb, bi« Mabolen I. ben 
-Jiabft 1806 nbrigte, ibn au« feinem Xienft 
ju entlaffen. Wach ber Gkfangennabme 
fyiu« VII. roarb <£. tom Äaifer 1810 nach 
^arie befcbieben unb balb barauf in bie 
Verbannung nach Steint« gefcbicft. (Sben 
au« ber $aft entlaffen, mürbe er auf ben 
Befehl Napoleon I. mieberum — unb 
jtoar in Bejiere« — interniert. (Sine bei 
erften ü^aten be« au« ber (^efangenfebaft 
nach 3tom jurüeffebrenben ^atfte« mar 
1814 bie, baß er (£. bon Beuern )um 
©taat«fetretär ernannte. Sil« foldjer war 
er bi« jum Xobc $iu« VII. (1823) unab« 
lä'fftg bemübt, bemÄirchenftaate — infonber* 
beit auf bem SÖiener Kongreß — feine 
alten ©renjen, foroie bem Oberbaubte ber 
latbciini'i'tt Atircbe — burd) bie terfebiebe* 
nen, bon ibm gefd)loffencn itonforbate (f. b.) 
— bie berlerett gegangenen ÜRecbte roieber* 
jugeben. ©ein ©treben, Orbnung in bie 
Bermaltung be« Äircbenftaatf« ju bringen, 
unb ba« bon ibm ju biefem P>totd 1816 
abgearbeitete @runbgefe&, ba« fegen. 
Motu proprio, jogen ibm ben $aß ber 
übereifrigen, ftarrfonfertatiten Äarbinäle, 
ber fog. 3<l«uti, ju. <S. ftarb 1824. Brgl. 
9t ante, 2>ie @taat«bermaltung be« Äar 
binal« (j., in ben ,,$ifterifc&>biograbt)ifrten 
trübten" (1877); Wieifen, 35ie 9t»mif*e 
Äircbe im 19. 3ahrh- (Bb. 1878); Brofch, 
©efd?. be« Äirc&enfiaate« (2. Bb. 1882). z. 

Consensus (lat.), Ucbcreinftimmung, 
Ueberetnfunft bei bogmatifchen ©treitig« 
feiten, baher aud) Ittel ber betreffenben 
Urfunben unb ©ebriften. 2)abin get)ärt 
ber bet)uf« einer Bereinigung ber aug«« 
burgifeben, BB^mifc^eit unb beltettfcben fcon- 
feffton«ber»anbten ber J>ointfchen ^Jrobtnjen 



I ju ©enbomir bereinbarte C. Sc n dorn i- 
riensis 1570 (über bie ?ebren ton ber 
SJtenftbmerbung ©brifti unb t?om ÄbenbmabI)- 
Onnerbalb ber reformierten Mircbe 
ftnb mebrere C. abgefaßt worben, fo: ber 
C. Tigurinus ton 1549, meiner, toon 
(Jaloin in 26 Brtifeln über bie ?ebre bom 
HbenbmabI aufgefegt, »on ©uüinger ge« 
billigt, jmiftben bem Sminglifcben unb ($aU 
»inif<ben Jebrbegriff ju »ermitteln fudbte, 
aber nie große« Änfeben erbalten b«t ; ber 
C. G e n e v e n s i 8 (C. pastorum), ber, eben« 
fall« ton (Sal&in 1552 abgefaßt, bie ^Jra. 
beftination«lebre im ftreng Salvinifcben 
Öinn entbält, inbeffen »cn leiten ber an* 
beren febweijertfeben Älirtben feine offtjieüe 
2lnnab,me gefunben tfat\ ber C. Helveti- 
cus (Formula C. Helvetica), »erfaßt 1674 
oon 3. ^eibegger unb J^ranj Üurretin, 
, ^3rofefforen in Bürtcb unb ©enf, unb be« 
fonber« gegen Slmbrault« (f. b.) i'cbre bon ber 
allgemeinen ©ttabc in 26 Slrtifeln gerietet, 
1675 unb 1676 in ber Äcbweij eingefübrt, 
aber infolge be« fBtberftrucb*, roelcber in 
Murbranbenburg unb in (Snglanb, ja felbft 
in ber ^(bweij baaegen erbeben trarb, int 
^eginu be« 18. Sabrb- trieber um fein 
j fbntboliftbe« ?lufeben gebraut. 3nucrb^alb 
ber lutberifeben Äirn)e famett ju- 
ftanbe: ber C. Dresdensis »en 1571, ba» 
$lauben«befenntni« ber furfürftlicb faebfi- 
feben Ideologen in ben, ber flnnabme ber 
.Honforbienfermel terangebenben, Berbanb* 
lungen, reurbe oen ben ftrengett i'utbe« 
ranern alfl frtibtecalbiniftiftb b<fttg befebbet; 
ferner ber C. repetitus fidei vere 
jLutheranae, bie gegen Calirt bon 
i ben 2öittenberger Ibcolcgen 1655 aufge- 
fegte $ereinigung«ferme(, meld)e aber fein 
fbmbolifcbe« Vlnicbcn erlangt bat. z. 
Consilia evangeliea (lat), nacb ber 
j febre ber rBmiföen Äird>e feiere »>on ben 
©eboten (Praecepta) unterfcb,iebene fttt* 
lieble SJorft^riften, ju beren Befolgung ber 
| (Sbrift eigentlich nic^t öerbfliebtet ^ teren 
SrfüUung jeboeb ein außergewöhnliche« Ber' 
I bienft be« 2Wenfd)en begrünbet. 2)iefer auf 
2Jtattb- 19, 21 gegrünbeten X\>toxk be* 
' gegnen n?ir fcf^on im Birten be« ^»erma«, 
, fbater bei Slmbroftu«, ^ieronbmuö unb 
felbft bei «uguftinu«, femie im Orient bei 
! (Sb^foüomu« unb Tregor bon Wajianj ; 
i unter ben ©cfjolafrifern entmicfelte fte be» 
j fonber« $t)cma« ton ftquino. 3Jtan jä'blt 
I ißrer im ganjen jmölf, unter betten aber 
I (St) eloftgfeit , Slrmut unb ©eberfam, alfo 
bie bret ä)iBna)«gelübbc, mieber al« prae- 
eipua C. e. gelten. SlUe ^Reformatoren er» 
flären fiel) gegen bie Untertreibung jwifeben 
Praecepta unb C. e., unb bie broteftantifche 



Digitized by Google 



152 



Consolamentum — (Sorbinianu«. 



öt&i! ertlärt ba« 3beal be« überweltlicben, 
engelgleicben l'eben« für ein um fo gefäbr» 
liefere« 3rrlid?t, al« e« ben 2Kenfd)en ben 
natürlichen ©rbnungen ber Sittlicbfett ent» 
frembet, welcbe bod) mefentlid)e ©ebtngungen 
für bie ©cfunbbeit ber (£&arafterbübung 
ftnb. ®erjid}t auf ftamilie, ^rioatetgen« 
tum unb berfbnlictyc ©elbftänbigfeit ge- 
wäbrleiften fo wenicj irgenbwelcbe reifere 
öntfaltung ber fittltd?en ©eftnnung, baß 
fie biefelbe fogar bebroben. h. 

Consolamentuni (tat.), bei ben &a< 
tbarern if. b.) bie bureb §anbauf tegung toer« 
mittelte ®eiße«taufe, welche an allen, bie 
au« bem ©tanbe ber Credentes in ben 
ber Perfecti übergingen, üorgenommen 
würbe unb bie jur golge b«tte, baß bie 
mit bem (Seifte ©etauften ftd) be« ©e- 
nuffe« toon ffteifc^f Reifen , fomie ber ©be 
enthalten unb auf jeben Verfe&r mit ben, 
in ifcren 9lugcn unreinen, fatbolifdjen 
Sbriften berjicbten mußten. 3)iefe rigo- 
rofeu Verr-flicbtungcn ließen es oftmal« 
ben Äatbarern angezeigt erfdieinen, ba« C. 
erft auf bem «Sterbebette ju empfangen, z. 

Gentarini, ®a«toaro, reformato- 
rifd) geftnnter Äarbinal, geboren 1483 ;u 
Scnebig, ftubierte feit 1501 $&ilofobbü 
in $abua. $11« ©efanbter Venebig« bei 
Äarl V. nabm er an bem 9teidb,etage ju 
SBorm« Sbeil (1521), fanb aber in Sutber 
nid)t ba«, ma« er erwartet, ©bäter erbielt 
er oftmal« bitolomatifebe SRiffionen unb 
warb für bie feiner Vaterftabt gelcißeten 
©teufte mit beben öbrena'mtern befleibet. 
«Seine miffenfcbaftlicbe Vefdiäftigung batte 
ftd; mittlerweile aucJj auf bie Geologie 
ausgebebnt; 1535 berief ibn, ben £aien, 
qjaul III. in« Äarbinalfollegium unb machte 
ibn 1537 jum SWitglicb ber, jur Beratung 
über eine Äirc&enreform eingelegten, Äom- 
miffion, al« meiere« ftd) <5. in b«»or- 
ragenber SBeife an ber «bfaffung be« be- 
rühmten „Consilium de emendanda ec- 
clesia" betbeiligte. Vei bem 9fegen«burger 
SReligionegefbräd) (f. b.) 1541 al« bä'toft- 
lid)er Segat anwefenb, arbeitete er am 
ßuftanbefommen einer Vergleid)«formel, 
tnbem er ju Weitgebenben 3ugeßanbniffen 
an bie ^ßroteftanten ftd) bereit jeigte, felbft 
in ber 9letbtfertigung«lebre, bie er, wie 
feine ©c$rift „Tractatus seu epistola de 
justificatione" (1541) beweift, trofc ber 
£bomiflifd;en (Sinfleibung in etnem wabr» 
baft etoangelifeben «Sinn öertritt. <£. ftarb 
1542 al« böbftüdjer Segat in »ologna. 
Vrgl. «rieger, ®a«j>aro <£. unb ba« 
9tegen«burgcr Sonforbienwerf (1870); 
25erfelbe in ben „@tubien unb Äri- 
ifen"(1872); «fcrtftof fei in ber „3ett- 



fdjnft für biftorifdje Sbeologic" (1875); 
B a ft o r im „§ifiorifcben 3abrbud) ber 
Ferres = ftefelifrbaft" (1880); 2)ittricb, 
ftegeficu unb Briefe bcö Äarbinal« ©a«- 
baro d. (1881); Ecrfelbc, ©. <£. 1483 
-1542 (1886). z. 

GonöCUant, l (Sooenant. 

©oquercl fort toTwD, 1 1 b a u a | e 
Laurent (Sbarleö, htm, reformierter 
Xbeolog, geb. 1795 ju s }Jart«, ftubierte in 
üWcutauban unb rourbc 181b Pfarrer ]ü 
«mfterbam unb 1830 in ^aritf. 1848 
rourbe er Den bem ©einebebartement jum 
lUiitgliebe ber fonftituterenben ^aticnal» 
»erfammluug unb bann aueb ber legi«» 
laticen ernannt. Gr ftarb 10. 3an. 1868. 
<£. fdjrieb unter anberm: „Biographie 
sacree" (2. 31ufl. ia'37); «Histoire sainte, 
ou analyse de la Bible" (3. «uff. 1850); 
„L'orthodoxie moderne" (1842) ; „Reponse 
au livre du docteur Strauss : La vie de 
JtJsus" (1841 , aud) in« ^cüänbifcbc unb 
Snglifdje überfeLU); „Sermons" (fed?<* 
Sammlungen, 1842 — 56) unb „Christo- 
logie u (1858; beutfdj fccn*ltbau«, 18», 
2S8be.). «5in ©egner ber s J*räbeftination«= 
lebre Saltin« unb beebalb öon ben ftrengen 
(Saltiniften beftig befebbet, grünbete er 
Sur Verbreitung feiner «nfiebten nad) ein- 
ander bie folgenden brei 3««tfd)riften : „Le 
Protestant" (1831 33); „Lelibre examen" 
(1834 — 36); r Le Lien" (feit 1841). — 
©ein @obn «tbanafe, geb. 1820 ;u 
UnfbUtom, würbe 1850 £ilf«geiftlid?er tn 
$ari«, aber 1864 anf ©uijot« betreiben 
biircb bie Crtbebcren an« bem Stinte t>er» 
brängt unb galt feitbem al« §aubtfübrer 
ber freien Jbeolcgie innerbalb be« fron» 
ibTifd?en ^roteftantiömue. Von feinen 
tbeclogifcbeu Schriften erfdjienen in beutfeber 
Ueberfc^uug feine brei Briefe an dfenau 
über beffen „Üeben 3efu" unter bem litel 
„3wei franjöftfcbe Stimmen über Äenan« 
Üeben 3efu" (1864), eine 91u«wabl öon 
«Prebigtcn (18(36) unb „2)ie erften ^iftcri- 
feien Umgeftaltungen be« ebriftentum«" 
(1870). Gr öeröffcntlidite unebierte «riefe 
Voltaire« über bie Solerans (1863), frbrieb: 
„Jean Calas et sa tamille" (2. 91ufl. 1870), 
biclt im SBinter 1871 — 72 Vorlefungcn 
in Rorbamffila unb ftarb 24. 3uli 1875 
ju Rtöme (il?arne). Vrgl. Ströblin, 
A. C. fils (1886). x. 

(£orbiniänu£, ^eiliger, einer ber er- 
ften Vifd'bfe unb ^ifftonare in Vätern, 
geb. um 680 ju Sbartre« in ©aüien, lebte 
al« bewunberter Älau«ner in feinem ®e- 
burt«orte; ^abft ©regorIL (f. b.) foU ibn 
«im «öanberbifd?of ejeweibt baben ; (£. ließ 
fid? etwa 718 ju ftretftng in »al?ern nteber, 



Digitized by Google 



Cordicolae — Corpus juris canonici. 



153 



»egrünbete bafelbft ba« $3i«tum, erbaute 
Ätrd>en unb begann fein ©etebjung«merf, 
welcbe« burd> feine, 724 »on be« $erjog« 
@rimoalb öbemeib ^ilitrnb »eranlaßte, 
ftlu<$t nad» Tirol auf einige Seit unter- 
brod>en würbe. <5r ftarb in 2»eran 730. 
81« $aubtfefrtag wirb bie llebertragung 
feiner ®ebeine in ftreiftngen unb Stegen«- 
bürg am 20. 9?o»ember gefeiert. iirgl. 
Duifcmann, Xit ältefte (9efd?iebte ber 
©abern (1873); SRie^t**/ @efcfcid>te 
«aöern« (1. ©b. 1878); $>aud, £ird>en- 
gefdüd?te Seutfcbtonb« (1. Öb. 18S7). %. 

Cordicolae (tat.), Serebjer be« Wer- 
sen« 3efu, eine jefuitifd?e $rüberf<$aft 
Scannern unb grauen. ©. CMtafdjaft 

belügen $erjfn* Jcfu unb ^eilige« #cr» 



©OTiteltuS, <|$a»ft (251—253) fanb in 
9io»atianu« etnen @egenbifcbef unb in 
beffen «n&ä'ngern, ben Wc»atianern (f. b.), 
enrfdjiebene @egner feine« Verbauen« ben 
«bgefaflenen gegenüber. <5. würbe »on 
@aflu« nacb. Sititä-SSecdna »erwiefen, wo 
er 253 ftarb. $aß er ba« l'fartbrium 
erbulbet, läßt ftd» au« ben Duetten nic$t 
erweifen. JBrgl. fangen, (9efd>. ber 
föiJm. Äircbe bi« jum ^entififate l'ee« L 
(1881). % Harb in „La controverse et lo 
contemporain" (1886). %. 

GontiU, Äarl $ einriß, e»angeli« 
fdjer Xb/olog, geb. 26. April 1854 ju 
$eibelberg, ftubierte 1872—76 Xbeologie 
ju Seibjig, »onn unb Harburg, würbe 
am letjteren Orte 1877 9tebetent, 1878 
$ri»atbo}ent unb 1886 außerorbentlicber 
^rofeffor ber Xbeologie. Mod> in bem* 
feiten 3abrc folgte er einem Ütufc nad> 
Äbnig«berg, wo er 1888 orbentlid>er ^ro- 
feffor würbe. G. »erfaßte: „3eremia unb 
feine Bett" (1880) unb „Da« »ud? be« 
^ropbeten <2jed>iel w (1886). z. 

Corporate (tat.), in ber fat&olifdben 
Äircfce ba« geftiefte VointiLt, worauf \v 
ftienteüer unb Seid? berufe ber Äonfefra- 
tion gefegt werben, h. 

Corpus Catholicorum (tat.), f. Cor- 
pus E»angelicorum. 

Corpus doctrlnae (tat), Sammlung 
fird>lid»er ?e$r- unb «eienntni«fc$riften, 
namentlich berjenigen, welche in ber luthe 
rifdjen Äird»e beb.uf« Beilegung ber, u»ifd?en 
ber frrengeren ?utt>erfd?en unb ber mtlbe- 
rett 2)ieland>t$onfd»en Partei entftanbenen, 
©treitigfeiten für bie »erfd»iebencn tut^e- 
rifd»en ?anbe«fird>en in 2)eutfd»lanb fett 
1560 al« ©tauben unb ?et)re normierenb 
»ublijiert würben, i et erb mit (Einführung 
btf Äonforbienbncbe« (f. b.) auger Geltung 
Unter ben C. d. benannten Samm- 



lungen ftnb befonber« ju erwähnen, 1) ba«C. 
d.Pbilippicum ober Misnicum, welwe« 
»on ben Äubangern SWeland» tbon« , ben 
fogen. <ftyili*bifien (f. I.) ref». ftr»»tocal- 
»iniften (f. b.) jufammengefteflt unb »on 
2)?eland»tl?on mtt einem Vorworte, beutfd» 
1560, latetnifd) 1561, b,erau«gegebeu würbe. 
S« entbält nur ¥eb,r» unb ©efenntni«« 
fd)riften s INelandHbon« ; 2) ba«C. d. Pru te - 
nie um, weldje« 3WBrIin (f. b.) unbCfremnifc 
(f. b.) auf ©unfd? be« $er§og« SUbred>t »on 
iJreußen ;n bem 3 werfe 1567 »erfaßten, 
bie Vcbvc be« Oftanber (f. b.) ju wiber- 
legen; 3) ba« C. d. Wilhelminum ift auf 
öefebj be« t>eqog« SBilbelm tton «raun- 
f*weig-i'üneburg meiften« au« £ut^er« 
Triften 1576 jufammengefteflt ; 4) ba« 
C. d. Juliom, r-em $erjog 3uliu« »on 
^raunfdtwetg-SoIfenbüttel 1576 für fein 
?anb bcröffentlidJt, enthalt neben ber «ug«b. 
Äonfeffton unb ben t>on 2utber »erfaßten 
öefenntniffen aud» Schriften be* llrbanu« 
9cbegiu« ({. b.) unb be« (Sbemnifc , ber 
biefe« C. d. jufammengeftettt bat. z. 

Corpus Evangelicorum (lat.) ift ber 
9lame ber Vertretung ber e»angclifd>en 
9tetd»«ftänbe am beutfd»en 9?eid>«tage, bie 
febon auf bem 8teicb«tage m Äegen«burg 
1582 al« eine ^eilfame dinrid)tung ge- 
»riefen warb nnb ftd> aud) al« fold?e 
wäb,renb ber ©erb.anblungcn be« SBeft- 
fälifcb,en trieben« erwiefen t)at, iebod) erft 
feit bem Äegen«buraer 9ceid»«tage »on 1653 
unter bem $orfttje Äurfacbfen« eine ftänbige 
©eb,Brbe jur ©ab,rung ber eöangeltfdjen 
3ntereffen unb jur Srlebigung ber jabl- 
reidien Älagcu über ©erlctjungen ber @ti' 
bulationen be« Sefifälif$en ^rieben« 
bilbete. 31« Äurfürft griebrieb «uguft II. 
»on Kalifen 1697 jur fat^olifdjen Äir4?e 
übertrat, bebjelt er nominell ba« Direif» 
torium be« C. E., übertrug aber tb, atfäd?lid) 
bie Ausübung be«felben bem e»angelifd)en 
^eqoge griebrid? II. »on <Sadifen«@otb.a. 
2päter erteilte ba« »om Aurfürften un= 
abhängige 2)re«bener ©e^eimrat^eloUegium 
bem fäcbftfd)en 8Jeidb,«tag«gefanbten bie auf 
ba« C. E. bejügiid>en 3nftruftioneit SDiefem 
C. E. gegenüber bereinigten ftd» bie fatb.o« 
lifd»en ©taube be« 9tetd>e« ebenfatt« ju 
einer Qefanbtentonferen) , bem Corpus 
Catholicorum. ©ctbe Äbrperfd>aften nabmen 
mit bem 2)eutfd*n 9teid>e 1806 ib.r (Snbe. 
®rgl. ^r ant}, 3)a« fatboltfcb.e Direftorium 
be« C. (1880). e. 

Corpus juris canonici (lat), ba« 
fanonifdie 9?ed» t«bud) ber fatb. otifd>en Äird»e, 
umfaßt ba« fogen. „Decretum Gratiani" 
(um 1150; f. ©rotten), bie »on 9taimunb 
be ^Jennaforte »erfaßte ,,2)efretalenfamm» 




Digitized by Google 



154 



Correctores Romani — (Sranmer. 



Imtg ©regor« IX." (1234), ben „Liber 
sextus Bonifacü VIII.« (1298), bie „Cle- 
mentinae" von (Siemen« V. (1311) fomie 
bie beiben grtrafcaganteufammlungen 
(»Extravagantes Joannis XXII.* unb 
„Extravagantes communes"). Sine toon 
einer Äommiffton ton Äorbinälen (Correc- 
tores Romani) üielfacb »erbefferte Bu«gabe 
be« C. j. c. erfcbien 1582. ©efonber« 
merttoottc Gbitionen ftnb bie von 3. §. 
»ij^mer (1747, 2 »be.), toon Slem. 8. 
Siebter (1833—39, 2 ©be.) unb neuerbing* 
ton ftriebbcrg (1879—81). %. 

Correctores Romani (lat.), f. Corpus 

juriB canonici. 

Gotöci) (Äortoei), ©enebitrinerabtei 
in ber 9?äi?e »on Jpbrter, mürbe 822 ton 
bem flbtc be« Älofter« Gorbie, »balbarb bem 
kelteren, in ber ^ifarbte gegrünbet unb toon 
i'ttbmig bem grommen mit ^rimtegicn 
unb filtern au«geftattet ; 311 hoher ©lüte 
gelangte bie Älofterfcbule ju C befonber« 
unter ben fäcfyftfdjen Äaifern; bie (5bri* 
fHaniftcrung be« beutfeben Horben« tyaüt 
an biefem Ätoftev ityre fräftigfte (Stüjje. 
Seit bem ©eginn be« 13. Sabrlmnbert« 
mirb ber 9lbt von (£. al« fttixft bejeidmet unb 
befaß al« foleber <&\t$ unb Stimme im gür- 
ftenratb- <£ fam 1815 au Greußen. $Tflt. 
*p. ©iganb, ©rilnblicbe ©efebictote ber 
gefürfteten Wcic^eabtct <S. (1819). 

Gofta, f. (Sofia. 

O'oucnanr (U>r. foww'nänt , Gontoe» 
nant), Warne ber ©ünbniffe, welche bie 
torc«büteriattifc$en 2 d ictten tfceil« mit ifcren 
prften (fo 1580 mit 3afob L), tbeil« 
uutcreinanber (fo bereit« 1557 jum ©ctyufce 
be« göttlichen ©orte«, ferner 1559 nur 
Slbfcfcaffung „aller ben tarnen ©otte« 
entebrenben 2)inge", fdjließlidj 1638 gegen 
bie i'iturgie Äarl« I.) jur 3tufre$terl?altung 
ibre« ©lauben«, in«befonbere jum fleten 
Äatnbf gegen Äat&elifen unb (S^iftD^ale, 
fetyloffen. Äarl I. toerbammte bie <£o»e« 
uanter« anfang« al« SWcuterer; aber 
mit bem , ipre6bbteriani«mu« tarnen au<$ 
fie obenauf, um unter Äarl II. allmabjicto! 
mietcr ju tocrfäroinben. 2, «d>ottifd}cSirü>e. z. 

Gramer, 3obanne« 21 n b r e a 8, be- 
rühmter Äanjelrebner unb Ätrcbenlieber- 
biebter, geb. 1723 jn 3"5bflabt im fä'c$fi- 
feben (Srjgebirge, warb 1748 ^rebiger ju 
Ärbümifc bei iWagbeburg, 1750 Dberbof- 
brebiger in Oueblinburg, 1754 beutfeber 
Cberl?oftorebiger unb Äonftflortalratb. in 
Äotoenbagen unb 1765 jugleicb s £rofeffcr 
ber Ideologie bafelbft, 1771 ©utoerinten- 
bent in SÜbect unb 1774 erfter «ßrofeffor 
ber Ideologie in Äiel. 1784 jum Äanjler 



unb Äurator ber llnitoerfttät ernannt, flarb 
er bafelbft 1788. Sr fttftetc ein Immi- 
letim>« Önflitut unb gab ben §erjog- 
tümern einen toerbefferten Itotednamu« 
unb ein neue« ©efangbm$. 51m befannte« 
flen ftnb unter feinen SBerfen feine „©ä'mmt- 
liefen ©cbicfcte" (1782—83, 3 ©be.) unb 
feine „§intcrlaffenen ©ebidjte", morau« 
»tele Sieber in bie ©efangbücber überge- 
gangen ftnb. z. 

©ranmer, X h 0 m a * , (Srjbifcbof toon 
ßanterburto, ber Reformator ber anglifa» 
nifeben Strebe, geb. 1489 gu 3l«lacton 
in ber ©raffebaft s Jcottingl;am au« einer 
altnormännifc^eu 9lbel«familie, begann in 
(Sambribge ba« Stubium ber Üpeolog^ic, 
marb 1524 '•JJrofeffor bafelbft unb enrte« 
ftcb 1528 fnnftcfytlub, be« ©Reibung«« unb 
2Biebenjert>eiratb,ung«brojette« be« Äönig« 
Jpctnric^ VIII. al« ein fo fluger 9tatbgeber, 
baß ber Ätimig tbn fogleicb ju feinem 
Äanjler ernannte unb ibm befahl, feine 
?lnficbt in einer Scbrift meiter aueju^ 
fübren, melcbe (£. 1530 in »om bem ^Jabfte 
toorlegte. Jpetnricb VIII. ernannte ibu 1533 
jum (Srjbifcbof »on <£anterburto. 211« aber 
ber Äbnig 1533 feine SJermablung mit 
Anna ©oleton öffentlich betannt maebte, 
erfolgte »on SRom ein SBannftrab. I, in ftiolge 
beffen ftcb $>einricb. auf Sranmer« dtatb^ 
1534 fiir ba« alleinige, meltlicbe unb acr't 
liebe Dberbautot be« «eicöe« erllärte. 2. «na- 
tit anüc^c Äircb.- 9(üe« ©ute, mclctye« bei 
ber befborifeb^en $erfabrung«n>eife unb ben 
fatbolifeben Neigungen be« Äbnig« bennoeb, 
gefebab, banft bie Wation Sranmer« 
14jäb,rigem SDiinifterium. Ungebemmter 
gebiet bie ©acbe ber Reformation unter 
Qbuarb VI. , unb <£. gebübrt ber Rubm, 
tiiebtige «ßrofefforen, j. SB. «ucer if. O 
unb ^etru« iötarttor »ermigli (f. b,), be* 
rufen unb grünblicberen tbeolcgifcben @tu* 
bien ben SBeg gebabnt ju b.aben. vi:? 
aber 1553 bie blutige SWaria ben Xljron 
beftieg, bracl> eine breijäb.rige, fernere ^>aft 
feine Äraft fo, baß er ftcb burc^ bie 3*or» 
fbiegelung »oüftanbiger 9kr;eil;ung jum 
SBiberruf belegen ließ. 311« er benfelbcn 
jebodj toor allem ißolfe mieber^olen follte, 
flagtc er ftcb be«felben toielme^r an unb 
mürbe barauf mm geuertobe verurteilt unb 
1556 jum Sc^eiterbaufen geführt; um bie 
Scbmacb feine« SBiberrufe« ju fübnen, 
fieefte er bie reebte .^anb, bie tbn unter» 
jeiebnet blatte, juerft in« ach er unb ließ 
ftc verbrennen, ©eine ©erfe mürben gefam- 
melt b«n>u*8<8<frfn »on^enlbn« (1834, 
4 ©be.), feine „Memorials" con ®trtoP< 
(1840, 2 SBbe. unb öfter) unb »on © a r n c « 
(1853, 2 ©be.). ßine ©togratob. ie Sranmer« 



Digitized by Google 



terato oon 6rafftf>etm — (Srifpinu«. 



155 



lieferten £obb (1831, 2 ®be.) unb 9ior- 
ton (1863). z. 

iSxato oon Cttff tbetm, 3 o $ a n n e « , 
ein um bie Deformation fyo<$oerbienter 
Urzt, biefi eigentlich 3ohanne« ttrafft, ift 
1519 in Breslau geboren, ftubierte feit 
1534 bie flafftfcben ©pracben in Witten- 
berg, wo er ?utber« §au«genoffe feeb« 3at)re 
lang war. Huf i'uther« SÄath ftch \ux 
HRebijin wenbenb, würbe <5. 15G0 i'eibarjt 
be« Äatfer« fterbinanb I. unb nach beffen 
lobe üttarimilian« II., ber Um unter Sr- 
tbeilung be« Jaunen* C. ton (S. in ben 
Äbel«ftanb erhob unb ihm ben litel eine« 
^faljgrafen »erlief <5. benufete ba« faifer* 
lid)e Vertrauen, um bem (Sinflufj ber 3e 
fuiten am $ofe entgegenzutreten, fowie bie 
^roteftanten in ben öfterreichifeben (Srb* 
lanben \u unterftüfcen. 2Wit ber Beit au« 
einem Anhänger 2utber« ein Vertreter ber 
milberen ^elancbtbonfcben Dichtung ge» 
werben, trat er für bie Ärbbtocaloinifteii 
(f. b.) im Surfiirftentum ©acbjen ein; 1578 
auch jum l'eibarjte Äaifer Äubolf« II. be« 
rufen, nabm er 1581 feine (Sntlaffung au« 
bem §ofbienft unb ftarb 1585 ju $re«lau. 
8rgL ©illet, (5. o. (5. (1860, 2 JÖbe.). z. 

Gteartaniömuö, f. £reatiani#mu«. 

(Etefcner, ÄarlSluguft, eoangelifcher 
2t;eolog, geb. 10. 3anuar 1707 ju Salter«« 
häufen bet ©etba, habilitierte ftch 1828 in 
3ena, würbe tytx 1830 aufjerorbentlic$er 
^rofeffor ber 2:^eclcgte unb folgte 1832 
einem SRufe al« orbentlmjer <ßrofeffer ber 
ibeologie nach ©iefjen, wo er 1857 ftarb. 
Unter feinen zahlreichen SBerfen finb ton 
bleibender ©ebeutung : bie „Beiträge jur 
(Einleitung in bie biblifchen ©Triften" 
(1832—38 , 2 ©be.); bie „Einleitung in 
ba« 9ieue Seftament" (1. »b. 1836); 
,,3)a« yieue Üefiament nach feinem &mtd, 
Urfbrung unb 3nbalt" (1841-47, 2 ©be.); 
„3ur ©efchichte be« Äanon«" (1847) unb 
bie „©efchichte be« neuteftamentlicheu Äa* 
non«" (herau«geg. toon©olfmar, 1860). 
(Sin Sftann oon ftttlicher Straft, mußte er 
fchüefjlich gehä'fftgen Angriffen oon «Seiten 
ber Ultramcntanen unb ber Drtboborie in 
Zahlreichen ©trettfehriften entgegentreten, i. 

Credo (lat., „ich glaube"), ba« nach 
bem $nfang«worte bezeichnete ttbofio» 
lifcbe @lauben«befenntni« (f. b.); auch ber 
britte £h«l '»ner üDteffe, welcher ba« ?lpe* 
ftolifcbe ©lauben«befenntni« enthält, h. 

fStetgt&on, SDianbell, anglifanifcber 
^ heciea, geboren 5. 3uli 1843 zu (5arli«Ie 
in ber ©raffebaft (Jumberlanb, ftubierte zu 
Orforb, War bafelbft 1867—75 ftettow unb 
Xutor am Nerton (Soflege, unb, nachbem 
er fich 1870 hatte orbinteren laffen, »on 



1875 — 77 Unioerfttät«brebiger; C. würbe 
1884 <ßrofeffor ber Äirchengefcbichte in (Sam* 
bribge. Gr bat veröffentlicht : „Primer of 
Roman history" (1875); „The ago of 
Elizabeth - (1876); „Life of Simon de 
Montfort" (1876); .The Tudora and tho 
reformation" (1876); „History of the 
papaey during the period of the refor- 
mation" (1882—87, 4 «be.). z. 

Ctett (Krell), Witolau«, Äanzler 
in Äurfacbfen \wx %t\t be« gegen bie 
Ärbbtocalotniften (f. b.) geführten ©treit*. 
Um 1551 zu l'eibjig geboren, ftubierte S. 
bafelbft 3uri«prubenz; feit 1581 Crzieber 
be« furfächftfehen Prinzen «Shnftian, würbe 
er »on biefem fofort nach feinem Regie- 
rungsantritt z unt ©eheimratb unb 1589 
Zum Äanjler ernannt. 511« folcher benu^te 
er feinen Sinflufj, um bem <£aloim«mu« 
in Äurfachfen, ba« 1574 bie caloiniftercn« 
ben ^^ilt^piften unterbrüeft hatte, wieberum 
(Eingang zu oerfebaffen. Nunmehr würben 
ftreng lutherifche (Üeiftliche burch caloini- 
fierenbe erfc^t, eine S?ibel mit caloinifttfeh 
gefärbten ^lumerrungen unb ein ftatecbi«' 
mu« in gleichem ©eift hctau«gegeben. ^l« 
nun aber ber ;"ck1mh«ci (Srell«, jturfürft 
ShnfHan, 1591 ftarb; entfette ber, al« 
SJormunb feine« ©ohne« regierenbe, ^rieb< 
rieh Silhelm oon <Sachfen-?lltenburg ben 
itanzler feiner Sürben auf SBunfcb be«, 
oon biefem »ielfach in feinen Vorrechten 
gefränften, ?lbel« unb ließ ihm ben ^rozefj 
machen, ber, ohne «iöigfeit unb jetc 
3)tenfchlichfeit geführt, fchüefjlich mit ber 
(Sntbaubtung (j re aa 1601 z« Bresben 
enbete. «rgl. »licharb, Xer turfürft> 
liehe Äanzler ^ifelaud <5. (1859, 2 iöbe.); 
^ente, Äafbar s JJeucer unb s Jiifolau« <2. 
(1865) ; (£ a l i n i ch , 3*^ fäc^fifc^e Äanzler 
(1868); ©raube«, Xex ÄanUer (5., ein 
Obfer be« Drthobori«mu« (1872); §afe 
in ben „9tofenoorlefungen" (1880). z. 

Wremer, ^ermann, eoang. XhfolPß/ 
geb. 18. Dft. 1834 zu Unna in Öeftfalen, 
ftubierte 1853—57 zu £>alle unb Bübingen, 
würbe 1859 Pfarrer in Dftönnen bei ©oeft, 
bann 1870 orbentlicher ^Jrofeffor berXhec 
logie z" @reif«Walb unb bafelbft 1886 
Äonftftorialrath- (5- oerfaßte unter au» 
berem: „Siblifch - theologifche« Sörterbrnb 
ber neuteftamentlichen ©rüjität" (5. Sufl. 
1888) unb bearbeitete in Säcfler« «$anb» 
buch ber tbeologifcben Siffenfchaf ten" (2. Stuft. 
1885) bie Dogmatil (gemeinfam mtt 3öcf- 
ler). z. 

©reuziger, f. örucigtr. 

©rifpinuö, ^eiliger, flüchtete mit Cr i« 
fpinianu« in einer (Shnftenoerfolgung 
nach ©oiffon«, wo beibc ba« ©ebuhmacber* 



Digitized by Google 



156 



banbwerf trieben, aber um 287 in einen 
mit gefdunoljenem ©lei angefüllten Äeffel 
geworfen unb, ba fte in bcmfelben burd? 
ein ©unber unöerfebrt blieben, fdjließlid; 
entbauptet würben. (J. wie Crifbinianu« 
ftnb mbtbiföe ^erfbnltdjfeiten. ©ie ftnb 
bie Patrone be« ©dmbmadjerbanbmerf«. 
©efannt ift bie ©age, baß fte ba« ?eber 
ftab, len, um ben Sinnen unentgeltlid) ©ebttbe 
$u toerfd?affen, weslmlb man ©o&ltbaten, 
bie auf Slnberer Stoffen eneigt werben, 
Crifbinaben nennt. 2>er itag be« heil. 
C. ff» ber 25. Oftober. »rgl. ©örre«, 
öinige populäre ^eiligen ber fatbol. .Hinte, 
in ben „3abrb. für proteft. Ideologie" 
(1887). e. 

(SrotuB 9iub tarnte, fcumanift, biefi 
eigentlid) 3obanne« 3a'ger, ift um 1480 
in ber »on Hrnftabt (Wringen) 

geboren, ftubierte feit 1498 ju (Erfurt 
S^eelogie, trat bjer in nab.e ©ejtebungen 
ju Hutten, Sntber unb ÜWutianu« Wufu«, 
ber ibn für bte bumaniftifdjen ©tubien 
begeifterte. 1510 fiebelte (i. al« ?ebrer 
ber Älofterfcbule nad) gulba über, blieb 
aber mit äNurianu« ftufu« unb Hutten 
im engften brieflichen ©erfebr. Gr mar 
wabrfdjeinlid) ber geifiige Urbeber, jeben- 
fatl« einer ber $aupti>erfaffer ber »Epi- 
stolae virorum obscurorum". JBon einer 
ttalienifd>en Weife 1520 jurücfgefebrt, trat 
er tootl unb ganj auf Sutber« ©eitc unb 
begrüßte al« töeftor toon Erfurt 1521 ben, 
burd? biefe ©tabt jum ©ormfer SReid>«tage 
reifenben, ?utber auf ba« fieierlid?fle. 3e* 
bodj nad? einem längeren %ufentba(t( 1524— 
30) in Königsberg am $ofe Hlbredrt« »on 
©ranbenburg manbte er ftd) wieber ber 
fatboliföen Äirdje ju unb erbielt toom 
Äurfürften 2llbred»t »on SJlainj ein Äano« 
nifat in $at(e, bon bem erzürnten ?utfyer 
aber ben Warnen Dr. Ärbte. lieber fein 
fpa'tere« ?eben unb über feinen Xob feblen 
aae 9?ad> rieten, ©rgl. Äampfcbulte, 
2>ie Uni&erfität Srfurt in it)rem ©erb^ltni« 
ju bem Humanismus unb jur Deformation 
(1858— GO, 2 ©be.); SDerfelbe, De Jo- 
anne Croto Rubiano commentatio (1862); 
©trauß, Ulrich ». Hutten (4. Slufl. 
1878). k. 

(Stufet (Sreujigcr), Äafbar, 
einer ber toonüglic&ften ©ctyilfen JutberS, 
geb. 1504 ju Seibjig, ftubierte in ©itten* 
berg unb würbe auf 2utb>r« (Smpfeblung 
1524 Dettor ju SKagbeburg, 1528 $ro« 
feffor ber Xbeologie unb ©d)loßprebiger 
in Wittenberg ; er warb Sutber« SWitarbei» 
ter an ber ©ibelüberfefeung, nabm am 
DeligionSgefbrä'dje ju SWarburg (1529), 
an ber ©ittenberger Äonforbte (1536), 1 



am Xage ton Sdj mal falten (1537), an 
ben SKcltgionSgefprä'djen ju Hagenau (1540), 
\u ©ormfl unb 9tegen«bnrg (1541) £beil, 
fübrte 1539 bie Deformation in Seibjig ein, 
beteiligte ftcb 1545 an ber Äbfaffung ber 
©ittenberger Deformation (f. D.) unb neigte 
fbäter ber reformierten ?e$re ju. 1546 
würbe er nun jweiten 2Ral Äeftor ber Uni» 
»erfttät ©ittenberg. <£v ftarb, na.tbem 
er noeb; an ben Kämpfen in ©aebfen wegen 
be« Onterim« regen Sntbeil genommen, 
16. 9*ob. 1548. ©eine »iograbbie färieb 
y x ef fei (1863). — ©ein ©obnÄaf bar, 
ber jüngere, geb. 1525 ju ©ittenberg, 
warb ^rofeffor ber 2b«oloflie bafetbft, 
fpäter al« «rbbtocalöinift au« ©aebfen 
terwiefen unb nacb Äaffel berufen, ftarb 
al« ÄonftftorialbräTtbcnt bafelbft 1597. z. 

(Sutbeer (richtiger Celdeer tont Äelti» 
feben Cele De in ber Söebeutung „9)?ann ©ot« 
te«", latiniftert Colidens, f. t>. w. Cultor Dei), 
beißen urf brünglid? alle ^eiligen ber feltifdien 
Ätrtbe. ©eit bem 16. 3ab.rb- (iuerft SJoece 
in ber Historia Scotorura 1526) nennt 
man fo bie (Sbriften in Britannien, weld)e 
fid) jur 3eit be« Auftreten« bäpftlitber 
SWifftonare im 6. 3abrbunbert ton biefen 
nidt in ber Vcbrc unb im 9Iitu«, aber 
, wobl bureb ba« geftbalten an ber <ßriefter» 
( ein-, burd) bie relative Unabbängigfeit »om 
rUmtftben SMfdjof, fowie burdb bie fireben» 
: regimentlicbe Ueberorbnttng ber Älofterabte 
' über bie ^ifdjbfe unterfd)ieben. Äidjtiger 
j fbridjt man einfad) »on ben feltifdien 
I (Jbriften im alten ©ale«, 3rlanb unb 
i ©dtiottlanb. Icv Warne (£. wirb bagegen 
mit 9ted)t auf bie ©eltgeiftlicben anae- 
wanbt, weldje feit bem 8. 3abr&nnbert in 
Snglanb, Örlanb unb ©cb,ottlanb uadj 
einer eigenen dteget lebten, bie ibnen bie 
(5be geftattete. @ie würben feit bem 
11. 3abrbv burd) bie regulären Manonifer 
immer mebr »erbringt. Wod) beftebt in 
I Urmagb ba« Collegium saecularium pres- 
byterornm Ck)lideorum. «rgL Sbrarb, 
3)ie irofdjottifdie SWifftonefirdie (1873); 
S © f e n e, Celtic Scotland (1876—80, 3 ©be.); 
© a r r e n , The liturgy and ritual of the 
' Celtic Church (1881); 2oof«, Antiquae 
Britonum Scotorumque ecclessiae quales 
fuerint mores (1882); Runf im w «t>i^or. 
3abrb. ber @iJrre«'©efeUfcbafr (1883). z. 

(^unih, 3luguft Sbuarb, ^roteft. 
Geolog, QeS. 29. «ug. 1812 ju ©traß- 
bnrg, ftubterte ^eologie in ©traßburg, 
©öttingen, ©erlin unb <ßari«, leitete 
feit 1836 mit feinem Setyrer unb greunbe 
9teuß a. fc.) bie £beologtfd)e ©efeüfcbaft 
bafelbft, habilitierte ft* 1837 am brote* 
fianttfdien ©eminar unb würbe 1857 



Digitized by Google 



Curati — Gtyprian. 



157 



außerorbentlidjer , 1864 orbentlidier $ro» 
feffor an bemjelben; bie gleiche ©teile be« 
flcibete er audj feit 1872 bie )u feinem 
16. 3uni 1886 erfolgten $obe in ber tfceelo- 
giften $afultät. SWtt fteuf; gab er frerau« 
bie „©ertrage §u ben tbeolegifdjen SBiffen« 
fdjaiten" (1847— 55)nnb mit tbm unb ©aum 
fett 1863 bie SBerfe «aloin«. Unter feinen 
übrigen ©erüffentlidjungen nennen mir: 
„De Nicolai II. decreto de electione pon- 
tificom- (1837); „ConaiderationB histo- 
riques sur le developpement du droit 
eccl. prot. en France" (1840); „$ißorif<be 
Earftettung ber .Hirctcituid-t unter ben 
<Proteftanten" (1843); „lieber bie Hmte- 
befugniffe ber Äcnftftorten in ben pro« 
teftantifd?en Äirdjen ftranlreidje" (1847); 
„(Sin fatbarifdjee »itoal* (1853). Sind) 
»eranftaltete €. eine neue Äusgabe ber, 
gemäbnlid? ©eja jugefdjriebenen, „Histoire 
ecclesiastique des eglisea rtfonnees au 
royaume de France" (1883— 84, 2 33be.). *• 

Curati (lat, „Sluratgeiftlidje, Äurat» 
fleru«"), *■ * n fatbolifdjen Äirdjc bie 
$riefter, meldjen bie ©eelforge über einen 
beftimmten ©Grengel obliegt; fpejiell £a« 
plane, meldie bie ©eelforge unter «uffidrt 
eine« ©ifdjof« ober Pfarrer« üben. z. 

Gu r et, (5arlo2)carta, ßriefuit, geb. 
ju Neapel 4. ©eptember 1809, trat 1826 
m ben 3efuitenorben. Sie Sanjclrebner 
batte er großen ßrfolg in faß allen be« 
beutenberen ©täbten Italien« unb mar 
1850 einer ber 9Kitbegrünber ber „Civilta 
cattolica". Huffeben erregte 1874 bie 
Sorrebe jn feinem SBerte „Lezioni ese- 
getishe e morali sopra i quattro evan- 
geU- (1874—76, 5 »be., 2. Auflage 
feit 1887), in melier er bem ^apfte 
bie 2lu«föbnung mit bem ÄBnigreid&e 
Italien nabe legte. 911« (£. fid) mit biefem 
SRatbfcblage bircft in einem ©riefe an 
$iu« IX. manbte, forberte biefer ben 2Biber= 
ruf unb ließ ibn, al« er benfelbcn nidjt 
leiftcte, 1877 au» bem Sefuitenorben au«« 
flogen. ?eo XIII. erlangte 1879 enblidj 
bie Untermerfung oon <£., ber aber bereit« 
1881 in feinem SBerfe «La nuova Italia 
ed i vecchi zelanti" mieber ju feinen 
früheren 9lnftd)ten jurücffcbrte. 911« bar* 
auf bie 3nber« Kongregation biefe« SBucb 
oerbot, oerfaßte <£. 1883 bie nod? fübnere 
©ebrift „11 vaticano regio, tarlo super- 
stite della chiesa cattolica". Xa er trofc 
ber pöpftlidjen Sufforbernng, fein Shtcb 
felbfl ju oerurteilen, bei fetner Meinung 
verblieb, mürbe ibm ba« SKeffelefen unter* 
fagt. hierauf untettoarf fidb tt. Äußer 
ben genannten Herfen bat er nert Oer» 
öffentlidrt : „La natura e la grazia" (1865, 



! 2 »be.); „II libro di Tobia" (1877); „II 
Nuovo T. volgarizzato- (1879— 80, 3 »be.) ; 
„D Salterio volgarizzato" (1883) jc. i. 

(£urto (Cutioni). (Soeliu« ©e« 
cunbu«, italienifcber tyroteftant, geb. 1503 

! ju Cirie in ber Muriner fvooinj, ftubierte 
ju Xurtn bie alten ©oralen unb 3urie« 
prubenj. 2Wit ben ©Triften l'utber« unb 
^mingli« befannt gemorben, motlte er über 
bie mptn ju ben ®lauben«genoffen ent* 
flieben, tourbe aber an ber »u«fübrung 
biefe« ^lane« burd; ben »ifdjof oon 3orea 
oerbinbert. Stadlern er in ben oerfebie« 
benflen ©täbten 3talien« für bie 58er* 
breitung eoangelifeber 3been gemirtt, mußte 
er 1542, al« bie Üurie oon ber ©tabt 
i'ucca feine Belieferung oerlangte, in bie 

i ©cbmeij fliidjten, mürbe in Saufanne l'eftor 
an ber neuerrirbteten 2 rtnilc unb 1548 
^rofeffor ber (Sloquenj in »afel, mo er 

I 1569 ftarb. Unter feinen ©Triften ftttb 

I ju ermähnen: „Christianae religionis in- 
stitutio breri8 et dilucida" (1549); „De 

I amplitudine beati regni Dei" (1554) unb 

| bie „Pasqtülli ecstatici", eine ©pottfebrift 
über ba« ©abfitum. «rgl. <£. ©dimibt 
in ber „3<«tf*rift für t»tftcr. Xbeol." 
(1860); 2inber, ebenbafelbft (1872); 
Cef. (Santu, Gli eretici d'Italia (2. S3b., 
1866). z. 

Costos (lat. „Söä'dJter") ift ber Äa- 
nonifu«, bem bie ©eelforge an ber bifc^öf- 
lid?en Äird>e oblag; unter ibm oermaltete 
biefelbe ein ©ubfuflo« für bie ©tift«an- 
gehörigen, z. 

(5 n ur t a n , (Srnfl©alomon / entfebie« 
bener Vertreter be« Sutbertum«, geb. 1673 
ju Oftbeim in ^ranfen. :'iad?bem er ein 
3abr in ^elmftebt eine außetorbentliibe 
^Jrofeffur ber ^?^iIofo^bic befletbet, mürbe 
er 17(X) 2)ireftor be« afabemif^en <&)m» 
naftum« ju Äoburg, 1713 a)iitglieb be« 
©ctbaer Oberfonftftorium« , 1735 i'ijc- 
bräftbent be«felben; er ftarb 1745. ©egeu 
bie oon ftriebrid) Söifbelm I. oon Greußen 
geplante, oon bem Eübinger Xbeologett 
^}faff embfoblcnc Union ber lut^erifdjctt 
unb reformierten Äirdie trat <&*. al« i*tx> 
fester ber reinen lutberifefien febre in 
mebreren ©diriften auf, beren bebeutenbfte 
„2)er abgebrungene Unterridjt oon fird« 
lid?er Bereinigung ber ^roteftanten" (1722) 
ift. 2lud> einen tampf mit ber fatbolifd?en 
Äircte nab^m er auf in feinem ©udj „Übet« 
jeugenbe ©elebrttng oom Urfprung unb 
©acberum be« ^apfttum«" (6. »ufl. 1769). 
SBertoott für bie 9teformation«gefd?idbtc ift 
feine „§iftoria ber 9tug«purgifdjen (Sott* 
feffion" (1730). »rgl. 8?. giftet, 
(S. ©. (S.S Seben (1749). z. 



Digitized by Google 



158 



GWtignu*, £ha«ciu« (Säciliu«, 
bcr ^eilige, cintr bcr namhafteften Äircben* i 
toäter, mclcber nä"<hft feinem Sebrer Her« . 
tuUianu« auf bie Hu«bilbung ber (atetnifc^en | 
.Hinte in 35enTart unb £ trade ben größten 
(Einfluß ausgeübt bat, mürbe \u Anfang j 
be« 3. 3abrh- geboren unb trat in Äarthago 
al« Sebrer ber «betorif auf. 246 ließ er 
}\6 taufen unb mürbe fchon menige SRenate 1 
nachher 3um ^Prieftcr gemeibt. 248 jum 
Vifdjof ton Äartbago gemählr, $og er fieb. 
»or ber Verfolgung unter Äaifer 3)eciu« 
In bie SBüfte anrUcf, mirfte aber auch, von 
hier au« bureb ©riefe für ba« Sohl feiner, 
burd bie ftrage na$ ber Vehanblung ber 
in ber Verfolgung (gefallenen tief erregten, : 
©emetnbe. 2Ste fchon im (Sril fo mar 
anet na* feiner 9tÜcffebr na* Äartbago ' 
(251) fein f eben ein beftä'nbiger Äambf mit 
benen, meldte in Vejug auf bie ftragc nach j 
ber Beurteilung be* äbfafle« in bcr Ver» i 
folgung entmeber ju lar maren, mie bie , 
Partei be« SWotoatu« unb ftelicifftmu«, bie 
ftch megen ber angeblichen ©trenge be« 
Vifcbofs öon biefem le«fagten unb einen 
©egenbifchof, ftortunatufl <f- aufftettten, 
ober aflju rigoriftifche SJnficbten hegten, 
mie bie Motoattaner (f. *.). SBegen feiner 
Vcftreitung ber ©ültigfeit ber Äefcertanfe 
(f. b.) toom r8nttf$en Vifchof ©tepbanu« 
erfommumjicrt , bebanbelte er biefen mie 
einen Äcfcer unb ftettte 256 auf einer | 
©tinobe ju Äartbago ben ©runbfat} auf, ! 
baß bem r'dmifdjen Vifchof, tro§ be« 
Primat« be« $ctru«, eine oberridjterliche 
Autorität über anbere ©ifööfe nicht ju- 
erfannt merben bürfe. Unter Äaifer Valcrian I 
roarb er 14. ©ebt. 258 enthauptet, ©eine | 



Skrfe, unter benen befonber« ba« VUchlein 
„De imitatc eedesiae" (befonber« betau«* 
geg. von Ärabinger, 1853) »on Vcbeutung 
m, inbem e« bie (Sinbeit ber Äirdje in ben 
Spiffobat verlegt, fo baß, mer ftch vom 
Vifdjofe Io«fagt, ftch von ber Äirche trennt, 
bamit aber jebe Hoffnung auf bie ©eligteit 
verliert, mürben julcfet herausgegeben von 
Partei (1868—71, 3 ©be.). Vrgl. y e t e r « , 
Ter beil. (Jbprian von Äarthago (1877); 

e dj t r u p , 35er beilige Cbprian, fein ?eben 
ic (1878); O. Ütttfchl, $. von Äartbago 
unb bie Verfaffung ber Äircbe (1885). -/.. 

©Utittuö, f. «DriQu«. 

G^tU*, f. «Um« 

<Sjet8fi (fpr. im*), 3obann, SHitftifter 
ber bcutfchtatbolifchen Äirt^engemeinftbaft, 
geb. 1813 ju SBarlubien in SBeftprcußcn, 
marb 1842 jum «ßriefter gemeint. 3uerft 
Vilar an ber Xomfirche in $ofen, würbe 
er im l'iär; 1844 in gleicher ßigenfehaft 
na^ ©chneibemühl in ©Rieften verfemt. 
$ter trat <J. 22. Bug. 1844 mit einem 
Xfyeite feiner ©emeinbe au« ber rtfmifchen 
Äircbe au« unb grünbete eine „chriftltcb* 
apoftolifch fatbolifde ©emeinbe". ©djon 
auf bem erften tenti'rt fatluMikten Sonjil 
m Seibjtg im 2JZärj 1845 nabm (£. einen 
fonferbatmen ©tanbbunft ein, inbem er 
an ber ©ottbeit Sbrifti feftbielt. ©bater 
bereifte <£. aüjä'brli^ einen großen £&cil 
25eutf(ftlanb«, um in freireligiösen Vereinen 
Vorträge in balten. Vrgl. feine ©Triften : 
„Rechtfertigung meine« ftbfatls von ber 
römifchen $oftir<$e" (1845) unb „3ob. 
Sjer«fi« «eben unb Sirfcn" (1845). 
6. Xeutfätatljoli'en. z. 



Cat^, ©imon, ein jur ÄÖnigsberger 
2)icbterf(Jule gehöriger evangel. Sieber« 
biebter, geb. 1605 ju SWemel, mürbe, nacb« 
bem er längere 3eit im Se^rerberuf gemirft, 
1839 ^ßrofeffor ber ^oefie in Äönig«berg 
unb ftarb bafelbfl 1659. Wur menige 
feiner Jieber finb in ben ©ebrauch ber 
©emeinbe Übergegangen, z. 

JD'3ldjertt (3)acberiu«), 3ohann ?u« 
ca«, gelehrter iDiauriner, geb. 1609 ju 
©t. Duentin in ber ^icarbie, trat in 
einem noch fehr jugenblichen Älter in ein 
Venebiftinerflofter feiner Vaterftabt ein unb, 
ba biefe« feinen (Srmartungen nicht ent* 
f brach, 1632 in eine «btei ber Äongre* 



gation toon ©t. SWauru« ju Venböme, 
S. »tnebittintT. ©bäter »nurbe er ©iblio* 
thefar in ber «btei ©t. ©ermain be« v #r£«, 
mofelbft er 1685 ftarb. Vefonber« mert* 
tooü ift fein große« ©ammelroerf mittel- 
alterlicher ©Triften unter bem Xitel 
„Spicilegium vetorum aliquot scriptorum* 4 
(1655—77, 13 Vbe., 2. vermehrte 2luf 
läge 1724, 3 Vbe.). z. 

£o eojltt, 3faaf, nieberlänbifcher 
dichter unb f rofeli?t, geb. 1798 in Bmfter- 
bam, gehörte einer attbortugieftfehen 3uben* 
familie an unb trat nach 2obe feine« 
Vater« 1822 jum (Shtiftentume über, ©o* 
fort febrieb er: „Vefcbmerben gegen ben 



Digitized by Google 



Hagolt — halten. 



159 



@eifl ber 3eit", weldie in fcollanb ben 
Umfdjmung jur t^eofogtfc^en unb firdjlicben 
Sceftauraticn anfünbigten; bi« }u feinem 
28. Styrit 1860 erfolgten lobe ifl er ber 
$aubtfübrer biefer 9cid)tung geblieben, bie 
er in feinen „©orlefungen über bie Gintyeit 
nnb UebcreinfHmmung ber <2\>angelien" 
(1840, 2 ©be.) gegen ©trauß unb in einer 
@d)rift über <ßaulu« (1846, 2 ©be.) gegen 
bie Xübinger ©d>ule tertbeibigte. ©ein 
wiffenfd?aftltd> wertöoflfle« ©erf ifl: „3«« 
rael unb bie ©tflfer" (1849). Mad> bem 
lobe feine« Sebrer« unb greunbe« ©Uber- 
bijf galt er al« ber erfte bidjterifcbe @e* 
niu« feine« ©aterlanbe«. t. 

Cagon, ber irobi au« ©abtylonien 
ftammenbe 9?ationalgott ber ^hilifter, 
beffen auf affttrifdjen 25enfmä'lern nod) er- 
haltene ©Uber ganj mit ber 2)arfteUung 
Stifter 16, 23 ff. (örgf. au<$ 1. ©am. 
5, 2 — 5. 7 ; 1. <Sb> 10, 10: 1. 9Waff. 
10, 83. 84. 11, 4) übereinftimmt: ein 
menfd>lid?er Oberleib mit bem »umfcfe unb 
©cfcwaiqe eine« ftifdje«. 911« feine weibliche 
(Srga'njung galt bie 1. ©am. 31, 10 mit 
flftarte (f. b.) terwed)felte Saffergbttin 
2)erfeto ober Ätargati«. h. 

iTaiH«'* <ft>r. baje, 2)alläu«), 3can, 
berühmter reform, ib^eolog, geb. 1594 ju 
(JEbatetterault in ^oitou, warb ^rebiger 
1625 ju ©aumur unb 1626 ju Sbarenton 
bei ^Jari«; er fcrä'fibierte al« foldjer 1659 
auf ber leiten reformierten Wationalfunebc 
ju ?oubun unb flarb 1670 in ^arie. 2>. 
roar einer ber gelebrteften ber gletdjjeitigen 
Ideologen. Unter feinen öielen ©erfen 
haben bleibenben SBert befonber« ber gegen 
bie Änna^me einer bogmatifdjen lieber« 
«inflimmung ber Äirdjentä'ter gerichtete 
„Tratte de l'emploi des saints Peres 
pour le jugement des diffe>ents de la 
religion" (1632, lateinifd) 1656), fowie 
bie ©djrift „De pseudepigraphis aposto- 
licis" (1653), in melier er bie Unedjtbeit 
ber aboflolifchen Äonftitutionen (f. b.) nach- 
wie«, unb fein, bie Stutzende ber SEBerfe 
be« 2)ionbfin« flreofcaaita (f. b.) unb ber 
3gnarianifdjen ©riefe beftreitenbe«, ©udj 
„De scriptis, quae sub Dionysii Areo- 
pagitae et Ignatii Antiocheni nominibus 
conferuntur" (1664). z. 

JDatoi Sorna („<ßriefter>Ojeau"), ur» 
fpriitiaiidi mongoltfdje ©ejeidjnnng be« 
jnriefterlidjen Raupte« aller SBnbbbiften in 
China, föußlanb unb befonber« in £ibet, 
beffen weltlicher §errfdjer ber 2). 8. feit 
bem 17. 3abrbunbert wenigflen« nominell 
ift; tb>tfü$lid) regieren bie chineftfcben 
SDtanbarinen. 2)te Slnfdjauung, baß in 
ibm ber ©ubbb> (f. b.) felbfl ftete mieber- 



geboren werbe unb fein (Srldferwert fort- 
fefoe, entflanb erft, al« um 1500 ber 
©ubbhi«mu« bauernben ©oben in libet 
gewann. 9fadj bem Slbleben eine« 35. 8. 
wirb unter ben tibettfdjen Äinbern ein 
neuer au«gefudjt. Weben bem in ityaffa 
reftbierenben 2). 2. eriftieren übrigen« no* 
anbere ©erförfcerungen ber ©ottbcit, unter 
weldjen befonber« ber Jefdjo ober ©ogbo 
?ama befannt ift. 2>ie ganje, entfwieben 
hierardjifdj geartete, gorm be« ©ubbbi«- 
mu« in biefen Sä'nbern wirb al« i'amai«- 
mu« bejeidmet. ©rgl. G. ©djlagtntweit, 
Buddhism in Tibet (1863). n. 

ralbcrq, Äarl Xbeobor, 9fci<fc«' 
freiherr ton, tathol. Äirdjenfürft, geb. 
1744 ju SWannheim , würbe öon feinem 
£*ater jum ^eifllidjen ©tanbe beftimmt. 
9?adjbem er in ^>eibelberg 3uri«brubenj 
ftubiert unb weite Steifen gemalt, trat 
er in furfürfllid) mainjifdje SDienfle, warb 
1771 ©tattbalter toon (Srfurt unb 1787 
burdi ben Ginfluß Greußen« Äoabjutor 
be« SDkin}er Äurfürpeu ^riebrid) Harl 
3ofe»>b *>on (Srtbal mit bem 9Jed?te ber 
Wadifolge unb erhielt balb barauf bie 
Aleidje ©tellung ju ©orm« unb ju Äonftanj. 
1802 (Srjfanjler unb äurfürfl ton il'iain; 
geworben, würben ibm t»on Napoleon I. 
al« Srfa^ für bie bem Grjfhtbl entriffenen 
©ebiete ba« ©i«tum diegen«burg, ba« 
jHlrftentum ?lfd?affenburg unb bie ©tabt 
©etjlar jugewiefen. ©on bentfelben ließ 
er fid) tn«befonbere bei Gelegenheit ber 
ÄaiferrrBnuug in ^ari« fo völlig bezaubern, 
baß er toon i^m bie jweifel^afte ©tellung 
al« güvft In- ihm o be«, ben franjbfifd?en 
3ntereffen bienenben, 9i^einbunbe« mit 
bem ©i^e in granffurt 1806, ja fogar 
bie (Srbebung jum ©roßfyerjog ton granf* 
furt 1810 entgegennahm. Wadj ber ©tblad)t 
bei Üeibjig legte er 1813 feine groß- 
berwglicbe Regierung nieber unb wibmete 
pd) ju Äegen«burg bi« ju feinem lobe 
1817 ber (SrfUüung feiner erjbifdjöflidjen 
«Pflichten unb ber SBobJthätigreit. ©rgl. 
3. SWülter, St. Ib. toon ©. (1874); 
©eaulieu'SDtarconnatt, Ä. »on X. 
(1879, 2 ©be.). z. 

rahnotica, f. Äleiburtg, gciftlidic. 

JDttlton, .^ermann, geb. ju Offen- 
bad) bei ftranffurt a. 5»?. 20. «ug. 1&33, 
ftubierte 1853—56 ju Harburg, ©erlin unb 
$eibelberg, würbe 1858 s JJaftor ber refor- 
mierten Äirdje in ©t. Petersburg fowie5D?it= 
glieb be« reformierten Äirdjenratb.« in 3tnß' 
lanb, begrünbete bafelbfl 1876 bie <*an- 
gelifdje ©tabtmiffton nnb trat 1888 *om 
»mte jurücf. 2). verfaßte: „Watbanael, 
©ortrage über ba8 Ghnftentum" (3. «ufl. 



Digitized by Google 



160 



£ama$cenu$ — Dämonifcfye. 



1886); „©efdu'djte ber «form. Äirdjc in 
ftußlanb" (1865) ; ,,2)a« ©ebet be« §errn 
in ben @»rad>en ftufjlanb«" (1870); 
„3mmanuel, bec §eibelberger Äated?i«mu« 
al« 23efenntni« unb <Srbauung«budj ber 
e»ang. ©emeinbe erflä'rt" (2. Slufl. 1883); 
„2)ie eöang. Bewegung in ©banien" 
(1872); ,,3o$anne« ©ofjner" (2. «ufl. 
1878); „3o$anne« »on SWnralt" (1876); 
„2>ie e»angelifd;en (Strömungen in ber 
ntfftföen Äirdje ber ©egenroart" (1881); 
,,3o&anne« a Sa«co" (1881); „©eiträae 
jnr ©efcfcicbtc ber eüang. Äirc^c in 9hi6« 
lanb" (1887—88, 2. »bc). z. 

SDamttSce'nug , 3o&anne«, f. 3c 
Cannes <Sbrbferr&oa«. 

fcamafuö, Warne noeier ^päbfte : 2). L, 
ber ^eilige (366—384), überroanb, inbem 
ber Äaifer i'olentinion I. ftdj auf feine 
©eite ftetlte, ben, jugleid? mit tym in ' 
fd>i«matifd?er 5öaf>l jum $atft erhobenen, 
Urftcinu« (Urfinue) unb oerbammte auf 
einer römifdjen ©bnobe 368 bie faifcrlidjen 
Sjofbiföb'fe Urfaciu« unb Valen« al« Strianer. 
©Tfll »abe, J>. (1882). - 3). II., im 
Xc 3 . 1047 auf SCBunfdj §einridj« III. in | 
2)eutfd)lanb uim «ßabft gemalt, fiarb j 
bereit« im Sluguft 1048. z. 

Eamcn beß betligen ^enen* obet 
beö Qilaubcnfr 3efu (franj. Dames du 
sacrö coeur), grauenorben. ©. @tfcaf«*aft 
be« ^eiligen ^cr^cn« Otfu. z. 

£amen Unferer lieben jvrau oon 
ber dmftlidjcn Hiebe (Samen bon ©t. 
2Nia)el) mürben bie ©lieber eine« 1640 
ttom $ater (Subc« SJceaerab in <5aen nir j 
Belehrung fittenlofer grauen unb iüfäbdjcn 
gegriinbeten unb 1651 »om Raffte be» | 
tätigten Orben« genannt. 2)erfelbe madjte 
ftdj bie #erebrung be« ^erjen« 3efu unb i 
ber SDJaria $u feiner befonberen religiöfen 
Aufgabe. 1790 mürbe in ftranfreidj ber 
Orten aufhoben, 1807 unter Napoleon I. , 
jebedj roiebcrbergcftellt unb bat feitbem 1 
eine große Verbreitung gefunben. z. 

£amen uon ber djrtftlidjen J^iebc 
unb ber armen .Siranfen, f. t. m. 5Barm» 
b.erjige ©djroeflern (f. b). z. 

Jbamiant, $etru«, ein, ber Glunia» 
cenfet Reform utgetbaner, s Dfi5n*«^etlifler, 
geb. 1007 ju 9fat>enna, trat 1035 in ba« j 
ßremitenflofter ju gontc atellana, tbat 
el bier atten toran in ber ©eißelbuße, 
bie er, 1043 21bt geroorben, eitrig toer- 
breitete. Sin 3>orfämpfer ber gegen 
Simonie unb s }Jrieftere&e eifernben Partei, [ 
überfanbte er ?eo IX. feine, bie roiter« 
natürlichen gefdiledjtlicben Slusfcbrocifungcu 
be« italienifcbcn Äleru« aufbedenbe, <2d>rift 
„S3on ben SÜnben ©omorrba«". 4*on 



2 toi' n an IX. 1058 Jitm Äarbinalbifdjof toon 
Oftia erhoben, »urbe er 1059 »on SWifo» 
lau« II. nad) SJJailanb gefanbt jur Unter» 
ttjerfung be« bortigen örjbifdjof« unter 
Wem unb erhielt toon Sleranber II. 1069 
ben «uftrag, al« Üegat 4)einridj IV. * s ur 
?lu«fö^nung mit feiner ©attin ju bewegen. 
2). flarb 1072. »rgl. «ogel, % 2). 
(1856); Sabecelatro, San Pietro D. 
(1862, 2«be.); 9?eufird?, 3)a« Sebeu 
be« % 2). (1875); ©uerricr, De Petro 
Damiano (1881); Äleinermann«, £er 
beil. y. 2). (1882) unb 8? o t b in ben 
„•Stubien unb SWittbeilungen au« bem 
SBenebiftiner- unb Cifterctenfer • Drben" 
(1886 unb 1887). z. 

©omionifren ober ßinftebler be« b.eil. 
Samian mar nrfprütiglid) ber 9Jame ber 
(Sölefliner (f. b.). %. 

Camianifrinncn , f- Äiatüfmncn. 

Dämonen, f. steufet. 

SDdmonifdje, «efeffene, ©ciftealranfe, 
beren 3"f*<*nb auf bie Sinmirlung bbfer 
©eiftcr juriidgefiiljrt roirb. äöenn 3cfu« 
unb bie Bpoftel 2). beilen , fo gehört bie« 
jebenfatt« ju bem gefdjidjtlidjeu Untergrunb 
ber gefamten biblifd)en Sunberraelt. 2)ie 
„unfauberen ©eifter" (Dämonen), ju ^>aufe 
fdjon in ber altbabtylonifctyen, bann mieber 
in ber perfifdien Religion, roareu befonber« 
feit bem' babtylonifdjen (gril lebenbig ge« 
morben im jübifeben «olfsglauben, mo fte 
inbeffen nur eine befonbere gorm be«, bie 
ganje bamalige Seit be(?errfd;enben unb 
auö) oon angefebenen tlaffifd^en «Schrift* 
fiellern bezeugten unb getbeilten^ämoneu» 
glauben« bilben. 31uf fie roirb ber gc- 
famte ©c'&enbicnfi jurüdgefüb^rt (1. Äcr. 
10, 20). 3u ^aufe in ber bunfeln 8uft 
(Sbb. 2, 2 ; 6, 12) unb in ben Sttfteneien 
(iDcattb. 4, 1 ; 12, 43) baben bie Xä'moncn 
ben Strieb, in bie iiicufcbeu ju fabren unb 
fta) bafelbft SBob. nftätten ju fd)affen (SWatt^ 
12, 44. 45). Stfcfeffenljeit ift baber jum 
üolfötümlid;€n 2lu«brud für Süerrüdt&cit 
geworben (3o^. 10, 20). 3ft übertäubt 
ber ©atan febon jebroeber Ärantb.eit Ur« 
b.eber (2uf. 13, 16), fo gilt infenber^eit 
jeter ©eifte«geftörte al« Dbfer einer ftn» 
ftereu ^aebt, bie ibn ftd) felbft unb ben 
s J)ienfdien untoerfiänblid? madbt. Slber audj 
plö^lir^eö ©tumm«, 2aub« ober iölinbroer* 
ben, fror Willem X obfudt unb (5Ȇebfic, alle 
mit 3urfun8fn unb Ärämpfen rerbunbene 
Äranfbeilen galten al« ^Birtlingen ber 
2)a'monen (»gl. jumal "Maxi 9, 14 f.). 
<£o »erbolmetfcbte man fidj ben eigcntüin* 
liaj unbeimlidjen (Sbarafter fola}er B"* 
fiä'nbe. 2)ie feibenben felbft mußten fid), 
roenn fie ba« ^)erannab,eu bc« ^aror»«mu« 



Digitized by Google 



£>an — $>annl>auer. 



161 



fühlten, rem „Sngel be« ©atan«" an 
%tpadt (2. Äor. 12, 7); fte f brechen ba« 
ber ^cn^l-uiid' amt im Hainen be« ©eifte« 
ober ber ©eifler, toon welken fte gequält 
ftnb (j. ». maxi 3, 11; 5, 7—9). 2>a« 
ge[$i$tli$e unb natnrwiffenfcbaftltcbe 8er 
ftänbni« biefer rätselhaften (Srfcbrinung 
botiert in ber neueren Geologie feit 
©cmler. 0. seef(f)»öniiig. B. 

SDttit. 1) ©ofcn 3afob« toen »a&el« 
SKagb ©tl^a; 2) ber nacb; tym benannte 
©tamm, roelcbem 3ofua ba« Äüftenlanb 
mefllicb t>ou 3uba unb Benjamin jum 
Seftfce anwie«; im 6ril untergegangen; 
3) bie nerblidje ©renjflabt ^aläftina«, 
früher ?ai« ober Seffern, entffcrecb>nb ber 
füblicben ©renjflabt Söerfeba; baber bie 
5Reben«art: „®anj 3«rael toott SD. bie 
©erfeba". (Eigentlich im ©tamme Wabbtali 
gelegen, warb fte toon 3«raeliten au« bem 
Stamme 2)au erobert unb umgenannt; 
biet unb in Settel errichtete bann 3erobeam I. 
bie ©Über 3abee« in ©tiergeftalt. h. 

Carum*. ?ambert, ftreng catoini- 
fHfcber I&eolog, geb. 1530 jit SBeaugeucti- 
fur=?oire, fhtbiertc in ©rlean« unb ©eurge« 
3uri«bruben3, mürbe flbttofat in Drlean«, 
ging 1560 nacb ©enf, um bort bie Defor- 
mation an ifyrer Duelle lernten ju lernen, 
würbe bureb bie ^ßrebigten unb itforlefungen 
(£al»in« beftimmt, ftcb, ganj ber Ideologie 
ju wibmen, folgte um 1561 einem 9?ufe 
al« ^rebiger nacb ©ien, flüchtete in frolge 
ber ©artboIomäu«na<$t 1572 nacb ©enf, 
wo er 1573 ^Jrofeffor würbe, ging 1581 
als ^Jrofefjor nacb, Sebben, unb, ba er hier 
in ©treittgfeiten mit bem ÜDcagiftrate ge« 
rietty, in gleicher ßigenfebaft 1582 nacb, 
©ent. 3). fanb 1583 eine bauernbe 
©teüung im Äönigreic^e ftatoarra, juerft 
al« Pfarrer unb <ßrofeffor in Ort&ej unb 
bann 1591 al« ^rofeffor in 2e«car, wobin 
bie Uniüerfttät oerlegt worben war. 1593 
nabm 2). einen 91 uf naefy Caftre« an; bier 
ftacb er 11. 9coto. 1595. Unter feineu 
jablreicben ©Triften ftnb befonber« ju er* 
mahnen: „Ethices christianae libri tres" 
(1577, 7. »nfL 1640), in benen er jum 
erften SWal bie tBiffenfdjaft ber (Stbif 
getrennt bon ber 2>ogmatif be&anbelte. 
ißrgl. l ; be frölice, L. D., sa vic, ses 
ouvrages, ses lettre« ine'dites (1882). z. 

iCanicl, (b.ebr., „ber «iebter ©otte«", 
b. b. ber im tarnen ©otte« rU\'d t fpric^t), 
ein $efe!. 14, 14. 20; 28, 3 mit 9ioab 
unb $iob jufammen genannter, frommer 
Dulber ber $orjeit. ©eine legenbett&afte 
©efebjebte erjäblt ba« nacb. tym genannte, 
in unferen lateinifeben unb beutfeben «ibeln 
in bie Babl ber fogen. toier großen $ro- 

$ol*mann u. SW*L Cfriton. 



bieten aufgenommene ©uc$ be« b«bräifcben 
Äanon«. §iernacb geborte er ju ben 
unter 3ojatim in ba« babtttoitif$e oni 
weggefübrten 3uben, erlangte fcb.cn unter 
yiebufabnejar eine Ijolje ©teile am ^>ofe, 
bie er aueb unter 3)ariu« unb Mn:u> tro^ 
aller gegen ibu gefbonnenen ^poffabalen 
bebaubtete. Xa« b«lb cblalbäifcb, balb 
b.ebräifcb gefebriebene $ucty, welche« biefe« 
erjäblt/ ifi, wie »leer, £e Üöette, giftig, 
öwalb, Vilcfe, ©ttnfen, 2)iamann, ^ilgen- 
felb, ©raf, Äuenen, 9tenß jur (Soibenj er- 
beben hahen, erft 3abrbunberte nac^ ber 
babblonifcben ©efangenfcb,aft gefdjrieben 
worben, unb )war unter Slnticcbu« cv;- 
^bane« toon ^prien 165 ö. i£h. 3n ber 
3öeife ber Slbofalbbrit (f. b.) wirb bie Her* 
fünbigung ber 3eiterrianiffe bi« auf bie 
©egenwart bee JBerfaffer« einem früher 
lebenben ©eber al« 33Bei«fagung in ben 
ÜWunb gelegt. 2)ie l'efer feilen babureb 
in ben fetten ber fbrifeben dteligionfluot 
getröftet unb geftärft werben, fofern aüe 
febeinbaren Jöiberwärtigleiten al« toorau«= 
bebaebte Ibeilc be« geblieben Seltblan« 
erfebeinen, beffen le^te« 3id in einer, bem- 
näcbft anbreebenben, $)errfcbaft be« »ol!e« 
©otte« auf Grben Deficit 2)er im 3ufaw« 
menljange fold^er Söei«jagungen auftretenbe 
iDcenfcbenfobn (f. t>) tft bie folgenreiebfte 
©d?b"bfung biefer abofalpptifcben s 45^aittafte 
geworben, «rgl. ?>i^tg, 25a« «ucb. 
(1850). b. 

iDanf opfet (aueb 4» eil«-, Üob- ober 
griebeneobf er), bie freubige, 3)anf 
gegen ©ott auSbrücfenbe, ältere ftorm be« 
Obf«r«^ wobei bie barbringeube gamilie 
ba« int. genießt, i'ebiten wie Slrme aber 
an ber gemeinfamen ftreube tb,eilnebmeu 
bürfen. 2a9 ©efeU regelte biefe öbfer, 
inbem e« genau bie ©tiiefe beftimmte, 
welche toerbrannt (bie fogen. gettftücfe) 
ober ben ^Jricftern gegeben werben maßten, 
unb inbem e« neben ben b^toaten 2/anl- 
obfern aueb] öffentliche Obfer einführte, bei 
welchen bie 2)arbringenben fogar ju ©unpen 
ber ^riefter ootn ©enufj ganj au«ge' 
fc^loffen waren. Stefe obligaten ©emeinbe* 
obfer brängten attmähjicb bie alte t>olf«< 
tümliche freier juriief, welche im ©runbe 
jetyon burdj bie frorberung, baß 3). nur 
tn 3erufalem bargebracb^t werben burften, 
jer^ört war. n. 

£ nun hau er, o ^ i, ann ftonvab, ftreng 
lutber. Xbeolog, geb. 1603 ut Äbnbringeu 
im ©abifdjen, ftubterte 2:b«logie in ©traß- 
burg, Harburg, Slltorf unb 3ena, mürbe 
1628 3nf»eltor be« ^rebigerftift« in ©rraß> 
bürg, bafelbft 1629 *|3rofeffor ber »ereb- 
famfeit, 1633 ber Xbeologie, 1658 fünftel- 

11 



Digitized by Google 



162 



Darbot? — Darftcttung (Sfjrtfti, fteft ber. 



)>r«biger unb gleid? barauf $räfe« be« 
ftirdjenfonbent«. 2). (tarb in ©tra&burg 
7. Wob. 1666. 2>. war ber 2ebrer ©pener«, 
Serfaffer ber „Hodosophia christiana" 
(1649), in weiter bie 2)ogmen unter bem 
©efid)t«puntte einer SSanberung nad) ber 
bimmlif djcu peimat bemäntelt werben, fowie 
ber „Hodomoria spiritus Papaei* (1553, 
2 ©be.), einer ©treitfdjrift gegen bie 3rr- 
wege be« ^ßapfltum«, unb ber „Hodomoria 
spihtuH Calviniani" (1654), in weldjer er 
bie Abwege ber calbintftifdjcn Sebte auf' 
beden wiu. 3n einer Bleibe bon äbbanb' 
lungen („Mysterium Syncretismi detecti, 

?roscripti et symphonismo compensati", 
648; „Dialogu8apologeticuspromy8terio 
Syncretismi detecti", 1651 u. f. m.) trat er 
im tarnen ber Drtboborie gegen CSalirtu« 
(f. b.) auf, beffen Stiftung, ben ©butre« 
ti«mu«, er „eine Bufammenbutteruna, ber 
brei großen Religionen" nannte, „bte im 
SRöm. 8Retd)e florieren unb graffteren". 
3Jrgl. Wübviet, Mitteilungen au« ber 
©efdudjte ber ebangelifeben flirre be« 
Slfaffe« (2. »b. 1855), unb SB. $orning, 
2)er ©trafjburger Uniberfität«profeffor, 
2Hünfterprebiger unb ^räftbent be« flirren* 
lonbent«, 2>r. 3. C. 2). (1883). z. 

©atbott, ©eorge, (grjbifdjof b. <ßari«, 
geb. 1813 ju gatil-Ctflot Departement I 
£aute«2Jiarne), mürbe nad) feiner ^Jriefter« 
wetye 1836 Sifar ju ©t.»25ijier, barauf - 
Se&rer ber «ßbjlofopbie unb fpäter ber 
Geologie am ©eminar ju Sangre«, an | 
weld)em er feine tbeoloaifdjen ©tubien 
abfolbiert ^atte ; 1845 nad? ^ari« berufen, 
befleibcte er bie berfdjiebenften Stemter, 
mar feit 1846 jweiter Slmofenter am : 
(Soflege §enri IV., fpäter Sraminator ber i 
angebenben Älerifer, ^rototoUfü^rer be« 
erjbifd)öflid)en ©ebeimratb«. 1859 erhielt ! 
2). ba« %i«tum SRancb, 1863 ba« ^arifer j 
(Srjbi«tum unb 1864 bie SBürbe eine« 
faiferlicten ©rofjalmofenier«. Vtuf bem 
vatt f anif et cn ftonjile mar er einer ber 
gübrer ber Cppofition gegen bie ^äpftltdbe 
Unf el)lbarfeit , bie er jebod), al« fte pro» 
ftamiert morben mar, obne weiteren ^ßroteft 
binnabm. SBä'brcnb ber Belagerung öon 
<j$ari« 1870/71 bat er febr biet für bie 
Verpflegung ber SSermunbeten unb für bie 
Unterputjuug ber 2Hittellofen getban. »on 
ber ^arifer Commune würbe ,2). 1871 
behaftet unb auf ©efebl be« 3<ntralf otnttef 
24. HRai 1871 erhoffen. Unter feinen 
jablreidjen ©djriften finb Ijerbor jubeben: 
„Lea femmes do la Bible" (5. -Knfl. 1859, 
2 ©be.); „Les saintes femmes 14 (1850); 
.La vie de St Thomas Beckot" (2. Stufl. 
1860 , 2©be.). «nd? überfefete 2). „2>ie 



Wad)folge (Jbrifti" be« Iboma« a Äempi« 
(4. «uff. 1859). »rgl. 2amajou, 2)ie 
«ßarifer Commune (beutfd) 1872); ^on« 

(So 



l e b o b, ftünf Opfer ber ^Jarifer 
(beutfd) 1874) ; % r t e b r i d) , @efd>td?te be« 
»atttamfdjen Äonjile« (1877— 87,3 »be). r. 

©ar&tofteit (3)arbb<$riften ober 
^Ibmoutbbrüb er), etne jmtfdjen 1820 
unb 1830 in (Snglanb entftanbene d)ilia- 
ftifdje ©efte, nad) ibrem ©tifter 3obn 
SRelfon 2)arbb (geb. gegen ©djlufj 
be« 18. Sabrb-, geft. 28. «pril 1882), bor- 
maligem &fcbofaten, unb fpa'terem angli« 
fanifetcit ©eijilidjen, genannt, weldpe in 
bem gegenwärtigen &irrf)enwefen nur einen 
adgemetnen Itbfall toom (Sbciftentum, eine 
„Bileamafirdje", erblicfenb, bie SBieberfunft 
(Sb"ftt al* bemnäd)fl bcöorflebtnb erwartet 
unb fid) in freier, gotte«bienfllid)er $er> 
eiuigung obne alle ftrd)lid)e Organifation 
unb in 3urü(fgejogenb.eit öom roeltlidjen 
treiben auf btefelbe borjubereiten fudjt. 
2)ie SWitglieber berfelben nannten ftdj 
„Brüber" ober „«rilber in bem ^erm". 
2)en SRamen „^Jlvmoutbbrüber" erhielten 
fte bon ber «Statt ^Ibmoutb, wo ftc fid) 
juerft in größerer Slnjabl um 2)arblj 
fammelten. SJon bem anglifanifdjen Äleru« 
berfolgt, wanbte fid? jener 1838 nad) ®enf 
unb 1840 nad) SJaufanne, wo er, bur'd) bie 
bamaligen waabtlä'nbifcben 2)ifftbentenbe- 
wegungen unterfingt, jablreidje Xnbäuger 
fanb. 2lud) in Württemberg, im Suppcr- 
tbale unb an ber föubr gewannen pe 
©oben. $on ben jablrfidjen ©djriften 2).« 
ftnb mebrere in ba« 2)eutfd)c überfet^t, fo 
„2)ie gegenwärtige Erwartung berÄirdie" 
(1843); „25ie Seit unb bie $fkd)e" (1848); 
„2)ie ÄirAe nad) bem Sorte ®otte«" 
(1850); „Betrauungen über ba« Söort 
©otte«" (1. «b. 1858). »rgl. ^erjog, 
„Les freres de Plymouth et John Darby" 
(1845); ©runewalbin beu „3abrbüd)ern 
für beutfdje 2:beologie" (1870). z. 

rariue (eigentlid) 2)arajawu«, bebv. 
2)ariabefd), gried). 2)areio«), ©obn be« 
^vfiaSpe«, Äönig bon ^erften 521—486, 
geftattete bie Fortführung unb Boüenbung 
be« Xempelbaue« in 3erufalem, fpielt 
baber eine 9toüe in ben Süd)ern be« (S«ra, 
©adjarja unb ^aggai. Sin anberer, ge« 
fcbid)tlid) nid)t nacbwei«barer, 2). erfdjeint 
2)antel 6, 1; 9, 1; 11, 1 al« ©obn be« 
H&aSberu« unb 9iad)folger öelfajar«. h. 

rarftcüunfl (£b«ftt, ^feft ber, aud; 
ÜRaria' Reinigung, viebt meö genannt, wirb 
in ber fatboufdjen Äird)e 2. ^ebr. gefeiert 
3ur Erinnerung an ba« Sretgni« ?uf. 2, 



Digitized by Google 



£)arfteuung ber 3iingfrau 2Raria — 



£>at>ib. 



103 



JDarftctlung ber 3nn0frou 3Ratitt, 

©atatiuö, «orfteber ber 2)ataria, 
f. Äutte. 

raub, Äarl, fbefulatiber i^tolog, 
geb. 1765 ju Äaffel, warb 1791 $ojent 
an ber tbeologifdjen gafultät ju Harburg. 
1794 folgte er einem 9tufe al« tfebrer ber 
"^ilcfop^ie nach $anau, 1795 als orbent» 
lieber ^Jrofeffor ber ^^eolcaie nacb Reibet' 
berg, wo er 22. Wob. 1836 ftarb. ©ein 
„i'e^rbu^ ber Äaie<$etif" (1801) fteb. t 110$ 
auf tent ©tanbbunfte be« Santföen 
Äritijiamu«, bagegen entftanben unter 
bem (Sinfluffe ber ©cheüingfcben 3bentität«- 
V^ilofo^ie bie „Theologumena u (1806) 
nebft ber „(Einleitung in ba« ©tubium 
ber ©ogmattt" (1810). 2)a« mbftifche 
(Element trat berfcor in ber ©chrift ,, 3uba« 
ofetaviot ober Betrachtungen Uber ba« 
8öfe im «erhaltni« jum @uten" (1816, 
2. Bufl. 1818), warb aber wrbrängt bureb, 
ten Hinflug $egel« in ber ©chrtft „2)te 
bogmatifthe Rheologie jefciger 3«t ober bie 
©etbftfucbt in ber Siffenfchaft be« ©lau- 
ben«" (1833). Wa<h feinem lobe erfdnen 
bonSRarhemel e mit 25 ittenberger eine 
Sammlung feiner „%\)to\o$\fätn nnb 
bbilofobtnfchen »orlefttngen" (1838—44, 
7 »be). »rgl. 91 of entrang, Erinne- 
rungen an St. 3). (1837) ; 2). %. © t r a u ß , 
CSbarafterifHfen unb Äritifen (2. Mufl. 
1844); ©itb. fcerrmann, 2>ie fbelula» 
tibe Sb^eologie in ihrer (Jntwidelung burd; 
3>aub(1847). z. 

£amb f Äbnig bon 3«rael, ber ge- 
feiertße SJiann ber altieraelitiföen ®e- 
fdjicbte. Aufgewachten al« $irt auf ben 
glureu 8ethleh«n«, fam ber ©ob.n 3fai« 
al« 3üngling an ben#of ©aul«, berbanb 
ftch in vnmger greunbfe^aft mit beffen 
@otm 3onatt)an, würbe aber, al« e« 
jwifchen ©aul (f. b.) unb ©amuel (f. b.) 
jum ©ruet) fam, ber Xhronfanbibat ber 
t&eofratiföen gartet. 2>iefe« Ser^altni« 
trug ihm juerft ftlucht unb «erbannung, 
bann aber, nachbem ©aul unb 3onathan 
im Äarabfe wibtr bie <ßbilißer gefallen 
waren, bie ÄBnigfiwürbe ein, bie er 40 
3abre lang (bi« frühen« 1018, wabr* 
fchetnlich 993, fbäteften« 978 b. Cbr.) mit 
fo großem ©lanje führte, baß fein Warne 
tbbifch würbe, nicht bloß für bie große 
Vergangenheit, fonbern eben fo fet)r auch 
für eine erhoffte, golbene .öufuuft be« 
Volte«, jofern ber erwartete 2Reffta« ein 
„©obn 2)abib«", ein neuer 2)abib fein 
fönte, ©ein berfönlicher C^aralter bietet 
neben wirtlichen üidjtfeiten aüerbing« auch 



auffallenbe frieden bar, unb über wenige 
$errf<$er ftnb ton bem gefänglichen 
©tanbbunfte au« fo betriebene Urteile 
gefallt worben, wie über „ben SRann nach 
bem $erjett ©otte«". 2luf jeben ftafl aber 
hat er ber Wation ©elbftbertrauen unb 
religiöse« geben eingehaucht, inbem er bie 
gelederte ©tamme«berbinbung wieber 
fnübfte, bie benachbarten Wlferfchaften 
unterwarf unb ben ©otte«glauben, in beffen 
2)ienft er auch feine boetifche Begabung 
fleQte (f. •iMatmen). ftärfte uub befeftigte. n. 

rauib, 1) &briftian, Wifftonar ber 
©rübergemeinbe unb geiftlicberi'iebcrbichter, 
geb. 1690 ju ©enftleben in SWähren, er- 
lernte bat 3tmmermannebanbmert, tr «t 
als breußifcher ©olbat in Berlin bom 
jtatholi)i0mue jur lutberifchen Äirche über 
unb gefeilte fiep in ©'drliö 1717 ju ben 
^ietiften, grünbete mit anberen ma'hrifchen 
?lu«wanberern 17. 3uli 1722 bie Äolonie 
ber Währifchen trüber am ^utberg in 
ber ?auftfc, bie bann ^ermhnt genannt 
warb, ©bäter machte er 2Wiffton«reifen 
nach $oflanb (1735), Siblanb (1729), 
$ennfblbanien (1748) nnb mehrmal« (1733, 
1747, 1749) nach ©rönlanb. (gr ftarb 
3. gebmar 1751 ju $>errnhut. 

2) (2) a b i b i «) g r a n j , flntitrinitarier 
be« 16. 3ahrh-, geb. um 1510 in Älaufen« 
bürg (Siebenbürgen), fhtbierte feit 1548 
5Eh«ologie in Wittenberg, trat 1551 jur 
lutberifchen Äirche über, würbe ^Jrebiger 
1552 in $etcr«borf unb 1558 in Älaufen- 
bürg, ©eit 1558 neigte er fid) immer 
mehr jum (£alohti«mu« h' n / J» bem er 
1564 übertrat, würbe ©uberintenbent ber 
reformierten Scirdje in ©iebenbürgeu unb 
$ofbrebiger bei bem gürften 3ohann 
©igi«munb 3 ö ^»^a- ®urch ©lanbrata 
(f. b.) für bie ?ehre ber Unitarier (f. b ) ge- 
wonnen, fchloß er fleh 1566 biefen an; 
1568 ©uberintenbent ber Unitarier ge» 
worben, überwarf er fich in Äolge feiner 
$3eftrritung ber übernatürlichen ©eburt 
unb ber «nbetung (Ehtifli mit ©lanbrata, 
ber e« bahin brachte, baß 3). 1579 al« @otte«- 
läfierer ju lebenölanglidbem ©efängniß 
berurteilt Würbe, ör ftarb jeboch fchon 
nach biermonatlicher $aft. ©ein Änbenfen 
würbe 24. Sluguft 1879 auf einer ©bnobe 
ber Unitarier (f. b.) ju $eß unter bem 
«orfi^ be« ©uberintenbenten 3ofebh ge- 
rencj au« Älaufenburg gefeiert. Snfl 
feinen Anhängern, ben 2>abibißen, ent« 
ftanben bie jübifch gefinnten Unitarier 
(3ubat janten), bte alle Serehrung 
CEhrifti, ol« eine« natürlichen SWcnfchen, 
berwarfen; au« biefen wieber bie ©ab« 
ba tarier, bie ba« Wette Seftament nicht 

11» 



Digitized by Google 



164 



ancrfannten unb ben SWeffia« uodj erwarten. 
Vrgl. 9tleriu«3acob, ftranj 2). (1879). 

3) 2). 3ori«soon, b. h- ©obn be« 
®eorg, ©chroärmer unb „Grjtetjer" be« 
16. 3ahrh-, geb. 1501 ju Vrügge, war 
juerft ©la«maler. Verspottung ber bon 
Grießem getragenen SWonftranj in 2)clft 
jog ihm 1528 bte Strafe be« ©taubbefen«, 
ber ^inigentuicbflecfntug unb ber Ver« 
bannung ju. Gr hielt ftdj feit 1534 jur 
©ehe ber VJicbertaufer, bilbete fich aber 
jbäter einen eigenen Ärei« bon Änbängcrn, 
tnbem er lehrte, baß er al« ber, ton ben 
^robheten berb eigene, Gmanuel gefanbt fei, 
mürbige Äinber für ba« 9teich ©ettee }U 
fammcln unb bon bem 3wange be« @e« 
fefoe«, in«befonbere bom 3oche ber Gbe unb 
bem Vorurteile ber ©dpam, ju befreien. 
2>ie 2)abi bitten trieben i^r ffiefen jroar 
im ©tillcn, mürben aber feit 1538 bon 
ber b^odanbif^en Regierung granfam ber« 
folgt unb Eingerichtet. 2). förieb 1542 
fein berüchtigte« „Wonderboeck", ba« ein 
ungeheure« Aufleben machte, ihn aber auch 
jroang, fid) nach Vafel ju begeben, roo er 
ftch unter bem tarnen 3 o bann bon 
Vrügge aufhielt unb äußerlich jur refor* 
mierten .Hinte betannte. Gr ftarb unerfannt 
al« angefehener 9Raim 1556, aber nach 
brei 3ahren marb fein Äbrfccr mit feinen 
Schriften berbrannt. ©eine Anhänger, 
2>abibiften ober 3 orificii, erhielten 
jich tro^j aller Verfolgungen in $oÜanb 
i« in bie SKitte be« 17. 3abrh- Vrgl. 

Wiböolb in ber „3eitfchrift für hiflorifche 
Xheologie" (1863 unb 64). 

4) 2). bon ?tug«burg, mbflifcher 
©ehnftftetfer unb einer ber früheren Lehrer 
be« granji«fanerorben« in 2)cutfcblaub, 
lebte )u 9tegen«burg, feit 1243 in 9tug«- 
bürg, mar Vchrcr unb ftreunb Vertholb« 
bon 8fegen«burg (f. t>.) unb ftarb 1272 ju 
9lng«burg. Äußer jahlreidjen lateinifchen 
©chriften, unter benen für bie Äirchen- 
gefliehte bie unter bem Xitel .De haeresi 
pauperum do Lugduno" bon hoh<m SBerte 
ift, berfafjte er auch a«Ietifcbe, unb jmar in 
beutfeher ©brache, fo „25ie fieben Vor» 
regeln ber Eugenb"; „2)er ©biege! ber 
£ugenb"; „Gb"f" Seben unfer Vorbilb". 
Vrgl. Sö. Vreger, ©efehiebte ber beutfehen 
SDJbflif im Mittelalter (1. 8b. 1874); 
2)erfelbe in ben „Abhanblungen ber 
biftorifcben Älaffe ber Ägl. Vabcrifchen 
»fabemic ber 2Si|fenfchaften" (1878). 

5) 25. bon 2) in an t, Vertreter be« 
mittelalterlichen % anthei«mu«. ©eine fßirf- 
famfeit al« Jehrcr 511 $ari« faßt in ben 
•Anfang be« 13. 3ahrb- 3n feiner nicht 
mehr erhaltenen Schrift „Quaterni" lehrte 



| er, baft üRaterie unb ©Ott nidjt bon ein» 

I anber $u unterfcheiben ftnb, ba jroei v Äb« 
folnte unbenfbar. (Sine ^ßarifer ©b- 

; nobe berbammte 1209 feine Sehre. Vrgl. 
3unbt, Histoire du Panthdisme popu- 
laire (1875). 1. 

©aoibfon, ©amuel, englifchcr £beo« 

| log, geb. 1807 in 3rlanb, nwrbc 1835 
breöbbterianifcher Vrofeffor ber biblifchen 
Scritit in Velfaß, 1847 Vrofeffor ber 
biblifcben Äritif unb ber Äirchengefchicbte 
in bem neuerrichteten 3nbebenbenten>Äol« 
legium ju SDfanchefter. föaehbem er biefe 
©telluug 1857 roegen be« burchau« freien 
Gharafter« feiner gorfchungen hatte auf* 
geben müffen, mürbe er 1862 jum Gja» 
minator in biblifchen fächern an ber 
Uniberfttä't Sonbon gemäplt. Gr febrieb : 
„Sacred hermeneutics* 4 (1843); „Eccle- 
siastical Polity of tho New Testament" 
(2. «ufl. 1854): „A Treatbe of biblical 
criticism" (2. «uff. 1855); „The canon 
of the Bible" (3. Suff. 1880); „Intro- 
duetion to the New Testament" (1848 
— 1851, 3 Vbe.); „An introduetion to 
theOld Testament" (1862—63, 3 Vbe.); 
„An introduetion to the study of the 
New Testament" (2. XufL 1882, 2 Vbe.) ; 
„The doctrine of the last things" (1882). 
«uch überfefcte 25. ©iefcler« Sehrbuch 
ber Äirchcngefchichte (1848-56, 5 Vbe.) 
unb ftttrfl« §cbräifche« unb G£t;albäifc^eö 
eeriton (4. KttfL 1871) in« Gnglifche. %. 

Debora, ^elbin au« bem ©tamtue 
9iabhtali/ welche al« „Mutter" in 3«rael 
auf bem ©ebirge Gbhraim Stecht fprach 
unb m ben Richtern gewählt marb. 91« 
ber Äanaauiterröiiig 3abm unb fein gelb- 
haubtmann ©ifera ba« Volf bebrüeften, 
berfammelte fte im Vereine mit ihrem 
Sanbemanne Varaf bie nörblichen ©tä'mme 
jum fiegreichen Äambfe rciber bie ftimbt. 
3hr ©iegeslieb (SRicht. 5) ift ein herrliche« 
2)enfmal ber Ibrifdjen Volf«bichtung biefer 
alten 3eit. Grflarungen fchrieben G. Ti ei e r 
(1859) unb G. Viffinger (1866). n. 

£ecbamp£, Vittor ttuguft, Stax* 
binal»Grjbifchof bon Becheln, geb. 6. 25e3- 
1810 ju 2JicÜc (Ofrflanbern), trat nach 
Gmbfang ber ^rieftermeihe in ba« 9cebemb= 
torinenflofter ju ©t. Xronb, fbäter in 
ba« ju ffiittem bei «achen, würbe Äeftor 
be« ^ebembtoriflenhaufe« in Xouutaty, 
1865 Vifchof bon Wamur unb 1867 Grj- 
bifchof bon Becheln. 5tuf bem batifanifchen 
Äonjile mar 2). einer ber eifrigfien Vcr^ 
treter ber 3nfaüibilität«lehre. 1875 mürbe 
er jum Äarbinal freirt unb mar bi« ju 
feinem 2:obe 1883 einer ber ftührer ber 
belgifcheu Ultramontaneu in bem 1879 



Digitized by Google 



Demant — Dei gratia. 



1 66 



au«bred>enben Äulturfamfefe ((• *•). 3). fiaTt 
al« ein au«gejeid?neter Äanjelrebner unb 
bat eine große Steifye ttrdjenfeolitifdjer : 
©d)riften »erfaßt, toon benen mehrere in ! 
ba« 2>eutfdjc überfefct worben finb, fo j 
„3)ie Unfeblbarfeit be« ^abfte« imb ba« 
allgemeine Äonjil" (1869); „3 »riefe über ! 
bie Unfeblbarfeit be« ^afefte« an ©ratrb" \ 
(1870); .Ueber bie Opportunität ber 
Crflarung ber bä>fHiiben Unfeblbarfeit, 
@d?reiben an ft. 3)ubanloub" (1870); 
„Der ?iberali«mu«" (2. Hufl. 1870); „2>ie 
Unfeblbarfeit ber pa>ftli<$en ?eb.rentf*ei« 
bungen, offene« ©treiben an ft. Dubanloub" 
(1870). s. 

DecTma (lat., nämlid> pars), ber jetynte 
%\)t\\, 3<^ nt » deeimae anni, bte 40tagi$en 
gaften; bejimabel, je&ntbar, je&nt&flidj« 
tig. h. 

£ectU$, f. SttriftraverfotgunBen. 

£eciu£, 9tifolau«, etoangelifd)er ?ie> 
berbidjter, n?ar juerft ^ropft be« Älofter« 
©teterburg bei SBolfenbüttel, trat jur 
efcangelifctyfn Jetyre Uber, nnirbe barauf 
?ebva an ber 2t. Äatbjirinen* unb He« 
gibienfd)ule ju »raunfebtoeig unb fcfylieftlid) ! 
Pfarrer in ©tettin. 3). ift ber SDic^ter fcon ! 
„Mein ©ott in ber W fei <Z\>v" unb 
„D 2amm ©otte« unfdjulbig", bie er au« 
bem ?ateinifrf>en in ba« Wieberbeutfctye 
übertrug, ©abrfrteinlid) ift 3). ibentifdj 
mit bem ©tettiner ^rebiger (feit 1523), 
föifolau« a Curia (t>on $of)/ "fr- mit 
bem ^rebiger Mfolau« $ot>efd), ber 1541 
in Stettin ftarb. z. 

Declaratio cleri gallicani, f. ©am* 
tanicmn*. 

Declaratio solida, f. Äontotbienformti. 

Decornm clericale(lat), »ejeidmung 
für fä'mmtlidje ©tanbe«bflin)ten ber ©eift« 
lid>en, burd? bereu »eobad)tung bie geift« 
lidjc SBürbe gewabrt n>irb. «. «imi«. z. 

Decretum Gelasianum wirb ba« 
bem ^atofte ©elaftu« I. jugefc^riebene „De- 
cretum de libris reeipiendis et non reci- 
piendis" genannt. 2Wag aud) ein fleinerer 
Stbeil be«fetben fd)on toom <Pa*ft ? amafu« 
»erfaßt, unb ba« ©anje im 6. Öabrb, . öom 
$aj>ft §ormi«ba« überarbeitet n?orben fein: 
ber VMupttbeü, weldjer fo ut jagen ben 
erften „Index librorum probibitorum" 
(f. b.) enthält, rü&rt »on ©elafiu« I. ber 
unb ift n>abrfä>einlid) auf einer ©bnobe 
be« 3ab>« 496 öertfffentlidjt »orben. 2)a« . 
D. G. jerfäüt in 5 Steile; ber erfte (teilt 
ben biblifd)en Äanon feft, ber jroeite Ijanbelt | 
toon ber ^rSbonberanj be« rtfmifdjcn ©tul>» 
le«, ber britte fiibrt bie aügemetnen Hon» j 
jilien auf, ber bierte giebt ein »erjeidmi« ' 



ber t>on ber rbmifdjen Sinbe rejizierten 
©djriften ber £ird?em>ä'ter unb ber fünfte 
Xbeil nennt bie »on ber Sirdje ntrbt reji- 
zierten ©Triften ber ?etjteren. »rgl. 
'.'l J bu'i , Do decretali Gelasii papae de 
reeip. et non reeip. libris (1866); r i e b « 
ri*, 2>rei Äonjilien au« ber iUierofeinger- 
jeit, mit einem anfange über ba« D. G. 
(1867); Eerfelbe, lieber bie Unadjtfreit ber 
25efretale de reeip. et non reeip. libris 
be« ^abfte« ©elaftu«, in ben „(gifeuna,«- 
berichten ber pbilofopb., b^ilolog. unb biftcr. 
Älaffe ber itünigl. »aber. 9lfab. ber ©iffen* 
febafteu" (1888) ; (J r e b n e r , Bur ©ef(bid)te 
be« Äanon« (1847); §efele, Äonjilien= 
»efebiebte (2. »b., 2. Sufl. 1875). z. 
Decretum Gratiani, f. ©rattan 
Defectns (lat.), bebeutet im £ird)en> 
red>t benSWangel ber jum Srnpfange refp. 
jur Butttfemtg be« Orbo notmenbigen 
(Srforberniffe. ®. Ortination. %. 

DefenSOr, f. Adrocatu» ecclesito. 

Cefinitoren bet fleiftlie^en Crben 

tourben fctvcl^l in ben Kongregationen ber 
Sluniacenfer, Äamalbulenfer , ber <£ifter« 
cienfer jc bie »orfte^er ber einjelnen Xi- 
ftrifte (Definitionen) genannt, al« aud) in 
ben ©ertelorben bie »orgefe^ten ber öer- 
fdnebenen »ejirfe (25efinitionen) , n?elä)e 
jufamnieu eine ^rottinj auemaebten. %. 

©egrobatten (lat.), im ÄirdjenredUe 
bie mit bem »erlufte ber ©tanbe«re(bte 
feerbunbene (Sntjietyung ber geiftltd)en SBürbe 
megen Abfall«, Äe^erci ober fd>n>erer »er» 
bredjen. @ie mad)t jum ferneren (Srmerb 
»on Äird;enä"mtern unfähig, ^rü^er er- 
folgte 35. burd) eine 3nttm<mie, bei h?eld)er 
bem »crurteilten ber geiftlid)e Ornat ©tü£f 
für ©tüd au«gejogen, ber Äobf gefroren, 
2>aumen unb ,S<i9ffi"9 er / We ib^m bei ber 
Seibe gefalbt morben tuaren, mit einem 
Keffer leiebt abgefd>abt unb »ußgor-anber 
angetban würben ; jefet n>irb fie meift burd) 
eine »efanntmad^ung ber geiftlid^en »c= 
börbe üoüjogen. »rgl. Äober, 2)ie 3)e* 
Zofttion unb Degrabation uacb ben ©runb« 
fä(ien be« Äird)enred)t« (1867). /.. 

Dei gratia (lat.), f. t\ n>. ,,»on ©otte« 
©naben",einben9lmt«titeln ber »ifd)b'fc unb 
§errfd)er toorgefe^te« Sßräbifat; e« nimmt 
feinen Urfbrung in benjenigen ©teilen 
ber b«ulinifd)en »riefe , in n>eld)cn fid) 
ber »erfaffer einen „burd; ben SBiüen 
©otte«" berufenen Haftel nennt (1. (£or. 
1, 1 ; 2. Cor. 1, 1 ; G^b. . 1, 1 ; <£ol. 1, 1 ic), 
tourbe feit bem 4. 3ab,rb^. toon ben 
»ifeböfen — juerft al« .Bridjen i^rer be« 
müttgen Unterorbnung unter ©ott — in 
ibren 3^itel aufgenommen unb fbäter fcon 
ben Äarolingern, ben beutfd)en Äaifcrn 



Digitized by Google 



166 



Detemu« — Delegation 



unb ben übrigen weltüdjen dürften al« I 
SBejeid;nung ibrer, »on ©ott öerliettenen, 
£errfcbaft benufet; feil bem 15. 3ab.rb. ifl 
be« Beiwort „söon ©orte« ©naben" immer 
mebr jur «ßrä'rogatitoe ber ?anbe«t)erren gc* 
»erben, ©om 12. 3al)rr). ab bebienten ficb. 
bie ©ifcbbfe be« 2itel« „Dei et aposto- 
licac sodis gratia" jur 93ejeid)nung iljrer 
flbttfngigreit com remifdjen ©tutjle. z. 

£ei*mu$, eigentlich eine latittifterenbe 
SlbWanblung toen Jb.ei«mu« (f. b.), bejetdj= 
net in ber neueren Religien«bbiIefobl)ie 
jebodj eine berartige gorm be« rinlofocb> 
fetyen ©otte«glauben«, welche im ©egenfatje 
jur Annabme lebenbiger, nnfeittrrilierbarer, 
unter llmfta'nben wunberbarer ©ejietjungen 
©otte« jur Seit ba« Serbä'lrnifi beiber in 
möglicbjt abftrafter Seife feftfieflt, babei 
jebodj in nitbt minber bejeidmenbem ©egen* 
fafce jitm ^antbei«muö ©Ott al« ein Ginjel* 
mefen unb fein S?erbältni« jur Seit etwa 
nacb Analogie be« $er&ältniffe« eine« Ubr= 
matter« ju bem anfgejegenen, Ceti felbft 
ablaufenbeii UbrWerf auffaßt. Sa« übri* 
gen« bie ^iflorifc^e (Srfcbeinung betrifft, bie 
mau gew'dlmlid) mit bem tarnen 2). U- 
^eic^net, bie ju Gnbe be« 17. unb ju 9In» 
fang be« 18. 3abr^. in (Snglanb aufge» 
treteneu „ftreibenfer" ober Reiften, wie 
(S^erburv (geft. 1648), ©lount (geft. 1693), 
©raf ©bafte«burc (f. b.>, fcinbal (f. b.) unb 
©orificii (f. b.), Xrianb (f. b ), ?orb ©riing« 
bretc (geft. 1751), (Sljubb (geft. 1747), 
Morgan (gefl. 1743), SWanbetoitte (geft. 
1733), Min« (geft. 1729} u. a., fo ge» 
b.ört eine berartige ebifuretfd;e S?orfteüung 
com S?crbältui« ©ette« jur Seit feine«« 
weg« ju ib. reu Unterfd;eibitng«tnerrmalen ; 
eber faffen ?efetere ft<^ jufammen in einer 
allgemeinen Rid)tuna be« cerftanbigen $or= 
fct)en« betreff« ber Religien mit ber Jen» 
benj, alle ^cfititjfn Religionen abjuleiten 
au« einer natürlichen Religion unb ebenfo 
aitdj roieber barauf jurütfjufiifcren. $rgl. 
Segler, ©efdjictyte be« engliföen 2). 
(1841): ^iinjer, ©ef^te ber c^rift- 
licben ReIigion«blnlefebi;te feit ber Refor« 
matten (1. «b. 1880). h. 

©efalog (gvied;.), ,,3et)ngefet}", f. 3«bn 

öebote. 

EeFän (Tat. Decanus) fcciftt in ber fa» 
tl>oiifd?cn Ätrc^e ber bem Äabitel eine« 
©tift« corftebenbe Äanenifu« (2>ccbant, 
an MatbotvaltiiAcn 2) cm beebant). 2). 
wirb and) ber SJorfleber eine« Öanbfa^itel« 
genannt (Decanus ruralis, Sanbbecbant). 
2. etjDricftcr. 3n ber broteftaittifc$en Äircbe 
bebeutet 2). f. c m. 8uberintenbent, geifi« 
lieber 3nfreftor; im Uniberfita'ttwefen ber 



an ber ebifce einer ftalultat ftefrenbe $ro^ 
feffer. z. 

©efanöt, 91mt, Siirbe eine« 2)e<^anten ; 
2) e t a n c i , 9lmt«n>oljHiing, Sprengel eine« 
Spanten, z. 

JDefretalen unb 3Cefretatenfomm^ 
lungert. Unter 2>etretalen verfteb^t man 
bie ba>filt($en ßrlaffe unb ©riefe (Decre- 
tales epistolae), bie, je mebj ftc^ ber p'dpp 
VvSft Primat au«bilbete, in ber Reibe ber 
9ted> t«quetten eine immer b obere 3 teile ein* 
nehmen unb feit ber SWitte be« 12. 3abr$. 
ben vauvtutbalt ber Ree^tdfammlungen 
bilben. Unter ben eigentlichen 2)efretalen« 
fammlungen ftnb al« bie ^ercorragenbfien 
ju nennen: 1) ba« „Breviarium extrava- 
gantiam" be« ©emarbu« (um 1191), auefy 
„Compilatio prima" genannt ; 2) bie „Com- 
pilatio tertia" be« $etru« Don »eneteut 
(1210); fpäter toerfagt fmb 3) bie „Com- 
pilatio secunda" be« 3cb- ©alenft«, 4) bie 
„Compilatio quarta" (nad) 1216), öon einem 
unbefannten Serfaffer ^errü^renb, unb 
5) bie „Compilatio quinta" (1226). ^>ierju 
f ommen nedj bie »erfd;iebenen, ba« „Corpus 
juris canonici" bilbenben 2)e(reta(enfamm* 

lUllgett. ©. Corpu« juris canonici unb fieuboifU 
borif^e Ifttttoleii. z. 

Cef tetifren tourben im Mittelalter bie 
Vebver be« fancnifd;en Red;t« genannt unb 
imar im ©cgenfa^e ju ben ?egiften, ben 
l'ebrern be« römifdjen Red)t«. z. 

Delegation (Jurisdictio delegata) be* 
beutet im Sira>enred;te bie Uebertragung ber 
fird;lid?en @erid;t«barleit burd; ben erbeut» 
liefen jräger berfelben an einen ©eiftlidjen 
in ber Seife, bafj biefer fie nid;t in feinem 
Warnen, fonbern in bem be« Auftraggeber« 
an o um ben i-at. 2)ie Jurisdictio dele- 
gata bat fid? feit beginn be« 12. ^ab^rt). 
au«gebilbet, miemebl fd^cit feit bem 1. ^abrb. 
bie unb frü^ettig aud) bie ®ifd;cfe 

einjelne ib^rer ©efugntffe burd; Anbere baben 
n>abrnet)men laffen. $on ben pä>ftlu$en 
Legaten (f b.) unterfd>eiben pd; bie 2)elc» 
gaten baburd;, batj fie nid;t rcie jene eine 
Jurisdictio ordinaria beft^en uub nteifieti' 
t^eil« lebiglid; in ©ad?en ber ftreitigen ©e- 
rid;t«barlett (f. b.) öermanbt würben. 2>e* 
legirt fetten eigentlich nur fold^e ©eifllid^e 
»erben, weldje im »efttje einer 2)ignität 
(f. b.), eine« ^erfonat« (f. b.) ober 2)om« 
Herren ftnb. 2/ie pa>ftlici)en 2)elegaten, 
nieb^t aber bie bifc^b'flidjen, ftnb jur ©ub< 
belegation, b. 1). jur weiteren Uebertragung 
ibre« Auftrag« an einen dritten beredptigt. 
2)ie 2). erlifebt in ber Regel mit bem 2obe 
be« 2)elegateu. 9?rgl. § i n f c!b i u « , ÄirdE>en> 
rec^t CL »b. 1869); S. Ää'm^fe, 2)ie 
©egriffe ber jurisd. ordinaria, quasiordi- 



Digitized by Google 



£)cUfefö — Denifon unb Denifonf^er «benbmar/teftreit. 167 



ruuria, mandata, dclcgata im reim., ta* 
nonifd)cn unb gemeinen beutfeben 9icd)t 
(1876). i. 

JDeltfcfdj, ftranj, f* ren £ {at berifcber 
^eolcg, geb. 23. ftebr. 1813 |n ?ciojig, 
fintierte bafelbft Übeolc^ic unb Orientalia 
unb habilitierte jtd; 1842 an ber tbeole 
gifeben gafultä't, würbe 1846 orbentlicber 
^rofeffor in JKoftod, 1850 ju erlangen, 
1867 in ?eiojig, berührt ftd) in fetner 
TtytrtoQit wesentlich mit$ofmann. 2). be» 

Jrünbete 1880 oon Beuern ba« Institutum 
udaicum, fowie 1886 ein Seminar mm 
3wede ber «u«bi(buug oon äanbibaten ber 
Xtyoitüit ju 3nbcnmtfftonaren. 3ablreid)e 
Äommentare ju ben aitteftamentlicben 
ehern: „©cneR«" (4. «uft. 1872), „Neuer 
Äommentar über bie©eneft«"(1887),„Da« 
©alomonifebe ©truebbueb'' (1873), „Der 
^falter" (4. «ufl. 1883), „$obelieb unb Äobe» 
Ict^" (4. «ufl. 1875), ^tob" (2. «ufl. 1876), 
„3efa]a" (3. «ufl. 1879) unb „Der «rief an 
bie Hebräer" (1857) bejeugen feine bebrä'ifcbe 
@elebrfamfett , bie aber bei ibm burd? 
grünblicbe Äenntni« ber nacbbiblifcben,rabbi= 
nifd^en Literatur eine feltene ©rgünwng 
finbet; er ifl ber Dalmubift unter ben 
ortljoboren Xt;eologen ber ©egenwart. Sr 
fcbrteb auch: „(Softem ber biblifcben \|3fOcbO' 
logie" (2. ftttfL 1861); „§anbf<briftlid;e 
gunbe" (1861— 62. 2£efte); „©oftem ber 
d)riftli<$en «^ologettf" (1869) ; „Da« ©afra» 
ment be« Wahren Veibe« unb »litte« 3efu 
GbrifH" (7. «ufl. 1886); „Sfor »ildjer oon 
ber ÄirdK" (1847); „(Sin Sag in «aber- 
naum" (8. «ufl. 1886); „^aubtrerferleben 
jur 3«t 3efu" (3. «ufl. 1878); ,,3efu« 
unb Littel" (3. «ufl. 1879); „©tubien 
jur ©ntftet)ung«gefcbid>te ber $ologlotten= 
bibel be« Xhnene«" (1871-86 , 3 ©be.); 
„Äommnnionbucb" (7. «uflage 1886). 
9lad) faft 40jäbriger «rbeit oerüffentliduc 
D. 1877 „Die »lieber be« dl X. au« bem 
©rieebifeben in« $ebrciifebc überfefet"(7. «ufl. 
1885), Welche bereit« in mebr al« 60000 
ßremblaren unter ben 3ubcn, in«6efcnbere 
in »effarabien unb Sibirien, Oerbreitet 
ftnb. «ueb giebt D. feit 1863 bie für bie 
3ubcnmiffton arbeitenbe 3 e »tf<brift „Saat 
auf Hoffnung" b'rau«. z. 

£emeritenbäufet (Domus demeri- 
torum) ftnb «nftalten, in welche tatbolifcbe 
Älerifer wegen nngeorbneten ?eben«wanbei* 
ober fdjwererer Di«3iolinaroergeben nach 
»©rangegangener Untersuchung jum B^cde 
oon SBufübungen (Recollectiones) nnb »um 
3»«(fe i^rcr »efferung oerwiefen werben. 
©d;on im 4. 3at)rbunbert gab e« berartige 
Detention«lofate für Älertfer unter bem 
Diaconica ober Decanica. 3 m 



Mittelalter btenten al« Äorreftion«anftalten 
für Äleriter oielfaeb bie Älöfter. 3n neuerer 
3eit ^at fidj ber ©taat (labern, Greußen) 
in feinen Äonoenrionen unb Äonforbaten 
mit 9tom baju oerftanben, ber fatbolifdjeu 
Hivdic Demeritenbäufer einzurichten unb ju 
unterhalten. Die ftrenge «uffiebt be« ©taate« 
Uber bie D., welche für v.eufjeu ba« @efeto 
com 12. Mai 1873 anorbnete, ift burtp 
bie «ba'nberungen ber lircbenpditifd;en @e* 
fetje oom 21. 3Rai 1886 fehr aemilbert 
»orben. ©rgf. Äober in ber „XÜbinger 
Ouartalfcbrift" (1877) j @d;ulte, Status 
dioec. cath. in Auatria Germanica, Bo- 
russia, Bavaria, roliquis Germaniae terris 
(1866). e. 

©emiurö, \ «noft«. 

©fitifle, gri ebrid; ^einrid? ©ufo, 
gelehrter Dominitaner, geboren 16. 3anuar 
1844 ju 3mft(Xorol), trat in ©rafc 1861 
in ben 3)ominifaner orben, rourbe 1866 
"^riefter, unb uad) einem «ufenthalte in 
&om 1869, foroie nad) «blegung be« 
l»eftorat«eramen« im ©tubienhaufe ber 
Sominifaner ju Marfeiüe, 1870 theol. 
Sehter im 3)ominitanertloüer ju @rag. 
yiachbem er mehnnal« Weifen jum j$mtdt 
eingehenber ©tubien in Sietreff ber mittel» 
alterlid)eu ^bfHfcr gemacht hatte, warb 
er 1880 bon ?eo XIII. al« ©eneralbefi* 
nitor be« ©ominifanerorben« für 2)eutfdj- 
lanb nad) 9tom berufen, reo er bie, tom 
Spa^fie angeorbnete, «u«gabe ber Söerfe 
be« ih«»"«« »on «quino leitet unb 1883 
Unterarchiöar würbe. 2). »erfaßte „Da« 
geiftliche ?eben, eine ©lumenlefe au« ben 
beutfehen a)ib^iiem be« 14. 3ahrhunbert«" 
(3. «ufl. 1880); „Der ®otte«freunb im 
Oberlanb unb SRuelasI toon ©afel" (1875); 
„Dauler« «efehrung fritifcb, unterfucht" 
(1879); „3u ©ufo« urfbrünglicbem »rief» 
buch" (1875); „Da« 5Buch toon geiftlicher 
«rmut" (1877); „Die Uniberfitaten be« 
Mittelalter« bi« 1400" (1. »b. 1885); 
„Die ba'pftlicben 9?egiflerbanbc be« 13. 3abrh- 
unb ba« 3noentar berfelben ton 1339" 
(1886). «ufjerbem hat D. eine »eihe oon 
gorfchungen niebergelegt in bem, oon ihm 
gemeinfam mit Sh r 1 e feit 1885 heraus- 
gegebenen, „«rchio für Literatur» unb 
Äircfien»©efchichte be« Mittelalter«", z. 

©entfon unb ©enifonfebet «benb» 
mabl^fttcit. ©eorge «nthonb D., 
geb. 1805 in Offington (Diottinghamfhire), 
würbe 1832 Pfarrer bei bem ©ifchof oon 
Orforb, 1838 Wtav ju «roabwinfor, 1845 
ffarrer ju (Saft ©reut in ber Diöjefe 
©ath'SBeÜ« unb 1851 «rd>ibia!on ju 
Dauuton. D. oerfaßte 1851 eine ©ro» 
fd)Ure Über ba« «beubmahO in welcher er 




Digitized by Google 



168 



Denf (Statt!) — Derefer. 



bebaubtete, fcafj aud) bic Ungläubigen ?eib 
unb ¥Mut be« Gerrit genießen. 2)a biefe 
i'ebre 1854 *on 3ofetob 3)ttc^er f bcm 
©eiftlidjen toon ©outb ©rent, al« eine mit 
ben 39 Slrtifeln in Siberfbrud; ftcbenbe 
angegriffen würbe, fam es ju einem b<f' 
tigen Streite. iSdjließlidj würbe in golge 
einer älage be« Setjteren bie gange grage 
toor eine crjbifc^bfltc^c Äommiffton ju 
ßlctoebon gebraut, meiere 2). Unrecht gab. 
911« trofcbem ber (Srjbifd)of toon Canter* 
bur», <§umner, gegen 2). nid»t einfebreiten 
woUte, wanbte ftdj ©itdjer 1856 an bie 
Dueen« 93end>, bie ben ßrjbifdjof jwang, 
bie Auflage toon Beuern ju unterfueben. 

2) a« 9tefultat War, baß 3). abgefegt 
würbe. 2)iefe« Urteil ftieß jebod; ber ge» 
riebtiiebe ?lu«fcbuß be« ©ebeimen föatb« 
1858 wegen eine« ftormfebler« wieber um. 
©bätcr geborte 2). ju ben ^cftigflen ©eg- 
neru ber „Orforber (Sffab« unb SRetoiew»" 
(f. b.), fowie au* bes ©ifdjof« (Jolenfo (f. b.). 
»igt. „Notes of my life" (3. KttfL 
1879). z. 

©cnf (Eencf), 3 ob-, Siebertäufer im 
16. 3abrfy. Ueber feine 3ugenb weiß man 
nicfyt« ©icbere«. <5r ifhibiertc in ©afel, 
wo er Magister liberalium artium würbe. 
.1523 9teftor ber @ebalbu«fdiule ju Würn« 
berg, aber 1525 auf ^Betreiben Oft» 
anber« au« ber «Stabt toerwiefen, 1)'\tU ftd) 

3) . 1525 in 3t. ©aüen unb in Slugöburg 
auf, toon wo er al« §autot ber Sieber* 
täufer 152(5 flüchten mußte; er ging nadj 
(Straßburg, ba« ib.it ber 9iatb 24. Xejbr. 
1526 ju toerlaffen nötigte. 9cad> manuig« 
facbeu 3rrretfcn fanb er enbltr^ Hufna^me 
in Bafel, wefelbft er 1527 ftarb. 3n 
<£trcitfd)riftcn („Orbnung ©otte« unb ber 
Äreaturen Sert"; „$$om ©efefe ©otteö") 
griff er bie Reformatoren beftig an; mit 

e e r (f. b.) jufammen überfeine er bie 
,,^rotob*tcu" in« 25eutfd;e. ©rflt §c» 
berle in ben „@tub. unb Ärit." (1851 
unb 1855); fööbridj, „La vie et les 
ecrits de J. D." (1853); 2. Äcller, 
„(Sin fltooftel ber Siebertäufer" (1882). z. 

Denomination (lat.) bebeutet im 
neueren firdjlicben <Sbrad)gebraud)e f. to. w. 
tird>ltd>e gartet, @e!te. z. 

Eensinaer, § ein rieb 3ofef 2>o« 
min! Inf, fatbolifdjer Xb^tcg, geb. ju 
Jiittid? 10. Ott. 1819, fhibierte 1836^38 
%*fHlefobbte ju Siirjburg, trat bafelbft 
1838 in ba« ^riefterfemiuar, 1841 in ba« 
Collogium Germanicum ju 9tom ein, 
cmbftng 1844 bie "^riefterweibe , würbe 
1845 töatolau in .§aßfurt, 1848 außer« 
oibcntticber ^rofeffor unb 1854 orbent* 
lieber ^ßrofeffor ber Dogmatif ju Süv$* 



bürg, wofelbft er am 19. 3uni 1883 ftarb. 
2). »erfaßte: „De Philonis pbüosophia 
et schola Judaeorum Alexandrina u (1840); 
„Ueber bie Slec^t^eit be« bi«bcrigen Üejte« 
ber 3gnatianifcben ©riefe" (1849); „Die 
fbefulattoe Xb«o^flie ©ÜntberS" (1853); 
„Enchiridion symbolorum et definitio- 
num, qaae de rebus fidei et morum a 
conciliis oecumenicis et summis ponti- 
fieibus emanarunt a (5. 9lufl. 1874); „2)ie 
Sebre toon ber unbeflecften ßmbfängni« ber 
feltgften 3ungfrau 2«aria" (1855); „#ier 
©üd)er toon ber religiBfen Grfenntni«" 
(1856—57, 2 8bc); „Ritus OrientaUum, 
Coptorum, Syrorum et Armenorum" 
(1863—64, 2 »be.); „Äetoba, über bie 
toätoftlicbe Unfeblbarfeit" (1870). Srgl. 
$ et tinger, 2)reifacbe« Sebramt, ®c- 
bäd?tni«rebe auf ^. 3. 2). ©enjinger 
(1883). z. 

Deportnum jus (lat), ba« 9ied?t ber 
SBifdjöfe, bie grüebte be« erften 3abrcfl 
toon toafant geworbenen ^ßfrünben, bie 
fogen. Hnnaten (f. b.) einjujicben; ba« D. j. 
beanfbrud)ten aber aud) bie Patrone, SJbgte, 
feit 3obann XXD. aud; bie «ßäbfte, fowie 
ferner bie Jperrfcber. @. Regaiia. ©egen= 
wärtig ift ba« D. j. in 2)eutfd;lanb nir- 
genb« meb. r anertannt. z. 

©epofition (lat.), ttbfefcung, entjiebt 
bem ©eifilieben bie 3uri«btftion«» unb bie 
Seibegettoalt, beraubt ibn be« Umte« unb 
ber 'tßfrünbe. "Äud) fie matbt, wie bie 
fdjarfere Strafe ber 2>egrabation (f. b.), 
beu C^ciftticben jum ferneren (Srwerbe toon 
Remtern unb ^ßfrünben untauglich, unter-- 
frt)eitet fid» aber toon jener baburd;, baß 
fte nod; nidbt ben $erluft ber ©tanbe«« 
retbte nad) fid? jiebt- ^rgl. Äober, 2)ie 
2)etoofttion unb Segrabation nad? ben 
©runbfäfcen be« Äircbenred)t« (1867). z. 

De profnndis (lat. = «u« ber Tiefe), 
Anfang be« 130. («ulgata 129.) ^Jfatmö 
(»ußbfalm), ber in ber fatboliftben Äird>c 
al« Xrauergefang gefungen wirb. D. p. 
ftcb t in ^rantreid) päufig am <Sd)luß toon 
Xobedanjeigen unb bebeutet bann etwa 
f. to. w. „beten wir für ibn (ober fte)!" w. 

iDetcfet, 31 u ton 3:b«bbäu«, ra* 
tionaliftifcb cjefinnter, fatbolifdier Xbcolog, 
geb. 1757 m gabr (^ranfen), emtftng 
1780 bie ^riefterweibe in SDcainj, würbe 
1783 v l*rofeffor ber btblifdjen Jpermeneutif 
unb ber orientalifd)en ©brauen in ©onn, 
1791 ^rofeffor berGregefe unb ber orien* 
talifeben 3brad;en, fowie outoerior am 
biftböflirben ©eminar unb 9WUnfterbrebiger 
]ü ©traßburg, würbe ^ier 1793 einge^ 
ferfert unb entrann ber ©uiflotine nur bureb 
ben ©turj Robe«bierre« (1794). ©eit 



Digitized by Google 



Xjertmfcjb — Deuter onomiutn. 



169 



1797 ^rofeffor ber »?ratttfdjfit Xbeologie 
linb ber orientalifcben ^fradjfu in £>eibel 
berg, würbe er 1H4)7 ^rofcffor ber (Sregefe 
unb ber orientalifcben ©brauen in ftrei^ 
bürg, 1810 etabttfarrer in Jtarlerube, 
1811 ^rofeffor be« Sbjeum* unb Stegen« 
be« «Seminar« in Üujern, erhielt jebcdj, 
al« ein ju freiftnniger (9eiftlicber , 1814 
ferne Snttaffung, nalmt 1815 einen 9tuf 
al« fkofeffor ber Geologie nacb Breslau 
an, »o er in manche fcbwere Äonflifte ge» 
rietb unb 1827 ftarb. 3). »erfaßte jab> 
retebe ©cbrifteu, unter welcbcn bie gelejenften 
waren: „Commentatio biblica in offatum 
Christi: Tu es Petrus" (1789, auf ben 
3nber 1790 gefegt); „$ie @enbung«$e- 
f(bitb,te 3efu- (1789); ,,2>eutfcbe« Wremer 
für @rift«bamcn, Äloflerfrauen unb flute 
Gbriften" (8. «ufi. 1820, 4 SBte.) ; „Äa» 
tbelifebe« ©ebetbueb" (7. 9btfL 1842); 
„@roße« biblifcbe« ßrbauungöbueb auf alle 
läge be« Äirtbenjabre«" (8. Aufl. 1838, 
4 »be.). Huc$ fefcte Xerefer bie ton 33ren« 
tano unternommene Ueberfefcung be« Ä. X. 
in ba« 25eutf(be fort. z. 

©tttoifcb M „arm"», im JUabifcben 
ftafir, bezeichnet ben iDtöncb im 3«lam. 
Obwobl Wcbammeb ba« SJtitacbtum im 
•runbfafee terworfen b«tte, febaffte ibm 
boeb bie Neigung ber Araber ui einfamem, 
befcbaulic&em ?eben fdjon ein tffenfcbenalter 
naä? bem lebe be« ^Jrepbtten (Singang. 
2)a« b«ttf befonber« in ^entralafien blll- 
benbe 3nftitut b«t mit bem fatbolifebeu 
2Roncbtum große fle&nlicbteit, jerfaflt gleich 
biefem in jabireiebe ©rüberfebaften unb 
Orben, bat namentlicb aud) eiu tielcer» 
jWeigte« Älofterlebcn au«gebilbet, fennt 
aber Weber Seufcbbeit^gellibbe noa> Settel» 
terbienfl. $afür faften bie $erwifcbe, fafteien 
fnb unb führen beilige Xänje auf, wobei fie 
fub 5 bi« 7 Minuten laug auf (Siuer (Stelle 
mit fliegenbem 9tect berumbreben, bi« 
fie beftnnung«lo« nieberfaüen. SJrgl. 
Srcnjn, The dervishes (1868). ii. 

De salnte nniniarum , f. «onrorbatt 
unb 3irfumftription«buflrn. 

35c ®onctiö, 8ttigi. ber bcbeutcnbfte 
Geolog, welken ba« fatbolifebe Italien 
an ben ^roteftanti«mu« toerloreu bat, geb. 
1808. «I« b»b« SBürbenträger be« ^ap» 
fte« terriefte er fub in ba« etubium ber 
Eibel, flob. 1847 nacb 2)ialta, trat utr 
etangelifeben Äircbe über unb wirfte mit 
großer Xreue feit 1852 an ber luriner 
(Semeinbe ber ffialbenfer, bann iu ber 
freien Äircbe" (f. &reit ©emtinben», fcbließlicb, 
al« ber, bon ben Xarbpfteu bereingeworfeue, 
<§birituali«mu« tym bier uuleiblicb \\\ 
werben anfing, feit 1864 bi« ju feinem, 



1869 erfolgten, lobe wieber bei ben SBal- 
benfern, in beren Xienft er eine Ikofeffnr 
an ber, feit 1861 beftebenben, tbeologifcbeu 
ftatultät in ftlorenj »erwaltete, z. 

De&censas ad inferos (lat.), f. b. w. 
^öüenfabrt Cfcriftt (f. b )• Unter biefem 
Xitel bat lifcbenborf (f. b) eine auf gno« 
ftifeber ©runblage um 400 entftanbene Se- 
genbe ton ber $i<flenfabrt b««"*fl f ö ttcn / 
weld»e ben 2. Ib«! te« fbäter foge> 
nannten ö»angelium« be« 9hfobemu« (f. b) 
bilbet. ii. 

©efetüitenjobt, f. @n<u*nioi)r. 

Desservant, f. €uccurfaipfomt. 

JDetermtnlSmu» (lat.), bieienige X\)to> 
rie über ben menfcblidjen ©iüen, ber ju- 
folge bie einjelnen a)iotioe ba« nettvenbige 
9tefultat tbeil« ber inneren ©efefemäßifltctt 
be« geiftigen Seben«, tbeil« ber ton außen 
auf ba«felbe erfolgenben 3mbulfe finb, fo 
baß unter CorauSfefcung ber gleidien 6itua» 
tion unb ber gleicben Wirtenben Urfadjen 
bie einjelnen StüenSafte nur in einer unb 
berfelben Söeife au«faüen Wunen. 2öo 
bie Jefcteren bagegen niebt al« 9teflerbe- 
wegungen, fonbern al« s ^robulte ber ©elbft- 
entfa>eibung ber ^erfbnlicbfeit, ber Sille 
alfo al« ba« ©ennifgen, ba« (Sbftem be« 
Äaufalneru« mit neuen Anfangen ju be» 
reiebern, gefaßt wirb, {triebt man bon 3n° 
betermini»mu«. Ueber bie gewöbnlitbfien 
formen be« rcligibfen 2). f. fcataii*mu« unb 
i<r&bcfiination. h. 

£)eu*bebit, Vatf (615—618), ber $ci- 
lige, fein lag ift ber 8. 9totember; feine 
furje Amt«tbÜtigteit foll reia? an Sunbern 
gewefeu fein. r. 

^Deutetoiefatoö. f. 3tfa»o«. 

©eutnoranönifcbeaüche^f. »it*t unb 

ftanonifdfc i^üctjcr. 

©eutetonontium (grieeb., „jweite« ®e- 
fe^"), 9tame be« 5. 3?ucbe« «Dtofe«', bon 
ber wab. rftbeinlicb unnötigen 5!<orau«feb;ung 
au«, baß bie ©efefegebung ber tier erften 
©lieber burebweg bie ältere fei. Dbne 
Zweifel ift ber Äern biefe« »uebe«, nam» 
iicb; Äab. 5—26 nnb 28, ibentifeb mit bem 

Sunbe ber ^riefter im 18. 3abre be« 
önig« 3ofta« (f. b.) 2 Äbn. 22 unb 2 (&*br. 
34, bureb, Welcbe eine burebgreifenbe 9teform 
be« Äultu« im »teiebe 3uba »eranlaßt 
warb. 2)a ber 3nbalt biefe« üBucbe« etwa« 
für Äünig unb $olf ganj 9teue« war, 
3ebermann ton ber Gntbecfung ganj über» 
rafd>t erfebeint, feine itabitel aueb gauj ben 
<3eift be« s Jkobb<tentum« jur B«t be« 
3eremia« atljmen, fo wirb e« wo^l niebt 
lange tor feiner Auffinbung im 3abre 
623—20 abgefaßt worben fein, ©eine 9te= 
baftoreu ^abeu wenigften« ba« fog. ©unbe«^ 



Digitized by Google 



170 



£)eutinger — SDeutfdjorben 



bno) 2. SWof. 20, 22—23, 19 (ober 21, 
1—23, 13) »or fty gehabt; aber baS»er* 
hältni« be« 2).« jum Äern be« ©efefc- 
buche«, betn fog. ^ßrieftertober, bilbet ba« 
Wäthfel ber Ärtttf be« ^Jentateuch« (f. b.). n. 

©eutinger , 9W a r t i n , fath olifä)er 
X^eolog unb ^ilofo^ , geb. 1815 in 
tfangenpreifing (Cberbatyern), ftubierte 1832 
—1837 JJhilofophie unb Ideologie in 25il» 
lingen, SKünchen unb auf beut Älerifal» 
feminar in ftreiftng, empfing 1837 bie 
*ßriefterweihe unb würbe Äoabjutor in 
Wofern) eim, 1840 Surat in 2ttüncben, 1841 
2)ojent ber ^^iIofo^b,ie in greiftng, 1846 
außerorbentlfcher SJrcfeffor ber $l)iIofoJ>bic 
in SDJüncheu, 1847 an ba« ?b$eum 
nach Millingen unb 1852 auf fein 2ln- 
fucben in ben Wuheftanb berfefet. Cr flarb 
1864 im »abe ^fäffer«. 2). fnütfte in 
mehreren fünften an Saaber an unb be- 
rührte ftch auclt in feilten pbjlofop^ifdjen 
Slufflellungen mit ©ünther (f. b.). Seme 
Dbbofition gegen bie Scholaftif, fowie fein 
Streben, ® tauben unb SBiffen ju berföhnen, 
anbererfeit« aber auä) feine »efehbung 
ber mobernen ©iffenfcbaft unb ^ilcfo^te 
jogen ibm eine buntfchedige ©egnerfc^aft 
ju. 25. b^at feine theologifchen unb phtl°* 
fo^b.if(hen Stnftchten in folgenben feiner jahl- j 
retten Schriften im 3ufammenhange bärge- i 
legt: „©runblinien einer poftri&en Wuo» 
föchte" (1843—49, 7 »be.); „©efchubte 
ber griecbifcben ^3^ilofo^ic" (1852—53, 
9 »be.) ; „©runbriß ber SDioralp^ilofo^^ic" 
(1847); ,,25a« %x\nixp ber neueren «philo* ' 
föchte unb bie <hriftltd)e 933tffcnfd^aft"(1857) ; 
„»eitrag jur jöfung ber neu angeregten ' 
Streitfrage Uber ba« »erb. ältni« bon Utiilo« 
fobh" unb 2:heologie" (1861); „35er gegen- 
wärtige 3uftenb ber beutfehen ^btlofo^hte" 
(1866, bon Äaftner herausgegeben); „25aS 
Weich ©otte« nach bem Hboftel 3ohanne«" I 
(1862—67, 3 »bc r ber 3. »b. bon Jt a R n e r 
berau«gegeben). »rgl. 2. £ a fl n e r , 2)?. 25.8 ! 
Wen unb Schriften (1875) ; W eub e cf er, 
25er ^^ilofo^b 25. unb ultramontane 
SophifHf (1877). z. 

£eutfefi, Samuel 971 artin, eban» 
gelifcher Ü^eolofj, geb. 19. ftebr. 1837 ;u 
Sarfchau, fhtbterte £beologie 1854—57 
in erlangen unb Woftocf, würbe 1857 
©pmnaftallehrer in »erlin unb 1885 außer» 
orbentlicher ^rofeffor an ber theologifchen 

?a!ultüt bafefbft. 25. »erfaßte : „BmbrofuiS 
ehre bon ber Sünbe unb ber SUnben* 
tilguug" (1867); „25rei Uftenftitcfe jur 
©efchichtc be« 25onatt«mu«" (1875); „2)ie 
Smtobe bon Scn« (1141) unb bie »er* 
urtetlung *bärarb«"(l880) ; ,/ßeter «ba'larb, 



ein tritifcher Eheolog be« 12. 3ahrh" 
(1883). t. 

fceutföe Geologie, f. ihcoiogta ztum. 

©eurfäraiSolifen heiße" bie Anhänger 
ber Sejeffion, roelc^e ftch in ber latholtfchen 
Äirche 2)cutfchlanb« au» Slnlaß ber 2tu«- 
ftettung be« heiligen Werfe« burch ben »i* 
fchof Slrnolbi in Xrier bilbete. Sofort im 
Sluguft 1844 trat ber «JJriefter <Sjer«fi 
(f. b.) )u Schneibein ii I i au« ber Üirche; 
größere« ^tuffe^en erregte noch im Dftober 
Wenge (f. b.), al« er von ber i'aurahUtte einen 
»rief an ben »ifchof ausgehen ließ, in 
welchem bie Xricrer SluSfkflutig „ein ©öfeen- 
feft" genannt war. Sofort bilbeten fi<h ©e- 
tneinben, »eiche theil«, n?te »erlin, bem or- 
thoboreren, bie ©ottheit (£hrifii betonenben 
»etenntniffe Cjeröfi« ftch anfchloffen, theil«, 
ttne »re«lau, einen freipnnigeren, bon ber 
fatholifchen 2:rabition abfehenben, Jehrtpbu« 
auffteOten. Vcutncv gewann benn auch auf 
bem erfUti Äonjil, aftärj 1845 ju Jeipsig 
abgehalten, übertoiegenben Anhang, «uf 
bem jweiten Äonjil, welche« 70 ^ibgeorbnete 
bon 142 ©emetnben im 3Rai 1847 )u 
»erlin hielten, !am e« jur Äbfonberung 
ber ftreitger ©laubigen bon ber neuen 
Äira)e. »ber fchon feit jtt?ei 3ahren litt 
bie Sefetere Uberbie« unter ber ausge- 
krochenen Ungttnft ber Regierungen, unb 
in »abern unb Oefterreich eröffnete über» 
haubt erfl ba« 3ahr 1848 ber »ewegung 
ben freien 3utritt. Zugleich aber roarf 
ftch je^t immer mehr bolitifcher Bünbfloff 
in biejelbe hinein, unb bie plumpen bemo- 
Iratifchen Wühlereien Wonge« entfrembeten 
ihr ber religiös geftimintett Anhänger nicht 
wenige. %vl\ ber anbereu Seite fanb auf 
bem, fcbließlich bon ber Wegiernng aufge- 
löften, Äonjil ju Äöthcu 1850 eine förm- 
liche Bereinigung ber 25. mit ben, feit 1848 
entfianbenen, „freien ©emetnben" (f. b.) 
ftatt. 2)er Weft aber würbe bou ber po- 
litifthen Weaftion biefer 3abre bis auf ber» 
fchwinbenb geringe Xrümmer hinweggefegt. 
1865 berwarf bie ©eneralfbnobe fogar ben 
Antrag ber Äölncr ©emeinbc, fta) ju einem 
berföulichen ©ott ju befenuen. »rgl. (5bw in 
»au er, ©efa)ichte ber ©rüttbung unb 
gortbilbung ber beutfehfatholifchen Äirche 
(1845); Äampe, 25as ©efen be«2>eutfch- 
latholuismus (1850) ; 25 e r f e l b e , ©efebuhte 
ber religiöfen »ewtgttng ber neueren 3eit 
(4. »b. 1860). z. 

&eutfc$mamt, 3ohann, f. &ptnn. 

£c utfcficrbcn, ein bei ber »elagerung 
bon 9(ffon 1190 bon »remer unb SÜbecfer 
Äauflettten gejtifteter »erein jur Pflege 
beutfeher Pilger, ber feine ©eftalt als 



Digitized by Google 



$5eutf$orben — De&otutionflrecfyt (Jus devolutionis). 171 



Ditterorben »on brat $erjog ftriebrieb »en 
ScbWaben lud» rem 9Jhifler ter ZtmptU 
innren unb beit Jiamen „Orben be« beut' 
fdjen $>aufe« unferer lieben ftrau ju 3eru* 
falem" erhielt; 6. j$ebr. 1191 mürbe ibm 
bie päpfHt$e ©eftä'ttgmig ju Iheü. Unter 
feinem inerten §ecbmeifier , Hermann 
». Salja (1210—39), ging 1231 ein Sfreil 
ber Drbcn«ritter unter gübrung be« ^er- 
mann ©alf, com $eqog Äourab »on 3)ia- 
fo»ien gerufen unb mit ©ewiUigung te« 
Äaifer« fotote be« ^Ja|?pe«, in ba« Äulmer 
?anb jur Ueberwinbung ber ^eibnifc^en 
Greußen. 9iaebbem ber ber fteb \)itx 
1237 mit ben liölä'nbifcben ScbWertbr übern 
oereinigt b«tte, naeb einem mebr al« 50jäb= 
rigen Mampfe bie beibnifeben Greußen unter 
»Dorfen batte, trug er feine SBaffen gegen 
Sittauen. 1309 würbe ber $auptfit) te« 
Crben«, ber ftd> nad; 3l!ton« (Eroberung 
1291 in Senebig befunben, nad) ber Bo- 
nenburg verlegt. 3n einen langwierigen 
tambf mit $olen geraden, muftte ber 2). 
im iborner ^rieben (1466) einen £betl 
feine« ©ebiete« mit ber SWarienburg an 
%*olen abtreten, ben anberen behielt er nur 
al« peliuirfn-o Vehen ; bie Defibenj be« §0<b« 
meifter« mürbe ÄbnigSberg. ?ll« 1519 

S>if<ben bem $wbmeifter «Ibre^t »on 
ranbenburg unb Ätfnig Sigi«munb bon 
s J$olen ber Ärieg bon Beuern ausgebrochen 
war, forberte ©rfterer 1522 »ergeblicb »om 
Dürnberger Deicb«tage §tlfe. 3ebo<b erhielt 
er bei etnem ©efud?e in Wittenberg »on 
Sutber 1523 ben Datb, ben Orben«ftaat 
in ein erblühe« fcerjogtum umjuwanbeln. 
2)ie« fnhne er bereit« 1525 au«. 2)er 
übrige £b«l be« 2). wa'blte 1527 XBaltber 
»on Jeronenberg jum «erWalter be« §oa> 
meifteramt«. wegierung«ftfc be« Orben« 
mürbe jefet SNergentbeim ingranfen. 1561 
würbe aueb au« bem li»länbifeben 2:t>tile 
be« Orben«gebiet« ein Weltlicbe« üerjegtum 
Äurlaub unb Semgatten. 3mmerbin befaß 
ber Orben bi« uim ©bluffe be« 18. 3abrb- 
noeb 11 Palleten. 1801 »erlor ber ®. im 
S.'ünet>iÜcr gjrieben feine lint«r v einifcben 
39efttjungen ; bie ©üter be«, bon Daboleon I. 
im «ereile be« 9?beinbunbe« 1809 aufge- 
hobenen, &.« erhielten bie beulten dürften, 
in beren Staaten fte gelegen waren, Seit 
1834 läfit ber Äaifer »on Defierreid) bem 
2). feinen befonberen Sdmö angebeiben 
unb gab ibm 1840 für Defterrenb neue 
Statuten, »rgf. «oiat, ©efrbiebte be« 
beutfeben Ditterorben« (1857—59, 2»be.); 
SB a tter icb/ 2)ie ©rtinbung be« beutf<$en 
Orben«ftaate« (1857) ; ® w a 1 b , 2>ie ©robe* 
rang ^reuften« bureb bie Seutföcn (1872); 
$r. » o l b t, 2>er 3). unb Litauen 1370-S6 



(1873); ^rut), 2>ie ©eftfcungen be« beut- 
feben Crben« im ^eiligen Sanb (1877). i. 

retjon, l'fattbia« *iro (eigentlieb 
2Nartbta« $iro t>on 2>e»a), 8egrünber ber 
reformierten Äire^e in Ungarn. Gebürtig 
au« Tau in Siebenbürgen, fhtbierte er 
1523—24 in Stralau Ibeotogie, trat in« 
Slofter unb Warb ^riefter. $om ©ctfle 
ber Deformation ergriffen, ging er 1529 
naeb Wittenberg, wofelbft er futber nabe 
trat. Seit 1531 in Ungarn al« ^ßrebiger 
für bie Deformation wirfenb, ^atte er ben 
»ollen j^afj ber Ja t bei i 'dum ^einlidifeit )U 
erfahren, würbe zweimal (1531 unb 1532 
— 1534) mit barter ©efangenfebaft be» 
ftraft 5)er ©ebuii be« ©rafen 9iabaflbb 
fieberte ihn oor weiteren Verfolgungen; 
1536—37 weilte 2). in 2>eutf<blanb unb 
in ber rduveu, lehne leted) wieber in 
feine Heimat jurürf. 1541 toor ben in 
Ungarn einfaüenben dürfen flüebtenb, ging 
er )u Vitt b e v unb l'Mandjtbcn, barauf in 
bie Sebtoeij, wofelbft er au« einem 2ln- 
banger ?utber« ein Vertreter ber caltoi* 
niftif<ben ^benbmablölebre warb. 9iacb Un* 
gern jurücfgetebrt, würbe er ^Jrebiger ju 
2)ebrec)in unb trug »iel baju bei, batj bie 
^roteftanten Ungarn« ber reformierten 
Sebre junelen. 2>a«3abr feine« £obe« iji 
unfteber. Unter feinen @ebriften ftnb ju er* 
wä'bnen: eine w Äurje Crflärung ber jebn 
©ebote, ber ©lauben«artifel, be« S?ater« 
unfer« unb be« Siegel« be« Olauben«" 
unb fein „§anbbucb ber Religion". *rgl. 
Deöecj, 2)a« Ceben unb bie ©Triften 
be« erften magbarifeben Reformator« 3W. Jö. 
bon 2). (1863, in ungarif^er ^pradie). z. 

CcDclutiDnörcebt (Jus devolutionis), 
ba« tfed't be« Mircbenobern, an Stelle be« 
urfbrünglicb bereebtigten Serleiber« ein 
bureb »erfebulben be«felben unbefefet ge- 
bliebene« Äirebenamt ju »ergeben ; ba« ur» 
fbriiuglidb nur auf bie nieberen ftirebeu» 
amter toom ?ateranfonjil 1179 anaewanbte 
2). würbe 1215 »on 3nnocenj HI. au(b 
auf bie ©efe^ung ber bifrböflieben unb erj* 
bifebiJflicbcn Stttble in ber SBeife au«ge- 
r ehm.. bafi Wenn ba« 3)omfat>it el bie SBabl 
be« ^ifebof« niebt rc4t$eitig »oDjog, ber 
(Srjbifebof, wenn jeterb ba« SRetrobolttan' 
(abitel fein ©ablrecbt nia)t in ber gefe|}* 
lieben grift au«übte, ber ty&pft ben er» 
lebiaten Stubl befe^en fottte. gür ben 
%aU aber, bafi bie ©ab! eine« »ifebof« 
ober (Srjfcifcbof« unfanonifeb »erlaufen war, 
befHmmte 3mwcen) III., bafi ba« Deebt 
ber Sefe^jung fowobl eine« erjbifcbbflieben 
wie au<b eine« btfc^bfltcr>€Ti Stuble« bem 
<f3abfte eingeräumt werben miiffe. 92oc6 
einen Stritt weiter ging ba« Siener 



Digitized by Google 



172 



De Söette — Diafcn. 



Äontorbat toon 1448, toelAe« feftfefete, bafj 
in jebem $afle, fotoobj tri einer unter« 
(offenen, tote audj bei einer unfanonifdjen 
©efefeung eine» bifctyöflidjen, refto. erjbif*öf= 
liefen «Stuhle« ba«2>. rem t ; an'tc jufUtyen 
fott. ©on biefen ©eftimmungen machte 
bie Surie ju ©unfkn §annotoer« in ber 
©uüc „Impensa roman. pontificum" 1824 
unb ju ©unften ber oberrbeinifctyeu Äirt^en« 
probin} in ber 23ufle „Ad dominici gregis 
custodiam" 1827 infofern eine Ausnahme, 
al« fte für ben ftafl, bajj bie Safcl be« 
©iföof« ober (5r}btfd>fe ni$t nac$ ben 
tanonifcfyen ©eftimmungen bor ftd> ge« 
gongen toor, ben betreffenben Äabiteln etne 
nochmalige Sabl gemattete. 3n ber etoan* 
gelifrt^en Sirene erfolgt, toenn ber <ßatron 
bie $rafentatton«frift toerfaumt l?at, 35etoo= 
lution an ben ?anbe«berrn, refto. an ba« 
Äonfiftorium. ©rgl. §infä)iu«, 2>a« 
Äircfyenrettyt ber Äatljol. nnb ^roteft. in 
2)eutfcbtanb (3. ©b. 1880). z. 

£c «Berte, Silbelm Martin 
fieberest, etoangelifctyer J^eoloa, geb. 
1780 ju Ulla bei Seimar, bejog 1799 bie 
Unioertttä't 3ena, toarb bafclbft 1805 So» 
jent, in $eibelberg 1807 aufjererbentlicber 
unb 1809 orbentltcb« $rofcffor ber X^eo« 
logie unb als folctyer 1810 an bie neua,e« 
ftiftete Unioerfttat ©erltn berufen. §ter 
\a\) fxöf ber freipeitliebenbe SWann naa? 
©anbfl blutiger 2&at toeranlafjt, ber i^m 
befreunbeten, gebeugten 9Jiutter be«felben 
in einem Xroftfctyreiben toom 31. 9)iärj 
1819 feine Xheilnafjme ju bejeugen. 3n 
ftolge befffit toom 9Jfinifterium feine« Lehr- 
amts enthoben, lehnte er einen ihm ange* 
botenen Ouartalgebalt ab unb jog ftch in 
feine Heimat juriief, too er ba« ihm toiber» 
fahrene Unrecht in feiner ©chrift „Aften* 
fammlung über bie öntlaffuna be« %*ro* 
feffor« 35. bom theologifchen $ehramte in 
©erlin" (1820) bem eigentlichen Urteile toor« 
legte, Sä'brenb fetne« Aufenthalt« in 
Seimar tooflenbete er bie Verausgabe feiner 
„ Cbriftltc^en Sittenlehre " (1819 — 23, 
3 ©be.) fotote ber „©riefe, ©enbfchreiben 
unb ©ebentcu Luther«" (1825—28, 5 ©be.) 
unb legte in bem romanartigen Serie 
„Xbeobor, ober be« ^toeiflcr« Selbe" 
(2. Aufl. 1828) feinen religiösen cjntwicfe« 
lungfigang bar. 1822 folgte er einem 
Stufe al« ^rofeffor ber Xbeologie an bie 
Unioerfttät ju ©afel, toofelbft ihn 1829 
ber ©roße »rath jum 2Hitgliebe be« (Sr« 
}ielmng«rath« entanntc unb mit bem 
©ürgerreebte befebenrte. <Sr ftarb 16. 3mti 
1849 ju ©afel. ©einen literarifchen Stuf 
grünbete er buret) feine „©eiträge jur Gin» 
leitung in ba« Alte Xefkment" (1806— 



1807, 2 »be.), ba« „febrbueb, ber t>ebraifä> 
jübifchen Archäologie" (4. Aufl. toon S?a« 
biger, 1864), toor Aöem aber burd> ba« 
fomtoenbiöje unb toielgebraudjte „Lehrbuch 
ber ^iftonfe^ - fritifc^cn Anleitung in bie 
©ibel Alten unb Dienen Xeftament«", beffen 
altteflamentlid&er Xb,eil 1869 bie 8., ber 
neuteftamentlidje 1860 bie 6. Auflage er« 
lebt ^at. SJJit nic^t minber aügemeinem 
©eifaUe toarb feine mit Slugufti unternom= 
mene Ucberfefeung ber „^eiligen ©(^rift" 
(4. Hüft 1858, 3 ©be.) aufgenommen, 
©leidjfatt« bie »eitefte ©erbreirung unter 
ben ©tubierenben ber Ideologie baben 
feine Äommentare gefunben, befonber« ber 
„Äommentar über bie ^falmen" (5. »ufl. 
1856) unb fein „Äurjgefaßtee eregetiftb^c« 
^onbbueb: ntn 9tenen Seftament" (1836 - 
1848, 3 ©be. in 11 Abteilungen, in feinen 
Übeilen fortwä^renb neu aufgelegt, im Au«« 
juge 1886—87, 2 ©be.), fotoic aueb. fein 
„5eb.rbucb; ber ^rifilit^en^ogmatif" (3. futfL 
1831—40, 2 ©be.) unb bie ju biefem 
Serfc unter bem Xitel „Ueber Sieligion 
unb X^eologie* (2. Äufl. 1821) gegebenen 
I (Srläuterungen. ©rgl. Sieganb, 2). 

(1879) ; ©täb.elin, 3). na# feiner tbeo« 
logifcb^en Sirlfamfeit unb ©ebeutung 

(1880) . t. 

^iafen, (2)iatonu8, gried)., „2)ic- 
ner"), im Allgemeinen 3eber, toelcb,er 25ienfle 
leiftet, befonber« fir^licbe; baber f^on im 
9teuen Xeftament 9iame für eine, ben ©i« 
febbfen untergeorbnete, Älaffe toon ©emeinbe« 
beamten («fit 1, 1; 1. tint. 3, 8—13), 
beren Obliegenheiten (Aufretb,ter^altung ber 
Orbnung beim @otte«bicnfte, ^ilfe bei ber 
Au«tb^eilung be« Abenbmatyl«) juerfl 3ufti- 
nu« 2)iarrbr betreibt. Seil man i$re 
(Sinfefcung Atoftclgejö). 6, 1—6 bargefteüt 
faty, Ubertoie« man ib.nen aueb^ bie ©orge 
für Arme unbÄrantc nnb befcb.ränftc ib.re 
3ab.l in jeber ©emeinbe in ber Siegel auf 
fieben. ©toäter erweiterten ftc^ ityre ©e« 
fugniffe; fte tourben ben altteftamentlic^en 
Jetoiten glcic^gefteüt, wie bie s #reebtoter ben 
^rieftern, ber ©ifebof bem §o$etoriefter. 
©o ftetlt ber Sialonot in ber fatyoli« 
fd^en Äirc^e ben britten Ordo bar, ben 
Abfdjlufj ber Ordines majores. €. 8ifd>of. 
3n ber lutberifeben tirc^e ift 35. (Reifer", 
f. b.) bloßer Xitel für einen £>ilf«geifilid)en 
ober ben jtoeiten unb britten Pfarrer an 
einer ©emeinbe; in ber reformierten Äircb> 
tourbe ba« Amt ber Xiafonen al« not< 
toenbiaer ^Jeftonbtb,eil ber Äircb^entoerfaffung 
betrachtet unb toieber feinem urfbrünglic^en 
©inne genähert. 3m Anfcbluß b.ieran bat 
e« neuerbing« ben tarnen für eine eigen« 
tümlidje gorm etoangelifc^'rirc^li4>er Armen« 



Digitized by Google 



Dtafoniffen. 



173 



Pflege (f. b.) geliefert , welche im 3)ienfte 
ber fogeu. inneren SDiiffion (f. b.) fleht. 
3)iafonat, '.'lim be« Xialouen; bia(o* 
iiier cu, als 3). fungieren, namentlich 
ben Altarbienft ©erfehen. 3) i a t c n i \ ber 
9lame ber theologifebeu 3>i«jifclin, reelle 
bie Ü&eorie unb ©eftbichte ber inneren 
SWiffion giebt. SJrgl. $ a t d) , Tho Organi- 
zation of tho early Christian churches 
(3. «ufl. 1888, auch in ba« £>eutfd>e über- 
fefct toon Ab. $arnacf, 2. Aufl. 1883); 
¥e etiler, 35a« atoftelifche unb nacbafcofto» 
lifd>e Zeitalter (3. Aufl. 1885); ©eij- 
fätfer, £a« a^oftolifcbe 3eitalter ber 
ebrifttitbeu Äirö)e (1886). z. 

JDiatomnen ( X i a l o n i f f i n n e u , 
gried)., tat. Diaconissao, „3)ienerinuen"), 
im engeren ©inne grauen, welche für ibr 
@efchlecht ba« waren, wa« bie Xiatcnen 
(f. b.) für bie gan^e ©emeinbe, nämlid) 
Armen- unb Sranfenbflegerinnen. 3ft auch 
ber Warne nacbafcoftclifcben Urfrrung« (ein 
erfter Anflang finbet fUp 9ii5m. 16, 2), fo 
(ommen red> (Gehilfinnen ber 3)iafonen 
L £im. 3, 11 toor unb wirb £it. 2, 3; 
1. iim. 5, 9 ff. ein bem ©emeinbebienfte 
gewibmete« föitweninftitut befchrieben. 
vstäter üerfebwinben bie Sitweu unb 
„$re«bbtiben" binter ben I). Xiefe wur- 
ben förmlich orbiniert, unb e« war ihnen 
ber Unterricht ber weiblichen Jtatednimenen, 
ba« Au«- unb Anfleiben ber weiblichen 
Xaiiflinge, ber ©efud) ber Miauten, bie 
Aufficbt über bie grauen Ul ^er Äirch^e 
übertäubt nebft ähnlichen ($efd?äften über* 
tragen. Aber auch fie werben im Occi- 
bent feit bem 9., im Crieut feit bem 12. 
3abrb. nur noch, feiten erwähnt, bis bie 
tatholifche Äircfae uiletjt bie Aufteilung t>on 
Alanen für ben Äirchenbienft am Altar 
förmlich öerbot. 3>agegen ift ber Warne 
3). in ber eüangelifeben Äird)e für eine 
tira)licb/ $9eruf«tbätigi!eit gangbar gewor- 
ben. Jpier fuefate mau nämlich bie fegen«« 
reiche ©irffamreit fatbelifeber Orben, *or 
allen ber ©armbeqigen ©cbweftern (f. b.), 
auf ^rcteftantifcbeti «oben ju öerfcflanjeu, 
um jugleict) auch ber SBcrweltlichung ber 
Jpofpttäler unb Buflucht«ftütten für Arme 
unb Serwahrloftc eorjubeugen unb fird)- 
lieb, gefinnte 2ebr« unb ^flegeträfte in jene 
Arbeit*ftellen einzuführen. 35a« ^orbilb 
aller 35iafoniffenauftalten innerhalb unb 
außerhalb 35 eutf erlaub« ift bie com Pfar- 
rer Xb.eobor gliebner (f b.) in Äaifer«- , 
wertb. ani 9tbein im Oftober 1836 ge- 
grünbete. 3>ie „©chweftern" erhalten nach 
einer halHäbrigeu ^robejeit eine Auftei- 
lung je auf fünf oaUve ; fo lange bauert 
bie Verpflichtung. ©tet« bleiben fie in 



enger Serbinbung mit ber Anftalt, welche 
Uber ihre ©teüung unb ©enbung »erfügt. 
Urffcrünglich unb hauptfächlich uir Üranten- 
bflege beftimmt, hat bie Anftalt auch bie 
Äinbererjiehung unb i'ehrerinnenbilbung , 
bie Pflege ber gemüth«franfen unb bie 9tet< 
tung gefaüener grauen in ben ©ereich ihrer 
Jöirffamteit gejogen. ©elbft in Äonßanti- 
nobel unb ©mörna, in Aleranbria, Beirut 
unb 3erufalem fuib Äranten- unb fflaifen* 
häufer t*on Äaifer«werth au« gegrünbet 
worben. 3)ie 3abl ber Äaiferewerthfr 
©chweftern betrug 1888 : 709 auf 206 «r= 
beit«felberu. 3m gleichen Oahre (wofern 
nicht au«brücflich etn frühere« angegeben 
ift) ©erfügten bie, in ftolge ber ton Äaifer«« 
Werth au«gegangeueu Anregung, in Xeutfcb/ 
lanb entftanbenen (ba« ©rünbung«iahr 
wirb jeweil« beigefügt werben) 3)iafoniffen* 
häufer Uber eine >:ebc von Arbeitdfräften 
Wie folgt: «erlin: „eiifabeth'Äranfenhau«" 
1837, jetjt 107 ©chweftern; „Bethanien" 
1847, j. 228 ©chw. auf 40 *rbeit«felbern ; 
W ?aiaru«-Äranfenhau«" 1867, j. 46 <Schw. ; 
„i<aul-®erharbt»etift" 1876, i. 70 8chw. ; 
©trafjburg 1842, j. 174 6cbw.; 35re«ben 
1844, j. 240 6cbw.; SBre«lau 18Ö0, j. 
208 £dm>. auf 46 *rbeit«felbern ; Äönia«- 
bera 1850, j. 228 §d)w.; ©tettin 1851, 
j. 36 8chw. ; Äarl«ruhe 1851, \. 108 ©d;w. ; 
fubwig«luft 1851, j. 150 ©chw.; Ärafch.- 
nit} in ©chlefien 1852, 1887: 106 ©cbw.; 
©tuttgart 1854, j. 307 ©cbw. auf 60 «r- 
beit«felbern ; 92euenbettel«au bei Dürnberg 
1854, j. 252 ©chw.; «ug«burg 1855, f 
75 ©chw. ; §alle a. ©. 1857, j. 80 ©chw. ; 
3)anjig 1857, j. 130 ©chw.; 3)armftabt 
1858, j. 136 ©d)w.; ©beier 1859, \. 85 
©chw.; ^annotoer 1860, j. 198 ©chw.; 
Hamburg 1860, i. 29 ©c^w. ; 2;repfa, je^t 
2Behlheiben bei Äaffel 1864 j. 50 ©d?w. ; 
$ofen 1865, j. 80 ©d)w.; ^rantenftein in 
©chleßen 1866, \. 126 ©chw.; Altona 
1867, ). 67 ©chw. ; 2»ünchen 1867, j. 46 
©chw.; «remen 1868, j. 23 ©chw.; Neu» 
torneb bei ©tettin 1869, j. 163 ©chw.; 
©iclefelb 1869, \. 455 ©chw. auf 152 %f 
beit«felbern; «raunfehweig 1870, j. 51 
©chw. ; granffurt a. 3W. 1870, j. 65 ©chw.; 
Scowawe« bei ^otöbam 1873, j. 102 ©chw. : 
Rlen«burg 1874,i. 73 ©a^W.; Äücfenmühle bei 
©terrin-@rünhof 1877, j. 26 ©chw.; 2Kann- 
heim 1884, j. 24 ©chw. gerner fuib 3>ia« 
foniffenhäufer gegrünbet worben in ber 
©cbweij (©t. ?oub im SBaabtlanb, früher 
(Schatten« 1842, 33ern 1845, 9tiet»en bei 
SBafel 1852, Weumünfter bei 3ürich 1858), 
in ftranfreich; (^ßari« 1841), Jpollanb 
(Utrecht 1844, $aag 1865, Arnheim), 
©d)weben (©tocfiwlm 1849), 3)änemart 



Digitized by Google 



174 



Diario Romano — Dibtymu«. 



(ftopenljagen 1863), Norwegen ((SbrifHania 

1868) , 9hißlanb (©t. <ßeter«burg 1859, 
2Ritau 1865, 9iiga 1866, «ctoal 1867, 
©aratom 1867, $eIfingfor« 1867, ©iborg 

1869) , Dcfierreidj (SBten, ©aüncufircben, 
©uba«<l$efib 1866), (Snglanb (Conbon in 
$t>bc»<Parf 1861 unb £ottenl;am 1867) 
unb in 9?orbamcrifa (<ßitt8burg, jefct 
9ied)efter 1849, fbäter nod? ^bjlabclpbta). 
3m 3abrc 1884 gab e« über 60 2>iafoniffen* 
2)hitterbäufer mit etwa 6000 ©c^weftern 
in etwa 1750 91rbcit«ftationen unb Waren 
etwa 6 2Rtlüonen 2)?arl au« freiwilligen 
?iebe«gaben im bireftcn 2)ienfte biefer $n* 
ftalten fcerwenbet Worben. 9lud) gehören 
bierber bic ©djwefiern ber Sarra- 
i) e r j i g f c i t (sisters of mercy) in 2>euon» 
port unb ^Jlmnoutb, nnb ba« \> au « ber 
©armber Jtgfcit in <EIcmer bei SEBinb» 
for. Uebrigen« gibt e« im übcrwicgenb 
j>rotefiantifcpen Greußen mctyr fatbefifdje 
©armberjige ©djweftern als in ber ganjen 
proteftantiföen Äircb,e 2).; bie Arbeit«« 
felber ber (Srftercn allein in Greußen fmb 
jablreidjer als bie ber 2). in ber ganjen 
Seit jufammengcnommen. ©rgl. ©cbä'» 
fer, 2)ie weiblidje 2>iafonie (1880, 3 
©be.); <S. SB. ©d;neiber, 2)ie innere 
2tttffton in 2)cutfd>lanb (1. 83b. 1888). h. 

Diario Romano ift ber 92ame ber 
jäbrlid) mit ^öi^fttit^er ©ewifligung erfd?ei« 
nenben ©efd;reibung ber täglichen, wötbent« 
lidjen, monatlichen unb lübrlüten ©otte«* 
bienjte unb gorte«bienfUtd;eit ©errictytungen 
in ben toerfdjiebenen Äirdjen unb ÄapeUen 
9?omfl. Slußcrbem bringt ba« D. R. aucb 
nod? bie ftaflenöorfdjriften, bie firdjlidje 
Seitredjnung, fowic bie %t\t be« ©onnen« 
aufgange« unb Sonnenuntergänge«, bic 
©onnen- unb ÜRonbftnfterniffe jc. z. 

JDiafpota (griedj., „3erfrreuung"), ©e* 
jeidmung ber, nac& bem (Sril juerfl im 
Often, fpäter aud; im SBeften (3ot). 7,35) 
be« alten (Srbtrcife« jerffreut lebenben, 
3ubenfd>aft, fbä'tcr aud? ber unter ben 
Reiben lebenben (Steiften (3a!. 1, 1; 1. 
$ctr. 1, 1). 2>ie ©rlibergcmeinbe wanbtc I 
ben tarnen an auf ibje außerhalb ber 
ÜDfuttergemeinbc Wo$nenben ©lieber, unb 
in ber gegenwärtigen broteftantifd;en Äir« 
d?enfbrad;e bcaeidmet 2). bie unter fatboli» 
fcbcr ©etölterung »ereinjelt baftebcnben 
proteftantifcben ©emeinben. e. @ufta»>aboif« 

Stiftung. ir. 

©ttt3, 3uan, fpanifdjer SWärtprer ber 
9Jeformation«jeit, geb. ju <Eucn$a in (£afH« 
lien, jrubierte in $ari«, wo er 1540 burd; 
bie reformatorifcb,en ©Triften £utl)er« unb 
Ual&tn« für bic etoangelifdjc 2ebre ge* 
Wonnen würbe. 1546 begleitete er ©nccr 



auf ba« 9*egen«burger Äofloquium, ging 
»on bort nadj Sieuburg an ber 2)onau, 
Wo ibn fein ©ruber Sllfonfo, ber in 9iom 
an ber SKota angefieflt war, auffut^te, um 
ib,n jur fatb,olif($en Äirc^e juriicfjufübren. 
$a ihm biefe« nidjt gelang, lieg ^llfonfo 
feinen ©ruber 3. burdj feinen 2)iener mit 
einem ©eile erf plagen. £ er j|anati«mu« 
f))iegeltc ?llfonfo »or, e« fei bejfer, baß 3. 
fterbe, al« in feiner Äefeeret »erbarre. 
Wfonfo würbe in 3n«bru<f ergriffen; ber 
$a}>ft aber entjog ibn al« Älenfer bem 
weltlichen ©erit^te ; er blieb unbeftrafi. 2)ie 
fbanifc^e Umgebung Äarl« V. billigte ben 
SWorb. 3. 2). ifl ber ©erfaffer ber „Christi- 
anae religionis summa", wel<$e 1865 autb 
in ba« ©paniföe iiberfejjt würbe. Srgl. 
Ct ©cnarclö, Historia vera de morte 
Jo. Diazii (1546); Q. Söt)mer, Biblio- 
theca Wiffeniana: Spanish Reformers 
(1. ©b. 1874). z. 

&ibeliu&, ^ranj SSilb.clm, lut^e« 
rif(b,er Xbeolog, aeb. 6. 3an. 1847 in 
SJrcmlau, würbe 1871 $ilf«^rebiger an ber 
©omftrtbe in ©erltn unb bafelbft 1873 
3nf|>eftor be« 2)omfanbibatenfttfte«, fowie 
SJojent an ber Uniicerfttät, 1874 Pfarrer 
an ber Slnnenfir^c in 2)re«ben, bafelbfl 
1877 Äonfiftorialratb unb 1884 Pastor Pri- 
marius an ber Äreujtir^e. 2). »erfaßte: 
„©ottfrieb tlrnolb, fein ?eben unb feine 
©ebeutung" (1873). ©eit 1882 gibt 2). 
gemeinfam mit ?ccfycr bic „©eirrSgc jur 
fäd^pfeben Äir^cngef^itbte" l)erau«, in benen 
er mehrere werttooüe Slbbanblungen fer- 
bffentlic^t b,at. z. 

^tbat^e, f ber 12 ÄJ>ofhl. 

©tbaefotia bet Äpofttl, f. 8popoiifd>e 

.'UT.üitutioncn «nb Äanonefl. 

SDibtimu», ©einame be« gefiel« 2:bo> 
ma« (f. b.). 

SDibttmuS, ber ©linbe, Ärnbem 
leerer, bic Iefete glänjenbe (Srf^einung an 
ber Äatetbetenfcbwc ju Äleranbria, welcber 
er 50 3at)rc lang öorftanb, geb. um 308, 
gefi. um 395. Xxoij feiner frühen ßr* 
blinbung einer ber erften ®elel)rtcn feiner 
3eit, f^loß er ft(b im ariamf^en ©treite 
ber re^tgläubigen Partei an, wa« inbeffen 
nidtjt »erbinberte, baß il)n ba« 5., 6. unb 
7. allgemeine Äonjil al« Drigeniften, vi n - 
l)änger ber ?ebre »on ber ^raeriflenj ber 
©eelen unb ©egner ber (Swigfeit ber 
^öllenfrrafen toerbammten. (Sbenbe«bafb finb 
feine ©(briften in ber Äirc$c jurüdgetreten 
unb Würben bie toornebmften berfelben erft 
wieber »on SWingarelli (1764) unb »on 
S liefe in ben „Quaestiones ac rindiciae 
Didymianao" (1829—32, 4 UniöerfitSt«- 
Programme) an« ?i<$t gejogen. z. 



Digitized by Google 



DtbtjmuS — Dtepenbrocf. 



175 



. ©abriel(3miütng),fäcpft' 
fcfar Reformator, geb. 1487 ju 3oa(bim«tpal 
in ©bunten, ftubierte juerf» \\i präg, bann 
ju «Bittfitberg, trat 1502 in ba« ©itten- 
berger Huguftinerflofter, mürbe 1512 9)Ja- 
flifter, 1513 priefter in Wittenberg, öiner 
btr erften Hnbanger Eitler«, brebigte er 
bier, mäbrenb biefer nodj auf ber zBart» 
bürg »eilte, gegen bie ©elübbe unb bie 
ÜBinfelmeffen unb fdjloß ftcb immer enger 
an Äarlftabt (f. b) an. Wadjbem D. auf 
l'utber« Gmbfeblung eine furje 3«»t prebi- 
aer in Hltenburg gemefen mar, mürbe er 
1523 Paftor in Dorgau, wo er ba« ©olf 
m einem (Sturme auf ba« Jjranjiafaner* 
tlofter auffta<belte. Sttegcn 3uril(froeifung 
be» Seibitger Interim« 1549 abgefegt, 
f»arb D. al« Privatmann 1558 in febr 
bürfrigen Umftänben. BttL 3 ob- @corg 
lerne, ©erfucb einer fufftjienten 9iaeb- 
ricbt Don be« ®. 35. fatalem ?eben(1737). t. 

SDiecfpoff, «u auf» Söitbelm, lutbe- 
rifcber fcpeolog, geb. 5. ftebruar 1823 ju 
©öttinaen, mofelrf» er Xpeoloqie f»ubierte, 
feit 1847 Repetent, feit 1850 tyrioatbojent 
unb feit 1854 aufjerorbentlicper profeffor 
an ber tfyeolegifcpen ^afuttät mar. 1860 
folgte D. einem Rufe al« orbentlicber pro« 
feffor ber $b<ologie nacb. Roftocf, mofelbf» 
er 1882 Äonftf»orialratp mürbe. Unter 
feinen ©tbriften nennen mir: „Die Sal« 
benfer" (1851); „Die efcangelifcbe Hbenb« 
mabl«lebre im Reformation«jeitalter" (1. S3b. 
1854); „Die etangelifdje ?ebre öon ber 
$eil. ©djrift" (1858, gegen t». $ofmann 
gerietet); „Der ©ieg be« <5brtf»entum« 
Über ba« Jpeibentum unter Äonftantin bem 
©roßen" (1863); „Stoiber« i'ebre üon ber 
fir«blid)en ©emalt" (1864); „©(brtft unb 
Drabiton, SBiberlegung ber rBmifcbeu 
?epre t>om unfeblbaren wpramt" (187Ö); 
„Da« allgemeine Äonjil unb feine ©ebeu» 
tung für unfere Bett" (1870) ; „©taat unb 
Äinbe" (1872); „Die cbligatorifcbe 3i*il. 
epe" (1873); „Die fircblictye Xrauung, ibre 
©efebiebte im 3nfammenbange mit ber Snt« 
midfelung be« (Sbefcbltr^ungöredbtd unb ipr 
«erpältni« jur Himlepe" (1878) ; ,,3iml« 
ebe unb ftrcblicbe Jrauung" (1880); „Die 
dJJenftpmerbung be« ©obne« ©otte«" (1882, 
gegen bie Dpeologie Ritfcpl«); „Die ©tel» 
lung ber tbeologiftpen gafultä'ten jur Äircbe" 
(1883); „Die Stellung Sutber« jur Sinbe 
unb ibrer Reformation in ber 3eit öor 
bem Hblaßfireit" (1883); „futbere Recbt 
gegen Rom" (1883); „Der Hblaßftreit 
bogmengefcbttbtlic^ bargeftellt" (1886); „i'u- 
tper« 2ebre in ibrer elften ©eftalt" (1887). 
SfKt Äliefotb gab er 1860—64 ju ©dpmerin 
bie „£peologtf(pe 3«tf(brift" b«au«. z. 



8 



©ifffenbacb, ©eorg «p^iftian, 
lutberif(per fcbeolog unb Üieberbtcbter, geb. 
4. Dej. 1822 ju ©d^lit} im ©roßberjogtum 
Reffen, ftubierte ibeologie m ©ießen 1840 
—1843 unb befugte ba« prebigerfeminar 
u ftriebberg. Wacbbeui D. feit 1845 
ebrer in Darmftabt unb feit 1847 Sifar 
unb pfarrr>ermaltcr in oerfebiebenen @e- 
meinben gemefen mar, lebt er jeit 1855 in 
feiner SJaterftabt, juerf» al« jmetter Pfarrer, 
feit 1873 al« Oberbfarrer. Huf ber außer 
orbentlm>en pefftf^en l'aube«fpnobe 1873 
mar D. einer ber gübrer ber Sutberaner 
unb proteftierte gegen ben Äirtpent>er« 
faffung«entmurf, untermarf fttb ieboib 1874 
bem Oberronfiflorium. ©eine „Äinber- 
lieber" (2. KnfL 1864) matten ibn juerf» 
in meiteren Greifen betanut. D. if» niebt 
nur einer ber frudptbarfien, fonbern aueb. 
ber bur^ religiöfe üefe au«gejei(bnetf»en 
Äinberfcbriftfteüer unferer ßeit („«u« bem 
Äinberleben", 1. Sammlung, 3. U. 1883; 
2. ©ammlung, 2. «ufl. 1883; „^ür unfere 
kleinen, iüuftrierteö i"ionat«blatt", erfebeint 
feit 1884 ; „Sammlung »on Äinberfcbriften* 
1883-86, 30 ®be.). *u(t> toerfa&te er 
„©ebiepte" (neue «u«gabe unter bem Ditel 
„l'ieb unb ?eben", 1879) ; „Hu« öier Reihen, 
©ebiepte, neue Sammlung" (1886); „SBi* 
blifebe ©ebiebte" (1887). Hn« ber großen 
3abl ber ber (Srbauung unb Seelforge ge* 
mibmeten ©<briften D.« feien noeb ermäbnt : 
„@r.angelif<be ^>au«agenbe" (4. Hufl. 1878) ; 
„2Bort unb Saframent" (3. Hufl. 1884); 
„(Sin ^>o(bieit«firau6" (5. «uflage 1888); 
„^ibelanbacbten" (1879 — 84, 4 ©be.); 
„(J&angelifcbe ^>au« - Hnbacbten" (1883); 
„Äleine (goangelien.^ofiiüe" (1885) ; „Äleine 
emftel-pof»iae"(1886);„et?angelifd)e^au« 
agenbe" (3. Hufl. 1887); ,/Jkebigten über 
ba« 1. «it(b üKofe" (1889). z. 

©ienenbe »riibet, bei ben geifilicpen 
Ritterorben nicbtablige ©rüber, bie al« 
gemeine Solbatcn btenten; in Älbftern 
f. b. m. ?aienbrüber, in ben yionnentlüfiern 
tuxdf bienenbe Scbmeftern Vertreten; 
bei ben fa^iinaurern biejenigen SDcitglieber 
be« ©unbe«, meltbe bie Hufmartung in ber 
l'oge unb anbere Dienfie fcerriepten. z . 

©iepenbrorf, 2Jf elcbior, greiberr 
öon, ratpol. Äird)enfürft unb XfytolcQ, 
geb. 1798 ju «ccbolt tu Seftfaten, maebte 
ben ^elbjug »on 1816 mit, mußte um 
feinen Hbfcbteb bitten unb lernte 1817 ben 
nacptnaligeu SJifcbof ©ailer fennen. «on 
biefem für bie Ideologie gemonnen, erbielt 
er 1823 bie ^neftermeipe unb mar feit 
1830 Domfapitular, feit 1835 Dombefan 
unb feit 1842 ©eneralmfar in Regenflburg, 
midft Stellung er aber naep 2 3apren 



Digitized by Google 



176 



!Dtcringcr — £)ietrt$. 



nieberlegte. 1845 de ftürftbifcbof *on 
«reSlau tntbronifiert, mar er 1848 2)iit- 
alieb be« grantfurter Parlament« , t jt tupfte 
m ©Triften für bie örmeiterung ber 
»te^te be« Äleru« bem J>reu§ifd?en ©taate 
gegenüber, ttmrbe 1849 apoftotifc^cr Vitar 
für bie preufjtfdje Strmee, 1850 Äarbinal 
unb ftarb 20. 3anuar 1853. Ciner ber 
legten Ideologen au« ©ailer« ©dmle, 
machte er fid> turdi «ßrebigten unb Hirten- 
briefe, aber and» burd) gröfjere Sorte be« 
fannt, unter melden „Heinria) ©ufo« Seben 
unb ©ebriften" (2. Saft 1837) unb ,,©eif> 
lieber SÖlumenftraujj" (4. 5tufl. 1862) ju 
nennen, ©ein Sebcn betrieben feinDiacb» 
folget gbrfter (3. «ofL 1878) unb»ifd»of 
«einten« (1881). %. 

fcierineet, granj Ja* er, tatyol. 
Xbtolog, geb. 1811 ju 9cangenbingen in 
Hobenjollern'HecbJngen, ftubierte ^b^logie 
unb ^bitofo^b»« J« Bübingen, warb 1835 
jum $riefter gemeibt unb am Seminar 
ju ^reiburg i. ©r. al« Repetent angeftetlt. \ 
Wad? einem 3mifd?enaufentbalt in ©peier 
(1840— 43), mofelbft er am s J$riefterfeminar I 
Dogmatil vortrug, ivavb er 1843 al« 
orbentlidjer v J3rofeffor an bie latljolifd)* 
tbeologifdje ^afultät ju ©onn berufen, mo | 
er fpater Unmerfita't«brebiger unb 2>ireftor ; 
ber bontiletiföen Sbtbetlung be«, bon ibm i 
gegrünbeten, bomiletifdj - fateebetifdttn Se 
minar« marb. 1848 mar er lliitglieb be« 
granf furter Parlament« unb »urbe 1853 
jum ©omtamtular in Äbln — unter »ei* 
be&altung feiner ©onner <profefjur — er- 
nannt SMebrmal« ftanb 3). bei SBefefeung 
bif(b«JfH4?er ©Utyle auf ber Sanbibatenlifte 
ber 3)omfabitel, mürbe aber immer öon 
ber breufjijdun Regierung al« persona 
minus grata geftriefcn. ©eine Haupt» 
fd>riften fxnb ba« „©ttftem ber göttlichen 
Späten be« S&riftentum«" (2. Hüft 1857); 
„SaienfatediiSmufl Uber Religion, Offen- 
barung unb Ätirdte" (2. KafL 1868); „Sie 
Sbeologie ber Vor« unb Sefctjeit" (2. Stuft. 
1869) unb ba« „2el>rbud> ber fatb.olifcb.en 
Eogmatit" (5. Bufl. 1865). 9tacb Hu«, 
brudi ber öatifanifdjen $onjü«mirren legte 
3)., »eldier, obmobl Stnbänger ber 3n» 
faüibilitatsle&re, bennod? bie bogmatifefc 
Definition berfelben ungern fab, 1871 fo« 
mobl feine ^rofeffur al« fein Äanonifat 
uieber unb jog fidj auf eine 3)orf)>farrei 
(Veringenborf) in feiner engern Heimat 
jurüd; er ftarb 8. ©etot. 1876. z. 

Dies n a.', die» illa (lat), nad» ben 
9lnfang«morten benannter, lateinischer Hüm« 
nu« auf ba« SBeltgericbt, bem bie pxop\ff 
tifd>e ©teüe 3<bbanja 1, 14—18 naa> ber 
lateinifd>en Ueberfefcung ber SJulgata ju 



©runbe liegt ; flammt au« bem 13. 3abrb 
unb bat, nach jiemlicb fieberer Annahme, 
ben granjisfaner £b.oma« öon Celano 
jum SBerfaffer. 3. «cqutnj. h. 

Dies Htationum, f. Sofien. 

fciefrel, 1) Heinrich, ctoangelifeber 
Xbeolog, ®efinnung«genoffe ßbel* (f. M. %. 

2) ?ubmig, »roteftantifeber X^eo« 
log, geb. 28. ©ej>t. 1825 ju Äbnig«berg 
i. ^r., mürbe 1851 ^ßritoatbojent in SBonn unb 
1858 aufjerorbentlicher ^rofeffor ber Stbco* 
logie bafelbft. Sil« orbentlicfyer *|3rofeffor 
mirfte er feit 1862 in ®reif«malb, feit 
1867 in 3ena unb feit 1872 in Bübingen, 
too er 15. SDcai 1879 ftarb. (Sin frei« 
gefinnter J^eolog, bat er 1872 bie „3enen= 
fer Crflärung" in ©atben ©^bom« i>er= 
anlafjt, ftcb aber aud» in ber gelehrten 
Seit befonber« burd^ feine ©ebriften „2>er 
©egen 3afob« in ber ©eneft« XLIX 
frftorifö erläutert (1853), „®efdncbte be« 
«Iten Xeftament« in ber diriftlidien Äirc^c" 
(1869) unb „3)ie ©intflutb unb bie ^lutb- 
fagen be« »Itertum«" (2. XitfL 1876) einen 
ebrentootten tarnen gefc^affen. z. 

Dietrich, Aiaiij (Sbuarb (£bri> 
ft c v b , r v o t oft . Sbeolog, geb. 2. 3uli 1 810 m 
©trauet (©ad?fen), ftubierte 1829—32 m 
i'eipug unb H«tt>/ mürbe 1836 9lepetent 
ju Harburg, 1839 ^rioatbojent bafelbft, 
1844 aufjerorbentlid>er, 1846 orbentlicber 
•tProfeffor in ber bbilofobfyifdben gatultät 
unb 1859 in glcicber Sigenf^aft in bie tbeo« 
logifdK übergefübrt. (5r ftarb 27. 3an. 1883. 
Unter feinen ©ebriften nennen toir: 
b.aublungen für femitifdie fBortforfcbuug" 
(1844); „^Ibbanblungen jur bebräifeben 
@rammatir (1846); „©efeniu«' $anb* 
mörterbud?" (5.-7. Slufl. 1855 — 68); 
„äNorgengebete ber alten fbrifd?en Äira>e" 
(1864); „De Sanchoniathonis nomine" 
(1872). z. 

SDiertid), »eit (Vitus Theodorus), 
namhafter ^efb'rberer ber 9cefotmation, 
geb. 1506 31t Dürnberg, bejog 1523 bie 
Uniöerfität Wittenberg, mar feit 1527 
?utber« 3lmanucnft« unb fteter Begleiter 
unb mürbe 1536 auf 2JceIan<$tbon« %üv 
tyxatift ^Jrebiger an ber ©t. ©ebalbu«« 
ftrebe ju Dürnberg, mo er, faft an allen 
bebeutenbern ©treitfragen unb 3)i«bu» 
tationen tbeilnebmenb, bi« an fein önbe 
1549 mirfte unb ber ©tabt unb ber 
baju gebbrigen £anbfd>aft 1543 bie erfte 
?lgenbc gab. 2)urcb H«au«^abe toon er^ 
baulieben unb eregetifd>en ©d»nften Sutb^er«, 
bie er 311m Stbeil in ba« 2)eutf<$e über« 
fe^te, bat er »iel jur Verbreitung ber 
reformatorifeben ©runbfä^e beigetragen. 
Vrgl. (5. ßngelbarbt in ber „3eitfa)rift 



Digitized by Google 



Dietridj »on s Jheljeim — Xtnbet. 



177 



für fircpUcbe Siffenfcbaft unb fircbltd?e« 
geben" (1880 unb 1881). «. 

Dietrich öon ^tiebeim, «ertreter ber, 
ton beu refermatoriföen «onjilicn unter» 
nommenen, fcirebentterbefferung, würbe ju 
Wiebeim (Secbftift ^aberboru) in ber erften 
fcälfte be« 14. 3a^unberW fieberen 
unb begab ftd) nad) colleubetem Stubium 
be« faucnijcben SRecbt», wabrfcbeiulicb gegen 
Sifrlufj be« ^ontiftfat« Urban« V. (ftarb 
1370), nad) flmguon, würbe b»er Wotar ber 
9iota unb begleitete 1376 Öregor XI. naA 
föom. Urban VI. übertrug ibm gteidj nad) 
feiner Sr^ebung auf ben StubJ ^etri 
(1378) bie Remter eine« 2tbbre»iaterö unb 
Striptor«. 3)iefein graufameu Zapfte blieb 
3). — mit einer Keinen Unterbrechung — 
getreu. Seit 1395 SMfdjof eon «erben, 
roaltete er feine« ^mte« mit feiger Strenge, 
ba§ SBonifatiu« IX. ifm te«felben 1399 
entfette. 9cad> ftom al« flbbremator p 
iüdgefel?rt, war er wäbrenb be« ^onttfl» 
tat« ©regor« XII. uuabläffig für bie «uf- 
bebung be« tircblübeu Sd)i«ma« tbätig 
unb »erliefe ben $apft 1408, al« biefer 
auf feine ©ürbe nidjt ^ev^d^t leiften woüte. 
Unter aieranber V. unb 3ob.ann XXIII. 
ftanb 3). wieber im Xieufte ber päpftheben 
Äanjlei, bi« ü)n bie $lud)t be« ?efctge- 
nannten au« Äcnftanj 1415 baju eeran- 
la§te, fcd) audj toon tiefem ^apfte lo«ju« 
fagen. $n bem Sonftanjer Äcnjil (f. b). 
beteiligte er fieb perfönlid) unb braute 
bie legten läge feine« geben« (er ift im 
2Jcärj 1418 geworben) in SKaaftridrt al« 
ÄanonÜu« ju. 35. bjelt watjrenb aller 
SBedtfelfätle feine« geben« ju Äaifer unb 
fteid) unb „erfelmte bie Bereinigung aUer 
ebriftlicben Staaten unter ben ftarten 
ittigen be« beutfd)en 9teicb«abler«." Seine 
lerle: %> Nemus unionis" unb ,,Do schis- 
raate" ftnb für bie «enntni« fcer Äirajen- 
geliebte jener ^eriofce überaus widjtiß. 
&rgl. Sauerlanb, 2:a« geben te« X. 
». (1875); (Srler in ber „Seitfcbnft 
für »aterlänbifd?e @efdnd?te unb Altertum«» 
tunbe" (1885); 3> erfelbe, 3>. to. M., fein 
geben unb feine Scbriften (1887). z. 

©iflnitot (tat. „Würbe"), beißt ein, mit 
wirflicb>r 3uri«bittiou uerbunteue«, Äir« 
cfcnamt; urfprüngtieb gehörten -,u ben 
3)ignitäten nur bie Würben eine« Eifcfcof«, 
<5rjbifd)of«, ^atriareben unb ^apfkfl (feg. 
Diimtatos pontificales). Xb,eil« burd) 
^riöilegien, t^eil« infolge be« Wertem- 
men« fmb aber aueb bie Äarbiuäle, pätft> 
lid)en Segalen, «ebte unb SUorftcber (Öene* 
rale) ber SWBnd)«- unb «ittererbeu ju ben 
3)ignitäten ge?äblt werben (jogen. Digni- 
tates majores); tritten« werben aueb bie 



beeren Stellen in ben Kapiteln (bie ber 
^rbpüe, 2ea)auten) 3)ignitäten genannt, z. 

Eittmattn, (£b.riftian ftriebrid) 
«uguft, er-anaelifcbcr Xfjeolog unb Orien» 
talift, geb. 25. «pril 1823 \\i 3Üingen in 
Württemberg, ftubierte 1840—45 iu Itt« 
bingen Xb«olßöt« unb orientalifebe Spraiben, 
trat 1845 al« 4)ilf«geiftlicber }u Ser«beim 
in ben geiftlicbeu Staub, fefete 18441— 48 
feine Stubien in ^ari«, «onbon unb Crforb 
fort, würbe 1848 tbeologifeber Repetent in 
Bübingen unb, naebbetn er fic$ 1852 bajelbn 
für altteftamenthcbe ßregefe unb orientalifebe 
Spracben babilttiert, 1853 aufeercrbentlidjer 
%irofeffor ber ortentalife^en Spracben, \u> 
erft in XUbiugen, 1854 ju Miel, 1860 
orbcntlicber ^rofeffor ebenbafelbft , 1864 
s profeffor ber Ibeologie in (gießen unb 
1869 ,u iöerlin. X. warb 1877 erbeut- 
liebe« iDJitglieb ber Wuigl. «tabemie ber 
iüiffenfcbaften bafelbft. $eri>orragenber 
Äeuner ber ätbtepifeöen Sfcracbe, für weldje 
er eine „(^ramutatit" (1857 ) unb ein „ 
Ion" (1865) febrieb, bat er ba« „4)ucb 
$>euocb" im Urtert (1851) unb in beut' 
f*er Ueberfeyung (1853), aufeerbem notb, 
bie „Äleine (Senefi«" (1859), bie Himmel- 
fahrt be« Sefaia«" (1877), bie atb>pitoe 
Ueberfetjung be« «Iten 3;eflament« (1853 
—1872, 2 &be.) b«au«gegeben unb „Ueber 
bie Regierung, in«befonbere Uber bieÄircbcn» 
orbnung be« Äönig« 3«' a 3acob" (1884) 
gefebriebeu. Sucb lieferte er Kommentare 
über ,Ä>iob" (1869), ,,®eneft«" (5. «vfL 
1886), ,,@robu« unb i'eoiticufl (1880), 
„Numeri, 3)euteronoraium unb 3ofua" 
(2. SnfL 1886). z. 

Dimissoriale (lat., aurb Literae di- 
missoriales), in ber tatb,ol. Äircbe ein oom 
iuftcinbigeu ©ifd>of feinen £ib$efaneu er- 
tb.eilter (STlaubni«fd)ein }um empfange ber 
3:onfur ober ber Söei&en bureb einen anberen 
iBifcbof. 3n ber etangelifcben Atircbe ift 
ba« D. ein r-om ?uftäubigeu (»eiftlicbeu 
tem tpfarrtinte au«gcfteütcr (grlaubni«- 
fd)ein, entivtber jum Uebertritt in eine 
anbere (Semetube ober ^ur «oruabme einer 
jenem ^uftebenben s Ämt«banblung bureb, 
einen anberen ©eifttieben. /- 
CinantC, f- Xaüib von ItttanU 
fcinbet, 3uliu«, latbelifcber ^ralat, 
geb. 9. SPiävj 1830 in Löffel (Srmlanb), 
ftubierte 1852—55 Ideologie unb ^bilo- 
fopb,ie in 53iaun«bcrg, würbe 1856 }um 
^riefter geweift unb Äaplan in «ifd)ef«' 
bürg, 1866 Pfarrer in ÖrieSlinen, 1868 
^ropfl in ÄöuigÄberg unb 1886 ber ftaa> 
folger Sebod)cw*ti« (f. b.) al« <Srjbifc$of 
toon ^ofeu. t. 

12 



Digitized by Google 



178 



<Dtnter — DiontyfiuS Slreopagitct. 



fcinter, ©uftab g rieb rieh, be- 
rühmter Äatethet, geb. 1760 ju ©orna, 
würbe 1787 <Pfarrfubftitut in Ätfcfcher unb 
1790 Pfarrer bafelbft, 1797 Eireftor beS 
©chullehrerfeminars in 3)reSben,- 1807 
Pfarrer in ©b*rnu} bei ©orna, 1816 aber 
al« Äonftftorial- unb ©cbulrath nach 
Äb'nig«berg berfefet, feit 1822 auch aufjer- 
orbentlichcr ^rofeffor ber Geologie bafelbft ; 
er ftarb 1831. 3). war ber anerfannte SDfeifter 
ber fogen. fofrarifchen Äatechififnnethobe, 
mit welcher er lancje bic ®olf«fchuIc, in- 
fonberhctt ben 9teligton«unterrid)t, in ratio* 
naliftifchem ©eifte beherrschte. 3t)r bienen 
feine „©chullet) rerbibel" (ba« «. X. 2. Hufl. 
1833—37, 5 ©be. unb ba« %. 4. KttfL 
1841—43, 4 ©be.), feine „Untenrebungen 
über bie §aubtftücfe be« intberifchen ftate- 
d>i«mu«" (neue Auflage 1831—33, 13 ©be.) 
unb anbere ? ehrbüdper. 2)ie „©ä'mmt- 
litten ©Triften 2).«" gab ©ilhelm 
(1840—51, in bier «btheilungen, 42 ©be.) 
berau«. ©ein Sebcn $at er felbft be- 
trieben (mit Erläuterungen unb Kom- 
mentar herausgegeben bonyiiebergefä'ß 
1879). z. 

Etoclctian, f. Gfriftenöcrfolflungen. 
5Dioboru$, Vertreter ber fogen. antio« 
chenifchen ©chule (f. b), mar juerft ^3re«- 
bpter in feiner ©aterftabt Äntiothia, feit 
378 ©iföof bon fcarfu«, Wo er um 394 
ftarb, al« §aubtbertreter ber bamafigen 
Drthobojrie hochberet)rt. 9ttd)t«beftoWeniger 
glaubte man fpäter in ihm ben moralifeben 
Urheber be« ^eftoriani«mu« entbedt ju 
haben, wa« ben Untergang feiner ©Triften 
bis auf einige Fragmente jurftotge hatte, z. 

C t oqttc t, © r t e f a n , eine grie$. 2lbo- 
logie be« Ebnftentum«, fätfc^ltc^ al« ein 
SBerf be« 9)?ärtbrer« 3ujhn überliefert, 
aber wahrfcheinlich nirfu lange nach beffen 
3eiten, nach teueren freilich erft im 3. 
ober 4. 3ahrh-, gefchrieben. SGBa« bie 3«it» 
befiimmung be« anonbmen ©chriftftiid« 
crfcb>ert, ftnb bie Freiheit be« «erfaffer« 
bon fo manchem fonft unbermeiblichen 
Tribut an bie Verurteile unb ©diranfen 
be« damaligen chriftlicben ©emeinbebewufjt* 
fein«, bie auffällige Feinheit ber :'(uffaffung 
be« Ebriftentum« in feinem Verhältnis ju 
§eibentum "unb 3ubentum, ber fchwung- 
bolle 3beali«mu« berSBertung beöEhrifien- 
tumS nach feinen inneren Reichtümern unb 
fittlichen 3ielen. ffiä'hrenb 25räfefe als 
2lbreffaten ben ftoifcb>n <Phifof°Ph<n 25iog« 
net herauSgefunben hat, fo fteht&ihn ben- 
felben in bem „3eu«geborencn" (= 2>iognet) 
Äaifer §abrtan. ©rgl. 2)räfefe, 2)er 
«rief an X. (1881); «ihn, &er Ht» 
fbrung beS ©riefe« an 3). (1882). z. 



SDtonrjftföe %tta, bie chrifiliche 3eit- 
rechnung, genannt nach ihrem Urheber, bem 
rUmifchen Äbte SMontyftu« SriguuS (f. b.) 
im 6. Sabrh- ©ic jählt bie 3ahre ab 
incarnatione domini, b. h- »on bem 3*'*= 
bunft ber ftleifchwerbung (Ehrifti. 2)a« 
erfie 3ahr biefer ©ionhftfchen Slera ift baS 
»om 1. 3an. bis 31. 2)ej. 754 reichenbe 
3ahr ab urbe condita. 2)iefe Wera toer- 
breitete ftch balb über baS granfenreich 
unb über Gnglanb, warb aber erft im 15. 
3ahrh- in Spanien, im 16. in Portugal, 
im »eginne beS 18. 3ahrh- erft in Stoß« 
lanb eingeführt, ir. 

SDtonöftue, «ßa^ft 259—268, befambfte 
auf einer rbmifchen ©hnobe 262, fon?ie 
in einer «Schrift ben ©abellianiSmuS (f. t>.), 
gugleich aber auch bie i'ehre Sionpftns be« 
j ©roßen (f. b.). Vrgl. 5a n gen, ©efchichte 
ber röm. Äirche bis gum ^ontififate 
SeoS L (1881). z. 

©ton^ftu«, «reopagita, Sei- 
figer be« 9lreobaagertcb;t« ju Stthen, roirb 
2tt>oftelgefd). 17, 34 al« fcom Sl^oftel <ßau- 
I lu« ju $tt)en für ba« fchnfkmum ge- 
toonnen genannt unb fott nach ber Xrabi- 
tion al« S3ifcb>f ju Slthen hingerichtet 
roorbcu fein. 2)er hei^ge 3). ton 
^?ari«, welcher nadh feiner Enthauptung 
mit bem Äobfe in ber £anb noch b»« ju 
bem, nach ihm genannten, @t.-2)eni« ge- 
gangen fein fou, ju ben 14 Wothelfern 
(f. b.) gejä'hlt unb 9. Oft. in granfreich 
oerchrt wirb, ift eine ganj anbere ^erfon 
unb gehört Wahrscheinlich bem 3. 3ahrh- 
an. ©erühmt würbe ber Warnt be« 2). 
burch eine Änjahl ihm jugefchriebener 
«Schriften, Welche bem ©ebiete ber theo- 
fobhif^fn üWbftif angehören unb nicht lange 
bor ihrer erften (SrWa'hnung auf bem 9ieli- 
gionSgefbrä'che jwifchen ben Orthoboren unb 
I ben monobbb.fitifchen (Seberianern 533 ent« 
ftanben fein fb'nnen. ©ie enthalten 4 
£rattate: „De coelesti hierarchia'', ,,Dc 
hierarchia ecclesiastica", „De nominibus 
divinis", M De tbeologia mystica" unb 
außerbem 10 ©riefe an afcoflolifche SO?änner. 
3)ie Unächtheit biefer ©driften wie« juerft 
i Laurentius ©alla (f. b.) nach ; fte ift ,mm 
l Sljriom ber ©elehrtenwelt geworben, an 
bem bergeblich in neuefter 3fit Äritifloftg- 
! feit ju rütteln berfudjt hat 2)iefelbcn 
fteflen eine burchejangige Umfefcnng ber 
djriftlichen 2»ogmattf in bie neublatonifche 
©befulation bar unb leiten bie bollfommene 
| ©noft«, bie fte berfbreeben, unmittelbar 
aus ber angeblichen Erfahrung einer, im 
3nneren ftch boüjiehenben, realen unb über= 
natürlichen Einigung mit ber „überwefent' 
1 lieh übererhabeneu Ucbergottheit" ab. Xurcb 



Digitized by Google 



Xsiontym« ber (^roße — 



tippet. 



179 



3oh- ©cetu« örigena (f. b ), ber ihnen »tele« 
entlehnte, würben biefetben in« Jatetnifcbe 
überfefct. 2»it ber abenbtünbifcben 2Woftir, 
beren ©runbtage fie hüben, mifdjte fidj feit' 
bem bantbeifhfdhe ©tompath, ie. 35ie wonnal« 
anhabe berffierfe be« 3>. lieferte © a 1 1 b a f a r 
<5 or ber iu« (1634, 1644 u. öfter, 2 Xbeile, 
wieberbott bei SWigne, Patr. graec. T. III 
unb IV). Sine beutf(be Ueberfefcung mit ?lb« 
banbtung gab 6 n g e l b a r b t (1 823, 2 Steile) 
berau«. ©rat. £>ipter, 35., ber 2treo- 
»agite (1861); (5. 2tt. © an ei ber, Arco- 
pagitica (1884); 3)räfefe in ber „3eit= 
fcbrift für wiff. Xfrol" (1877). z. 

©ionpftuÄ ber ©reße (3>. »en 
% I e r a n b r i a), ber bebeutenbfte ©djüler be« 
Origene«, feit 232 ©orfleher ber Äatecbeten- 
fchule \n Slteranbria unb fyierauf feit 247 
©ifd;ef bafelbft, ttmrbe in ben (Jbriften* 
Verfolgungen unter 2)cciu« unb ©aterianu« 
mehrmal« toerbannt, ftorb 264 (265) 
Cr n>ar nad) ber praftifdjen (Seite bin 
mehr begabt at« fein Üebrer, ben er 
burä) ©djrift unb SBort oertbeibigte. 3>. 
befärnpfte bie (Sbiliaften, bie fid> unter 
Rührung be« v JJre«bpter« Äorafion oon 
ber Hleianbrinifcben tird;c getrennt hatten, 
in einer Unterrebung mit einem foldjen 
Srfotge, baß fte ßdj wiebcr mit ber Ätrdw 
au«fiJpnten. ©ei ber ©elegenbeit fpradj 
3). in feiner ©cbjrift „oon ben©erbeißungen" 
bie BpofalbPfe b*!* 1 Stpoftel Johanne« ah. I 
3n berEogmatif würbe er Vorgänger be« 1 
3triu«, inbcm er jur SBibcrlegung be« 
©abelliu« (f. b.) behauptete, ber ©opn fei 
ein „SBerf" be« ©ater«. Diefen flu«brud 
nabm er jebocb, «on 3)ienpftu« oon Wem 
(f. b.) jur 9tebe geftetlt, bereitwifligft jurüd. 
9Iudh gegen bie Wooatianer (f. b.) erflärte 
ftdj 3). ©on feinen jatdreicben ©djriften 
finb nur Fragmente auf un« gefönt-- 
men. ©rgl. 3>ittrid>, 3). ber ©reße 
ton Stteranbria (1867); görfter in ber 
„3«tf(brift für ^ifierifcfte 2:^eoloflie"(1871); 
y. 3W e r i } e , Denis d'Alexandric (1881 ); 
»och, 2>ic ©cbrift be« Hlerantr. ©ifcbof« 
3). be« ©roßen „Ueher bie Matur" (1883). z. , 

©tonljgu8, @riguu« („ber Steine")/ 1 
firdjtidjer ©dmftfietter, trat, ein geberner 
©tyhe, \ü 8iom in« Älofter. dv ift ber Urheber 
ber, nad) feinem tarnen benannten, 3)ionp» 
ftftben «era (f. b.), fowie ber ©erfaffer einer 
Äanonenfammfung unb ber Ueherfetjer •• abt« 
reicher griedufchcr ©Triften. (Sr ßarb 
fpäteftenö 555. ©rgl. 2« a aßen, ©e- 
fdndjte ber Duetten unb ber Literatur be« 
fanontfdjen SRecbt« (1. ©b. 1870). z. 

SMontoftuä oonfferintb,war ©ifdje? 
biefer ©tabt um 170; £eben«fcbidfate unb 
£obe«jabr be«fefhen ftnb unbefannt. Sr 1 



fcbrieb 8 ©riefe an berfdjiebene ©emeinben, 
bie bamal« 1>Mh\> Snfeben erlangten, unb 
au« benen Sufebiu« ©ru(bftüde mitgetbedt 
bat. z. 

Ciofttur, ®egenba|fü, trurbe toon einer 
großen Partei im rtfmifdjen Äleru« unb 
@enat ©onifatiu« II. <f b.) 530 entgegen- 
geflettt. 3). parb jebod? fd;on naö> 28 
Xagen. z. 

rio^fur öon Äleranbria, würbe 
nad? bem £obe be« ftb^iO"* b - ) 444 Patri- 
arch oon ^lleranbria unb trat a(« folcber auf 
bie ©eite be« «bte« Cutbcbe« (f. b.). 3)a« 
Äonjil oon Cbalfcbon (f. öi,oltebontJd»f« 
öloubtnfbtffnntm*) fe(}te ihn 451 ab, worauf 
ibn ber Äaifer nad? ©angra in ^abbla- 
gonien oerbannte. ^>ier ftarb 3). 454. s. 

riöjffc, f. *i#ture. 

Hippel, 3 ob. Äonrab, ein juerfl 
ortboborer, bann pietiftiftber, barauf ra- 
tionaliftiftber X^tolo^, ^lld^tmift unb <Sbe» 
mifer. ©eb. 1673 in ber Umgebung 3)arm- 
ftabt«, ftubierte $u ©ießen X^eoloflic, nabm 
bort gegen ben pieti«mn« Partei, begab 
fich fbäter nad) ©traßburg, wofelhft er, ba 
er oon ber tbeolegifdjen gafultät ahge« 
wiefen würbe, Verlegungen über lÄfrrelogie 
unb Shitcmantie Hdt, mußte ©Bulben 
wegen au« ©traßburg flücbten, warb in 
35armfiabt für ©bener« ©ad>e gewonnen, 
ging jebed? halb in ber unter bem Warnen 
„Christianus Democritus" »erfaßten ©ctyrift 
„Papismus Protestantium vapulans w 1698 
ju einer ©efireitung ber, ber Crtboborie 
unb bem ^ietismu« gemeinfamen, Behren 
oon bem fteüoertretenben Xob Chrifti unb 
ber Sietbtfertiguug, burd? ben ©tauben über. 
Wadjbem er auf etnem i'anbgutc bei 3)arm=- 
ftabt ßcb mit 3*erfud;en, ©olb )u mad^en, 
befd)a'ftigt, fpäter in ©erlin ben ©tein ber 
SJeifen in finben gefud)t, bort in $cl$e einer 
©treitfcbrift gegen ben ©eneralfuberinten' 
benten oon fdjwebifcb Bommern, ÜJiaber, 
in« ©efängni« geworfen war, ging er nad> 
9lmfterbam, wefelbft er af« 91rjt wirfte unb 
ftebette 1714 naa) 3!(tena über, wo er fid; 
bur«b ©nmifdjung in bämfcbc ?Hegierung«= 
angelegenh, eiten eine fiebenjahrige ©efangeu* 
fd>aft ju^og. 1726 au« bem ©efängniffe ent« 
taffen, begab er ftd) nacb ©cbweben, ba« er 
aber wegen feiner Singriffe auf bie Ortho» 
borie 1727 oerlaffen mußte. (Snblicb fanb 
er 9?ube auf bem SGßittgenfleinfd;en ©djleffe 
©erleburg, bem bamatigen Slfpl aller 
©d^wärmer. ^ier brad; 3). aud; mit bem 
^ieti«mu« unb jog ftdj> „auf ben ©tauben 
an bie in aller Seit jerflreute ©emeinbe 
ber au« ©otte« ©eift Wabrhaft lieber- 
geborenen jurücf". 3). ftarb 1734 auf bem 
©düoffe SBittgenftein. ©rgt. ©r. ©au er, 

12* 



Digitized by Google 



180 Diptt^en - 

Icr (Sinfluf? be« englifctjen Ouäfertum« 
ouf bie beutfcbe Sultur ic. (1878); ©en- 
ber, 3. St, 3)., 3) et greigeift au« beut 
^iettsmu« (1882). z. 

riptucbcn (lat. Diptycha ecclesiastica, 
Matriculae ecclesiae) , jufammengelegte 
(diptycba = bo^clgefaltete) ©chreibtafeln 
mit c i ober mehr ©lättern ; in ber alten 
Äirche werben feit bem 3. 3abrb\ bie 3>. 
al* bie öffentlichen Xafelu gebraust, triebe 
bie tarnen berer, Welche bie abenbmab>« 
elemente geliefert, fowie bie Namen ber 
hfctyten Staatsbeamten, ber in ber Äircb>n« 

fiemeinfcbaft befmblicben ©ifeböfe, ber Jpci» 
igen, SRärtbrer nnb ©efenner, ber 2Sob> 
tastet ber Äircbe jc. enthielten. 3>ie 3). 
»erben gewöhnlich eingeteilt in 3). ber 
Sebenben nnb in bie ber «erworbenen; 
biefelben, bie bei ihren Cebjeiten im Liber 
viventium aufgeführt Waren, finbet man 
nach ihrem lebe in bem Liber mortaorum 
eingetragen. 3>ie in ben 3). berjeiebntitn 
tarnen würben beim ©otte«bienfie ber» 
lefen unb ine jtirebengebet emgefcbloffen ; 
e« galt bie ftuefrreicbuna, au« benfelben, 
bie al« ©träfe auf $ärefte, ©(bi«ma nnb 
febwere «erbrechen gefegt mar, al« <5jfom« 
munitation. 3)er Itturaifcbe Gebrauch ber 
2). tarn in ber abenblänbifeben Äirdjc feit 
bem 12. 3abrb. tn ©egfafl, erhielt fub 
aber bi« auf unfere j$tit in ber morgen* 
lanbifchen. h. 

Discalcf uti, f. 8arfft§et. 

DiHoiplina arcini, f . Arc»ai diteiplina. 

<Dt£öenfationen entbinben bon ber 
©erbfliebtung, in einem bestimmten %a\ic 
eine fachliche ©orfebrift }u befolgen. 3)a« 
9cecht ihrer (Ertbetlnng, ba« juerft ben 
©ifööfen juftanb, hat feit» feit 3nnocem III. 
ber fatf: borbebalten, ber einen 3Db)eil ber 
2)i«benfatton«befugniffe gewöhnlich^ ben Si- 
efen juWeift. 6. gefüllten. Xte 2). er- 
folgen tn ben oerfchiebenften gäüen, fte 
entbinben bont Cöltbat (f. b.), bon ber 3t> 
regularitSt (f. Otbination), bon bem «erböte 
ber Kumulation (f. b.), bon ben <5b«' 
hmbemiffen (f. b.), bom haften 0 b.), »on 
ben Älofiergelübben (f. «lofier) ic. 3>a« 
Xribeutinum beftimmt, baß biefelben un« 
entgeltlich unb nur nach genauer Prüfung 
ertheilt merben fetten, ©egen bie 3). trat 
Suther in ber febärfften ©brache auf; fie 
würben in ber ebangelifchen Äirdje auf ba« 
Aufgebot, bie ©ieberberbeiratbung ber 
Sinnen innerhalb be« Xraueriabre«, auf 
bie berfebiebenen (Shebinberniffe k. be« 
fchräntt. 3)a« Stecht ber 3). fällt in ber 
eoan^eltfcben äirche ben £anbe«herren, refb. 
ben tn ihrem Auftrage b>nbelnben Äon« 
fiftorien unb ©uberintenbenten ju. ©rgl. 



- X>iffenter«. 

©ranbbuber ton Stfcbfelb, lieber 
3>i«benfation unb 3Jt«benfation«r«ht nacb> 
fathoL Ätrcbenrettit (1888). t. 

£ Imputation ;,u ©aben in ber ©cbweij 

1526, f .öcolamtxiblu« unb Deformation (6d)»eq) ; 

3). ju ©afel 1524, f. 8«eij 3). ju ©ern 
1528, f. fallet nnb Reformation (6^n»ei|); 
3). JU Setb}ig 1519, f. Vutljer nnb Deforma- 
tion (Dentfdjlanb); 3). JU 8iom 1872, f. CjJa* 

t»| ft i; 3). ju Bürich 1523 nnb 1524, 
f. Btsingli- ». 

Eiffelboff, 3ultu« Huguft ©ott- 
frteb, ebangelifcber Xheolog, geb. 24. Ott. 

1827 ju ©eeft, fhtbierte Xheologie in $atte 
1846-49, arbeitete 1850—51 an ber 3>ia« 
loniffen - «ttftalt ju Äaifer«werth, würbe 
1853 Pfarrer in ©chermbect bei SBefel, 
1855 3:h- gliebner« (f. b.) ©ehilfe unb 
5Kitarbeiter unb 1865 beffen Nachfolger in 
£aifer«werth. 3). »eröffentitchte : „3)ie 
gegenwärtige Sage ber Jcretinen, ©(üb- 
finnigen unb 3btoten" (1857): „^Jaulu«, 
ber jbtecht 3efu <5h«fH" (3. mm. 1883); 
„3)ie @ef<h. Äönig 3)aoib«, 14 ^rebigten" 
(4. Äufl- 1873); „3>ie @efch- Äönig©aul«, 
11 «rebigten- (5. »nfl. 1873); ^«uth, 
bie